Ausgabe 
9.10.1884 Zweites Blatt
 
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tauchte Vermuthung, daß das Kind aus Düsseldorf nach Bremen gebracht sei, wo ein Dienstmädchen mtt dem Kinde ihrer Herrschaft entflohen, hat sich nicht bestätigt, da jenes Kind bereits zu seinen Eltern zurückgekehrt ist.

Leipzig, 4- October. Ein entsetzliches Familiendroma hat sich in vergangener Nacht in unserer Stadt abgespielt. Die Frau eines hiesigen Arztes erhielt, wie das .Leipz. Tagebl." meldet, beute Morgen von einer in der Auenstraße wohnhaften Kauf- mannS-Ehefrau die briefliche Mttthetlung, daß sie sich mit den Ihrigen das Leben nehmen werde; die Adressatin setzte natürlich hiervon sofort die Polizeibehörde in Kenntntß. Als darauf von Seiten derselben die fragliche Wohnung geöffnet wurde, bot sich den Eintretendeu ein schrecklicher Anblick dar. Die ganze Familie, Vater Mutter und zwei Kinder, waren tobt. Die Eltern hatten sich an zwei gegenüber be« findltchen Thüren aufgehängt, während die beiden Kinder, Knaben von 13 und 10 Jahren, entseelt in ihren Beiten lagen. Die Knaben zeigten Spuren einer Ver­giftung und außerdem waren ihnen die Pulsadern ausgeschnitten. Nach hinterlassenen Schriftstücken haben die unglücklichen Eltern den entsetzlichen Schritt, freiwillig aus dem Leben zu scheiden, in Urbereinstimmung gethan und es haben sie schlechter Ge­schäftsgang, damit verbundene Nahrungssorgen und die Befürchtung, ihren Kindern nicht mehr die erforderliche Erziehung geben zu können, hierzu veranlaßt. Der un­glückliche Mann, Kaufmann Carl Otto Richter aus Osterburg, Inhaber eines hiesigen Handschuh- und CravattengeschäftS unter der Firma A. Schürer, war 47 Jahre alt, die Frau stand im 40. Lebensjahre.

Bretzenheim, 4. October. Die Mäusekalamität nimmt <n unser Gemeinde sehr überhand; der Gemeinderath hat infolge dessen den Beschluß gefaßt da das Fangen der Mäuse sich nicht als rationell erwies die Mäuse durch Gift zu ver­tilgen. Die Gemeinde wird aus eigenen Mitteln daS Gift beschaffen und die dadurch entstehenden Kosten später bei den Grundbesitzern erheben.

sDie erste deutsche Kasnflagge für Angra Pequena.j Nunmehr ist auch die erste deutsche Kaiserflagge für Angra Pequena fert'g gestellt. Diese Flagge, ein herr­liches Prachtstück, von der bekannten Bonner Fahnenfabrik in Bonn g liefert, wird mit der BriggTillys am 15. October nach Westafrika abgehen und soll für besondere festliche Anlässe benutzt werden.

DaSMünch. Frbbl." erzählt von dem Aufenthalte des deutschen Kronprinzen in Dünkelsbühl folgende Anekdote: Bei der Besichtigung der St. Georgskirche in Nördlingen sprach sich der Kronprinz lobend über beten Pracht und Größe aus. ES wurde ihm nun bedeutet, daß die katholische Kirchs in Dinkelsbühl eine noch schönere und größere sei und deshalb beschloß er, selbige auch anzusehen. Von diesem Entschlüsse wurde der Magistrat in Dinkelsbühl telegraphisch in Kenntniß gesetzt und so erwartete der Vorstand den Kronprinzen. Bei Ankunft des Letzteren wollte der Bürgermeister eine Ansprache halten, doch der Kronprinz unterbrach ihn mit den Worten:Wissen Sie was, wir zwei schließen mit einander einen Vertrag ab, Sie reden nichts und ich auch nicht", worauf die Besichtigung der Kirche statifand. Nach Beendigung derselben nahm der Kronprinz in den schmeichelhaftesten Worten Abschied und fuhr weiter.

Als Curiosum wird mttgetheilt, daß die nachgrsuchte Uebernahme eines Loco- motivführers aus Frankfurt a. M. zur Berliner Stadtbahn von dem zuständigen Betriebsamt mit der Motivirung abgelehnt werden mußte, daß der Betreffende wegen seiner Corpulenz auf den im Stadt- und Ringbahnverkehr im Gebrauch befindlichen Tendermaschinen seinen Dienst nicht würde verrichten können. Der brave süddeutsche Maschinist soll nämlich nicht weniger als 350 Pfd. wiegen!

Die Brodfrage ertönt jetzt in allen öffentlichen Blättern, nicht nur in schlichter Prosa, sondern auch in Versen. So enthält z. B. derClrver Volksfreund" folgendes Eingesandt:

Ich weiß nicht, was soll es bedeuten, Daß die Brövchen stets bleiben so klein! Wir leben doch just in den Zeiten, Wo Roggen und Weizen gedeih'n.

Im heurigen Jahr ist geraihen Bekanntlich die Ernte recht gut: Ihr Bäcker heraus mit den Thaien, Laßt wachsen die Brödchen voll Muth!

Vom Mehle, dem besten und feinsten, Ein Kilo ist billig rote nie;

Die Brödchen, sie bleiben am kleinsten, Wo bleibt da die Regel-de-Tri?

Wenn billig das Mehl ist im Lande, Müss'n die Brödchen dock nehmen auch zu, Dies leuchtet wohl dem Verstände Gern ein, wo er nicht fehlt partout.

Urriverfitäts - Chronik.

Bei dem am 1. October stattgefundenen semesterlichm Prorektoratswechsel zu Jena gingen die akademischen FaSces aus den Händen des Herrn Geh. Hofraths Prof. Dr. Gentherin in die des Herrn Prof. Dr. Haeckel über. Die Dekane für das Wintersemester 1885 sind: In der theologischen Fakultät: Herr Prof. Dr. R. Seuerlen, tn der juristischen Herr Oberlandesgerichisrath Professor Dr. A. Thon, in der medi- cinischen Herr Hofrath Prof. Dr. F. Prcyer, in der philosophischen Herr Hofrath Pro­fessor Dr. Thomar. Der a.-o. Professor in der theologischen Fakultät zu Berlin Dr. K- Fr. Müller ist in gleicher Eigenschaft an die Unroetfitfit Halle versetzt worden. Professor Dr. Moritz Stern, Lehrer der Mathematik an der Universität Göttingen, hat aus Rücksicht auf sein Alter sein Amt niedergelegt.

Berlin, 3. October. Mitte dieses Monats wird bei der hiesigen Universität e n zahnärztliches Institut zur w ssenschaftlichen Ausbildung von Zahnärzten eröffnet werden. Für die Leitung ist Prostssor Dr. F. Busch gewonnen, dem als Lehrer und ?e,?n!^«r?cr taktische Arzt und amerikanische Zahnarzt Dr. Pötsch und die Zahn­ärzte Müller und Sauer zur Seite stehen werden. Daß sie eine reiche Tbättgkeit '^bst sinden werden, dafür bürgt schon die eine Thatsache, daß in der chirurgi­schen Klin k hier in den letzten Jahren über achtzehntausend Zähne ausgezogen worden sind.

Der Docent an der Union siiät in Erlangen, Dr. W. Lotz, ist zum Professor der alttcstamentlichen Exegese an der evangelischen Fakultät in Wien ernannt worden. Professor Goldschmidt-Berlin, der am Schluß des Sommersemesters seine Vorlesungen wegen Erkrankung etwas früher al5 sonst schließen mußte, ist von seiner Erholungs­reise vollständig genesen und gekräftiat zurückgekehrt, so daß er feine Vorlesungen über Handelsrecht mit dem Anfang des Semesters wieder aufnchmen wird. Der bis­herige außerordentliche Professor der juristischen Fakultät und Amtsrichter Dr. Otto Äscher in Greifswald ist zum ordentlichen Professor in derselben Fakultät ernannt worden.

Je 50 Kilogramm kosten:

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Berzeichniß

der Mittelprerse der gewöhnlichsten Verbrauchsgegenstände in der Stadt Gießen vom Monat September 1884.

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SchiffSrrachrichten.

Bremen, 6. October. sPer transatlantischen Telegraph.! Der Postdampfer Fulda, Capt. O- Heimbruch, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 24. Sepember von Bremen und am 25. September von Southampton abgegangen war, ist am 4. October 11 Uhr Morgens wohlbehalten in Newyork angekommen.

Bremen, 6. October. sPer transatlantischen Telegraph.! Der Postdampfer General Werder. Capt. H. Christoffers, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 21. September von Bremen abgegangen war, ist gestern 5 Uhr Morgens wohl­behalten in Newyork angekommen.

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