arabische Cavallerie, welchen Befehl er angeblich sehr glänzend ausführte, dabei aber beinahe in einen Hinterhalt geriet!), denn nachdem er die feindliche Cavallerie einen Kilometer weit verfolgt hatte, stürzten plötzlich Specrträger aus dem Busch hervor. Major Giles retirirte gegen die Front und nun wurde von allen Seiten, außer im Lücken, ein Gewehrfeuer eröffnet. Die von Baker Pascha geführten Truppen waren überrascht worden, obgleich der Angriff erwartet werden konnte, da die Vorposten schon einige Zeit vorher sich immer näher an die Haupttruppe herangezogen hatten und in Unordnung gerathen waren. Von den Officieren bet denselben mar nichts zu bemerken. Mittlerweile hatte die Infanterie die früher einexercirten Bewegungen auszuführen begonnen, um ein großes Carrö zu bilden. In der Front und auf der linken Seite, 311111 Theil auch auf der Rechten war das Manöver gelungen, allein in den übrigen Theilen und im Rücken zeigten die Compagnien eine wilde regellose Masse.
Zn diesem Augenblick stürzte der Feind trotz der Wachsamkeit der Cavallerie- und Infanterie-Vorposten plötzlich mit wildem Geschrei ans dem Gebüsch hervor und griff namentlich die linke Seite und die linke Front des Carrög mit Wuth an Die verzweifelten Anstrengungen der Egypter, in die gehörige Stellung zu kommen, das Durcheinander der Befehle, das Chaos im Rücken, wo 300 Kameele, alle Bagage und Com- missariatswagen einen Weg in das Innere des Carrös sich zu erzwingen suchten, spottete jeder Beschreibung. Was als Rückendeckung dienen sollte, war eine wilde Masse von Menschen, Pferden, Mauleseln und Kameelen, welche sich bis ins Centrum hinein zog. Die Ncgersoldaten aus dem Sudan, welche die linke Seite und einen Theil Der Front bildeten, standen eine Zeit lang fest, wurden aber bald durch das Eindringen ihrer cgyptischen Collegen und der Kameele demoralisirt. Die egyptische Cavallerie fing zuerst an zu fliehen, die Officiere voran. Was fiel, wurde massacrirt. In ihrer Panik feuerte die Infanterie in ihrem sog. Carre nach allen Seiten und der Oberbefehlshaber, Baker Pascha, welcher sich mit seinem Stabe außerhalb des Carres vor der Front befand, wurde beinahe von seinen eigenen Leuten todtgeschossen. Ein egyptischer Soldat wurde in unmittelbarer Nähe des Correspondenten der „Daily Rems" von einem Kameraden erschossen und Capitän Cavalieri wurde in derselben Weise getödtet. Zuletzt bot die Scene ein Bild wilder Metzelei. Die Egypter warfen ihre Gewehre fort, fnieten nieder, erhoben ihre Hände und baten um Gnade. Die Araber ergriffen aber die Feiglinge im Genick, durchbohrten sie von hinten mit ihren Sperren und schnitten ihnen die Köpfe ab. Diese fürchterliche Metzelei dauerte während der ganzen Flucht, auf einer Strecke von 8 Kilometer bis zu dem Fort, welches die Trupven am Morgen verlassen hatten. Das Jauchzen der Araber und das Geschrei ihrer Opfer war schrecklich. Nach 8 Minuten, nachdem der plötzliche Angriff der Araber begonnen hatte, befand sich die ganze egyptische Armee auf der Flucht. Von einem Sudan- Regiment, das 400 Manu stark war, kehrten nur 70 Mann zurück. Von dem türkischen Bataillon nur 30. Eine aus Italienern bestehende Compagnie von 36 Mann wurde vollständig vernichtet. Den Arabern sielen in die Hände: 4 Krupp- und 2 Gatlina- Kanonen, 3000 Gewehre, 36000 Pfund Munition für die Kanonen und eine Masse Gewehr-Patronen- Schon auf dem Marsche hatten die Truppen weder Disciplin noch Festigkeit gezeigt. „Als ich bei einer Jnfanteriecolonne vorbeiritt" — erzählt der Cor- respondent des „Standard" — beschloß ich sofort, mich, falls der Feind angreifen sollte, diesen Soldaten nicht anzuvertrauen, denn ich war überzeugt, daß sie bei dem ersten Angriff ausreißen würden. Diesem Entschlüsse verdanke ich es wahrscheinlich, baß ich am Leben geblieben bin." Oberst Sartorius hatte sich in dem Carrö befunden, machte aber vergebliche Anstrengungen, die Egypter zu sammeln. Schließlich gelang es aber auch ihm, wie Baker Pascha, sich durch den Feind durchzuschlagen. Dr. Leslie, Morris Bey und Capitän Walker sah man sich mit Schwert und Pistole in der Nähe der Kanonen gegen die Feinde nach allen Seiten vertheidigen — sie sind schließlich aber der Uebermacht erlegen.
Nachdem die Verfolgung aufgehört hatte — die Araber scheinen die Kanonen der Kriegsschiffe gefürchtet zu haben, allein es befand sich in dem Augenblick gar kein Kanonenboot im Hafen — stürmten die Fliehenden an die Seeküste, um sich der dort vorhandenen wenigen Boote zu bemächtigen. Daran wurden sie aber durch die englischen Officiere gehindert, und hätte der Feind auch hier noch einen Angriff gemacht, so hätte er den Rest der Truppen ohne Widerstand niedermachen können. Die Araber zeigten eine offenbare Verachtung gegenüber den Egyptern, denn es kam vor, daß ein einzelner Araber eine ganze Anzahl egyptischer Soldaten angriff, und ein einzelner berittener Araber griff sogar eine ganze Cavallerie-Abtheilung an. Er verwundete den egyptifchen Commandanten, welcher zu sehr erschreckt war, um sich zu vertheidigen. Schließlich wurde der kühne Araber von einem englischen Ofsicier erschossen.
Die Araber, welche an Zahl geringer als die Egypter waren, griffen mit solcher Tapferkeit an, daß die englischen Correspondenten ihre Bewunderung dein Gegner hichtt versagen können. So viel ist klar, daß von einer Beherrschung bce Sudan durch die Egypter nicht mehr die Rede sein kann. Die Araber haben sich ihren bisherigen Beherrschern in jeder Beziehung überlegen gezeigt. Der Fellah ist ein guter Bebauer des Bodens, aber zum Soldaten taugt er nichts.
L 0 k a t e s.
tt Gießen, 8. Februar. Dem uns vorliegenden, den Zeitraum vom 1. April 1882 bis -um 31. März 1883 umspannenden Verwaltungsbericht über die Stadt Gießen, welcher ein interessantes Spiegelbild der fortschreitenden Entwickelung unseres Gemeinwesens ist, entnehmen wir die Antwort auf folgende Fragen:
Wie hoch beliefen sich die Einnahmen und Ausgaben?
Die ordentlichen Einnahmen betrugen 430418,28 JL, darunter aus den Waldungen 66 496,92 JL und 91153,42 JL vom Octtot; die außerordentlichen Einnahmen betrugen 123 000,54 JL Die Summe der Umlagen betrug 247777,83 JL; die Hauptsumme aller Einnahmen belief sich demnach auf 801196,65
Allgemeine
Die ordentlichen Ausgaben bez'fferten sich auf 572422,20 <A darunter für Schulhäuser und Schulen 88 972/26 Die außerordentlichen A usgaben erreichten die Höhe von 103 725 JL, demnach betrug die Hauptsumme aller Ausgaben 676 147/20 JL
Es verbleibt also ein Ueberschuß von 125 049,25 JL, welcher in baarem Gelde einschließlich des Betriebskapitals (106 322 JL), tn Vorlagen und in Ausständen besteht. (Forts, folgt-)
— sThi er sch utz-Vereins In der Ausschußsitzung am 4. d. M. wird nach Erledigung verschiedener gpschästttcyer Dinge zunächst Über die Ausschußsitzung in Darmstadt und Über den «statutenrEntwurf referirt- Die Statuten oder Satzungen des Hauptveretns sind inzwischen auf der X. Generalversammlung am 29 December berathen und beschlossen worden. Em Abdruck der neuen Satzungen ist für die nächsten Tage in Aussicht gestellt und können dann endlich die Satzungen des hiesigen Zwetg- veretns, nachdem sie mit denselben in Einklang gebracht sind, gedruckt und an die Mitglieder verthetlt werden. In der Januar-Sitzung war auf den üblen hustand der Fahrwege von der Eiustetgehalle der Oberhessischen Bahn nach dem Güterschuppen der Cöln-Mindener Bahn und von dem ChausseehauS an der Frankfurter Straße nach dem genannten Schuppen resp. bt8 zur Besitzung Schlessinger aufmerksam gemacht worden. Nach genommenem Augenschein hatte sich der erstere Weg als sehr schlecht erwiesen, so daß für die zahlreichen dort verkehrenden Wagen allerdings eine Quälerei der Zugth'ere vorliegt, der zweite Weg konnte dagegen nicht beanstandet werden. Es wurde deshalb beschlossen, an das König!. Bettiebsamt Cassel und an die Direction der Oberhessischen Bahn, denen die Unterhaltung des qu. Weges obliegt, Schreiben iu richten und um baldige Abstellung deS Mißstandes zu bitten.
Herr Cur sch mann und Mttzenius übernehmen cs, die bestellten Nistkasten an geeigneten Plätzen anfhängen zu lasten.
Das Herumtragen der Zeitschrtjten, Einkassircn der Gelder rc. kann für die Folge nicht mehr wie seither durch die Schutzmannschaft geschehen und erhält der Vorstand den Auftrag, eine geeignete Persönlichkeit sür diese Geschäfte zu engagtren.
Es wird beschlossen, die jeden ersten Montag rm Monat stattfindenden Sitzungen nicht mehr per Circular, sondern nur im „Gießener Anzeiger" anzusagen.
Es wird m'tgethetlt, daß wahrscheinlich tn Folge der in den umliegenden Gemeinden ausgeschriebenen Lieferungen von Spatzenköpfen in hiesiger Stadt verschiedene Jungen und Jünglinge mit Flobert-Flinlen tn den Gärten auf die Spatzenjagd gehen und dabei wahrscheinlich auch Sing- rc. Vögel schießen. Der Verein schließt sich ganz der Ansicht an, daß, wenn auch Spatzen vertilgt werden sollten, jedenfalls dtes nicht Sache der Jugend ist und bet dieser nur demoralisirend wirken kann. Es ist übrigens auch polizetlich verboten, in der Nähr von Wohnungen zu schießen und werden die Eltern auf die Gefährlichkeit dieser Fltntchen, die gar nicht so harmlos sind, wie oft gesagt wird, aufmerksam gemacht, denn es ist erwiesen, daß man mit denselben einen Menschen auf dem Platz todtsckießen kann. Herr Polizetrath Fresenius übernimmt eö, die einschlägltchen Polizei-Verordnungen von Neuem öffentlich tn Erinnerung zu bringen.
VsemSschts-.
Darmstadt, 3. Februar. Dem „evangelischen Kirchengesangverein für Hessen- sind bis beute bereits aus nachbenannten Gemeinden deS Großherzogthums 54 Kirchen- gesangverktne und 3 Chorschulen betgetreten bezw. angemeldet: Darmstadt, Nauheim Alsheim, WormS, Gießen, Bestungen, Erbach, Schönberg, Geinsheim, Oppenheim, Heppenheim a. d. W., Langstadt, Raunheim, Zwingenberg, Reichenbach, Arheilgen, Schlitz, Wald-Michelbach, Neckar-Steinach, Bad-Nauheim, Groß-Rohrheim. Mommen heim, Friedberg, Lich, Allendorf a. d. L., Londorf, Grünberg, Vrelbrurm, Groß-Gerau, Wimpfen, Darsberg bet Neckar-Steinach, Langen, Alzey, Nieder-Ramstadt, Ginsheim, Lindenfels, Rödgen bei Gießen, Sprendlingen tn Rhetnh<sscn, Lengfeld, LurkhardS- Ober-Jngelheim, Staden, Wöllstein, Harxheim, GunterSblum, MonSheim, Alsfeld, Gimbsheim, Crumstadt, Eimsheim, Kriegsherrn, Reinheim, Groß Umstadt, Eich und Bingen. Die formelle Beitrittserklärung her drei zuletzt genannten Vereine steht in Kürze zu erwarten. Die Zahl der einzelnen Personen, welche die Mitgliedschaft mit einem Jahresbeitrag von mindestens 1 JL erworben haben, beläuft sich auf 52 Weitere Beitrittserklärungen sind zur Förderung der Vereinsaufgaben dringend erwünscht und wird gebeten, dieselben schriftlich an den Vorstand des Vereins (Vorsitzender Geheimerath Hallwachs, Schriftführer Reallehrer Becker tn Darmstadt) gelangen
Schiffs nachrichten.
Bremen, 5. Februar. (Per transatlantischen Telegraph.^ Der Posidampfer Donau, Capt. H.Engelbart, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 20. Januar von Bremen und am 23. Januar von Southampton abgegangen war, ist heute 8 Uhr Morgens wohlbehalten in Newyork angekommen.
Verkäufe und Verpachtungen, Ketheiligungen, Stellen-Vakanzen etc. werden am sichersten durch Annoncen in zweckentsprechenden Zeitungen zur Kenntniß der bez. Reflektanten gebracht; die einlaufenden Offerten werden den Inserenten im Original zugesandt. Nähere Auskunft ertheilt die Annoncen-Expedition von Rudolf Moste, Frankfurt a. M-, Roßmarkt Nr. 3. 73
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