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bigt. Sogar enragirte Republikaner leugnen nicht den mächtigen Eindruck, den das ebenso ritterliche wie menschenfreundliche Verhalten des König» auf die öffentliche Meinung hervorgebracht habe. Von ber wenig nutzenbringenden Qua- rantäne an ber österreichischen unb schweizerischen Grenze scheint man stch nun maßgebenden Orts in Rom überzeugt zu haben, denn der Gesundheitsrath hat beschlossen, die Quarantäne an den bezeichneten Grenzen auszuheben.
Die am Sonntag in Brüssel stattgesundene klerikale Maffenkund- gebung hat Gewaltthätigkeiten über Gewaltthätigkeiten im Gefolge gehabt, welche schließlich zu einem vollständigen Scheitern derselben führten. Die Liberalen halten Alles angewendet, um dieser Resultat Herdeizuführen, freilich sind hierbei allein in Brüssel beinahe 200 Personen verhaltet und über 100 verwundet »erben und zu ähnlichen Scenen kam er auch in Antwerpen, wenn auch in gerin« fletem Umsange. Er dürfte eine nicht ganz leichte Ausgabe sein, dar durch die sich wiederholenden Kundgebungen gestörte Gleichgewicht der öffentlichen Meinung in Belgien aus seinen normalen Stand zurückzubringen. Am ersten ließe sich dies wohl erreichen, wenn alle öffentlichen Demonstrationen, gleichviel, ob libe* rale oder klerikale, verboten würden.
In Bern ist am Montag die von den meisten europäischen Staaten beschickte internationale Conserenz zum Schutze der literarischen und künstlerischen E^emhum« durch den Bundes-Präsidenten Droz eröffnet worden. Letzterer würde auch zum ständigen Vorsitzenden Der Conferenz gewählt.
Die englische Regierung scheint sich nun doch endlich zu Concessto- nen an die durch das Bombardement von Alexandrien Geschädigten entschließen iu wollen. Sie will demnächst den Mächten einen bezüglichen Entwurf vor« legen; nach demselben soll den beteiligten Personen entweder eine sofortige «ahlung der ihnen zugesprochenen Summen abzüglich 25 pCt. angeboten, oder bie Zahlung der ganzen Summe in Aconto-Zahlnngen, die auf 10 Jahre ver« theill werden, offerirt werden. _
apolitisch- Ueberficht.
Gießen, 11. September.
Bezüglich der Theilnahme der Kaisers an den großen Manö- Dem am Rhein verlautet jetzt vielfach, daß dieselbe sich aus die Anwesenheit der Monarchen bei dm beiden großen Paraden beschränken werde. In den Dirpo- Rtionen bezüglich der Anwesenheit des Kaisers bei den ihm zu Ehren zu veranstaltenden Festen scheint' eine Amderung nicht beabsichtigt zu sein. Die „Post ihrerseits weiß zu melden, daß der Kaiser am 19. d. Mts. ine Parade de» 7 Armee-CorpS abnehmen und am 20. ds. dem Corps-Manöver beiwohnen wird. Am 21. dr. geschieht Die Uebersiedelung von Schloß Benrath nach Schloß Brühl am 22. wird der Kaiser der Parade, am 23. dem Manöver der 8 Armee-CorpS beiwohnen. Am 24. erfolgt der Besuch Münsters, am 2a. derjenige Kölns. Die Feldmanöver gehen in diesem Jahre den CorpS-Manövern voraus und wird bei jenen der Kronprinz seinen kaiserlichen Vater vertreten.
Der deutsche Kronprinz hat sich in Begleitung seine« zwMältesten Sohnes de» Prinzen Heinrich von Preußen, am Sonntag Abend zur Abhaltung von Truppen-Besichtigungen nach Bayern begeben. Von Bayern aus begeben sich ber Kronprinz und Prinz Heinrich direct zu den Manövern am Rhein.
Sie Wahlbewegung ist nun allenthalben in vollem Fluß, obgleich tis iur Stunde die osficielle Bekanntgebung de» W-hltermini für die Reich»- taarwahlen noch immer nicht erfolgt ist. Arn Sonntag hat in Elberfeld ber deutsch-sreisinnige Parteitag für Rheinland und Westfalen flattgefunben auf roeldiem etwa 1500 Personen anwesend warm. Rechtsanwalt Schmitz eröffnete bie Versammlung mit einer Begrüßungsrede; weitere Reden hielten die Abgg.
W Die irdische Hülle de» Generalfeldmarschall» Herwarth v. Sitten f et b ist am Samstag unter großen Feierlichkeiten per Bahn von Bonn nach Koblenz übergeführt worden, wo die eigentliche Beerdtgungsserer statlsindeR Der Kaiser war bei der Uebersührung ber Leiche nach dem Bahnhose durch einen be anderen Abgesandten vertreten, Den Obersten Fink v. Flnckenstttn.
Die bevorstehende Kaiser-Begegnung auf polnischem Boden ist feit der am Montag erfolgten Ankunst Der russischen Kaiserpaare« tn Warschau wieder ein Haupt-Thema der politischen Diieussion geworden Nur ist e» noch immer nicht ganz gewiß, ob auch Kaiser Wilhelm an der Zusammenkunft theil- nimmt welche zwischen Czar Alexander und Kaiser Fran, Josef entweder noch in dieser ober wenigsten« Anfangs nächster Woche stattfindet und zwar , wie i^t von verschiedenen Seiten übereinstimmend versichert wird, zu Skiermewice an der Warschau - Wiener Bahn. E« ist schon früher von Berlin aus darauf binaewiesen worden, daß bie bevorstehenden Manöver-Anstrengungen bie immer- hin beschwerliche Reise nach Russisch-Polen al« nicht räthlich für unfern Kaiser erscheinen ließen, anderseits wird aber jetzt behauptet, daß Kaiser Wilhelm doch gleichfalls nach Skierniewiee reisen werde, wahrscheinlich begleitet vom Fürsten Bismarck Vorläufig ist demnach in dieser Beziehung da« Weitere abzuwarten, ^ebenfalls wird aber der Monarchen-Entrevue in dem russischen Städtchen, mag sie sich nun schließlich aU eine Zwei- ober eine Drei - Kaiser - Zusammenkunft Herausstellen, eine große politische Tragweite nicht abzusprechen fern, bie stch schon daraus ergiebt, daß ber Czar saft von allen seinen Ministern, unter ihnen auch Herr v Gier«, ber Leiter Der auswärtigen Angelegenheiten Rußlands, begleitet ist. Vor Allem dürste aber die Monsrchen-Begegnung m Skiermewice eine Abgrenzung ber widerstreitenden Interessen Rußlands und Oesterreichs auf bet Balkan-Halbinsel herbeiführen, soweit sich bie« im Rahmen ber Bestimmungen be« Berliner Vertrage« durchführen läßt, und hiermit wäre für bie weitere Erhaltung be« friedlichen Zustande« in Europa schon viel gewonnen.
An« China liegt heute wenig Reue« vor, aber auch diele« Wenige zeugt von dem Vorherrschen ber kriegerischen Stimmung m den leitenden Pekinger Kreisen. Dafür spricht z. B. bie Absetzung von 6 Mitgliedern de« Depot- tement» ber auswärtigen Angelegenheiten, weil sie zum Fr leben mit Frankreich gerathen haben unb weiter bebroht bie chinesische Regierung alle biejemgen, welche bie Zahlung ber Entschädigung anempsehlen, mit harten Strafen. Ferner sollen die chinesischen Behörben Shanghai für neutral, Woosung dagegen, mit Ausnahme eines Kanals, für blodirt erklärt haben. Ein bedenkliches Zeichen für ben wachsenden Fanatismus der Chinesen ist die Plünderung ber Häuser der^ Fremden in Fu-tscheu, und zwar ohne Unterschied der Rationalität, durch chinesische Soldaten. Da dir Engländer doch schon vor einiger Zeit ein starkes Detachement Marine-Truppen in Fu-tscheu gelandet haben, so läßt sich eigentlich nicht begreifen, weshalb sie nicht bie Plünderung des Fremden-Viertels verhindert haben. 21(8 definitiver Nachfolger des Generals Millot im Ober-Commando des fran- Mschen Expeditions-CorpS in Tongking nennt man jetzt den General Briöre be l'Jsle. Eine rasche Wiederbesetzung dieses wichtigen Postens empfiehlt sich qu4 um so mehr, als in der That eine chinesische Armee sich in drei Colonnen in Bewegung gesetzt haben soll, um zunächst bie französischen Stellungen in Honghoa unb Bacninh anzugreisen.
Die sanitären Zustänbe Italiens stellen sich noch immer als wenig erquickliche dar. König Humbert selbst hat sich nach Neapel begeben, welche Stadt zur Zeit al« der Haupt-Choleraherd der Appenmnen-Halbinsel betrachtet werden muß, um durch feine Anwesenheit den gesunkenen moralischen Muth der Bevölkerung zu heben. Da« edle Beispiel selbstvergessener Aufopferung, welche« der edle Herrscher seinem Volke tn schweren Tagen giebt, wird von dem intelligenteren Theile der Nation feiner vollen Tragweite nach gerour-
Telegraphische Depesche«.
Wolff'» tsle-o. LorrespoirdlirL-Birreorr.
Wiesbaden, 10. September. An bem heutigen Hauptfesttage der Versammlung ber Gustav-Adolf-Stistung hielt Prof. Dr. Sachse von Herborn in ber von Andächtigen bicht gefüllten Kirche bie Festpredigt. Die baraut folgende erste öffentliche Versammlung wurde von dem Vorsitzenden, Prof. Dr. ^ride. mit einer Rede eröffnet, woran sich Begrüßungen des Oberkirchenraths durch ben Probst v d. Goltz, bei nassauischen Landes-Confistorium«, de« ConsistoiiumS und der evangelischen Kirche Siebenbürgen« unb Anberer anschlossen. Dr. v. Kne- gern erstattete den Generalbericht de« Centralvorstandes. Bei der Festtafel wurde an Se Maj. Den Kaiser Das folgende Telegramm gerichtet: Am Fuße de« Niederwaldes, den Ew. Majestät für immer dem deutschen Volke zur herzerhe- benden Wallfahrtsstätte gemacht hat, bringt soeben die 38. Hauptversammlung der Gesammtverein» der Gustav - Adolf - Stiftung, Männer au« Alldeutichtand und weiter her, dem allgeliebten und allverehrten Kaiser aus tiesstem patriotischen Herzen ein begeisterte« Hoch und gestattet sich, ihren ehrfurchtvollsten Gruß $u den Füßen des erhabenen Protektors der Gustav-Adolf-Sache niederzulegen.
Siel, 10. September. Das UebungSgeschwader ist in vergangener Nacht vor der Kieler Bucht eingetroffen. Die Manöver haben heute Morgen begonnm^ 10 September. Der Dampfer „Alice", au« Hamburg,
Kapitän Jensen, welcher stch mit einer Eisenladung auf ber Sahst von Middles- borough nach Stettin befand, ist gestern im Hollanderdyb (südlicher Thell de» Sunde«) gesunken, nachdem er auf einen Reifen aufgeftoßen war. Die Mann- schast wurde gerettet, der Kapitän ertrank. Die Masten und der Schornstein ragen aus dem Wasser hervor. Das Schiff kann wahrscheinlich gehoben werben ; man erwartet Verficherungsbeamte aus Hamburg, um einen Reitungs- 60nttlR*®'10USenptember. Der König besuchte In Begleitung de« Herzog« ».Aosta, hn* ffT?intfter Devreiis Maneini. fototc Öt8 Präsecten unb Bürgermeisters b c bis beutenbften Cwtl- unb Milttärhospitäler, In benen sich Cholerarcanke besinn, sowie »in finSnfi fn welärem bie Familien ber Erkrankten untergebracht sinb. Der Kön g, ber für seine Person alle DeSinfecttonsmaßregeln ^gelehnt haben soll, ging von Bett in Bett selbst »u Sterbenben unb sprach ben Kranken Muth unb Trost ein. Auch hat der König Maßregeln ang-ordn-t, durch welche die V-rth-u-rung der L-b-nSmMel »er- btnbert werben solle. Der Besuch beS Monarchen macht ersichtlich aus bie Bevölkerung etnen titten Einbruck. Derselbe wirb, wo er sich zeigt, mit begeisterten Zurufen empfangen. Wie es heißt, ist auch ein Besuch bis ärmeren Stabtoiertels in Aussicht genommen. bcm ^wachsen ber Cholera erweist sich bie Anzahl der Spitäler
unb Aertte als ungenügenb. Im Svstale Conocchia find selbst die Treppenhäuser mit sanken b-l?at ^n ein» einzigen Straße sinb in einer Stunde 30 Erkrankungen an ffÄlÄraäfiiSK Au'ch ein Ätbeamterf.ber MnWhn Eskorte wurde von ho- Krankheit befallen. Zahlreiche Einwohner verlassen bie Stabt.
ber Är™ o^em „Reutersschen Bureau" wird au« Shanghai von heute telegraphitt, daß die chinesischen Behörden bereits bie Dpe> rationm für die Absperrung der Einfahrt de« Woosung-Flusse» durch nut Siel« " ’J'Ä&Ä ».-»»;••• 7»
d-m Kh-did- in Audienz empsangeu und ubdr.eMe demleiden em Schreien Lord Granville'», welche« die Beglaubigung Lord Northbrook« dbercom missar England» enthält und gleichzeitig die egyptpche Regierung um -b« Unter stützung bei Lösung der wichtigen schwebenden Fragen, namentlich hmfichllich te$
213. Freitag den 12. September 18S1
Gießener Anzeiger
Amis- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.


