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Freitag den 12. December
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Amts- und AnzeigtblaN für den Kreis Gießen.
Bureau: SchuIstrah-7^ .»«.ich mit -.,n°h,n- des Montags NdMÄ-n m-NeljihrL
Amtlicher Tßeit.
Bekanntmachung.
Die unterm 17. September l. I. verfügte Sperre des unterhalb des Lenz'schen Felsenkellers durch den Viaduct der Main-Weser-Bahn hinziehenden Wegs wird hiermit ausgehoben.
Gießen, am 10. December 1884. Großherzogliches Polizeiamt Gießen.
Fresenius. ____
Das Großherzogliche Steuer-Commiffariat Gießen an die Großherzoglicheu Ortsgerichtsvorsteher des Bezirks. Die Ihnen dieser Tage zugehenden Bau- und Cultur-Veränderungs-Verzeichniffe wollen Sie 4 Wochen lang offen legen und sodann alsbald, mit der dessallsigen Bescheinigung versehen, an uns zurücksenden. Gießen, den 10. December 1884. Süffert. —
wieder zu gewinnen, welche sich neuerdings der Socialdemokratie angeschlossen ,, haben und sieht das einzige Mittel dazu in der entschiedensten Hervorkchrung - des rem demokratischen Charakters. Daß die gemäßigten Elemente in der ehr-
Die Nachwahlen zum Reichstage scheinen innerhalb der Berliner Fortschrittspartei eine weitere Verschiebung nach links bewirkt zu haben. Wenig- stens deutet die Aufstellung des Porzellan-Arbeiters Bey als liberalen Candi- baten im 6. Berliner Wahlkreise hieraus hin, denn dem Vernehmen nach steht Herr Bey auf dem äußersten radikal-demokratischen Boden. Mit einer gewissen Genugthuung wird von den radikalen Berliner Blättern darauf hingewiesen, daß sich die fortschrittlichen Vertrauensmänner des 6. Wahlkreises mit einer an Einstimmigkeit grenzenden Majorität für den am meisten nach links stehenden Candidaten entschieden haben; man sucht eben die Massen von Ueberläufern
136 gegen 24 Stimmen angenommen. Letztere deckt sich im Allgemeinen mit den Wünschen de» CabinetS Ferry und dasselbe wird nun ohne Zweifel die Genugthuung haben, daß auch die Deputirtenkammer jetzt der gefährdet gewesenen Vorlage wohl oder übel zustimmte. Am gleichen Tage erregte in der Kammer Der radikale Antrag auf Beseitigung des CultuSbudgetS eine animirte Debatte. In derselben erklärte sich von der Rechten Bischof Freppel entschieden gegen den Antrag und es wurde denn auch der erste Artikel des CultuSbudgetS mit 378 gegen 140 Stimmen angenommen, daaegen beschloß die Kammer trotz des Einspruches des Cultusministers die Herabsetzung der Gehälter der Bischöse und Erzbischöfe, so daß die Regierung in dieser Frage eine kleine Niederlage
maligen Fortschrittspartei, wenigstens was die Berliner Richtung anbelangt, immer mehr in's Hintertreffen gerathen, beweisen auch die bekannten Vorgänge in einer jüngst stattgesundenen fortschrittlichen Versammlung, bei der verschiedene Redner betonten, wie nothwendig es fei, daß man sich aus entschieden demokra- tischen Boden stelle. Es dürfte sich also wohl auch innerhalb der alten Fortschrittspartei eine Secession vollziehen, von welcher der gemäßigte Liberalismus
erlitten hat.
Vom englischen Cabinet ist ein Blaubuch über die sudafrikani- jen Angelegenheiten veröffentlicht worden. Dasselbe ist dadurch interessant, nß es eine Depesche Lord Derby's an den Cap-Gouverneur enthält, in welcher England dem Protectorat Deutschlands über Angra Pequena zustimmt. Zugleich spricht die Depesche die Verzichtleistung Englands aus die Annexion der Namaqua- und Darnara-Landes aus, mit der Motivirung, daß die Annexion eines Territoriums, welches unmittelbar an ein bestehendes deutsches Gebiet (Angra Pequena) grenze, dem internationalen Brauche nicht entsprechen würde. Dagegen deutet die Depesche auf die Geneigtheit der englischen Regierung hin, das Kalahari-Land in den Bereich ihrer Jurisdiction zu ziehen. Daß England darauf verzichtet, von den unmittelbar an Angra Pequena stoßenden Gebieten Westasrikas Besitz zu ergreifen, ist ein ebenso unerwarteter wie erfreulicher Beweis von Mäßigung in den Ansprüchen Englands und läßt dies hoffen, daß sich die deutsche Colonie in Angra Pequena nun um so ungestörter ent*
Politische Ueberficht.
Gieße«, 11. December.
Telegraphische Deichen.
Woiff'L teSesv. Sori:efps«vkrr3-VLrrraL.
Düsseldorf, 10. December. Bei der heute hier abgehaltenen Generalversammlung deutscher Eisenhüttenleute wurde an den Fürsten Bismarck ein Telegramm gesandt, welches nach der „Rhein.-Westf. Ztg." lautet: „Der Verein deutscher Eisenhüttenleute, welcher in seiner heutigen Generalversammlung als vornehmsten Gegenstand der Tagesordnung die wirthschaftlichen Vortheile
nur profitiren würde.
Die in den Verhandlungen des Reichstags-Plenums einge- tretene zweitägige Pause — welche nun allerdings wieder vorüber ist, — hat dafür momentan die Berathungen der afrikanischen Conferenz wieder mehr hervortreten lassen. Den Mittelpunkt derselben bilden zur Zeit die Verhandlungen der mit der Vorberathung der Schifffahrts-Akte für den Niger und den Congo beauftragten Conferenz, welche bekanntlich ihrerseits eine Sub-Commission gewählt hat. Die Commission hielt am Samstag eine Sitzung ab, um die Anträge und Vorschläge der Sub-Cornrnission entgegenzunehmen. In derselben wurden sämmtliche Artikel der Schifffahrts-Akte - mit Ausnahme von Art. 12 — angenommen, allerdings theilweise mit erheblichen Abänderungen, resp. Zusätzen Genehmigt wurden insbesondere die von der freien Schifffahrt aus dem Congo und den zu erhebenden Abgaben, von der Ausdehnung jener Bestim- mutmen auf die Nebenflüsse des Congo und die ostafrikanischen Ströme, von der Einsetzung und Constituirung der internationalen Congo-Commission u. s. w. handelnden Artikel. Abgelehnt wurde bei Art. 4 (Assimilirung der verbindenden Strab-n und Kanäle), der Antrag des amerikanischen Bevollmächtigten Sansord, das Privilegium einer Eisenbahn von Vivi nach dem Stanley Pool derjenigen Regierung zu ertheilen, welche die größte Strecke des Congo in Mer Gegend besitzt. In der Montagssitzung der Commission sollte über Art. 12 (Neutralität der Ströme in Kriegszeiten), zu welchem vier Anträge, darunter der von Amerika gestellte, die Neutralisirung des gesammten Congo-Beckens befirrwor- tenbe Antrag, Vorlagen, Beschluß gefaßt und hierauf am Dienstag eine Plenarsitzung der Conferenz folgen. ., .
Eine lehr beachtenswerte Warnung gegen die Auswanderung nach Nord-Amerika enthält der „New-Iork Star." In dem genannten Blatte wird u. A. darauf hingewiesen, daß der Arbeitsmarkt des großen Westens an Ueb?rsüllung leide, das Angebot übersteige die Nachfrage um das Vierfache und derselbe Uebelstand mache sich auch in den Seestädten Des Ostens bemerklich. In New-Bork z. B. irrten Tausende beschäftigungslos umher, ihr Leben in der erbärmlichsten Weise fristend. Der Arbeiter, welcher mit kräftigem Arm Hacke und Schaufel führe, könne zwar später wieder Beschäftigung finden, für Kaufleute Buchhalter, Handlungsbeflissene fei aber kein Platz da, da Amerika selbst schon in dieser Beziehung tüchtig ausgebildete junge Leute im Ueberflusse liefere und Hunderte aus diesen Klassen seien gezwungen, einen hoffnungslosen Kampf um das Dasein zu führen. Hoffentlich findet diese von amerikanischer Seite kommende Warnung in Deutschlano, wo man sich vielfach noch immer m unbegreiflichen Illusionen über die amerikanischen Verhältnisse wiegt, die gebührende sranröfifche Senat hat sich beeilt, Die wieder an ihn gelangte Vorlage über die Senatswahl-Resorm zu erledigen und dieselbe am Montag unter Ablehnung aller radikalen Amendements in Der Commissions-Fassung mit
wickeln werde.
Die langjährige Finanz-Missre, an welcher Italien laborirte, scheint endlich vorüber zu fein. Aus dem Exposö, welches Finanzminister Magliani jüngst in der italienischen Deputirtenkammer gegeben hat, erhellt, daß das Jahr 1883 für Italien einen Ueberschuß der Einnahmen gegenüber den Ausgaben von 24 Mill. Lire ergeben hat und ist überhaupt ein Gesammt- Ueberschuß von 44 Mill. Lire vorhanden. ES ist dies ein erfreulicher Beweis, daß das Cabinet de Pretis in die Bahnen einer gefunden Finanzpolitik eingelenkt hat, was schon aus der Abschaffung der Mahlsteuer und des verderbliche» ZwangScourses für Papiergeld erhellte. Das Jahr 1884 hat bis jetzt allerdings nur einen Ueberschuß von 300,000 Lire ergeben , welcher momentane Rückgang aber lediglich aus Rechnung der Cholera-Calarnität zu setzen ist. Für 1885/86 berechnet Magliani bereits wieder einen Ueberschuß von 108/10 Mill, und gedenkt die Regierung alsdann, nach Deckung särnrntlicher ordentlicher Ausgaben, noch über einen Dispositionsfond von ca. 90 Mill, zur Bestreitung der außerordentlichen Ausgaben und Amortisirung der Staatsschuld zu verfügen.
Heber Wirkung und Bedeutung der Madrider Studenten- Unruhen ist viel in Die Welt Hineintelegraphirt worden. Es hieß, dieselben hätten eine bedenkliche Gährung in ganz Spanien hervorgerusen, ja, die Stellung des Ministeriums Canovas del Castillo sei durch sie sogar bedroht gewesen. Eine ossiciöse Madrider Meldung bezeichnet jetzt alle die bezüglichen Mitthellungen auswärtiger Blätter als übertrieben, die Freiheit des Unterrichts sei bei jenen Vorgängen gar nicht in Frage gekommen und von einer Ministerkrisis sei keine Rede gewesen.
—I. Darurstadt, 10. December. Die Constituirung der dritten ordentlichen evangelischen Landessynode findet Montag den 15. d. Mts. statt. Es werden diesmal drei Sitzungen statthaben, welche Montag Vor- und Nachmittag, sowie Dienstag Morgen in Anspruch nehmen.


