Ausgabe 
2.12.1884 Zweites Blatt
 
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Sonntag den 30. November

1884

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Schulstraße 7.

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sN8hmasch<nen-Jndustrie 1 Die ^Concordia", Verein deutscher Nähmaschinen- Fabrikanten und -Händler, hat in ihrem jüngst herautzgegedenen QuartalSbericht auf Grund der Procchverhondlungen Netdlinger contra $ad)tner (München) und Netdltngcr contra Gerntzen (Nymwegev) wiederholt aktenmäßig festgestellt, daß die unter dem Namen .Origtnal-Singer-NSHmaschlnen" Im Markts bekannten amerikanischen Näh­maschinen auf der Amsterdamer Weltausstellung keine Auszeichnung erhalten haben, daß vielmehr nur die sogenannte amerikanische Rmgschtffchen-Maschtne in Amsterdam zur Prämttrung vorgeschlagen worden ist, da die amerikanischen Sieger.Maschinen älterer Conftrucllon so grob und schlecht gearbeitet waren, daß sie sich zu einer Prämttrung nicht eigneten. Was Angesichts einer solchen Thatsache von den neuesten Reclamen des Generalvertreters der Singer-Manufacturing-Company zu halten ist, wird der gesunde Sinn des deutschen Publikums gerecht entscheiden. So oft Agenten deS Auslandes sich mißbräuchlich auf die Amsterdamer Prämttrung berufen, wird dte Presse im berechtigten Interesse deS deutschen Nähmaschinengswerbes und des deutschen Publikums darauf hinzuweisrn haben, daß es eine offenbare Täuschung ist, wenn dte amerikanische Concurrenz in ihren Anpreisungen den Amsterdamer AuSstellungSpreiS für das unter dem Namen ,L)riginal-Stnger»Näbmaschiven" bekannte Fabrikat aus- spielt. Dte »Concordia" betont in ihrer neuesten Publikation wiederholt dte erfreuliche Thatsache, daß dte deutsche NSHmaschtne nicht nur im Exportmarkte, sondern auch innerhalb des Vaterlandes selbst durch ihre entschiedenen Vorzüge immer mehr Terrain erobert. Die beste Empfehlung bleibt hier wie überall unbeft ritten dte, welche daS Werk dem Meister gibt; diese Empfehlung aber steht auf Seiten der deutschen NLHmaschinen-Zudustrie.

Erklärungen des Ministers hervor, daß China nach wie vor den französischen Entschädigungsforderungen gegenüber halsstarrig bleibt und als er am Schlüsse seiner Ausführungen betonte, daß die beste Antwort Frankreichs aus die an­maßende Haltung Chinas die Bewilligung der für Tongking geforderten 43 Millionen sei, da wurden ihm die lebhaftesten Beifallsbezeugungen ge­spendet. Man kann sonach den Sieg des Ministeriums in der Tongking-An- gelegenheit als gesichert betrachten. (Siehe Depeschen. D. R.)

In England ist der Kampf um die Wahlreform seinem Abschluß nahe. Nachdem beide Häuser des Parlaments die Wahlreformbill selbst an­genommen haben, erübrigt nur noch, über die Vorlage bezüglich der Neu- eintheilung der Wahlbezirke, welche am kommenden Montag im Unterhause eingebracht werden soll, eine Verständigung zwischen der Regierung und der conservativen Opposition zu erzielen. Die entgegenkommende Haltung, welche sich in jüngster Zeit hüben wie drüben bemerklich macht, läßt einen definitiven Ausgleich in der Wahlreformangelegenheit mit Sicherheit erwarten.

Gießen, 29. November.

Der Reichstag hat erst in dieser Woche seine eigentliche bera- thende Thätigkeit begonnen. Die Präsidentenwahl vom vorigen Samstag und bie, hierauf folgende Geschäftsordnungs-Debatte bildeten gleichsam nur oas Vor- postengesecht zu der parlamentarischen Campagne, welche am Mittwoch mit einer Hauptschlacht eingeleitet worden ist. Der Antrag des Abg. Kayser, das gegen seinen sociaidemokratischen Fractionsgenoffen Heine schwebende Strafverfahren während der Sessionsdauer einzustellen, wurde ohne erwähnenswerthe Discussion angenommen, dagegen füllte die Debatte über den von deutschfreisinniger Seite eingebrachten Antrag aus Aushebung des Art. 32 der Reichsverfaffung, das heißt also aus Gewährung von Diäten an die Reichstags-Abgeordneten, die ganze übrige Sitzung aus. Der Antrag ist ein alter Bekannter, er wurde in früheren Jahren regelmäßig vom Abg. Schulze-Delitzsch eingebracht und die Gründe für und wider die in ihm enthaltenen Forderungen sind schon wieder­holt eingehend erörtert worden. Auch am Mittwoch wurde wesentlich Neues über den erwähnten, von dem deutschsreisinnigen Abg. Auöseld gestellten Antrag nicht vorgebracht, derselbe gab aber den äußeren Anlaß zu einem inhaltsschweren Exposö des Reichskanzlers über unsere Parteilage, namentlich wie sie sich durch die Zusammensetzung des jetzigen Reichstages charakterisirt. Fürst Bismarck wies daraus hin. daß die kaiserliche Politik im Reichstage nur durch drei Fractionen, die 157 Köpfe stark seien, vertreten werde, 100 andere Abgeordnete seien für die Herrschaft der Geistlichkeit, andere 98 Fortschrittler und Socialdemokraten bekämpften die Regierungs-Vorlagen nicht wegen ihres vbjectiven Inhalts, sondern aus parteilichen und tactischen Gründen. Bald die einen, bald die andern fördern die Unterstützung von im Reiche fremden Elementen, die das Reich an sich nicht wollten, von Polen, Elsässern und Welfen. Eine solche Majorität könne ihm nicht imponiren. Seine, des Kanz- kers, frühere Besorgniß, daß der Einheit Deutschlands durch die Regierungen einmal Gefahr drohen könne, habe sich als unbegründet erwiesen, dagegen hätte Deutschland seit 10 Jahren keinen Reichstag gesehen, der ein nationales Band genannt werden könnte. Gegenüber Schorlemer - Alst (Centr.) und Rickert (deutschfreis.), welche gegen die ihre Parteien betr. Aeußerungen des Reichs­kanzlers Verwahrung einleglen, bemerkte letzterer, so gut der Reichstag seine Meinungen und Handlungen kritisire, ebenso gut halte er sich zur Kritik der einzelnen Fractionen berechtigt; speciell in Bezug auf die deutfchfreisinnige Partei äußerte Fürst Bismarck, daß sie nur die parlamentarische Regierung erstrebe, diese sei aber keine monarchische mehr. Im Uebrigen enthielten die Reden des Kanzlers auch diesmal eine Fülle des interessantesten Materials und die eingehendsten Betrachtungen über eine Reihe von Tagessragen und werden seine Erklärungen somit der Presse des In- und des Auslandes für die nächsten Tage reichlichen Stoff zu allerhand Erörterungen gewähren. Zur Sache selbst ist zu bemerken, daß der Antrag auf Gewährung von Diäten für die Reichs­tags-Abgeordneten mit 180 gegen 99 Stimmen (die beiden conservativen Fractionen und der größere Theil der Nationalliberalen) angenommen wurde. Äm Donnerstag begann die Etatsberathung.

Gegenüber den wichtigen Verhandlungen desReichstagS kann sich die Wochenschau bezüglich der übrigen Ereignisse auf dem Gebiete der inneren Politik nur aus das Nothwendigste beschränken. Aus den'Ver­handlungen der Congo - Conferenz ist nichts wesentlich Neues mitzutheilen, doch ist im Allgemeinen zu constatiren, daß die Beratungen einen glatten und einen guten Erfolg versprechenden Verlauf nehmen. Das Verbot dreier auf Protestlerisch-clericalem Standpunkte stehenden reichsländischer Zeitungen durch den Statthalter v. Manteuffel hat diesseits wie jenseits des Rheines viel Auf­sehen gemacht und beweist, daß der Statthalter nunmehr entschlossen ist, gegen die sich in Elsaß-Lothringen immer noch breit machenden antideutschen Ten­denzen energischer als bisher vorzugehen. Der hessische Landtag ist am Mittwoch durch eine Thronrede des Großherzogs eröffnet worden und aus Braunschweig liegt die Meldung vor, daß daselbst Staatsminister a. D. Dr. Windtho'rst, Geh. Rath Bruel und Ober-Finanzrath Kniep im Auftrage des Herzogs vom Cumberland eingetroffen sind und daß ihnen nach Auf­hebung der Curatel über die Erbschaft das Vermögen des verstorbenen Herzogs übergeben worden ist.

Jenseits der Vogesen herrschte in dieser Woche vollständig die Tougkingfrage vor, welche in der Deputirtenkammer wieder einmal zu einer mehrtägigen Redeschlacht geführt hat. Ueber den Ausgang derselben läßt sich zur Stunde noch nichts berichten, da die dreitägige Debatte über die Credit- vorlage für Tongking am Mittwoch suspendirt wurde; doch ist kaum daran zu zweifeln, daß Herr Ferry für seine coloniale Politik schließlich die Zu­stimmung der Kammermehrheit finden wird. Die Erklärungen wenigstens, die der französische Ministerpräsident hierüber am genannten Tage abgegeben hat, sind danach angethan, nicht nur im Parlamente, sondern auch im ganzen Lande einen beruhigenden Eindruck zu machen. Herr Ferry erklärte, daß die mlli- 1 irische Lage Frankreichs in Ostasien nichts zu wünschen übrig lasse, allerdings gab er aber zu, daß es nöthig sei, den Conflict mit China, lei es durch einen Vertrag, sei es durch einen modus vivendi, beizulegen. Weiter legt er als Ziel seiner Politik China gegenüber dar, daß Faustpfänder gewonnen werden müßten und ließ hierbei durchblicken, daß die Besetzung Formosas mit Ein- «illigung Englands eine dauernde sein werde. Im Uebrigen ging aus den

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Ene merkwürdige Schwurgerichtsverhandlung sand kürzlich fn Delm old statt; etz kam nämlich zum dritten Mole die Braudsttttungßklage gegen btn HondlungS- commiS Wilhelm Arring auS Lübhecke zur Verhandlung. Der Angeklagte war be­kanntlich schon zweimal vom hiesigen Schwurgericht für schuldig befunden worden, d-rS Haus des Kaufmanns Pttsmann hieisckbst in der Nacht vom 16. zum 17. Dtcember 1882 vorsätzlich in Brand gesteckt zu haben und drmzusolze jedesmal zu 5 Jahren Zucht­haus verurthrilt worden. Die zweite Verhandlung stützte sich auf die Mtderaufnahme des Verfahrens, welche von den Verwandten betrieben wurde, weil der Angeklagte be- re-tS Anfang 1882 an Verfolgungswahn und cn Größenwahn gelitten und daß die Möglichkeit nahe lag, daß der Angeklagte die Thar unter dem Einflüsse krankhafter Störung der GeisteSthätipkeit, die seine freie WillenLbestimmung ausgeschlossen (§ 51 R.-Str.-G -B ) begangen habe, wonach fr für dieselbe rttcht bestraft werden kann. Die Geschworenen hatten jüdoch hierfür die Ueberz-ugung'nicht gewinnen können und, wie bemerkt, den Angeklagten für schuldig befunden. Auf Grund eines Formfehlers wurde jedoch das Urtheil vom Reichsgericht in Leipzig verworfen und vor ein anderes Schwur­gericht zurückoerwiesen. In dem ist es nun gelungen, d«e Geschworenen voo der Un- zurechnungSsähigkeit des Angeklagten zu überzeugen, so daß dieselben das .Nichtschuldig" aussprachen.

sEine seltsame Auciion.j In VariS wurde vor einigen Tagen eine Auctton von altem Mobiliar und allerlei Gerümpel veranstaltet, welche folgenden merkwürdigen Verlauf nahm: Drr Aucttonator nahm einen halb erblindeten defecten Spiegel zur Hand und iftf ihn mtt 5 Francs au8.Zehn Francs!" rief eine Stimme im H'Mer- gründ. Gn Tenor zur Seite schrie:Zwanzig 5rorc8!"25 Francs!" ruf ein Anderer.30 Francs! 40, 50, 60 Francs!" scholl eS von allen Setten durcheinander. 100 Francs!" rief ein Bterbaß mit Stentorstimme.Zum ersten, zum zweiten, gibt Niemand mehr? . . . and zum dritten Mal!" Der Spieg-l mochte in neue» Zustande höchstens 20 Francs gekostet haben. Der Aucttonator:Ein altes Canapel Der Ueberzna ist noch immer nicht allzu schlecht, 35 Francs, meine Herrschaften!" 40 Franc«!" rechts,75 FrancS!" links,95 Francs!" in der Mitte, ,110 Francs!" vorne, ,140 Franc?!" rückwärts zum dritten Male. Und so g<ng eS weiter. Das Räihsel dieser seltsamen Auction ist folgendermaßen zu erklären: DaS Mobiliar, welches zur Versteigerung gelangte, gehörte der Wittwe deS ehemaligen DircctorS deS Theatre Beaumarchais, Dufour, der vor zwei Jahren daS Zeitliche segnete. Dufour hatte die Gewohnheit, alle größeren Geldsummen, welche er erhielt, in seinen Möbeln, Papieren, Büchern rc. zu hinterlegen. Die zunehmende Gedächinißschwäche drS alten Herrn bewirkte, daß er die Aufbewahrungsorte feines Vermögens ollmälig gänzlich vergaß. Nach seinem Tode setzte seine Frau, die fast ebenso excentrisch war wie ihr Gatte, di-se U-bung fort, und die Kunde von der seltsamen Manie drang in weite Kreis-. Der Andrang zu der Auctton, welche nach dem Tode brr Wittwe veranstaltet wurde, war, wie man sich denken kann, ein ungeheurer. Die Käufer säumten nicht, ihre iheurr erstandenen Bücher, AlbumS, Federpolft--r und Fauteuils schleunigst zu zerbrechen und zu zerreißen. Ob und waS sie darin gefunden, verschweigt die Geschichte.

- Einem Advocaten ist sein Schreiber mtt 8000 JL durchgegangen. Kurz darauf erhält der Advocat von ihm folgenden Brief: Hochgeehrter Herr! Da ich zu keinem Andern ein solches Vertrauen habe alS wie zu Ihnen, so erlaube ich mir die Anfrage, ob Sie, für den Fall, daß ick erwischt werde, meine Verthetdigung übernrhmm wollen. Hochachtungsvoll A- Zangerle.

[@.n Jubiläum am häuslichen 6erb]Mdn Gott, Herr Nachbar, warum haben Sie denn Ihre Küchenthür mit Guirlanden geschmückt?"Meine Frau ist soeben ausgegangen, um eine neue Köchin zu suchen und wenn sie eine bringt, tst'S die sünfundtwanzigfte in diesem Jahre."

Fr°ulem (LehrerstM > ) mit schöner Handschrift, L: ebenen Ansprüchen aus l.jt er Stellung in einem GM welcher Branche. Dff.aubT.Z,? ?ed. b. Bl.N Sin Mann mit Kindern ie zur Besorgung der Hansü^ ien Neuebaue 20.

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