Nr. 67 Zweiter Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesien)
20./2L MarzMZ
Aus der Stadt Gießen,
Stolze Trauer.
Von Wilhelm Feldner.
Das Schicksal des Krieges hat viele hart getroffen. Es entspräche nicht dem Ernst der Stunde und nicht der Größe des Opfers, wollte man versuchen, ihren Schmerz zu zerreden oder durch schöne Worte zu überdecken. Der Tod steht jenseits alles Gedanklichen, und seine Gewalt kann nur mit dem Herzen, nicht mit dem Kopf überwunden werden. Das soll uns den Weg weisen, so unserer Gefallenen zu gedenken, wie sie es verdienen.
Groß ist die Zahl derer, die ihren Schwur mit ihrem Blute besiegelten. Die einen fielen in siegreichen Schlachten, die andern vielleicht auf einem namenlosen Stück Erde unter einem namenlosen Himmel, — ein Höhepunkt aber hebt sich diesmal aus allen Kampfstätten des Jahres heraus: Sta- lingrad. Diesen Namen wird das deutsche Volk, so lange es besteht, nie mehr vergessen. Er ist uns mehr als der Name einer zerschossenen Stadt an der Wolga, — dort haben die Tapfersten den Mythus der Deutschen geschrieben.
Gewiß, wir vernahmen mit Trauer das Ende des harten Ringens, doch größer als die Trauer ist unser Stolz, daß es noch solche Männer gibt, Männer, die zu kämpfen und zu sterben wissen, und das in klarer Erkenntnis ihres Schicksals, nicht in tierischer Dumpfheit wie ihre Gegner. „3m schwersten Kampf haben wir bis zum letzten Mann unsere Pflicht getan. Es lebe der Führer! Es lebe Deutsch- land!" Das waren die letzten Worte, die zu uns drangen. Sie wurden nicht nur von unseren Sinnen, sie wurden mehr noch von unseren Herzen vernommen. Nun wissen wir: das deutsche Blut ist sich gleich geblieben durch all die Jahrtausende hindurch, — es steht mit demselben Trotz und derselben Todesverachtung gegen Bolschewisten wie einst gegen Mongolen und Hunnen, und in seiner Tiefe leben dieselben Kräfte des Glaubens und Wollens, mit beneh einst unsere Geschichte begann. Wahrhaftig, der Untergang dieser Männer darf uns gewissere Bürgschaft für den siegreichen Ausgang des Krieges fein als eine gewonnene Schlacht. So neigen wir uns in stolzer Trauer vor all den Toten, die, wo immer sie fielen, in dem Glanze des männlichen Ruhms von Stalingrad stehen.
Der Tod unserer Helden bedeutet zunächst viel menschliches Leid, aber er reicht zugleich in eine höhere Ordnung hinein. Sie starben nicht nach dem Gesetz ihrer Leiblichkeit, sondern nach dem Gesetz der Gemeinschaft, — sie starben, damit das Volk lebe. Es ist etwas Großes, daß mitten in unserer Zeit dies über alles Sichtbare hinausgehende Gebot noch Gültigkeit hat. Hier gewinnt das Ewige Gestalt: „für uns". Nicht für mich und dich, — für uns. Das ist mehr. Wir haben kein Recht, das Opfer unserer Toten uns als einzelne zuzurechnen, sondern nur als Glieder des Volkes, für das sie fielen. Wir tonnen daher ihr Gedächtnis nicht besser ehren, als indem wir für das Volk, für das sie starben, leben und geloben, nie kleiner zu sein als sie!
Oer H ldengedenktag in Sietzen.
Es sei noch einmal daran erinnert, daß die Hel- denaedenkseier in Gießen am morgigen Sonntag pünktlich um 9 U h r am 116er-Denkmal auf dem Landgraf-Philipp-Platz beginnt. An der Feier werden mit der Wehrmacht Abordnungen der Partei und ihrer Gliederungen, Verwundete, die Hinterbliebenen unserer Gefallenen, Abordnungen der alten Soldaten und der Jugend teilnehmen. Nach der Ansprache werden Kränze der Wehrmacht und der Partei am Denkmal niedergelegt werden. Die Plätze sind bis spätestens kurz vor 9 Uhr einzuneh- men.
Studienrat i. R. Prof. Or. Markert 75 Jahre alt.
Der langjährige Lehrer am früheren Gießener Lyzeum, der jetzigen Oberschule für Mädchen, Studienrat i. R. Professor Dr. phil. Markert, kann am heutigen Samstag, 20. März, seinen 75. Geburtstag begehen. Professor Dr. Markert stammt aus Kasiel. Nach dem Besuch der Realschule bzw. des Realgymnasiums in Gießen legte er Ostern 1887 an dieser Anstalt die Reifeprüfung ab. Don 1887 bis 1892 studierte er an den Universitäten Gießen und Marburg Naturwissenschaften, im Jahre 1892 legte er hier das Staatsexamen ab. Dann war er bis 1893 dem Pädagogischen Seminar am Gymna» sium zu Gießen überwiesen, hierauf gehörte er bis 1896 dem Lehrkörper des hiesigen Realgymnasiums an. In dieser Zeit war er u. a. auch Assistent am Geologischen Institut der Universität. Im Auaust 1896 promovierte er auf Grund einer Arbeit über „Die Flossenstacheln von Acanthias" zum Dr. phil. Von 1896 bis 1898 war er Rektor an der Höheren Bürgerschule in Babenhausen. Am 1. April 1898 wurde er an die Höhere Mädchenschule in Gießen berufen, an der er am 1. Dezember 1898 definitiv angestellt wurde. Dieser Schule, die später zum Lyzeum bzw. zur Studienanstalt umgestaltet wurde, widmete er bis zum April 1928, wo er wegen der Folgen einer schweren Krankheit in den Ruhestand treten mußte, seine ganze Arbeitskraft. In den drei Jahrzehnten seiner Tätigkeit an dieser Anstalt hatten viele unserer Frauen ihm eine sorgfältige Ausbildung und eine vorbildliche erzieherische Betreuung zu verdanken. Neben seinem Schulamt widmete der Jubilar seine Kraft auch noch einer Reihe von ehrenamtlichen Arbeiten. In weiten Bevölkerungs- freifen in Stadt und Land wird dem geschätzten Schulmann und charaktervollen Menschen große Wertschätzung entgeaengebracht. Dem alten Herrn gilt auch unser herzlicher Glückwunsch
3n Liebe und Treue zum Führer und zurHalme!
Lin Gedenkblatt zur Verpflichtung der Jugend.
NSG. Aus Anlaß der „Verpflichtung der Ju- $eni>" am 28. März 1943 hat die Reichsjugendfuh- rung ein schlichtes Gedenkblatt herausgegeben, das jedem 14jährigen Jugendlichen beim Abschluß der Feierlichkeiten zum Andenken an diesen Ehrentag seines Lebens überreicht wird. Das Gedenkblatt enthält den Namen des verpflichteten Jugendlichen und die Derpflichtungsworte: „Ich verspreche, allezeit m-^ine Pfl'cht zu tun in Liebe und Treue zum Fichrer und zu unserer Fahne!"
vcrdunkelunaszett:
20. März von 19.33 bis 5.55 Uhr.
21. März von 19.35 bis 5.53 Uhr.
** Das Ob erko mmando der K,rieas- marine ruft im heutigen Anzeigenteil zur Meldung von Freiwilligen aus dem Geburtsjahrgang 1925 für den Dienst als Berufssoldat aus.
Alte und junge Soldaten.
Die kameradschaftlichen Beziehungen zwischen Gießen und der Front.
Wir verbinden uns am morgigen Heldengedenktag erneut in herzlicher Weise mit unseren auf dem Felde der Ehre gefallenen Brüdern und Söhnen. Gleichzeitig gedenken wir mit Dankbarkeit der Kämpfer, die bei ihrem Einsatz für uns alle schwere Wunden erlitten haben. Wenn auch unsere Gedanken und herzlichen Wünsche täglich bei unseren Soldaten sind, so.tritt doch an einem Tage wie morgen der Soldat unserem Herzen besonders nahe. Dabei wird das enge Kameradschaftsband zwischen den alten Frontkämpfern von 1914/18 und den jungen Kameraden der jetzigen Fronten stärker denn je sichtbar. Wie es aus unserer engeren Heimat hinaus zur Front und von dort hierher zu den Alten wirkt, darüber haben wir in Unterhaltungen mit dem Kreiskriegerführer Dr. M o n n a r d und seinen Mitarbeitern in der Kreiskriegerführung Gießen, dem Verwaltungsführer Glebe und dem Propaganda- obmcrnn Diesel, interessante Aufschlüsse erhalten.
Der Kreiskriegeroerband Gießen, in dem 91 Kameradschaften mit rund 5000 alten Soldaten zusammengeschlossen sind, ist im Gaukriegeroerband Fulda-Werra des NS.-Reichskriegerbundes zwar eine kleine Gemeinschaft, aber er ist von dem starken Willen erfüllt, gerade jetzt im Kriege seinen vielfältigen Aufgaben in vollem Ausmaß gerecht zu werden. Eine der wichtigsten Obliegenheiten ist die Pflege der Frontkameradschaft zwischen den Kämpfern von 1914/18 und den Kämpfern des jetzigen Krieges. Diese Tätigkeit wird sowohl an den jungen Kameraden im Felde als auch an den verwundet oder krank in die Heimat zurückkehrenden Kameraden ausgeübt.
Viele Angehörige der Kriegerkameradschaften im Kreise Gießen stehen, nachdem sie schon den ersten Weltkrieg mitgemacht hatten, auch diesmal wieder im Felde, zum Teil an der Front, zum Teil in den besetzten feindlichen Gebieten im Dienste unserer Wehrmacht. Mit den Alten stehen die Söhne der jetzt nicht mehr einsatzfähigen alten Soldaten im Felde, um ebenso tapfer und siegreich rote die Alten für Deutschlands Freiheit und Zukunft zu kämpfen. Mit all diesen Männern halten die Kriegerkamerad schäften engste Tuchfühlung durch regelmäßige briefliche Verbindung, durch die Uebermittlung von Heimatzeitungen und der Reichskriegerzeitung, durch die Zusendung von Liebesgabenpäckchen ufro. Aus dem Felde ist das Echo dieser kameradschaftlichen Betreuungsarbeit sehr stark. Ständig kommen bei allen Kameradschaften Briefe und Postkarten an, die die Freude der draußen weilenden Kameraden über das Gedenken der Heimat erkennen lassen und zugleich mancherlei interessante Erlebnisse in Feindesland berichten, an denen die ,/alten Knochen" mit starkem Interesse Anteil nehmen. Bei manchen Kameradschaften hat sich aus derartigen Mitteilungen bereits ein kleines Kriegsarchiv gebildet, das in ihrer Geschichte ein besonders wertvolles Stück darftellt.
»
Was Briefe und Zeitungen bei aller Herzlichkeit der Gesinnung doch nur schwach bekunden können, das kommt bei dem persönlichen Zusammentreffen der alten und jungen Kameraden in der Heimat mit aller Herzlichkeit zum Ausdruck. Wer als alter Frontsoldat z. B. bei Kameradschaftsappellen mit den aus dem Felde auf Urlaub zu Haufe weilenden jungen Kameraden zusammenfitzt, der weiß um die enge und tiefe Kameradschaft, die trotz aller Unterschiede des Alters durch das große Erleben der Front zwischen zwei Generationen geschlossen ist. Die jungen Kameraden erzählen an solchen Abenden von ihren Erlebnissen, die sie an den verschiedenen Fronten als Gewinn ihres Lebens verzeichnen konnten. Die Alten hören mit stärkster Spannung zu, begleiten gelegentlich diese oder jene Einzelheit mit ihren auf eigener Erfahrung beruhenden Anmerkungen, und nicht selten kommt es vor, daß die jungen und die alten Soldaten sich im Geiste auf Schlachtfeldern und in Ländern begegnen, die sie beide, allerdings mit dem Unterschied der dazwischenliegenden Jahre, kämpfend betreten und marschierend durchzogen haben. Aber nicht nur die Fronturlauber, sondern auch die verwundeten oder kranken Kameraden, die in unseren Lazaretten ihrer Genesung entgea»nnehen, sin"> o't bei d"n Kamerad- schaftsappellen willkommene Gäste. Häufig kommt es auch vor, daß die jungen Kameraden von den Alten in ihre Familien eingeladen und dort mit aller Herzlichkeit ausgenommen werden. Kriegerkamerad- schatten in den Landorten holen sich öfter eine größere Anzahl junger Kameraden hinaus in ihre Dörfer zu den Kameradschaftsappellen und zu gemeinsamen Sonnto-mochmittagen, die in der Re^el mit gemeinsamem Mittagessen in den Familien beginnen und nach schön verlaufenen Nachmittagsstunden mit dem gemeinsamen Familien-Abend- effen enden, worauf dann die jungen Krieger, von herzlichen Wiedersehenswünschen begleitet, die Heimfahrt zum Lazarett antreten. Daneben machen auch Kameradschaften durch die Frauen der alten Scst- ^ahn den jungen Äam^rabm die ^-e'lde ihre K?s- feetische in den Lazaretten durch Kuchenspenden zu bereichern, wobei die NS-Frauenschaft als Trägerin und Ueberbringerin d"r Svenden mithilft.
Außerdem obliegt der Kreiskriegerführung die Betreuung der Kameraden in den Lazaretten, die ihr von der Reichskriegerführung besonders nambatt gemacht werden. Auf diese Weise tritt neben d'e Gemein schass sbe treu ung durch die Kriegerkameradschaf- ten, wie sie sich auch die NS.-Kriegsovferversorgung angelegen fein läßt, noch die Einzelbetreuung, so daß keiner der jungen Kameraden im Lazarett ohne den starken Rückhalt der alten Soldaten in der Heimat bleibt. Die Bande, die hierdurch geknüpft werden, haben ihren Ursprung in dem gemeinsamen, wenn auch zeitlich weit auseinonderliegenden Fronterleben. das immer das stärkste unter den Männern ist, die sich selbst vor dem Feinde mit ihrem Leben und mit ihrer Gesundheit für das Wohl ihres Volkes uift Vaterlandes eingesetzt hoben.
♦
Ein weiteres Bindeglied »wischen den alten und den hingen Kameraden wird durch die Vorttags- ta^.gfeit m den Kämeradschasten angeknüpft 1m& ge- vileat, wie sie auch von der K'-eiskriegerführung Gießen eifrig ausgeübt wird. Lichtbildervorträge aus dem ersten Weltkrieg und aus dem jetziaen großen Ringen, aber auch aus dem Ablauf der soldatischen Dienstzeit stehen dabei an hervorragender Stelle neben den Vortragen, die den alten und d-n jungen Soldaten immer wieder die großen politi«
scheu, nationalen und sozialen Aufgaben unserer Zeit nahebringen und beide mit der nationalsozialistischen Weltanschauung als dem einzigen und tragenden Fundament unseres Volkslebens und unseres Bestandes als Nation vertraut machen. Schießroett- beroerbe von Kriegerkameradschaften mit Schießgruppen der aktiven Soldaten tragen dazu bei, daß auch die soldatische Ertüchtigung bei den Alten nicht zum Stillstand kommt, und häufig kann man bei diesen Wettkampf schieß en die Feststellung machen, daß die alten Soldaten mit dem Gewehr durchaus noch ihren Mann stellen können.
*
So wirken die alten und die jungen Soldaten in vielseitiger Weise gemeinsam an der Pflege der bewährten soldatischen Tradition, die eine der stärksten Grundlagen für die hervorragende Haltung unseres Volkes gegenüber allen Feinden des Reiches ist. Dieses bewährte Soldatentum, auch in den Männern im Zivilrock allezeit lebendig und wirksam, gilt den Alten nicht minder als hohe Verpflichtung gegenüber dem gesamten Volke, wie es in die-
Zwischen den „Räubern" und der „Luise Mille- rin" erschien 1783 als zweites in der Reihe der Schillerschen Dramen „Die Verschwörung des Fiesko zu Genua". In einer Widmung an seinen Stuttgarter Lehrer Professor Abel fichrt Schiller die mancherlei, uns heute schwer zugänglichen Quellen an, die er benutzt habe; den Stoff selbst verdankte er, wie wir aus einer „Erinnerung an das Publikum" gelegentlich der ersten Aufführung (Mannheim 1784) wissen, Rousseau, her seinen Helden Fiesko „im Herzen trug". Die historischen Grundlagen zu den fünf Akten lieferte die Geschichte des Kampfes um die Macht im Stadtstaate Genua zwischen dem Grafen von Lavagna und dem Hause Doria, eines Bürgerkrieges, der in der Nacht vom 1. auf den 2. Januar 1547 ein jähes Ende fand, als Fiesko ins Meer stürzte und ertrank — infolge eines Fehltritts übrigens, nicht von Verrina dem fallenden Purpur nachgestoßen und also ertränft, wie bei Schiller. Diese das Trauerspiel wirkungsvoll abschließende Wendung ist nur eine der Freiheiten, die der jugendliche Dramatiker sich der geschichtlichen Ueberlieferung gegenüber gestattete, die aber, wie es in der erwähnten Widmung heißt, der Hamburgische Dramaturgist entschuldigen werde, „wenn sie mir geglückt sind".
*
Es ist hier nicht der Raum, den Anteil der verschiedenen Quellen nachzuprüfen und das Verhältnis des Dramatikers zur Historie im einzelnen zu untersuchen, auch nicht auf die literarischen Vorbilder und Anregungen einzugehen, wie man sie bei Shakespeare und in Lessings „Emilia Galotti" für den „Fiesko" nachgewiesen hat. Nicht uninteressant scheint es indessen, an den Umstand zu erinnern, daß das Trauerspiel bei der Uraufführung, sehr im Gegensatz zu dem unerhörten Theatertriumph der „Räuber", ziemlich kühl hingenommen wurde. Man weiß sogar von einer Vorlesung des Werkes durch den Autor in kleinem Kreise, die einen Heiterkeitserfolg zeitigte und Anlaß zu dem bekannten Wortwitz mit dem Fiasko bot; die Zuhörer wurden unaufmerksam und zogen sich ziemlich bald und ziemlich unhöflich zurück, um sich lieber die Zeit mit Bolzenschiehen zu vertreiben. Der peinliche Eindruck der so schnöde unterbrochenen Vorlesung wurde allerdings schon am nächsten Morgen wenigstens teilweise verwischt und das voreilige Urteil in etwa berichtigt, als man einsah, daß das Fiasko des „Fiesko" in erster Linie auf das gewal- tia ausholende und übertreibende Pachos des vorlesenden Verfassers und auf dessen schwäbischen Dialekt zurückzuführen sei, — was beides freilich der berühmten Rezitation Schillers aus den „Räubern" vor den befreundeten Karlsschülern im Bop- serwäldchen nichts geschadet hatte.
*
Der geringe zeitliche Abstand zwischen der Entstehung der beiden ersten Dramen ist gewiß nicht zu überhören: der jugendliche Ueberschwang des Sturmes und Drapges hat die meisten Szenen auch des „Fiesko" sehr deutlich geformt. Aber das heftige Pathos, der wortgewaltige Stil, nachklingend aus den böhmischen Wäldern bis an den Rand des Mittelmeeres, paßt durchaus zum überschäumenden Lebensgefühl des italienischen Renaissancemenschen. Die präzise Zeitangabe 1547 erscheint insofern bemerkenswert. als Schiller mit dem „Fiesko" zum ersten Male sein eigentliches Feld betrat: den Schauplatz des großen historischen Trauerspieles, in welchem sich Staatsaktion und Seelendrama die Waage hallen. Niemandem wird es freilich entgehen, daß im „Fiesko" vor dem Tragiker vorderhand noch der Theatraliker das Wort behält, der „von der erfind-
Militärdienstzeit bei der alten Wrhrni-cht w>d angerechnet.
Den Militäranwärtern, die auf Grund der Hee- resoerminderung in den Jahren 1918/20 ohne Zi- viloerforgungsschein entlassen und erst nach dem 30. September 1921 (Tag des Abschlusses der Bildung der Reichswehr) wieder eingestellt worden sind und deshalb eine neue 12jährige Dienstverpflichtung eingehen mußten, wird auch die in der alten Wehrmacht abgeleistete Dienstzeit bei der Festsetzung des Besoldungsdienstalters als Wehrdienstzeit angerechnet. Der Reichsminister der Finanzen hat eine entsprechende Klarstellung getroffen.
Anrechnung der Bürgersteuer.
Bürgersteuerbettäge, die auf Grund eines Steuerbescheids oder eines zusätzlichen Steuerbescheids für das zweite Kalenderhalbjahr 1942 an die Gemeinden gezahlt worden sind, werden wie Einkommen- steuer-Dorc'uszahlungen auf die Einkommensteuer- schuld 1942 ungerechnet werden. Die Angabe dieser Dürgersteuerbeträge in der Einkommensteuer-Erklärung oder ihre nachträgliche Mitteilung an das Finanzamt ist — im Gegensatz zu einer weitverbreiteten Auffassung — weder wünschenswert noch er- sorderllch. Die Bürgersteuerbettäge, die für das zweite Kalenderhalbiahr 1942 gezahlt worden sind, werden den Finanzämtern von den Gemeinden mit«
[er Woise von den jetzt vor dem Feinde stehenden jungen Kameraden empfunden und täglich durch ihr Heldentum in die Tat um gesetzt wird. Auf der Grundlage des ewigen deutschen Soldatentums mit aller Kraft weiterzuarbeiten im Dienste für Führer, Volk und Vaterland ist ein starker innerer Befehl, den jeder alte wie auch jeder junge Soldat besonders am Heldengedenktage erneut in sich lebendig fühlen und der ihn zu immer stärkerem Einsatz bestimmen wird. B.
Heimawerlegung von verwundeten und krankenGoldaten.
NSG. Es wird gebeten, sich wegen der Verlegung von Soldaten in ein Heimatlazcrrett nicht mit Eingaben unmittelbar an das Wehrkreiskommando ob et den Wehrkreisarzt zu wenden. Die zuständige Stelle kann nur die Verlegungsgesuche bearbeiten, die von dem Lazarett gestellt werden, in dem sich der be- treffenbe Soldat zur Zeit befindet. Das Lazarett muß nämlich in dem Verlegungsantrag über die Transportfahigkeit entscheiden und erklären, daß noch eine dreimonatige Behandlung erforderlich ist. Wenn also Wünsche nach Verlegung in ein bestimmtes Heimatlazarett bestehen, so genügt es, daß der betreffende Soldat sich an seinen Abteilungs- oder Chefarzt wendet und ihm seinen Wunsch öorttägt.
rischen Jntrigue" die erstaunlichsten Situationen entlehnt: welch ein Schauspiel ist das, welch ein Feuerwerk von Wirkungen, Gegenwirkungen, Steigerungen und Überraschungen. Die Figuren rücken wie auf dem Schachbrett gegeneinander, vor und zurück, schlagen und decken sich und fallen aufs Stichwort. Blitzendes, erregendes Spiel der Erfindung, in dem jede Szene ihren genau berechneten Platz hat und in einer Pointe gipfelt, welche die Aktion unaufhaltsam weitertreibt. Eine überquellende Phantasie hat hier, wie in den „Räubern", die oft noch grellen Farben gemischt. Ein Gewitter menschlicher Leidenschaften entlädt sich in den fünf Akten; hier gibt es alles, was die Bühne zur Wirkung braucht: Liebe und Haß, Eifersucht und Verführung, Mord und Verschwörung, politischen Machtrausch und persönlichen Ehrgeiz, Edelmut und Schurkerei, Musik und Mummenschanz und ein Schauspiel rm Schauspiel wie bei Shakespeare im „Hamlet" —: es gehört schon etwas dazu, ein Stück wie dieses um seine Wirkung zu bringen. —
*
Die Aufführung, von Herrn W. M. M u n d inszeniert, war, unter Verzicht auf die Drehbühne, mit Hilfe einer geschickten und zweckmäßigen Dra- maturgie des ausladenden Schauspiels so Herr geworden, daß sich eine sinnvolle Aufteilung der Szenengruppen bei verhältnismäßig kurzen Umbaupausen ergab; sie hatte sich überdies an der sprühenden Erfindung und großartigen Theatralik spürbar entzündet und dem Werke zu einer Unmittelbarkeit und Geschlossenheit des Eindrucks ver- holfen, der manchen — solcher Sensationen bei einem Klassiker nicht gewärtigen — Besucher in Erstaunen versetzt haben mag. Ausgezeichnet wirkte die von Herrn Löffler entworfene, die volle Breite und Tiefe des Spielfeldes bei großzügig und stilgerecht anbeuterfter Vereinfachung ausnutzends Raumgestaltung.
Den Fiesko spielte Herr Köchlingi er beherrschte die umfangreiche Rolle mit anerkennenswerter Sicherheit und ließ sich — über alle Schwankungen und Spiegelungen der vieldeutig schillernden Figur hinweg — vom großen, bis zuletzt nicht aussetzenden rezitattvischen Sttome tragen: mit beachtlicher Steigerung übrigens insofern, als der schauspielerische Höhepunkt nicht in der berühmten Tierfabel, sondern in den letzten Szenen mit Leonore und der Jmperiali lag. — Die beiden wichtigsten Frauengestalten waren in einen pikanten Kontrast gestellt; Friedl G o l l m a n n als Leonore: ein zartes Renaissanceporträt, mit warmem, weiblichem Gefühl belebt; Bianca Blacha fetzte die „stolze Kokette" als raffinierte und intrigante Salondame' effektvoll in Szene. Herr Funke gab dem gewöhnlich falsch zitterten Mohren die ihm Donr Schiller zugedachte „originelle Mischung von Spitzbüberei und Laune"; ein beweglich und witzig aus* gespielter äthiopischer Bruder des Spiegelberg. Herr Zeppenfeld als Verrina, der Anweisung entsprechend „schwer, ernst und düster", war ein unbestechlicher Republikaner und schmerzgebeugter Vater. Herr Fischer spielte mit milder Würde und Majestät den greisen Dogen, Herr Schmidt einen schroffen und unbedenklich brutalen Gianet«- tino, Josefine Lenzen die unselige Berta; vom großen Aufgebot seien noch die Herren Sauer- land, E.S. Klein, Bosny und Fuhrmann genannt. —
Der starke Erfolg der Aufführung (und zugleich der Arbeitsaemeinschast Unwerütät und Theaterbekundete ist in ausdauernden Beifällst)ezeugungen.
Hans Thyriot
geteilt. Die Finanzämter werden die Bürgersteuer« betrage ebenso wie die Einkommensteuer-Vorauszahlungen auf die Einkommensteuerschuld für 1942 anrechnen, ohne daß es dazu einer Anregung durch den Steuerpflichtigen bedarf.
Der Zugverkehr am 28. unt 29. März
Infolge Einführung der Sommerzeit in der Nacht vom 28. zum 29. März werden alle Züge vor dem Umstelltermin entsprechend der Winterzeit, nach dem Umstelltermin entsprechend der Sommerzeit abgefertigt. Es ist daher nicht zu vermeiden, daß unter Umständen im Uebergangsverkehr Anschlüsse verlorengehen. Wer daher in dieser Zeit eine Reise antritt, mit der der Uebergang von einem auf einen anderen Zug verbunden ist, muß sich vorher genau über die Anschlußmöglichkeiten unterrichten.
Neuregelung des Pferdeverkaufs.
Der Reichsbauernführer hat im Einvernehmen mit dem Reichskommissar für die Preisbildung mit Wirkung vom 10. März 1943 eine Anordnung erlassen, wonach außer für Nutzpserde auch für alle Fohlen und Zuchtpferde Höchstpreise festgesetzt werden. Gleichzeitig sind die Landesbauernschaften angewiesen worden, bas Andienungsrecht für alle Nutzpferde einschließlich ber Nutzfohlen aus zuüben. Danach müssen alle verkäuflichen Pferde bei den zuständigen Kreisbauernschoften bzw. bei den Züchterverbänden angemetbet werden. Ein freihändiger
Theater der Llniversitätsstadt Gießen.
Schiller: „Die Verschwörung des Fiesko zu Genua".


