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Plrblique" bestätigt hierauf die Meldung desTemps" vom Zusammentritt der Colonial-Corsserenz in Berlin; diese Conferenz trete aus Grund einer Verein­barung zwischen Deutschland und Frankreich zusammen; ersteres habe sie bean­tragt, letzteres bewilligt. Somit ist die Meldung fast amtlich bestätigt. Auch was das vomTemps" gemeldete Conferenz-Programm betrifft, ist wahrschein­lich, daß in kurzer Zeit ein Gelbbuch über die Angelegenheit veröffentlicht wird. Die nicht grundsätzlich oppositionelle Presse erhebt gegen die Vereinbarung keinen Widerspruch.

Paris, 11. October. In Regierungflkreifen gilt e8 für wahrscheinlich, daß der Termin für bie allgemeinen Wahlen zur Kammer vorgerückt werde und die Wahlen schon im Laufe des Juni stattfinden.

Die Depesche CourbetS an den Marinemtnister aus Kelung, 9. October, meldet-. Er set mit Jnstalltrung der VertheidigungSanlagen für die Truppen be, schäfttgt, welche den Hafen und die Bergwerke von Kelung besetzen sollten. Die be­treffenden Operationen würden noch mehrere Tage in Anspruch nehmen. Von Tawsut auS set durch LandungScompagnien gegen die von den chinesischen Torpedomannschaften besetzten Posten eine Recognoscirung auSgrführt, welche ergab, daß der Hafen Tamsut nur durch eine Reihe Torpedo's verthetdigt werde; daS Ausfischen derselben set aber tn dem wegen der geringen Tiefe für größere Schiffe fast unzugänglichen Wasser, sowie wegen deS AneinanderrückenS der Küste sehr gefährlich. Der mit Entzündung der Torpedos beauftragte chinesische Posten set durch zahlreiche chinesische Infanterie geschützt, die in Dickichten im Hinterhalt liegen. Bet der fraglichen Recognoscirung seien auf französischer Sette 6 Mann gefallen, darunter 1 Schiffslieutenant. Zur Herstellung einer wirksamen Blokade der Häfen Tamsut, Talvafou und Takaukau an der Küste Formosas. woher allein Verstärkungen nach Formosa gelangen könnten, seien Vor­bereitungen getroffen.

England.

London, 10. October. Telegramme aus Berlin, Wien und Madrid ermähnen, daß im November in Berlin eine westafrikanische Conferenz zusam­mentreten solle; derTemps" hat diese Meldung bekanntlich schon vor einigen Tagen gebracht. Das Programm soll, nach demDaily Telegraph", einstweilen für England unannehmbar sein. DieDaily News" betont den Entschluß Englands, den Londoner Vertrag gegen die Boeren aufrecht zu erhalten und daß England nach Ansicht hervorragender südafrikanischer Militär-Autoritäten durch Lokaltruppen ohne Absendung englischer Regimenter den Boeren seinen Willen auszwingen könne und empfiehlt als Oberst-Commandirenden einen festen, taktvollen und mäßigen Officier. Das ministerielle Blatt sagt ferner, es besteht die unbegründete Anschauung, daß Großbritannien geneigt sei, seine südafrikani­schen Besitzungen an Deutschland oder eine andere Macht, welche sich zur Ueber- nahme der Schutzherrschast bereit fände, abtreten wolle. Das Ergebniß dieser Sturmnachricht liegt bereits in der Verminderung des englischen Handels und der Schwächung des englischen Kredits vor.

London, 11. October. An die Commandanten der englischen Schiffs­station in den australischen Gewäffern sind telegraphische Befehle ergangen, sich nach Neu-Guinea zu begeben und bas englische Protectorat über die Südküsten nebst den benachbarten Inseln zu proklamiren. Eine Ansiedelung ist für jetzt nicht gestattet.

DieTimes" erfährt, die britische Regierung beabsichtige die Bildung einer starken Polizeimacht in Der Cap-Colonie für den Schutz der Eingeborenen gegen fremde Invasion und für die Sicherheit der Handelsroute.

Belgien.

Brüssel, 11. October. Die liberale Vereinigung stellte für die am 19. ds. stattfindenden Communalwahlen zehn frühere Communalräthe als Candi- daten auf und außerdem sechs neue, darunter Janson.

Die Klerikalen und die Partei der Unabhängigen proklamirten gestern Abend gemeinsame Canbidaten für die Brüsseler Communalwahlen am 19. Octo­ber. Dies ist das erste Mal, daß die Klerikalen mit einer vollständigen Can- didatenliste in die Communalwahlen eintreten.

Verviers, 11. October. Die englische Post von gestern Abend, die planmäßig in Verviers um 3 Uhr 30 Min. Morgens eintreffen sollte, ist ausgeblieben. Ursache: Unwetter im Kanal.

Stallen.

Rom, 11. October. Der König spendete für die Opfer von Catania zehn­tausend Lire; bisher sind 32 Todte ausgegraben. Da die SanttätSlage tn Rom gut ist, werden die Volksschulen am 15. October wieder eröffnet.

Neapel, 11. October. Von gestern bis heute Nachmittag sind 114 Erkrankungen und 47 Todesfälle an der Cholera gemelset.

Rußland.

Petersburg, 11. October. Laut amtlichem Communique über die Studenten-Exceffe in Kiew wurde behufs Säuberung der Universität von schäd­lichen Elementen beschlossen, die Vorlesungen bis Neujahr 1885 zu sistiren. Alle Studenten wurden entlassen unter dem Verbot der Ausnahme in andere Univer­sitäten und Bildung einer Universitäts-Commission für den 1. December 1884 zur Entgegennahme der Bittgesuche um Wiederaufnahme. Die Commission muß hinsichtlich jeden Bittstellers die genauesten Recherchen anstellen und nur die­jenigen wieder aufnehmen, Deren Zuverlässigkeit durchaus zweifellos ist.

Aegypten.

Kairo, 11. October. Hier geht daS Gerücht, das Ministerium verlangte, der Khedive solle die SuSpendtrung der Amorttsirung durch ein Decret sancttoniren, um dadurch die Jncompetenz der internationalen Gerichtshöfe für den von den Mitgliedern der Schuldenkasse angestrengten Prozeß herbeizuführen. Der Khedive habe den Antrag aber abgelehnt und daS Ministerium wolle deshalb demissiontren. Doch bleibt daö Gerücht unbestätigt.

Der Untermudir von Dongola und der Gouverneur von Merawi bestätigen die Ermordung Stewarts. Lord Wolseley befahl dem Mudtr, mit Truppen nach Merawi zu gehen, um die Gefangenen zu befreien oder loszukaufen.

Amerika.

Quebec, 11. October. Neben dem Parlamentsgebäude fand heute Mittag 1 Uhr eine Explosion statt. Dieselbe richtete an den benachbarten Ge> bäuden großen Schaden an. Der Explosionsstoff soll Dynamit gewesen sein. Gegen 3 Uhr erfolgte unweit der Stelle der erwähnten Explosion eine zweite. Durch letztere wurde ein Arbeitsmann leicht verletzt, weiterer bemerkenswerther Schaden aber nicht angerichtet.

Telegraphische Depescheä.

Bolffi tslear. Sorr-worrdrrrL-'Brrrsa«.

Braunschweig, 12. October. Nach heute hier vorliegenden Nach­richten zeigte sich gestern im Befinden des Herzogs einige Besserung.

Kiel, 12. October. Se. Königl. Hoheit der Prinz Heinrich von Preußen ist in der vergangenen Nacht hier eingetroffen.

Äuebec, 12. October. Bei den bereits gemeldeten Explosionen in der Nähe des Parlaments-Gebäudes wurden zwei Personen leicht verletzt. Durch die Untersuchung ist festgestellt worden, daß der Explosionsstoff zweifellos Dyna­mit gewesen ist. Durch die erste Explosion entstand ein 12 Fuß hohes und 5 Fuß breites Loch in der Mauer der dritten Etage oberhalb des rechten Saal- Einganges ; durch die zweite wurden die an der Nordost-Ecke des Gebäudes die Stützen des Letzteren bildenden Ecksteine stark nach Außen gedrückt. Das Ge­bäude und die Sprengstoff-Magazine, sowie das Parlamentshaus in Ottawa werden jetzt streng bewacht. Auf die Ermittelung der Urheber der Explosionen ist eine Belohnung von 1000 Dollars ausgesetzt worden.

Rom, 12. October. Cholerabericht vom 11. dss. Mts. ES kamen vor: In den Provinzen Alsssandria 7 Erkrankungen und 1 Todesfall, Aquila 6 Erkrank- vngen und 2 Todesfälle, Bergamo 2 ErkrankungS- und 3 Todesfälle, Bologna 4 Erkrankungen und 1 Todesfall, tn BreScta 4 Erkrankungen und 3 Todesfälle, Caserta 1 Erkrankung und 1 Todesfall, Chtettl 2 Erkrankungen, Cremona 10 Er­krankungen und 8 Todesfälle, Cuneo 13 Erkrankungen und 21 Todesfälle, Genua 16 Erkrankungen und 16 Todesfälle, davon in der Stadt Genua 8 Erkrankungen und 10 Todesfälle, Mailand 1 Erkrankung und 2 Todesfälle, Modena 4 Erkankungen und 3 Todesfälle, Neapel 146 ErkrankungS- und 81 Todesfälle, davon in der Stadt Neapel 122 Erkrankungen und 70 Todesfälle, Novara 1 Erkrankung und 2 Todes­fälle, Parma 5 Erkrankungen und 2 Todesfälle, Vavta 10 Erkrankungen und 3 Todes­fälle, Reggio nell' Emilia 5 Erkrankungen und 2 Todesfälle, Rovigo 2 Erkrankungen und 1 Todesfall, Salerno 4 Erkrankungen und tn Turin 5 Erkrankungen und 4 Todesfälle.

Lokale-.

Gießen, 13. October. Gestern Nachmittag gegen 3 Uhr verursachte ein hiesiger Taglohner mit feinem hier auf Urlaub befindlichen Bruder, einem Soldaten des 66. Infanterie-Regiments zu Magdeburg, in der Kaplansgasse einen großen Menschenauf­lauf. Die Unholde mißhandelten ein in dem Stalle des Brodherrn des Ersteren stehendes Pferd in roher, brutaler Weise, indem sie dasselbe mit Mistgabeln und wahrscheinlich auch mit dem Säbel an verschiedenen Körpertheilen derart verwun­deten, daß das Pferd aus vielen Wunden blutete und in thierärztliche Behandlung gegeben werden mußte. Auf den ersten hinzugerufenen Schutzmann machten die beiden angetrunkenen Burschen mit Mistgabeln Attaque und mußte der Schutzmann vor den­selben zurückgehen. Während mehrere Schutzleute rcquirirt wurden, hatten sich die Brüder mit Mistgabeln auf den Heuboden der an den Stall grenzenden Scheuer postirt und drohten jeden, der ihnen zu nahe komme, zu erstechen. Sobald sich nun Jemand dem Heuboden nahte, wurde schon die Mistgabel zum Wurf nach ihm gerichtet. Eine auf der Kasernenwache requirirte Patrouille nahm den Soldaten, welcher mittlerweile, als er von einer Patrouille hörte, mit seinem Bruder vom Heuboden heruntergekom­men und sich durchmachen wollte, aber im Hofe von den Schutzleuten festgehalten wurde, in Empfang und brachte ihn auf die Kasernenwache, der Bruder wurde in das Haftlocal abgesührt. Der Soldat wurde heute Morgen nach seiner Garnison Magde­burg transportirt und der Andere dem Gericht überliefert Das Pferd ist schrecklich zugerichtet und durch die Stiche am ganzen Körper geschwollen.

Heute Nacht brach tn Lich, nach Beendigung der dort stattgehabten Wähler- Versammlung, in einer Scheune tn der Ztegelgasse Feuer aus und stand das Gebäude im Nu tn hellen Flammen. An Rettung der Vorräthe war nicht zu denken.

Der Einbrecher, welcher in der Nacht vom Freitag zum Samstag einem Hause der Gründergerstraße einen mißraiheneu Besuch abstattete, hat heute Morgen dem Richter sein Vergehen gestanden. Es ist ein Glasergehülfe, Andreas Kreß, angeblich aus Kahl bei Aschaffenburg gebürtig.

Die auf Samstag Abend nach Wiefeck berufene Wähler-Versammlung, in welcher der socialdemokratische Candidat Ulrich spcechen wollte, ist von der Behörde verboten worden.

Theater.

d. Gießen, 13. October.

Die beliebte Posse Jn dulci jubilo oder «Auf eignen Füßen" gelangte gestern Abend zur Aufführung; das HauS war vollständig ausverkauft, fast überfüllt und die Vorstellung verdiente und fand reichlichsten Beifall. Wir werden sicher nur vereinzeltem Widerspruch begegnen, wenn wir nach der 6. und fpicieQ nach der gestrigen Aufführung behaupten, daß unsere diesjährige Gesellschaft nicht nur ebenso tüchtig ist wie die vorjährige, sondern daß ste vor allem mehr gute Kräfte hat, als jene halte. Wer nur entfernt ahnt, mit welchen Schwierigkeiten die Jnscenirung eines solchen Stückes auf unserer Bühne verbunden ist, der wird das, worin die gestrige Vorstellung vielleicht hinter einer solchen auf großen Theatern zurückblieb, gewiß nicht auf Kosten der Mitglieder setzen, sondern er wird im Gegentheil diesen und vor Allem dem Regisseur, Herrn Voigt, feine volle Anerkennung zollen. Was; die Darstellung an- belangt, fo heben wir von dem Guten das Beste heraus. DaS Hauptoerdienst haben Fräuletn Sommer und Herr Voigt (Lieschen Spröde und Adolar Beseler, Matsch genannt); Fräulein Sommer ist eine Soubrette, die nicht umsonst tn Berlin, der Hetmath der modernen Posse, ihre Schule durchgemacht hat; sie spielte und sang sehr flut; daS an sich schon köstliche Duett im 2. Bilde gewann außerordentlich durch ttie hübsche Stimme und durch guten Vortrag. Bei Herrn Voigt muß auch ne principiellste Gegner von Superlativen zugeben, daß seine Leistung ausgezeichnet war; Gießen hat seit Jahren einen solchen Komiker nicht flesehen. Herr Schwarz (Herrmann Pfannenschmidi) spielte recht brav. Von vorzüglicher Wirkung war das Spiel deS Herrn Töldte (Schlächter Pinkert), Achenbach (Küster Glattbein) und Hendrich (1. Justizrath Lobedanz, 2. HauSwtrth Hasenhut) in ihren an sich kleinen Rollen. Auch die übrigen zahlreichen Mitwirkenden trugen alle ihr Bestes zum Ge­lingen des Ganzen bei; so ward z. B. besonders das fünfte Bild vortrefflich gespielt, Die Schlußgruppe die liebliche Erscheinung der Agnes (Fräulein Emilie von Jagemann) unter den gekreuzten Klingen der forschen Heidelberger Studenten sah sehr hübsch aus.

Handel und Bekehr.

Grünberg, 11. October. (Fruchtpresse.) Weizen JL. 17.10. Korn «AL 17.30, Gerste JL 14.50, Hafer «AL 12.70, Erbsen Jt. 10.00, Linsen JL 00.00, Lein «AL 00.00, Samen «AL 22.90, Kartoffeln «AL 0.00, Wicken 0.00.

Frankfurt, 11. October. Auf dem heutigen Markt kostete der Centner Heu «AL 2.75-3.20, Stroh 2.002.10, Eier das Hundert «AL 5406.00, Butter 1. Qualität «AL 1.15, 2. Qualität «AL 1.20, Kartoffeln per Centner JL 1.752.00, Kohlrabi 3-4 H pr. St-, Erbsen 100Kg. 24.00-32-00 JL, Rothkraut pr. St. 1020 Poularden «AL 00, Huhn 1.002.00, 1 Ente <,& 2.002.70, 1 Taube 4060^, Hahn «AL 1.902.00, Gans «AL 47.00, Welsche JL 5.00-8-00

Schiffs nachrichten.

Bremen, 11. October. sPer transatlantischen Telegraph^ Der Postdampfer Braunschweig, Capt. C. Pohle, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher aui 24. September von Bremen abgegangen war, ist gestern wohlbehalten in Baltimore angekommen.

Bremen, 11. October. sPer transatlantischen Telegraph.) Der Postdampfer Ems, Capt. Chr. Leist, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 1. Oktober von Bremen und am 2. October von Southampton abgegangen war, ist gestern 11 Uhr Morgens wohlbehalten in Newyork angekommen.

Kirchliche Anzeigen der evangrl. Gemeinde.

Heute, Montag, Abend 8 Uhr Bibelstunde in der Kleinkinderschule, Apostel- gesch. Kap. 14. Pfarrer Dr. Nauman n.

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