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im Hause befindliche» Knopffabrik gegangen und hier hatte sich daS Mädchen angeblich viel Knöpfe genommen. Darüber Zank und Aeußerungen beS MävchenS: Dummer Zunge und Schafökopf. Der Bursche, hierüber erbost, läuft tn die Küche, holt ein Hackbeil und zertrümmert damit dem armen Kinde den Scbädel. Er schleppte dann die Leiche IN den Keller und versuchte run, sich selbst tn gleicher Weise zu tobten, was ihm aber nicht gelang. Auf sein Geschrei kommen die Angehörigen und Nachbarn her­bei und entdecken die gräßliche Blutthat. Der unselige Mörder liegt jetzt im Kranken­hause schwer darnieder.

- [Die veränderte Frau.) DieÄoln. Volks-Ztg." schreibt in ihren Wochen- Plaudereien: Auch das Dt-nstmadchen, das sich schlau au5 der Klemme riß, verdient der Vergessenheit entrissen zu werden. Madame N. aus der Mohrenstraße war von der R<ise zurückgekehrt; daS Mädchen batte Alles bestens besorgt und die Madame war zufrieden. Da wird ein Päckchen Photographien abgegeben, das Madame zufällig annimmt. WaS sieht sie? Ihr Mädchen aber in ihren, der Madame, besten Kleidern photographrrt'Da soll dock! - - . Anna, waS ist das hier? Kennen Sie das B ld?*Kaum, lew Madame. Oehr Kleider sinn et zwor; äwer watt hat Ehr Uech verännert!"

Wetterregeln und Wetterpropheten scheinen in diesem Jahre wieder einmal gründlich desavouirt zu werden. Zuerst wurde nach dem Grünen der Eiche und Esche ein nosseS, dann umgekehrt ein trockenes Jabr prophezeiht. Wie es 3 Tage vor dem Johannistage ist, logt eine ©etter read, so soll es den ganzen Sommer bleiben. Nun waren aber diese 3 Tage gerade die kältesten im ganzen Frühjahr. Ein Dr. W. Anger­stein, dessen Exclamationen auch wir nach dem »Berl. Tgbl." veröffentlichten, folgert nach dem gegenwärtigen Maximalstande der Sonnenflecken, daß es Heuer einen kalten und nnfffn Sommer geben werde. Glücklicherweise ist mit Sommersanfang auch wirklich der Sommer gekommen und hat der kühlen Temperatur (tn Ende gemacht. D'e heißen Tage haben her Landwirthschaft den größten Nutzen gebracht. Die Heu--rnte ift in vollem Gange, Qualität und Quantität erweist sich in gleicher Weise gut. Korn dürfte, wie wir hären, trotz der hier und da aufgetretenen Rostkrankheit, im Allge­meinen eine gute Ernte bringen. Strob gibt eS dieses Jahr in Hülle und Fülle. Der Hafer steht prächtig unb verspricht gleich der Gerste eine ganz ausgezeichnete Ernte. Die Kartoffeln machen sehr gute Fortschritte, doch bedürfen dieselben nunmehr des Regens, wenn damit ein annäherndes Resultat wie daS vorjährige erzielt werden soll.

Rüdesbeim, 7. Juli. Gestern trafen aus Elberfeld der Erste Staatsanwalt Herr Lützeler, sowie der die Untersuchung wider Reinsdorf, Bachmann und Genossen führende Landrichter Herr Schäfer nebst einem Landgerichtsschreiber hier ein, um den unter Bedeckung des Polizetwachlmeisters Weinreich hierher verbrachten Mitangeklagten Sattlergesellen Rupsch nochmals an Ott unb Stelle zu vernehmen, resp. seine früheren Aussagen auf ihre Richtigkeit zu prüfen. Das Resultat der Untersuchung bleibt vorerst verschwiegen; kann aber jetzt schon gesagt werden, daß das Attentat sowohl bet der Auffahrt, wie ebenso nach dem Mißlingen bet der Rückfahrt geplant gewesen und daß die Anarchisten hinsichtlich Zeit und örtlicher Verhältnisse, sowie der Fest­ordnung bet den EnthÜllungsfeterlichketten sehr wohl unterrichtet waren. Der betreffende Canal ist übrigens nicht am Denkmal, sondern tn der von der Nordsette zum Tempel führenden Fabrftraß; zu suchen. Da die am Festzelte auf derBleiche" erfolgte Explosion angeblich von den Angeklagten verübt sein soll, wurde auch dort örtliche Vernehmung vorgenommen und zeigte sich auch hier, wie auf dem Niederwald die genaue Lokalkenntniß der Anarchisten.

Hanau, 9. Juli. En schrecklicher Unglücksfall hat unseren Nachbarort Groß- Auheim in Aufregung unb Trauer versetzt. Beim Boden machten gestern Nachmittag vier Knaben im Alter von 1113 Jahren einen AuSflug über den Main, welcher bei dem jetzigen niedrigen Wasserstand an vielen Stellen durchwatet werden kann. Sie kamen auch glücklich an das jenseitige Ufer, kaum hatten sie dieses aber verlassen, um wieder herüber zu kommen, als einer der Knaben, von der Strömung erfaßt, in einer Untiefe versank- Zwei seiner Kameraden eilten dem Bedrängten zu Hilfe, doch wollte es daS Schicksal, daß alle drei dabei ihren Tod in den Wellen fanden. Als der vierte

Knabe, welcher etwas weiter zurückgeblieben war, auf einmal von seinen drei unglück­lichen Gefährten nichts mehr sah, befiel ihn eine solche Angst, daß er, nachdem er wieder das jenseitige Ufer erreicht batte, spornstreichs nach Hause lief unb die traurige Kunde mittheilte. Heute Morgen wurde die Leiche eines Knaben durch Schiffer Dechert in Krsselstadt geländet, die beiden anderen find bis jetzt noch nicht aufßtfunben.

München, 9 Juli- Wie dieSüdd. Presse* miktheilt, ist gestern im Laboratorium auf Oberwiesenfeld durch Unvorsichtigkeit beim Füllen von Patronenhülsen mit Pulver eine Entzündung erfolgt, infolge deren fünf Mann, darunter zwei sehr schwer an Gesicht und Händen verletzt wurden. Die übrigen hstsigen Blätttr melden von einem solchen Vorfälle nichts.

In Calvados in den Vereinigten Staaten ist ein Kind geboren worden, welches kaum 6 Zoll lang ist und ein Körpergewicht von nur V/t Pfund besitzt. Trotz dieser winzigen Dimensionen ist der Säugling ungewöhnlich munter unb schreit so laut wie ei« völlig ausgewachsenes Kind. Welchen Geschlechts es ist, besagt der Bericht nicht

Die im Frühjahr b. I. von einer Anzahl liberaler Mbgeortmten gebildete Centralstelle für Rathsertheilung an freie Hilfskrankenkassm hat bereits 480 Anfragen erlebigt. Mit Rücksicht auf das hierdurch zu Tage getretene große Bedürfniß hat das Comiiö bttchlossen, auf Mstie September d- I. einen VcrelnStag sämmllicher freier Hilfskassen Deutschlands r^.ch Bett n zu berufen, um auf demselben die wichtigsten Punkte zu beratben und insbesondere die Frage der Errichtung eines dauernden Ver­bandes nach dem Vorbild der Genossrnfchaften in Erwägung zu ziehen. Inzwischen setzt das Comitä seine Thäiigkeit ununterbrochen fort mb si id bezügliche Anfragen an Herrn Rechtsanwalt Dr. Edmund Friedemann ju Serin W., Potsdamerstratze 111, zu richten. Es ist wünschenßwerih, daß diejenigen Kassen, welche sich an dem Vereins­tage betheiligen wollen, schon jetzt sich bet Herrn Rechtsanwalt Friedemann melden und ihre etwaigen Vorschläge dem Comstö unterbreiten.

sE'N Selbstmord j Die Geschichte hat im W.ener Polizeibericht gestanden, sie ist also wahr; wäre sie das nicht, wir würden es gar nicht wagen, sie zu erzählen. Da trat ein hübsches Mädchen von wenig Über 18 Jahren in eine Apotheke und bat verschämt um 2 Deka Blausäure. Der Apotheker sah verwundert drein und wollte sich schon weigern; wer widersteht aber so leicht dem bittenden Blicke schöner Augen? Er sagte nur, er dürfe eigentlich nicht und er thäte es gewiß nicht, wenn nicht Fräulein so ehrlich aussähe.O, ich bitte, mein Herr!"©ie werden gewiß keinen Miß­brauch damit treiben?"£), was denken Sie, mein Herr!" unb sie enteilt, ein Pulver, sorgsam tn Papier verpackt, in den Händen. Kopfschüttelnd und seltsam lächelnd sieht ihr b?r Apotheker nach. Die Inhaberin eines großen ModewaarenlabenS in ber Stadt kommt Abends nach Hause unb findet die Tochter, in Thränen ausgelöst, beispiellos erregt auf bem Sofa liegen-Um Gotteswillen, Kind, was ift dir!" Die Tochter schlingt die Arme metnenb um den Hals ber Mutter:Verzeih', verztth', ich muß sterben. Ich habe Cyankali getrunken! Da lies!" Die Mutter las nicht, so einlabtnd die schön geschriebMiN Briefe auch auf dem Nachtkästch<n lagen, sondern sie schickte nach dem Arzte, der zunächst die Selbstmörderin anstaunte unb bann die Reste des GifteS prüfte, deren sofortige Verwerthung zur Versüßung von Erdbeeren er ber Mutter unbedenklich zugestcmd. Wie wir nun auf das Bestimmteste mittheilen können, wird der Apotheker nicht verklagt, und die ersehnteVernichtung einer Mädchen- exiftenz" erfolgt demnächst auf dem nicht mehr ungewöhnlichen Wege einer Trauung. Aus dem Mädchen wirb eine Frau. Woraus man auch ersehen kann, daß ein Selbst- morb nur bann nützt, wenn er keiner ist.

Eine vornehme Dame, welche einem Verein gegen ThierquLlerei beigetreten war, sagte zu ihrem Bedienten:Johann, fange doch die lästige Brummfliege, aber thue ihr nichts zu Leide, sondern lasse sie zum Fenster hinaus." Johann fing die Fliege, öffnete em Fenster, zögerte aber einen Augenblick.Run", fragte seine Herrin:Weshalb läßt Du die Fliege nicht hinaus?"Es regnet em wenig," erwiderte ber Diener. So, bann bringe sie einftwttlen ins Nebenzimmer."

Allgemeiner Anzeiger.

Bekanntmachung.

Anmeldungen wegen Berücksichtigung bei Vergebung der Zinsen des Vermächtnisses des Christian Gerhard Hast für das Jahr 1884 haben bis zum 19. d. Mts. einschließlich auf dem Bürgermeisterei-Bureau zu geschehen.

Gießen, den 7. Juli 1884.

Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen.

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