Ausgabe 
28.5.1882 Drittes Blatt
 
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zu Lande wahrlich von jeder Sentimentalität absieht. Die Züchtigung mit der sogen, neunschwänzigen Katze (cat-o'-nine-tails) wird mit Recht als eine der sürchterlichsten körperlichen Strafen angesehen, sie zerfleischt den Rücken des Unglücklichen, der von ihr betroffen wird und schon unter dem ersten Hieb windet sich der Getroffene unter den unsäglichsten Schmerzen, welche durch die weiteren Streiche geradezu in das Un­erträgliche gesteigert werden. Das Weinen, Wehklagen und Jammern der Opfer steigert sich allmälig mit pbem weiter aus seinen blutigen Rücken niedersallenden Hieb zu einem wahren Wulhgeheul. Allmälig schwinden bic Kräfte unb an Stelle bcr markerschütternben die einsame unb schauerliche Sülle bes New-Gate-Gesängnisses durchdringenden Ruse um Gnade tritt ein unartikuliites Stöhnen, bcr Vorbote bcr dalbig folgenden Bewußt­losigkeit bes unbarmherzig Getroff nen. Auch im vorliegenden Falle würbe von diesem Strasmiltel Gebrauch gemacht. Fünf Jahre Strafknechischaft und zwanzig Streiche mit der neunschwänz gen Katze, lautete bas auf Grunb bes Schulbspruchs bet Ge­schworenen ergehende Strasuriheil. Beim Auhören erbleichte der Verurtheiltc, welcher bisher säst Gleichgültigkeit an den Tag gelegt halte und zitterte an allen Gliedern. O Mvlord wendet er sich mit erhobenen Händen zum Richter Gnade, Gnade! Die fünf Jahre will ich gern abbüßen, aber verschonen Sie mich mit der Katze. Richter: Ihr Raubanfall war ein zu frecher. Angeklagter : O Mylord Gnade, ich will mich bessern, nur nicht die Katze, die furchtbare Katze. Rechter: Das Urtheil ist ge­sprochen, man führe den Angeklagten ab. Angeklagter (sich an die Schranke der Anklagebank anklammernd): O Mylord, sperren Sie mich ein, so lange wie Ste wollen, aber nur tueses Mal, nur noch ein einziges Mal nicht die surchbare Katze. Mitleid, Gnade, Sw. R chter: sie verdienen solche nicht. Jetzt ists genug! Die Gerichtsdicner haben sich unterdeß des Angeklagten bemächtigt und gelingt es ihnen, den Tobenden und um sich in Verzweiflung Schlagenden aus derDock" der Treppe hinab in seine Zelle zu schleppen oder vielmehr zu schleifen. Die Furcht vor derKatz." hat ihm Riesenkräfte verliehen unb noch lange hörte man aus bem nnterirbischen Äorribor seinen Wehms erschallen: O Mylorb, Gnabe, nur bicses Mal nicht dieKatze"! Dem Mann wird die Raublust wohl für immer vergangen sein.

Aus dem Regierungsbezirk Erfurt, 20. Mai. Im Kreise Schleusingen ist vom Landrath veröffenllicht worden, daß die Beleuchtung aller zu öffentlichen Tanz­belustigungen, Concerten, Schaustellungen und dergl. benutzten Säle durch Petroleum nicht mehr stattzustnden hat. Dieselbe hat durch Kerzen, Rüb- oder Solaröl zu ge­schehen. Kronleuchter und Hängelampen dürfen nur in solchen Sälen gebrannt werden,

di- mindestens drei Meter hoch sind, zur Beleuchtung der niedrigen Tanz- u. f w. Locale sind Wandlichter oder Lampen anzubrmgen. Die Nichtbefolgung der Verordnung wird mit Geldstrafe bis zu 30 JC oder entsprechender Hast geahndet.

- Hurrah, vier Könige! t-legraphirt- bekanntlich unser Kaiser. Hiermit meinte er sich, Wilhelm I., dann seinen Sohn Friedrich Wilhelm V. (als Kaiser Friedrich Wilhelm I.); seinen Enkel, der als Kaiser unb König Wilhelm II. heißen dürfte: und endlich seinen Urenkel, der sehr wahrscheinlich da der Vorname Friedrich seit Friedrich dem Großen für die preußischen Thronfolger nicht mehr gebräuchlich als Preußens König Friedrich Wilhelm VI. und als deutscher Kaiser Friedrich Wil­helm II. genannt werden wird. Für die stüheren preußischen Könige gibt's, schreibt dasBerl. Tagebl." einen originellen Merkspruch, den ein patriotischer Schulmeister einmal in Knittelverse gebracht hat:

Der erste der heißt Friederich, Der zweite Friedrich Wilhelm, Dann kommt der große Friederich, Dann wieder Friedrich Wilhelm. Setz' zweimal Friedrich Wilhelm dran. Kommst Du bei Kaiser Wilhelm an.

sLändlich, sittlich.j Als die Kaiserin Maria Theresia die Blattern bekam, wurde eine Tyroler Deputatwn an Ne abgeschicki, um ihr das Beileid der Tyroler aus. zudrücken. Der Anführer der Deputation ergriff das Wort unb sprach:Ja, wie geht's Dir benn, Theres?" -Ach," seufzte bie Kaiserin,es geht wohl besser, aber mein Gesicht!" Dabct bebcckte sie schluchzenb bas von ben Blattern entstellte Gesicht mit bem Taschentuch.Ach was, G'sicht", tröstete sie ber Tyroler,i pfeif' Dir auf Dein G'sicht, wenn Du nur sonst g'sunb bist!"

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