resp. In taktvoller Weise zur Beseitigung derselben aufzufordern, wird die Schuhmannschaft daran erinnert, daß fie, die zum Schutze der Bürger und zur Verhütung straf- Larer Handlungen und Ueberrretungen berufen ist, die Pflicht hat, wo sie solche lieber- Iretungen wahrnimmt, zuuLchft die Betreffenden in höflicher Werse darauf aufmerksam zu machen und zur Besetttgung derselben anzuetfern. Nur oann, wenn dec Aufforderung absichtlich oder ohne zwingende Gründe nicht entsprochen wird, haben die Schutzleute nach genauer Feststellung deS Thatdestandcs gegen den der Uebertretung Schuldigen Strafanzeige zu erstatten. Stets soll sich die Schutzmannschaft eingedenk sein, daß sie zum Schutze des Bürgers berufen ist und daher zunächst ihr Augenmerk auf d'e Besetttgung solcher Mißstände und Gesetzwidrigkeiten richten, welche in der That die Bürger belästigen und nicht bei der Constattrung geringfügiger Uebertcetungen die Ermittelung wichtigerer Strafhandlungen außer Acht lassen.
Berlin. Im Re chSgesundheitsamte hat der Geh. Regierungsrath Dr. Koch nach seiner Rückkehr uuS Frankreich am 23. Juli vor einem kleinen auserwählten K e.se von Fachmännern seine Erfahrungen und Ansichten über di« Cholera dargelegt. Diesem Vorträge wohnten bet: der Geh. Rath Prof. Dr. o. Bergmann, Generalarzt Dr. Coler, Geh. Rath Dr. Eulenberg, Docent Dr. B. Fränkel, Stabsarzt Dr. Gaffky, Geh. Rath Prof. Dr. Hirsch, Geh. Rath Prof. Dr. Leyden, SanitätSrath Dr. S. Neumann, Medicinalrath Dr. Pistor. Generalarzt Dr. Schubert, Geh. Rath Dr. Skrzeczka, Geh. Rath Dr. Struck, Geh. Rath Prof. Dr. Virchow, Geh. Rath Dr. Wolffhügel.
Vor Eröffnung der Sitzung demonstrirte Geh. Rath Koch mehrere m-kroskopffche Präparate der Cholera-Bacillen und erklärte die Methoden ihrer Darstellung. Selbft- verftändlich war es für die Anwesenden nicht allein von hohem w ssenschaftlichen, sondern auch persönlichem Jntrrrsse, den vtelgesuchten Urheber der schrecklichen Seuche zum ersten Male in Augenschein zu nehmen. Geh. Rath Virchow eröffnete alSdann die Sitzung mst der Erklärung, daß er die Einladungen erlassen habe auf Wunsch des Herrn Koch selbst, weil dieser es vorläufig für unttzunltch erklärte, tu größerer Versammlung seinen Vortrag zu ballen.
Hierauf nahm Geh. Rath KoL das Wort zu seinem mit Spannung erwarteten Vorträge, welcher zum Thetl in der jüngsten Nummer der „Berliner klinischen Wochenschrift" bereits oorliegt. Da es für Jedermann von hohem Interesse sein muß, die eigenen Ansichten des gegenwärtig ohne Frage bedeutendsten Forschers auf dem Gebiete der Volkskrankheiten über die uns Allen drohende Cholera in authentischer Form zu hören, so geben wir hiermit nach dem „B. T * einen allgemein verständlichen Auszug des streng wissenschaftlich gehaltenen Vortrages.
Der berühmte Gelehrte begann mit der Erklärung, daß man zur Einführung sanitärer Schutzmaßregeln, namenilich gegen Seuchen, vor allen Dingen möglichst fest begründeter wissenschaftlicher Grundlagen bedürfte, weil es sich dabet nicht allein um sehr kostspielige Unternehmungen, sondern auch um das Wohl und Wehe vieler Menschen bandelt Leider sei das noch nicht überall der Fall und namentlich der Cholera gegenüber fehle es an einer solchen festen Basis. Allerdings sei bereits eine Menge von Ansichten über das Wesen, die Verbreitungs- und Ansteckungswetse der Cholera geäußert und verschiedene Theorien darüber ausgestellt worben; doch gehen die Metnungrn so weit auseinander, daß man sie nicht ohne Weiteres olS Stützen und Ausgangspunkte für die Maßnahmen zur Bekämpfung dieser Seuche annehmen kann.
Nach Darlegung der Differenzen in den bisherigen Anschauungen geht der Vortragende dtrect zu den Elfahrungen über, welche er im vergangenen Jahre in Egypttn und Indien bei den Sectionen von Choleraletchrn gemacht hat. Trotz sorgfältigster Untersuchung aller Organe des Körpers und des BluteS — was nebenbei gesagt mit hoher Gefahr für den Secirenden selbst verbunden ist — fand er nur im Darm, sonst nirgends, t-efe und auffallende Veränderungen. Das Interesse concenlrtrte sich also ausschließlich auf die Veränderungen des Darmes, welche in vrslen Fällen außerordentlich schwerer, in anderen leichterer Natur waren. Bei der mikroskopischen Untersuchung des Darmes und seines Inhaltes stellte sich heraus, daß entsprechend der Sckwere der krankhaften Veränderungen eine Einwanderung von Bakterien stattgesunden halte. Diese Bakterien waren zum Theil oberflächlich, zum Theil tiefer in daS Gewebe eingedrungen. Bezüglich des DarminhaltS war Anfangs kein klares Bild zu gewinnen, da eine Unzahl der verschiedensten Bakterien sich darin vorfanden, so daß man auf die eigentlichen Cholera-Bacillen gar nicht aufmerksam werden konnte. Erft nachdem Koch einige frische, rapid verlaufene Fälle untersucht hatte, in denen es noch nicht zu Blutergüssen in die Darmschleimhaut oder zu fauliger Zersetzung gekommen war, erkannte Koch, daß, je reiner, je frischer die Fälle waren, um so mehr e m bestimmt« Baktertenal vorherrschte, die ganz gleichen Charakters war.
Dieser Befund lenkte selostverftändlich seine Aufmerksamkeit immer mehr auf diese Bakterien und er begann sie nach allen Richtungen zu untersucherr. Diese Bakterien Lat Koch wegen ihrer eigenthümlichen Form „Komma-Bacillen" genannt; durch die Zablenangabe ihres Umfanges kann man kaum eine richtige Vorstellung über ihre Größe und Längs erhalten, so unendlich klein sind dieselben selbst in vielhundertfacher Vergrößerung unter dem Mikroskop. (Die Trichine ist im Vergleich zu diesen Bachen ein Riesenthier und selbst der Schwindsuchts-Bacillus übertrifft sie noch bei Weitem an Größe.) Doch sind die Cholera-Bacillen plumper und dicker als die Schwindsuchts- Bac llen und mit einer leichten Krümmung versehen, welche für gewöhnlich nicht stärker als die eines Kommas ist. In manchen Fällen ist diese Krümmung eine doppelte, indem sich an das eine Komma ein zweites anlegt, so daß ein lateinisches s daraus entsteht. Ferner wachsen die Cholera Bacillen häufig zu mehr oder weniger langen Fäden aus, welche sehr zierliche, lange Schrauben bilden und die größte Ähnlichkeit mit den im Blute von Rückfallfieber-Kranken gefundenen „Spirochacten" haben. Wegen Lieser eigenthümlichen Entw'ckelungsform ist Koch zu der Annahme geneigt, daß der Komma-Bacillus gar kein echter Bacillus (Stabchenpilz), sondern eine Uebergavgsform zwischen Bacillen und Svtrellen bildet.
Der Komma-Bacillus wächst in Fleischbrühe außerordentlich schnell und reichlich, bewegt sich darin sehr lebhaft und wmn sich eine Menge angesammelt hat, so schwärmen sie durcheinander, „wie ein Schwarm tanzender Mücken". Außerdem wachsen die Komma-Bacillen in Milch, im Blut und sog. Nährgelatine, wobei sie sehr charakteristische Eigenschaften entwickeln. Am besten gedeihen die Bacillen bei einer Temperatur zwischen
- also bei Körperwärme, doch sind fie gegen niedere Temperatur^ empfindlich und wachsen, wenn auch entsprechend langsamer, noch bei 16 bis
170 C Weitere Versuche haben sogar gezeigt, daß sie auch daS Frieren bei 10° Kälte S?nz sut vertragen können. Dagegen entwickeln sie sich nicht, wenn ihnen Luft und Sauerstoff entzogen wird.
3® Ganzen wachsen die Komma-Bacillen außerordentlich rasch, ihre Entwickluna erreicht schnell einen Höhepunkt, auf welchem sie sich nur kurze Zeit halten und nimmt dann schnell wieder ab. Am besten kann man diese Vegetatronsverhältnisse beobachten, wenn man Substanzen, welche reich an Komma-Bacillen sind, auf feuchte Erde bringt ober auf Leinwand ausbreitet und tn feuchtem Zustand erhält. Ein solches Präparat, welches von der mit Entleerungen beschmutzten und feuchten Wäsche eines Cholera- nanken stammt, wurde vom Redner demonstrirt und zeigte fast nur Komma-Bacillen. Sehr lange hält indeß dieses üppige Wachsthum n cht an, schon nach zwei bis drei Tagen fangen sie an «bzusterben und andere Bakterien, namentlich Fäulmßbaktericn, treten auf. Koch möchte fall ann-chmeri, daß, wenn man die Komma-Bacillen von vornherein in eine ausgefaulte Flüssigkeit bringt, sie gar nicht recht zur Entwicklung r bald absterben. Dies* Punkt ist insofern wichtig, weil eS nicht
gleichgültig ist, ob die Komma-Bac llen, wenn sie in eine Abtttttsgrube hineingelangen, bort einen guten ober einen sehr schlechten Nährboden finden. Im ersteren Falle werden sie sich vermehren und müßten durch Desinfection zerstört werden, tm le|teren Falle aber würden sie absterben und es würde keiner weiteren Desinfection bedürfen
„ UeJier,nbcn Einfluß entwicklunghemmrnder Substanzen auf das WachSthum der Komma-Bacillen hat Koch eine Reihe von Untersuchungen angestellt, wobei er bemerkt. « "och keine Desinfection ist. Das von Davaine als
?Eerten bezeichnete Jod hat sich hier nicht bewährt. Alkohol hält die Entwicklung der Bacillen erst bann auf. wenn es in einem Gebalt von 10 Procent ^?Esammten vorhandenen Flüssigkeit gegeben wird — eine Concentration, die praktisch nicht mlhr verwendbar ift. A-dnltch nerbält sich Kochsalz. Eis-nsulphat, Alaun, Kamxb-r, CarbolsSure. Pf-ffermünzöl. Kupsersulphat, Chmin unt> Sublimat, welch I-tztercs sich au» bi-r allen anderen Substanzen weit überlegen zeigt. Hierbei ergab sich auch die auffallende Thatsache, daß die Komma-Bacillen, wenn sie getrocknet werden außerordentlich leicht absterben, oft schon nach zwei bis drei Stunden. Nie aber gelang
/£n?Etf 24 Stunden in trockenem Zustande lebensfähig zu erhalten. Dieses Resultat ist insofern wichtig, als man dadurch ein Urtheil über den Dauer- rustand der Bacillen erhalten kann, was für die Lehre der Entstehung der Cholera von besonderem Werthe ist. Es wurden Choleradejecüonen und Darminhalt von Choleraleichen auf Leinwand in feuchtem Zustande gelaffen, damit sich die Komma-Bacillen unter den günstigsten Bedingungen entwickeln konnten. Nach verschiedenen Retten wurden Stücke der Leinwand getrocknet, also z. B. nach 24 Stunden, nach emiaen Sagen, nach mehreren Wochen, um zu sehen, ob sich nicht doch tn dieser Helt irgendwie ein Dauerzustand gebildet haben würde. Denn die Jnfection durch Cholerawäsche 1 einzige unbestrittene Beispiel für das Vorhandensein eines wirksamen Jn-
fectionSstoffeS, welcher einem bestimmten Gegenstand anhaftet. Wenn irgend wo ein ^uerzustand zu finden war, bann hätte es gerade in der Cholerawäsche geschehen wuffen. In allen diesen Versuchen hat sich ober niemals ein Dauerzustand nachweisen lassen. Wenn die getrockneten Sachen untersucht wurden, zeigte es sich, daß die Komma- Bacillen abgestorben waren.
Hi" bricht der Bericht über den Vortrag ab, die Fortsetzung erscheint demnächst. . > f in Bonn abgehaltenen Studentencommers zu Ehren
des scheidenden Professors Maurenbrecher wurde folgendes, an die Germania des Tacitus. über welche der Gefeierte noch am Morgen des Tages in der Universität gesprochen hatte, anknüpfende launige Lied gesungen: ö
An einem Sommerabend im Schatten des heiligen Haind, Da lagen die alten Germanen und tranken immer noch etn8.
Da kam deS W-g8 von ferne ein römischer Mann zu Fuß, Der sprach: »Guten Tag, msine Herren, ich heiße Tacitus Von Ihres Landes Sitten schreib' ich eine Biographie, D'rum möchte ich Sie bitten, erklären Sie mir Lk."
Da schwiegen die alten Germanen und reichten ihm einen Krug;
Er trank in kurzen Zügen, sprach bald: „Jetz' hab' ich genug." Da lachten die alten Germanen auf beiden Ufern des Rheins, Und ließen ihn spinnen und ttinken noch eins und immer noch eins. Und als er am anderen Morgen sich seinen Jammer besah, Da schrieb er voller Rache in seine Germania:
„Es wohnen die alten Germanen auf beiden Ufern des Rheins, Sie liegen auf Bärenhäuten und trinken immer noch eins."
4qqa ~ ^ie Lebensverficherungs-Gesettschaft zu Leipzig, auf Gegenseitigkeit 1830 gegründet, hatte im ersten Halbjahr 1884 sehr günstig- Geschäftsergebnisse zu verzeichnen, indem während dieser Zeit 498 Versicherungsanträge mit 2 40170Ö Jt. me^r beantragt und an Sterbefallen 17 350 JL weniger angemeldet wurden, als im Ersten Halbjahr 1883^ Der Versicherungsbestand ist auf 37 851 Personen und 209 Millionen Versicherungssumme gestiegen, was gegen den 1. Juli 1883 einen
Zuwachs von 2069 Personen und 14 410 500 ergibt. In derselben Seit ift bQt Aru^gen um 41/« Mill onen JL gewachsen; dasselbe beträgt jetzt 45 Millionen sicher angelegt. An Versicherungssummen hat die Gesellschaft bis jetzt ^Millionen ausgezahlt und an Dividenden an ihre Versicherten 14 Millionen rückvergütet.
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