Die Großherzoglichen Bürgermeister oder Beigeordneten haben mit den Militärpflichtigen ihrer Gemeinden anwesend zu sein und sich darum zu bemühen, daß die Letzteren V- Stunde vor der bestimmten Zeit zur Stelle sind, nüchtern und reinlich gekleidet erscheinen und während des Musterungs- geschästes ein anständiges und ruhiges Verhalten beobachten.
Wenn ein Militärpflichtiger wegen Gebrechen oder Krankhett persönlich zu erscheinen nicht im Stande ist, oder wenn er sich in gerichtlicher Hast befindet, so ist darüber ein auf persönlicher Anschauung beruhendes Zeugniß des Arztes und der Bürgermeisterei, bezw. eine Bescheinigung des Gerichts vorznlegen.
Den Großherzoglichen Bürgermeistereien liegt es ob, darauf aufmerksam zu machen, daß ein Militärpflichtiger wegen gerichtlicher Bestrafung des Militär- dienstes unwürdig ist, und sind deshalb die erforderlichen Nachweise amtlich zu erwirken und vorzulegen.
Im Anschluß an das Ersatz-Geschäft findet
Dienstag den 22. April im Gasthaus zum Rappen in Grünberg, Samstag den 26. April im Saale des alten Rathhauses zu Gießen und Freitag den 2. Mai im RathHaussaale zu Lieh
die Klasfifieirung der Mannschaften der Reserve, der Landwehr und der Ersatz-Reserve 1. Waffe rücksichtlich ihrer häuslichen und gewerblichen Verhältnisse statt.
Es haben daher diejenigen Reservisten und Landwehrnlänner, sowie die Ersatz-Reservisten 1. Klasse, welche im Falle einer Einberufung auf Zurückstellung wegen häuslicher Verhältnisse einen Anspruch machen zu können glauben, an den bezeichneten Tagen, Morgens 11 Uhr zu erscheinen und ihre Gesuche zu begründen.
Gießen, den 21. März 1884. Der Civil-Vorsitzende der. Ersatz-Commission des Kreises Gießen.
Dr. Hofsmann, Regierungsrath.
AeLlsHkemd.
Darmstadt, 3. April. Se. Königt. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht:
Am 26. März den Steuercommissär des Steuercommissariats Grünberg, Steuerrath Karl Sintpert, auf sein Nachsuchen und unter Anerkennung seiner langjährigen treu geleisteten Dienste in den Ruhestand zu versetzen;
an dems. Tage den Steuercontroleur, Steuerinspector Heinr. Karl Bähr zu Michelstadt, zum Steuercommissär des Steuercommissariats Grünberg, sowie den Fmanzafpiranten Philipp Dieter aus Reinheim zum Hauptsteueramts- Ajsiftenten 2. Klaffe bei dem Hauptsteueramte Mainz zu ernennen.
— Se. König!. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht:
Am 1. April dem Zugmeister bei der Main-Neckar-Eisenbahn Daniel Karle das silberne Kreuz des Verdienstordens Philipps des Großmüthigen zu verleihen.
Darmstadt, 3. April. Se. Königl. Hoheit der Großherzog sind gestern Abend 10 Uhr in Cherbourg angekommen, haben an Bord übernachtet und sind heute Morgen auf der Königlichen Jacht „Osborne" nach Portsmouth weitergereift.
—1. Darmstadt, 3. April. (Erste Kammer der ßanbfianbe.) Die 1. Kammer fuhr heute Morgen 9 Uhr in Ihren Berathungen fort. Bezüglich der Vorlage Großh. Ministeriums der Finanzen, den Gesetzesentwurf, die Eisenbahnen von localem Interesse und b?e Straßenbahnen ödr., wurden die wenigen noch vorliegenden Dissenfe durch Beitritt hoher Kammer zu den Beschlüssen 2. Kammer gehoben.
Der Gesetzesentwurf, die Herstellung mehrerer Nebenbahnen betr., wurde ebenfalls einstimmig angenommen, mit Ausnahme der Pos. 4 des Art. 1, die auch in der zweiten Kammer abgelrhnt worden war, so daß also die Bahnen 1) von Stockheim über Orten- berg und Hirzenhain nach Gedern; 2) von Hungen nach Laubach, mit Abzweigung nach der Frirdrichshütte; 3) von Nidda nach Schotten; 5) von Station Eberstadt der Matn- Neckar-Bahn nach Pfungstadt; 6) von Reinheim über Groß-Bieberau und Brensbach nach Reichelsheim; 7) von Osthofen nach Westhofen; 8) von Sprendlingen in Rheinhessen nach Wöllstein, bewilligt, dagegen die Bahn von Ransta'sft Station der Oberhesstschen Eisenbahnen, nach Rieder-Wöllstadt, Station der Matn-Weser-Bahn, abgelehnt werden.
Auch dem Beschlüsse 2. Kammer bezügl. der Anträge und Vorstellungen von Abgeordneten, Gemeinden und verschiedenen Comite's auf Errichtung von sonstigen Nebenbahnen, wurde beigetreten, b. h. beschlossen, an Großh. Staatsregierung das Ersuchen zu richten, diese Prostete einer eingehenden Prüfung zu unterziehen und auf dem nächsten Landtag entsprechende Vorlagen zu machen.
Dem von der 2. Kammer beschlossenen Ersuchen an die Großh. Staatsregierung, betr. die Errichtung einer 4. Gestütsstatton in Rheinhessen, bezw. das Ersuchen, die Bedingungen für Errichtung und Erhaltung von Gestütsstationen im Lande generell zu regeln, schloß sich hohe Kammer nicht an, sondern beharrte auf dem früheren Beschluß, Wonach also nur eine einseitige Adresse zu erlassen ist.
Bei Beraihung über die Mittheilung 2. Kammer über das Gesuch des Agenten C. I- Kayser von Darmstadt, Uebertretung des Reichsimpfgesetzes betr., trennte sich die 1. Kammer von der 2. Kammer, indem sie das von 2. Kammer beschlossene Ersuchen an die Regierung: „Eine authentische Auslegung des RetchStmpfgesetzes, ins, besondere in Beziehung auf die Zulässigkeit wiederholter Bestrafungen der Jmpfrcnttentcn, herbetzuführen, sowie bis zum Erscheinen dieser Auslegung eine maßvolle Praxis walten zu lassen", verwarf.
Die übrigen Punkte der Tagesordnung bieten keinen Anlaß zur Besprechung, da sie alle in Ueberetnstimmung mit den Beschlüssen der zweiten Kammer erledigt wurden.
Nachdem noch durch den Präsidenten Graf Görz mitgetheilt worden war, daß voraussichtlich Ende dss. Mts. noch einige Sitzungen stattfinden würden, wurde die Berathung geschlossen.
Amerika.
New-Aork, 2. April. Nach Meldungen aus Cincinnati werden die Truppen bis aus einige die Stadt jetzt wieder verlassen. — Hier eingegangenen Nachrichten zufolge ist das Dorf Oakville (Indiana) durch einen Orkan zerstört worden. Fünf Personen sind hierbei um's Leben gekommen, 50 verwundet worden. __________ ____
Telegraphische Depeschen.
LösLff'S telegr. GovresKorrdenz-Bsrres«»
Berlin, 3. April. Se. Majestät der Kaiser empfing heute Nachmittag den Minister v. Puttkamer zum Vorträge.
— Der .Reichsanzeiger" schreibt: Se. Majestät der Kaiser war durch eine Erkältung, verbunden mit leichten Unterleibsbeschwerben, genöthigt, im Bette zu bleiben. Die Erscheinungen haben sich jedoch bereits gemildert und verläuft der Erkältungs- zustand vollständig normal.
— Die „Nordd. Allg. Ztg." bespricht die Interpellation Jagdzewski im preußischen Abgeordnetenhause wegen Aufrechterhaltung des Sperrgesetzes in der Diöcese Vosen und lagt, die Interpellation habe lediglich dem Zwecke der national-polnischen Opposition dienen sollen. Die jüngste Annäherung zwischen Deutschland und Rußland sei in ganz Deutschland als erfreuliches Symptom des gesicherten Friedens ausgefaßt worden. Die polnische Jnsurrectionspartei dagegen, welche ihre Hoffnungen auf Krieg vereitelt sieht, suche jetzt im Frieden eine deutsch-feindliche Agitation zu erhalten. Die preußische Regierung werde sich aber durch die herausfordernde Sprache der Polen und des Centrums in ihrer friedlichen Politik ihren katholischen Untertanen gegenüber nicht irre machen lassen.
Berlin, 3. April. Der Handelstag nahm in seiner heutigen Sitzung einstimmig die gestern vorgeschlagene, aber inzwischen abgeanderte Resolution an. Die Abänderung besteht im Wesentlichen darin, daß der Vorwurf, der Gesetzentwurf sei vom Geist des Mißtrauens gegen die Organe der Gesellschaften dictirt, gestrichen ist, dagegen werden ernste Bedenken gegen die den Organen zugewiesene rechtliche Lage geäußert, welche dahin führen würde, daß es an der persönlichen und sachlichen Voraussetzung für den fluten und stetigen Gang der Verwaltung fehlen werde.
Ueber den 2. Punkt der Tagesordnung, das Reichsstcmpelgesetz vom 1. Juli 1881- referirt der Director der Deutschen Bank, Herr Jonas. Der Handelstag beschloß nach dem Anträge des Referenten, über den erstatteten Bericht zur Tagesordnung überzugehen und denselben Gegenstand auf die Tagesordnung der nächsten Plenarversammlung zu setzen. Der Antrag der Handelskammer Osnabrück, das Bureau zu beauftragen, einen Commcntar zum RetchSftempelgesetz auSzuarbeiten, wurde nach kurzer Debatte zurückgezogen. Der Handelstsg nahm schließlich die Resolution, betr. die Einführung bet Ladescheine im internen und internationalen Verkehr an, worauf die Sitzungen geschlossen wurden.
Stuttgart, 3. April. Wie dem „Staatsanzeiger für Württemberg" ans San Remo gemeldet wird, ist in dem Befinden des Königs ein constanter, wenn auch langsamer Fortschritt wahrzunehmcn. Das Achmen ist ausgiebiger und normaler, die schmerzhaften Empfindungen des aogkgrrfftnen Thesis der Lunge haben sich vermindert, doch sind noch Ueberreste der überstandenen Lungen- und Rippenfellentzündung nach- zuweisen. Rasche Bewegungen verbieten sich von selbst, daher wird voraussichtlich längere Zeit hindurch ein ruhiges Verhalten zu beobachten sein.
Karlsruhe, 3. April. Die zweite Kammer nahm heute einstimmig den vom Abg. Feder gestellten Antrag an, die Kammer möge ihr tiefes Bedauern aussprechen über die schweren Betriebskatastrophen in den Jahren 1882 und 1883 und die Erwartung ausdrücken, daß es der Eisenbahn-Verwaltung durch sorgsame Uederwachung des Eiftn- bahndienstes und durch strenge Handhabung der bahnpoUzeilichen Vorschriften und der nöthigen Disciplin gelingen werde, Baden vor ähnlichen erschütternden Vorgängen zu bewahren und das Vertrauen auf die Sicherheit des badischen Eisenbahn-Verkehrs wiederherzustellen. Der Abg. Kiefer und die große Mehrzahl der Redner führten aus, daß die Resolution nicht die Bedeutung eines Tadtlsvolums habe.
Wien, 3. April. Der in Pesth verhaftete Redacteur des „Radikal", Scheffler, hat eingestanden, daß er bei der in der Nähe Wiens abgehaltenen Sitzung, in welcher die Ermordung Hlubeck's und Bloech's besprochen wurde, zugegen gewesen ist.
Christiania, 3. April. Das neue Ministerium ist heute Nachmittag gebildet worden. Staalsrmh Schwejgaard ist zum StaatsminMer in Christtanra, Gutsbesitzer Carl Lövenskiold zum Staatsminister für Normen in Stockholm ernannt wocdem Zu Staatsräthen sind ernannt: Amtmann Bang, Oberst Lieutenant Dahll, Professor der Rechte Aubert, Professor E. Hertzberg und Expedttronssecretär Reimers. Die StaalSräthe Johansen und Hertzberg öcrbletben interimistisch auf ihren Poften.
Paris, 3. April. Ein Telegramm der „Agence Havas" aus Maffovcr vom 1. d. Mts. verzeichnet das anderweitig bisher nicht bestätigte Gerücht, daß der Mahdi an einer Krankheit gestorben sei.
Cherbourg, 3. April. Die Leiche des Herzogs v. Albany wurde bei ihrem Eintreffen von den hier anwesenden Admirälen mit ihrem Generalsiab und zahlreichen anderen Osficieren empfangen. Englische Matrosen trugen den Sarg auf die Königliche Dacht „Osborne", welche im Laufe des heutigen Tages abgehcn wird.
London, 3. April. Se. K. K. Hoheit der Kronprinz des deutschen Reichs und von Preußen traf heute früh hier ein und begab sich sofort nach Marlborough House, der Residenz des Prinzen von Wales; Nachmittags wird der Kronprinz der Königin in Windsor einen Besuch abstatten und sich morgen zum Empfange der Leiche des Herzogs v. Albany nach Portsmouth begeben.
— Gestern Abend brach in Paternoster Rom Feuer aus, welches mehr als 5 Stunden andauerte. Mehrere Häuser sind zerstört, die Verluste sehr bedeutend.
Newyork, 3. April. Nach hier eingegcmgenen Nachrichten haben gestern und vorgestern heftige Orkane bei Huntsville (Alabama). Chattanooga (Tenntffee), Columbus (Ohio), Plttsburg und in anderen Distrikten Ohios und Indianas stattgefunoen. Durch die Orkane sind beheutenbe Schäden angenchtet worden, man befürchtet, baß 30 Personen getödtet und über 100 verwundet sind.
Lokales.
Gießen, 4. April. (Die verflossene Theaterzeit) Die Eröffnung der Saison erfolgte am 30. September v. I. mit der Aufführung i>e§ Büraer'schen Lustspiels : „Der Jour fixe". Die Schlußvorstellung fanv cm 30. Mürz d. I. mit der Aufführung des Shakespeare'schen „Hamlet" statt- An 97 Theaterabenden wurden 36 Lustspiele, 24 Possen, 7 Trauerspiele, 5 Kinderkomödren, 6 Charakterbilder, 8 Schauspiele und 21 Operetten vorgeführt, bezw. wiederholt. Bevorzugt war also, der Geschmacksrichtung von Ort und Zeit entsprechend, das heitere Genre; doch kam auch das ernste Drama zu seinem Recht und erzielte meistens volle Häuser. Das darin Gebotene konnte freil-.ch nur mäßigen Anforderungen entsprechen.
Von den baraebotenen Novitäten bürste die Operette „Der 83 eitel ft uh ent" den nachhaltigsten Erfolg verzeichnen: sie wulde 9mal und zwar fast immer bei aus- verkauftem Hause gegeben-
Als Gäste traten, zum Theil zu öfteren Malen, auf: Herr Oberregisseur Müller vom Kgl- Hoftheater zu Hannover, Herr Greven vom Stadttheater zu Köln, Fräulein Sophie König vom Stadttheater zu Frankfurt a. M-, Herr Stägemann von ebenba, Fräulein Menthon von Heidelberg-und Herr Julius Fiala, ehemaliger Großh. Hess, und Kaiserl. Ruff. Hofschauipieler aus Darmstadt.
In der Leitung ließ sich ein reges Streben, ein Wahrnehmen auch der künstlerischen Zwecke nicht verkennen; wir begegneten einer verständigen und sorgsamen Regie, der ein im Ganzen tüchtiges, theil weise selbst höhere Ansprüche befriedigendes Personal zu Gebote stand. Auch das Wichtigste fehlte ihm nicht: die Theilnahmc eines Publikums, das von der Bühne aus auf sich wirken lassen und von dorther geistigen Genuß oder wenigstens Unterhalrungsstoff empfangen will. Und doch entsprachen die pecuniären Erfolge diesen Factoren nicht. Das Deficit der Direction soll am Satsonschluß mehrere Tausend Mark betragen haben! Daß trotzdem das Theater während des ganzen Winters geöffnet blieb, verdanken wir der Opserfteudigkeit eines der Directoren.
Das Local bot manche Unzuträglichkeiten. Für die nächste Saison wird durch Umbau des Theaterlocals und Restauration, die der Wirth mit erheblichen Kosten ausführen läßt, Wandel geschaffen werden.
Gießen, 4. April. Aus einer Zusammenstellung der Großb. Centralstelle für Landesstattfttk ist zu ersehen, daß, was die Lebensmittel an Ochsen-, Kalb- und Schweinefleisch, Butter und Brod betrifft, unter 16 Städten des GroßherzogthumS der Genuß von O chseufletsch am thruersten zu stehm kommt den Darmstädtern mit


