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Zu dieser fränkisch-christlichen Borstellungswelt tritt eine andere, auf germanischem Boden ge­wachsene Kaiseridee. Wenn man etwa auf angel­sächsischem Boden bereits um das Jahr 700 und später auch anderweit von einem Kaiser sprach, so sollte dieser Kaisertitel eine Herrscherstellung über eine Mehrzahl von Reichen zum Ausdruck bringen. Es war also, so hat man mit Recht gesagt, ein rom- freies oder hegemoniales Kaisertum. Diese Vorstellung eines hegemonialen Kaisertums war auch in der Umgebung Karls des Großen bekannt. Sie hat sich auch in der Folgezeit gehalten. Wenn etwa Widukind von Korvey zu berichten weiß, Otto der Große sei nach dem Sieg über die Ungarn im Jahre 955 auf dem Lechfelde von seinen Trupp, zum Kaiser ausgerufen worden, so ist dies ein Au

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Die deutsche Geschichte hat ihr besonderes Ge- präge dadurch erhalten, daß im Mittelpunkt des Mischen Denkens unseres Volkes stets das Keich gestanden hat. Das Reich ist für den deut- tjen Menschen immer mehr gewesen als ein rein tätliches Machtgebilde. Es ist der Träger einer Kndung, die über das rein Völkische ins Abend- ljrdische hinausreicht.

Die deutsche Kaiserzeit bildet den Anfang eines

sein getreten war. Aus dem römischen Imperium wurde in den Vorstellungen der Zeit ein christliches. Die Franken beginnen sich schon frühzeitig als das Kernoolk dieses neuen Reiches zu fühlen. Auch im Kreise Karls des Großen sprach man bereits vor dem Jahre 800 von einem Imperium der Franken. Der Schutz der abendländischen Christenheit in der Form des Kampfes gegen die Slawen erscheint be­reits bei Karl dem Großen als die Aufgabe des Reiches. Kaisertum und deutsche O st Politik sind schon in chren Anfängen eng aufeinander be­zogen.

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Ser Reichsgedanke der deutschen Kaiserzeit

Von Dr. Karl Jordan, Professor an der Universität Ktel.

fei alte rotnische staatsrechtliche iüe griffe, toiä Imperium undprovincia wieder aufgriff undj wenn Friedrichs Kanzler, Reinald von Dassel, dich westeuropäischen Herrscher als Provinzkönige be* zeichnete.

Mit dieser Aufnahme römischen Gedankengutes gewann die Idee von der Herrschaft des Kaisers über andere Staaten stärker an Boden. Barbarossa lag der Gedanke der Weltherrschaft noch ganz fern. In der staufischen Reichsdichtung farrd aber diese Idee von der besonderen Oberherrschaft des Kaiser« tums ihren deutlichen Ausdruck, so schon frühzeitig in dem Kaiserhymnus des Erzpoeten, der dem Kreise Reinalds von Dassel angehörte, später damt vor allem in den Reichssprüchen eines Walther von der Vogelweide. Bei Heinrich VI. tritt dies- Weltreichsidee schon stärker in den Vordergrund. Ihm gelang es auch, eine Reihe von Staaten seiner Lehnsherrschaft zu unterwerfen. Ihre letzte Steige­rung erfuhr die staufische Reichsidee bei Friedrich 11. Auch er wurzelt in der christlich-römischen Tradi­tion. Dazu kommt aber bei ihm der Einfluß der antiken Philosophie, vor allem der Sehren des Aristoteles, die ihm durch die arabische Philosophie vermittelt waren. Aus diesen verschiedenen An­schauungen entwickelt er eine neue Lehre von der Naturnotwendigkeit des Staates und seiner Unabhängigkeit von der Kirche. Die Ordnung des Kosmos verlangt den Staat; wie die Weltordnung, so ist auch das Kaisertum eine Naturnotwendigkeit. Don hier aus war es nur ein Schritt zur Vergöttlichung des Kaisertums. Das Kaisertum Friedrichs II. entfernt sich aber mit der- artigen Anschauungen immer mehr von seinen deut­schen Grundlagen. Es war nicht nur die letzte Stei­gerung, sondern mit der Verkündigung des göttlichen Weltenherrschers auch die Ueberspannung des Kaisergedankens. Friedrichs Regierung zeigt auch die Gefahren, die sich für Deutschland daraus ergaben, daß sich das Schwergewicht des Reiches ganz nach Italien verlagerte. So hat das Kaisertum Friedrichs II. seinen Tod nicht über­dauert.

Mehr als ein halbes Jahrhundert später hat die Kaiseridee in DantesMonarchia" noch einmal ihre umfassende theoretische Begründung erfahren. Dante versucht die Notwendigkeit des Kaisertums mit philosophischen, theologischen und historischen Argu­menten zu beweisen. Sein Werk war aber nicht mehr aus der politischen Realität erwachsen, sondern eine philosophische Begründung dessen, was dem Dichter als Ideal vorschwebte. So wurde dieMon­archia" der Epilog für das mittelalterliche Kaiser­tum, nicht aber ein Programm für die Zukunft. Im 14. und 15. Jahrhundert machte eine umfang­reiche Traktatenliteratur in Deutschland und Italien aus der Reichsidee eine Reichsideologie. Erst in den Tagen des deutschen Humanismus und der Refor­mation, mit dem starken Bewußtwerden eines deut­schen Nationalgefühles hat auch der Reichsgedanke in Deutschland neue Kraft für die Zukunft gewon­nen.

druck dieser hegemonialen Kaiserauffassung. Widukind ignorierte also die Kaiserkrönung Ottos im Jahre 962 und führte mit dieser, den Tatsachen keines­wegs entsprechenden Erzählung Ottos Kaisertum nicht auf den Akt in Rom, sondern auf seine mili­tärischen Erfolge zurück. In der Tat bedeutet die Schlacht auf dem Lechfeld eine wichtige Voraus­setzung für Ottos Kaisertum. In ihr hatte sich der deutsche König als der berufene Vorkämpfer der europäischen Ordnung erwiesen.

Die hegemoniale Kaiserauffassung hat auch dem Wesen des o t t o n i s ch e n Kaisertums am meisten entsprochen. Man hat es mit Recht als die reinste Verkörperung der Hegemonie bezeichnet, da es nicht Oberherrschaft, sondern oberste Füh­rung bedeutete. Diese Vorrangstellung des Kaisers

Jürgen Norbert

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Jlie Adam, geb. Fink

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Uffz., z. Z. im Felde

Alsfeld und Gießen, im Februar 1943

wurde bis in das 12. Jahrhundert auch von den anderen europäischen Staaten anerkannt. Das Kai­sertum genießt ein besonderes Ansehen, traft dessen es den übrigen europäischen Völkern den Wey weist, ohne jedoch ihre innerstaatliche Souveränität in irgendeiner Weise zu beeinträchtigen. Dieser hege­moniale Charakter des Kaisertums kommt auch i m Aufbau des Reiches, vor allem im Osten, zur Geltung. Vor den völkisch einheitlichen Reichskern schiebt sich nach Osten als erste Außenzone der Gürtel der Grenzmarken, die die politische Schule für die Völker des Ostens ge­wesen sind. An sie schließen sich die A u ß e n I ö n der an, die mit dem Reich durck das Band des Lehnswesens verknüpft sind, Böhmen, das dann bald ganz in das Reich hineinwuchs, Polen, zeit­weilig auch Dänemark und Ungarn. Gerade das mittelalterliche Lehnsrecht bot die Möglichkeit einer elastischen lieber» unb Unterordnung, da sie den Vasallenstaat nicht in starrer Abhängigkeit hielt, sondern ihn durch das Moment der Treueverpflich­tung an den deutschen König band.

Der Investitur st reit bedeutet die erste schwere Krise des Reichsgedankens. Das universale System war die Grundlage der frühmittelalterlichen Reichsidee gewesen. Reich und Kirche waren nach den Vorstellungen der Zeit zu einer Einheit zu­sammengeschmolzen. Die Führerstellung des deut­schen Kaisers in diesemcorpus mixtum war nie­mals angezweifelt, da dem Herrscher eine besondere sakrale Stellung zukam. Als oas Papsttum mit Gre­gor VII. diesen historisch gewachsenen Führunas- anspruch der weltlichen Macht leugnete und ihm Die Idee der päpstlichen Weltherrschaft und der kirch­lichen Hierarchie entgegenftelfte, zerstörte es die großartige Einheitlichkeit des bisherigen Weltbildes und erschütterte die geistigen Grundlagen des Kai­sertums. Darin liegt der tiefste Sinn derWende von Canossa". Mag dieser Tag auch einen diplo­matischen Erfolg des Königs gebracht haben, für den Reichsgedanken bildet jene Szene, in der der deutsche König vom Papst die Absolution verlangte und erhielt, doch eine Niederlage.

Das Auseinanderfallen der weltlichen und geisti­gen Sphäre zwingt jetzt das Kaisertum, eine neue theoretische Begründung seiner Herrschaft zu suchen. Es fand sie in den Lehren des damals neu ent­deckten römischen Rechtes. In den Tagen Heinrichs IV. beginnen die ersten Versuche, die uns allerdings in mancher Beziehung noch unbeholfen anmuten, das römische Staatsrecht für die mittel­alterliche Kaiseridee fruchtbar zu machen. Diese Ver­bindung zwischen Kaisertum und römischer Rechts­wissenschaft ist in der Folgezeit niemals abgerissen. Aus ihr erwuchs jene Anschauung, die wir den staufischen Reichsgedanken zu bezeichnen pflegen. Die staufische Reichsidee ist chrem Wesen nach dadurch bestimmt, daß sie die herkömmlichen christlich-naturrechtlichen Anschauungen vom Herr­scheramt mit der Idee Des römischen Rechtes ver­schmolz. In seinen Manifesten bezeichnet sich Fried- rich Darbarosia als den Nachfolger der Kaiser Kon­stantin, Theodosius und Justinian, deren Rechte er nach der Lehrmeinung der damals aufblühenden Rechtsschule von Bologna beanspruchen darf. Die Deutschen gelten als die rechtmäßigen Erben des römischen Reiches, feiner Macht und feiner Rechte. Es war mir folgerichtig, wenn die kaiserliche Kanz-

Selbii houdidvene« Avf* »'ogeii feewft.

trocknen tonen. Den* en« bunten u. polieren. Der Glant wird ediöee# und man »perl

Friedrich Vehn 60 Jahre alt

In diesen Tagen vollendet Der Kustos am Zentral- rufeum für deutsche Vorgeschichte in Mainz und a. o irofeffor für deutsche Dor- und Frühgeschichte an :r T. H. Darmstadt, Denkmalpfleger für die Boden- tltertümer in Starkenburg und Rheinhessen, Dr riedrich Behn, fein 60. Lebensjahr. Behn wurde

Neustrelitz geboren. Er studierte in Rostock Ar- qologie und promovierte dort 1906 zum Dr.phil. i09 kam er als Direktorialafsistent an das Römifch- srmanifche Zentralmuseum nach Mainz und er- hielt 1914 einen Lehrauftrag für Altertumskunde >nd Altertumsdenkmalpflege an der T. H. Darm- ftibt, wo er 1920 zum Professor und 1940 zum a. o. Professor ernannt wurde. Er hat zahlreiche archäo- ikgische Aussätze in verschiedenen wissenschaftlichen Hitschriften veröffentlicht und auch mehrere größere Ausgrabungen vorgenommen. Von seinen Werken

nennen wir:Altgermanlsche Kunst",Altnovdrsthc. Leben" undGermanische Stammeskulturen der Völkerwanderungszeit". Die drei hervorragend aus- gestatteten Bilderbände, die ausgezeichnete Anschau­ungsbücher für Schule und Haus sind, erschienen xum Teil in mehreren Auflagen im Verlag I. F. Leh­mann, München-Berlin.

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Oskar Münzer z. Z. Dolm. bei der WL. und Frau Gisela, geb. Jung Gr.-Buseck, den 13. Febr. 1943 0935/

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,il M je Kaisertums tn der Erinnerung unseres Volkes irtfchcj! itt besonderem Glanze nach. Vor allem aber ist uns Prei» dise Zeit innerlich näher gerückt, seitdem das Er­ich J tten der letzten Jahre das Verständnis für eine in fiten Räumen denkende Außenpolitik wieder gr­ünd die ordnende Aufgabe des Reiches erneut notwendig erwiesen hat. Wir erkennen heute, das mittelalterliche Kaiserreich der erste große uch ist, dem europäischen Kontinent ne feste Ordnuna zu geben. So ist auch die Ische Forschung der letzten Jahre in steigendem ße bemüht gewesen, die geistigen Grundlagen mittelalterlichen Kaisertums aufzuspüren.

«4 m n Kriege nßie oeur,cye ncuierzeu oitoet oen Ansang eines d. ZK, «ten deutschen Staates und Reiches im eigentlichen hes hi Knne; sie umschließt den Aufstieg dieses Reiches erun«, ar führenden Macht Europas, sie läßt aber auch re tz Sennen, wie diese Führerstellung nach innen und Aßen verloren ging, weil die universalen Äuf­nen gegenüber den nationalen zu stark und ein» ftig betont wurden. Trotz dieser Gefahren für die nt ba iuerstaatliche Entwicklung lebt aber die Größe die- ' Kaisertums in der Erinnerung unseres Volkes

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Händel: Acis und ßalathea muß auf Mitte April verlegt werden.

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Pas Kaisertum der Ottonen und ihrer Nachfolger di.pst in bewußter Weise an das karolingische gnperium an. Dieses ist formal durch die Kai- [6?rönung Karls des Großen im Jahre 800 ent- nnden, die die Zeitgenossen als eine Erneuerung te römischen Reiches empfunden haben. Dieser kdiischen Form aber entsprach nicht ohne weiteres be Inhalt des karolingischen Kaisertums. Der Kai- sszedanke im fränkischen Reiche ist älter als das 0hr 800 und geht teilweise auf andere Wurzeln zxück. Einmal hatte der römische Reichs, aidanke seit der Spätantike dadurch eine Um» ftrnung gefunden, daß zum Gedanken der römischen «ltherrschaft das chri st licheReichs bewußt-