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ftr* 8. Donnerstag den 10. Januar 1864
Kießmer Anzeiger
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
Brrrearrr Schulstraße 7.
Erscheint tägNÄ mit Ausnahme des Montags.
PretS vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn-.
Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
Amtlicher Lyrik.
Nr. 2 des Reichs-Gesetzblatts, ausgegeben am 5. d. M., enthält:
l'Nr. 1525.) Bekanntmachung, betreffend die Uebersicht der Uebergangsabgaben und Ausfuhrvergätungen. welche von Staaten, nm innere Steuern auf die Hervorbringung oder Zubereitüng gewisser Erzeugnisse gelegt sind, erhoben beziehungsweise bewilligt werden. Vom 29. December 1883.
Gießen, den 8. Januär 1884. Großherzogliches Kreisamt Gießen.
Dr. Boekmann.
Betreffend: Da» Ersatz-Geschäft für 188«.
Bekanntmachung.
Mit Bezug auf die Bestimmungen der Deutschen Wehr-Ordnung fordern wir alle im Jahr 1864 geborenen Militärpflichtigen, sowie die in früheren Jahren geborenen, welche sich noch nicht zur Musterung gestellt haben, oder welche hinsichtlich ihrer Verpflichtung zum Eintritt oder ihrer Befreiung vom Militärdienste noch keine definitive Entscheidung erhalten, und entweder im Kreise Gießen ihren dauernden Aufenthalt haben, oder in demselben als Studenten, Gymnafiasten und Zöglinge anderer Lehranstalten, oder als Haus- und Wirthschaftsbeamte, Handlungsdisner, Lehrlinge, Handwerksgesellen, Lehrburschen, Dienstboten, Fabrikarbeiter oder in ähnlicher Eigenschaft sich aufhalten, hiermit auf, -sich behufs Eintragung ihrer Namen in die Stanimrolle in der Zett »oa» 13. Januar bi» zum 1. Februar I. I. bei der Bürgermeisterei ihres Wohnortes, beziehungsweise ihres Aufenthaltsortes, zu melden und dabei, wenn sie an diesem Orte nicht geborsN sind, ihren Geburtsschein und wenn sie sich bereits bei einer früheren Musterung gestellt haben, ihren Loosungs-
Schein vorzulegen.
Wir machen zugleich darauf aufmerksam, daß Diejenigen, welche die Anmeldung unterlassen, zu gewärtigen haben, daß sie mit einer Strafe brs zu 30 Mark oder mit Hast bis zu drei Tagen belegt, von der Theilnahme an der Loosung ausgeschlossen und ihrer etwaigen Ansprüche auf Zurückstellung :c. verlustig erklärt werden.
Bezüglich derjenigen Militärpflichtigen, welche zur Zeit abwesend sind, find deren Eltern, Vormünder, Lehr-, Brod- und Fabrikherrn zu diesen An- Meldungen verpflichtet.
Die Großherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises werden beauftragt, Vorstehendes in ihren Gemeinden noch besonders auf ortsübliche Weise
bekannt machen zu lasten.
Gießen, am 2. Januar 1884.
Großherzogliches Kreisamt Gießen. Dr. Boekmann.
Telegraphische Depeschen.
Wolff's telegr. Correspondenr-Brrrearr.
Berlin, 8. Januar. Das Abgeordnetenhaus erledigte die heute zur Berathung stehenden Theile des Etats. Umwalle und Windlhorst brachten im Laufe der Debatte die angeblich principielle Versagung der Fahrpreis-Ermäßi- gung an die Besucher katholischer Versammlungen zur Sprache. Windthorst behielt sich vor, bei Anwesenheit der in der Frage betheiligten Minister auf die Angelegenheit zurückzukommen und eine Mittheilung der diesbezüglichen Instruction zu veranlaßen. Für morgen steht die Berathung der Eisenbahn- Verstaatlichungs-Vorlage auf der Tagesordnung.
— In der heutigen Conserenz der Vertreter der Negierung und der Vertreter der Hamburger Bahn wurde Seitens der Regierung keine Offerte gemacht, sondern nur Besprechungen über die finanziellen und die Verkehrs- verhältniffe der Bahn gepflogen.
Dresden, 8. Januar. Die Petitions-Deputatirn der ersten Kammer beantragt, die Petitionen gegen den Officier-Consumverein unter Anerkennung der vollen individuellen Freiheit der Officiere in der Wahl ihrer Bezugsquellen auf sich beruhen zu lasten.
München, 8. Januar. Der Landtags-Abgeordnete Oberst Berg ist gestern Abend, während er das Stenogramm der von ihm am Vormittag gehaltenen Rede revidirte, von einem Schlaganfall getroffen worden und gestorben.
London, 8. Januar. Ein Telegramm der „Times" aus Philadelphia meldet: Gestern wurde im Repräsentantenhause eine Bill eingebracht, wonach Der Präsident, wenn eine fremde Regierung den Import amerikanischen Pökelfleisches verbietet, befugt sein soll, die Einfuhr von Weinen, Liqueuren und anderen Erzeugniffen dieses Landes in die Unionsstaaten zu verbieten und das Verbot ausrechtzuerhalten, bis die erwähnte Beschränkung ausgehoben ist.
— Die „Times" meldet in einer zweiten Ausgabe, Nubar Pascha habe das Präsidium des neuen egpptischen Ministeriums angenommen und Edgar Vincent zum Finanzminister ernannt.
Kairo, 8. Januar. Telegramm der „Agence Havas." In dem von den Ministern eingereichten Demissionsgesuche heißt es, die englische Regierung verlangt, daß wir den Sudan aufgeben sollen, wir haben aber kein Recht, denselben auszugeben, weil er ein uns anvertrautes Besitztum. der Pforte ist. Die englische Negierung sagt, Egypten müsse den ihm ertheilten Rathschlägen ohne weitere Discussiou folgen, das verletzt das organische Rescript vom 28. August : 1878, welches besagt, daß der Khedive mit und durch die Minister regiert. 4 Wir geben unsere Demission, weil wir verhindert sind, in Gemäßheit der Constitution zu regieren.
Protokoll
der Generalversammlung des landwirthschastlichen Bezirksvereins Gießen vom 3. Januar 1884 -n Hungen.
Der Director eröffnet b*c93;rfammlung, welche von cj. 150—180 M tgliedern find Landwnthen dr benachbarten Kreis' bcsucht mar, und begrüß* unter de» Erschienenen insbesondere den Großb. Generalsecretär, Herrn Ockonomie'c-.ih Dr. Weiden- hammer ans Darmstadt, sowie den Präsidenten des landwirthfchafll ch>n Provinz al- vereins für Oberh'ssen, Herrn Baron Adalbert von Rabenau. Herr Mlnislerialrath Dr. Zaup Hobe bedauert, mcht erscheinen zu können.
Wenn auch, so bemerkt der Director, der landwtrthschaftliche Bezirksverein al§ solcher feine Zuckerfabrik errichten wolle, so könne doch eine Frage wie die erste der Tagesordnung in einer VeretnSversammlung besprochen werden und zeige die große Zahl der Erschienenen das lebhafte Interesse, welches man dieser Sache entgegen- drinse t
Er rrtheckt sodann Herrn Ksmerroth Weber von Laubach das Wort über Frage 1 der Tagesordnung: Die Errichtung einer Zuckerfabrik auf Aetiew an einem noch zu bestimmenden Punkte der Eisenbahn von Gießen nach Gelnhausen. r r ,, „ ,
Herr Kammerrath Weber führt aus, daß er sich hauptsächlich darauf beschrankt.» wolle, anzugeben, wie die Idee zur Gründung einer Fabrik entstanden sei, da man die Vortheile des Zuckerrübenbaues bereits anderwärts genügend erörtert habe. ES müße jeder Landwirth anerkennen, baß etwas geschehen muß, um den landwirtbschaft- lrchen Ertrag in die Höhe zu bringen, aber es gäbe keine Cultur, die einen solchen Er» trag liefere, wie die der Zuckerrüben. Doch nicht dieser Ertrag allein sei in Anschlag zu bringen. Es werde auch der Ertrag aller landwirthschastlichen Produkte durch die für den Zuckerrübenbau nöthige bessere Bearbeitung deS Bodens wesentlich gesteigert.
Das Bestreben, der Landwirthschaft in hüfigem Bezirk zu diesem Betrieb zu verhelfen, wurde unterstützt durch die Fabrik Waghäusel, welche alle Risikos übernahm und den Landwtrthen nur die Verpflichtung auferlegte. 15 Jahre lang Zuckerrüben zu liefern. Anfangs wollte Waghäusil eine Zwetgfabrik in Hungen gründen, verschob aber diesen Plan ganz unerwartet. Durch diese Verhandlungen ist die Idee entstanden , selbst eine Zuck rfobrik auf Actten zu errichten. Bei einer Versammlung zu Nidda wurden schon 871 Morgen zum Rübenbau zugesagt, so daß man annehmen mußte, das für eine Fabrik erforderliche Quantum Rüben würde beschafft werden. Auf Grund dieser Thatsache ist ein Statutenentwurf für eine zum Zweck der Errichtung einer Zuckerfabrik zu bildende Gesellschaft gefertigt und gedruckt worden^ welcher vorgelegt und verthetlt wird. Es bleibt jedem dann nach Einsicht desselben überlaffen, ob er sich dem Unternehmen anschlteßen will.
Referent gebt noch kurz auf den Inhalt der Statuten ein, nach welchen das Grundkapital 800,000 X betragen soll. Davon sollen vorerst 1000 Aktien im Betrage von je 500^L ausgegeben werden. Ewe Aktie zu 500 verpflichte, zwei Morgen Rüben zu bauen. 1600 Morgen genügten aber schon. Zur Erleichterung des Beitritts werden vorerst nur 10% eingezahlt, dann bis zur Höhe von 50% Raten nicht über 20%. Die übrigen 50% können auch noch theilw tse durch Abrechnung auf Rübenltcferungen eingezahlt werden. Es sei aber nöthig, rasch an's Werk zu gehen.
Der Dtrector dankt dem Referenten für seinen Vortrag und eröffnet Me- $l0fufffon. 9Iba[bert v Rabenau: Jede Sache habe zwei Seiten. @3 sich nicht leugnen, daß die Landwirthschaft aus der Zuckerfabrikation einen hoM tn winn gezogen hat. Derselbe entstehe nicht blos aus dem Rübenbau, fonbm$rertrflß Folge der besseren Bearbeitung des Bodens aus dem hierdurch erzielten gebaut der Nachfrüchte. Auf einem Rübenboden find 16 Ctr. Wetzen l"- Avlrd hierauf worden. Sodann sind die Dividenden seither sehr hohe gewesen. '^QmferfQbrtfctt eine Zusammenstellung aus der Frankfurter Zeitung verlesen, wonack^ Die Aktien in der Provinz Hannover von 6,4%—70% D videnden bezahlt feln, von 500 erschienen jedoch hoch; ein geringerer Betrag mochte t>a6 der Be-
Herrn v. Oven aüs Hungen: In den Statuten fe‘ qua dem geringeren trag der Actie in zwei Theile zerlegt werden könne, so da^ , Rüben
Manne möglich fet, sich zu beth-iligen. Außerdem werde. » verliest Redner ankaufen. Bezüglich der Nothwendtgke't der Errichtung Dreissteiaerung der Körnen eine Druckschrift, worin nachgewiesen wird, daß an # *w{t fol^n überschwemme- ftüchte nicht gedacht werden kann, da das Auslaß . manchen von dem Unter- Dte Möglichkeit einer Ueberproduktion von Zuck«" Achten. Weiter komme in nehmen ab. Doch sei eine solche dermalen zü veiurun baare8 Gew
Betracht, daß der Landwirth durch eine Zuckenavrtr geraoe zu n Q erhalte, wo er dasselbe besonders nötbig g Me Agiation für den
Herr Oekoromierath Dr. Wetden^mm ? Gegend sonst nicht zur
Zuckerrübenbau begonnen, weck b'ß LarMü . * 4qoa xu Friedberg für Er-
Entwicklung kcmmcn fann. Er Jn6°" Aaa gteüerMem if» »nbern rtchtung einer Zuckerfabrik aufgett^en. ^t^vendiakeit Man muß allerdings Ai. «Ärsw » äJ» M


