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können zwei kräftige Arbeiter, nach der größeren oder geringeren Lockerheit des Bodens em Loch von 2 Meter Tiefe m 10 Minuten bis 1 Stunde bohren. Schwächere Wurzeln schneidet der Bohrer ab und kleinere Steine arbeiten sich zwischen den beiden Flügeln seines obersten Gewindes durch. Der hölzerne Griff ist verstellbar. Die Wandungen der Erdlöcher bleiben ^bei dessen Anwendung porös und die eingegossene Flüssigkeit dringt relativ schnell ein. Die Schneiden des obersten Gewindes bedürfen ad und zu bei anhaltendem Gebrauche einer Schärfung. Um das Einfällen der Ränder zu verhüten und um die einmal gebohrten Löcher behufs häufigeren Gebrauches offen zu erhalten, werden durchlöcherte Thonröhren eingesetzt. Die Löcher werden, um die Wurzelspitzen möglichst zu erreichen, senkrecht unter den äußersten Zweigen der Bäume und in einer der Stärke der Baumkrone entsprechenden Zahl gebohrt; über Winter kann man sie mit Dachziegeln oder Rasenstücken zudecken, um das Eindringen der Kälte zu verhindern. Sie während des Sommers offen zu halten ist sehr zweckmäßig: Es wird dadurch eine Luftdrainage des Bodens bewirkt, welche die Auflösung mineralischer Nährstoffe im Boden durch den Einfluß der Luft befördert, ein Umstand, der zumal für schwere thönige Böden, hiermit der Beachtung empfohlen sein möge. Der Erdbohrer leistet aber noch weitere Dienste. Abgesehen davon, daß man bet Verwendung desselben ältere Bäume, welche im «Landboden von der Trockenheit leiden, bequem unter Garantie nachhaltiger Wirkung gießen kann, können mittels desselben häufig auch un- durchlassende und unfruchtbare E dschichten durchbrochen werden.
Bohlkens Patenterdbohrer können von Herbertz, Maschinengeschäft in Köln a. Rh. (Klingelpützh und von Holsinger, Maschinengeschäst in St. Avold (Lothiingen) bezogen werden. Von letzterer Firma bezogen kosten dieselben etwa 15 JL bei einer Bohrweite von 10 Ctm., ca. 20 M. bei einer solchen von 15 Ctm. und werden für größere Bohrweiten entsprechend höhere Preise berechnet.
Kassel, 22. April. Der Herr Candidat oder man kann nicht vorsichtig genug sein! — Es war in der Bellevue, vor kurzer Zeit an einem Dienstag, als ein junger Herr einen um eine Reihe von Jahrm älteren Herrn mit der Frage anredete: „Könnten Sie mir angeben, auf welche Weise ich in das Cafe Wulp gelange?" „Gewiß", entgegnete der Gefragte, „und da ich gerade im Begriffe b n, ebenfalls meine Schritte dorthin zu lenken, fo ist es Ihnen vielleicht recht, wenn wir zusammengehen." Dieser Vorschlag wurde natürlich mit Vergnügen angenommen und :m Gespräche über dieses und jenes erreichten die beiden Wanderer das erstrebte Local. Bet einem Glase Bier wmde der Jüngere bald recht offenherzig und erzählte dem älteren Herrn, baß er morgen hier in das Examen steigen müsse. Das sei eine ganz vermaledeite Geschichte. Bei dieser Beichte schränkte der Candidat seine ihn durchziehenden Gefühle durchaus nicht mehr ein, im Gegentheil, er übte eine förmliche vernichtende Kritik über die Art, wie man hier prüfe, ging bis in das Detml mit seinen glüheirden Schildelungen, unterzog besonders die Exa । inatoren einer sehr eingehenden Würdigung und sparte ganz insbesondere bei diesem Abschnitte seiner Abhandlung weder Worte noch kräftige Farbe. Der ältere Herr hörte ruhig und gelassen zu. Endlich erhoben sich Beide und als man sich vor der Thüre verabschiedete, wünschte der ältere Herr dem jüngeren zu dem bevorstehenden Examen viel Glück und sagte zum Schluffe so leichthin: „Also auf^Wieder- sehen, morgen früh!" — „Auf Wiedersehen? Wie verstehe ich das, steigen Sie denn etwa auch in das Examen?" — „Das nicht gerade, aber ich werde morgen dort prüfen. Ich bin nämlich der Professor 3E. aus Marburg. Im Uebrigen gebe ich Ihnen noch den guten Rath, in Zukunst ihre Expectorationen mit mehr Vorsicht loszulassen. Ich empfehle mich Ihnen, Herr Candidat." — Der Herr Candida: empfahl sich nun auch, aber nicht nur dem Herrn Professor, sondern zügle ch allen Engeln und Heiligen. Am anderen Morgen trafen sich die beiden so zufällig bekannt gewordenen wieder, natürlich im Prüfungssaale. Der bewußte Candidat verließ diesen in anderer Stimmung, als er ihn betreten, er hatte glücklich bestanden. Der Herr Professor war großmüthig genug gewesen, ihm die großen Herzensergüsse nicht anzurechnen. — Und was das Beste und Schönste an dieser Erzählung ist, sie ist keine Ente, sondern hat sich in Wahrheit hier in Kassel vor wenigen Tagen zugetragen.
Köln, 26. April. Es war vorauszusehen, daß die Straßburger Tabak-Manu- factur in unserer Stadt kein Glück haben würde, obgleich die hier errichtete Filiale sich im Anfang eines sehr lebhasten -Zuspruches zu erfreuen hatte. Man will wissen, daß der Inhaber derselben im Anfang eine Tageseinnahme von durchschnittlich 150 gehabt habe. Doch wer den Kölner kennt, der ein großer Freund des Neuen ist, und wie tägliche Erfahrungen auch auf anderen Gebieten lehren, manchen neuen gelchäft- lichen Einrichtungen sich für kurze Zeit mit einer warmen Sympathie zuwendet, um ihnen dann wieder apathisch den Rücken zu kehren, wer, wie gesagt, diese Eigenschaften des Kölners kennt, der prophezeite der Straßburger Manufactur hier nur kurzen Bestand. Es sollte sich nur zu bald zeigen, daß diejenigen, welche also dachten, recht hatten, denn in dem anfangs so viel besuchten Verkaufslokale wurde es allgemach stiller und der Inhaber der im September 1880 gegründeten Filiale mußte die ihm keineswegs erfreuliche Erfahrung machen, daß seine Tageskasse einen immer kleinern Bestand zeigte, bis dieselbe im August 1881 nur noch wenige Mark aufzuweisen hatte. Zu Anfang dieses Monats sah derselbe sich gezwungen, die Debitstelle zu schließen und von hier fortzugehen, wie man uns rnittheilt, nicht ohne sehr erhebliche Einbuße an feinem Vermögen erlitten zu haben. Die erheblichen Restbestände an Erzeugnissen der Straßburger
Manufactur sollen für 8700 JL verkauft worden sein. Die Hanauer Ztg. behauptet der Inhaber der Filialen habe von seiner der Manufactur gestellten Caution in der Höhe von 10 000 JL noch 80 Pfennig zurückerhalten.
Fran kfurt a. O. Am vergangenen Freitag fand im Vereinslokal (Actien- brauerei) eine Sitzung des Vereins der Gast wirthe statt. Nach Erledigung derVereins- geschäfte hielt Herr Oswald Nier einen Vortrag über gegypste und ungegypste Weine als Erividerung auf einen in nor^eigegangener Sitzung gehaltenen Vortrag des Herrn Schultze. Nier fühlte u- A. aus: Was zunächst bte Behauptung betreffe, daß dec Genuß junger Weine schädlich fei, so müsse er dem entgegenhalten, daß es Weine gäbe die jung getrunken sein wollen, weil sie im natürlichen Zustande ein Alter nicht vertrügen. Factisch werden vorwiegend junge Weine in Nordsrank,eich und der Schweiz getrunken und weiß man daselbst nichts von der Schädlichkeit des Getränks. Was aber das Gypseu der Weine angehe, so sei die Ansicht, daß dasselbe der Gesundheit unzuträglich sei, keine Erfindung von ihm. In Frankreich sei zunächst aus Veranlassung des Krlegsmin'.steriums dem Gypsen der Weine Aufmerksamkeit geschenkt und seitens des Gesundheitsamtes das Gypsen für gesundheitswidrig erklärt worden. Der Vortragende verlas die beireffenden Gutachten und Erlasse. Von Seiten des Justiz- Ministeriums sei daraus em E laß ergangen, welcher anordnete, daß ein Liter West nicht mehr wie zwei Gramm Gyps enthalten dürfe. Der erwähnte Erlaß ist freilich nicht in Kraft getreten, warum? Weil sich ein erheblicher Widerstand unter den Wein- Händlern dagegen geltend machte. Das Gypsen ist nämlich in ganz Frankreich eilige- bürge, t und die Durchführung des Verbots würde eine Revolution ,n der Geschäftswelt hervorgerufen haben. Alle füdfranzösischen Weine, welche auch massenhaft nach Boi deaux verkauft werden, werden gegypst. Unter diesen Umßänden wäre es wider die Geschäfts- Interessen der Weinproducenten gewesen, die erwähnte Bestimmung aufrecht zu erhalten. Nichtsdestoweniger ist erwiesen, daß man das Gypsen für ein der Gesundheit nicht zuträgliches Verfahren hält. Wenn er als Geschäftsmann diesen Umstand benutze und geschäftlich ausbeute, so sei dies s in Recht. Er führe eben nur ungegypste Weine. Daß er Angriffe zu erfahren habe, sei ja selbstoerstäudlich, man habe aber ihn eines unredlichen Veifahr-ns niemals zu überführen vermocht. Auf die Angriffe von Danzig ans, daß ferne Weine untern seien, habe er den gerichtlichen Chemiker Dr. Bischof in Berlin m seine Kellere en geführt und die Weine untersuchen lassen, das Gutachten des Chemikers bekundete die Unverfälschtheit der Weine. Neueidmgs habe man vorgebracht, Dr. Bischof habe damals reine Weine vor Augen gestellt gehabt, heute möge es mit den Weinen wohl anders beschaffen fein. Er habe sofort Herrn Dr. Bischof seine Kellereien wieder geöffnet, am 13. d. Mts., und sein Gutachten, das er (der Vortragende) zuerst hier bekannt wache, sei wiederum ein nur günstiges. Die Weine der Nier'schen Kellereien sind und bleiben unverfälscht. Der Vortragende erging sich dann über die Etiquetttn der Weine, man finde alle möglichen Chateaus La fitte sogar. Aber Rothschild, der Pioducent dieses Weines, erzeuge kaum so viel, um die großen Höfe verso, gen zu können Südfranzösische Weine wüiden nach Nordfrankreich gebracht, pasteurisirt (auf eine Temperatur von 60—70 Grad erhitzt) und bann versandt als ältere Bordeaux Weine Nheumat smus sei vornehmlich in Deutschland zu Hause, von Nier'schem Weine könne dies nicht herrühren, denn er sei erst in den 70cr Jahren nach Deutschland gekommen. Wenn der französische Wein was dazu gethan, so doch nur der flaschenreife, den man bis jetzt getrunken- Es knüpfte sich an den Vortrag eine kurze Discussion Ein anwesender Gast, eingeführt durch Herrn Maertens, erwiderte zunächst Herrn Schultze, welcher hervorgehoben, daß auch am Rhein die Weine gegypst würben, daß er darin im Jnthum sei, bie Rh-inweine würden nicht gegypst, Herrn Nier's letzte Anführungen hielt er für doch zu weit gehend, es könne auf die respektablen Bordeauxer Weinhändler der Makel nicht geworfen werden, daß sie pafteurifirte Süd- französische Weine als Bordeaux-Weine verkaufen. Herr Nier antwortete, daß er seine Behauptungen insofern durchaus aufrecht erhalten müsse, als wenigstens die Mehrzahl der Händler allerdings so verfahre. Nachdem Herr Nier noch eine Personenfrage erörtert und Herr Schultze m-tgetheilt, daß er in nächster Sitzung auf den Vortrag in einer schriftlichen Auslassung antworten werde, wurde die Sitzung geschlossen.
— Den Taubenliebhabern empfehlen wir zur Fütterung ihrer Tauben die Boynen- wicke, auch Feld- oder Saubohne (Vicia faba) genannt. Dieselbe wurde durch bett Director Lenzen dem Vereine „Brieftaube" zur Einführung angeprieseii, da sie nicht allein durch >hren Nahrungswerth, sondern auch durch ihre Billigkeit die anberen beliebten Futtersorten überträfe. Schreiber dieses hat seit jener Zeit fast ausschlleßliih die Saubohne als Laubenfutter oerwerthet und er kann dcm Urtheile des berühmten Taubenkenners nur beistimmen und das umsomehr, als die Bohnen sich auch als Atzungsfutter vorzüglich bewährt haben. Es versteht sich, daß nur gute Früchte verwendet werden müssen.
— (Avis für die Herren Sckankwirthe!) Mit dem 1. Januar 1884 treten nach dem Reichsgesetz vom 20 Juli 1881 wichtige Acnderungen in Bezug auf die Schankgefäße in Kraft und sind dann nach § 1 nur solche Schankgefäße zulässig, deren Soll- rnhalt einem Liter ober einer Maßgröße entspricht, welche vom Liter auswärts burch Stufen von 12 Liter, vom Liter abwärts burch Stufen von Zehntheilen des Liters gebildet. Außerdem sind zugelassen Gefäße, bereit Sollinbalt V» Liter beträgt. Es empfiehlt sich für die Herren Schankwirthe bei Neuanschaffungen schon jetzt auf vorstehende Einführung Rücksicht zu nehmen, da die seither allgemein iin Gebrauch befindlichen 3/e Liter-Gläser in Wegfall kommen müssen.
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