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Gießener Anzeiger
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
- — ” "7" " . _ _ " 7 PreiS vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerloh«. Bureatt: Schulftraße 7. Erscheint täglich imt Ausnahme des Montags. Durch die Poft bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
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Politische Ueberskcht.
Gießen, 4. December.
Der Reichstag beschäftigte sich am Montag mit dem ersten der wichtigeren Gesetzentwürfe, die ihn in dieser Session erwarten, mit der Post- dampser-Subventions.Vorlage, und zeugte für dar Interesse, welches man in den weitesten Kreisen diesem Gegenstände gegenüber hegt, der Umstand, daß die Tribünen dichtgefüllt waren. Die Vorlage ist bekanntlich aus dem vorigen Reichstage dem jetzigen in verbesserter Gestalt überkommen und schlägt in ihren Hauptpunkten die Errichtung von Dampferlinien nach Australien, Ostasisn und Ostafrika (Zanzibar) mit Ausdehnung der letzteren Linie bis nach Angra Pequena vor; die betr. Unternehmer sollen aus Reichsmitteln eine jährliche Unterstützung bis zum Höchstbetrage von 5,400,000 «X auf die Dauer von 15 Jahren erhalten. Die Verträge mit den Unternehmern sollen die Ge- nehmigung des Bundesrathes erfordern und dem Reichstage sammt den geleisteten Zahlungen bei Vorlage des nächsten Etats mitgetheilt werden. Die Debatte wurde vom Staatsfecretür deü Reichspostamtes, Dr. Stephan, mit einem kurzen übersichtlichen Vortrag unter Hinweis auf die bekannte Vorgeschichte des Gesetzentwurfes eingeleitet. Dr. Stephan betonte hierbei die inzwischen aus colonialpolitischem Gebiete vorgefallenen Ereignisse, welche M einer Umänderung der gegenwärtigen Vorlage geführt hätten und empfahl Ichließlich dieselbe vom nationalen wie vom volkswirthschaftlichen Standpunkte aus. Die meisten der folgenden Redner sprachen sich im Allgemeinen für Com- missionS'Berathung aus, so die Abgg. v. Huene, Marquardsen, Graf Holstein, Grad, Woermann, v. Behr-Behrenhoff und Stiller (Lübeck). Besonders hervor- rubeben ist. daß der Elsässer Grad sich unumwunden für die Vorlage erklärte, mit dem Bemerken, daß man im Elsaß die Vorthelle einer solchen Subvention zur Zeit der französischen Herrschaft erkannt habe. In warmen Worten trat auch Herr Woermann, der Abg. für Hamburg HI, für die Vorlage em, indem er sich zugleich gegen die Bedenken des Abg. Stiller (Lübeck) wandte, welcher ausgeführt hatte, daß wir erstlich Schiffe genug hätten und England uns mit allem Röthigen versehe und daß zweitens die Vorlage nur die bestehende Rhe- derei schädigen würde. Einer wetteren Bemerkung des Abg. Stiller, daß die Dampfer-Subvention nicht zur Hebung des Marine-Materials dienen würde, widersprach der Chef der Admiralität, v. Caprivi, während Staatssecretär Stephan einzelnen Ausführungen des Abg. v. Huene entgegentrat. Als princi- piellen Gegner der Dampfer-Subventions-Vorlage bekannte sich von deutschfreisinniger Seite Herr Bamberger, welcher die alten Bedenken seiner Partei gegen die Vorlage vorbrachte. Nach ihm ergriff Fürst Bismarck, welcher während der Woermann'fchen Rede eingetreten war, das Wort, um sich gegen mehrere Ausführungen des Vorredners zu wenden. Im Uebrigen bemerkte der Kanzler, er könne die pessimistische Auffassung Bamberger's nicht theilen, und wenn die Re- gierung noch einige Zeit mit der Vorlage gewartet hätte, so würoe Herr Bamberger nachher wahrscheinlich andere Gründe zur Ablehnung gehabt haben. Schließlich wies Fürst Bismarck daraus hin, daß bei uns seit 1878 Handel, Wirthschast und Wohlhabenheit in erfreulicher Weise zugenommen hätten, das vorhandene Deficit könne also auch kein Grund für die Ablehnung der Vorlage sein, an derselben würden lediglich das Partei-Interesse und die Oppositwns- Politik Schuld sein. Nachdem sich noch Richter gegen die Vorlage erklärt, wurde die Diskussion mit einer langen Reihe persönlicher Bemerkungen geschlossen und hierauf der Entwurf an eine Commission von 21 Mitgliedern verwiesen. Die Verhandlung machte im Ganzen den Eindruck, als ob das Centrum und bie freisinnige Partei gewillt seien, in ihrer ablehnenden Haltung gegenüber der Dampser-Subventions-Lorlage zu verharren, so daß die Aussichten für das endliche Zustandekommen dieser doch so populären Vorlage nach rote vor zweifelhafte sind. Für Mittwoch, als einem „Schwerinstag", standen verschiedene Anträge aus der Mitte des Hauses, unter ihnen der Antrag Wmdthorst auf Aufhebung des Expatriirungs-Gesetzes, aus der Tagesordnung.
Die Congo-Conferenz hielt am Montag wieder eme Plenarsitzung ab, in welcher das sog. projet de ddclaration, betr. das Congo-Becken und die Handelsfreiheit daselbst, nach Genehmigung der letzten, von der Commission vor- geschlagenen unwesentlichen Aenderung, definitiv angenommen wurde. Die Con- ferenz schritt darauf zur Berathung des zweiten Punktes des Conserenz-Pro- grammes, betr. die freie Schifffahrt auf dem Congo und Niger, und übertrug die Vorberathung der Commission, welche aus denselben Staaten besteht, wie bisher. Die Commission wird zuerst die freie Schifffahrt auf dem Congo, alsdann diejenige auf dem Niger gesondert berathen, sodann die Frage der freien Schifffabct aus beiden Strömen zusammen. rr,r . £
Ist ungarischen Regierungskreisen hat die beabsichtigte Erhöhung des französischen Vieh- und Getreide-Zolles große Besorgniß hervorgerufen, da man in Budapefth von dieser Maßregel eine Beeinträchtigung des ungarischen Vieb- und Getreide-Exportes befürchtet. Von der ungarischen Regierung ist deshalb eine Note an das gemeinsame Ministerium des Auswärtigen gerichtet worden in welcher dasselbe um eine diplomatische Intervention in die er Ange- Eeit in Paris ersucht wird. Die österreichische Regierung hat sich diesem Verlangen" gegenüber zustimmend erklärt und es wurde in Folge dessen auf Grund^des übereinstimmenden Verlangens der österreichisch.ungarische Botschafter in Paris Graf Houos, angewiesen, beim Ministerium Ferry Vorstellungen gegen die 'vroiectirte Aenderung des Zolltarifs zu erheben. Da man aber selbst i/den Kreisen der französischen Deputirtenkammer die vom Cabmet Ferry vor-
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geschlagene Erhöhung des Eingangs-Zolles auf Vieh und Getreide auf 2 Frc«. 60 Cent, als noch nicht genügend erachtet, so dürften die Reklamationen der österreichisch-ungarischen Regierung keinen großen Erfolg haben. .
In der französischen Republik hat sich, gleichwie im anstokrati- schen England, bekanntlich eine Bewegung gegen die erste Kammer, den Senats erhoben, die aus eine Beschränkung der Rechte desselben hinarbeitet. Seit von- ger Woche berälh nun die Deputirtenkammer über die Vorlage, betr. die Reform der Wahlen zum Senat, und was letztere hierbei von radikaler Seite zu gewärtigen hat, beweist das von dem radikalen Deputirten Achard eingebrachte Amen- dement, wonach die lebenslänglichen Senatoren zu beseitigen seien. Die Kammer hatte am Samstag schon den Beschluß gefaßt, das Amendement in Erwägung zu ziehen, da gelang es in der folgenden Montagssitzung dem Minister des Innern, Waldeck-Rousseau, die Kammermehrheit zu überzeugen, wie sehr die Annahme eines so weitgehenden Antrages die gesummte Reform-Vorlage gefährden würde. Mit 263 gegen 234 Stimmen wurde hieraus das Amendement Achard abgelehnt, was einen weiteren parlamentarischen Erfolg des französischeu Cabinet bedeutet. £ .
Der schweizerische Nationalrath ist am Montag durch den Alterspräsidenten Vonmatt eröffnet worden. Der Ständerath wählte Wirz (ultramontan) zum Präsidenten, Zweifel (Centrum) zum Vicepräsidenten, zu Stimmenzählern Hohl (liberal) und Chappex (ultramontan).
Den enthusiastischen Freuden-Bezeugungen, mit denen m voriger Woche die Bevölkerung Roms das italienische Herrscherpaar bei dessen Einzug in die Hauptstadt begrüßte, ist unmittelbar eine weitere glänzende Ovation gefolgt. Am Sonntag Abend fand in Rom ein großartiger Fackelzug zu Ehren des Königs und der Königin statt, bei welchem oas geliebte Herrscherpaar abermals der Gegenstand begeisterter Huldigungen Seitens des Volkes wa^
Die Madrider Studenten-Unruhen finden jetzt ihr Nachspiel. Ein königlicher Erlaß ordnet eine Untersuchung hinsichtlich derselben an und untersagt den Zusammentritt des obersten Universitätsrathes.
Der nordamerikanische Congreß ist am Montag zusammengetreten. Vom Schatzsecretär Folger ist demselben eine Vorlage unterbreitet roor- Den, welche Aufhebung der Zölle auf Rohstoffe für Fabrikationszwecke und Reduction der Zölle auf Artikel empfiehlt, welche die am wenigsten steuerfähigen Personen verwenden und consumiren. Seitens des Präsidenten Arthur ging dem Congreß eine Botschaft zu, welche die auswärtigen Beziehungen als freund- schaftliche bezeichnet und Die durch den französisch-chinesischen Conflict hervorgerufenen Belästigungen in Ostasien beklagt. Statt der bisherigen Verträge mit den deutschen Einzelstaaten schlägt die Botschaft den Abschluß eines Auslieferungs-Vertrages mit dem deutschen Reiche und eine Revision der Vereinbarung zur Verhinderung der Schiffs-Zusammenstöße auf dem Meere vor.
Darmstadt, 30. November. [2lu8 dem Staatsbudget.! Um kiue beschleunigte Fortführung der Generalstavskarten des GroßherzogthumS zu er möglichen, sind anstatt der seither für diesen Zweck bewilligten 1750 JL in daS Budget pro 1885-88 12000 JL jährlich ausgenommen worden. -„.fr™ finb
Beim Uebergang der Großherzoglichen ^lrI.t‘5roer®^“"0ln^ner(^1?6mtt dm sämmtliche Bestände der Plankammer Großherzogltchen Kriegsministeriums mit ven Original-Aufnahmeblättern der Generalstabskarte des GlobherzogthumS graphirten Steinen und Kartenvorrathen im Eigenthum des sSrobherzogthumS v r blieben und in die Verwaltung des Katasteramtes übergegangen. Für die sehr wich tige Fortführung dieses werthvollen Materials sind s. Z. jährlich 1000 st. emg steur worden, weil die Ausgaben durch den Verkauf von Generalstabskarten sich nicht voll ständig decken lassen. 8 Mit Einführung der Markwährung wurde dieser Credit unter Abrundung wft^l7o0 ^^rMabSkarten sind im Maßstabe von‘
in Arbeit sind, tritt an das Großherzogthum Hessen die
falls schon von dem damaligen Großh. Generaistab begonnene t^ographiqe l.anoe^ karte in Vzsooo mit vermehrter Beschleunigung fertigzustellen Die Karten tn diesem gröberen Maßstabe sind nicht nur zu mMärischen, sondnn «esmtltch auch »utech Nischen Zwecken (i. SB. Proj ctiren von Straßen und Eisenbahnen) dienlich und er forderlich. Elf derartige Blätter, wovon jedoch nur eins mit Curven, find bereit» „rhMdni. . erfordert außer der Tb-ltgr-tt der beiden Kalaft-rtng-nl-ur- „od, d? Annahme weune? Arb-ttske-ste. H'--,u .-'ch°n aber M<Hettt« »«««Mg«" 1750 JL »urüalick des Erlöses aus dem Kartenverkäufe mit jährlich ^twa 12M nicbt aus. Für einen weiteren Arbeiter müsien etwa 4000 Jt (2400 JL
Diäten und 400 JL Reisekosten rc), für zwei Arbeiter etwa 8000 vorgesehen werden. Hinzu kommen noch weitere Kosten' für vermehrten Stich und Druck von Kart ° so daß unter Annahme von nur 2 weiteren Arbeitern (Geometer 1. Classe) anstatt der fdtb«r"«en 1750mtnbeftene rund 12000 M. -arg-s-h-n fein w-rd-m 3« «W l "ch Sachsrn °-^-n Mr dl-s-n Zw-ck jShrl.ch 48,000 und tm Gr°bh-r»°sMum.
tönntn M etwa 3-4 Siattor sertiaaeftellt nnd könnte das ganze Kartenwerk in etwa 20 Jahren vollendet werdem Die Kosten eines Blattes berechnen sich auf etwa 3000 JL, die des ganzen Karten Werkes auf e^wa 200,000 618 210,000 «M. m
Retseunterstützungen an das Baupersonal -ur Vorn ahme wissen r * «f ♦ r t a ,r t n h i e n r e i f e n Für die Fortbildung der für den höheren Staatsdien^. im Baufach geprüften und der im Staatsdienst diätarisch beschäMten 6<nungsbaumeiste^
leäenden ftaffee, , 1,00,1,20,1,40, ö pr. Psd.
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