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6.7.1884 Erstes Blatt
 
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Sonntag den 6. Juli

1884

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iehener Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

Erscheint tätlich mit Ausnahme des MontagS.

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Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pi.

Bureaur Schulstraße 7.

Amtlicher Hheit.

Gefunden: 1 unächter Trauring, 1 Pmcenez, 1 Varstecknadel 1 Kinderstöckchen 2 Partemannme mit Inhalt, 1 Peitsche, 2 Taschentücher, gold. Medaillon, 1 Messer, 1 Paar Glacehandschuhe, 1 Brille, 1 Silberplattcheu mit Jnlchrist. sichrere Schlu,sel.

9 Gießen, den 5. Juli 1884. Großherzogliches Polizeiamt Gießen.

D ' Fresenius.

Telegraphische Depeschen.

Wolff'» telegr. Lorrespondem-Brrrearr.

EmS, 4. Juli. Zur Kaiserlichen Tafel waren gestern der König von Däne- martf, sowie der König und die Königin von Griechenland'Nebst Gefolge geladen. Außerdem halten Einladungen erhalten der griechische Gesandte in Berlin, Rangabe, der dänische Gesandte in Parts, Graf Moltke, Fürst Salm-Dyck, Schloßhauptmann Graf Dönhoff und Badekommtssar r. Lepel. Nach dem D ner nahm Se. Maj. der Kaiser den Vortrag des Wirk!. Geh. Legat'onSrath o. Bülow entgegen selettete seine hohen Gäste um 7V- Ubr nach dem Bahnhof und machte sodann noch eine Spazier­fahrt an der Lahn aufwärts. Heute setzte Se. Maj. die Brunnenkur sort und erschien auf der Promenade. Später empfing Allerböchstderselbe den Wtrkl. Geheimen Rath v. WilmowSki, den Hofmarschall Grafen Perponcher, den KrtegSmimster General- Lieutenant Bronsart v. Schellendorf und den Chef des Milttarkabinets, General- Lieutenant v. Albedyll, zum Vortrage. , . . .

Wiesbaden, 4. Juli. Der König und die Königin von Dänemark sind heute nach Schloß Phil'ppsruhe zum Besuch der Landgräfin von Hessen abgereist Von dort werden dieselben sich morgen nach Gmunden begeben. Der König und die Königin von Griechenland beabsichtigen noch einige Zeit hier zu bleiben.

Berlin, 4. Juli. DieN. Allg. Ztg." schreibt: Während der Abwesenheit des Reichskanzlers Fürsten v. Bismarck von Berlin dürfen demselben weder amtliche noch nichtamtliche Schriftstücke vorgelegt oder nachgesandt werden. ES ist deßhalh auf eine Beantwortung derselben nicht zu rechnen. .

Der Arbeiter Gronack ist heute hier von dem Schwurgericht wegen Mordes und Todtschlags zum Tode, zu 10 Jahren Zuchthaus und zu dauerndem Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte verurtheilt worden. ,

Bern, 4. Juli. Der Bundesrath hat die Einfuhr von auS Frankreich kommen­den ungebe'zten Häuten, Baumwollabfällen, Federn, Hadern, Beltstücken, alten Kleidern (Gepäck Reisender ausgenommen) und ungewaschener Wolle verboten.

PariS, 4. Juli. Die Polizeivräfektur dementtrt entschieden daS Gerücht, daß in Paris irgend ein Cholerafall vorgekommen ist. t , iri_,

Die Zufuhren von Gemüsen und anderen landwirthschaftlichen Producten von Toulon und Marseille sind für die Pariser Hallen verboten.

Ferry konfertrte heute mit Waddington. Li - Fong - Pao ist hier an- gekommen.

Der Marineminister erhielt ein weiteres Schreiben des Dr. Rochard auS Toulon, worin derselbe sich wiederholt dahin aussprtcht, daß die Epidemie in Toulon im Erlöschen begriffen ist; dieselbe könne sich so lange hmziehen, bis die grotze Hitze vorüber sei, werde Indessen allmählich gelinder auftreten. Das hygienische Eon- sulatScomite sprach sich für Hinausschiebung des Nationalfestes am 14. Juli auS, um wegen der Epidemie ein Zusammenströmen großer Menschenmassen zu vermeiden.

Der Geheime Rath Professor Dr. Koch ist gestern Abend, nachdem er sich zuvor durch verschiedene Besprechungen informirt halte, nach Toulon abgereist.

Toulon, 4. Juli. Dr. Koch ist heute Mittag hier eingettoffen und wurde auf dem Bahnhof von dem Marinearzt Rouvier, welcher ihm während des hiesigen Auf­enthalts beigegeben ist, empfangen. Derselbe begab sich sofort zu dem Seepräfekten, wo ihn Generalinspeclor Dr. Rochard erwartete. .

- In der Zeit von gestern Abend btS heute Vormittag 10 Uhr sind hier fünf Personen an der Cholera gestorben. , , .

Seit heute früh sind 7 Cholera-Todesfälle, somit innerhalb 24 Stunden im Ganzen 12 vorgekommeu. M m ,

Marseille, 4. Juli. Auch während der vergangenen Nacht ist hier kein Cholera- Todesfall vorgekommen. t ...

London, 4 Juli. Unterhaus. Der Staatssecretar des Innern, Harcourt, thellt unter dem Ausdruck deS Bedauerns mit, daß der Premier Gladstone durch etu leichtes Unwohlsein verhindert sei, der heutigen Sitzung beizuwohnen.

Die finanziellen Beigeordneten der Conferenz hielten heute Nachmittag unter dem VorsitzeChilders eine Sitzung. Blum Pascha und Tigrane Pascha waren anwesend.

Christiania, 4. Jull. Das Storthtng genehmigte heute für den Kronprinzen eine Apanage tm Betrage von 80,000 Kronen. , ,

Haag, 4. Juli. In der heutigen Sitzung der 2. Kammer gab die Regierung die Erklärung ab, daß das Gesetz über die Regentschaft in Kurzem tm Mtnisterrathe erörtert werden wird. Der König habe seinen Willen bereits ausgesprochen. Wahr­scheinlich Im Monat August würden die Kammern einberufen werden, um m gemein­samen Sitzungen dieses Gesetz zu berathen. Auch liege eine beschränkte VerfassuvgS- rev'sion tn der Absicht der Regierung. m . . .

Hongkong, 4. Juli. DaSReuter'sche Bureau" meldet: Nach Berichten chinesischerseits über die Affaire Langson richtete die französische Colonne sofort nach ihrem Eintreffen an Langson die Aufforderung zur Uebergabe. Die Garnison ver­weigerte die Uebergabe; da der Commandeur ohne Instruction war, wurde dre tägige Frist bewilligt, nach deren Ablauf angegriffen wurde. Die Franzosen aber wurden mit beträchtlichen Verlusten zurückgeschlagen. Fünf französische Offiziere geriethen in Gefangenschaft.

Lokale».

Gießen, 5. Juli. s41. Jahresversammlung deS HauptvereinS der Gustao-Adolf-Sttftung tm Großherzogthum Hessen) Von sonnigem Wetter b'günsttgt, mit allen Glocken etngelautet, hat unser Fest, trotz der Concurrenz von Schützenfest und Stiftungsfeier der Universität, einen verheißungsvoll schonen Anfang genommen. Die Vorfeier am Dienstag Abend fand nicht, wie geplant war, in Wenzel's Garten, sondern auf dem Lenz'schen Felsenkeller statt, weil, wie sich nach­träglich herausftellte, die Universitätsfeier, welche dort am Nachmittag gehalten wurde, durch Concert und Tanz eine solche Ausdehnung erhalten hatte, daß bis zum Abend die Räume nicht disponibel waren. So unangenehm Anfangs die Ueberraschung des Festcomitös war, als davon zufällig Kenntntß erhielt, so hatten wir nachträglich den Tausch nicht zu bereuen, da der Lenz'sche Felsenkeller für rinen solch schönen Sommerabend ein köstlicher Platz ist. Um 6 Uhr Abends fand im Saale der Wtrthschast die Sitzung deS VerwaltungSrathS und der Abgeordneten der Zweigvereine unter dem

Seltene Tage.

In dem lieben, alten Gießen, in treuer Erinnerung an die alte Zeit, beim Besuch des Gustav-Adolf- FesteS geschrieben von Elard Briegleb.

Kiesien. 5. Juli. Der Knecht einer hiesigen Liqueurfabrik wurde gestern beim Heumachen von einem Sonnenstich betroffen und ist an den Folgen desselben heute vestorben. f n u&r überfielen zwei Knechte einen jungen Mann in

der Sandaaffe und prügelten denselben ganz jämmerlich. Außerdem erhielt der so um einen Stich in den Kopf. Eifersucht soll das Motto des Ueberfalls sein. Die Knechte wurden beigesteckt , .

Wie man uns mittbeilt, ist Wenzel's Hotel Bellevue nunmehr in allen seinen Räumen fertig ausgestattet und möblirt und steht Interessenten am morgigen Tage zur Ansicht offen.

An dem Himmel strahlen Sterne Und du schaust sie, groß und klein, Viele auS so weiter Ferne Glänzen nur mit mattem Schein.

Aber and're siehst du tauchen Auf auS ewig lichtem Kranz, Und sie bieten deinen Augen Wundervollen Schein und Glanz.

Und dein Auge hängt an ihnen Klaren Blickes allerwärtS Und, wo sie dir auch erschienen. Füllt die Freude dir daS Herz.

O, ihr Tage, hell Auch in meines Ob ihr nahe, ob ihr ferne, Treu im Herzen halt' ich euch!

Also tauchen dir oft schnelle Auf den Pfaden deines Gang'S Tage auf, die licht und helle, Gleich den Sternen ersten Rang'S.

Auf dein Leben, auf dein ganzes, Wirket ihres Zaubers Macht, Und die Fülle ihres Glanzes Labet dich in banger Nacht.

Unter ihren milden Zeichen Schlafen deine Schmerzen ein;

Wenn die letzten Sterne bleichen, Glänzt dir noch ihr ferner Schein.

wie Sterne, Seins Bereich,

Vorsitz des langjährigen VeretnSprästdenten, Herrn OberstabSauditeur Eigenbrodt, statt. Dabet wurden zunächst die Unterftützungsanträge des VerwaltungSrathS, welche der Secretär, Herr Pfarrer Ritsert aus Darmstadt, mit gewohnter Sachkenntniß vorlaS, angenommen, mit der kleinen Modtfication, daß auS einem von dem Herrn Secretär parat gehaltenen Nothpfennig dem Centralvorstand in Leipzig noch wettere 500 bem KlrchenbaufondS von Dtebura weitere 100 JL zugewüsen wurden. Es wurden verwilligt: dem Centralvorstand 5500 JL, zur Schuldentilgung unserer hessischen Ge­meinden 2500 Jt, ferner für 14 hessische Gemeinden 9603 ^L, für nichthessische Gemeindm 3380 JL, inSgesammt 20,983 JL

Bei der nun folgenden Ergänzungswahl des VerwaltungsratheS wurden die ausgeschtedenen Mitglieder durch Acclamation wiedergewählt; an Stelle des Herrn JustizrathS Buchner, der wegen Ueberlastung abgelehnt hatte, wurde Herr Ober- consistorialrarh Dr. Köhler gewählt. Zu Abgeordneten für die nächstjährige Haupt­versammlung tn Wiesbaden, zu welcher Herr Geh. Regierungsrath Firn hab er alS Vertreter deS Centralvorstandes, sowie des Nassauischen CentralvereinS herzlich einlud, wurden außer dem Präsidenten und Schriftführer Herr Oberconfistorial- rath Dr. Habicht bestimmt. Als Festort für nächstes Jahr wurde Zwingenberg auSersehen.

In der anschließenden geselligen Vereinigung begrüßte Herr Pfarrer Dr. Naumann den Verein als werthen Gast von Gießen, vornehmlich auch seinen Präsidenten, Schriftführer, die Abgeordneten, die Vertreter des Kirchenregiments. Die Herren OberstabSauditeur Eigenbrodt und Geh.-Rsth Firn Haber erwiderten den Gruß. Herr Pfarrer Ritsert gab in lebendigen Zügen an der Hand der Schilderung einer evangelischen Kirche in Italien ein Bild der Thätigkeit des Vereins. Auch Poesie fehlte nicht, vertreten durch ein launiges Gedicht von Herrn Decan Briegleb-Pfeddersheim, welches wir am Schluffe des Berichtes folgen lassen.

Der Hauptfesttag am Mittwoch erhielt schon frühe seinen festlichen Charakter durch daS feierliche Frühgeläute und die vom Thurm geblasenen Choräle:Eine feste Burg" undLobet den Herren". Etwas merkte man es der Physiognomie der Stadt doch auch an, daß darin ein Fest gefeiert wurde. Davon zeugte nicht blos der Fahnen- . schmuck an vielen Häusern, sondern auch eine größere Stille in dem sonst so regen Geschäftstreiben und eine gewisse festliche Bewegung auf den Straßen. Von V>10 Uhr zumal ging ein erfreuliches Strömen nach dem Gotteshause hin. Um 10 Uhr bewegte sich der Festzug unter Vorantritt der Schuljugend von dem LudwtgSplatz zur Kirche, die in allen ihren Thetlen von einer dtchtgedrängtm Festversammlung gefüllt war. Frisch und freudig brauste der Gesang durch die weiten Räume, lebendig entfaltete die Liturgie und Gotteswort die die Herzen bewegenden Gedanken, für welchen die Gesänge des Kirchengesangvereins nachhaltige Kraft verliehen. Voll hohen festlichen Schwunges, mit mächtig andringender Begeisterung legte dann der Festprediger, Herr Pfarrer Pahnke von Darmstadt, Apostelgesch. 20, 35 aus. Die überaus geistvolle vielleicht könnte man sagen: fast überreiche Predigt führte die Gedanken aus: Von der Hand­reichung an unsere Brüder als eine Quelle des reinsten Segens für uns selbst und zwar darum, weil unser Geben und Mittheilen 1) ein Mitfühlen der göttlichen Liebe, 2) ein Mitzeugen für die evangelische Wahrheit, 3) ein Miibauen in großer Hoffnung ist AuS dem weiteren Verlauf der Feier hebe ich noch die herzliche Ansprache des VeretnSprästdenten, sowie die Ansprachen der Abgeordneten: 1) Herrn Geh.-Rath Firnhaber auS Wiesbaden (Nassauischer Hauptvereinund Centralvorftand), 2)Herrn Pfarrer Körber auS Hemsbach (Baden), 3) Herrn Pfarrer Lewerer-Dürkheim (Pfalz), 4) Herrn Pfarrer Bing mann-Kirchhain (Kurheffen) hervor. Der von dem Secretär deS Vereins vorgetragene Jahresbericht wird besonders im Druck erscheinen. ____