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Sonntag den 10. Februar
ZwettesDlatt
Nr. 3S
Amts- und Anzcigtblatt für den Kreis Gießen
Erscheint täglich mit Ausnahme des MontagS.
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Die „Sedlaeht von Ted".
Kwei enalisckie Keitunascorrespondenten — von der „Daily News" und dem „Standard" welche die Armee Baker Pascha's von Trinkitat nach Tolar zum Entsätze dieses Platzes begleiteten und glücklich dem Blutbade entronnen smd, melden geradezu erstaunliche Einzelheiten über die „Schlacht" an dem Brunnen von Teb. Ww entnehmen denselben ^olgend^es^^ Februar, brachen die egyplischen Truppen, 3600 Wann stark von dem Fort auf, welches 5 Kilometer von Trinkitat, dem Hafen am Roth-n Meere entfernt ist- Drei Bataillone Infanterie marschirten compagmeweise^ Artillerie und Eavallerie in der Front und an den Flanken nach allen Seiten auf eine Entfernung von IV2 Kilometer Eavalleriepoften ausfendend. Um 9 Uhr yorre man von den Vorposten an der linken Front Schüste und eine Anzahl Feinde wurde sichtbar. Dieselben wurden jedoch durch drei Schüsse aus Krupp schen Kanonen zer^ streut, allein der Feind erschien wieder auf den Hohen in der Front und rechts, «o auch plötzlich eine kleine gegnerische Eavallerietruppe sichtbar wurde. Es waralso klar, daß der Feind sich von allen Seiten auf die Egypter stürzen wollte und Major^Gile , welcher die türkische Eavallerie befehligte, erhielt Ordres zum Angrist gegen die
Gießen, 9. Februar.
Unsere innere Politik laborirt seit einiger Zeit an einer gewissen „Ereignißlosigkeit" und auch die abgelaufene Woche trug diese Signatur. Aller- dinaS sind augenblicklich keine großen Fragen aus der politischen Tagesordnung; die Discussion über das Unfallversicherungs-Gesetz ist bis in das tz erschöpft und wird wohl auch erst mit dem Zusammentritt des Reichstages wieder ausgenommen werden und was das preußische Abgeordnetenhaus anbelangt, so ist hier noch immer der Etat an der Reihe und diesem Kapitel läßt sich für weitere Kreise kaum mehr eine interessante Seite abgewinnen.
Das preußische Abgeordnetenhaus muß bereits wieder zu Abend- Sitzungen seine Zuflucht nehmen, deren erste es am Mittwoch abgehalten hat. Da der Reichstag dem Vernehmen nach Anfangs März zusammentritt, so muß sich das Abgeordnetenhaus freilich sputen, wenn es bis dahin mit seinen Arbeiten fertig werden will — und ob dies bis zu dem genannten Zeitpunkt geschieht, ist auch noch ftaglich. Hat doch das Haus allein an dem Cultusetat seit Donnerstag den 31. Januar sich abgemüht, und in mancher Sitzung kaum ein Kapitel desselben erledigt — da darf man sich nicht wundern, wenn sich dann die Verhandlungen schier unendlich in die Länge ziehen.
Wir leben offenbar in einer Zeit großer Verbrechen. Auf die Raubmord-Attentate in Stuttgart und Wien und die Schauerthaten Hugo Schenk'S ist jüngst in München wieder ein frecher Raubversuch in einem Bankgeschäft gefolgt und in Leipzig endlich sind aus einem Postwagen zwei Geld- beutel mit 80,000 Jt. Inhalt geraubt worden. . c
Das österreichische Abgeordnetenhaus wie der Wiener Gemeinderath haben sich in dieser Woche mit den von der Regierung erlassenen Ausnahme-Verfügungen beschäftigt. Im Abgeordnetenhause motivirte der Ministerpräsident Gras Taaffe am Dienstag eingehend die betr. Regierungs- Maßregeln, worauf das Haus mit allen gegen 3 Stimmen die Einsetzung einer 24mitgliederigen Commission zur weiteren Berathung der Ausnahme-Verfügungen beschloß. Am gleichen Tage kam die Angelegenheit auch im Wiener Gememde- rathe zur Sprache und wurde der Beschluß gefaßt, an den Reichsrath eine Petition zu richten, wonach die Ausnahme-Verfügungen nur beschränkte Anwendung finden sollen. Im Uebrigen ist die österreichische Negierung gewillt, bei der Durchführung des Ausnahmezustandes möglichste Milde walten zu lasten, was sich schon dadurch documentirt, daß nur gewisten politischen Vereinen in Wien Beschränkungen auserlegt worden sind. — In Ungarn ist die Mischehen- Vorlage einstweilen von der Tagesordnung wieder abgesetzt worden, indem das Unterhaus einen bezüglichen Beschluß gefaßt und die Regierung beauftragt hat, zu passender Zeit zur Regelung der Frage im Reichstage eine entsprechende Vorlage zu machen. . .
In Frankreich war wieder einmal eine Munsterkrms „m Sicht , zu welcher der nicht ganz im Sinne der Regierung erfolgte Ausgang der Debatte rn der Deputirtenkammer, betr. die wirthschastliche Krisis, die Ursache zu werden drohte. Jndesten ist es nicht zu der von den Monarchisten, wie den Ultraradikalen allerdings lebhaft gewünschten Demission des Cabinets Ferry gekommen, aber die Situation ist immerhin eine etwas precäre und aus den jüngsten Vorgängen im Senat wie in der Deputirtenkammer erhellt zur Genüge, daß das französische Ministerium so wenig wie seine letzten Vorgänger auf eine zuverlässige Mehrheit im Parlamente zählen kann. Nach einem Telegramm des Admirals Courbet ist in den Provinzen Sontay, Hanoi, Haidzuong, Ram- dinh und Haiphong „Alles ruhig."
Für England ist die am Dienstag erfolgte Eröffnung des Parlaments das Ereigniß der Woche. An die Thronrede knüpfte sich sofort in beiden Hausern des Parlaments die übliche Adreßdebatte, welche im Oberhause noch in der Nacht vom Dienstag zum Mittwoch mit der Annahme der Adreste an die Königin beendigt wurde. Dagegen wird der Gegenstand im Unterhause wohl noch einige Sitzungen beanspruchen, zumal noch verschiedene Amendements zu der Adreste beantragt worden sind, darunter eins von den Conservativen aus Ersetzung des gegenwärtigen Cabinets durch Minister, welche das Vertrauen des Landes besitzen. Jedenfalls wird die egyptische Frage der Gegenstand eingehender Verhandlungen des englischen Parlaments bilden, wie dies bereits in der Mittwochs-Sitzung des Unterhauses der Fall war. Der Premier Gladstone erklärte auf eine Anfrage, die Niederlage Baker Pafcha's bestätige sich, von Gordon seien aber noch keine weiteren Nachrichten eingetroffen. Uebrigens berechtigten die jüngsten unglücklichen Ereigniste in keiner Weise zu einer Aende- rung der Instructionen Gordon's, welcher mit sehr bedeutenden discretionären Vollmachten ausgerüstet sei. Der Khedive habe Gordon zum General-Gouverneur des Sudans mit unumschränkter Militär- und Civilgewalt ernannt. Weiter sagte Gladstone, Admiral Hawitt (der Commandant des vor Suakim liegenden englischen Geschwaders) glaube, zur Sicherheit Suakims gegen einen möglichen Angriff der Araber sei eine Verstärkung seiner Streitkräfte noth- wendig, die Regierung habe ihre Maßregeln getroffen, ihm größere Streitkräfte zu geben, um Suakim zu sichern. Die Niederlage Baker Pascha's scheint übrigens in London einen gewaltigen Eindruck hervorgerusen zu haben. Es wurde schleunigst ein Cabinetsrath einberufen und das Kriegsministerium trift Vorbereitungen zur Absendung beträchtlicher Verstärkungen nach Egypten, wie es heißt, von 8000 Mann. Das am Dienstag in Suez eingetroffene und nach Bombay bestimmte Truppen-Transportschiff „Euphrates" ist nach Suakim beordert worden.
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Darmstadt, 31. Januar.
Gesetz-Entwurf,
die Herstellung mehrerer Helienbahnen betreffend.
(Fortsetzung)
Die Großh. Regierung ist der Ansicht, daß unter den vorliegenden Projekten für Nebenbahnen daS Project Hungen-Laubach besondere Berücksichtigung verdient. ES handelt sich dabei wesentlich darum, ein größeres industrielles Etablissement, die Fried- rtchshürte bet Laubach, welches für die wirthschaftlichen Verhältnisse der Gegend von hervorragender Bedeutung ist. zu stützen, indem eS mit dem Hauptbahnnetz in directe Verbindung gebracht wird, sowie auch die bednitendercn Orte Laubach und Vtlltngen in daS Bahnnetz zu ziehen. Ohne die Errichtung der projectirten Bahn würde die FriedrichShüte voraussichtlich die Concurrenz mit ähnlichen, besser gelegenen Etablisst- ments nicht auf die Dauer bestehen können. Das Aufgeben der FriedrichShütte wäre für die Bewohner der Gegend, welchen sie mannigfache Verdienste bietet, sehr zu beklagen, und für die Verwerthung der Naiurproducte, insbesondere von Holz rc., höchst nachtheiltg. Dagegen steht zu erwarten, daß durch die Errichtung der Bahn nicht nur die vorhandene Grwerbthäligkeit belebt, ausgedehnt, die Verwerthung der Naturproducte erleichtert, sondern daß auch die Landwirthschast in jener Gegend gefördert wird. Die Nebenbahn Laubach-Hungen wird für die Oderhessische Bahn Gießen-Gelnhausen eine Saugader bilden, welche geeignet lft,o auch den Verkehr der beme.klen Hauptbahn zu ördern und deren Einnahmen zu erhihen.
Sprechen nach dem Vorstehenden allgemeine Staats- und Wirthschaftsinteresserr ür den Bau der genannten Nebenbahn, so »st doch auch nicht zu vei kennen, daß einzelne Gemeinden und Interessenten an dem Bahnbau ein besonderes Interesse haben, und mit Rücksicht darauf, baß in absehbarer Zeit eine Verzinsung deS Anlagekapitals mit 4 pEt. nicht in Aussicht genommen werden kann, erscheint es billig, den betheilkgten Gemeinden und Interessenten, außer der kostenfreien StrUung deS für die Bahnanlage erforderlichen Grund und Bodens, noch einen Geldbeitrag in Höhe von 40,000 «X ar* zusionen. Dieser Geldbeitrag wird nach Artikel 5 deS Gesetzes vom .... .betreffend »te Nebenbahnen, verzinst und amoTffirt, sobald die Nettoertiägnisse der Nebenbahn Hungen-Laudach 4 pEt. des Anlagekapitals überschreiten.
3) Nebenbahn von Nidda. Station Der Oberhessischen Eisenbahnen, nach Schotten.
Bezüglich dieses Projects kann auf die der Großh- Regierung und den Ständen zugegangenen Vorstellungen, sowie auf die in der Druckschrift „SecundärbahN'Projicte im Großherzogthum Hessen" unter Nr. 5, Seite 55 bis 71 tncl., gegebene Relation Bezug genommen werden. ~ . . ,
Für die Linie Nidda-Schotten wurde von dcm Localcomite zunächst eine Schmalspurbahn in'S Auge gefaßt. Die Länge derselben war zu 13.5 Kilometer angenommen und eS sollte die Bahn mit 8/< ihrer Lange auf das Straßenplanum gelegt werden. Die m 400,000 JL. berechneten Anlagekostin erwiesen sich bet näherer Prüfung als zu aeri 1 veranschlagt und wurden auf 440,000 JL erhöht. In diesem Betrag waren die Kosten für Grunderwerb mit 24,300 JC. einbegriffen. ... ..
Bei der näheren Erwägung deS Proi'cts tm Allgemeinen entstand zunächst d e Frage, ob eS räthlich sei, für diese Bahn allein die Schmalspur zu wählen. Unzweifelhast würde eine Schmalspurbahn für den Personen- und für den Stückgut-Verkehr genügen. Da indeffen insbesondere auch auf Langholztransporte, Baumaterialien, und Schlachtvieh-Transporte gerechnet werden muß, so käme die Umladung auf S ation Nidda in Betracht. Auch würde man auf die Benützung des Wagenmaterials Der Oberhessischen Eisenbahnen für die Strecke Nidda-Schotten verzichten müssen. Innerhalb de« Berkchrsgebiets Der Oberhessischen Eisenbahnen würde eine Schmalspurbahn für die verhältnißmaßig kurze Strecke Nidda-Schotten dauernd eme Betriebserschwerung bilden. Mit Rücksicht hierauf wurde die Frage erwogen, ob, unter ben Doilkflenben Verhältnissen, sich die Wahl der Normalspur, trotz höherer Anlagekoften, mehr empfehlen werde. In der genannten, den Ständen übergebenen Schrift ^Secundärbahn-Projecte im Großherzogthum Hessen", wurden die Anlagekoften einer Normalspurb-Hn zu 490,000 JL veranschlagt. Indessen haben spätere Unterfuchungen ergeben, daß mir diesem Betrag nicht ausgereicht werden wird, daß d e Kosten auf ^0,000 ^4 und, nach Abzug der GeländeerwerbungSkosten (welche hierbei aus 2o,000^ geschätzt wurden), auf 525,000 JL zu veranschlagen sind. Trotzdem hiernach b'e Herstellung ^ner Normalspurbahn ca. 100,000 «X mehr erfordert, als einer Schmalspurbahn, erscheint doch Die Wahl Der Normalspurbshn in Dem vorliegenden Fall am räthlichften.
Die Großh. Regierung empfiehlt den Bau einer Nebenbahn von Nidda nach Schotten. Schotten ist ein gewerbsfleißiges Städtchen und es kann wenn eS direct mit dem Eisenbahnnetz verbunden wird, in gewerblicher Beziehung mehr und mehr entwickeln. SLottm, am Fuße deS Vogelsbergs, bietet
Bewohner deS Vogelsbergs eine geeignete Station mm Uebergang auf die^isenbahmn und für ben Verkehr mit den Naturproducten, sowie m-t den gewerblichenl und land wirthschaftlichen Erzeugnissen der Gegend. Zwischen Schotten und Nidda besinden sich mehrere Ortschaften und einige gewerbliche Etablissements, welche der Bahn Verkehr bringen können. Die Bahn ist auch für die ausgedehnten Domanialwaldungen deL Vogels^ergs^von^B^eutung^ bcr Ansicht, daß, wenn der Bau der Bahn auf Staatskosten erfolgt, den betheiligten Gemeindin und Interessenten, außer der kosten- freien Stellung des für die Bahnanlaaen erforderlichen Grund und Bodens, noch die Leistung eines Geldbeitrags von 25.000 JL angesonnen werden kann. Dieser Geld-
S \ v.a Gesetzes vom . . . , betreffend die Nebenbahnen, verzinst und amortisirt, sobald die Nettoerträge der Bahn Nidda-Schotten 4pCt. des Anlagekapitals überschreiten. solgU
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