Kl 7 Zweiter Matt Gießener Anzeiger (ßeneral-Anzelaer für Vderbessen)o./M.Zanuar 1945
Aus der Stadl Gießen.
Schätzen!
In einer der unteren Schulklassen bekamen wir eines Tages einen neuen Lehrer im Rechnen, der mit seiner Methode den ganzen seitherigen Betrieb vollständig umstellte. Hatten wir bis dahin fast nur mit reinen Zahlen gerechnet, so wurde das jetzt auf einmal ganz anders. Der Lehrer ließ alles Abstrakte weg und ging ins tägliche Leben. Er brachte ein Metermaß mit, ein Litergefäß, Gewichtssteine jisw. Damit mußten wir rechnen.
Wir mußten auch Meterstäbe mitbringen und hatten oft Gewichtssteine in den Hosentaschen. Der Lehrer erreichte voll und ganz, was er wollte: Wir wurden ins praktische Leben eingeführt. Nachdem wir nun so einigermaßen einen Ueberblick über Gewichte, Maße usw. hatten, ersch en er aber eines Tages und sagte: „Jetzt wollen wir einmal sehen, was ihr verstanden habt. Ich habe hier verschiedene Holzstäbe. Nun sollt ihr mir sagen, wie lang diese Dinger sind." Dann kam er mit einigen Steinen, gab sie uns in die Hand, und wir sollten feststellen, wir schwer sie waren ... Kurz und gut, wir lernten nun das Schätzen. Nach einigen Wochen war kein Gegenstand im Schulsaal, den wir nicht fachmännisch nach allen Seiten auf Größe, Breite, Tiefe und Gewicht geschätzt hätten. Es waren lebendige Rechenstunden damals ...
Diese Schulzeit fiel mir dieser Tage wieder ein, als meine Frau mir vier Zigarren auf den Schreibtisch legte, und sagte: „Das habe ich beim Suchen deiner Handschuhe gefunden. Ich glaube, daß du das wohl zu schätzen weißt!" Ja, wahrhaftig, das wußte ich zu schätzen! Es waren vier Glirnrnstengel, noch aus der Zeit vor dem Krieg, meine Lieblings- forte. Wie kamen sie in die Schublade mit den Handschuhen? Das ist schnell erklärt. Wenn der Geburtstag des Hausherrn sich nähert, und wenn er Raucher ist, dann beginnt die Frau, so nach und nach eine Anzahl feiner Lieblingszigarren zu kaufen (oder im Vertrauen: sie nimmt sie einfach aus seinem Kistchen!) und sie vorläufig zu verstecken. Dabei waren also die vier Zigarren übersehen worden.
In normalen Zeiten hätte sich kein Mensch darüber aufgeregt. SIbler jetzt weiß man so etwas zu schätzen. Ohne Metermaß und ohne Gewichtssteine! So abwechslungsreich ist unsere Muttersprache. Wir schätzen irgendeinen Gegenstand nach Größe und Gewicht. Wir schätzen aber auch eine Sache, die einen gewissen Seltenheitswert hat. Und meine Gedanken gingen weiter. Bor langer Zeit hatte sich mein Freund ein Paar sehr starke Wanderschuhe gekauft. Aber sie waren ihm zu schwer. Er trug sie einige Mal, dann stellte er sie zurück. Jetzt — nach drei' Jahren Krieg — holt er sie hervor und weiß sie zu schätzen. Er versteht nicht, daß sie ihm einmal nicht gefallen haben. So geht es weiter, und es will mir scheinen, daß in diesen Kriegszeiten viele Menschen einmal eine Ahnung davon bekommen, wie wertvoll irgendeine Sache sein kann.
Alles dies geht einem durch den Sinn, wenn man das Wort „schätzen" hört. Und ich freue mich mit jedem Volksgenossen, der noch etwas findet, das er früher gleichgültig wegstellte, nun aber neu entdeckt und schön anwenden kann. Es ist sicher kein Schaden, wenn wir einmal in diesem Sinn erzogen werden. Wir sollen alle Gaben, die uns Natur und Menschenarbeit barbieten, mit Dank und Freude ent- fiegennebmen, und besonders dann, wenn wir einmal Glück haben und eine Seltenheit zu uns kommt, die wir lange entbehren mußten, die wir jetzt aber wohl zu schätzen wissen. —h.
Mit dem Deutschen Kreuz in Gold ausgezeichnet.
Der Leutnant Wilhelm Paul aus Trohe, Sohn des dortigen Lehrers Paul, wurde für feinen besonderen Einsatz bei den Kämpfen im Osten mit dem Deutschen Kreuz in Gold ausgezeichnet.
Leutnant Paul wurde am 28. Juni 1921 in Geilshausen (Kreis Gießen) als Sohn des Lehrers Paul ;iboren und kam, als fein Vater nach Trohe versetz! wurde, dorthin. Nach dem Besuch der Volksschulen in Geilshausen und Trohe kam er zum Gymnasium in Gießen, wo er die Reifeprüfung nblegte. Im Dezember 1939 trat er als Offizier- cmWörter bei der Wehrmacht ein. Er machte den Feldzug in Frankreich mit. wurde dann Offizier und tämpff feit Beginn des Ostfell>,zugs gegen die Sowjets. Ende 1941 wurde er durch die Verleihung der beiden Eisernen Kreuze ausgezeichnet, denen im De, zember 1942 das Deutsche Kreuz in Gold folgte. Leutnant Paul hat bisher 17 feindliche Panzer ab- geschosfen.
AUF MÖNCKEBERG ist det "Teufel los.
ROMAN VON OLAF BO UTE RWE CK
! EO Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
■ Otto öffnete die Haustür und ließ den beiden Beamten höflich den Vortritt.
Sie kamen in einen kleinen Dorraum und betraten bann eine geräumige Halle, die fast das jan,5e Erdgeschoß des Hauses einnahm. Diese Halle schien zugleich Wohnzimmer, Arbeitsraum und Bibliothek zu sein, wie die harmonische Austeilung inb geschmackvolle Einrichtung des Rcmmes erken- ien ließ. Im Hintergründe führte eine breite Eichen- :reppe mit geschnitztem Geländer in das obere Stockwerk hinauf.
Otto zeigte auf einige begueme Sessel, die um einen runden Tisch gruppiert waren.
„Bitte, nehmen Sie Platz, meine Herren. Ich itehe sofort zu Ihrer Verfügung, ich will mich nur uft ein wenig anziehen!"
Otto wollte sich entfernen, aber Raucheisen hielt ihn mit einer Handbewegung zurück:
„Nicht nötig! Bleiben Sie, bitte, hier; denn wir laben sehr wenig Zeit. Unsertwegen brauchen Sie virklich keine Umstände zu machen, und außerdem s.nbe ich Ihren roten Baderkanftl sehr hübsch."
Otto wandte sich mit einem Ruck zu dem Korn- nirfar herum. Da er nicht nur sehr eitel, sondern ’ infolge seines entstellten Gesichts auch au^erordent- 14) empfindlich war, starrte er Raureifen miß- trauifd) an, um fest zustellen, ob dessen Bemerkung ehrlich oder spöttisch gemeint war.
Aber Raucheisen zeigte ein freundliches Lächeln; ton Spott war in seinem Gesicht keine Spur zu faiben.
Beruhigt nahm Otto dem Kommissar gegenüber , Hlatz, während der Schäferhund sich zu fernen ^ußen niederließ.
Briefmarken als Künder -er Zeitgeschichte.
Vor 91 Jahren die ersten Briefmarken in Gießen.
Der „Tag ber Briefmarke" am morgigen Sonntag lenkt bie Aufmerksamkeit wieder einmal besonders auf bie vielfältigen Arten von Postwertzeichen, bie w.r im Laufe ber Jahrzehnte, unb namentlich in ben beiben letzten Dezennien, bei bem Versand unserer Postsachen kennengelernt haben. Die zünftigen Briefmarkensammler kennen barüber hinaus noch bie befonberen Leckerbissen ber Philatelie, bie jeboch ben breiten Weg in bie Dolksmassen nicht gegangen finb.
Die erste beutsche Briefmarke erschien vor noch nicht ganz hunbert Jahren, nämlich am 1. November 1849; ihr Herausgeber war Bayern. Im folgenben Jahre (1850) schlossen sich Preußen unb Sachsen mit je einer Marke an: Preußen mit ber 4-Pfenning- Marke mit bem Kopf Friebrich Wilhelms IV7., Sachsen mit ber Marke zu 3 Pfennige, ber allbekannten „Dreiersachsen". Bis zur Grünbung des Deutschen Reiches im Jahre 1871 gaben noch einzelne deutsche Staaten Marken heraus, soweit nicht die Thum- unb Taxissche Post in ihrem vorwiegend west- unb nordbeutschen Bezirken bas Postregal unb barmt das Recht der Markenausgabe besaß. Von 1871 bis 1919 waren neben ben von Bayern und Württemberg bechehaltenen Briefmarken bie von der Reichspoftverwaltung ausgegebenen Marken nur auf wenige Sortiments beschränkt. In ber Hauptsache zeigten bie Marken ber Reichspost bas Bilb ber Germania, an bas sich neben ben Briefmarkensammlern bie älteren Volksgenossen noch erinnern werden. Für bie beutschen Kolonien unb den lleben seebienst ber Post waren besondere Marken in Geltung, von denen namentlich bie Marokko-, Levante- unb China-Marken bekanntgeworben sind.
*
Nach 1919 wurde bas Bilb ber beutschen Briefmarken erheblich aufgelockert. Eine große Vielfältigkeit brachten zunächst die Jnflationsjahre, benn wie auf bem Gebiete bes Gelbwesens so trat auch bei ben Postwertzeichen eine außerorbentlich starke Umkehrung aller Wertbegriffe ein. Anfangs erlebten wir Markenwerte von 100 Mk., 500 Mk., 1000 Mk. usw., schließlich sogar bis zu 100 000 Mk. Balb genügten auch biefe Werte ben Erforbernissen nicht mehr, so baß bie Reichspost schließlich in immer kürzeren Zeitabstänben neue Marken mit Preis- überbruef herausgeben mußte, wobei sich schließlich sogar Millionen- unb Milliarbenrverie für eine einzige Briefmarke ergaben. Bei diesen Markensortimenten traten zum Teil Silber geschichtlich be- beutenber Orte in Erscheinung, so z. P. von ber Wartburg unb vom Kölner Dom.
Nach bem Abschluß ber Jnflationsausgabem kamen im Jahre 1924 bie ersten Briefmarken mit Kopfbildern heraus, zunächst bie Postwertzeichen mit bem Bild bes großen Organisators bes beutschen Postbienstes, bes Generalpostmeisters unb Staatsministers Heinrich von Stephan, benen im gleichen Jahre Briefmarken mit Stäbtebilbern unb Abbilbungen historischer Bauten folgten. Im Jahre 1924 unb bann alljährlich wurden bie Sonber- marten zugunsten ber beutschen Nothilfe ausgegeben, bie im Jahre 1936 burch bie Sondermarken zugunsten bes Winterhilfswerkes bes beutschen Volkes abgelöst würben. Von 1926 ab erschienen weitere Briefmarken mit Köpfen großer beutscher Männer, u. a. Friebrich ber Große, Goethe, Schiller, Kant, Beethoven, Lessing, Leibniz, Bach, Dürer. Als Wohltätigkeitsausgabe erschien im Jahre 1927 bie erste Marke mit bem Kopf bes Reichspräsidenten von Hinbenburg. Im gleichen Jahre erschien ferner bie Marke zur Flugpostausgabe für „Graf Zeppelin, LZ 127", bie im Jahre 1931 eine Ergänzung erfuhr.
Künstlerische Gestattung des Markenbildes.
Seit ber Machtübernahme burch ben Führer ist auch auf bem Gebiete ber Briefmarken eine vielseitige Ausgestaltung unb künstlerische Belebung ber Bllbfolgen zu verzeichnen. Im April 1933 kamen bie Marken zum „Tag von Potsdam" (21. März) heraus. Daneben erschienen zugunsten ber beutschen Nothilfe bie Sonbermarken mit Bilbmotiven^ aus bem Schaffen Richard Wagners, des größten dramatischen Komponisten bes 19. Jahrhundert, ferner die Wohltätiakeitsmarken zum zehnjährigen Bestehen der deutschen Nothilfe.
„Sie wissen ja bereits, um was es sich handelt", leitete Raucheisen bas Verhör ein, indem er Brandstetter einen Wink gab, sich für bas Protokoll fertigzumachen.
„Das muß ein Irrtum sein", erklärte Otto achselzuckend. „Ich weiß gar nichts, Herr ... Wünschen Sie übrigens, daß ich Sie mit Ihrem beruflichen ober mit Ihrem akademischen Titel anrede?"
Rauchersen mußte unwillkürlich lächeln.
„Das ist doch vollkommen unwichttg ... Uebrigens bin ich hier im Dienst, und dabei spielen etwaige außerberufliche Titel keine Rolle. — Sie müssen sich doch erinnern, daß ich heute nacht mit Ihnen telephoniert habe!"
Otto fuhr mit ber rechten Hand einige Male heftig durch ferne Künstlermähne.
„Ja, darauf besinne ich mich dunkel. Allerdings kann ich nicht mehr sagen, worüber wir eigentlich gesprochen haben. — Entschuldigen Sie, Herr Kommissar, aber ich war gestern abend nicht im vollen Besitz meiner geistigen Kraft! Wie sagt Wilhelm Busch in der .Fromm m Helene'? ,Es ist ein Brauch von alters her, wer Sorgen hat, hat auch Likör'!"
„Worin bestehen denn Ihre Sorgen?" fragte Raucheisen teilnahmsvoll und mit freundlichem Lächeln.
„Bedarf es wirklich dieser Fraae?" fronte Otto vorw urisvoll rurück. „Ach entschuld'gen Bie, Herr Komm'Isar, Sie können natürlich nicht wissen, daß diele Norden, die ich vor drei Jahren bei einem Au hz Unfall erhielt, meine gante Zukunft zerstört haben, krch war früher Schaufp'eler, war sogar an ersten Bühnen für tragende Rollen vervftichftt, und nun ... bin ich nichts weiter als ein häßlicher Kin- derschreck! Wenn ich nur in den Spiegel schaue, konnte ich mit Faust ausruftn: .Der Menschheit ganzer Jammer faßt mich an!' Unb dann — dann mach ich's wie die .Fromme Helene'!"
.Nun. S'e haben fa hier bei Herrn Holm — als besten Gehilfe unb Mitarbeiter? — .einen sehr schönen unb anscheinend auch sehr angenehmen Wir-
Das Jahr 1934 brachte Marken mit dem Hindenburg-Medaillon, ferner bie Luftpoftmarken, burch bie das Interesse an ber Fliegerei und der Wille zur deutschen Geltung in der Luftfahrt stark gefördert wurden. In jenem Jahre erfuhren unsere Briefmarken eine erfreuliche Bereicherung durch eine Reihe von Gedenkausgaben; hier seien besonders erwähnt die vier Erinnerungsmarken mit Bildnissen deutscher Kolonial-Pioniere anläßlich ber Kolonial-Gedenkfeier (Franz A. E. Lüberitz, Gustav Nachttgal, Karl Peters, Hermann von Wißmann), ferner bie Marken zur bevorstehenben Saar-Abstimmung, bie mit Trauerranb versehenen Hinben- burg-Marken zum Tode des Reichspräsidenten, die Marken zum 6. Reichsparteitag 1934 unb bie Ge- benkmarken zum 175. Geburtstag Schillers. Ferner brachte bas Jahr 1934 eine Folge von Dienstmarken mit bem von einem Lorbeerkranz umrahmten Hakenkreuz in ber Mitte unb bie Wohltätigkeitsmarken zugunsten ber Nothilfe mit Brustbildern aus deutschen Berufsständen (Kaufmann, Schmied, Maurer, Bergmann, Baumeister, Landmann, Wissenschaftler, Künstler unb Richter).
Äm Jahre 1935 erschienen im Januar zunächst die Erinnerungsmarken an ben Abstimmungssieg im Saargebiet, Mitte März folgten die Marken zum Heldengedenktag, im April die Marken zum Berufswettkampf der Hitler-Jugend, im Jull die Marken zum Welttreffen ber Hitler-Jugenb, im September die Marken zum 7. Reichsparteitag 1935 und im November die Marken zum Gedenken an ben 9. November 1923. Daneben bereicherte jenes Jahr bie Markenfolge durch die Marken zur Bach-Händel-Schütz-Feier mit ben Kopfbildern der Komponisten Heinrich Schütz, I. S- Bach und Georg Fr. Händel und außerdem noch durch die Marken zur Jahrhundertfeier der deutschen Eisenbahn, auf denen man bie erste beutsche Lokomotive vor dem ersten Eifenbahnzug und als interessante Gegenstücke eine moderne O-Zug-Lokomotive und eine Stromlinien-Lokomottoe erblickte. Die Wohltätigkeitsmarken zugunsten der deutschen Nothilfe zeigten Trachtenbilder aus verschiedenen Gegenden Deutschlands, bie einen interessanten Ausschnitt aus deutschem Volksgut brachten. Schließlich seien hier noch die Ostropa-Marken zu der 1935 in Königsberg in Preußen veranstalteten Briefmarkenausstellung erwähnt, die schöne Bilder von ostpreußischen Schlossern und Gedenkstätten zeigten.
Im Jahre 1936 verausgabte die Reichspost anläßlich der XL Olympischen Spiece 1936 zwei Serien Erinnerungsmarken, deren Bilder verschiedenste sportliche Motive zeigten. Außerdem kamen mehrere Olympia-Gedenkmarken-Blocks zur Ausgabe, daneben noch eine Sondermarke Zum Kampf um das „Braune Band von Deutschland". Die Wohltätigkeitsmarken zugunsten des Winterhilfswerks des deutschen Volkes zeigten schöne Abbildungen von verschiedenen Strecken der Reichsautobahn und Bilder repräsentativer Bauten des Dritten Reiches (Reichsluftfahrtministerium, Ehrenhalle im Luitpold- hain auf dem Reichsparteitaggelände in Nürnberg, Deutschlandhalle in Berlin, Führerhaus in München unb bas Haus ber Deutschen Kunst in München).
Ein besonderes Ereignis des Jahres 1937 war die erstmalige Ausgabe einer Briefmarke mit dem Bild bes Führers, bie am 5. April zum 48. Geburtstag des Führers als Wohltätigkeitsausgabe für kulturelle Zwecke erschien. Es handelte sich um einen Sonberbogen (Kaufpreis 1 RM.) zu vier Marken, Wertstufe 6 Rpf., Herftellungszuschlag 1 Rpf., Zuschlag 75 Rpf, der einem Fonbs zur Erfüllung wich- tiger kultureller Zwecke diente. Der Sonderbogen trug ben Ausspruch bes Führers: „Wer ein Volk retten will, kann nur heroisch benfen". Der Führer hatte es vorher stets abgelehnt, fein Bilb für Briefmarken zur Verfügung zu stellen, wenn nicht ba« mit ein besonders wichtiger nationalpolitischer Zweck erfüllt werden könnte. Als sich im Juli 1936 die Notwendigkeit ergab, neue Mittel für wichtige kulturelle Zwecke zu schaffen, gab ber Führer im Hinblick darauf seine Zustimmung zu der Herausgabe der Sonberbriefmarke mit seinem Bilde. Ferner brachte das Jahr 1937 Gedenkmarken zum zehnjährigen Bestehen der Deutschen Lufthansa, zur Autoausstettung (mit Kopfbildern von Carl Benz und Gottfried Daimler) in Berlin, zum ersten Nordamerika-Flug des LZ 129 (Zeppelin-Luftschiff ,Hindenburg"), die Guericke-Marke, die Marken zum VI. Internationalen Gemeindekongreß in Berlin, zum Weltkongreß für Freizeit unb Erholung in Hamburg, zum 8. Reichsparteitag unb eine Werbeausgabe für den Luftschutz. Als Gelegenheitsausgabe kamen aus Anlaß der Driefmarkenausstellung im April „Die beutsche Briefmarke — Nationale Ausstellung", ferner im August die Sondermarke zum Kampf um das „Braune Band von Deutsch-
Ritterkreuzträger spricht in Gießen.
Wie in allen größeren Städten des Gaues findet auch in Gießen am Sonntag, 17. Januar, um 20 Uhr, in der Aula der Universität eine Kundgebung der Kreisleitung Wetterau statt.
Es spricht Ritterkreuzträger Major Dr. Otto M e i n e r s über den heldenhaften Einsatz unserer tapferen Infanterie.
*
Ritterkreuzträger Major Dr. Otto M e i n e r s wurde am 24. Januar 1896 als Sohn eines Kauf- mans in Osnabrück geboren. Am 13. August 1914 trat er als Kriegsfreiwilliger ein unb rückte am 9. Oktober 1914 zum JR. 78 ins Felb. Bereits am 17. November 1914 erwarb er sich vor Ppern das E. K. II^Klasse. Am 31. März 1915 würbe er verwunbet Und am 2. September 1915 zum Leutnant b. R. beförbert. Im November 1915 kehrte er zu seinem alten Regiment zurück unb nahm mit ihm an allen Kämpfen unb Schlachten teil, bie bas Regiment im Osten unb Westen zu bestehen hatte. Mit seinem MG.-Zuge hielt er am 24. Juli 1916 einen russischen Durchbruch auf unb erhielt bafür bas E. K. I. Klasse für bie Abwehr russischer Angriffe in ber Brussilow-Offensive tas österreichische Militärverdienstkreuz III. Klasse mit ber Kriegs- bekoration. Für bie Durchbrechung einer englischen Artillerieschutzstellung im Westen unb bie Eroberung einer englischen Batterie erhielt er ben Haus- orben von Hohenzollern.
Nach bem Kriege ftubierte er in Göttingen Rechtswissenschaft, war als Referendar in Zellerfeld, Osnabrück unb Celle tätig unb wirkte bann als Rechtsanwalt am Oberlandesgericht und feit 1929 als Notar in Celle. Nach mehreren Uebungen wurde er am 1. 1. 1936 als Oberleutnant in die neue Wehrmacht übernommen. Seine Beförderung zum Major b. R. erfolgte im August 1941.
kungskreis gefunden", tröstete ihn Raucheisen. „Oder haben Sie hier über irgend etwas zu klagen?"
„Im Gegenteil, Herr Kommissar!"
„Na also! Doch kommen wir zur Sache: Sie kennen ja wahrscheinlich Professor Beierfeld ..."
„Ja, Herr Holm hat einen Onkel dieses Namens. Wenn Sie —"
„Herr Holm hatte einen Onkel! Denn ber Professor ist heute nacht in seiner Villa erschossen worben!"
Otto fuhr mit einem erstickten Schrei hoch, so daß der Schäferhund erschreckt auffprgng und in wütendes Gebell ausbrach.
Otto streichelte mechanisch den Kopf des Hundes unb murmelte geistesabwesend: „Ruhig, Fox! Sei brav!" Dann wandte er sein Gesicht, bas in diesem Augenblick noch starrer und fratzenhafter.wirkte, dem Kommissar zu. Er stützte sich dabei mit ber linken Hand schwer auf den Tisch, während seine Nichte, die ben Kopf bes Hunbes streichelte, ein wenig zitterte.
„Wer — wer hat Professor Beierfelb erschossen?" flüsterte er hastig, und in seinen Augen mürbe eine jähe Angst sichtbar. .Wahrscheinlich fürchtete er, jetzt einen ganz bestimmten Namen hören zu müssen.
„Eben deshalb bin ich hier", antwortete Raucheisen ausweichend, „unb ich muß Sie bitten, mir »inirr» 5^-wen wahrheitsgemäß zu beantworten. — Zunächst Ihre Personalien: Ihr Name?"
£)Mo ließ sich schweratmend in den Sessel fallen.
„Otto", murmelte er gepreßt.
„Nun ja, aber Ihr Familienname!?"
„Mein Familienname ist ia Otto! Ich heiße Otto Franz Auguft Dt^o! — Mein ehemaliger Schau- fpielerntme Otto Otto war durchaus kein Pseudonym, wie man allgemein annahm, sondern mein richtiger bürgerlicher Name!"
Raucheisen wandte sich seitwärts zu Brandstetter unb diktierte ihm:
. „Otto Fran^ August Otto. Beruf: früher Schau- fpreler: setzt — äh — nun, was schreiben mir da, Herr Otto?"
Als Kompaniechef ber 4. MGK. Inf.-Regt. 73 nahm er am Polenfeldzug teil und hatte an dem Kampf um das Kafernenoiertel Warschaus wesentlichen Anteil. Am 2. Oktober 1939 erhielt er die Spange zum E. K. II. Klasse. Im Westfeldzug war er zunächst im Stabe des Jnf.--Regts. 73, bann nahm er als Bataillonsführer bes I./Jnf.-Regts. 73 an ben Kämpfen in Belgien, dem Einzug in Paris unb bem Vormarsch zur Loire teil. Im Juni 1940 geleitete er die Waffenstillstanbskommission von ber Front nach Paris. 2lm 11. Juni 1940 erhielt er die Spange zum E. K. I. Klasse.
Nachdem er 1940/41 Kommandeur eines Inf.- E.-Batls. in Celle war, kam er im September 1941 als Dataillonskommandeur zur Ostfront. Er nahm an ber Schlacht bei Kiew, an bem Vormarsch zum Donez und den Abwehrschlachten im Bereich des Donez teil, wobei er den ihm zugewitzsenen Stützpunkt heldenhaft verteidigte, obwohl er mit feinem Bataillon im Januar fünf Tage lang eingeschlossen war. Dabei zog er sich Verletzungen zu, die ihn zwangen, das Lazarett aufzusuchen. Sein tapferer Einsatz ist mit dem Ritterkreuz bes Eisernen Kreuzes ausgezeichnet worben.
Major Dr. Meiners hat vom November 1941 bis zum Januar hinein mit feinem Bataillon in der vordersten Sicherungslinie fast täglich mehrmals starke Angriffe, die die Sowjets oft in Stärke eines Regiments gegen den Stützpunkt vortrugen, erfolgreich in Abwehr und Gegenstoß zurückgewiesen. In feiner Division als „der ruhende Pol auf dem Schlachtfeld" bekannt, hat er sich immer wieder durch seine energische mitteißende Persönlichkeit unb seine durch nichts zu erschütternbe Zähigkeit als ein wahrer Vorkämpfer seiner Mannschaft ausgezeichnet.
Otto richtete sich auf und strich gewohnheits« mäßig seine Künstlermähne zurecht:
„In erster Linie bin ich hier Herrn Holms Sekretär!"
„Schön — also schreiben Sie, Brandstetter: ,Jetzt als Sekretär und Gehilfe bei Herrn Axel Holm tätig'."
Nachdem Otto auch noch seinen Geburtstag angegeben hatte, fuhr Raucheisen fort:
.Herr Holm ist also gestern abend in seinem Wagen nach Berlin gefahren ...! Um welche Zeit war das?"
„Gestern abend kurz vor acht Uhr."
„Verfolgte Herr Holm mit dieser Fahrt einen bestimmten Zweck? Hatte er ein gewisses Ziel?"
„Nein — hm, ja. Das heißt, er sagte, er brauche einige Anregung und wolle einige Studien machen."
„Sagte Herr Holm, daß er die Nacht über fort» bleiben wolle ober mürbe?"
„Nein", kam zögernd die Antwort.
„Hat Herr Holm irgendwelches Gepäck mitgenommen?"
„Das weiß ich nicht genau, Herr Kommissar. Zufällig sah ich, daß er einen kleinen Handkoffer ins Auto warf; aber diesen Koffer hatte er selbst gepackt, und ich weiß daher nicht, was darin war."
„Aber Sie wissen wahrscheinlich, wo Herr Holm jetzt zu erreichen ist?"
Otto wandte das Gesicht zur Seite und überlegte eine Augenblick.
„Nein!" erklärte er bann fest.
„Blieb Herr Holm in der letzten Zeit schon öfter über Nacht fort?" ,
„Im allgemeinen nicht, Herr Kommissar", anfc wartete Otto ausweichend. „Allerdings hatte Herr Holm in der letzten Zeit wiederholt berufliche Besprechungen in Berlin, die sich manchmal bis spät in die Nacht hinzogen. Dann kam es hin und wieder vor, daß. er es vorzog, in einem Hotel zu übernachten unb erst am nächsten Morgen zurückzukehren." •
(Fortsetzung folgt.)


