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Mittwoch den S Juli

Bureait: Schul-straße 7.

d°r «ach Egypten entsendeten französischen Cholera-Commission angehörten, haben erklärt, daß sie an verschiedenen der Touloner Epidemie Erlegenen dieselben Kn-erchen wie bei der vorjährigen Seuche in Egypten gefunden haben. Das klingt freckch nichts weniger als tröstlich. - Große Entrüstung hat in den wertesten Kreisen der unvermuthete Ueberfall der zur Garnison von Lanqson bestrmmten französischen Truppen-Abtheilung durch chinesische Truppen erregt Aus den jetzt bekannt gewordenen Details geht hervor, daß die Franzosen sich' ?et Tage lang mit den angreifenden Chinesen herumschlugen und schließlich ihre Positionen behaupteten. Einigermaßen zweifelhaft erscheint aber die Mel- dung, daß die Franzosen in diesem zweitägigen Kampfe nur 10 Todte und 33 Verwundete verloren haben sollen. Sollte sich die fernerweitige Meldung bestätigen, daß auf der Linie zwischen Lanason und Bac- die chinesischen Ge­neräle Wurngly und Nony mit 10,000 Äann regulären Truppen stehen so würde dies den Verdacht nur verstärken, daß die chinesische Central-Regierung dem Ueberfall von Langson nicht fern steht. Vorläusig leugnet letztere dies freilich und hat dem Genugthuung fordernden französischen Gesandten Patrenotre erklätt, daß der Angriff ohne ihr Wissen und durch irreguläre Banden qe- schehen ser. a

Am Samstag ist in London der Zusammentritt der Con- ferenz behufs Regulirung der egyptischen Finanzverhältnisse erfolgt. Derselben prastdirt der englische Minister des Auswärtigen, Lord Granville, und steht 9"* ?ls finanzieller Beirach der Schatzkanzler Childers zur Seite. Bekanntlich will Mr. Gladstone den Conferenzbeschluß, sobald derselbe erfolgt ist, dem Par­lamente zur Sanction vorlegen und macht von derselben sein Verbleiben am Staatsruder abhängig. Von dem Ausgange des von den Conservativen gegen Gladstone beantragten Tadelsvotums, welches für Montag auf der Tagesord­nung der Unterhauses stand, wird man einen Schluß auf die Stimmung des Parlamentes gegenüber den zu erwartenden Beschlüssen der Conferenz ziehen können. Einstweilen giebt das Cabinet Gladstone sein eqyptisches Sviel im Parlamente noch nicht verloren.

Das dänische Ministerium Estrup hat bei den in voriger Woche erfolgten Neuwahlen zum Folkething eine fchwere Niederlage erlitten. Es sind 82 Mitglieder der Linken, unter ihnen die Führer der Kopenhagener Socialisten- Partei, gewählt worden, denen nur 19 conservative Abgeordnete gegenüberstehen Trotzdem scheint Herr Estrup nicht gesonnen zu sein, zurückzutreten, wenigstens erklären seine Organe, daß das Ministerium künftig ohne Bewilligung unb mit« Wirkung des Reichstages regieren werde.

Wie der Radikalismus in Dänemark durch den Ausfall der Folkethings-Wahlen, so hat er auch in Norwegen einen Erfolg davongetragen ' und zwar hier durch die Constituirung des Ministeriums Sverdrup. Dasselbe bringt den Sieg der Linken des norwegischen Storthings gegenüber der Regie­rung klar zum Ausdruck und ist hiermit der lange Verfassungskampf zwischen Regierung und Storthing, wenn nicht beendigt, so doch jedenfalls vorläusig vertagt.

Politische tteberflcht.

, , Gießen, 1. Juli.

Heber die Lage der auswärtigen deutschen Politik hat sich Der Reichskanzler Fürst Bismarck in jüngster Zeit wiederholt in bemerkenswerther Werse geäußert. Das eine Mal geschah dies in der bekannten Sitzung der Budget-Commission des Reichstages vom 23. Juni, in welcher der Kanzler die Mltthellungen über den befriedigenden Ausgang der Angra - Pequena - Affaire machte und hervorhob, daß durch denselben die unverminderte Fortdauer der freundschaftlichen Beziehungen Deutschlands zu England constatirt sei. Fast noch wichtiger erscheinen die Aeußerungen des leitenden Staatsmannes, welche derselbe in der Reichstagssitzung vom 26. Juni über das deutsch-französische Verhältniß gethan hat. In derselben kam bei der Discussion über den Handels­vertrag mit Korea nochmals die Postdampfer-Angelegenheit und in Verbindung hlermtt Die Colonialfrage zur Sprache. Fürst Bismarck entwickelte hierbei wie­derum seine Ansichten über Colonialpolitik und kam dabei auch auf die Be­ziehungen des deutschen Reiches zu Frankreich zu sprechen; er schilderte dieselben herzlich und vertrauensvoll und betonte besonders, daß sein persönliches Wort jederzeit genügt habe, um die französische Regierung, sowohl was das Cavmet Ferry als auch dessen Vorgänger anbelange, über die Absichten Deutsch- iands zu beruhigen. Hoffentlich wird man auch jenseits der Vogesen von diesen bemerkenswerthen Aeußerungen des deutschen Reichskanzlers gebührend Notiz

Aeuischland.

Darmstadt, 30. Juni. Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht:

23. Juni den Ministerialrath im Ministerium des Innern und der Justiz, Hermann Lotheißen, das Ritterkreuz 1. Klaffe des Verdienst-Ordens Phllipps des Großmüthigen zu verleihen.

~ ?***?***' Juni. Der allgemeine Parteitag der hessischen

Fortschrittspartei (nattonalltberalen Partei) fand heule in unserer Stadt statt. 4m Bor mittag tagte die Delegtrten-Versammlung im Vorsaal des Saalbaugebäudes. die von ca. 60 Personen besucht war. Der Vorsitzende, Herr Rechtsanwalt Metz, vegrüßte zunächst die Teilnehmer und sprach denselben für ihr zahlreiches Erscheinen ftinen Dank auö. Im nächsten Herbste, so führte Redner aus, würden nämlich die Wahlen zum sechsten deutschen Reichstage stattfinden und habe sich der Verein der hessischen Fortschrittspartei schon vor Monaten damit beschäftigt, wie vierjährige Tradition es erheische. Die politischen Verhältnisse für die Partei seien seit einigen Jahren nicht günstig, seit 1877 sei ein Rückgang der Partei in Hessen, sowie im ganzen deutschen Reich etngetreten. Bereits Ende Februar d.J. habe eine Versammlung von Vertrauens- männern der Partei, darunter etwa 12 aus Landgemeinden, stattgefunden und ser von derselben im Namen der hessischen Fortschrittspartei Herr Bierbrauereibesitzer Justus Ulrich in Pfungstadt als Candtdat für den Retchtegs-Wahlbezirk Darmstadt-Groß- Gerau aufgestellt worden.

Au der hieran angeknüpften Diskussion nahmen Theil die Herren Wolfskehl Generalagent Gaule, Schulz aus Ober-Ramstadt, Keller aus Eberstadt, Land- gertchtsrath Heinzerltng, Bürgermeister Schiemer aus Pfungstadt, Ulrich aus Pfungstadt und ein Vertrauensmann aus Biebesheim. Die Angehörigen der Land­gemeinden machten über die in ihren Gemeinden für N? Partei herrschende SttmmunL

hat am Samstag seine legislatorische Thätigkeit nrA; rx ben bilden letzten Sitzungstagen von größeren Vorlagen noch das Unfallversicherungs-Gesetz, das Militär-Relictengesetz und die Novelle zum Acttengesetz definitiv angenommen worden waren, außerdem wurde auch Der Nachtragsetat bezüglich des Reichsversicherungs-Amtes erledigt. Zu der dritten Berathung der Unfallversicherungs-Vorlage vom Freitag ist noch zu erwähnen, daß die §§ 1 und 2 nach dem neuen conservativ- klerikal -national- uberalen Compromiß genehmigt wurden, wodurch indessen die Bestimmungen oec genannten Paragraphen in keineswegs erheblicher Weise modificirt worden te$V mUrb.-?~ in definitiver Gesammt-Abstimmung gegen Die Sümmm dec Deutsch-Freisinnigen, Volkspartei und Socialdemokraten ge- nehmigt. Endlich fand noch eine vom Abg. Windthorst beantragte Resolution, Erwägung zu ziehen, auf welche Weise die durch den gesetzlichen Ausschluß der privaten Unfallversicherungs-Gefellschaften 'n Gewerbe beeinträchtigten Bediensteten jener Gesellschaften zu entschä- d,gen seien die Zustinnnung des Hauses. - Daß eine so wichtige und gründ- Agende socialpolitische Reform nicht mit einer knappen Mehrheit von wenigen Stimmen, sondern mit dem vollen Gewicht der Uebereinstimmung aller Parteien Mtt b;r sinken und der Deutsch-Freisinnigen in's Leben tritt, ist höchst erfreulich und kann nur dazu dienen, die Wirksamkeit der Vor- läge wesentlich zu erhöhen.

ßf.r. m Freitag mit einer Ansprache des

Geh. Staatsraths Finger geschloffen worden.

Aus Schlesien ist die erfreuliche Kunde einaetroffen dak « ÄäS*" *>»«»!,fWeto - 2; KriegsmiNlsteriunis nach Herstellung einer Central-

lettung der Milttar-Eisenbahn-Transporte im Mobilisirunasfalle Rechnung ae- ^nfiX«Cm!«Si!aat^nen ats Zentralstelle für sämmttiche österreichische Milttar-Verwaltung in directen Verkehr tritt. Hervorzu- $eten ist auch die Bestimmung, daß die Verkehrssprache zwischen sämmtlichen fcin9mnG Staatsbahn-Verwaltung und den Militärbehörden stets die deutsche lein uiug. "

... Cholera-Epidemie in Toulon und die beunruhigenden Nach-

richten aus -oongklng absorbiren in Frankreich das allgemeine Interesse mebr als dies bezüglich des Abkommens mit England und des häuslichen Zwistes in' io^aut W Was die Touloner Epidemie anbelangt,

banmpn jungen hierüber fortdauernd sehr optimistisch,

behaus X^»^^"^erichte wemger günstig über den Stand der Krank- h-tt aus und haben sich ihnen zufolge die täglichen Cholera-Todesfälle in Toulon °°rm-hrt- Man muß daher das Weitere abwarten. Dr. Strauß und Dr Roux zwei Schuler des berühmten, vor Kurzem verstorbenen Chemikers Pasteur, welche

Nachdem die Rekruten des Reserve-Landwehr-Bataillons (Frankfurt a. M. Nr. 80) Rudolf Weitzel von Gießen und Johann Conrad von Lrch wegen Fahnenflucht m contumaciam zur förmlichen kriegsgerichtlichen Untersuchung gezogen sind, werden sie hiermit aufgefordert spätestens $ am 1. November 1884, Vormittags 10 Uhr,

W ^finden, widrigenfalls sie in contumaciam für fahnenflüchtig erklärt werden und in ein- Geld- Frankfurt a. M., den 30. Juni 1884. Königliches Gericht der 21. Division.

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