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Rr. 88 Donnerstag den 6. März 18$4
Amts- und Anzeigeölatt für den Kreis Gießen.
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Amtlicher Hheil.
Bekanntmachung.
Droschkenbesitzer Heinrich Mahler dahier hat die ihm am 15. October 1878 ertheilte Concession zur Inbetriebsetzung seiner Droschke Nr. £ zurückgegeben.
Gießen, den 4. März 1884. Großherzogliches Polizeiamt Gießen.
Fresenius.
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Politische Ueberstcht.
Gießen, 5. März.
Der am Donnerstag zusammentretende Reichstag wird sich bekanntlich u. A. auch mit einem Nachtragsetat, betr. Marinezwecke, zu beschäftigen haben. Die betr. Vorlage ist von einer eingehenden Denkschrift über die Gesammtlage unserer Kriegsmarine begleitet, welche sehr interessante Daten enthält. Dieselbe beginnt mit einem Rückblick auf den Flottengründungsplan und hebt hervor, daß die Zeitumstände schon manche Abweichung von demselben nöthig gemacht hätten und dieses würde in Zukunft noch mehr der Fall sein. Die Denkschrift betont, daß man vorerst untersuchen müsse, ob und welche Zweige der Marine in ihrer Entwickelung zurückgeblieben seien, ob nach dieser oder jener Seite hin der mögliche Gebrauch der Marine im Frieden oder im Kriege neue Forderungen zu Tage treten lassen werde, unv ob und wo Fortschritte der Technik den Entwickelungsgang auf neue Wege Hinweisen. Die Denkschrift verbreitet sich sodann in sehr detaillirter Weise über Schiffe und Fahrzeuge, über das Personal und die Nothwendigkeit seiner Vermehrung, über anderweite Entwickelung der Marine, besonders Erweiterung des Torpedowesens, die Einrichtungen für den Mobilmachnnassall und endlich über die dringlichen Maßregeln, welche die Vorlage fordert. Am Schluffe heißt es, daß man die verhältniß- mäßig geringen Mittel nicht versagen möchte, wenn damit erst das in Jahren mühevollen und energischen Schaffens Erreichte in seinem vollen Werth nutzbar wird. Es handelt sich zunächst darum, schwache Seiten unserer Marine zu kräftigen und bedenkliche Lücken auszusüllen. Läßt sich aber nicht in Abrede stellen, daß die rechtzeitige Vornahme dieser Arbeiten für den Verlauf eines künftigen Krieges auf der See und an den Küsten entscheidend werden kann, so wird man die Verantwortung für deren längeres Hinausschieben nicht über- übernehmen wollen.
Nach fast zweijähriger Abwesenheit von der Heimath wird Prinz Heinrich von Preußen Anfangs nächster Woche in Kiel wieder deutschen Boden betreten. Augenblicklich weilt die Eorvette „Olga" mit dem Prinzen an Bord noch in Plymouth und ist der Zeitpunkt ihrer Ueberfahrt nach Kiel noch nicht genau festgesetzt. Wie man aus Berlin meldet, gedenken sich der Kronprinz und Prinz Wilhelm zum Empfange des Sohnes und Bruders am 9. März nach Kiel ,u begeben. Im Uebrigen hat es sich bei der diesmaligen Reise ves Prinzen Heinrich nicht um eine Reise um die Welt gehandelt, sondern die „Olga" hat hauptsächlich in den westindischen, südamerikanischen und ostasia- tischen Gewässern geweilt.
Im Vundesrath ist nunmehr der Antrag Preußens auf Verlängerung des Socialistengesetzes auf 2 Jahre eingelaufen. Die Aussichten für die Annahme des Antrages Seitens des Reichstages sind allerdings noch ziemlich unbestimmt, es heißt,aber, die Reichsregierung werde unter allen Umständen auf der Durchführung dieser Maßregel bestehen.
Nachdem der Boden in Wien für die Führer der österreichischen Socialisten durch die Ausnahme-Maßregeln zu heiß geworden ist, scheint Pesth der Sammelpunkt für die Leiter der Umsturzpartei in Oesterreich geworden zu sein. Die Verhaftung des socialistischen Redacteurs, Armin Prager, verspricht für die Kenntniß der anarchistischen Verzweigungen und Verbindungen sehr wichtig zu werden.
Endlich eine kleine Genugthuung für Herrn Gladstone „nach so viel Kreuz und ausgestandenen Leiden!" Im Ost-Sudan ist der erste Zusammenstoß zwischen den Engländern und den Reiterschaaren des Osman Digma erfolgt und hat mit einer vollständigen Niederlage des letzteren geendigt. Eine ausführlichere Depesche des Generals Graham meldet, daß er am Samstag (also nicht am Donnerstag, wie es ursprünglich hieß) mit 3000 Mann Infanterie , 750 Reitern, 7 Mitrailleusen und Geschützen kleineren Kalibers ausgerückt sei und die Rebellen beim Brunnen El Teb mit Krupp'schen Kanonen verschanzt gefunden habe. Die Engländer griffen die Verschanzungen von rückwärts an und nahmen nach dreistündigenr Gefecht die Verschanzungen mit Sturm, wo sie 4 Krupp'sche Geschütze, 3 andere Kanonen und eine Quantität Munition erbeuteten. Der Bericht des Generals selbst gesteht, daß sich die Araber mit großer Bravour schlugen; ihre Streitmacht veranschlagt Graham auf ca. 10,000 Mann; 900 arabische Todte wurden in den Verschanzungen gesunden. Der Verlust englischerseits beträgt 28 Todte, 2 Vermißte und 142 Verwundete, unter den schwer Verwundeten befinden sich Baker Pascha and die Obersten Burnaby und Barrow. Als unmittelbare Folge des Gefechts i.-scheint die Wiedereinnahme von Tokar, welches sich noch am Samstag ohne Kampf ergab. Die die Garnison bildenden Ausständischen nahmen die von General Graham gestellten Bedingungen an, worauf Graham mit seinen sämmtlichen Truppen in die Stadt einzog. Es ist indessen nicht wahrscheinlich,
daß das englische Corps weiter in das Innere vordringen werde, da das Ter» rain sehr schwierig ist und auch der Verpflegung der Truppen große Hindernisse entgegenstehen.
Die italienische Ministerkrisis ist noch in der Schwebe. Das Ministerium de Pretis will, wie die römischen Blätter meinen, die Discussion der Kammer über die innere Politik abwarten, um dann die Vertrauensfrage zu stellen. — Sämmtliche Kardinäle und Prälaten erschienen am Sonntag im Vatikan, um den Papst zu seinem Geburtstage und zum Jahrestage seiner Krönung zu beglückwünschen.
Die Absicht der Pforte, einen muselmännischen Gouverneur in der Person Halil Rifaat Pascha's für Kreta zu ernennen, an Stelle des bisherigen christlichen Gouverneurs, Photiades Bey, hat unter den Bewohnern der Insel große Erregung hervorgerusen. Dieselbe giebt sich in einem Protest kund, welchen zahlreiche Einwohner von Kreta an den Sultan gerichtet haben und worin sie erklären, daß sie einen muselmännischen Gouverneur nicht anerkennen würden. Gleichzeitig haben sie die 6 Botschafter und den griechischen Gesandten in Konstantinopel um Vermittelung in dieser Angelegenheit ersucht. Der englische Consul auf Kreta hat Lord Dufferin mitgetheilt, daß die Ernennung eines muselmännischen Gouverneurs ernste Unruhen auf der Insel Hervorrufen würde; einstweilen ist die Ernennung Halil Rifaat Pascha's noch nicht unterzeichnet.
Die Mission General Gordon's stößt auf immer größere Schwierigkeiten. So ist sein Adjutant, Oberst Stewart, den er den weißen Nil aufwärts gesandt hatte, um die dortige Bevölkerung zu beruhigen, unverrichteter Sache nach Khartum zurückgekehrt. Der Oberst und seine Begleiter konnten in ihren Dampfern die Ortschaften der Eingeborenen zwar unbehelligt passiren, doch wurden an verschiedenen Orten am Ufer zahlreiche Araber bemerkt, welche eine drohende Haltung beobachteten. Auch in der Stadt Khartum selbst soll die anfängliche Begeisterung für General Gordon rasch wieder gewichen sein und einem entschiedenen Mißtrauen Platz gemacht haben.
AeuiMand.
Darmstadt, 4. März. An die zweite Kammer der Stände gelangte heute früh folgender Allerhöchste Erlaß:
Ludwig IV., von Gottes Gnaden Großherzog von Hessen und bei Rhein ec. Es gereicht Uns zur besonderen Befriedigung, Unsere Sieben unst Getreuen die Stände des Großherzogthums zu benachrichtigen, daß Unsere viel- geliebte älteste Tochter, die Prinzessin Victoria Elisabeth Mathilde Alberta Marie von Hessen und bei Rhein, Großh. Hoheit und Liebden, mit Sr. Durchl. dem Prinzen Ludwig Alexander von Battenberg, ältestem Sohne Sr. Großh. Hoheit des Prinzen Alexander von Hessen und bei Rhein, und Unsere vielgeliebte zweite Tochter, die Prinzessin Elisabeth Alexandra Louise Alice von Hessen und bei Rhein, Großh. Hoheit und Liebden, mit Sr. Kaiser!. Hoheit dem Großfürsten Sergius Alexandrowitsch von Rußland ein Eheverlöbniß eingegangen haben.
Indem Wir Uns überzeugt halten, daß die Stände des Großherzogthums an der Freude Antheil nehmen, welche Wir über die bevorstehenden glückverheißenden Verbindungen Unserer Töchter empfinden, verbleiben Wir Unseren Lieben und Getreuen den Ständen des Großherzogthums mit Landesfürstlicher Huld und Gnade wohlgewogen.
Gegeben Darmstadt, den 29. Februar 1884.
LUDWIG.
v. Starck
Abend
haben
Joseph
Ordens ru verleiben.
1. Darmstadt, 4 März. Zweite Kammer der Landstände.) In der heutigen Sitzung der i-netten Kammer der LandstSnde bracht- zuerst der Präsident einen Allerhöchsten Erlaß zur Kenntniß der Mitglieder, enthaltend bte Mittheilung von der Verlobung der Prinzeß Vicioria mit dem Prinzen Ludwig von Battenberg und der Verlobung der Prinzeß Elisabeth mit dem Großfürsten Sergius von Rußland und machte den Vorschlag, eine Glückwunschadresse durch eine ständische Deputation überreichen zu lasten, welchem Vorschlag allgemein zugestimmt wurde.
Abg. Heinzerling verlas hieraus eine ziemliche Anzahl eingelaufener Petitionen und Anträge Zwecks Errichtung von Secundärbahnen und schritt sodann die Kammer zur Berathung der Vorlage Großh. Ministeriums der Finanzen, den Gesetzentwurf, die Erbschasts- und Schenkungsst-uer betr.
— Se. Durchl. der Prinz Ludwig von Battenberg ist gestern nach England abgereist. , , . t „
Darmstadt, 4. März. Se. König!. Hoheit der Großherzog
Allergnädigst geruht: r ,
Am 2. März dem pensionirten katholischen Pfarrer Christoph
Trauth zu Mainz, dem katholischen Pfarrer der St. Martinspfarrei zu Worms Nicolaus Reuß und dem katholischen Dekan des Dekanats Bingen und Pfarrer zu Planig Joseph Hirt er das Ritterkreuz 2. Klaffe des Ludewigs-


