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Schlackensteine für Massiv- und Fachwerkbauten empfiehlt

Albrecht Stern,

2153 Wetzlar und Gießen,

schriebenen Andacht.

Allerseelen.

Theater.

d. Gießen, 30. October.

Man betrachtet Victorien Sardou allgemein als Den begabtesten der neu- französischen Dramatiker. SeinLustsptrlDivoreons oderCyprtenne" behauptet sich seit 1881 mit großem Erfolg nicht nur auf bm französischen, sondern auch aus vielen deutschen Bühnen, obschon das Stück ganz und voll in französischen Anschauungen wurzelt und auch für Frankreich nur em Gelegenheitsstück war. Es entstand namuch zu der Zett, als ganz Frankreich sich aufs Lebhafteste mit der Ehrscheit-ungSfrage be­schäftigte und alS grobe die Kammern über dre Vorlage verhandelten, die die gesrh- l'che Emführung der Scheidung erstrebte. Der Dichter steht auf dem Standpunkt der UnlöSl'.chke-.t der Ehe und w.ndet sich mit scharfer Polemik gegen die neue Richtung. Er zeigt uns, wohm es führen würde, wenn eine Dame mit der Voraussetzung einer leichrmöglichen Scheidung die Ehe e<ng«nge; seine Heldin drückt ihrem eignen Gatten hr Bedauern darüber aus, daß sie noch auf dem Boden des alten Gesetzt steht, tm Triumph empfängt sie die falsche Nachricht, daß das Gesetz durchgegongen sei; zu romantischen Ausschreitungen geneigt, gelangt sie bis zum Rande bf§ Ehebruchs, um dann allerdings von ihrem Gatten gründlich kurirt zu werden. Obwohl nun das Stück zunächst nur die getstooU'satirische Behandlung einer brennenden TageSfrage war, ist es doch weder von der Bühne noch von dem Nippcs-Tisch der französischen Damen verschwunden; die feine, durchaus nicht possenhafte Komik und der kecke, drollige Humor, in dem das Ganz- geschrieben ist, verleihen ihm bleibenden Werth und dauernde Wirkung, und die psychologische Wahrheit in Verbindung mit der sittlichen Tendenz lassen unS vergessen, daß die leichtgeschürzte Muse des AutorS über allerlei Schranken der Decmz zwanglos hmwegvoltigirt. ti _

Die Aufführung stellt hohe Anforderungen an die Schauspieler; Sardou ver­meidet fast absichtlich schwankartige Scenen und Situationen, zudem hat der Dialog durch die Ueberf tzunz etwas an Farbe verloren. Wmn gl-tchwohl gestern das Stück einen durchschlagenden Erfolg erzielte, so ist dies der beste Beweis dafür, daß die Mtt- wirkenden tm Stande wa.cn, diesen Anforderungen zu genügen.

Fräulein v. Jagemann bot in der Titelrolle eine vorzügliche Leistung, voll richtigen VcrständnisseS für die Intentionen des Dichters. Die Dame verstand eS, uns die verschiedenen Leidenschaften der leichtfertigen Französin, die sich nach zwei- tähriger Ehe zur Abwechselung und zur Heilung in ihren Gatten verliebt, mit einer wahrhaft frappanten NatürlichkeitvorzuUben". Die Rolle des Herrn von PrunelleS wurde durch Herrn Halm sehr gut wiedergegeben, besonders gut gelang ihm der trockene GeschällSwk tm 2 Akte, in dem der Baron seine Gatrm zum Scheine an seinen Vetter abgtbt. Sowghl Fmuletn v. Jagemann als Herr Halm spielten Diese Rollen zum ersten Male. Herr Herrmann (AdhLmar von Gratignan) brachte den dummdreisten, getäuschten Liebhaber zu köstlicher Wirkung Auch die übrigen Rollen waren gut besetzt; Herr Voigt (Oberkellner) vrftand cs wiederum, durch eine einzige Pantomime sich auf offener ©c<ne lauten Beifall zu errtnflin.

Ensemble unb Dialog waren geläufig und flott. Natürlich hat die Regie (H. Herrmann) keinen geringen Anthell am G ltngen des Ganzen; nur sei es rhr empfohlen, bet der demnächstigen W ederholu.ng tn der Besuchtzscene des 2 Actes etwas mehr die Et'quette beobachten zu lassen; es sind dies Klemigketten, aber man vermißt sie ungern in dem ©alon eines französischen Barons.

W?r woll.n nicht versäumen, auf die Freitag auf vielseitigen Wunsch stattsindende Wiederholung desProbepfeil aufmerksam zu machen. ______________

Leipzig, 28. October. Der HochverrathSproceß wegen des bei Einweihung des NieberwaldrDenkmalS von anarchistischer Seite geplanten, aber' Er.ngeuen Dynamit-Attentates wird, wie daSLeipziger Tageblatt vernimmt, °öer lichkeit nach in der ersten Hälfte des Monats December hier un großen LandgerichtS- faal zur Verhandlung gelangen. Die Anklage befindet sich gegenwärtig noch bei der Ober-Reichsanwaltschaft und es wird dieselbe demnächst an den ersten Strafsenat deS Reichsgerichts zur weiteren Entschließung gelangen; mit der Proceßverhanblung selbst wird sich alsdann der vereinigte zweite und dritte Strafsenat zu befassen haben. Un bestimmt soll noch sein, ob die zwei anderen Verbrechen, die den Angeklagten zur-Saft gelegt werden, die Dynamit-Attentate im Polizetgebäude zu Frankfurt t a..2». unb। tn "tnem Restaurant zu Elberfeld, gleichzeitig mit dem HockverrathSvroceß hier zur Ab- urthellung kommen oder ob sie nicht vielmehr an die betreffenden Laudgertchte, zu deren Eowpetenz sie wohl eigentlich gehören, verwiesen werden. Die sämmtlicken Angeklagten, 8 an Zahl, an ihrer Spitze der schon bei einem früheren Hochverrathsprocche mehrfach «. nannte Anarchist Reinssorf aus Begau, sind, wie schon erwähnt, im Laufe de. letzten Tage von Elberfeld in das hiesige GerichtsgefLngniß übergrführt worben. Dte Most'scheFreiheit" hat, dem citirtm Blatte zufolge, Andeutungen gebracht, daß gegen das Gerichtsgebäude in Elberfeld, tn welchem die Angeklagten gefangen saßen, irgend etwas unternommen werden solle und bei dem Vorhandensein zahlreicher Gewatt- tbätigkeit-n geneigter Elemente tn dem großen Bevölkerungscentrum von Elberfeld- Barmen und dem Umstande, daß daselbst Truppen nicht garnisoniren, hat man es wahrscheinlich für zweckmäßig befunden, dte Angeklagten schon letzt hierher zu trans-

flC tm Zimmer die zwei ersten Blätter getrieben hatte. Diese Kürbiffe Iossin sich ähn­lich benutzen wie Gurken unb Melonen. Samen von diesen Früchten was recht g r 011 ^^Äin^^b^OcE Ein- von denGastwirthvereinrn zu Darmstadt, Worms Gienen Mainz Offmbach, Bingen, Alzey und Bensheim vereinbarte P.ttt on an Me wette Kammer der Landstände m Darmstadt, welche die Abschaffung der Wein­steuer anstredt wird soeben in unserer Stadt in Cuculation gesetzt, um alöbann, wenn h»^nofb?aen Unk f4rtften ßpfammelt, den LandiagSmiigliedern unterbreitet zu werden.

b«6ff naabe Äen tii $enten bie Kammer: .Es möge wobt beleihen ge- ilnen bte IBubgetnoflton betr^fenb bte Wcinst-u-r, tn Zukunft tn Wegfall kommen iiaioffen " Sin ®eatünbung btefeS Getuebs wtrb tn ber Petition barouf hing-wics-n. haft emHbtae ®7eu« ntraenbimo 'n blefet Weise effllreFür ben Betrieb tbteS ffieUrbeS b'ifit e« weiter, .stub bie Wirthe bereit« besteuert, unb wenn man de- t-nnr, hn6 die WeMfteuer nid)t bie Wirthe, onbern bi- Contum-Nten träfe, iD Ob de?e man bafi b r ou ben Consum gelegte Druck ben Wi.th ebenfalls (diäblge, her fDItX«nbi Rückgang dieser Steuer beweise auch, wie sehr b.r (Sonfum dadurch bttintr-cktiat werde Dazu komme weiter, bafi bie Steuer nicht gte'chmSfiig bkrth-llt f knbetn fa ausschließlich aus einzelnen Gegenden ruhe. Ferner komme dazu daß »ich jeder Konsument, sondern gerade bte minderbegülerten Konsumenten, bie ihren Wein n kleineren Quantitäten entweber im WirthShause selbst o-rzehren oder oon eiuem Wirthe beziehen, Steuer bezahlen mOfiten, denn Der,enige, der seinen Wein in aräberen Quantitäten vom Produeenten oder W-inhändl-r bezöge, unterliege dieser Steuer nicht Das Ganze erscheine nicht allein als eine Besteuerung der Consumenten sondern als -ine wettere Besteuerung des WirthschastSdetrtebS, w-lcher ohnehin schon mit Steuern unb Lasten hinlänglich bedacht sei- Wenn man früher auf die HSHe der Steuern hingewiesen habe, die schwer zu etfefien sei, so werde dieser Einwurf so recht durch die stete Minderung des E'tragS dieser Steuer hinfällig. .. . M

d N Ludwigshafen, 27. October. Mber die bereits telegraphisch gemeldetrN Exc-ffe, welche gestern hier vorkamcn, liegt ein Bericht imPfälz. Cour, vor, dem wir Folgendesentnchm^^ VQn Ruhestörungen in Folge deS! Wahlkampfeshat die Be- Lörde aam außerordentliche VorsichtSmaßreoeln getroffen, denn

bunderr Mann M'litär, feldmäß'g ausgerüstet, einmarschirt. Die Bürgerschaft war allaemein überrascht, denn nur Wenige hatten von der bevorstehenden Besetzung Lud- wtgShafenS Kenntniß. Gestern Nachmittag unb Abmds herrschte hier ^roße Aufregung- Auf Nachmittaas 3 Uhr war eine socwldemokratische Versammlung tn das Gasthaus ßU den drei Mohren" etnberufen, zu der auch eine Masse Soctaldemokraten von au - wärts hierher kamen. Der Arbeiter - Candidat Dreesbach, welcher an Einer F ß- krankhett leidet, kam mit einigen andern Führern p^ Chaise hier ®on dner 0^6en Menschenmenge erwartet und von seinen zahlreichen Genoffen mit stürmischen Oval one emvfanaen. Da die Versammlung, gleich den früheren, verboten war, fuhr DreeSbach lanafam nach Frtssmheim zu, natürlich gefolgt von seinen Anhängern, die ununter­brochen Hochrufe auf ihren Führer ertönen ließen. Da dte Absicht ausgesprochen war, nach Friesenheim zu gehen und eine dort stattsindende nattonalliberale Versammlung mit Gkwalt xu sprengen, wurde zur Verhütung von Ausschreitungen eine Compagnie Sold^ten^'nach unseres NachbargeLetnde abgrschickt. Dreesbach fuhr jedoch nurnach dem HemShofi uatfirte bie Slrbetterolevtel unb fuhr Über bie Gräfenau wied-r hierher Mnk kann nach Mannheim zurück. Vor den Localen, in denen daS Militär unter- gebracht ist, hatten sich bis zum Abend mehr oder minder große Menschenmassen an- gesammelt, doch bestanden dieselben hauptsächlich aus Neugierigen, besonders die Jugknd hatte ein starkes Contingent hierzu gestellt. Dte wemgen darunt» verstreuten Social bemotrgten torteiten bte Jungen unablässig <-uf. DreeSbach hochl-ben »u wss'u unb d'ese strengten bann auch Ihre Lungen nach Kräften an. Abends 9 Ubr legte sich o Haupispek?akel auf den Straßen, nur einzelne Gruppen durchzogen noch lange die Stadt und ließen ab unb zu Hochrufe auf Dreesbach erschallen. Leider kam eS gegen Mstter nacht zu bedauerlichen Ausschreitungen, so daß das Mtl tar gezwungen^war, für eintge Zett die Hauptstraße abzusperren und gegen die Sumltuontm e?

Ruhestörer meist junge, unreife Burschen, wurden verhaftet. Waffen aller Art, ^est r, Todtschläger, Leberriemen mit Bleikugeln, wurden bet den Buben vorgdunben. Ein Nicd'ldwebel des 17. Regiments erhielt eine Stichwunde in ben Oberschenkel. Zum Glück schwächte dte Geldtasche und ein Schlüssel die Wucht deS Stoßes ab. sonst wäre nach ärztlicher Aussage die Pulsader durchschnitten worden. Ferner ereignete sich der Unfall, daß beim Entladen der Gewehre ein Schuß losging unb einen Soldaten am

Kirchliche Anzeigen der Stadt Gießen.

Evangelische Gemeinde.

Gottesdienst.

Samstag, den 1. November.

Nachmittags 2 Uhr: Beichte, Pfarrer Dingeldey.

21. Sonntag nach Trinitatis, 2. November. Neformationsfest.

Vormittags 9/2 Uhr: Professor Dr. Gottschick.

Feier deS heiligen Abendmahls.

Mitwirkung des Kirchengesangvereins.

Nachmittags 5 Uhr: Pfarrer Dr. Naumann.

Nach beiden Gottesdiensten Kollekte für die Gustav-Adolss-Sttstung.

Montag, den 3. November, Abends 8 Uhr, Bibel stunde in der Kleinkinder­schule, Apostelaesch. Kap. 15, Pfarrer Dr. Naumann.

Die am vorigen Sonntag erhobene Kirchenkollekte für die Gemeinde Burkhards- selden e ^511 e in der Woche vom 2. bis 8. November besorgt

Pfarrer Schlosser.

Katholische Gemeinde.

Fest Allerheiligen.

(Samstag den 1. November.)

Von 7 Uhr an: Beichte. Um 8 Uhr: Frühmesse und Austheilung der bl. Comwi'- nion. VzlO Ubr: Hochamt und Festpredigt. 2 Uhr: Die vom heiligen Vater vorge- sch^^^st.^Vonchheute ab wird den ganzen Winter hindurch die sonn- und festtägliche Frühmesse um 8 Nhr gehalten.

22. Sonntag nach Pfingsten.

Von 7 Uhr an: Beichte. 8 Uhr: Frühmesse und Austheilung der bl. Commu- nion. SW Ubr: Hochamt und Predigt. 2 Uhr: Schluß der vom h. Vater vorge-

P°rtirl8aben*Sabcn, 29. October. In der stattgehabten Ziehung 2. Claffe I. Lotterte ber Grotzh. Kretshauptstadt Baden-Baden wurden folgende Nummern mit ben Nc. 6339 2000 X, Nr. 28850 1000

mr 95308 30092 unb 47345 je 500 JL, Nr. 40698, 44149, 60701, 32954 und 60880 J1Ä ^ 21289, 11927/69075, 27794, 76366,'75140, 80204, 35493, 72108 und 25607 je 100 JL

Montag den 3. November.

Von 7 Uhr an Beichte und um 8 Uhr ein Todtenamt für alle Abgestorbenen.

Gottesdienst in der Synagoge.

Freitag Abend 43o Uhr, Samstag Morgen 8^ Uhr, Samstag Mittag 3 Uhr,

Montag den 3. November,

Vormittags 11 Uhr, soll auf dem städtischen Bauburcau ein zu 230 veranschlagtes Loos

Steinfrrhrlohrr

wiederholt versteigert werden.

Gießen, den 31. Oktober 1884.

Großherzogl. Bürgermeisterei Gießen.

A. Bramm. 7213

Allgemeiner Anzeiger. Photographische Anstalt von Gustav Backofeu

Berlin, Giessen.

Dom 1.12. November bin ich persönlich zu

Aufnahmen hier. Hochachtend

7208_______________Gustav BackofeK.

Elccir. llaus-. llotel- (Mielleuaulageii

etc« etc. 5373

übernimmt unter Garantie unb mäßigen Preisen Carl Heyer*

Monlag den 24 November,

Vormittags 11 Uhr, soll auf dahiesigem Ortsgericht die Hof- raithe der Fritz Fürst Wwe.

Flur 1/63 250 Meter Hofraithe m der Neustadt, , .

1/64 350 Meter Grabgarten das-

1/65 294 Meter Hofratthe das.,

1 66 337 Meter Grabgarten daf meistbietend versteigert werden.

Gießen, den 18. October 1884.

Großberzogliches Ortsgencht.

6^6____Müller.__,

Specialität in

rohen tmi> gebrannten

.Kaffees, reinschmeckende Waare in jeder Preislage empfiehlt _ 67G4<

Chr. Breker.