Einzelbild herunterladen

Beilage;u Nr. 152 desGießener Anzeiger".

Die Ergebnisse der Reichstags-Session.

Nach fast viermonatlichem Zusammensein hat der Reichstag am Samstag seine THSttgkelt beschlossen und hiermit ist zugleich die letzte Session der gegenwärtigen Legis- latmveriode zu Ende gegangen. Unter welchen Gestirnen sich die nächsten Wahlen vollziehen und welche Verschiebungen sie in den Stärkrverhältnissen der einzelnen Reichs- tagtzfrakttonen Hervorrufen werden dies jetzt schon zu erörtern, wäre eine müßige Aufgabe, zumal da die Neuwahlen wohl erst tm Herbste vor sich gehen dürften. Wohl aber erscheint es aogezeigt, noch einmal einen Blick auf das, was der Reichstag In der nun zu Ende gegangenen Session erreicht hat, zurückzuwerfen und die« um so mehr, olg gerade dieselbe in qualitativer Beziehung die verflossene Legislaturperiode in günstigster Weise abschließt. Als die hervorragendste Frucht der Session erscheint die UnfalloersicherungSvorlage, welche jetzt nach verschiedenen verunglückten Anläufen früherer Sessionen in einer Form endlich zu Stande gekommen ist, welche im Ver­gleich mit den ursprünglichen Entwürfen ein wesentlich verbesserter zu nennen ist. Das Unfollversicherungsgesetz tn seiner jetzigen Gestalt, wie sie durch die conservativ- clericale Reichstagsmajorität meist in Uebereinstimmung mit den Wünschen und Ab­sichten der Retchsregterung festgeftellt worden ist, bedeutet einen entscheidenden Schritt nach vorwärts auf der von dem leitenden Staatsmanue des deutschen Reichs betretenen Bahn der socialpolittschen Reformen und berechtigt sein Zustandekommen zu der Er­wartung, daß auch die Altersversorgung der Arbeiter tn absehbarer Zett zu ihrer praktischen Durchführung gelangen wird. In das socialpolitische Gebiet hinein spielt auch die Novelle zum Hülsskassengesetz, welche der Reichstag noch in der ersten Hälfte feines Beisammenseins definitiv erledigt und wodurch daS Krankevkassenwesen einen weiteren Ausbau erfahren hat. In diese Zeit hinem fällt ferner die nach bewegten Verhandlungen am 28. April erfolgte definitive Zustimmung des Reichstags zur Vor­lage, betreffend die Verlängerung deS SocialistengefftzeS und daß sich das Parlament nach einigem Schwanken doch noch entschloß, der Retchsregterung auf vorläufig zwei weitere Jahre die Vollmachten zu einem energischen Vorgehen «egen das agitatorische Treiben einer an den Grundsaulen des Staats wie der Gesellschaft und der Familie rüttelnden Partei zu verlängern, beweist, daß man auch im Parlament ttotz des Wider­spruchs der deutsch freisin«igen Partei die Nothwendigkett dieser Vorlage erkannte. Von größeren Gesetzentwürfen, die dem Reichstage ebenfalls von seinen Vsrgängern überkommen waren und welche nun seine definitive Zustimmung erhalten haben, sind noch die Novelle zum Actiengesetz und daS Militär- und Marine - Relictengesetz zu nennen und wie erstere eine zeitgemäße Reform auf dem Gebiete der Actiengesetzgebung bedeutet, so wird letzteres dm Hinterbliebenen der Angehörigen des RetchsheereS und der Reichsmartne tn einer praktischeren und besseren Weise gerecht, alS die« bisher geschah. Mit Etatsdebatten hatte sich daS HauS in Folge der zweijährigen Etatsperiode nickt viel zu befaffen und waren daher nur der Nachtrag zum Marine-Etat, betreffenb das Torpedowesen, sowie den Nachtragetat bezüglich dec Errtchtnng deS RetchSversicher- ungSamteS zu erledigen. Von kleineren Vorlagen, welche in der öergangenen Session genehmigt wurden, sind das Gesetz über ben Feingehalt ber Gold- und Silberwaaren, das Dotationsgesetz für die deutsche Cholera-Commission und einzelne Verträge ver­schiedenen Inhalts mit fremden Staaten zu erwähnen. Unter dm aus ber Mitte deS Hauses gestellten Jnttiativanträgen erscheinen der Antrag Ackermann auf Abänderung deS S 100e der Gewerbeordnung (LehrlingSwesen) und der Antrag Wiudthorft auf Aufhebung deS ExpatrtirungSgesetzeS alS die wichtigsten und sind dieselben vom Reichs­tage desinttiv angenommen worden.

Die verflossene Reichstagssession hat demnach große positive Resultate aufzu- weisen, benen gegenüber es wenig in Betracht kommt, daß die dem Reichstage noch kurz vor ThoreSschluß zugegangenm Vorlagm Über die Stempelsteuer und über die Zuckersteuer, sowie die Novelle zum Zolltarif unerledigt geblieben sind. Ein gleiches Schicksal ist auch der Vorlage über die Subventtonirung der für Ostafim und Australien geplanten Dampferlinien zu Theil geworben und dies kann allerdings nicht lebhaft genug bedauert werden. Gerade diese Vorlage schien dm Beginn einer regeren acttveren überseeischen und colonialen Polttk der RetchSregierung zu bebeuten, die Vorlage war dadurch in wettestm Kreisen populär geworben, und die Besorgntß, daS Scheitern deS Gesetzes werde ben ersten Anlauf nach biefer Richtung mtmuthigm und lähmen, be­rührte an dem parlamentarischen Verlauf dieser Angelegenheit schmerzlich. Man darf jedoch die Hoffnung hegen, daß der Dampfersubventionsentwurf tn dem nächsten Reichs­tage, dem er unzweifelhaft wieder vorgelegt werden wird, eine freundliche Aufnahme finden werde. Abgesehen hiervon ist aber daS Resultat der Session ein tn hohem Grade befriedigendes und hoffentlich wird auch die bevorstehende neue Legislaturperiode uns nur Erfreuliches bringen.

Vermischtes.

Wetzlar, 29. Juni. Der kürzlich wegen eines an Frau und Kind verübten Mordversuchs verhaftete Taglöhner Heinrich Schneider von hier hat sich in ber Nacht vom SamSlag zum Sonntag im hiesigen Gefängniß erhängt. Schneider hatte noch am Abend zuvor das Geständniß abgelegt, daß er die ihm zur Last gelegte That wirklich begangen habe.

Arn Amtsgericht zu Hagen wurden am 20. Juni 600 Welten der früheren ^Waggonfabrik Germania" im ursprünglichen Werthe von 350,000 JL versteigert; daS Meistgedot war eine Mark, wofür sie weggegcben wurden.

sSelbstmord tm Schwurgerichtssaale.f DaS Schwurgericht zu Torgau verhandelte am Montag gegen den Holzhändler Lorenz wegen Meineides. Der Staats­anwalt hatte dm Antrag gestellt, auf 1 Jahr 3 Monate Zuchthaus, 2jährigern Ehr­verlust rc. lautend, und der Gerichtshof hatte sich eben zur Bervthung zurückgezogen, als der Ange klagte sehr rasch ein in der Tasche verborgm gehaltenes Pistol hervorzog und einen Schuß gegen seine Schläfe addrückte. Lautlos brach der Mann auf der Anklagebank zusammen.

Handel und Verkehr.

Wie unferen Lesern wohl bekannt sein dürfte, sind seit dem 20. Mat d. I. auf sämmllichtn Bahnen des Vereins deutsch-österreichischer Eisenbahnen combtnirbare Rundreisebillets zur Einführung gelangt, durch welche jedem Reisenden die Möglichkeit gegeben ist, sich selbst ein Ruudtourbillet nach Maßgabe des bet jeder Billet-Expedition vorhandenen und für 25 Pfennige käuflichen General-Verzeichnisses der Coupons für combtnirbare RundreifebiUetS nebst zugehöriger Uebersichtskarte zusammenzustellm. Als Central-Ausgabestelle für die aufgelegten Coupons ist für den Bezirk ber König­lichen Eismbahn-Dtrection zu Hannover bte Verkehrs-Controle I bafelbft bezeichnet und erfolgt auch von dieser die Zusammenstellung der gewünschten Coupons, waS indessen keineswegs auSschlteßt, daß zur Behändigung des Billets die Billetexpedittonm mttzuwirken haben.

Wiederholt ist es nun vorgekommen, daß Bestellungm auf combinirte Rund- reisebillets, welche nicht bet den Btllet-Expedttionen, sondern btrect bet ber Central- Ausgabestelle gemacht worben waren, nicht rechtzeitig ausgeführt werben konnten, da einerseits durch nicht genaue Befolgung der dem General Verzetchntß vorgedruckten Bestimmungen ober auch in Folge unrichtiger Auswahl ber Coupons häufig Rückfragen veranlaßt würben, bereu endgültige Erledigung mehrere Tage tn An­spruch nahm.

Wir glauben deshalb unsere Leser gerade jetzt bei dem bevorstehenden Beginn ber Schul- nnd Gerichtsferien, wodie Nachfrage nach combinirbaren Runbretsebilltts voraussichtlich eine gesteigerte sein wird, darauf aufmerksam machen zu müssen, daß Bestellungen auf die er- wähntm BrlletS nur dann die gewünschte pünktliche Erledigung finden können, wenn solche bet den Billet Expeditionen unter Benutzung eines Bestellschein Formulars, welche« Seitens derselben unmtgeltlich verabfolgt wird, rechtzeitig gemacht werden, oa die Beamten der Billet-Expeditionm angewiesen sind, dem Publikum bet ber Zusammensetzung der beabsichtigten Rundreisen sachverständige Auskunft und Rath zu ertheilen. Eine directe Bestellung bet der obengenannten Centralausgabestelle oder gar bei ber Königlichen Eisenbahndtrection bietet nicht bte geringsten Vortheile. Nicht minder ist aber auch erforderlich, daß die Bestellungm so früh als thünlich, mindestmS 2 volle Tage vorher gemacht werden, da nicht nur die für die Zusammensetzung der Billets erforderliche, sondern emch die für die Hinsmdung der Bestellung und die Uebersendung der BilletS nöthige Zett und zwar nach Maßgabe der Zugverbindungen mit Hannover und der Bureaustundm der Eismbahndimststellen in Betracht zu nehmen ist.

_ _ J TT pract. Arzt in Frankfurt ä.M., früherAflsiat.

Ur. med. H. (xensen, P;of- Ricords, Paris, heilt raech, gründl. u. 2142 / ohne grosse Kosten alle Nerven-, Frauen-,

Haut- u. Geschlechtskrankheiten (Syphilis) nach eigener Methode. Sprechstunden

101 uad 35. Stiftstrasse 22 I. Auswärts brieflich.

Verkäufe und Verpachtungen, Beiheiligungen, Etellen-Vakanzen rc. werden am sichersten durch Annoncen in zweckentsprechenden Zeitungen zur Kenntniß der bez. Reflektanten gebracht; die einlaufenden Offerten werden den Jnsermten im Original zugesandt. Nähere Auskunft ertheilt die Annoncen-Expedition von Rudolf Moffe, Frankfurt a. M-, Roßmarkt Nr. 3. Vertreter in Gießen: Heinrich Wallach, Marktplatz 8. 3975

Keikgeöotenes.

Für Fabrikanten, Handwerker sowie für den Hausgebrauch. Schleifsteine

in unübertroffener Qualität, von 2,00 Ml. u. höher, Sehubstelne für Schreiner, Metzger u. dergl. von 24 Mt. liefert unter Garantie

Franz Görke!,

3478 Büdingen i/Oberheffen.

c Ein Haus inmitten der Stadt, mit Hofraum, gutem Brunnen u. Gas- Einrichtung, ist zum bil- ligen aber festen Preise ~ von 12000 uHa unter gün­

stigen Bedingungen zu verkaufen. Nähere Auskunft ertheilt I. Blitz. 3518

Vorzügliches Bayerisches Bier i m Zapf.

4337 Stadt Mainz.

Hosen

in circa 200 Sorten sind stets frisch zu haben in der 4307 HandelSgärtnerei von

Carl Berger,

sowie im Laden: Lindenplatz.

Allgemeiner Anzeiger.

H. Bübsamen

Wusburg 16 Giessen Wäusburg 16 empfiehlt als Specialität: Hemden für Herren und Knaben, Kragen und Manschetten, Chemiffets, Taschentücher, Hemden-Einsätze, wollene Hemden, Unterhosen und Unterjacken für Frühjahr und Sommer, Socken, Hosenträger, Glaev- und Sommer-Hand­schuhe. Das Neueste in Shlipsen und Halsbinden, Sonnen- und Regenschirmen zu billigsten Preisen. 2219

Hemden nach Maß liefere in guten Stoffen und solider Arbeit.

Gelegenheitskauf.

Ich offerire einen Posten yarantirt waschächter Knabenanzüge ju 3, 4 u. 5 M pr. St., prima Cheviot- Herrenanzüge zu 24 u. 26 Mf waschächte Herren Hosen 2, 3 u. 4 pr. St., feine und feinste Lüftre-Herren-Säcke 3 !/2 u- 5 «Al rc. rc.

Fr. Levy,

Gießen. 6 Neustadt 6 Gießen.

4293 (Frankfurter Waaren-Vazar.)

empfiehlt sein reichhaltiges Lager von Möbeln aller Art, als Salon', Wohn', Schlaf' u. Eßzimmer-Einrichtungen. sowie Pianinos und Kaffen­schränke von renommirten Firmen zu billigen Preisen und unter Garantie.

§ Gartfeld Ederstraße 8 und Wallthorstraße 21.

4403 Für mein Specereimaaren-Ge- schäft suche einen Lehrling.

W. Deuling.

5JL w. stets nach allen Gegen-

<^V8iUU£ll ben placirt. Fahrg. 29, Frankfurt a/M. (3196) Treusch.

Prima Schweizerin, feinst. Limburger Käse

empfiehlt billigst

II. The W ittlich, 4169 Marktstraße 32. Jul. Liebhardt, Maschinenfabrik, Barmen,

empfiehlt seine Hand-

Rasen-Mähmaschinen und liefert solche unter Garantie zu billigsten Preisen. 3199 Wiederverkäufer gesucht.

Normal-Hemden und Hosen

(nach System Prof. Dr. Jäger) für Damen und Herren empfiehlt 1189 H. Rübsamen.

empfehlen 4325

Gebrüder Scheel.