ffo 7. Mittwoch den 9. Januar 188<
Amts und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
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Bekanntmachung.
Grobherzogliches Ministerium des Innern und der Justiz hat genehmigt, daß mit dem 1884er Friedberger Frühjahrs- und Herbst-Pferdemarkt je eine Verloosung von Pferden und sonstigen Gegenständen verbunden wird. Bei dem FrühjahrSmarkte dürfen höchstens 8000 Loose ä 1 50 H ausgegeben und müffen 6588 zum Ankauf von Gewinngegenständen verwendet werden; bei dem Herbstmarkte darf die Zahl von 12,000 Loosen (ä 1 50
nicht überschritten werden und sind 11,000 JL für den Ankauf von Gewinngegenständen zu verausgaben.
Es ist der Verkauf der Loose im Großherzogthum gestattet worden.
Dr. Boekmann.
Brrrearr r Schul st raße 7.
Erscheint mit Ausnahme des Montags.
Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlobn.
Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
Amtlicher dheit.
Betreffend: Die Taubstummen-Statistik. Gießen, am 7. Januar 1884.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
an die Schulvorstande des Kreises»
Diejenigen, welche mit der Berichtserstattung in rubricirtem Betreff noch im Rückstände sind, werden hiermit an baldige Erledigung erinnert.
______Dr. Boekmann.__________________________________________________ _
Betreffend' Statistik der Bewegung der Bevölkerung pro 1883. Gießen, am 7. Januar 1884.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
an die Grotzherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises.
Wir sehen der alsbaldigen Einsendung der Register über die in 1883 vorgekommenen Zu- und Wegzüge entgegen.
Dr. Boekmann.___
— Gießen, am 7. Januar 1884.
Betreffend: Die Vollziehung des Gesetzes vom 6. Juni 1853, über die Versicherung der Gebäude gegen Feuersgefahr und die VergütunK der Brandschäden.
Das Großhcrzogliche Kreisamt Gießen
an die Grotzherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises.
Diejenigen, welche mit der Berichtserstattung in rubricirtem Betreff noch im Rückstände sind, werden hiermit wiederholt an baldige Erledigung erinnert» Dr. Boekmann.
Bekanntmachung.
Großherzogliches Ministerium des Innern und der Justiz hat dem Lehrer B. Oehler in Offenbach die Erlaubniß ertheilt, eine Verloosung vorr Kunstgegenständen, ethnographischen Sachen, Muscheln, Bildern, Münzen und Medaillen, welche zusammen einen taxirten Werth von 2930 70 H haben,
zu veranstalten.
Es dürfen 5960 Loose ä 50 H in verschiedenen Kreisen, darunter auch im Kreise Gießen, ausgegebeu werden.
Gießen, den 7. Januar 1884. Großherzogliches Kreisamt Gießen.
Dr. Boekmann.
Politische Ueberficht.
Gietze«, 8. Januar.
Mit diesem Dienstag, den 8. Januar, läuft die parlamentarische Ruhepause, welche das Weihnachtsfest gebracht, ab. An diesem Tage tritt das preußische Abgeordnetenhaus wieder zusammen, nachdem der bayerische Landtag bereits am 3. Januar und der sächsische am 7. Januar ihre Sitzungen wieder ausgenommen haben. Der Rest der Session des preußischen Abgeordnetenhauses wiro sich durch die vorliegenden wichtigen Gesetzentwürfe, welche ihrer Erledigung harren, noch recht bedeutungsvoll gestalten. Als die hervorragendsten derselben erscheinen die Jagdordnung, welche eine Auseinandersetzung mit dem Herrenhause nothwendig macht, die beiden Steuervorlagen, der Gesetzentwurf über die neuen Eisenbahn-Verstaatlichungen und die Vorlagen über die Schuldotationen, Gemeindesteuern und Beamtenbesoldungen. In dieser Woche aber wird das Hauptinteresse an den Verhandlungen des Abgeordnetenhauses voraussichtlich durch den Centrumsantrag auf Wiederherstellung der aufgehobenen kirchenpolitischen Verfassungs-Paragraphen in Anspruch genommen werden. Dem Vernehmen nach beabsichtigt das Centrum diesen Antrag schon am Mittwoch durch Herrn Reichensperger einzubringen; bekanntlich war der Antrag bereits vor einiger Zeit von der Centrumspartei eingebracht, aber auf die Meldung hin von der beabsichtigten Rom°Reise des deutschen Kronprinzen wieder zurückgezogen worden. Der Besuch des Kronprinzen im Vatikan scheint demnach den Wünschen der Centrumssührer nicht sonderlich entsprochen zu haben, sie würden sich sonst mit der Wiedereinbringung ihres Antrages wohl nicht so beeilt haben.
Der „Kuryr Poznanski" (Posener Kourier) erfährt aus Rom aus bester Quelle, daß man in letzter Zeit die Frage eines Coadjutors für das Erz- bisthum Gnesen-Posen discutirte. Der vom heiligen Stuhle und früher schon von einem andern Bischöfe vorgeschlagene Candidat wurde aber von der preußischen Regierung nicht als persona grata anerkannt. Unter den von ihr als Coadjutor vorgeschlagenen Candidaten befindet sich kein Deutscher.
Der ungarische Ministerpräsident Tisza hat sich in voriger Woche nach Wien begeben und wurde am Freitag vom Kaiser in besonderer Audienz empfangen. In Hinblick aus die Krisis, welche sich in Ungarn für die Negierung des Herrn Tisza augenscheinlich vorbereitet, gewinnt diese Reise eine besondere Bedeutung, wenn auch officiöserseits versichert wird, dieselbe habe lediglich den Zweck, dem Kaiser mehrere für den ungarischen Reichstag bestimmte Vorlagen zur Sanction unterzubreiten. Ob indessen die Anwesenheit des ungarischen Ministerpräsidenten in Wien wirklich ohne jede politische Bedeu
tung ist uno nur mit laufenden Geschäfts-Verbindungen zusammenhängt, möchte doch zu bezweifeln sein, vielmehr dürste es sich hierbei auch um ernste Besprechungen über die gegenwärtige Lage in Ungarn handeln.
Auf die Siegesbotschaft von Sontay ist aus Tongking noch keine weitere Nachricht von besonderer Bedeutung eingelaufen und steht eine solche vorläufig auch nicht zu erwarten. Die militärischen Operationen der Franzosen in Tongking sind eben an einem tobten Punkte angelangt. Die gegenwärtige Ueberschwemmungs - Periode in den Niederungen des nördlichen Tongking verbietet jedes Vordringen gegen Bacninh, dem nächsten Ziel ber Operationen des Admirals Courbet und da auch die aus Frankreich abgesendeten Verstärkungen erst im Laufe des nächsten Monats in Tongking eintreffen werden, so wird man in Paris für die nächste Zeit auf fernere Siegesdepeschen vom ostasiatischen Kriegsschauplätze verzichten müssen. England hätte somit das Feld rein zu seiner Vermittelung, leiver verlautet aber über das Resultat derselben noch herzlich wenig und offenbar zeigt man auf französischer Seite weniA Geneigtheit, den Wünschen Englands entgegenzukommen.
In der italienischen Hauptstadt hat am Samstag die feierliche Neberführung der irdischen Ueberreste Victor Emanuel's nach dem Pantheon stattgefunden, nachdem es noch in letzter Stunde gelungen war, die vom Vatikan diesem Unternehmen entgegenstehenden Schwierigkeiten zu beseitigen. Für den 9. Januar steht eine großartige Huldigungsfeier am Grabe des Begründers den italienischen Freiheit und Einheit in Aussicht. Aus allen Theilen Italiens- werden Tausende von Deputationen des Volkes nach der nunmehngen Grabstätte des „Königs Ehrenmann" wallfahrten und soll die Zahl ihrer Mitglieder sich auf über 60,000 belaufen, welche als Repräsentanten zahlreicher Städte und Corporationen Italiens sich an dem Huldigungsatte betheiligen werden.
Die conservativen und ultramontanen Elemente der Eidgenossenschaft haben sich zu einem Feldzuge behufs einer Revision der Bundesverfassung verbündet. Bereits ist ein Aufruf zur Sammlung der 50,000 Stimmen erlassen, welche nothwendig sind, um bei der Bundesversammlung einen diesbezüglichen Antrag zu stellen. So unnatürlich dieser Bund zwischen den reformirten Conservativen und den ultraEtanen Volksveremen erfchemt und so viel innere Gegensätze er auch birgt, fo wird er doch zusammengehalten durch den gemeinsamen Haß gegen die liberale Majorität der Bundesversammlung und richtet sich in seinen letzten Co-stquenzen auch gegen die freisinnige Bundesleitung. Durch die angestrebte Revision sollen im Allgemeinen die Befugnisse der Bundesversammlung bezüM der Verfügung über die Steuern und dann


