r. W Zweites Bkti
Gießener Anzeiger (Aeneral-Anzelger für (dderhessen)23./24. Januar W43
Aus der Stadt Gießen.
Die Hochzeitskutsche.
Vor dem Standesamt steht eine Pferdedroschke tie Kränzchen an den Wagenfenstern, die bunten tchleisen am Lederzeug der Pferde, der glänzende Mlinber des Kutschers, alles das läßt keinen Zwei. H, daß hier ein glückliches Paar den Bund fürs leben schließt. 3n früheren Jahrzehnten war die Hochzeitskutsche bei uns aang und gäbe. Vor etwa t) Jahren schien sie das Zeitliche segnen zu wollen. Jic elegante Limousine trat an ihre Stelle, arm md reich schrie damals nach dem Auto Gerade peil das Autofahren noch nicht so etwas Alltägliches par, wollte man an diesem gewichtigen Tage nicht tarauf verzichten.
Bald nach Kriegsbeginn feierte die Pferdekutsche eher allgemein fröhliche Urständ, zuerst die Bauern- titschen auf dem Lande, dann auch die Kutschen in ler Stadt. Und alsbald setzte die große Nachfrage fn nach Kutschen für alle möglichen Fahrten, vor Ilern aber nach „Hochzeitskutschen". Zur Zeit der elerta^e häufen sich die Trauungen. Vor allem ib es letzt Urlauber, die sich mit ihren Bräuten zum tandesamt fahren lassen. Früher gab es wohl be- nders bevorzugte .Hochzeitstage", heute aber ver- ilen sich die Trauungen über alle Wochentage.
Vielfach muß sich die Trauung nach dem Urlaub >s Bräutigams richten, und da lassen sich Tag und stunde oft gar nicht lange vorher festlegen.
Auch die großen Ansprüche, die in früheren Zeiten i die „Hochzeitskutsche" gestellt wurden, sind heute <rftummt Häufig erschien damals die Schwieger« utter persönlich beim Fuhrunternehmer, um die ochzeitskutsche auszusuchen. Neben Braut und chwiegermutter spielte manchmal auch der Aber- aube eine Rolle. Für eine schwarzgelockte Braut :men nur Schimmel in Frage; einer blonden raut konnten nur Rappen das Glück der Ehe Hern. Die Fahrt der Hochzeitskutsche muhte glatt mftatten gehen. Wehe dem Brautpaat (und dem men Brautkutscher), wenn das Gespann in eine ^rkehrsstockung hineingeriet oder gar umkehren ußte. Wenden auf der Fahrt zum Standesamt deutete allemal einen molkenverhangenen Ehe« mmel. Der Hochzeitskutscher durfte sich auch aus r Fahrt nicht umsehen: er durfte nicht mit der .ätsche knallen, nicht singen, pfeifen oder sprechen. ' fünften würde die junge Ehe von wirtschaftlichen argen bedroht sein.
Nach solchen Albernheiten fragt heute niemand -hr. W«rt wird ober nach wie vor auf eine blitz« anke Hochzeitskutsche, meistens and) auf bunte chleifen an Pferd und Wagen, auf den Zylinder ib — größte Pünktlichkeit des Brautkutschers ge« ttf. Was aber ein richtiger Hochzeitskutscher ist, r den ist die Erfüllung dieser Wünsche Selbstver« Endlichkeit. Denn auf der Fahrt ins Glück soll es i nen Aerger geben.
Zur Aap'erkeit vor Üem Heinöe.
Der Gefreite Ewald Well aus Lang«Göns »irde für Tapferkeit vor dem Feinde mit dem ^fernen Kreuz 2. Klasie ausgezeichnet.
Hermann Eris Buffe im Gießener DortragSring.
Der gestrige Dichterabend, den die im Gieße- n rDortragsring zusammengeschlossenen Kul« Mrgemeinschaften in der Aula veranstalteten, war Im Schaffen des alemannischen Erzählers Hermann r-iis Buffe gewidmet. Er begann, langsam, mit üirlicher Artikulation und unüberhörbar oberrheini- •Jfter Sprachmelodie vortragend, mit einer noch nicht in Buchform vorliegenden, zeitnahen Erzählung Unsterbliche Stimme7'. Der Schauplatz ist ein un« reit der Front gelegenes Feldlazarett: eine junge kchwester, ein Arzt und eine kleine Anzahl Der« tinbeter sind die Gestalten, die nid)t so sehr „Han- binb" im ursprünglich epischen Sinne, vielmehr als Vt locker zueinander tn Beziehung gesetzten Trager bir Empfindungen. Betrachtungen und Stimmungen nährend der stillen Abend- und Nachtstunden ein« gjführt sind. Die bewegenden Elemente der Ge« suchte sind die heilende, entspannende und verwan« bi'nbe Wirkung der Musik — etwa der „Kleinen Mtmufif" Mozarts und der schönsten Lieder von sichard Strauß — auf die Gemüter der verwunde« in Soldaten, und das merkwürdige Erlebnis eines urter ihnen, der Sänger ist und hier beim Ab« [pelen einer Gesangsplatte unerwartet feiner etge« Gn Stimme begegnet, der unsterblichen stimme tn leren seelenhaft immateriellem Wesen er fortleben oirbe, wenn er, wie er ohne Grund furchtet, Die Bmnunbung nicht überfteben sollte.
Mir hörten danach ein Kapitel aus Busses sieben« Higer Saga vom Oberrhein „Der ®[bgeift , auf Iren merkwürdige kompositionelle Beschafienb-eit dr Autor zu Beginn hinwies. Der Crbgeift Po« ptLius Meyer von Hohenkrähen ist als em ober« klinischer Verwandter des schlesischen Niwezahl «eracht, ein auf der Panflöte blasendes, beidnisches Jblbmefen. Sein Gespräch mit dem Professor der N'turwisfenschaften Theophrast Schonhut handelt cn der häuslich-ehelicken Verstimmung des Pro« e'ors, der „auf der Flucht" eine Reise kreuz und n?r durch das Reich antritt und dabei unversehens ir e neue Zeit und eine neue Welt entdeckt Man mßte wobl, um diesen wunderlichen Disput über hrs neue Jahrtausend gezi-mend zu würdigen, das itontoftifA reflektierende Sefprachsknp tel in einem älteren 3n'nmmcnf)''nne entminest bekommen oder n eigener Lektüre auf sich wirken lallen.
Bana* las fiermann CEria Bufie eine betre Imannifche ffr’äf)(una „Die dritte Arau in diefer ■i lerlichen Kcheünenaefchichte nam ^errhem wo te ir behaqüd) oi gfninnenber, der fmmor. der sich, leirfit wundartlich aetdnt und -»bt. dem finrer ohne Umschweife >"itW t — r|d)iub der Lcsimq machte em Snrud)aebirht $eul - Die d-'ucher »«"“^Vh^riot
TDo*<,nmflrfinr*He
-Gießen.23 Jan. Auf dem heutigen Wochen 'Ttt kosteten: Markenbutter. % anrtnffefn" Htte 30 N"f Käse, das S^uck 9 bis 10, ,-/2r ’in' kr/ 52, Wirsing, A kg 8 bis 12 6möben5 irtfrauf 10 gelbe Rüb-n 8 bis 10. rote Bubenv • 8 Unt-rkoblrabi 8. Grünkohl 8 b,« 10 fl ieb i Schmar'wurzeln 35. L"i.ch 20. Feldsalat, /,» 7, lerkohlrabi. das Stuck 10 Rpf.
Verdunke'unostett:
23. Januar von 17.50 bis 7.47 Uhr.
24. Januar von 17.52 bis 7.46 Uhr.
Dis Sprechstunden her D e u t i » - b e i t s f r o n t sind neu festgesetzt worden. Bähe« k In der heutigen Anzeige.
Der Preisstop beim Mietpreis
Die oberhessische Tierzucht im Kriege
Von LandwirtschastSrat Dr. E. Wagner, Leiter dcS Tierzuchtamte« Gießen.
Aiesicner Fußball.
1900 — Hübingen.
Die Blau-Weißen empfangen morgen auf eige« nein Gelände die «Portgemeinde Büdingen zum fälligen Rückspiel. Gemessen an dem Resultat, das die Luftwaffe am vergangenen Sonntag heraus- holte, darf man wohl annehmen, daß es den Platz besitzern ebenfalls müglld) sein wird, zu einem vollen Erfolg zu kommen. Wohl stehen Kraft 1, Herrmann und Deeg diesmal nicht zur Verfügung, mit Ammonn, Wimmler, Earstenv, Drösch, Schuck, Färg, Feustel, Koch, Bolten, Odert, Ludolph und, falls die Spielerlaubniv noch rechtzeitig eintrifft, mit llvestkämper (Düsseldorf 99) ist aber immer noch eine gute Vertretung vorhanden.
einen anderen gegen Entgelt dafür gewonnen haben, an ihrer Stelle den Dienst ohne Genehmigung des Werk-, Betriebs- oder Lanblustfchutzleiters abzuleisten. Der Reichsjustizminister hat in einem Erlaß zur red)tlld)cii Behandlung solcher Falle Stellung genommen. Er weist daraus hin, baß her Be- reitschaitsbienst ein Teil be» Lustschutzdienstes ist und die Heranziehung zum Luftsch»mdienst zur gewissenhaften Ersiillung aller Dienstobliegenheiten verpflichtet. Eine Vertretung für die einzelne Dienstleistung bei tatsächlicher Verhinderung ist nur im Einverständnis mit dem Werk-, Betriebs- oder Landlustschutzleiter zulässig Eine sd)uldhajte Verletzung der Dienstpflicht ist nach dem Lustschutz- gesetz strn bar. Der Minister fügt hinzu, daß planmäßige Drückebergerei eines Luftschutzdienstpflichtigen, der kraft seiner Stellung 'Vorbild sein müsse, ein schwerer Fall sei und von der Strafrechtspflege demgemäß behandelt werden müsse.
*• Ein Siebzigjähriger. Am kommenden Montag, *?r> Januar, kann der Reichsbahn-Lade- schasfner 1. R. Ludwig Fung, Am Schlangenzahl 9 wohnhaft, in körperlicher und geistiger Frisd)e seinen 70. Geburtstag begehen. Dem Jubilar, der 44 Fahre lang lin Dienste der Reichsbahn gestanden bat, gilt auch unser herzlicher Glückwunsä).
Die 21 u 6 g a b e von Zwiebeln beginnt, wie da» Ernährungvamt heute befanntglbt, mit so- (artiger Wirkung. Es werden je Person 300 Gramm verteilt.
weigert, so setzt die Preisbebörde von fld) aus durch Bescheid den Mietpreis aus dem Boden des gegenwärtigen Rechts sest. In allen Fällen werden jedoch keinerlei Entscheidungen kurzerhand vom grünen Tisch aus getroffen, sondern die jeweilige Sachlage wird burd) einen Sachverständigen, der seit langen Jahren in Gießen wohnt und wirkt und mit Den hiesigen Verhältnissen genau vertraut ist, grünMId) überprüft. Gestützt auf das Gutachten dieses Sack) verständigen erfolgt dann die Entscheidung der Preivbehärde.
Bel den bisherigen Nachprüfungen von Wohnungsmieten hat die Preisbehärde in zahlreichen Fällen überhöhte Mieten feststellen müssen, die auf den Normalstand zurückgesüyrt wurden. Die lieber Höhung war zum Teil dadurch entstanden, daß dis neuen Mieter den Hausbesitzern einen höheren Mietbetrag» freiwillig von sich aus geboten hatten, um die begehrte Wohnung zu bekommen: zum andern mar der erhöhte Mietpreis auf mangelnde Kenntnis der gesetzlichen Bestimmungen zurückzusuhren Sog. Gefälligkeitsmieten, d. h. außerordentlich verbilligte Mietpreise (wie vorerwähnt als Beispiel angeführt), sind bisher, allerdings nur in wenigen Fällen, von der Preisbehärde in Gießen dem Normalstand angeglichen worden. Ans Villigkeitsgründen, die In der ganzen Sachlage Ihre Rechtfertigung fanden, mußten bei verschiedenen 0 infamilienhänsern oder Geichästv- räumen, die in der Zelt her Wirtschaftskrise vor 1933 aus zwangsläufigen Gründen gegen dos berechtigte wirtschaftliche Interesse des olgeulümer» erheblich unter dem Nonnalwert vermietet morden waren, entsprechende Erhöhungen der Miete auf den Normalsatz, d. h. aus die nesetzliche Miete genehmigt werden. In zahlreichen Fällen wurden Verbessernn- gen In den Wohnungen bzw. in den Häusern, z B. durch Neueinrichtung eines Bades, Ersatz der Gasbeleuchtung hurd) elektrische Anlagen, Einrichtung von automatischen Treppenbauobeleuchtimgen u. hgl., auf Antrag in gerechter Welse bei der Neufestsetzung be« Mietpreise» berücksichtigt. Grundsätzlich läßt fld) die Preisbehörde Im Rahmen der vom Nelchskom- mlffar für die Preisbildung erteilten Anweisungen non dem Gesichtspunkt leiten, daß auch in der Zeit des Prelsstona der Gesichtspunkt her Gerechtigkeit gegenüber allen Volksgenossen gilt, nach dem her Hausbesitzer sowohl als auch der Mieter In aebüh« renbei WiIfe w seinem Recht kommen "'"ü und Um Meier Zielsetzung zur Zufriedenheit beider Teile möglichst nabe zu kommen, sind Hausbesitzer unh Mieter zur Auvkunfterleilung gegenüber der Breis- behände nicht nur berechtigt, sondern aus Grlmd der sog. Auskunftsverordnung aud) ausdrücklich ver- ’^ain^befonbere» Kapitel stellt die Vermietung von möblierten flimmern bar. Hier läßt hie Prelsbehorhe durch Stichproben kontrollieren, ob her Mietpreis auf der bisherigen gerechtfertigten Höhe gehalten biw aus welchen Gründen er heraufaesetzt worden Ift Auch bei dieser Nachnrüfung wird In keiner Welse nad) Sdiema F verfahren, fonhern hie iemel* Haen Verhältnlsie werden unter sorgsamer Abwägung der Interessen unh Möglichkeiten beiher Teile non sachverständiger Seite a-nrüft Von her vom Vrelskommissar gebotenen Mäalichkelt, Ridstnresse für möbliert- flimmer zu erlassen, hat die Preis- behörhe In Gießen bisher keinen Gebrauch gemocht, weil sie den Beteiligten für den Abschluß Ihrer Vereinbarungen die Handlungsfreiheit nicht elnlchrönken will. Bei einigen besonders groben Pr-Isüberschrel- hingen ist ober nachdrücklich einbegriffen unh der Mletvrelo auf einen angemessenen Satz ^"rückgeführt worden 3m übrigen wird selbstverständlich hlt Vreisbildnng für möblierte flimmer von her Be- hörfee sorgsam Im Auge behalten, so daß wohl allein schon dadurch oll- Vorsorge a(»troffen ist. um Auswüchsen b»l her Mietprelsgeftaltung sofort entgegen- fr-ten zu können
7)"S flies der Preisbebörde hei ihrer Ueh-rmarfrnng beft-ht h"rln auf hem G?bse|e he« Wohnung. m-fen-1 f"e oll- Vetellfet-N annehmbare unh stohll» V-rhältniss- Z" oemöhrlelften. V-f oroh-n V-rst^ßen oenen b1* VreiSkfonv-rordnuna ist hie Prelshe^rhs h-funt, Drhmmn'-ftrafen im Ejnzelsnss^ bl« zu 1°00 V^ich^mork s-stzusehen Von her Festsehuna solcher r>rbnimo».ftrnfen muhte auch hl- Vreishehörhe h<»r ^♦«ht Gl-han schon mleherhnlt Gehrouch machen, ein Borgang, der anderen zur Warnung dienen mag. (k
Es bedarf keiner besonderen Betonung, daß auch । Me oberhessische Tierzucht im Kriege eine Umstellung aus öle nun einmal bedingten Erfordernisse vorneh« men mußte, die jedoch aus allen Gebiten, aus län« 1 jjere Sicht gesehen, reibungslos ohne wesentliche Störungen in der Betriebswirtschaft gemeistert wer- i den konnte. Die nationalsozialistische Agrargesetz- i gebung, insbesondere die Einführung der Marktordnung, der Erlaß des Reichstierzuchtgesetzes mit seinen Ausführungsverordnungen und die seit dem Jahre 1934 alljährlich durchgesührte (Erzeugung»- schlacht und damit die Umstellung der Vtehhaltun« gen auf wirtschaftseiyene Futtergrundlage waren die Voraussetzungen hierfür. Je stärker sich ein Be« tri* schon vor dem Kriege der nn Ernstfälle $u er« wartenden Lage angepaßt hatte, desto geringer waren die Störungen, die nun einmal mit jeder Umstellung zwangsläufig nerbunben sind. Dabei soll nicht verkannt werden, daß eine solche Umstellung sich in den hier vorhandenen klein« und mittelbäuer- liehen Betriebsverhältnisfen viel intensiver auswirken mußte als etwa in größeren Betrieben.
Dies traf insbesondere auf dem Gebiete der P f e r d e h a l t u n g u n d - z u ch t zu. Im allgemeinen sind im Gebiet des Tierzuchtamles Gießen etwa zu drei Fünftel das mittelsdfwere Kaltblutpferd auf rheinisch-belgischer Grundlage und zu zwei Fünftel das schwere Warmblutpferd auf Oldenburger Zuchtgrundlage vertreten. Dieses Zahlenverhältnis spie« gelt sich auch in der Ausstellung der ftaatlidyen Ge ftüts'hengfte wider. Im Jahre 1942 waren auf 24 staatlichen Deckstellen insgesamt 29 Kaltbluthengste und 18 Warmbluthengste ausgestellt.
Zu Beginn des Krieges, in schwächerem Maße aud) in den nachfolgenden Kriegsjahren, fanden stärkere Pferdeausyebungen statt, die gerade die klein- und mittelbäuerlichen Betriebe mit ihrer intensiven Maschinenbaltung besonders schwer trafen. Bis zur teilweisen Auffüllung des dringlichsten Bedarfes durch Nack)zucht, Hereinnahme von Beuie- erben und Gestellung von L^ihpferden seitens der Wehrmacht konnte jedoch die Durchführung her Be- stellungo- und Erntearbeiten auf dem Wege der Ge- meinschaftshilfe, Umstellung auf Ochsen- und Kuh- anfpannung und Einsatz der vielmals vorhandenen Genossenschaftsschlepper in allen Fällen sicher-gestellt werden.
Auf dem Gebiete der Rindviehzucht finden mir im Dienftbestrk des Tiemuchtamtes Gießen stark gemischte Verhältnisse. Im südlichen TM, also vorwiegend in der Nähe der Grohstudt Frankfurt am Main, herrscht Abmelkmlrtfd)aft vor. Es wird durch, meg schwarzbuntes Niederungsvieh gehalten. Der Wegfall der Kraftluttermittel, die Ersatzbesd)astung der benötigten weiblichen Tiere bei erhöhten Nutz, viebpreifen unh erschwert durch Maul- und Klauen« seuchengänge, stellten manchen Betriebsführer vor schwierige Probleme. Da jedoch das schwarzbunte Niederungsvieh anteilmäßig nur mit etwa 15 d. H. vertreten ist, während 75 v. H. dem HöhenIl-eckoieh. schlag unh io D X) dem roten Höhenviehschlga an gehören, fielen inagefamt gesehen diese Schmierig- mahl') traten Schwankungen gegenüber der Vorkriegszeit überhaupt nicht auf. Die fast lOOproz. abgeschlossene Um- stellung auf mirtschaftseigene Fütterung in den Hauptmehpichta»'Ototen Oberhcffenf, beckünsUat hurd) den günstigen Milchpreis für diese Gebiete, bewirkte bei dem dichten Netz der vorhandenen Molkereien eine restlose Erfassung und Ablieferung der Milch. Doch darüber hinaus hat unser Höhenvieh, insbe« sonder" die Höhrnfleckviehkud, als Dreizweckkuh <ie- gegenüber dem Niederungsvieh ihre Daseinsberechtigung gerade jetzt wieder im Kriege erneut unter Beweis gestellt. Abgesehen davon, daß die Milchtet t ti st u n o n her Höhenfleckvieihk'üde denen der Mederungskühe durchaus edendürtig sind war die gegebene Arbeitsleistung unserer Fleckviehtiere und bei der Fleckviehrasse die Fleisch- leistung eine besonders wertvolle Hilfe bei der Durchführung der Gefpannarbeiten und auf dem Gebiete der Fleifchverforgung für B"diirfnisse der Wehrmacht und her allgemeinen Bevölkerung. Bla auf eine Ausnahme im September 1939 konnten alle vorgefehenen Abfatzveranftaltungen trotz man- cher Schmierigkeiten durchge'ührt werden. Auch die Neueinführung von weiblichen fluchttier-Abfatzver- anftafhin'T'*n wurde während des Krieges mit gutem Erfolg ausgenommen. Darüber hinaus hat die ober- beffifche Tiermcht durch Lieferung von mehreren Hundert weiblichen flucht, und Nutztteren des henfleckvle'hlchlages mit dazu 6eiaetragen, die wie- hermbefledelnden Gebiete des Westens in ihrer Aufbauarbeit zu unterstützen. Weitere fluchttierirans- vorte von Höhenfleckvieh, und roten Höhenviebherd« buchtieren gingen in das Protektorat, nach dem Su- betengau und Mecklenburg sowie nach dem G-ne- ralgouvernement. Die Prüfung der Herdbuchtiere und hie Anlieferungskontrotte bei den Molkereien und Milchsammelstellen konnte durch Einstellung von Aushilfskräften in vollem Umgänge aufrechterhalten werden. Dasselbe trifft auch für die Durchführung von Herdbuchaufnahmen zu. An größeren Schauen wurde nur im September 1940 btt Stammbutten- schcm zu G''eßen v-ranstaltet, während die im S"v- tember 1939 zu Gießen vorgesehene Landestierschau und andere geplante größere Schauen wegen tech- nischer und personeller Sdiroierigfeiten ausfallen mutzten. Als teilweiser Ersah kamen Rinderstall« schauen und Prämiierung von Bullenn-'chmchtsamm- lungen mit gutem Erfolg zur Durchführung. Zur V-rbesseruna der Au'»ucht standen den Herdbuch« Züchtern auch während des Krieges die im Dienst« bezirk gelegenen Jungviehweiden Warthof d"i Grün« berg (75 Hektar), Tiergarten bei Hungen (55 Hektor) und Werninas (40 Hektir) zur Verfügung. Durchschnittlich konnten auf b'drn 3 W"iden des Landesverbandes der Rinderzüchter Hessen-Nassau allsährlich 120 Fohlen und 320 Rinder aufgenom« m-n werden. Ä , . ...
Auf dem Gebiete der Schweinezucht umfaßt der Dienstbezirk des Tierzuchtomtes Gießm ein geschlossenes fluchtgebiet des deutschen veredelten Land« schweines. Vorwiegend erfolgt die Haltung der fluch'fouen in feineren Herdbuchbeständen mit durchschnittlich 3 big 4 gehaltenen Tierm. Die (Er. m’ttfuna her °"iftung«er'>ebniffe konnte ebenfalls mährend d"s Krieges restlos durchgeführt werden. Die vorgesehenen fluchteber.Absatzveranstalt,moen fanden mH ein-r A"snahme (Sevternh-r«V?nt''ige. !nma 1939) restlos statt Neben der Nereitst-tt'ing der für die heimische Landestierzucht benötigten flucht-b-r erfolgten Lieferungen in die Aufbouaebiete h«-s Westens und Ostens. Dasselbe aist auch für die Lieferung von einigen hundert ro^’hOthen flucht- [äufeni unh tragenden Jungsauen. Damit Hat auch
Einer her wichtigsten Ausgabeposten für den Lebensunterhalt jeder Familie ist der Mietpreis der llvohnung. Daher ist e» ver- ständlich, daß bei dieser Ausgabe gerade jetzt Im Kriege eine scharfe Kontrolle der Preis bebörbe zur Verhinderung von unzulässigen Erhöhungen stattfindet. In Gießen wird diese Kontrolle von ver Preisbehörde bei der Stadtverwaltung ausgeübt.
Die Verordnung über den Preisstop bestimmt, daß eine höhere Wohnungomiete als am 30. November 1930, der als Stichtag festgesetzt wurde, nicht verlangt werden darf. In besonderen Fällen, z. B. nach Vornahme größerer baulicher Veränderungen ober erheblicher Verbesserungen in den Wohnungen, kann eine Erhöhung der Miete über den am vorgenannten Stichtag bestehenden Satz hinaus berechnet wer- den, wenn vorher die Preisvehorde ihre Zustimmung, d. h. die sog. Ausnahmegenehmigung zu dieser Mietpreiserhöhung gegeben hat. Ausnahmsweise wird eine höhere Mietsestsetzung aud) bann möglich sein, wenn ble Miete vor bem 3l). November 193(1 Infolge bejonberer Umstände von dem Hausbesitzer unter dem Normalwert festgesetzt worden mar, z. B. wenn Eltern einem ihrer verheirateten Kinder Im eigenen Hause gewissermaßen als Lebenshaltmigs- kostenzuschuß einen ungewöhnlich geringen Mietpreis berechneten, ober wenn Kinber Ihren alten Ettern aus den gleichen sozialen Erwägungen bei der Mietsestsetzung entgegenkamen (Gefälligkeitsmiete), derartige Ausnahmefätte aber durch Wegzug der hingen Leute ober burd) loh her alten Ettern in Fortfall gekommen und dann die Wohnungen In familienfrembe Hände Übergebungen sind. In allen solchen Fällen wird eine Mletprelserhobung auf den normalen Stand, b. h. auf die allgemeine Miet- höbe vorn 30. November 1930, aber nur als Ausnahme zugebilligt. Die Normalgrenze der Miete für sog. Altwohnungen ist im Stadtkreis Gießen her Mietpreis vom l.fluli 1914 zuzüglich 12 v. H. das ist die gesetzliche Miete. Bel Neubauwohnungen gilt her Mietvrels, der bei der ersten Vermietung nach Fertigstellung des Hauses gezahlt wurde.
Durch hie Anordnung vom 14. Februar 1942 über die Einführung der Meldepflicht bei der Reimer- mletung von Wohnungen im Stadtkreis Gießen hat die Preisbehörde bei der Stadtverwaltung die Mög- lichkelt, die Beachtung des Preiostops beim Miet- preis zu kontrollieren. Nach fSner Anordnung müssen nämlich der Vermieter, der neue Wohnungsmieter und der bisherige Mieter in einer gemeinsamen, mit ihrem Namen unterschriebenen Anmel- düng (die Formblätter sind In den hiesigen Papiergeschäften ZU haben) den Wohnungswechsel der Prei"behorde anzeigen unh dabei alle Einzelheiten des Mietvertrages sowohl hinsichtlich des alten, als rud) des neirn Mietnerhältnisse» angeben, insbe- sondere die Höhe der Monatsmiete nach dem Stand vom 30 November 1938 und nach der Höhe he» neuen Mietvertrages mitteilen. Durch diele Amnel- düng wird ersichtlich, ob bzw. inwieweit Aender'in« nen hinsichtlich h-*» Mietnreises eingetreten sind. Eine Erhöhung des Mietpreises kommt nicht allein in einer höheren Festsetzung des Geldbetrages zum Ausdruck, sie kann auch darin liegen, daß zu hmi alten Mietpreis weniger Räume ober geringere Gerechtsame auf hem Grundstück als vorher dem neuen Mieter überlassen werden, z. B. durch tßorenthnftung einer Mansarde, eines Gartenanteils, eines Stalles usw.. ble her Vormieter zum selben Mietpreis mit ?ur R"tzung hatte, ober durch Abwälzung von In« stondsetzungsorbetten vom Vermieter auf den neuen Mieter, durch Nlchtm'sführuna notwendiger und heute auch noch ausführbarer Instandietzungen. In solchen Veränderungen erblickt die Prel"hehörde, Pbenfn wie in einer nicht genehmigten ErHö»mnq des Mietnreises, einen Verstoß aenm den Vreisstop, hm si- nicht gu^-'ß-n wird. Die Prelsbehärhe ver« fährt in solchen Fallen bemrt. daß sie zunächst den V^rm'eter und dm f men Mieter aus hie ttnzulgtsso. k"st e’ner solchen V-reinborung Hi"weist unh hl* V"s*1ti"uiw d*s m-rftohe« forderst Bisher hat sich tn den meiftm Fällen Herausgestellt, daß derartig* unw'ttine Ahmochungen nur auf Unkenntnis her gesetzlichen Vorschriften beruhten und n^dt ^'f^ö- rma durch hU Vreisbehörde die o*wünschte Aende« rung' be» M'*tn*rtrooeq ohne wsitere» noro-nnm« men wurde. Wird eine solche Aenderung jsdoch ver-
auf dem Gebiete her Schweinezucht die oberhessische Schweinezucht weit über den Vorkriegsrahmen hinaus zur Ausbreitung guter leistungsfähiger Schweinezuchtbestände helgetragen.
Aehnlich liegen die Veryältnlsfe auf dem Gebiete der Ziegenzucht. Oberhessen al» Zttchtgeblet der deutschen weißen Ebelziege hat gerabe während de» Krieges eine verstärkte Ausfuhr von Zuchttieren zu verzeichnen. Neben einer im Jahre 1941 erfolgten größeren Lieferung von Zudstzsegen und Länunern für das Saargebiet erfolgte die Ausfuhr vorwiegend von Zuchtböcken in größerem Umfange nach den Landesbauernschaften Donauland, vubetenland, Warcheland, Schlesien, Thüringen, Ostpreußen, Mecklenburg, Hannover und dein Generalgouvernement. Auch nad) Ungarn konnten einige weibliche Lämmer geliefert werben. Sämtliche Herbbuchziegen stehen seit bem Jahre 1935 restlos unter Leistungskontrolle. Diese konnte auch während des Krieges voll ausrechterhalten werben. Dasselbe gilt aud) für ble Herbbuchausnahmen unh ble Zuchtbock-Absatzveranstaltungen mit Ausnahme bes September 1939.
Die Zuchtleltung war bemüht, die Verbesserung der allgeineinen Landestierzucht und der organisier« ten Herbbudizuchi bei allen Tierarten zu pflegen. Ein wichtiges Hilfsmittel waren hierfür u. a. ble staatlichen Körungen. Neben ben alljährlid) in Form von Örtlichen Sammelkörungen durchgeführten Hauptkörungen wurden insbesondere durch ver« stärkte Lelstungsansorderungen auf den mit ben Zuchttierversteigerungen verbundenen Sonberkorun- gen Ergebnisse erzielt, die einen stetigen Fortschritt auf allen Gebieten der Tierzucht erkennen lassen. Die Viehhalter, an ihrer Spitze die organisierten Herdbudizüchter, haben keine Mühe und Opfer gescheut, die ihnen Im Kriege zugewiesenen Ausgaben zu meistern. Daß sie fid) mit Erfolg dieser Ausgabe unterzogen haben, beweist die Praxis.
Disziplin im Lufischuhdienst.
Gelegentlich haben Luftsd>utzblenstpflichtige sich vom Bereitschastsbienst Ibaourd) losgekaust, daß sie


