Dienstag den 2. September
1881
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Erscheint tLgllch mit «nsnchrne bei Monta-S.
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Gießen, am 30. August 1884.
Betreffend: Die Ausführung des Unfallversicherungsgesetzes.
Großherzogliches Kreisamt Gießen. Dr. Boekmann.
Dem M- Wildenhayn, Gruben-Repräsentant in Gießen, ist durch Grobherzogliches Ministerium der Finanzen die nachgesuchte Erlaubniß zur Vornahme von VermessungS- und Vorarbeiten für eine Nebenbahn von Keffelbach-Londorf über Daubringen nach Lollar, zum Anschluß an die Main-Weser-
frrti* vierteljährlich 2 Korf 20 Pf. mit Bringerioha. Durch die Poft bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
Bahn, ercheilt worden.
Gießen, am 30. August 1884.
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Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
an die Grobherzoglichen Bürg erweist er eien des Kreises.
Unter Bezugnahme auf die unserer Bekanntmachung vom 2. L M. (Anzeiger Nr. 180) beigedruckte Anleitung fordern wir Sie auf, ein Veneichniß aller in Ihren Gemeinden vorhandenen Betriebsunternehmer, welche unter den § 1 des obigen Gesetzes fallen, alsbald aufzustellen und binnen ö Tagen an uns einzusenden. Jede Verzögerung ist zu vermeiden. Dem Namen des Unternehmers ist die Art des Betriebs und die Zahl der von ihm beschäftigten Arbeiter beizufügen. r „ c p n p
Wenn keine anmeldepflichtigen Unternehmer in einer Gemeinde vorhanden sind, so ist dies ebenfalls innerhalb der festgesetzten Frist uns anzuzeigen.
Dr. Boekmann.
Gießener Anzeiger
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
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Zum Sedanfest!
Im Kreislauf des Jahres ist wiederum der Tag gekommen, an welchem vor nunmehr 14 Jahren die deutschen Heere auf den blutgetränkten Gefilden rron Sedan die letzte Armee des dritten Kaiserreiches zu Boden schmetterten und den stolzen Franzosenkaiser selbst gefangen nahmen. Wohl folgten hierauf noch lange und harte Kämpfe mit den Heeren der sranzösischen Republik, ehe der für Deutschland so glorreiche Friede verkündet werden konnte, dennoch aber wird die Schlacht von Sedan mit Recht als der entscheidende Wendepunkt in dem deutsch-französischen Riesenkampfe und als der eigentliche Geburtstag der deutschen Einheit betrachtet. Mit voller Berechtigung feiern wir Deutsche daher den 2. September als unser größtes nationales Fest, als den Tag der im Schlachtgewühl erfolgten politischen und nationalen Wiedergeburt Deutschlands und so schickt man sich in allen deutschen Gauen auch diesmal an, denselben in der seiner Bedeutung entsprechenden würdigen Weise zu feiern. — Man begegnet hierbei immer wieder der Meinung, daß das Sedanfest sich überlebt habe, daß seine Feier nicht mehr zeitgemäß sei und daß schließlich deren stete Wiederholung eine Provocation der französischen Nation bedeute. Nichts kann aber irriger sein, als gerade letztere Anschauung, denn dem Charakter des deutschen Volkes liegen Hohn und Spott aus den besiegten Gegner wahrlich fern und bei den Franzosen selbst hat sich schon längst die Einsicht eingebürgert, daß es edlere Motive sind. welche uns alljährlich von Neuem diese Feier begehen lassen. Wer aber, der sich zu den wahrhaft patriotisch Denkenden rechnet, wollte im Ernst behaupten, daß die Sedanseier nicht mehr zeitgemäß sei? Gerade sie bildet für unser Volk eine immer wiederkehrende patriotische Anregung, eine stete Erinnerung an jene große und erhebende Zeit von 1870 und 71 und diese Erinnerung soll nicht nur allen denen, welche jene gewaltige Epoche in unserer vaterländischen Geschichte noch selbst mit erlebt haben, immer lebendig vor Augen stehen, sondern auch auf die Heranwachsende Generation übergehen. Unsere Jugend soll durch die Sedanfeier an die heldenmüthigen Kämpfer von 1870 und ihre großen Thaten erinnert werden und sich hieran ein Beispiel treuer Pflichterfüllung und ausopfernder Vaterlandsliebe nehmen; für uns Alte aber soll die Feier des Sedansestes eine ernste Mahnung sein, sowohl der Tausende deutscher Männer, welche in dem großen Kampfe den Heldentod sür's Vaterland starben, als auch seiner noch unter uns lebenden Theilnehmer in Dankbarkeit zu gedenken, die Angehörigen der gefallenen Helden zu trösten und zu unterstützen, dann jedoch auch, das mit dem Einsätze so kostbarer Kräfte Errungene festzuhalten und uns dessen allzeit würdig zu erweisen. ES sind dies heilige Pflichten und nur durch deren Erfüllung kann das deutsche Reich im Sinne seiner erlauchten Schöpfer weiter wachsen und gedeihen. Diese Pflichten nun, ste rüst uns der Sedantag wieder in's Gedächtniß, zugleich mit der eindringlichen Mahnung, an ihm alle politischen und consessionellen Gegensätze bei Seite zu stellen und uns nur als Deutsche, als Angehörige Eines großen Stammes zu fühlen. In diesem erhebenden Sinne ist der Tag von Sedan immerdar begangen worden und in dieser weihevollen und patriotischen Stimmung, die allen kleinlichen Zank und Hader der Parteien vergessen macht, wird das deutsche Volk hoffentlich auch diesmal seinen größten Ruhmestag feiern.
Deutschland.
Berlin, 30. August. Se. Maj. der Kaiser empfing heute auf Schloß Babelsberg den franzöfischen Botschafter Courcel in Audienz. Der Letztere wurde darauf zur katserlichen Tafel gezogen, an welcher mehrere Mitglieder des Königshauses, sowie der Krigsminister und einige andere Generäle theilnahmen.
Berlin, 30. Aug. Inmitten der täglich intensiver werdenden Wahlbewegung anläßlich der kommenden Reichstagswahlen bildet das Sedanfest, vor dessen Zeier wir stehen, ein neutrales Gebiet, einen Punkt, auf welchem das Auge,
ermüdet und verletzt durch den Anblick, welchen der immer leidenschaftlicher entbrennende Kamps der politischen, wirthschaftlichen und leider auch religiösen Gegensätze darbietet, mit Genugthuung weilen kann. Gerade das Sedansest, unser einziges nationales Fest, steht seinem ganzen Wesen und Charakter nach thurmhoch über dem brandenden Meere der Partei-Leidenschaften, es fragt nichts nach dem religiösen und politischen Glaubensbekenntnisse des Einzelnen, nichts darnach, ob er Freihändler oder Schutzzöllner ist, hier handelt es sich nur darum, die Erinnerung an die großen Errungenschaften der Jahre 1870 und 71 wieder auszufrischen und diese Errungenschaften dem Volke wieder in's Gedächt- niß zurückzurusen. Die Feier des Sedantages ist ein Appell an die patriotische Gesinnung des Einzelnen und wir hoffen, daß das Unkraut der Partei- und Jrtterrssen-Politik die Liebe zu dem gemeinsamen Vaterlande unser Aller noch nicht so weit überwuchert hat, um die Erinnerung an jene große und erhebende Zeit jetzt schon verblassen zu lassen. Möge der Verlauf der Sedanfeier auch diesmal beweisen, daß dieser Appell kein vergeblicher gewesen ist!
— Der Besuch, welchen der französische Botschafter am Berliner Hofe, Baron de Courcel, dem Fürsten Bismarck auf dessen hinterpommerschem Tusculum abgestattet hat, ist begreiflicher Weise eifrigst commentirt worden. Es lag hierbei der Gedanke nahe, daß es sich nm eine Vermittelung Deutschlands in dem Streite zwischen Frankreich und China handeln könne und in diesem Sinne sind denn meist auch die betr. Commentare gehalten. Nun bringt aber das ministerielle Journal „Paris" eine Note, in welcher die Journale gewarnt werden, bezüglich des Besuches Courcel's in Varzin Muthmaßungen und Commentare anzustellen, welche aus keiner authentischen Basis beruhen und durchaus ungenau sind. Diese Warnung richtet sich gegen den größten Theil der Pariser Presse, welche sortfährt, die Frage der Vermittelung Deutschlands in China oder der Allianz Deutschlands und Frankreichs in den verschiedensten Tonarten zu discutiren. Große Klarheit hat dieses merkwürdig gewundene Dementi in die Sachlage nicht gebracht.
— Der erste Abschnitt der französischen Flottenaction in den chinesischen Gewässern, der Angriff auf Fu-tscheu und die chinesischen Forts am Minfluffe, hat in glänzendster Weise für die französische Waffenehre geendet. Die chinesische Flotte, soweit sie vor Fu-tscheu versammelt war, ist bis aus zwei Sckfffe vernichtet und die Forts am Minfluffe sind sämmtlich zerstört und dies Alles in wenig Tagen und unter geringen Verlusten französischerseits. Als nächste Objecte der französischen Operationen werden die Insel Formosa, welche Fu-tscheu gegenüberliegt, und die weiter südlich gelegene Insel Hainan bezeichnet und gedenken die Franzosen auf ersterer zunächst die reichen Kohlengruben von Keelung zu besetzen. Die Zerstörung der Forts am Minfluffe scheint aber vorläufig den kriegerischen Muth der Chinesen noch nicht gedämpft zu haben, wenigstens deutet die Vertreibung des französischen Consuls und der französischen Kaufleute aus Kanton, welche auf ergangenen Befehl des Vicekönigs von Kanton erfolgte daraufhin, daß die Chinesen bis jetzt noch an keine Nachgiebigkeit gegen- über Frankreich denken. In Kanton wurde sogar die Kathedrale von Pöbel- Hausen bestürmt, doch schritten die chinesischen Truppen ein und vertrieben die Ruhestörer. Inzwischen kommen auch aus Tongking Nachrichten von erneuten Zusammenstößen zwischen den Franzosen und den Schwarz-Flaggen, die damit endeten, daß die letzteren unter bedeutenden Verlusten ihrerseits in die Berge zurückgeworsen wurden. Das Delta des Rothen Flusses befindet sich in Sicherheit. Die französischen Operationen gegen Langson sind wegen der heißen Witterung aufgeschoben worden; General Regner hat sich aus Phulanggin zurückgezogen und sein Hauptquartier nach Bacninh verlegt.
— Die Frage der Ausführbarkeit oder Nichtaussührbarkeit der zum Entsätze General Gordon's geplanten M-Campagne nimmt jetzt die Aufmerk- samkeit der englischen Regiemng in erhöhtem Maße in Anspruch. Schon vor einiger Zeit wiesen englische Generäle darauf hin, daß die Benutzung der Wasserstraße des Nil bei der erwähnten Expedition auf große Schwierigkeiten stoßen pfirbe and nun hat der von einer Recognoscirung aus Ober-Egypten.


