wand deS östlichen Abhanges der Amöneburg, der Bilstein genannt, und ebenso dürfte an dem großen Steine bet dem Dorfe Langenstein, unweit des Städtchens Kirchhain, eine frühere Gerichtsstatte zu verwuthen sein, von welchem Steine dann der Ort seinen Namen erhalten hat- Nach I. Grimm'S deutschen Rechtsalterthümern kommen Ge- rtchtsstätten an großen Steinen, die lange Steine (lapides longi) genannt wurden, vielfach vor, namentlich am Rhein, und beanspruchen ein hohes Alterthum.
Doppelte Ringwälle, wenn überhaupt nicht alle Rtngwalle, lasse» nur darauf schließe», daß etz sich hier lediglich um «ertheidtgungswerke gegen einen andringenden Feind gehandelt haben kann. Unser hoher DtenSderg mit seinen zwei starken Ring, wällen hat deßhalb mit einem Dingsberge nebst heiligem Haine durchaus nicht« zu thun- Gehen wir nunmehr zu der NamenSdeutung des BergeS über, welche dermalen alS die allein richtige angesehen zu werden pflegt-
Unser Dienöberg hat, wie bereits erwähnt, zwei übereinander liegende hohe Ring« wälle unmittelbar unter seinem Gipfel. Es sind dies VertheidtgungSwerke der früheren Bewohner der Umgegend, der Kalten, welche hier und noch weiterhin ihre Wohnsitze hatten. Auf hohen, die Umgegend weit überragende» Bergen legten dieselben Schutz« wehren gegen ihre Feinde an und weihten diese Berge gewöhnlich ihrem Kriegegotte, ebenso wie andere Berge, die ihnen auch von besonderer Bedeutung rmlren, anderen Gottheiten aeheiliat waren, wie dies der Name solcher Berge mit Sicherheit ergibt. So waren ber bet dem Städtchen Wetter liegende Wollenberg (dessen vermuthtte Namensableitung in Vtlmar'S Idiotikon gewiß zu gerechtem Zweifel sührt^ dem Odttr (Wuotan) und der Christenberg bet dem Dorfe Münchhausen dem Thor (Donnn) ge- heiligt. Und ebenso war auch der DtenSberg, sowie auch der vorerwähnt« «it starken Befestigungswerken versehene Altkönig, wie jetzt ziemlich allgemein angenommen wird, nur dem Kriegsgotte der alten Germanen, dem Tyr (Zw, 3tu) geweiht, welchem überhaupt unter allen seinen verschiedenen Namen viele Berge geweiht waren. Der Name Diensberg weift nämlich bezüglich seiner Herleitung auf dm gedachten Kriegögott Hin, indem auö dem Genitiv de« Wortes Tyr, nämlich auS Tys, sich der Name gebildet, dem sväter der Buchstabe n eingeschaltet worden, wie dies bei dem, ebendaher abzu- leitenden 3. Wochentage, dem Dienstage, der Fall ist. Eine deSbslbtge genauere Ausführung dürste hier zu weit führen. Aus Tysberg, Berg des Tys, ist Tynsberg und endlich Diensberg entstanden, was sich auf deßhalbige Anhaltspunkte in Sinn oct S Mythologie, sowie auf solche von I. Grimm stützt, obwohl letzterer den Namen unseres BeraeS vo» „Dun“ verleitet. — Wir finden hier im alten Kattenlande, nicht wett von einander entfernt, die drei Hauptgotthciten der ölten Deutschen: den Odin (Wuotan), den Thor (Donner) und den Tyr (Zio, Ziu) durch die Namen einzelner Berge ®^treten.^^rQ b!lbet mjt bem Hausberge bei Butzbach und dem Glauberge bet Büdingen, welche Berge ebenwohl noch bedeutende altgermavtsche Befestigungen in starken Ringwällen erblicken lassen, gewissermaßen eine Bertheidigungslinte gsgen die andringenden feindlichen Römer. Wenn man in Betracht zieht, daß der erwähnte Alt- köntg mit seinen starken Ringwällen den von Mainz über den Rhein her nach dem Innern des Landes andringenden feindlichen Römern zunächst den erforderlichen Widerstand zu leisten hatte, daß in der oben gedachten Berlheidigungslinie ein weiteres Boll« werk gegen solche Angriffe zu erblicken ist und daß h'nter diesem noch weitere Ver- thttdigungswerke an dem südlichen Theile des Burgwaldes, vom Christenberge an bis zur Etbenhart, vorhanden sind und diese mit dem bet dem Dorfe Sehlen unweit des Städtchens Rosenthal liegenden DönSberge mit fiinm beiden Ringwällen gewchermaßen eine abermalige Schutzwehr bildeten, so führt dies gewiß zu der Annahme, daß die Katten ihren Vertheidtguugsweiken den entsprechenden Zusammenhang zu geben wußten, was der von dem römischen Geschichtsschreiber Tacitus gerühmten Kriegskunst derselben vollkommen entspricht. r
Es konnte nicht fehlen, da der Name des Diensberg? so vielen Erklärungen aus- aesetzt gewesen, derselbe auch sehr verschieden geschrieben worden ch; wir bigegnen den Schreibarten: Dtnkberg, Dünsberg, Dunstberg, Diensberg. Die letztere ist als dte richtige anzusehen, da sie mit der Namensablestung des Berges von dem altgermanischen Kriegsgotte in Verbindung steht- Dieser Schreibart hat sich auch der vor etwa Zwanzig Jahren gestorbene, anerkannt tüchtige Alterthumsforscher Professor Nebel zu Güßen bedient, sowie neuerdings auch V.lmar. Die amwche Schreibart unseres Berges ist, wie der oben erwähnte Dr. Wipperwann angibt, „Dunslberg", wird aber von demselben als „korrumpirt" (verderbt, verschlechtert) bezeichnet.
Es gibt im Hessenlande viele Berge mit Rtngwällen. Ein solcher ist unter andern der oben genannte Dönsberg bet Sehlen, der nach seinem Wortlaute ein Namens- verwandter unseres DiensbergeS und ebenwohl dem altgermanischen Kriegsgotte -t-yr geweiht gewesen sein dürfte.
Nach einer Angabe des Archivars Dr. G. v. Schenk in Darmstadt, welche dessen Ausführung über dte alte und neue Burg zu Gießen beigefügt ist, hat unser DtenSberg in alten Zetten „Densburg" geheißen, ein Name, den wir in dem früheren Kurfürsten- Shum Hessen als dm einer längst in Trümmern liegenden Burg bei dem Dorfe Densberg unweit Jesberg antreffen und welcher mit der Herleitung deS NameuS unseres DiensbergS wohl in keine Verbindung zu bringen ist.
Es erübrigt noch die Bemerkung, daß nach I. Wolfis hessischen Sagen auch eine solche «n unserem Diensberg haftet. Es sollen nämlich noch unter setnen Ring- wällen große Schätze verborgen liegen, die zu bestimmten Tagen im Jahre zugänglich sind.
Vermischtes.
Bad Nauheim, 3. Mai. Am 2. und 3. Mai trafen trotz des ungünstigen Wetters ca. 500 Lehrer in unserer Badestadt ein, um der Hessischen Landes-Lehrer^ Versammlung beizuwohnen. Dieselben fanden bet der hiesigen Einwohnerschaft eine über Erwarten freundliche Aufnahme. Nachdem am Abend vorher der Vorstand des LaudeS-Lehrer-Veretn« eine Sitzung abgehalten, fand am 2. Mai dis Delegirten- versammlung im »Deutschen Hof" statt. Von dem sehr umfangreichen Programm, meistens geschäftliche Angelegenheiten betreffend, heben wir hervor: Berathuvg und Beschlußfassung über den Entwurf der revidrrte» Statuten deS Landes-Lehrer-VeretnS und deS Lehrer-WatsenfttftS, sowie dte Gründung eines Vereins provisorisch augeftellter Lehrer zu gegenseitiger Unterstützung in Krankheitsfällen, welch sämmtltche Gegenstände mit einigen unwesentlichen Modifikationen dte Genehmigung der Versammlung erhielten. Am Schluffe wurde noch beschlossen, dte nächstjährige Generalversammlung ausfallen zu lassen, da im nächsten Jahre dte allgemeine deutsche Lehrerversammlung in Darmstadt stattfindet, die Delegirtenversammlung dagegen betzubehalten. Abends 8 Uhr fand sodann eine gemüthliche Zusammenkunft tm „Deutschen Hofe" statt. Im frohen Beisammensein von Lehrern und Freunden der Schule brachte man bet Gesang- und Musikoorträgen, zwischen welchen viele Ansprachen gehalten wurden, den Abend hin und trennte sich erst in später Nachtstunde. Daß dte hiesige Bevölkerung den größten Antheil a« dem Feste nahm, beweist, daß die Räumlichkeiten des „Deutschen Hofes" bis auf den letzten Platz besetzt waren. Am Samstag Morgen 10 Uhr fand alsdann tm neuen Kursaale die Generalversammlung statt. Vor Eintritt in dte Tagesordnung wurde ein Telegramm an den Großherzog abgesandt. Der Vorsitzende, Obmann Backes von Darmstadt, eröffnete dte Versammlung, begrüßte in längerer Rede dte Anwesenden und dankte Allen, die zu dem Gelingen des Festes beigetragen. Geh. Oberschulrath Greim begrüßte die Versammlung NamenS der Großh. Regierung und Bürgermeister Wörner Namens der Bürgerschaft von Bad-Nauheim. Der Vorsitzende theilte nun dte Beschlüsse der Delegirtenversammlung, den Rechenschaftsbericht, sowie die geprüfte Rechnung des Lehrer-Waisenstifts mit, worauf dann der von warmer Begeisterung für dte Sache getragene Vortrag des als tüchtiger Redner bekannten Lehrers Funk von Marirnsckloß „über Kirche und Schule in ihren gegenseittgen Beziehungen zu dm Aufgaben her Cultur" folgte. Lehrer Schumacher von Worms sprach alsdann über das Thema: „Was wir wollen, was rotr sollen und was wir können", und allgemeiner Beifall lohnte beide Redner am Schluffe ihrer Vorträge. Wegen vorgerückter Zett wurde auf eine Debatte verzichtet. Der Vorsitzende schloß hierauf mit Dank an Alle, welche zum Gelingen des Werkes beigetragen hatten, die Versammlung. An der nun folgenden Festmahlzeit bethetltgten sich etwa 300 Personen und verlief dieselbe in der schönsten Stimmung, wozu die Vorträge der Kurkapelle ihr Möglichstes beitrugen. Auch hier fehlte es in dem Hauptsaale an entsprechendem Schmucke nicht, ebensowenig wie an entsprechenden Toasten. Durch die leider eingetretene stürmische und regnerische Witterung konnten die projecttrten Ausflüge nach dem Johannisberg und Teichhaus nicht in der programmmäßigen Weise ausgeführt werden. Die Abendzüge entführten sm Samstag den größten Theil der Gäste. Die hier verlebten Tage waren Tage der Arbeit, aber auch frohe Festtage. Die Betheiligung der Bevölkerung in allen Schichten hat wieder gezeigt, daß hier Lehrerschaft und Bevölkerung auf einem gemeinsame» Boden stehen. Möge es auch ferner so bleiben.(O. A.)
Landwirthschaftliches.
— Wie man gegen die Ausbreitung der Disteln Maßregeln ergreift, so sollte man auch gegen das so giftige Unkraut der Wiesen, gegen die Herbstzeitlose (colchicum autumnale) Vorgehen, welche die besten Wiesengründe oft überwuchert und die Heuerträge wesentlich schmälert und schädigt durch ihre Gegenwart. Viele Krankheitsfälle find schon bei Pfirden (Kolik), bei Rindvieh (Diarrhöe) rc. durch die Herbstzeitlose erzeugt worden, und selbst das Federvieh geht zu Grunde, wenn dasselbe nur wenige Korner deS Samens jener Pflanze verschluckt hat. — Jeder Landwtrth kennt das Unkraut sehr wohl, aber er glaubt, eS sei zu mühsam, zu theuer, um dasselbe vertilgen zu können. Dieses ist aber nicht der Fall, da diese Pflanze bd ihrer gegenwärtigen Größe leicht derart ausgezogen werden kann, daß sie nicht mehr fortwächst. Läßt man etwa durch Kinder ober Frauen dte Pflanze, möglichst nahe am Boden gefaßt, langsam auszichen, so erhält man leicht das ganze Gewächs lammt einem Theil des Wurzelstrunkes, und der im Boden verbleibende Knollen wächst alsdann nicht mehr fort Man kann auf diese Weise für nur 1JL einen Morgen Wiese reinigen lassen. Im kommenden Jahre werden wiederum Pflanzen der Herbstzeitlose erscheinen; allein in viel geringerer Zahl als früher, die sich auS kleinen Pflänzchen oder aus Samen nachträglich entwickelt haben. Die Entfernung dieses Nachwuchses kostet höchstens 50 Pfg. pro Morgen. Im dritten Jahre wird nochmals nachgesehen, um die letzten Sprößlinge zu beseitigen und man ist alsdann der weiteren Arbeit überhoben. Die Herbstzeitlose hat nämlich ca. 4 Jahre Wachsthum vöthig, um zum Sameniragen zu gelangen und wenn man also innerhalb dieser Zeit das Unkraut stets wegnimmt, so muß diese Pflanze schließlich von der Fläche verschwinden. Es sei hierbei bemerkt, daß eS nicht rathsam ist, das gesammelte Unkraut auf die Miststätte (oder sonst frei hinzuwerfen, indem das Federvieh leicht daran Schaden nehmen kann. Am besten wird man dies Unkraut in Composthaufen, mit Kalk oder Gyps bestreut, vergraben, um so dessen schnelle Verwesung herbeizuführen.
Hohversteigmmg
im Allendorfer Stadtwald.
Ireitag den 9, Mai L I., Bornr. 9 Uhr anfangend, sollen in den Districten Vorderste und Hinderste Mark versteigert werden:
Bau-, Werk- und Nutzholz.
32 Eichenstämme mit 8,77 Fm.,
236 Nadelstämme „ 87,89 „
165 Nadelderbstangen „ 10,20 „
Zusammenkunft an der Klimbacher
Lehmkaute.
Allendorf a/Lda., am 5. Mai 1884. Gr. Bürgermeisterei Allendorf a/Lda. ___________Bieber._______3235
Freitag den 9. Mai, Nachmittags 2 Uhr, sollen im W e i it s a a l, Bahnhofstraße, eine große Parlhie Damen-KleiDer- stoffe aller Art, in ganzen Stücken, abgepaßte Kleider, Reste, Manilla- u. Gobelin - Tischdecken, weiße Gar- dinen-Refte rc. versteigert werden.
Gleichzeitig 2 gute Kommoden, 1 So- pha, tannene Waschtische.
Im Auftrag: 3243 M'üller, Ortsgerichtsmann.
Jeikgeöotenes.
2993 Mrrverwagen empfiehlt W. Kerber, Linoenplatz 5.
Allgemeiner Anzeiger.
V ersteigernde.
Donnerstag den 8., Freitag den 9. und Samstag den 10. Mai l. I. — jedesmal Morgens 9 Uhr und Nachmittags 2 Uhr anfangend — wird im Bramm'schen Saale dahier eine große Partie
Eisen-, Stahl- und Messingwaaren öffentlich meistbietend gegen Baarzahlung versteigert, als: Sägen, Feilen, Bohrdrauben, Hobeleisen, Meisel, Fuchsschwänze, Zimmermannswerkzeuge, Schrankschloß, Schubladeschloß, Thürschloß, Nieten, Zapfenband,Fischband, Kistenband, Riegel, Hackmesser, Wiegemesser, Bohrer, Messingknöpfe, Glasknöpfe, Zirkel, Schraubenzieher, Schränkeijen, Drillbohrer, Hämmer, Zangen, Zugmesser, Waagebalken, Schraubstöcke, Taschenmesser, Revolver und Patronen, Gurtstifte, Glaserstifte, Messingstifte, Drahtstifte, Schuhmachernägch Scheeren, Schlittschuhe, Schreinerleim, Dunggabeln und sonstige in das Eisenfach einschlagende Artikel; ferner eine große Partie
Kochgeschirre, Küchen- und HaushalLungsgeräthe, als: blau emaillirte, sowie verzinnte Kroppen, Pfannen, Eimer, Kannen rc., Kaffeemühlen, Pfeffermühlen, Kaffeebrenner, Selterswaagen, Tafelwaagen, Kohlensparer, Kohlenlöffel, Kohlenkroppen, Zinkeimer rc.
Gießen, den 3. Mai 1884.
Bühner, Geißler, Großh. Gerichtsvollzieher zu Gießen. 3192
Sommerhandschnhe in Seide und Fil de cosse, Corsetten, Schürzen. Krausen, Borstecker, Fichus. Damen-, Herren- und Kinder-Kragen, Shlipse, Tullschooner, Sommer- Unterröcke von M. 1.60 an, leichte Unterhosen und -Jacken empfiehlt in großer Auswahl zu den billigsten Preisen 2444
Julius Schulze, 20.
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Dresdener Streusel- (Guß)-Kucheu,
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