Ausgabe 
14.9.1884 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Die Deutsche Gesellschaft für Rettung Schiffbrüchiger versendet ihren Jahres­bericht welcher Zeugmß ablegt von der erfolgreichen Wirksamkeit diese« unter dem Protektorate des Kaisers stehenden gemeinnützigen Unternehmend, sowie von dem zu­nehmenden Interesse, welches ihm allerorts tm Reiche zugewandt wird. Die Zahl der von der Gesellschaft errichteten Rettungsstationen beläuft sich jetzt auf 88 (41 an der Nordsee und 47 an der Ostsee). Durch dieselben sind tm vergangenen Jahre in vier­zehn Fällen 88 Personen gerettet worden. Die Gesammtzahl der Personen, welche der Gesellschaft die Rettung ihres Lebens verdanken, belief sich bis Ende März 1884 aut l^^ermershelm, 4. September. Eine schreckliche Scene spielte sich heute Mittag auf dem Bahnhofe zu Bellheim ab. Ein von Straßburg kommender Zug mit Reservisten aus dem Elsaß führte einen Mann mit sich, der in etwas angetrunkenem Zustande Skandal machte, so daß der Feldwebel den Ruhestörer pflichtgemäß zurecht- wieS. Sofort zog der Zurechtgewiesene einen Dolch, versetzte dem Feldwebel zwei Stiche in die Herzgegend und nahm Reißaus. Seine Kameraden eilten ihm noch, fingen ihn ein, banden ihn mit Stricken und prügelten ihn dermaßen, daß seine Ge­sichtszüge nicht mehr erkenntlich waren. Nachdem dem unglücklichen Feldwebel ein Nothverband angelegt war, ging der Transport weiter hierher; es wurde der Gestochene in's MtlitärhoSpttal verbracht und erlag am Abend seinen tödtlichen Wunden. Der Thäter wurde durch die Militärbehörde daselbst verhaftet.

Wiesbaden, 8. September. Der Wein-Consum in der Festhalle unter den Eichen während deS 15. Mittslrheinischen Turnfestes beziffert sich nach der jetzt end- giltig festgestellten Abrechnung auf: a. 4180 Flaschen und 809 halbe Flaschen Niersteiner, 4586 Flaschen und 837 halbe Flaschen Turnerwein, b. 377 Flaschen und 252 halbe Flaschen Rüdesheimer Rottland und 47 Flaschen Bordeaux, c. 383 Flaschen und 239 halbe Flaschen rother Ober-Ingelheimer. Im Ganzen sind also (außer Selterswasser, Champagner, Cognac re.) 9573 ganze und 2137 halbe Flaschen Wein in der Feftballe getrunk-n worden. Der Gesammterlös aus den Weinen beziffert sich auf 19 517.15 Mark- An Bier wurden auf dem Fefiplatze während der sechs Festtage über 300 Hectoliter consumirt. Soweit fich bis jetzt das Gesammtverhültniß aller Einnahmen zu allen Ausgaben übersehen läßt, dürfte dos Fest einen Emnahme- Ueberschuß von etwas über 9000 Mark ergeben. Bon diesem Ueberschusse erhält nach getroffener Uebereinkunft der ältere Turnverein 3/6» der Männer.Turnveretn %, die Turngeskllschaft Vs*

Greiz, 7. September. Als der regierende Fürst Reuß ä. L- gestern Abend im Begriff war, nach Schloß Waidhaus zur Jagd zu fahren, wurde das Gefähtt des Fürsten im Walde von zwei jungen Leuten angefallen, welche den Pferden in die Zügel fiele« und auf Kutscher und Leibjäger mit ihren Stöcken etnschlugeu; der Kutscher wehrte sich -war so gut es ging mit der Peitsche, doch trug er immerhin ganz erheb­liche Verletzungen im Gesicht und auf dem Kopfe davon. Schließlich drohte der Fürst, von seinem Jagdgewehr Gebrauch zu machen, worauf die Vagabunden in den Wald entflohen. Dieselben wurden heute Vormittag in dem früheren Reitknecht Geßner und dem Kutscher Günther entdeckt und zur Haft gebracht. Zwei der Landwehrlmte, welche sich kürzlich bet der Landwehrübung weigerten, in einem Viehwagen zu fahren und sich dteserhalb telegraphisch an den Kaiser wendeten, sind zu je 8 Jahren Festung verurtheilt worden. Die Bestrafung des dritten, des Rädelsführers, ist roch nicht erfolgt.

Hamburg, 8. September. DieHamb. Börsenhall'" meldet nach via Liverpool eingegangenen Berichten, daß die von Dr. Nochtigal an der Goldküste aufgepflanzten neuen deutschen Grenzpfähle am 6. August umgehauen und zerbrochen seien, einer durch einen englischen Beamten, ein zweiter durch einen Neger. Dasselbe Blatt meldet, Doctor Buchner, der als provisorischer Gouverneur in Kamerun zurückgclassen war, sei von den Negern insulttrt. Er erreichte unverletzt eine deutsche Factorei.

Herr Lüderitz warnt wiederholt vor übereilter Auswanderung nach Angra Pequena. An den Redacteur derColontalzeitung" schreibt Herr Lüderitz unterm 13. August:Die Zeitungsnachricht, wonach ick beabsichtigen soll, eine Farm in Bethanien zu errichten und tüchtige Landwtrthe dafür zu engagiren, ist nicht von mir ausgegang-n. Es beruht diese Nachricht daher auf einem Jrrthum. An eine Colonisation meines Besitzthums in Südwestafrika «st vorläufig nicht zu denken, da ich erst damit beschäftigt bin, das Land nach jeder Richtung hin durchforschen zu lassen. Später soll dann mit Bergbau begonnen und die Anlage von Verkehrswegen, Bohrungen auf Trink­wasser rc. in Angriff genommen werden. Wenn dies so weit gekommen, läßt sich nach und nach dann eine Colonisation ins Werk setzen."

Lambrecht. 7. September. DaS 10jährige Töchterchen deS TagnerS Langen, bacher auS Neidenfels war gestern mit dem Femrschüren beschäftigt und hatte zur Förderung des Feuers Erdöl htnetngegosseu. Plötzlich schlug die Flamme zur Ofen» thüre heraus, erfaßte die Kleider deS Mädchens und tm Augenblick stand das arme und allein tm Hause befindliche Kind in Flammen. Da unglücklicher Wesse auf das Geschrei desselben hin nicht sogleich Jemand zu Hilfe kam und sie selbst k.'in Er- stickungsmtttel des Feuers wußte, wurde sie von der Flamme derart zugerichtet, daß keine Spur von Haut mehr, sondern nur daS nackte Fletsch und schwere Brandwunden an ibr zu sehen waren. Das^arme Kind ist seinen schmerzvollen Wunden heute ftüh um 5 Uhr erlegen.

- (Größenverhältnisse von Fefisälenss Durch mehrere Zeitungen ging jüngst wieder eine Mitthetlung über die Größenverhältnssse einer Reihe von Sälen Deuisch- lands und wurde dabei die Stadlhalle in Mainz mit 1337 OMeter als größter Saal bezeichnet. Dem ist jedoch nicht so. Der größte Saal Süddeutschlands ist die Stuttgarter Gewerbe- und Festhalle, die einen Raum von 3094 Meter umfaßt. Dieser folgt die Karlsruher Festhalle mit 1629 Q Meter und dann kommt in 3. Lmie erst die Mainzer Stadthalle mit 1457 LH Meter.

Handel und Verkehr.

- Falsche Fünfzigmarkscheine scheinen in größeren Mengen verbreitet zu sein, wenn sie auch namentlich im Königreich Sachsen zur Ausgabe gelangt sind. Die Nachbildung ist eine äußerst kunstfertige und das ficherste Merkmal, die Echtheit der Scheine zu erkennen, ist folgendes: Das starke mit einem Faserstreifen versehene Papier der echten Scheine ist durch Aufeinanderkleben zweier Papierblätter in der Weise nachgeahmt, daß ein Blatt gewöhnlichen Schreibpapiers an der betreffenden Stelle blau angetuscht, mit Fasern und Haaren bestreut und bann mit einem zwetten Blatt feinen Seidenpapiers überklebt ist. Die beiden zusammengeklebten Diätter lösen sich durch Befeuchtung mit lauwarmem Wassrr von einander und kann die Fälschung daher durch Eintauchung einer Ecke des Scheines in lauwarmes Wasser sehr leicht erkannt werden.

Berlin, 10. September. In den seit einiger Zeit jährlich im Arbeits-Mini- stcrium stattfindenden Conserenzen der Eismbahn-Verwaltungen über Maßnahmen zur weiteren Erhöhung der Sicherheit des Eisenbahnbetriebes ist auch wiederholt di« Frage erörtert worden, wie am besten die Verbindung zwischen den Reisenden und dem Zug­personal eines in der Fahrt begriffenen Eisenbahnzuges herzustellen sei. Da die Er­fahrung bewiesen hat, daß von allen bisherigen Einrichtungen sich durchgehende Zug­leinen, die seitwärts an den Außenseiten der Wagen angebracht sind, am beste« bewähren, so hat der ArbeitSminister in einer Verfügung bestimmt, daß btS October d. I. alle schnellfahrenden Züge und bis October 1885 alle übrigen Personenzüge der Haupt­bahnen mit der normalen seitlichen Zugleine ausgerüstet sein müssen. Die mit der Dampfpfeife der Locomolive in Verbindung zu setzende Leine ist auf der in der Fahrt­richtung rechiS gelegenen Seite anzubringen. Das Vorhandensein dieses Nolhsignals soll durch Anbrtngen von Plakaten in d-n Coupäs angezeigt werden.

Stuttgart, 4. September. sAllgemeiner Deutscher Versicheruvgsvereinss Im Monat Juli 1884 wurden 448 Schabenfälle angemeldet und zwar 321 äußere Der, lktzungen und 54 innerliche Erkrankungen. Von den Unfällen hatten 5 den sofortigen Tod und 27 eine gänzliche oder theilweise Invalidität der Verletzten zur Folge. Von den Mitgliedern der Sterbekasse starben im Monat Juli 20. Neu ausgenommen in den Verein wurden in diesem Monate 1838 Personen. Alle vor dem 1. Mai 1884 eingetretenen Schäden incl. der Todes- und Jnvaliditätsfälle find bis auf die von 23 noch nicht genesenen Personen vollständig regulirt.

Im Monat August 1884 wurden 443 Schadenfälle angemeldet und zwar 396 äußere Verletzungen und 43 innerliche Erkrankungen. Von den Unfällen hatten 6 dm sofortigen Tod und 26 eine gänzliche oder theilweise Invalidität der Verletzten zur Folge. Von den Mitgliedern der Sterbekasse starben tm Monat August 21. Neu ausgenommen in den Verein wurden in diesem Monate 3338 Personen. Alle vordem 1. Juni 1884 eingetretenen Schäden incl. der Todes- und Jnvaliditätsfälle sind bi« auf die von 28 noch nicht genesenen Personen vollständig regulirt. 5974

Dienstag d. 16.1. Mts., von Vormittags 9 Uhr an, sollen im alten Rathhause versteigert werden: «X

Erd- und Planierarbeit, ver­anschlagt zu 1205

Maurerarbeit, veranschl. zu 400 Steinhauerarbeit, 808

Schlofferarbeit, 189

Basaltsteinlieferung, 255

Steinfuhrlohn, 852

Chaussirarbeit, 504

Pflästererarbeit, 1903

Gießen, den 11. September 1884. Kroßh. Bürgermeisterei Gießen.

5934 A. Bramm.

IeikgeSotmes.

Neue

ZTSaOheringe^Z 84. Fang, in schönster Waare versendet das Postfaß von ca. 10 Pfund von 40 bis 50 Stück aarantirt, zu 3 Mark franco Postnachnahme.

P. Brotzen, Cröslin a/d. Ostsee,

5543 Regbz. Stralsund.

I» neues GriinKorn

pr. Pfund 33 Pfg., bei größerer Abnahme billiger.

H. F. Nassauer,

5938 Kreuz 6.

Meidinger Mllofen gebrarrcht,billig abzugeben bei 5813 Martin Scheel.

Allgemeiner Anzeiger.

Dem Herrn Emil Fistilbacll in Gießen habe ich den Allein­verkauf meiner chemisch analystrten garantikt ächten Tvkayev 9t<ltUrtt>cittC übertragen und verkauft derselbe:

Medicinal-Tokayer-Ausbruch, per Vi Flasche AL 2.10, 1828

f! ff ft fl 1/r ,, W 1.10,

Flacon 0.60,

pr. Vi Flasche AL 1.70,

" U W V2 0.95,

Medicin- Rothwein, M^neser-Ausbruch, pr. 1, Flasche AL 1.50,

V- 0.80,

Tokayer Szamorodner, alt gezehrt, nicht süß, per 1ft Flasche AL 1.60, 11 m ,, /, 11 V3 H h 0.85.

Erdö-Benye b. Tokay in Ungarn. Ern. Stein.

Wir versenden sranco und incl. Emballage gegen Nachnahme: 1 Postkiste Brutto 10 Pfund enthaltend:

H1OO Stück ächte, große und fette araer Kümmelkäse vorzüglich im Geschmack für AL 3.60

1 Postkiste enthaltend:

8 Pfund dellcaten Sahnenkäse

in Staniolverpackung für AL 3.60

Versandt-Comptoir der Harzer Käse-Fabrik 5252 zu Wernigerode a. Harz.

mwn rown

Neujahrskarten

in großer Auswahl empfiehlt

Emst fSsttser»

__ Mäusburg.

aw Wiederverkäufern Rabatt! 5942

Baron Liebigs Malto - I^egaminose - Mehl, -Chocolade und -Chocolade-Pulver

von Starker & Pobuda, Kgl. Hoflieferant, Stuttgart. 142 Beste blutbildende und leicht verdauliche Nahrungsstoffe für Kinder und Er­wachsene, von vielen medicin. Autoritäten warm empfohlen.

Niederlage in Gießen bei Carl Schwaab und H. Kinkel, Conditorei.

Vereinigte Rheinisch- Westphslischr Pulverfabriken in Coln a/Rheln,

Grösstes Institut seiner Art

liefern alle Sorten Pulver als:

Sprengpulver, Böllerpulver, Mousquetpulver, naßbrandiges Scheibenpulver, gepreßtes Büch­senpulver

und machen besonders auf ihr rühmlichst bekanntes, vielfach preisgekröntes

la JagdpulverHirfchmarke"

aufmerksam. 4657

Niederlagen bei allen renommirten Händlern und Büchsenmachern.

Waschschüsseln von Holz, sehr leicht und dauer­haft, empfiehlt

Eouis Eony,

5834 Marktstraße 23.

5044 Sommerjoppen, um damit zu räumen, verkaufe zu AL 1.50, 2. u. 3, Hosen, Joppen, Hemden, Blousen billigst; ebenso verkaufe ich getragene Kleider, wie: Hosen, Röcke, Hemden, Stiefel und Frauenkleider zu billigen Preisen.

Louis Rothenberger,

Neuenweg 22.______

SeWgeferligte lackirte Möbel

werden billig abgegeben. 2895

Fr. Meinhardt, Neustadt 5v.

Bcttfcdmi, Dannen und Roßhaare

bester Qualität, empfiehlt zu billigen Preisen 3277

Herrn. Aug. Müller,

Leinen-, Wäsche-, und Bettwaaren, geschäst, Settersweg-