auf zwei Seiten erfolgen; von Hanoi her wird General Briöres und von Haiphong aus General Dlegrier angreifen. In Bacninh selbst sollen 20,000 Mann Chinesen stehen; es wird aber neuerdings das Gerücht verbreitet, daß dieselben Befehl hätten, ini Falle eines französischen Angriffes sich zurückzuziehen und die Vertheidigung der Stadt den „Schwarz-Flaggen" zu überlaffen.
In der englischen Hauptstadt herrscht wieder der „femiche Schrecken." Nicht weniger als 4 Höllenmaschinen sind im Lause einer Woche auf verschiedenen Landoner Bahnhöfen ausgefunden worben und die Ladung derselben hätte genügt, ganze Häuserreihen in die Lust zu sprengen. Man muß gestehen, daß die irischen Mordbrenner mit wahrhaft teuflischem Rassinement verfahren. Wenn es ihnen wesentlich darauf ankommt, Den Bewohnern Londons Angst und Schrecken emzujagen, so wäre dies Ziel schon in vollem Maße erreicht, aber ihre Pläne gehen in der That weiter. Am Freitag wurden in einem Hause in der Nähe des sog. Strandes 3 Personen verhaftet, in deren Besitz die Polizei eine große Quantität Dynamit fand und sollen die Verhafteten die Absicht gehabt haben, ein Attentat gegen den Justizpalast ouszufirhren. Die Polizei entfaltet die größte Thätigkeit, die hervorragenderen öffentlichen Gebäude Londons und neuerdings auch wieder die London-Brücke sind polizeilich besetzt worden und sollen auch militärische Posten erhalten. Im Unterhause ist am Donnerstag die Wahlreform-Bill eingebracht worden, welche für Stadt und Land in dem vereinigten Königreiche ein gleichmäßiges Wahlrecht einführt und die Zahl der Wahlberechtigten um zwei Millionen vermehrt.
Gerüchte von einer Krisis im Schooße des Ministeriums de Pretis sind in der italienischen Hauptstadt im Umlauf. Es heißt, der Unter- richtSminister Baccelli habe wegen der geringen Majorität, mit welcher der Gesetzentwurf über die Reorganisation des höheren Unterrichts am Donnerstag von der Deputirtenkammer angenommen worden ist, seine Demission eingereicht, indeß soll sich der Ministerpräsident seine Entscheidung vorbehalten haben. Von den Journalen „Populo Romano" und „Stampa" werden jedoch die Mmister- krisen-Gerüchte dementirt. Im Senate wurde am Donnerstag eine Tagesordnung angenommen, in welcher den Völkern und Souveränen für die anläßlich der Katastrophe von Ischia gewährte großmüthige Unterstützung der Dank Der italienischen Nation ausgedrückt wird.
Der lange Verfassungs-Confliet in Norwegen hat durch die Verurtheilung des Staatsministers Selmer nur einen verschärften Ausdruck erfahren. Die corsiervatwe Partei des OdelSthings hat feierlichst gegen die Amts- rntsetzung Selmer's protestirt und erklärt, Daß sich dieselbe mit dem norwegischen Grundrechte in Widerspruch befinde. Auch König Oscar steht voll und ganz aus Seiten seines Ministeriums und so läßt sich schwer absehen, wohin Dieser ßonflict zwischen der radikal gesinnten norwegischen Volksvertretung und dem Ministerium noch führen wird.
Die Annahme, Daß sich die Engländer in diesen Tagen mit Osman Sigma messen würden, schien sich durch die Meldung zu bestätigen, daß am Donnerstag bei Trinkitat zwischen ersteren und den Insurgenten ein Gefecht stattgefunden habe, wobei die Insurgenten zurückgeschlagen worden seien.
Srutschland.
Darmstadt, 2 März. Gestern Abend fand im Palais Sr. Großh. Hoheit des Prinzen Alexander eine Abendgesellschaft statt zu Ehren Sr. Kaiierl. Hoheit des Großfürsten Sergius und seiner Hohen Braut. Nach der Tafel recitirte Herr Hoftheater-Regisseur Butterweck einige recht humoristische ©eenen mit gewohnter Meisterschaft und unter allgemeinem Beifall der Hohen
Anwesenden. , „ r m ,, .
Darmstadt, 3. März. Durch Entschließung Großherzoglichen Ministeriums des Innern und der Justiz vom 28. Februar l. Js. wurde der Ge- richtsschreiber-Aspirant Wilhelm Pöpperling zu Ober-Ingelheim zum Hulfs- gerichtsschreiber bei Grobherzoglichem Amtsgerichte Mainz bestellt a Worms. 29 Februar. D-r tn unserer ©tabt seit geraumer Zeit vtelbesprochene Gedanke der Erbauung einer stehenden Brück-üb-r den Rh-tn "ts-in-rVerwtrM»ung wenigstens insofern einigermaßen näher gerückt, al8 die hiesige Hand-lskammer in einer
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Mittwoch den 5. März
Nr. SS.
V»r«a«r Echulstratzr 7.
icßencr Anzeiger
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
Betreffend: Verfahren bei Versäumnissen in den Fortbildungsschulen. ©iefsen, am 1. Marz 1884.
Die Großherzogliche Kreis-Schul-Commission Gießen
n t o Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Dringerloh».
Erscheint täglich mit Ausnahme des Montag». Durch die Post be-ogen vierteljährlich 2 Mark. 50 Pf.
c Mittet . Skilkuttöe. sü) dm 5. Marz, it in der kleinen Aula, .ros. Dr. Armg: rthülnng der Vulkane 1505 :der haben Zutritt.
ne sreundl. Wohnung [en zu miethen gesucht, iangabe in der EM
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an die Schulvorstande des Kreises.
Nachfolgende Ministerialversugung theilen wir Ihnen zur Nachachtung mit. Dr. Boekmann.
SB.trcffcnb: »e nie«. , , t Darm,-dl, am 21. Februar -SSI.
Das Großherzogliche Ministermm des Innern und der Justiz
Abteilung für Schutsngelrgenheiten an die Grostherzogkicken Kreis Sebul Commissionen.
Wir finden uns veranlaßt zu bestimmen, daß die Versäumnisse in den Fortbildungsschulen nicht m die gewöhnlichen Verfaummßlsiten aufzunehmen, sondern daß, rote auch seither schon meist geschehen ist, über die Versäumnisse in den Fortbildungsschulen besondere äfften aufzustellen smd.
Sie wollen die Schulvorstände hiernach bedeuten. Achenbach.
Politische Uebersicht.
Gießen, 4. März.
Die russischen Militärs, welche anläßlich des 70jährigen Georgs- ritter'Jubiläums Kaiser Wilhelms in den letzten Tagen in Berln weilten, find nunmehr, nachdem sie mancherlei Auszeichnungen am Berliner Hofe genossen, wieder in ihre nordische Heimath zurückgekehrt. Nur Großfürst Michael weilt noch auf deutschem Roden; er hat sich von Berlin aus nach Stuttgart begeben — die wmttembergische Königssauülie steht bekanntlich in nahen verwandtschaftlichen Beziehungen zum russischen Kaiserhause — und gedenkt von da aus auch den Höfen von Darmstadt und Schwerin einen Befuch abzustatten. So kurz nun auch der Besuch der russischen Gäste in der deutschen Reichshanpt- stadt gewesen ist, so wird er dennoch in Zukunft als eine markante Besiegelung der deutsch-russischen Waffenbrüderschast gelten, die auf den Schlachtfeldern von Großgörschen und Bautzen geschlossen wurde und sich in den folgenden großen Kämpfen bei Kulm und Leipzig, bei La Rothiöre und Bar-sur-Aube so glanzend bewährte In sehr bemerkenswerthen Artikeln feiert denn auch die rufsische Presse anknüpfend an den Besuch der Deputation der Georgsritterschaft in Berlin,' das Andenken an jene große Zeit, in welcher die deutschen und russischen Heere vereint für die Befreiung Europas vom Joche der napoleonischen stwingherrschast kämpften und hebt dann weiter die durch die Vorgänge der jüngsten -zeit bocumentirte Wiederannäherung zwischen Deutschland und Rußland hervor. Sehr bezeichnend erblicken Die russischen Blätter in letzterer eine Bürgschaft für die Erhaltung des europäischen Friedens und man braucht kein Optimist zu sein, um zu wissen, daß diese Bürgschaft in der That einen sicheren Untergrund hat. ,
Unser parlamentarisches Leben wird durch die bevorstehende Eröffnung des Reichstages einen neuen Impuls erhalten und namentlich wird die angekündigte Theilnahme des Reichskanzlers an den Verhandlungen des Reichstages denselben eine besondere Signatur verleihen. Die Rückkehr des Fürsten Bismarck aus Friedrichsruhe nach Berlin in diesen Tagen steht tn sicherer Aussicht und es ist sogar wahrscheinlich, daß er den Reichstag tm Auftrag seines kaiserlichen Herrn eröffnen wird.
Der elsaß-lothr. Landesausschuß genehmigte am Freitag mit allen gegen 2 Stimmen den Antrag seiner Commission, den Bau eines Kanals von Straßburg nach Ludwigshafen der Regierung zu überweisen und dieselbe zu ersuchen, den Kostenanschlag im Betrage von 125,000 JL tu den Etat ein5ufteüen. ^n Astenden Wiener Kreisen schenkt man der deutschrussischen Entente begreiflicher Weise ebenfalls große Beachtung. Indessen erblickt man hier — und dies mit Recht — in der Wiederanbahnung guter Beziehungen zwischen Deutschland und Rußland durchaus feine Beeinträchtigung des deutsch - österreichischen Freundschafts-Verhältnisses. In einem Artikel des als ossiciös geltenden Wiener „Fremdenblattes" wird vielmehr die Intimität zwischen Deutschland und Rußland auf das Wärmste begrüßt und ausgeführt, daß die Freundschaft mit Deutschland nach wie vor die unverrückbare Grundlage der auswärtigen Politik Oesterreich-UngarnS bilde. Dem gegenüber will es wenig bedeuten, daß die französischen Blätter die Beziehungen zwischen Deutschland und Oesterreich als getrübt hinstellen, es erhellt hieraus nur die allerdings gegründete Besorgniß der Chauvinisten an der Seine, daß Frankreich durch die neuerliche politische Constellation mehr und mehr isolirt werde.
Die militärischen Operationen der Franzosen in Tongking smd jetzt nach längerer Pause wieder ausgenommen worden, indem in voriger Woche endlich der Vormarsch auf Bacninh begonnen hat. Wie aus Haiphong unter dem Datum des 28. Februar gemeldet wird, sind nunmehr im Delta des Rothen Flusses 4900 Mann französischer Truppen ausgeschifft, der Rest des Expeditions-Corps ist auf den Transportschiffen auf dem Flusse unterwegs. Eine von Haidznong aufgebrochene Colonne besetzte die große Pagode, welche am Zusammenflüsse des Songean und des Kanals des Rapides liegt und die eine für die Operationen gegen Bacninh wichtige Basis blldet. Der Angriff soll


