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Sewastopol, 6. October. In Gegenwart des Großfürsten AlexiS fand heute die fetentcbe Grundnetnlegung des ersten südrusstschen Trockendocks statt.
Kairo, 6. October. Eine Depesche Krchtener's aus Ambukol meldet, daß ein Dampfer Stewart's, welcher von Khartum kam, an den Felfen des Katarakts Wadigarne geschtttert und gesunken sei- Stewart habe einen Boten an Kttchner abgesandt, welcher Hülfe von Dongola aus verlangen sollte.
— (Reuter-Meldung.) Ein offictcller Bericht Kitchner's meldet, daß nach dem Schiffbruch des Dampfers Stewart's der Schetkh sich erboten habe, Stewart durch die Wüste bis Merawt zu führen; auf dem Wege dorthin seien Stewart und seine Be- gletter ermordet worden.
B p f a l t i
Gießen, 7. Oktober. In Wenzel's Garten tagte SamStag Abend eine WSHler- versammiung, einberufen von der socialdemokrattschen Parte«. Der Reichstags- Abgeordnete Herr W- Liebknecht sollte daS Programm seiner Partei entwickeln. AlS Vorsitzender des Comilös fungttte ein Herr Fanvey. Nach Eröffnung der Versammlung ertheilte derselbe Herrn Liebknecht daS Wort-
Redner freut es, eine so außerordentlich zahlreiche Versammluog zu finden und zwar doppelt, da er das Vergnügen habe, in seiner Vaterstadt zu sprechen. DaS Thema, über welches er heute spreche, sei: „Der Reichstag und feine Stellung den Arbeitern gegenüber."
Redner nimmt für seine Partei das Verdienst in Anspruch, daß sie es sei, welche eS verdiene, daß die soc'.ale Frage als Cardtnalfrage ausgenommen und von allen Parteien auf die Tagesordnung habe gesetzt werden müssen. Er [erläutert nun das Wesen dieser Frage von seinem, dem social- demokrattschen, Standpunke aus des Näheren und p^ac sirt den Standpunkt der einzelnen Parteien zu socialen Frage. Die Conseroattven wollten die Bauern für sich gewinnen, sie klovsten dem Bruder Bauer auf die Schulter und erklärten, daß durch Bekämpfung des Wuchers unb Erhaltung der Getreidezölle für den Bruder Bauer die sociale Frage gelöst fei. Redner führt aus, daß die Getretdezölle daS Brod vertheuerte« und daß es eine irrige Ansicht sei, wenn der betreffende Zoll nur von den Importeuren getragen werde.
Er kommt sodann auf den Ackermann'schen Antrag: Errichtung von Innungen zu sprechen und im Weiteren auf die drei socialreformatorischen Gesetze: die Krankenversicherung, die Unfallversicherung und die in Ausstcht stehende Invaliden-und Altersversicherung der Arbeiter, welche 3 Gesetze, sowie auch der erwähnte Antrag, sehr abfällig kritisirt wurden. Jngleichen wird die Dampfervo-lage und Colontaipolitik vom Redner oerurthetll, wie denn auch das gleiche Schicksal alle unsere Staats- einrtchtungen, das Heerwesen, die Politik unseres Reichskanzlers, kurzum Alles vor den Augen des Redners keine Gnade findet.
Die Ausführungen wurden oft von Zurufen unterbrochen, namentlich als Redner unser jetziges Militärwesen, welchem er die Schweizer Miliz vorzieht, kritisirt und die Verdienste he6 Fürsten Bismarck abfällig bespricht. Auch das politische Parteiwesen, wie sich solches tm Reichstag verkörpert findtt, wird einer Kritik unterzogen und einzelne Parteien mit nicht schmeichelhaften Redewendungen behandelt. Den Schluß aller dieser Ausführungen bildete eine Empfehlung des Candidaten der socialdemokratischen Partei, des Herrn Ulrich auS Offenbach. Letzterer erhielt sodann daS Wort, um seine tzandtdatenrebe zu halten, welche tm Wesentlichen daS wiederholte, waS Herr Liebknecht vorgetragen.
Herr Dr. Dittmar, welcher da«Wort erbeten, kann es sich nicht versagen, auf die Ausführungen deS Herrn Liebknecht zu antworten und den Angriffen auf unser
Heer und den Fürsten Reichskanzler mit warm empfundenen Worten zu begegnen. Zum Schluß spricht sodann nach Herr Liebknecht. Die Versammlung endete gegen Mitternacht.
Theater.
, —6. Gießen, 7. October.
Der gestrige Abmd brachte uns „Ultimo", Lustspiel in 5 Akten von G- v. Moser. DaS Stück ist nach Moser'scher Manier reich an Effecten und scheinbar ganz natürlichen Verwickelungen; man setzt sich gerne über manche Unwahrscheinlichkeiten hinweg, ist doch das ganze und das einzelne mit der ganzen Bühnenkenntniß und dem Humor eines Moser ausgearbeitet und ein neuer Beweis für dessen nicht gewöhnliches Lustspiel-Talent. Wenn es besonders dieses Genre von Darstellungen tst, das wir von unserer Theater-Gesellschaft gepflegt zu sehen hoffen, so dürfen wir nach dem gestrigen Abend wohl die Uebcrzeugung auSsprechen, daß die Gesellschaft deS Herrn Herrmann dieser Aufgabe gewachsen ist. Herr Hendrich (Commerzienrath Schlegel) spielte seine Rolle vortrefflich; nur war die Art und Weise, wie er seinen Verwandten, den Baron HaaS, höchsteigenhändig zum Hause hinauswarf, sehr wenig commerzienräthlich; Herr Töldte war im Aeußeren wie tm Spiel die treue Copte eines Professors, der voll tst von Autorenstolz und pedantischem Starrsinn. Fräulein Barnow (Frau Caroline Schlegel) und Frau Größer (Frau Professor Schlegel) thaten vollständig ihre Schuldigkeit. Frau Herrmann-Jhm (Tochter des Commerzien- raths) und Fräulein Fr. Eng (Tochter de« Professors) spielten die zwei heiraths- lustigen Jungfrauen, die noch halb in den Backfischschuhen stehen, mit liebenswürdiger Frische; die ©eene, in der Hedwig ihre eben aus der Pension zurückgekehrte Freundin Über das Wesen und Werden der Liebe aufklärt, war allerliebst.
Herr Schwarz hat jetzt auch sein Genie gefunden; eine Rolle wie die deS Herrn von Haas wird ihm stets dm vollen Beifall des Publikums erringen, zumal in Gießen. Die deidm Liebhaber, Herr Halm (Dr. Bruno Berndt) und Herr Director Hermann (Georg Richter), ferner Herr Haupt tn der köstlichen Rolle des alten Onkel Lange, spielten recht gut. Don Herrn Voigt (Schönemann) dürfen wir immer nur Gutes erwarten. Fr. Voigt (Zimmervermieiherin), sowie daS schmucke Diener- paar (Frl. Jmmerhofer und Herr ©ternte) waren ganz an ihrem Platze. Leider spielte auch der Souffleur eine Rolle; eine so hübsche Scene wie die Unterredung zwischen Prof. Schlegel und Onkel Lange sollte doch nicht vor dem Souffleurkasten gespielt werden müssen.
Die Musik ist noch manövermüde; man erwartet jedesmal mit Sehnsucht die Dissonanz des Schlußaccordes.
ES ist lebhaft zu bedauern, daß der Besuch nicht besser war; wir erachten eS als eine Pflicht des Publikums, ein so theures Unternehmen zu unterstützen und zu erhalten; daß die Kräfte tüchtig sind, beweist der ungeteilte und reiche Beifall, den btS jetzt jede Vorstellung gefunden.
Handel und Verkehr.
Gießen, den 7. October. Auf dem heutigen Markt kostete: Butter per Pfund .^L 1.10—1.15, Hühnereier pr. Stück 7—0 H, Käse St. 4—8 Käsematte 2—3 Erbsen pr. Liter 20 Linsen 28 H, Tauben per Paar 0,45—0,60 Hühner per Stück JL 0 80—1.10, Hahnen pr. Stück JL 0.50—0.85, Enten per Stück JL 1.30—1.50, Gänse per Pfund 35—50 Welsche 0.00—0.00, Ochsenfleisch per Pfund 68—70 H, Kuh- und Rindfleisch 56—60 H, Schweinefleisch 54—60 H, Hammelfleisch 60-70 H, Kalbfleisch 56-60 H, Kartoffeln per 100 Kilo JL 3.00—4.00, Milch per Liter 12—16 H, Zwiebeln per Ctr. 4.00—0.00, Weißkraut pr. Stück 3—10
Lieferung.
Für das Großherzogliche academische Hospital zu Gießen sollen nachstehende Gegenstände auf dem Submisstonswege beschafft werden, und
Schriftliche Offerten mit der Aufschrift „Lieferung für das academische Hospital" sind bis zum
Zwar:
1. circa
460
Centner Kartoffeln,
2. „
10
„ Salatkartoffeln (s. g. Mäuschen),
3. „
10
Centner gelbe 1
4. „
4
„ weiße > Mben,
5- „
1
„ rothe J
6. „
10
„ untererdige
Kohlrabi,
7. „
10
„ Zwiebeln,
8. „
600
Stück Weißkraut,
9. ,,
100
„ Rothkraut,
10. „
400
„ Wirsing,
11. „
350
„ Lauch,
12. „
250
„ Sellerie,
13. „
1
Centner Meerettig.
13. «October d. IS.,
Vormittags 12 Uhr, auf das Verwaltungsbureau einzuzusenden, woselbst auch die näheren Bedingungen eingesehen werden können. Gießen, den 6. October 1884.
Gr. Verwaltung des acad. Hospitals.
Keller. 6559
Submission
auf Lieferung von 150 Cbm. Pflastersteine für Polygonalpflaster; Termin
Freitag d. 17. October 1884,
Vormittags 11 Uhr, im Bureau des Unterzeichneten.
Bedingungen gegen 50 H ebendaselbst.
Wildungen, den 6. October 1884.
Der Regierungs-Baumeister.
Plate. 6571
6566 Ein gebrauchter
Kochheer-
zu verkaufen. Bahnhofstraße 38.
Allgem«i«er Anzeiger.
Bekanntmachnng.
Wegen der am Dienstag den 28. dieses Monats stattfindenden Reichstagswahl fällt der auf denselben Tag für Gießen bestimmte Viehmarkt ans, dagegen wird der für den 29. October er. vorgesehene Vieh- und Krämermarkt abgehalten.
Gießen, den 6. October 1884.
Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen.
___________A. Bramm.___________________6574
Erweiterte Handwerkerschule des Gewerbevereins.
Beginn des Wintersemesters am izt. October.
I. Tagesschule: Freihand- und geometrisches Zeichnen, darstellende Geometrie und Fachzeichnen. Kostenberechnungen. An 4 Wochentagen Vormittags von 8 bis 12 Uhr. — Schulgeld 3 JL pro Monat.
II. Abendschule: a. Modellirklasse. Unterricht für Ansänger und Geübtere an 2 Wochen-Abenden von V28 bis 10 Uhr. Schulgeld 1 Jl. 50 pro Monat. Einmalige Vergütung für Arbeitsmaterialen 2 Jl.
b. Allgemeine Klasse. Freihand- und geometrisches Zeichnen, darstellende Geometrie. Rechnen und Buchhaltung. An 4 Wochenabenden von V28 bis 9 Uhr. Schulgeld 2 Jt pro Monat.
Der offene Zeichensaal ist Dienstag, Mittwoch, Donnerstag und Freitag, Vormittags von 8 bis 12 Uhr, für sämmtliche Gewerbetreibende unentgeltlich geöffnet. Es ist denselben dort Gelegenheit geboten, auf gewerblichem Gebiete sich Rath zu holen, sowie Entwürfe oder deren Ausarbeitung unter Leitung des Lehrers anzufertigen.
Anmeldungen für die verschiedenen Klaffen wollen Freitag den 10. Oktober, Abends V28 Uhr im Schullokal am Asterweg bei unserem Hauptlehrer, Herrn Hug, geschehen.
6560 __Der Vorstand.
Uorlrog üfier innere Jlliflton.
Nächsten Donnerstag, 9. Oktober, Abends 8 Uhr, gedenke ich I in dem Saal der Kleinkinderschule Mittheilungen zu machen über den unlängst in Carlsruhe abgehaltenen Congreß für innere Mission mit besonderer Berücksichtigung des dort behandelten Themas: Frauenarbeit und Familienwohl.
Zu diesem Vortrag, dem auf Wunsch eine weitere Besprechung folgen könnte, lade ich hierdurch alle Gemeindeangehörigen freundlichst ein.
Gießen, den 7. Oktober 1884.
6584 Dr. Naumann, Pfarrer.
Textor s Hardt Ä Ä 6534 C. Hess „Zum Kndenhof".
Versteigerung
Donnerstag den 9. October l. I.,
Nachmittags 3 Uhr, werden im hiesigen Pfandlokal
1 Kommode, 2 Kleiderschränke, 1 Tisch, 1 goldenes Medaillon, 1 Taschenuhr, 1 Wanduhr, 1 Kettenwaage u. 1 Kuh öffentlich gegen Baarzahluna versteigert.
Gießen, am 6. October 1884.
6586______________________Horn.
Dienstag den 14. Moder,
Nachmittags 2 Uhr, werden in dem Hause der Frau Bäcker Busch am Kreuz Wegzugshalber gut erhaltene Möbel, als: Kleiderschrank, Betten, 1 Kinderwagen, Kinderbettstelle, Tische, Stühle, sowie Küchen- und sonstige Haus- geräthe, meistbietend versteigert. 6582
Ieilgeöotenes. Neues Sauerkraut empfiehlt 6568
C. Roth, Wallthorstraße 5, an dem Lindenplatz. Original Zahnpasta W Br von Bergmann & Co., Köln,
T anerkannt bestes Mittel zur Reinigung und Erhaltung schöner weisser Zähne, ä St. 50 H empfiehlt
Georg Petri Wwe., 6575 Friseur-Geschäft.
Kohlenkasten, Kohlenlöffel, Kohleneimer, Kochgeschirre, roh und emaillirt,
empfiehlt billigst
Wilhelm Seibert,
6588_________Marktstraße.__________
Neue Strickgarne
(Crefelder)
sind in allen Qualitäten und Farben eingetroffen.
Damen- n. Kinder- strümpfe, Socken empfiehlt sehr billig
Kobert Haas,
6207 Seltersweg 18.


