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Mittwoch den 9. April LS8L
iehener Anzeiger Amts- und Anzeigeblstt für den Kreis Gießen.
Vrrreaur Schulstraße 7.
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PreiS vierteljährlich 2 Mar? 20 Pf. mit Bringerlohn.
Iurch die Post bezogen vierteljährlich 2 Marl 50 Pf.
Es wird hierdurch zur öffentlichen Ksnntniß gebracht, daß die auf den 29. o. Mts bestimmte, aber ausgefallene Sitzung des Kreistages nunmchr y ' 8 Samstag de« 12. I. Mt»., BormrttagS 10 Uhr,
Erscheint mit Ausnahme des Montags.
im Regierungsgebäude dahier stattfinden wird. Gießen, am 4. April 1884.
Der Vorsitzende des Kreistages des Kreises Gießen. Dr. Boekmann.
ES wird hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß die auf den 3 t. v.MtS. bestimmte, aber ausgefallene Sitzung des Provinzialtager nunmehr
DienStag den 15. L Mt»., Bormittag» 10 Uhr,
im C0i®ieL8'9a!7Ub7ri?iei884ttfi"ben "^b' Der Vorsitzende des Provinzialtages der Provinz Oberheffen.
Giesen, am I. «p™ ■ Dr. Boekmann. ____________
Frankreichs wie aus Caen, werden Vorgänge gemeldet, welche einen social- revolutionären Charakter tragen und die französische Regierung wird daher gut thun, diese ganze Bewegung schärfer als bis jetzt zu überwachen. — Nachträglich wird auch aus Denain von stattgefundenen socialistischen Demonstra- tionen berichtet, welche sogar die Entsendung von Truppen nach der genannten Stadt nöthig gemacht haben.
In England ist die politische Atmosphäre mit Electncität an- gestillt und die egyptijche Gewitterwolke ballt sich immer drohender über dem Haupte des englischen Ministeriums zusammen., Von dem Schicksal General Gordon'S hängt höchst wahrscheinlich auch dasjenige des Cabinels Gladstone ab, eie sich aber ersteres gestalten wird, ist noch sehr sraglich. In den englischen Regierungskreisen scheint hierüber allerdings großer Optimismus zu herrschen, denn in der Donnerstags-Sitzung des Unterhauses erklärte Gladstone, daß Gor- don bis jetzt noch nicht gefährdet sei, was Wunder nehmen muß, da Kyartum von den Aufständischen doch vollständig eingeschlofsen ist. Der Kriegsminister Hartington seinerseits beantwortete mehrere Anfragen dahin, daß die Regierung keine Truppen nach Berber oder Khartum zu senden beabsichtige; jedoch erkenne die Regierung allerdings ihre Verantwortlichkeit für die Sicherheit Gordon'S an und wenn derselbe in Gefahr gerathe, müsse ihm allerdings Hülfe gewährt werden. Aus den weiteren Erklärungen der Regierungsvertreter ist zu entnehmen, daß England pach wie vor an der Räumung des Sudan sesthält. Im Uebrigen verweigerten sie über die politischen, militärischen und finanziellen Maßregeln bezüglich Egyptens jede weitere Auskunft; doch wird Mr. Gladstone mit dieser „Politik der Zugeknöpftheit" schwerlich mehr weit kommen. ,
Heber den Anklang, den das neue italienische Ministerium in Italien findet, gehen die Meinungen weit auseinander. Den Einen zufolge soll es Herr de Pretis mit seinem neuen Cabinet Niemand recht gemacht haben, die Andern wollen wissen, daß nur die Anhänger der radikalen Partei entschieden dagegen seien. Vorläufig kann man nur nach dem parlamentarischen Debüt des neuen Ministeriums vom Donnerstag urtheilen und hiernach stößt dasselbe nur in den Männern der äußersten Linken und den syg. pentarchistischen Abgeordneten auf offene Gegner. ,,r„r c
In Spanien ist die Wahlagitation anläßlich der binnen wenig Wochen stattfindenden Neuwahlen zu den Cortes nunmehr in Fluß gekommen. Dieselbe vollzieht sich bis jetzt in durchaus gemäßigten Grenzen, was wohl in erster Linie der von der Regierung beobachteten klugen Zurückhaltung zuzuschreiben ist, denn die Behörden haben strengen Befehl erhalten, sich jeder ungesetzlichen Einmischung zu enthalten. Auch hat die von der oppositionellen Presse gegen das Cadinet Canovas del Castillo in Scene gesetzte Agitation keinerlei Erfolge verzeichnen können und so scheint, daß die Wahlen in größter Ruhe vor sich gehen werden, was der inneren Entwickelung des Landes nur zum Vortheil gereichen kann. ,
Der Kirchenstreit in Konstantinopel, in welchem der griechische Patriarch die Hauptrolle spielt, ist noch nicht beigelegt. Der jüngst dem letzteren ausgestellte Bestallungs-Berat war nämlich von einer Note der Pforte begleitet, welcher die Tragweite desselben wesentlich einschränkt. Die Pforte behält stch darin das Recht vor, den unteren griechischen Klerus vor die gewöhnlichen Gerichte zu stellen und beabsichtigt, die traditionellen Privilegien der orthodoxem
Politische Ueberstcht.
Gießen, 8. April.
Das Befinden des Kaisers, der an einer leichten Erkältung erkrankt -war, ist den Umständen angemessen ein durchaus befriedigendes, wenn auch die Nachrichten von seiner gänzlichen Wiederherstellung sich als verfrüht erwiesen haben. Bezüglich der Abreise des Kaisers nach Wiesbaden verlautet noch nichts Bestimmtes, doch heißt es, daß dieselbe bald nach den Osterseiertagen erfolgen solle. r c, .
In Der inneren Politik sind die Erörterungen über die „Bismarck- Krisis" und alle hiermit zusammenhängenden Fragen wieder etwas in den Hintergrund getreten. Was man über die ganze Angelegenheit bis jetzt weiß, tritt ans dem Rahmen von Vermuthungen und Conjecturen nicht sehr heraus und es muß daher die Entwickelung derselben vorläufig abgewartet werden. Die „Nat.-Ztg." versichert allerdings in bestimmter Weise, daß bei den im Schooße des preußischen Ministeriums beabsichtigten Veränderungen Die Stellung des Ministers des Innern, Herrn v. Puttkamer, in Frage stehe und der „Hannöv. Courier" weiß seinerseits zu melden, daß der Finanzminister v. Scholz zum Ministerpräsidenten ausersehen sei; doch muß den genannten Blättern die Ver- antwortlichkeit für diese ihre Mittheilungen überlassen bleiben.
In den letzten Märztagen sind den betr. Behörden bereits die Anweisungen zugegangen, die Vorbereitungen für die nächsten Reichstagswahlen in Angriff zu nehmen. Dieser so frühzeitige Erlaß scheint darauf hmzudeuten, daß an leitender Stelle die Eventualität einer Reichstags-Auflösung ernstlich ins Auge gefaßt worden ist. „ ,
Die zweite badische Kammer hat sich am Freitag bi« zum 22. April vertagt. , . .
Die Regierung des Grafen Taasfe hat wieder einmal in dem Kampfe zwischen Deutschen und Czechen ihr Gewicht zu Gunsten der letzteren geltend gemacht. Die Prager Handelskammer, die in ihrer Majorität bis jetzt eine deutsche war, ist aufgelöst worden und sollen die Neuwahlen auf Grund einer Wahlordnung stattfinden, welche den Czechen mit der Mehrheit in der Prager Handelskammer zugleich vier neue Mandate im böhmischen Landtage und zwei Mandate im Neichsrathe sichert. Künftig werden demnach die Deutschen in der Handelskammer nur noch 18 bis 20 Sitze besitzen, die Czechen aber 28 bis 30. Die Deutsch-Böhmen weichen sich natürlich diese Vergewaltigung nicht gutwillig gefallen lassen und im Abgeordnetenhause wie beim Verwaltungs-Gerichtshose Dagegen vrotestiren; Doch kann man diesem Protest schon letzt einen Mißerfolg prophezeien. — Dr. Ignaz Kuranda, welcher die Stadt Wien feit 23 Jahren im Neichsrathe vertrat, ist am Donnerstag in Wien im Alter von 73 Jahren verschieden. Kuranda gehörte zu den entschiedensten Vorkämpfern des Liberalismus in Oesterreich. — In dem revidirten Proceß von Tisza-Eszlar sind sämmtliche Angeklagten abermals freigesprochen worden.
Der Strike der Kohlenarbeiter im Norden Frankreichs nimmt allmälig einen drohenden Charakter an. Es sind in den letzten Tagen in Anzin und Umgegend von den Sinkenden verschiedene Ausschreitungen begangen worden, welche entschieden darauf hindeuten, daß hierbei die Emmiffäre der Pariser Socialisten und Anarchisten ihr Wesen treiben. Auch ans andern Orten Nord-
----------—--------------------------------------- "" Gießen, am 5. April 1884.
Betreffend: Zurückstellung unabkömmlicher Beamten, hier von Lehrern und Schulverwaltern im Fall einer Mobilmachung.
Die Großherzogliche Kreis-Schul-Commission Gießen
<m die Schulvorstände des Kreises. n
Sie wollen die Lehrer oder Schulverwalter Ihrer Gemeinden, welche militärpflichtig sind, darauf aufmerksam machen, daß Gesuche um Zurückstellung im Fall einer Mobilmachung innerhalb 14 Tage bei uns einzureichen sind. Spater emlaufende Gesuche können nicht berücksichtigt werden.
In den Gesuchen ist anzugeben:
1. Civilstellung.
2. Vor- und Zunamen.
4. ' Genaue^Angabe^be?Tn^pentzeils! Regiment, Compagnie rc., bei welchem der Eintritt erfolgt ist und Datum des letzteren.
Bei Lehrern oder früher bei uns reklamirt haben, bedarf es der Angaben 1-5 nicht; es genügt hier einfache
Se^rer obcr Schulverwalter, die als allein stehende Lehrer zur Reklamation berechtigt sind, wollen sie sosort benachrichtigen. Dr. Boekmann. _


