Einzelbild herunterladen

Mr, 2£O* Dienstag den 14. October 1884

Gießener Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

-chu.^.r. 7. ww mt Wxe NdtVA-n sa

Amtlicher H H e i l.

Betreffend: Die Revision der Brandversicherungskapitalien. Gießen, am 10. October 1884.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

an die Grotzherzoglich.cn Bürgermeistereien des Kreises.

Unter Hinweis auf die im Abdruck nachstehende Verfügung an die Brandschadensexperten beauftragen wir Sie, in den Fällen, in welchen die Experten Ihnen mittheilen, daß Gebäude zu hoch oder zu niedrig versichert seien, die Gebäudebeiitzer aufzufordern, die Verstchernngsanschlage ihrer Gebäude berichtigen zu lassen bezw. neue Declarationen abzugeben. Wird dieser Aufforderung keine Folge gegeben, so ist uns behufs Anordnung des Werteren Anzeige zu machen. Unser Ausschreiben vom 30. September l. I. (Anzeiger Nr. 233) bleibt von dieser Verfügung unberührt.

Dr. Boekmann.

Betreffend: Wie oben. Gießen, am 10. October 1884.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

an di- Brandfchad-nsexpert-n des Krsises.

Jin Auftrag des Großherzoglichen Ministeriums des Innern und der Justiz weisen wir Sie an, bei Gelegenheit Ihrer Anwe,enhert m den einzelnen Orten, soweit möglich, und in entsprechenden Zeiträumen die Brandkataster durchzugehen und dieMigen Gebäude, welche Sie bet dieser Durchsicht für zu hoch oder zu niedrig versichert halten, einer summarischen Revision zu unterwerfen. Bestätigt sich Ihre Anpcht bei dieser Revision, so ist deren Lrgebniß den Großherzoglichen Bürgermeistern mitzntheilen. $ Boekmann

ii «in mim i iinm

Irankreich.

Darmstadt, 11. Dctbr. Se. König!. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht:

Am'7. Dctbr. den Forstmeister des Forsts Darmstadt Karl Reiß auf jein Nachsuchen unter Bezergung der Zufriedenheit mit seiner mehr als 50jäh- rigen treuen und ersprießlichen Dienstführung in den Ruhestand zu versetzen.

Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht:

Am 7. Dctbr. den Hofjägermeister und Dberförster der Dbersörsterei Kranichstein Ludwig v. Werner zu Darmstadt zum Forstmeister des Forsts Darmstadt zu ernennen. , , ,p

Berlin, 10. Detober. DerReichs-Anz." veröffentlicht den kaiserlichen Erlaß an den Reichskanzler, durch welchen aus Grund des Gesetzes vom 16. Februar 1882, betr. die Ausführung des Anschlusses der freien und Hanse­stadt Hamburg an das deutsche Zollgebiet, ein Betrag von 4,000,000 <X, aus Grund des Gesetzes vom 2. Juli 1883, betr. die Aufnahme einer Anleihe für Zwecke der Verwaltungen des Reichsbeeres, der Marine und Der Reichs-Eisen­bahnen, ein Betrag von 18,192,720 <X, und auf Grund des Gesetzes vom 12. April 1884, betr. die Feststellung eines Nachtrags zum Neichshaushalts- Elat für das Etatsjahr 1884/85, ein Betrag von 18,790,000 «X, zusammen also 40,982,720 =X durch eine Anleihe beschafft, und zu diesem Zwecke ein entsprechender Betrag von 4procentigen Schuldverschreibungen, und zwar über 200, 500, 1000, 2000 und 5000 «X ausgegeben werde.

Der Bundesrath hat in seiner gestrigen Sitzung außer den Beschlüssen des Reichstags zu dem Entwürfe eines Gesetzes, betr. die Fürsorge für Wittwen und Waisen von Angehörigen des Reichsheeres und der Marine, auch die WinDthorst'sche Resolution, betr. die Entschädigung der Privatbeamten der Un- jalloersicherungs-Gesellschasten, abgelehnt. Die Beschlußnahme über den Antrag Ackermann wurde auf den von einem Mitglieds ausgesprochenen Wunsch hin von der Tagesordnung abgesetzt.

Es bestätigt sich, daß Deutschland die beteiligten Staaten zu einer Eonserenz in Berlin wegen der, Eongosrage eingeladen hat. Die Eonferenz soll im November zusammentreten. Man glaubt, daß das Ergebniß später auch den anderen Regierungen mitgetheilt werden soll.

Baden-Baden, 11. Detober. Se. Maj. der Kaiser machte heute der Herzogin von Hamilton aus Anlaß des Geburtstags derselben einen Besuch und nahm auch an dem Diner Theil, das zu Ehren der Herzogin von Hamilton im Großh. Schlosse veranstaltet war und zu welchem auch der Großherzog und die Großherzogin von Mecklenburg-Schwerin geladen waren. Die gewöhnliche Spazierfahrt war heute der sehr ungünstigen Witterung wegen unterblieben. Gestern Nachmittag hatte der Kaiser zu Fuß die Promenade besucht, um in den dort befindlichen Kaufhallen Einkäufe zu machen.

Braunschweig, 9. Detober. Wie bereits telegraphisch gemeldet, ist der Herzog in Sybtllenort tn bedenklichster Weise erkrankt. ES handelt sich diesmal, hier ein­gelaufenen Prtvalnachrichten zufolge, nicht um ein leichteres Uebel, sondern um eine zunehmende Schwäche, Appetitlosigkeit, Schlafsucht. Der Zustand ist derart, daß die Rückreise deS Landesherrn nach hier aufgeschoben werden mußte. Gestern traf der Vertraute des Herzogs, Kammerpräfident v. Hantelmann, aus Sybtllenort hier ein und berleth mit ben Ministern. In Folge dessen erschien auch heute Morgen in dem amtlichen Blatt eine Notiz über das Befinden des Herzogs, welche für jeden, der mit den Verhältnissen vertraut ist und zwischen den Zeilen zu lesen versteht, daS Schlimmste befürchten läßt. Heute ist Herr v. Hantelmann wieder nach Sybillenort zurückgekehrt. ES ist wohl zu begreifen, daß schon jetzt allgemein die Frage besprochen wird: Was wird aus Braunschweig nach deS Herzogs Tod werden? Man bezweifelt ja durchaus nicht, daß zunächst das sogenannteRegentschaftsgesetz" tn Kraft treten wird, welches eins provisorische Regierung durch einenRegentschaftsrath" festsetzt, der auS den drei Ministern, dem Präsidenten der LandeSoersammlung und dem Präsidenten dcS Ober- landeSgertchtS bestehen wird. ES soll diese Regentschaft etntreten, wenn, wie eS in dem Gesetze heißt,der erbberechtigte Thronfolger am sofortigen RegterungSantrttt

irgendwie behindert sein sollte." Für die nächste Zukunft wäre also gesorgt, aber ob sich die Dinge weiter den Bestimmungen deS genannten Gesetzes gemäß entwickeln werben, ist mindestens sehr fraglich. ES heißt nämlich tn § 6 deS Gesetzes: Sollte der Regierungsantritt deS Thronfolgers oder die Uebernahme der RegterungSverwesung durch einen berechtigten Regenten nicht innerhalb eines JahreS seit der Thronerledigung stattgefunden haben, so wählt die Landesversawmlung den Regenten auf Vorschlag deS RegentschaftSrathS auS den volljährigen, nicht regierenden Prinzen der zum deutschen Reiche gehörenden souveränen Fürstenhäuser, welcher sodann di; Regierungsverwesung biS zum Regierungsantritt deS Thronfolgers fortführt. Eine etwa erforderliche Wieder­holung der Wahl findet in gleicher Weise statt. sDie Hauptfrage ist übrigens zunächst die, wer überhaupt der nächstberechtigte Thronerbe ist. Nach einer wie eS scheint, auch in Braunschweig am meisten verbreiteten Annahme ist eS der Herzog von Cumberland, her alsoverhindert" sein würde; nach einer andere, von namhaften Juristen getheilten Anschauung aber ist der natürliche Erbe der Braunschweigischen Krone Niemand anders als der König von Preußens , (Äoln. Zig)

Braunschweig, 11. October. DerAnzeiger" meldet: Nach den über das Befinden des Herzogs hier eingegangenen telegraphischen Nachrichten Dom Freitag ist derselbe fieberfrei und sein Puls normal. Das Allgemein- Befinden giebt für jetzt keinen Anlaß zur Annahme besonderer Gefahr.

Kesternich.

Wien, 11. Detober. Die feierliche Schlußsteinlegung der Universität hat um 2 Uhr Nachmittags durch den Kaiser stattgefunden. Im Feftsaale hatten sich die Erzherzöge Karl Ludwig, Albrecht, Rainer, Wilhelm, die Minister, der Statthalter, der Landmarschall, der Bürgermeister, die Gemeinderäthe, die Sp'tzen der Civilbehö den» sämmtliche Professoren der Universität und anderer Hochschulen, Abgeordnete, der Erz­bischof mit der Geistlichkeit versammelt. Der Kaiser, der beim Hauptportale von dem akademischen Senate empfangen und tn den Festsaal geleitet wurde, erwiderte aus die Ansprache des Rectors Zfchokke:ES freut mich, diese schöne Heimstätte der ersten BildungSanstalt deS Reiches tn so glänzender, künstlerischer Weise vollendet zu sehen. Mögen der Jugend, welche h'er an der Quelle b?S Wissens die Elemente deS Berufes und deS künftigen LebenSglückeS aussucht, dieselben jederzeit in vollem Maße geboten werden und möge sie selbst, indem sie sich der großen, für diese reiche Bildungsstätte aufgewendeten Dpfer dankbar erinnert, erstarken in allen Zweigen der ^rkenntnitz und L'ebe zum gemeinsamen Vaterlande. ES wird meinem Herzen wohlthun, Jn dem Fortschritt an echt.r Wissenschaft und Tugend die Bürgschaft einer glücklichen Zäunst erkennen zu können und gern versichere ich in dieser Hoffnung, Lehrer Schüler dieser Hochschule für alle Zeit meiner besonderen Gnade und Fürsorge. (Ö eget fierte Hoch­rufe.) ES folgte die Beil sung und Unter,etchnung ber Sauurtunbe, der Vortrag eines Festchorals, die Volst Hungen ber Bauleiter und ein Rundgang. Beim Verlassen beS Gebäudes erschollen b geisterte Hochrufe auf den Kaiser. Die Ordnung innerhalo drS Gebäudes wurde durch Corpsstudenten musterhaft aufrecht erhalten.

Prag, 11. Detober. Der Landtag genehmigte bebattenloS die bekannten CommtssionSanträge betreffs der ZuckerknsiS. Der Statthalter wieS die der Regierung gemachten Vorwürfe wegen Pflichtverletzung durch mangelnde Initiative zurück und erklä-te, die Regierung werde den Wünschen beS Landtags möglichst entsprechen.

Pesth, 11. Detober. Im Abgeordnetenhaus interpellirt Jranyi wegen der Skierniewicer Kaiser-Entrevue und zwar über deren Zweck und Ergebniß, ob ein schriftlicher oder mündlicher Vertrag geschlossen sei.

Triest, 11. Detober. Die Handelskammer nahm einstimmig den Antrag der Börsensteuer-Deputation an, dem Kriegsmarine-Commando für die zweck­entsprechende Förderung des nationalen Handels und Verkehrs durch Entsendung von vier Kriegsschiffen auf Jnstructionsreisen, bei welchen durch zweckmäßige Vorkehrungen für die commerziellen Interessen vorgesorgt wurde, ihren Dank zu votiren.

AranLreich.

Paris, 10. Detober. DieMpublique" bringt einen offenbar sehr wohl überlegten hochofficiösen Artikel über das Einvernehmen mit Deutschland: Gründe zum Bündniß lägen nicht vor, wie etwa im Jahre 185o für England und Frankreich oder 1866 für Deutschland und Italien; ebenso wenig sei an­zunehmen, daß Frankreich jemals mit Deutschland in eine Einigung 6^ d^ mit Desterreich treten werde; dagegen seien deutsche und französische SriUrcffen so mannigfaltig, daß sie sich in gewissen Punkten begegnen mußten. OieR .