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Beilage zu Nr. 206 desEichener Anzeiger

Politische Ueberficht.

Gieren, 3. September.

Der Besuch, welchen der Vertreter Frankreich» am »er- liner Lose Baron de Sourcet, den, Fürsten Bismarck in Varzin abgestattet hat, ist diesseits wie jenseits der Vogesen ein Gegenstand eifriger Erortenrngem Sehr bemerkenswerth ist, was das osftciöiePans" über diesen Besuch schreibt; e» beißt in dem betr. Artikel u. A.:Die Wahrheit, glauben wir, ist, daß unser Botschafter die präcisesten Versicherungen über die Projecle unserer Regie- runa in China Hal nach Varzin überbringen sollen. In dem Augenblick, wo Deutschland durch die unbestreitbare Correctheit seiner Haltung uns gegenüber dazu beiträgt zu verhindern, daß China auf die Hülfe einer europäischen Macht rechnen könne, war es ganz natürlich, daß das Ministerium Ferry in recipruquer Freimüthigkeit und Loyalität unseren mächtigen Nachbar Über den wahren Cha- ratter unserer bewaffneten Intervention insormirte. Es handelt sich weder um besondere Unterhandlungen bezüglich einer späteren Allianz, noch um Discusfionen über einen speciellen Punkt bet europäischen Politik, sondern e« liegt em,ach eine äußere Manifestation der absoluten Neutralität Deutschlands in der chrne- sifchen Frage vor, und diese sehr bezeichnende Manisestation ist nur geschehen, um auf die englisch - chinesischen Lügen von einem Schiedsspruch oder einer be­drohenden Intervention Deutschlands in unseren Angelegenheiten zu antworten."

Täglich erwartet man die ossicielle Bekanntgebung des Termins für die Reichstagswahlen, womit die Wahlbewegung auf ihrem Höhepunkt angelangt sein würde. Mit den Wahlaufrufen sind diesmal die Deutsch-Confervativen aus dem Schauplatz zuerst erschienen. Derselbe legt das Hauptgewicht auf die sociale Reform und spricht sich für eine entschiedene Un- terstutzung der durch die kaiserliche Botschaft vom 17. November 1881 i»d,- cirten Politik aus. Am Schluffe heißt es in dem Aufrufe, daß überall da, wo für confervative Candidaten eine Mehrheit nicht zu erreichen sei, diejenigen Candidaten anderer Parteien unterstützt werden müßten, welche bei Beantwor­tung der an sie zu stellenden bestimmten Fragen der conservativen Anschauung am weitesten entgegenkommen. Im Uebrigen ist durch die Veröffentlichung bes Wahlaufrufes die Polemik zwischen derKreuz-Ztg." und derNordd. Allg. Leitung" über die Haltung bei den Wahlen, insbesondere über d,e Stellung der Conservativen einerseits zu den Nationalliberalen, andererseits zum Centrum, m keiner Weise unterbrochen worden.

Ueber Zeit und Ort der Kaiserzusammenkunst wird ossioell noch immer tiefes Schweigen beobachtet. Desto lebhafter sind die Combinationen der Blätter, welche bald Warschau, bald einen andern Punkt in Russisch-Polen, Breslau oberschlesische Magnatensttze, einen Platz in Oesterreichisch-Schlesien und dann wiederum Danzig al» Scene de» bevorstehenden Ereignisse» bezeichnen. Angesicht» der bestehenden Verhältnisse erscheint e» angezeigt, bie Frage nach dem Ort der Zusammenkunft nicht weiter zu berühren; als in hohem Grade wahrscheinlich darf e» aber betrachtet werden, daß die Zusammenkunft im Lause nächster Woche stattfinden wird. L ,

Der preußische Staatsrath soll im Lause de» kommenden October wieder einberufen werden. Anderseits wird jedoch gemeldet, daß an entscheiden- der Stelle hierüber noch kein definitiver Beschluß gefaßt worden sei.

Von den tonangebenden französischen Blättern wird die Situation in Ostasien, Dank den Erfolgen Admiral Courbet'», in recht hoffnungs­vollem Lichte betrachtet. Man huldigt der Ansicht, daß China, in bet Erkenntlich, rote sehr es bet französischen Politik mit ihrer Action ernst sei, unb Angesichts bet Zurückhaltung bet neutralen Mächte, binnen Kurzem gelindere Saiten aus- ziehen werde. NamenUich die JournaleParis" undSetup»" sprechen sich in diesem Sinne aus; letzteres Blatt meint, das Bombardement von Fu-tscheu werbe ben Tsungli-Damen veranlassen, sich roieber auf bie Seite bes friedlieben­den Li-Hung-Tschang zu neigen. .

Der Tob be» Lorb Ampthill hat tn Englanb einen an Consterna- tion grenzenben Einbruch gemacht. Die Action Dr. Nachtigal'S an ber West­küste Afrikas in einem fast unmittelbaren Anschlüsse an bie Affaire von Angra Pequena, bie gereizte Sprache bet beutschen Presse gegen Englanb, bie Nachricht, daß Brugsch Bey mit einer osficiellen Mission be» Fürsten Bismarck nach Persien

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entsendet wurde und andere Anzeichen haben den englischen Politikern viel zu denken gegeben, und man ist tief von der Notwendigkeit durchdrungen, gegen­wärtig einen Mann in Berlin zu besitzen, der über die Autorität und den Tact verfügt, um die delicaten Fragen, die sich ergeben haben, mit Geschick und Erfolg zu behandeln und Die drohende Entfremdung beider Länder zu bannen. Doch wo einen solchen finden? Jener englische Staatsmann, der in letzter Zeit unstreitig das größte Geschick an den Tag gelegt hat, ist Herr Göschen, er ist aber nicht Diplomat von Fach, hat überdies eine große politische Carriere vor sich und besitzt zu viel Unabhängigkeit und Charakterstärke, um einzuwilligen, daß er der Agent einer Politik werde, die er mißbilligt. Von den geschulten Diplomaten ist Lord Dufferin der gewiegteste; aber man braucht ihn in Kon­stantinopel, wo er zur Stunde mit dem Phantom der türkischen Suzeränetät über Egypten hantiren muß, und sein etwas harter und ein wenig zänkischer Charakter er ist eben Irländer würde ihn kaum zu einer persona grala in Berlin machen- So ist eS denn wahrscheinlich, daß die Wahl auf einen Mann mit soliden Eigenschaften fallen wird, der noch nicht Gelegenheit hatte, durch glänzende Leistungen die Aufmerksamkeit der Welt zu erregen. Man nennt unter andern Car.didalen auch Mr. Grant Duff, Gouverneur von Madras, der vorzüglich deutsch spricht und bereits als Diplomat gedient hat.

Das staatserhaltende Prinzip in Serbien hat dieser Tage einen nicht unwichtigen Erfolg zu verzeichnen gehabt. Wie derPolit. Corresp." aus Belgrad gemeldet wird, wurde Ljubomir Pirolschanac, ein Bruder des ge­wesenen Ministerpräsidenten Milan Pirotschanac, zum Bürgermeister von Kon- jazevats, welche Stadt bekanntlich am letzten Aufstande sich hervorragend betheiligt hatte, gewählt. Damit ist die letzte Position der Radikalen gefallen und erscheint die Herrschaft der Ordnung und Gesetzlichkeit im gejammten Timokgebiete fest begründet.

Die egyptische Affaire will noch kein besseres Aussehen gewinnen trotz der Mission Lord Northbrook's und der militärischen Intervention des Generals Wolfeley. Der angebliche Sieg Gordon's wird von den conservativen Londoner Blättern stark in Zweifel gezogen, die nebenbei zu verstehen geben, daß selbst Wolseley'S Energie kaum noch hinreichen dürste, um Ordnung in das Chaos des Aufstandes zu bringen. General Wolfeley beabsichtigt bei seiner Nil-Expedition kanadische Schiffsleute, welche vom St. Lorenzo-Strome her mit der Ueberwindung von Stromschnellen und stachen Stellen in reißendem Gewässer vertraut sind, zu verwenden. Die kanadischen Zeitungen äußern sich aber ziem­lich absprechend über das Project. Der Plan einer Boot«Expedition, sagen sie, sieht sehr schön auf dem Papiere aus, aber er ist unpraktisch. Die Kanadier werden das egyptische Klima nicht vertragen können. Sie werden nicht nur gegen die Hitze zu kämpsen haben, sondern auch die Nahrung wie das Wasser als für sie nicht geeignet finden. _______________________________

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