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Samstag den 4. October
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GsLitische NeberfichL.
Gießen, 3. October.
In Baden-Baden wurde am Dienstag der Geburtstag der Kaiserin im engsten Familienkreise begangen. Die hohe Frau vollendete an diesem Tage ihr 73. Lebensjahr und gestaltete sich die Feier dieses Tages diesmal um so freudiger, als er mit ihrer Wiederherstellung von längerem Siechthum säst zu- sammenfiel. Neu gekräftigt tritt die Kaiserin, die auch in den schwersten Leiden stets mit bewunderungswürdiger Seelenstärke und Hingebung der Pflichten ihres hohen Berufs eingedenk gewesen ist, in ihr neues Lebensjahr. Möge es der edlen Monarchin vergönnt sein, noch lange ihre warme, nie versiegende Fürsorge allen Werken echter Menschlichkeit zuzuwenden!
Gegenüber derNachricht, daß bezüglich des preußischen Staats- raths Alles still geworden sei, verlautet von unterrichteter Seite, daß doch umfassende Vorbereitungen für die Berathungen des Staatsraths getroffen werden und daß der Abschluß derselben nur noch der höhern Weisung harrt. — In den beseitigten Kreisen sieht man mit großer Spannung den Berichten über die diesjährigen Manöver der deutschen Marine und namentlich der damit verbundenen Actionen auf dem Gebiete des Küstenkrieges entgegen. Es ist bereits mitgetheilt worden, daß die Ergebnisse außerordentlich befriedigt haben. Man hört weiter, vaß die bei den Manövern gemachten Wahrnehmungen zu man- cherlei Verbefferungen und Erweiterungen führen werden. Man wird nicht irren, wenn man annimmt, daß dem Neichtstage Gelegenhett gegeben wird, Einsicht in diese Dinge zu nehmen. — Die Bemühungen, die Rerchsregierung für die nächstjährige Ausstellung in Antwerpen zu interessiren, werden lebhaft fortgesetzt; die Reichsregierung ist der Frage noch nicht näher getreten. Die Entsendung eines Reichscommiffars gilt aber nach wie vor als wahrscheinlich.
Auf dem kirchenpolitischen Gebiete ist das Wiedereintreffen des preußischen Gesandten beim Vatikan, des Herrn v. Schlözer, auf seinem Posten und sein Empfang durch den Kardinal - Staatssecretär Jakobini als bemerkens- werthes Ereigniß zu verzeichnen. Es wird angenommen, daß nunmehr die seit einiger Zeit gänzlich in's Stocken gekommenen Verhandlungen zwischen der preußischen Regierung und der päpstlichen Kurie wieder ausgesrischt werden.
Für den Entschluß der Reichsregierung, in der Colonialfrage auch ferner energisch vorzugehen, zeugt die bevorstehende Entsendung eines deutschen Panzergeschwaders nach der Westküste Afrikas. Die Segelordre für das- felbe ist noch nicht sestgestellt, wahrscheinlich wird es aber zunächst nach Kamerunsland segeln und dann die Küste südlich nach Angra Pequena und weiterhin bis zu den Grenzen des Cap-Landes abkreuzen. Durch die Absendung dieses Geschwaders wird zugleich die Errichtung einer fünften überseeischen Marinestation bezweckt, welche außerdem die militärisch umfangreichsten Mittel besitzen wird. Unsere überseeischen Marinestationen haben an der Begründung und dem Aufschwung unseres überseeischen Handels einen bemerkenswerthen Antheil genommen, denn erst durch die Entfaltung der deutschen Kriegsflagge auf allen Meeren ist den deutschen überseeischen Handels-Unternehmungen ein dauernder Charakter verliehen worden. Jedenfalls wird auch das nach West- Afrika bestimmte Geschwader seinen mannigfachen Aufgaben gerecht werden.
Die parlamentarische Arbeit in Ungarn hat am Montag mit der Eröffnung des Reichstages wieder begonnen. Die Session dürfte zu den wichtigsten in der Geschichte Ungarns gehören; es gilt, wie aus der von Kaiser Franz Joses in Person verlesenen Thronrede hervorgeht, constitutionelle und wirthschastliche Fragen von höchster Bedeutung zu erledigen. Die Thronrede selbst wurde in der ersten Hälfte schweigend entgegengenommen, ein Beweis, daß das Vertrauen des Parlaments Seitens des Ministeriums Tisza auch diesmal erst wieder gewonnen werden muß. Erst bei der Ankündigung des Ausgleiches mit Oesterreich erfolgten Beifalls-Kundgebungen, was darauf schließen läßt, daß das neue österreichisch-ungarische Zoll- und Handelsbündniß ohne Schwierigkeiten geschloffen werden dürste. Mit freudiger Acclamation wurde auch der Passus über die intimen Beziehungen zu Deutschland ausgenommen und den Stellen über die Rothwendigkeit von Maßnahmen gegen die Verhetzung der Klaffen, Nationalitäten und Confessionen stimmte die hohe Versammlung. sogar mit Enthusiasmus zu. — Der Kaiser hat sich am Mittwoch in Begleitung seiner erlauchten Gäste, des Königs von Sachsen, des Prinzen Wilhelm von Preußen und des Prinzen Leopold von Bayern, zu den Gemsjagden nach Steiermark
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begeben.
In Frankreich tritt augenblicklich die Streit-Affaire mit China vor der egyptischen Finanzsrage zurück. Es geht dies aus den zahlreichen Commen- taren hervor, welche die französische Presse sortgesetzt der egyptischen Angelegenheit widmet und glaubt der „Figaro" constaüren zu können, daß Fürst Bismarck die Führung dieser Angelegenheit nunmehr übernommen habe. Weiter versichert das genannte Blatt, daß die Cabinete von Deutschland, Frankreich, Rußland und Oesterreich die Neutralität des Suez-Kanals erlangen wollen und daß sie diese selbst um den Preis eines Krieges durchsetzen würden, falls England dabei beharren sollte, den Schlüssel des Suez-Kanals zu behalten. Nun, zu kriegerischen Verwickelungen wird es schwerlich kommen, immerhin ist aber die Situa- tion ziemlich ernst und es muß daher mit um so größerer Genugthuung begrüßt k'arviSk werden, daß die großen Continentalmächte in der Behandlung der egyptischen Ltttv V tirAA» K.trrKrtitÄ oiwa finh yni- pß beifit. nimmt man in enaliscken ReaierunaS-
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bet egyptischen Regierung sich durch Schritte zu theilweiser Begleichung der An- sprüche der Entschädigungs-Berechtigten werde entwaffnen lasten.
Aus Italien sind immer nur wieder die stereotypen Choleraberichts zu verzeichnen. Indessen wird jetzt doch gemeldet, daß die Cholera in Spezzia und Neapel, jenes der Hauptherd der Seuche in Ober-Italien, dieses ihr Mittelpunkt in Unter-Italien, beständig abnehme und daß sie neuerdings auch in Genua an Heftigkeit nachlaste. Auch im übrigen Italien hat die Zahl der täglichen Cholera-Todesjälle abgenommen und kann man daher wohl nnnehmen, daß die furchtbare Krankheit, unter deren Geißel die apeninnische Halbinsel so lange geseufzt hat, sich nunmehr ihrem Ende zuneigt.
Das Vorhandensein einer franzäsisch - russischen, gegen China gerichteten Allianz, welche plötzlich von sich reden macht, wird von der osficiösen Petersburger Preste entschieden geleugnet. Es ist allerdings nicht sehr wahrscheinlich, daß die russische Regierung geneigt wäre, sich direct in die Strei- tigkeiten zwischen Frankreich und China einzumischen, nichtsdestoweniger wird Rußland, als der Nachbar des chinesischen Reiches, auf eine Ausdehnung von vielen hundert Meilen, der weiteren Entwickelung des französisch-chinesischen Gon» sticteL seine vollste Aufmerksamkeit widmen mästen. Daß dies bereits jetzt geschieht, dafür spricht die Thatsache, daß Rußland seine maritimen und mili» tärischen Kräfte im Gebiete des Stillen Oceans auf einen äußerst achtungs- werthsn Fuß gebracht hat. . r
Die Mission Lord Northbrook's in Egypten, welche in so eigener Weise durch die Suspenbirung der Amoriisirung der egyptischen Staatsschuld eingeleitet worden ist, soll Ende October ihren Abschluß erreichen und würde alsdann der Lord nach England zurückkehren. Ob dis dahin Northbrook die Regelung der politischen und finanziellen Verhältnisse des Pharaonenlandes durchgesetzt haben wird, ist eine Frage, welche sich jetzt schon mit einem „Nein" beantworten läßt. Keinenfalls wird der Vertreter Englands diese schwierige Aufgabe ohne die Beihülfe und Zustimmung der andern Mächte lösen können. Viel eher wird es da Lord Wolseley gelingen, seine Mission zu ersüllen, nämlich General Kordon und die Garnison von Khartum nach Egypten zurückzu- fuhren, da sich ja in Folge der Aushebung der Belagerung von Khartum die jenem Unternehmen entgegenstehenden Schwierigkeiten ganz bedeutend vermindert haben. "
LÄMaphische Depesche«.
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Berlin, 2. October. Dem Vernehmen nach beabsichtigt die kronprinz- liche Familie von München aus nach Tyrol sich zu begeben und dort einige Wochen incognito zu verbleiben. .
— Ein Grenadier der Schloßwache machte, während er auf der Gallerie vor dem Krontresor Posten stand, seinem Leben durch Erschießen ein Ende. Heber die Motive der Thai verlautet nichts Sicheres. Der Selbstmörder, welcher bereits verheirathet war, soll ein pflichttreuer Soldat gewesen fein.
Potsdam, 2. October. In dem Befinden Ihrer König!. Hoheit der Frau Prinzeffin Wilhelm sind keine weiteren Störungen eingetreten. Der Krästezustand hat sich in Folge dessen in erfreulichster Weise gehoben. Da auch der Scharlachproceß abgelausen ist, werden Bulletins nicht mehr aus- gegeben.
München, 2. October. Die deutsche Molkerei-Ausstellung ist heute im Auftrag des Königs durch den Ehrenpräsidenten derselben, Prinzen Ludwig, eröffnet worden. Die hier anwesenden Mitglieder des königlichen Hauses, die Minister, die Spitzen der Civil- und Militärbehörden, sowie die deutschen und fremdländischen Delegirten und sonstige Notabilitäten wohnten der Eröffnungsfeier bei.
Wien, 2. October. Wie die „Neue freie Preste" meldet, hätten die betheiligten österreichischen Bahnen das Berliner Hebereinkommen vom 10. Febr. 1883, betr. die Regelung des deutsch-österreichischen Eisenbahnverkehrs gekündigt, um für die bevorstehenden Verhandlungen vollkommen freie Hand zu behalten. Die preußischen Staatsbahnen dürsten die Verständigung am 30. September erhalten haben.
Bremen, 2. Oktober. Nach emgegang-u-n Nachrichlen erhielt der Vertreter von Lüder,tz In Angra Pequena, Heinrich Vogelsang, am 9. August vom Corvetten- Eav'tSn v Raven die MiNheilung, daß er das akikantsche Küstengebiet zwischen dem 28. Grad südlicher Breite und der Walftschbai, sowie nördlich der Walfischdat unter den Schutz d-S Deutschen R-ichS gestellt und zu diesem Zweck in Sandwich-Harbour, sowie nördlich von der Walftschbai und Cap Frio di- deutsch-Flagge ausgehisst und Grenzpsühl- mit deutschen Nationalsarben ausgestellt habe. Der Vertreter wird ersucht, den d-Msch-a und englischen Kriegsschiffen, welche in Angra Pequena einlaufen, hi-rvoNdMittb-ilung^u machen.^^^. bie »erbr-M gewesene Nach-
riebt über militärische Operationen Courbet's und die Besetzung KeelungS mit dem Bemerken, daß die Regierung seit zwMTagen keine offlctelle Mttthetluvg von Courbet^erh^elt.^ aag ßanof*aufoi0e ist der neue französische Mtnisterresident
L-maire^iv Hue^ngekoffem^ um ist, K-b-lv-rbindung zwischen
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zurückerwartet/ Der KriegSmintster legte in einem heute früh stattgehadtcn Minister- rathe den Entwurf für die Organisation der Goloniolarmce ■
— In Perpignan sind gestern 3 Cholera-Todesfälle vorgekommen.
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Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
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