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Bischöse in Zukunft Beschränkungen zu unterwerfen. Der Patriarch scheint trotzdem zur Annahme dieser Vorschläge bereit, wurde jedoch durch den Wider­stand des Laienrathes daran verhindert.

Keulschkand.

Darmstadt, 6. April. Einer uns von London aus zuverlässiger Quelle zugegangenen Benachrichtigung zufolge werden Se. König!. Hoheit der Grobherzog Dienstag den 8. d. Mts. von dort abreisen und Mittwoch den 9. wieder hier eintreffen. (Darmst. Ztg.)

Darmstadt, 7. April. Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben Mergnädigst geruht:

Äm 12. März dem Schullehrer an der evang. Schule zu Vilbel, im Kreise Friedberg, August Rausch, das silberne Kreuz des Verdienst-Ordens Philipps des Großmüthigen,

am 26. März dem Steuercommiffär des Steuercommiffariats Grünberg, Steuerrath Karl Limpert, das Ritterkreuz 1. Klaffe des Verdienst-Ordens Philipps des Großmüthigen zu verleihen.

In den Ruhestand versetzt wurde am 26. März der Assistent bei den naturwissenschaftlichen Adtheilungen des Museums, Ludwig Weber.

Berlin, 4. April, lieber die schon gemeldete Conftiluirung einer Gesellschaft für deutsche Colonisation die übrigens nicht die längst projecttrte. aber nicht zu Stande kommende Seetion Berlin des Deutschen Colonialvereins, sondern eine selbst­ständige Gründung darstellt entnehmen wir derPost" noch Folgendes: Die Ver­sammlung war von einem unter dem Vorsitze deS Grafen Behr-Bandelin zusammen- getretenen Comtte einberufen worden. Etwa 100 Herren waren der Einladung gefolgt, unter ihnen Der bekannte Afrika-Reisende Major von Mechow, der MtssionS-Superin- tevdent Merenöky, als Kartograph Süd-AfrikaS bekannt, und einige Martne-Offictere. In einem einleitenden Referate wies Dr. Peter« auf die Nolhwendigkeit des Erwerbes von deutschen unter Reichshoheit stehenden Colonien hin, um den durch die Aus­wanderung nach Amerika verursachten Verlust Deutschlands an Intelligenz und Capital zu vermeiden. Gehe daS Reich nicht selbst vor, so müsse das Prtvatkapstal sich der Sache annehmen. Die deutsche Nation müsse aufgeruftn werden, an dieser Aufgabe mitzuwirken und könne dieS am besten durch Betheiligung an einer allgemeinen, von der Gesellschaft für deutsche Colonisation zu veranstaltenden Geldsammlung behufS Ankaufs geeigneter Territorien in Südafrika, welches er für die Colonisation am ge­eignetsten hielt. In der Diskussion lenkte Mtssionssuperintendent MerenSky gleichfalls die Blicke der Versammlung auf Südafrika, wo er,22 Jahre selbst verlebt hat. Nament­lich würden sich die Hochplateaux zur Ansiedelung eignen. Immerhin dürfe man aber die Schwierigkeit des Unternehmens nicht verkennen. Professor Müller warnte vor zu starker Begünstigung der Auswanderung; Deutschland könne bei richtiger Ausnützung seines eigenen BodenS noch 50 pCt. mehr Menschen als jetzt ernähren. Im Uebrigen sei jedoch auch er mit den Bestrebungen deS Vereins einverstanden. Darauf wurden die vorgelegten Statuten ohne Aenderung genehmigt und die Gesellschaft konstttuirt.

England.

Lsndorr, 4. April. Neber die Beisetzung der Leiche deS Herzogs von Alda«y wird derKölnischen Zettung" unterm 4. dieses Monats berichtet: Kurz nach 9 Uhr Morgens traf ein Sonderzug von London mit dem deutschen Kronprinzen, Dem MarqutS von Lorne, dem Prinzen Christian von Schleswig-Holstein, dem Fürsten von Waldeck-Pyrmont und anderen fürstlichen Persönlichkeiten in Portsmouth ein. Der Prinz von Wales, welcher die Uniform eines englischen FeldmarschallS trug, em­pfing die Ankömmlinge auf dem Bahnhofe, worauf sich dieselben an Bord der Aacht OSborne" begaben. Um 9Va Uhr signalisieren Kanonenschüsse von den Forts und Kriegsschiffen den Beginn der Trauerfeterlichkeit. Der mit einem violetten Leichentuch bedeckte Sarg mit der irdischen Hülle des verstorbenen Prinzen wurde von Blaujacken durch ein Spalter von Truppen und Matrosen nach dem am Ende der Landungsbrücke bereit gehaltenen Sonderzuge getragen. Hinter dem Sarge schritten paarweise die Prinzen von Wales und der deutsche Kronprinz, der Herzog von Cambridge und Prinz Albert Victor von Wales (in der Uniform eines Schiffslieutenants), Prinz Christian und der Fürst von Waldeck. Dann folgte eine Anzahl englischer und fremdherrlicher Officiere. Die Truppen unter ihnen das Regiment der Seaforth-Hochländer, deren Oberst Prinz Leopold war präsentirten das Gewehr und die Regtmentskapellen spielten den Todtenmarsch ausSaul". Dichte Menschenmassen waren Zeugen der rührenden Scene, während die Ktrchenalocken der Hafenstadt dumpfes Geläute ertönen ließen. Der Leichenzug verließ den Bahnhof von Portsmouth gegen 11 Uhr und langte kurz nach 1 Uhr in Windsor an. Auf dem Perrou deS dortigen Bahnhofs war eine Abthetlung der Seaforth-Hochländer als Ehrenwache aufgestellt. Der Oberstkämmerer und die übrigen Hofwürdenträger empfingen die Leiche, welcheivon einer Anzahl Sea­forth-Hochländer auS dem Wagen gehoben und nach einer bereitgehaltenen Laffette ge­tragen wurde. Die Königin, begleitet von der Prinzessin Christian von Schleswig- Holstein und der Prinzessin Beatrice, wohnten der Ankunft der Leiche in einem Warte­zimmer bei. Außerhalb der Station wurde der Leichenzug formirt. Voran schritten die Kapellen von drei Garde^Regimentern, abwechselnd Trauermärsche (von Beethoven und Chopin) spielend, während eine im Long Walk aufgestellte Batterie in gemessenen Pausen Kanonenschüsse löste und alle Kirchenglocken der Residenzstadt läuteten. Dann folgte die von acht Pferden gezogene Laffette mit dem Sarge, dem sich die Wagen mit der Königin und den Prinzessinnen anschlossen. Der Prinz von Wales, der deutsche Kronprinz und die übrigen Leidtragenden folgten zu Fuß. Unter Geleit von Garde- Kavallerie bewegte sich der Zug durch ein dichtes Menschenspalier langsam nach der Albert-Memorial-Kapelle, wo, nachdem die Leiche auf den Katafalk gestellt worden, der Dechant von Windsor einen kurzen Trauergottesdienst abhielt. Die Königin und ihre Familie kehrten hierauf nach dem Schlosse zurück. Nachmittags traf die Herzogin von Albany, begleitet von ihrer Mutter und ihrer Schwester, der Königin der Nieder­lande, von Claremont in Schloß Windsor ein. Ganz Windsor trauert. Die Häuser in den Hauvtftraßen sind mit schwarzem Tuch behängt und als landesübliches H-icken der Trauer sind alle Fenftervorhänge herabgelassen. Die meisten Läden sind geschlossen und fast die ganze Einwohnerschaft hat Trauerzeichen angelegt.

Telegraphische Depeschen.

Wolff'S telegv. Gorwes-orrdem-'GssreLA.

. W11 Seine Majestät der Kaiser hat auf die Glückwunsch-Adresse

der Aelteften der Berliner Kaufmannschaft zu seinem Geburtstage folgende Erwiderung ^rrgeyen lasten r

Aegypten.

Kairo, 6. April. Ein Telegramm Hussein Pascha's aus Halifa meldet, alle Straßen oberhalb Berbers seien jetzt von den Aufständischen besetzt und abgesperrt, es sei nicht möglich, Depeschen nach Khartum durchzubringen, die Stämme zwischen Shendy und Khartum seien in offenem Ausstande und mit dem Stamme der Bicharichs in Verbindung getreten, der sich ihnen wahrschein­lich unverweilt anschließen werde. Hussein Pascha spricht die Besorgniß aus, daß auch Berber und Dongola bald von den Aufständischen umzingelt werden würden. Von dem General Gordon fehlt seit dem 23. März jede Nachricht. Aus Suakim von heute wird gemeldet, Mahomed Said sei mit mehreren feindlichen Stämmen angekommen und habe sich bereit erklärt, über den Frieden zu verhandeln. Osman Digma solle nach Kordofan gegangen sein. Von den in der Nähe von Suakim befindlichen Stämmen habe die Mehrzahl sich unterworfen, nur der kleinere Theil sei noch feindlich. Aus Kassala seien 6 Eingeborene ein­getroffen, welche versicherten, daß in der Stadt vollständige Ruhe herrsche.

»Für die Glückwünsche, welche Sie Mir zn Meinem Geburtstage ausgesprochen haben, danke Ich Ihnen auf das Verbindlichste; sie haben Mich um so wohlthuendev berührt, al« Ich aus Ihrer in geschmackvoller Form überreichten Adresse zu Meiner Freude ersehe, daß Meine Bemühungen um Die Sicherung DeS Weltfriedens und um Die Erhaltung und Förderung fruchtbarer internationaler Beziehungen auch im Handels- stande lebhaft und dankbar empfunden worden. Ich hoffe mit Ihnen, daß diese Friedens­politik in ihren Folgen und die Entwicklung und Hebung von Handel und Industrie ihren segensreichen Einfluß üben werde.

Berlin, den 4. April 1884.

gez. Wilhelm.

Berlin, 7. April. Se. Maj. der Kaiser brachte gestern einige Stunden länger außerhalb des Bettes zu. Die Nachtruhe wurde durch einen Hustenreiz öfter unter­brochen. Heute stand Allerhöchstderselbe um 12 Uhr auf und empfing den Chef des Civil-Cabluets zu einem kurzen Vortrag.

DieNorddeutsche Allgemeine Zeitung" bemerkt in Betreff der Absicht des Fürsten Bismarck, sich von den Preußischen Geschäften zurückzuziehen, daß die Erhaltung Der Arbeitskraft deS Fürsten nach der vom Arzte ausgesprochenen Meinung nur Dann zu erwarten sei, wenn die Arbeit eingeschränkt wird und hierzu Der Verzicht auf einen Theil des bisherigen Geschäftsumfanges absolut geboren erscheine. Der Reichskanzler hätte sich daher entschieden, die Geschäfte des Reichs zu behalten und die preußischen aufzugeben. Er motivirte diesen Entschluß dadurch, daß er auf dem Gebiete der aus­wärtigen Polifik eine Stellung, sowie daS Vertrauen Der fremden Regierungen besitze, welche persönlicher Natur und daher nicht übertragbar seien. Außerdem seien die aus­wärtigen Geschäfte von den Friktionen frei, durch welche die inneren Geschäfte in Dem Maße erschwert würden, daß diese größere Anstrengungen erfo^bnien.

Nürnberg, 7. April. Das Morgenblatt desFränk. Kurier" ist nachträglich confiscirt worden wegen der in demselben enthaltenen Besprechung der Erklärung des bayerischen Bevollmächtigten in der Bundesraths-Sitzung vom 5. d. Mts. bezüglich der verantwortlichen Reichsministerien.

Pari-, 7. April. In der vergangenen Nacht ist der Postzug von Avrr- court nach Paris zwischen Bar-le-Duc und Longeville entgleist. Die Locomotive und mehrere Wagen wurden zertrümmert, der Locomotivführer und der Zug­führer schwer verletzt; zwei Reisende und mehrere Eisenbahnbeamte erlitten leich­tere Verletzungen. Der Zug traf mit zwei Stunden Verspätung in Paris ein.

General Millot hat telegraphisch angezeigt, daß die Concentrirung der zum Angriff auf Honghoa bestimmten Truppen am 11. d. Mts. beendet sein werde.

Paris, 7. April. Ein Telegramm aus Hanoi von gestern meldet: Die Ex­pedition nach Honghoa hat begonnen, die Concentrirung der Brigaden Brier und Regner erfolgte bet Sontay, beide werden am Ufer des schwarzen Flusses, die erste am linken die zweite am rechten Ufer desselben, vorgehen. Die Mitwirkung der Kanonenboote wird durch das sehr hohe Wasser erschwert. Der Feind wird, wie es heißt, von Lion- vinloc befehligt, die Zahl Der Mannschaften Der schwarzen Flaggen wird auf 3000, diejenige Der Chinesen auf 12,000 Mann geschätzt, ein The»! Der letzteren soll Den Weg auf Dem linken Ufer des rothen Flusses vor Honghoa besetzt halten.

ZNadrid, 7. April. Der oberste Gerichtshof hat zwei noch unter dem Ministerium Sagasta ergangene Urtheile bestätigt, durch welche der Director des Zorillistischen JournalsPorvenir", wegen beleidigender Angriffe auf den König zu achtjährigem Gesängniß verurtheilt morden war. In einem gleichfalls noch unter der Verwaltung Sagasta's aus dem nämlichen Grunde angestrengten Proceß ist der Director eines anderen Journals in erster Instanz ebenfalls zu achtjährigem Gesängniß verurtheilt worden. Der neue Dtrector desProgreso" ist wegen eines Commentars zu einem Fragment Macaulay's über den Königs­mord gestern verhaftet worden. Wegen beleidigender Angriffe aus den Köni^ sind augenblicklich 18 Proceffe anhängig.

Kairo, 7. April. ES werden Anstrengungen gemacht, Nubac Pascha zum Ver­bleiben auf feinem Posten zu bewegen. Die Differenzen zwischen ihm unb Clifforb Lloyd sind Der englischen Regierung unterbreitet worden unb versieht Nubar Pascha inzwischen seine Funktionen weiter.

Lokale-.

Gießen, 8. April. Tagesordnung für die Stadtverordneten-Sitzung am Dpnnerstag den 1v. April 1884, Nachmittags 4 Uhr.

1. Umbau des Mein-Weser-Bahnhoks.

2. Den Viehmarktvlatz betr.

3. DaS westliche ThorhauS am Wallthor.

4. Gesuch deS Bauunternehmers Konrad Koch dahier um käufliche Heber» lassnng städtischen Geländes.

5. Ausbau der Ostanlage.

6. Den Canal in der Lindengaffe betr.

7. Gesuch des SchreinermeisterS I. L. Bernhard dahier um Baucrlaubniß.

8. Die Erbauung eines Schlachthauses.

Gießen, 8. April. Ter hiesige Turnverein beabsichttgt am Charfreltag eine ganz tägige Turnfahrt zu machen. Die Jahreszeit wie auch Die jetzige Witterung ist für größere Fußtouren sehr geeignet. Turner und Turnfreunde seien mit dem Bemerke» darauf aufmerksam gemacht, daß heute, Dienstag Abend, das Nähere in Der Turnhalle besprochen wird.

Verwischtes.

Kassel, 4. April. Den ersten Auerhahn, der wohl nicht nur in diesiger Gegend, sondern in ganz Mitteldeutschland dieses Jahr erlegt wurde, schoß am Morgen deS 25. März Herr Forstreferendar Göbel in Fulda am Rothalskopf in der Obersörsteret Briebach.

Braubach, 2. Avril. Heute wurde vor dem hiesigen Amtsgerichte ein Fall verhandelt, der seiner Seltenheit wegen wohl auch in weiteren Kreisen Interesse finden mag. Ein Mann von hier hatte im vorigen Winter beim Holzfällen im hiesigen Gerne ndewald in einem hohlen Baume einen Bienenschwarm, der reichlich mit Honig versehen war, entdeckt und hatte sich davon angeeignet. weil er der Ansicht war, es sei dies erlaubt- Der Förster, der dies erfuhr, war aber anderer Meinung unb machte davon Anzeige. Infolge derselben wurde Der Betreffende heute in eine Strafe von- 5 </& unb bie Kosten verurtheilt.

Antwerpen, Ende März. Die chronique scandaleuse unserer Stadt ist um einen pikanten Fall bereichert worden: Eine Dem höchsten Adel angehörende junge Dame, Die schon mehr als einem Cavalier, der sich um ihre Gunst beworben, einen Korb gegeben, hat sich von einem italienischen Anstreichergehülfen entführe« lasten t Selbst der Umstand, daß Der Entführer aus dem schönen Italien stammt, Dürfte hier nicht einmal versöhnend wirken.

In folgenden Theatern ist die electtische Beleuchtung bereits eingeführi: Theater in Brünn mit 900 Lampen, seit November 1882, Theater Bijou in Boston 650 Lampen, seit December 1882, Residenztheater in München 750 Lampen, König!- Theater in Stuttgart 500 Lampen, National-Theater in Prag 1600 Lampen, Manzoni- theater in Rom 280 Lampen unb enblich bie Scala in Mailand seit December 188& mit dem feenhaften Lichte von 3000 Lampen. Die electtische Beleuchtung bricht sich in den Theatern immer mehr Bah« unb nimmt hiermit die Feuersicherheit berfelben zu» was Angesichts der vielen Brände von nicht zu unterschätzender Bedeutung ist.

Birmingham, 2.April. Vor einigen Tagen sollte hier Die Vermählung einer Tochter des reichen Pfandleihers Salomon mit Herrn Karl Cohen gefeiert werden^ Die größten Vorbereitungen für eine glänzende Hochzeitsfeter waren getroffen unb Hunderte von Personen hatten sich in der Synagoge versammelt, um Dem Trauungs-^ akte beizuwohnen, der jedoch unvollzogen blieb. Die Braut erschien nämlich nicht und ist bis zur Stunde noch nickt aufgefunden worden. Sie verließ, wie es sich herausstellte, am Trauungstage früh das Haus und wurde in aller Stille bürgerlich mit einem im Geschäfte ihres Vaters angestellten CommiS (einem Christen) getraut, worauf daS junge Ehepaar die Hochzeitsreise unbekannt, wohin antrat und dem Bräutigam der Braut und den Hochzeitsgästen das Nachsehen ließ.