ehrmachtbericht
Der
m
Kämpfe hinter Glas
Von Eigiönmnd v. Radecki.
nifche Luftwaffe In wiederholten Einsätzen britische Flugplätze sowie Ansammlungen von Truppen und Kraftfahrzeugen mit besonderem Erfolg. Jagdflieger und Flakartillerie fchossen 19 feindliche Flugzeuge ab.
3n Tunesien sind örtliche Kämpfe mit feindlichen Kräften, die die Stellungen unserer Gefechtsvorposten angriffen, noch im Gange. Im Hafen von B o u g i e wurde ein Handelsschiff von 5000 BRT. beschädigt. Artilleriestellungen und Kraftfahrzeug- ansammlungeu in Nordlunesien waren das Ziel wei- lerer Luftangriffe. Fünf feindliche Flugzeuge wurden abgeschossen. .
Am späten Abend führte der Femd planlose Sfor- angrifse über westdeutschem Gebiet durch. Die ent- standenen Verluste und Schäden sind gering. Der Feind verlor zwei Flugzeuge.
In unablässigen Angriffen gegen die letzten bereits schwer beschädigten, aber noch schwimmenden Schisse des Tankergeleitzuges, aus dem bereits 13 Schiffe mit 124 000 BRT. herausgefchoffen waren, versenkten die deutschen Unter- seeboote, wie durch Sondermeldung bekannt- gegeben, weitere zwei Tanker mit 17000 BRT. und torpedierten nochmals den dritten, dessen Untergang wegen sehr starker Abwehr nicht beobachtet werden konnte.
Andere Unterseeboote versenktenimNord- und Südatlantik zum größten Teil aus Ge- lgitzügen 14 Schiffe mit 72 000 BRT. Damit hat die feindliche Transportflolle wieder insgesamt 16 Schiffe mit 89 000 BRT. verloren.
DRV. Aus dem Führerhauptquartier, 12. Jan. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:
Zwischen Kaukasus und Don. im Raum von Stalingrad und im Dongebiet griff der Feind unter erneutem Einsatz starker Kräfte an den bisherigen Schwerpunkten an. Er wurde in er- bitterten Kämpfen zum Teil im Gegenstoß zurückgewiesen und verlor 63 Panzerkampfwagen, 45 allein bei Stalingrad. Dem Masseneinsah an Infanterie entsprechen die schweren Verluste der Sow- sets. Im Gegenangriff wurde eine Schützendivision des Feindes eingeschlossen und vernichtet. Ueber 1000 Gefangene wurden eingebrachl. Liu deutsches Panzerkorps Hal seil dem 6. Dezember 1942 im großen Donbogen 511 Sowjelpanzer abgeschossen. Ungarische Truppen wehrten am Don angreifenden Feind verlustreich ab.
Bei örtlichen Angrisfsunternehmungen im mitt- leren Frontabschnitt drangen starke Stotz- trupps in die feindlichen Stellungen ein, rollten sie in mehr als ein Kilometer Breite auf und machten Gefangene und Beute. Südöstlich des Ilmensees fehle der Feind mit starken Infanterie- und Panzerkräften seine vergeblichen Angriffe fort. 24 Panzerkampfwagen wurden bei den heftigen Kämpfen vernichtet.
Der Transportverkehr auf der vl u r m a n v a y n wurde auch gestern durch Luftangriffe schwer ge-
In Libyen bekämpfte die deutsche und italie-
Das Aquarium der Zoologischen Station Neapel erhält ständigen Nachschub an Wassertieren aus dem Golfe dicht daneben. Mit angenehmem Grausen sieht man hinter der Glaswand im grünen Meerwasser erbitterte, stumme Kämpfe sich abspielen. Zwei davon sind mir vor allem in der Erinnerung
noch gleichförmiger als im Sommer wirkt. (Schluß folgt.)
Oer Nachschub, Eisenhowers schwerste Sorge.
Lissabon, 12. Dan. (Europapreß.) Von dem USA. - Oberbefehlshaber in Nordafrika, General E i s e n h o w e r, sogt „New York Times", er habe die schwierigste Aufgabe, die irgendeinem Befehlshaber der,^alliierten" Nationen bisher gestellt worden sei. Es sei die ständige Klage General Eisen- Howers, daß er sich nicht genügend den militärischen Operationen widmen könne, da er seine meiste Zeit hinter der Front mit Konferenzen verbringen müsse, um die Nachschub frage zu lösen und Besprechungen mit französischen Generalen abzuhatten. Die Londoner „Dimes" meint, alle Hoffnungen, die man sich zu Beginn der Operationen in Nordafrika gemacht habe, seien zunichte geworden. Es sehe so aus, als ob das Schwerste noch bevorstehe. Das Dersorgungsproblem sei noch immer am Vordringlichsten. Die Deutschen hingegen hätten die besten Flugplätze Nordafrikas in Biserta und Tunis. Deden Tag, den die „Alliierten zum Ausbau ihrer Positionen benötigten, ließen auch die Achsenmächte nicht nutzlos verstreichen.
Skandal um Roosevelts Australien-Botschaster.
Genf, 12.Dan. Präsident Roosevelt hat Ende der vergangenen Woche den bisherigen Vorsitzenden des Nationalausschusses der demokratischen Partei der USA., Edward F l y n n, zu seinem persönlichen Vertreter in Australien ernannt und ihm hierzu den Rang eines Botschafters verliehen. Aus Meldungen sowohl aus britischer als auch amerikanischer Quelle geht nunmehr hervor, daß sich die Ernennung Flynns inzwischen zu einem öffentlichen Skandal entwickelt hat, der auf die innere Korruptheit der Regierung Roosevelts ein bezeichnendes Schlaglicht wirft. Die Neuyorker „Times" erinnert daran, daß gegen Flynn die Beschuldigung erhoben wurde, Materialien und Arbeitskräfte der Stadt Neuyork für die Verschönerung seines Privatbesitzes perwendet und erst bezahlt zu haben, nachdem er
den „zuständigen" Parlamentsmitgliedern „kn Bett bindung setzen und sie von der „Unzweckmäßigkeit" des Beveridge-Plans überzeugen sollen.
Eröffnung des schwedischen Reichstags
Stockholm, 12. 3cnuar. (Europapreß.) Der schwedische Reichstag wurde in ^itwneller Weise durch eine Thronrede Konig Gustafs er öffnet Der König sagte, Schweden- Stellung fei trotz der Verschärfung der polMchen Weltlage im vergangenen Jahr unverändert. Solange der Krieg dauere, muffe jedoch mit Gefahren gerechnet werden welche eine ständige Aufmerk amkett notwendig machten. Aus diesem Grunde ser die Verstärkung d e r Wehrbcreitfchast für die nächste Zeit anoeordnet worden. Sodann richtete der König eine Warnung an das schwedische^Volk, jeder^moge alles vermeiden, was im Ausland Zweifel an dem festen Entschluß des schwedischen Volkes erwecken könne, die Neutralität-Schwedens aufrech- zuerhalten und nach allen Seiten n gleicher.Weife zu verteidigen. Schließlich ermahnte der König er neut zur inneren Einigkeit.
köpf vor^ehen mag? Tritt man zur Sötte, so starrt er einen von der Sötte an.
Der Wärter wirft jetzt in den entferntesten Teil des Bassins eine Creoette hinein. Sie sinkt mit einem Kometenschweif von silbernen Bläschen durchs grüne Wasser. Aber mit dem Dolypen ist derweil eine solche Verwandlung vor sich gegangen, wie sie Oöid selber nicht geträumt hätte: von hinnen ist die Würde, blitzschnell hat er alle seine rosa Schnüre in einen spitzen Torpedo zusammengefaßt und schießt nun brausend auf die Crevette zu. Doch kurz bevor er sie erreicht hat, breitet er fein schmales Fangarmbündel zu einem flatternden rosa Käfig aus. Schnapp! — schon hat er sie. Ein Gewirr von Sil- berbläschen und Fangarmen, und dann tritt Grabesruhe ein.
Langsam treibt der würdige Ballon wieder in seine gewohnte Ecke und saugt sich mit den flsisch- roten Tellerchen an die Glasscheibe an. Ernst und gütig blicken seine goldschwarzen Augen. Aber halt — in dem rdsa Kahlkopf geht etwas vor: wälzt er darin ein Problem? Nein, kein Problem, sondern die Crevette, die ja doch noch nicht ganz tot ist. Und er hält in fest, diesen Gedanken, da kann man sich drauf verlassen! Aber bald hört auch diese Kopfarbeit aus, die Crevette ist enb gültig zermalmt und ^erföuert, und der Polyp scheint nun friedlich zu schlafen, obwohl seine Augen immer noch unoer- wandt durch die Glasplatte starren.
*
Dn einem anderen Bassin spielen sich Kämpfe zwischen Seepilzen und Taschenkrebsen ab. Der Taschentrebs ist, nach menschlichem Ermessen, wirklich ein sehr dummes Tier. Dieses übertrieben hastig» Seilwärtslaufen (wie nach Gott weiß welcher Elektrischen), diese ahnungslose Plumpheit, mit der seine Panzerglieder in jedes Idyll Hineintölpeln — alles trägt das Gepräge einer extremen Unbegabung. „Ungeschlacht hieß sein Vater, Trampla- gondis seine Mutter, und er selbst heißt Schlago- dodro", kann man wohl von ihm sagen. Eine rauhe Außenseite, eine harte Schale — allein der Stern ist weich.
Ganz anders die Seepilze, welche entschieden weiblichen Geschlechts sind. Halb Tier und halb Pflanze, .fehlt ihnen die Fähigkeit der Fortbewe- gung, wofür sie aber mit einer genialen Passivität hegM Imfr, M eiijw urMmM Mm Mck LeWL
Aus dem Reich.
Herzliche Glückwünsche für Göring und Rosenberg.
Berlin, 12. Jan. (DNB.) Zum SO. S-burt-. tage sind dem Reichsmarschall aus allen deutschen Gauen zahlreiche Grüße und Glückwünsche zuge- gangen, in denen die Liebe und bie Verehrung aller Volks kreise zum Ausdruck kamen. —■ Der Führer, der dem Reichsmarschall bereits vor einigen Tagen im Hauptquartier persönlich sems herzlichsten Glückwünsche ausgesprochen hatte, Netz dem Reichsmarschall durch den Chef des Oberkommandos der Wehrmacht, Generalfeldmarschall K e i* * tel, die künstlerisch ausgeführte Urkunde seines Ernennung zum Reichsmarschall des Großdeutschen Reiches überreichen. Als Gratulanten erschienen Reichsminister, Reichsleiter, Generale, Reichsstatt- Halter und Gauleiter, ferner die Freunde und nächsten Mitarbeiter des Reichsmarschalls, Abordnungen aller dem Reichsmarschall unterstellten Dienststellen und der Division „Hermann ©Öring", ^ertreteÄ des Diplomatischen Korps und der ausländischen Sonderdelegationen. — Auch Reichsleiter und Reichsminister Alfred Rosenberg wurden zahlreiche Ehrungen zuteil. Der Führer ließ durch seinen Adjutanten ^-Gruppenführer Schaub ein Haick) schrei ben mit den herzlichsten Glückwünschen überreichen. Zahlreiche Vertreter der Bewegung, des Staates, der Wehrmacht und der DiplomatiS sowie viele Gratulanten aus allen Kreisen der Bevölkerung überbrachten Alfred Rosenberg ihre Glückwünsche. Neben den Reichskommissaren und Generalkommissaren der Zivilverwaltung der besetzten Ostgebiete vereinigten sich die Mitarbeiter der beiden Berliner Dienststellen, um ihrem Chef die Glückwünsche seiner engeren Gefolgschaft auszusprechen.
Oie Kriegsaufgabe der Rechtspflege.
Dn der „Zeitschrift der Akademie für deutsches Recht" beantwortet Reichsminister der Justiz Dr. T h i e r a ck die Frage, warum wir heute, nach einem Jahrzehnt nationalsozialistischer Aufbauarbeit, auf dem Gebiet des Rechtslebens noch nicht weiter sind. Das liege einmal an der Erbschaft, die wir 1933 zil übernehmen hattetn und die eine völlige Neugestaltung selbst der Grundgesetze des deutschen Rechtslebens erforderte. Hier mußte mit größter Vorsicht zu Werke gegangen werden, um nicht durch eine zu frühe Kodifikation fruchtbare Entwicklungen abzuschneiden. Aus diesem Grunde sind wir z. B. heute ftoh, daß die Entwürfe eines neuen Strafgesetzbuches nicht Gesetz geworden sind. Es würde sonst aus theoretischen Erwägungen etwa der Gedanke des Schutzes der Volksgemeinschaft vor Gewohnheitsverbrechern in der Form der „Zwei- : spurigkeit" zwischen Strafe und Sicherungsmaß- 1 regeln verwirklicht worden sein — eine Lösung, diö wir heute nicht mehr als geglückt ansehen. Ferner, wurde die schnelle Entwicklung der Gesetzgebung dadurch behindert, daß die deutsche Rechtswahr erschuft und die (^inrid)hinten des deutschen Rechtslebens einer einheitlichen Führung entbehr« t e n. Diese ist jetzt hergestellt worden, da Dr. Tbierack alle Einrichtungen des deutschen Rechtslebens anvertraut wurden. Das deutsche Volk, so betont der Minister weiter, befinde sich in einem Rechtskampfe größten Ausmaßes, die kämpferische
gegen die Kälte ZU schützen hat. Außer diesen vorbeugenden Maßnahmen gegen Kälteschäden ist aber von Wichtigkeit zu wissen, wie man Erfrierungen bei sich oder bei seinen Kameraden rasch behandelt.
Bei den großen Anstrengungen im Winter ist eine kräftige, zweckmäßige Ernährung er- forderlich. Oft kann aber die Feldküche nicht mitgenommen werden, und der Soldat muß, auf sich allein gestellt, seine Verpflegung selbst zubereiten. Da gibt es Erfahrungen und bewährte Kochrezepte. Stehen keine Spirituskocher ober ähnliches zur Verfügung, so muß ein Holzfeuer entfacht werden. Dies soll zwar möglichst viel Wärme geben, aber sich dem Feind nicht durch Rauch oder Feuerschein verraten.
Wie schafft sich der Soldat nun nach langem Marsch oder Kampf ein Nachtquartier, wenn keine Siedlung in oer Nähe ist ober bie Lage zum Nächtigen auf dem Gefechtsfelb zwingt? Hier gilt es zu lernen, sich in ben Schnee einzuwühlen, ber viel besseren Wind- und Wärmeschutz gibt, als der Laie glaubt. Der Soldat muß verstehen, sich aus Schneeziegeln, Aesten, Reisig, Schi und Zeltbahnen ein einfaches Biwak selber bauen, das er mit Holzfeuer, Spirituskochern und ähnlichem erwärmt. Weiter rückwärts können richtige Bauten aufgeführt werden. Aber auch hier muß ber Soldat selber Baumeister sein, kein Handwerker wird ihm dabei helfen.
Das Gehen im hohen Schnee ist äußerst mühsam, oft stellt es nur ein Vorwärtswühlen dar. Wie leicht gleiten dagegen die Schier über ben Schnee. Aber auch bas Schiläufen will gelernt fein. Man darf sich keiner Täuschung hingeben, baß auch zum Laufen im Flachland viel Uebung und vor allen Dingen viel Ausdauer gehört. Den Schilauf erlernen kann jeder schnell, aber auf weiten, oft endlosen Flächen und bei hohem Pulverschnee große Strecken schnell überwinden können, wie es z. B. ein Spähtruppunternehmen verlangt, dazu gehört eisernes Training Jeder Spähtruppmann und jeder Melder und erst recht jeder Führer muß aber auch das Zurechtfinden im Schneegelände beherrschen. Dm Sommer hat sich im Osten schon mancher verlausen, wo es wenig Wege und noch weniger Siedlungen gibt, wo alle Anhaltspunkte fehlen. Erst recht gilt dies für den Winter, wenn Schnee alle Wege verdeckt und dis Landschaft
an den Händen haltend, neben dem schneller und chneller fahreiHen Zug her; im letzten Augenblick chwang ber weiße Kellner sich hinein: „In drei Tagen komme ich wieder!" rief er durch bas vom Schaffner vorsorglich geöffnete Waggontürfenster, vorgebeugt winkend — lachte ben Schaffner strah- lenb an: „Danke, Ubalbo!", und nahm auf der Stelle, als sei nichts geschehen, seinen abendlichen Dienst im Schlafwagen auf.
„Seit einem Jahr sind die beiden verlobt, wandte sich der Schaffner an mich. „Sie sehen einander alle drei Tage diese zwei Minuten — bas ist alles. Aber Mario ist ihr treu wie sie ihm, ich weiß es."
„Und wie wird es enden?" fragte ich.
Der Schaffner zuckte bie Achseln. „Enben? Glauben Sie, baß man sich darüber Gedanken macht, wenn man so jung ist? Alle drei Tage zwei Minuten — und beide sind vollkommen glücklich."
Ich, wenn ich an dieses seltsame Paar denke, ich schwanke zwischen Zweifeln und Neid.
Oie Lage Tfchungkings.
Stockholm, 12.Dan. (Europapreß.) Die Aufgabe ber Exterritorialitätsrechte Großbritanniens unb ber USA. in China wirb von der Londoner Presse zum Anlaß ausführlicher Betrachtungen über die Lage Tschungking-Chinas genommen. Die „Times" sieht sich zu dem Geständnis gezwungen, daß, „solange Tschungking-China nicht im tatsächlichen Besitz aller Gebiete einschließlich der Häfen ist, m deren Bereich die nunmehr aufgegebenen Rechte galten, der Anerkennung vollständiger Souveränität die volle substantielle Grundlage fehlt". Die militärische Situation kennzeichnet bie Times" mit folgenden Worten: „Tfchungkings Streitkräfte sind von ben großen Flußstra- ßen zurückgedrängt worden, auf denen die nackte Existenz des Volkes aufgebaut war, und von denen sie noch abhängt." Die Lage bleibe enttäuschend, und ber Bedarf Tfchungkings an Kriegs- material verzweifelt. — „Daily Telegraph" schreibt, Hilfe für Tschungking sei eine der wichtigsten Ausgaben der Briten und Nordamerikaner. Ohne die Stabilisierung der Sicherheit und Unabhängigkeit Tfchungkings könne ber Krieg nicht gewonnen roerbeiL
Britische Kriegführung verursacht Seuchen im Nahen Osten.
Ankara, 12. Dan. (Europapreß.) Dn Ankara wurden mehrere Fälle von Pesterkrankungen fefb gestellt. Man nimmt an, daß die Pest durch Reisende aus Dran und Syrien etnge* schleppt wurde, wo eine Pestepidemie wütet. Durch die britische Kriegführung im Nahen Osten und infolge mangelnder sanitärer Maßnahmen der britischen Militärbehörden ist gegenwärtig der gesamte Nahe Osten aufs schwerste seuchengefährdet ober schon verseucht. So kann man in den verschiedenen Nahostländern ein epidemisches Auftreten der Beulenpest, der Schwarzen Blattern und des Typhus feststellen.
Gegen den Beveridge-Plan.
Stockholm, 12. Dan. (Europapreß.) Obwohl der Beveridge-Plan vom Geist des wahren Sozialismus kaum einen Hauch verspüren läßt, macht er ber konservativen Partei, namentlich aber den Versicherungsgesellschaften, deren Direktoren durchweg ber konservativen Partei angeboren, immer noch erhebliches Kopfzerbrechen. Zur Bekämpfung bes Beveribge-Plans werben neuerbings überall in Eng- lanb Ausschüsse von Angestellten ber Versicherungsgesellschaften gegründet, die sich mit
Kleiner Roman qnf der Station.
Von Ernst Sander.
Die Ansprüche des menschlichen Herzens sind un- rerschiedlich. Bedarf das eine zu seinem Glück einer ganzen Unendlichkeit lodernder Ueberschwänge, so bescheidet sich das andere mit einem Blick ober Hänbebruck.
Der Diretissirno Berlin—Messina hatte, von ber Brennerhöhe sich nieberschwingenb gegen die Lombardische Ebene hin, Rooereto hinter sich gelassen. Es dämmerte; dünne Nebel zogen aus dem Etschtal die Berghänge hinan. Zum Schlafengehen war es zu früh; überdies hoffte ich, während des Aufenthalts in Verona, der nächsten Station, wie ich an- nahm, einen Bekannten zu treffen.
Ich ging in den Schlafwagen, um meinem dort bereits untergebrachten kleinen Gepäck ein Buch zu entnehmen, als der Zug anhielt. Ich vermutete, keines Halteplatzes in dieser Gegend gewärtig, ein unvorhergesehenes Stoppen auf freier Strecke; stieß, verärgert bereits ob ber Möglichkeit, zu spät in Verona anzukommen, bas Fenster nieber, schaute hinaus unb sah dieses:
Man hielt in ber winzigen Station X — die Schnellzüge stoppen bort für zwei Minuten, wäh- renb sich bas Umfteigen ber Fahrgäste in eine Schmalspurbahn nach Dem ©arbafee vollzieht. Auf dem kargen Bahnsteig aber, unmittelbar neben meinem Fenster, stand ber weißgekleibete Schlafwagen- feUner, ein schmaler, dunkler Junge von zwanzig Jahren vielleicht, unb hielt ein Mädchen in ben Armen, tüssenb, stürmisch, selbstvergessen ftammelnb.
Sie rebeten beibe zu gleicher Zeit, hastig, über- schwänglich, sie sahen einander an, lächelnd; sie hielten eines bes anbcren Hände — es war eine holde, wilbe Seligkeit voll schluchzenben Glückes, der zuzuschauen mich beschämte. Aber indem ich in den Seitengang zurücktrat, erscholl das „Pronto!“ — „Fertig!" — vom Gepäckwagen her, und falt gleichzeitig bas Abfahrtsignal; ber Zug fetzte sich schwer und langsam in Bewegung. An ber Tür des Schlafwagens, sie offenhaltend, stand der Schaffner: „Fa presto, Mario, avanti, avanti!“
Das LiAesKlM**«Addiol
-----
deswegen unter öffentliche Anklage gestellt worden war. Das Blatt spricht im Hinblick auf Flynns Ernennung die Vermutung aus, daß „unfer Prestige in Ueberfee unb unsere Moral zu Hause durch eine so zynische Aktion leiben werden . Der USA.-Se- nator Styles Bribges bezeichnet die Ernennungals eine „Beleidigung des australischen Volkes , wahrend Wenbell Willkie erklärte, daß alle anftanbigen Bürger ber Vereinigten Staaten nur ..pemlich von ihr betroffen" fein konnten. Die amerikanische Preffe gibt unumrounben zu, daß Roosevelt m der Person von Flynn einen notorischen S ch l e b e r zum Botschafter der USA. ernannte, eine Tatsache, die für die Regierungs- und Perfonalpolittt des Präsidenten der USA. durchaus als typisch angesehen werden muß. . ,
Die Ernennung Flynns wird vorn Kongreß als scharfe Brüskierung betrachtet. Nachdem erst vor einigen lagen selbst der Sprecher der eigenen Fraktion Roosevelts, der Demokrat Samuel Rayburne, im Parteiausschuß erklärt^ hatte, der Kongreß werde Legislativakte von Mannern, die von Roosevelt unter Umgehung des Kongresses ernannt worden sind, künftig nicht mehr anerkennen, hat es in republikanischen Streifen große Erbitterung erregt, daß Roosevelt fortwährend wichtige Posten mit persönlichen Freunden besetzt, die sonst keine besonderen Qualifikationen besitzen. Die republikanische Senats- sraktion ließ wissen, daß sie Schritte unternehmen will, um eine ,^Hausmachtpo1itik Roosevelts künftig zu verhindern. BekannUich betreibt Roosevelt eine Jndienpolitik ebenfalls mit Hilfe von persönlichen Vertretern. Als solcher traf der frühere Kriegsminister Oberst D oh ns ohn im letzten Sommer in Neu-Delhi ein, fuhr aber bald wieder ab, angeblich wegen Krankheit. Auch der vor zöhn Tagen ernannte frühere USA.-Botschaster in Rom, William Philipps, residiert.als Roosevelts per- sönticher Vertreter in Neu°Dölhi.
Die LlSA.-Lustwaffe in Indien »noch in den Kinderhosen".
Bangkok, 12. Jan. (Europapreß.) Mit drastischen Worten beschrieb der Dbertommanbierenbe der nordamerikanischen Luftwaffe in Indien, General Dissel, die Schwäche seiner Fliegerformationen in Indien. Dissel erklärte Pressevertretern: „Unsere Luftwaffe hier wird verstärkt werden, aber noch steckt sie in Indien in Kinderhosen unb hat noch nicht einmal bas Stadium der Knickerbocker erreicht." Dissel sah sich zu dieser Entschuldigung ver- anlaßt, als er über die Tätigkeit der norbamerifa» nischen Luftwaffe im Dezember von Indien aus berichtete.
geblieben.
Ein rosa Kahlkopf hängt unbeweglich im Wasser nahe der Scheibe. Er besitzt weder Nase noch Mund, aber dafür zwei schwarze goldgeränderte Augen, die mich Beschauer sehr würdig und großvaterhaft an» blicken. Von Rechts wegen gehörte er fn einen Vater- Mörder mit Atlaskrawatte hinein, doch statt dessen verläuft dieser Polypenpatriarch unten in eine Anzahl rosa Schnüre, die sich alle mit fleischroten Tel- lerchen an die Glaswand angesogen Haven — als ob er einen Kontakt Mit ber Außenwelt suchte. Man kann es anfangs kaum fassen, daß ein Polyp, dieses Unförmigste, zwei Augen, zwei geradezu menschliche Augen besitzt. Man sieht durch sie unmittelbar hinein in die Polypenseele.
1 es tzch Mt-WkS «shi in tsm Spfc KM
Einstellung des deutschen Volkes, bas über ein unerhört feines Rechtsempfinden verfügt, könne nuC erhallen bleiben, wenn jeder Deutsche das unbe-
Reaktionsvermögen — also gerade einer Eigen» schäft, die dem Taschenkrebs fehlt. Grau und unscheinbar, liegen sie mit weitgeöffneten Dolden da! und warten auf das, was kommt, nämlich auf ben Taschen krebs. Und nun beginnt ein Spiel, das un« weigerlich mit dem Tod dieses Ahnungslosen enbet Der Ärschenkrebs krabbelt vergnügt über Berg und Tal, über Lebendes und Totes unb denkt an gar nichts. Er weiß nicht, daß rings um ihn dep Tod mit weitgeöffnetem Rachen lauert. Da, plötz" l| lich, ist er mit zwei Beinen in einen Seepilz hinein« gepatscht. Und wie ein Maul schließt sich die Dold4 um die beiden Panzerglieder.
Der Taschenkrebs weiß vorläuftg noch von nichts und will seelenruhig weiterwandern. Doch allmäfp lich merkt er, baß er da was Fremdes mit sich zieht. Nun versucht er, das lästige Pflanzen zeug abzuschütteln. Doch die Dolde hält so fest und mit so viel Widerhaken, baß jede Bewegung die Krebs- glieber nur noch tiefer hineinbringt. Nun wird ek wütend und beginnt .zu kämpfen. Er wird doch wohk mit der klebrigen Masse fertig werden! Aber kaum hat seine Schere in die Dolde hineingekniffen, als bie Schere auch schon gefangen ist. Jedes Zucken und Rucken vermehrt das Unheil.
Jetzt kriegt es der Taschenkrebs mit der Angst. \ Fo^-t will er, nur fort — er rast mit den übrig* gebliebenen Beinen über Stock und Stein, er hat keine Zeit zu verlieren. Doch das hilft ihm nichts,
denn er schleift ja bas Untier immer mit sich. Der Taschenkrebs versucht tausend Methoden, der See- pllz hat nur eine: festhalten und nicht loslassen! Der Taschenkrebs weiß nicht, daß nur eines ihn retten könnte: auf die Schere und die paar Beine zu verzichten und völlig stillzühatten — denn jede Bewegung wird ihm zum Unheil, jede bringt ihn unweigerlich tiefer in die fürchterliche Umarmung hinein.
Letzter Akt des Dramas: man sieht einen aufgeschwollenen Seepilz, aus dem noch eine einige, I verzweifelt rudernde Krebsschere herausragt. Sie arbeitet, sie klammert sich an jedes Steinchen — uns langsam bewegt sich diese grausige Kombination vorwärts. Die paflive Energie hat gesiegt. Endlich ist auch die Schere verschwunden, und nun sitzt der Seepilz ebenso unbeweglich wie vorhin da. Mt fort» schreitender Verdauung öffnen sich seine DoldßL lÜlL fit Mk'W t)M BMt ta? vWt SW


