Nr. 79 Zweiter Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsen)
Z./4. April (943
Aus -er Stadt Gießen.
Frühling - einst und jetzt.
Von Emil Merker.
Unsere Soldaten im Dienste des Knegs-WHW.
Aus dem Programm der Flieger.
Manches auf der Erde ist anders geworden in den letzten Jahren, aber vieles ist gleichgeblieben.
Gleichgeblieben ist — fast stellt man es mit einer leisen Verwunderung fest —, daß noch immer die Sonne scheint, daß es trotz allem wie jedes Jahr Frühling wird^ Dies ist nicht roehig und läßt tiefer atmen. Ueberhaupt: eine Betrachtung „Aufwertung durch den Krieg" drängt sich einem manchmal auf. Keine volkswirtschaftliche Erwägung, daß -durch den Krieg manches teurer wird, nur eine menschliche, daß uns alles teurer wird, wertvoller; daß alles mit mehr Bedacht, dankbarer, achtsamer entgegengenommen wird, jede kleinste Freude, auch der Frühling, auch die Sonne. Und dieses Stück Erziehungsarbeit, die der Krieg an uns geleistet hat, so schwer wir manchmal an ihm tragen, müssen wir voll Achtung auch buchen.
Ach, die Sonne, ihr goldenes Licht, wenn es über junges Gras, auf junges, gelbwelliges Federvieh, über junge Saat auf altem, neu bestelltem Acker liegt, wenn es lächelt, hold und zärtlich, gütig streichelt und wärmt, es ist immer wieder Beglückung. An ihm müssen wir uns freuen, wenn wir allem Winter zum Trotz, diesem Winter zum Trotz auferstehen wollen.
Zur Sonne gehört der Lerchenjubel unter dem Himmel aus feuchtblauer Seide. Das sind alte Weisheiten, nur werden sie jedes Jahr von neuem wahr. Die Kämpfenden an der Front hören ihn wohl nicht vor Geschützdonner, auch haben sie anderes zu tun, als auf ihn zu hören; aber gleich hinter der Front, so glaube ich, hört man ihn wieder, inbrünstiger als anderswo.
Gleich ist auch, daß es auf Weg und Steg zu blühen anfängt, bunt und kinderfroh. Und ebenso in den Gärten. Wie bringt man nur die Zeit auf? Jeder leistet die dovpelte und dreifache Arbeit wie sonst, aber unsere Gärten sind dennoch sauber beisammen, grünen und blühen. Mag sein: wo es früher nur lachte und tändelte vor Blumen, gelb und rot und blau, und weiß, dort grünt jetzt auch Spinat und Salat und Kohl; die bloß Nützlichen sind aufgerückt in der Wertschätzung und aus dem Gemüse und ftehen selbstbewußt neben dem Farbenstolzen und Prangenden. Mir macht das nichts aus. ich habe diese und jene seit ie gleich lieb.
Und auf dem arünenben Rasen liegt, zwischen dem noch fahlen Geäst hängt Wäsche und ist blendend weiß. Merkwürdig, die Frauen! Sie jammern über die Seife, daß sie nicht zureiche, ab-r sie zaubern die Wäsche dennoch immer wieder blütenweiß. Und nun haben sie von Tag zu Tag mehr eine treue Helserin: die Sonne.
Und gleichoeblieben ist ebenfalls, trotz totalem Krieg und äußerstem Arbeitseinsatz, dos große Reinemachen dem Frühling zu Ehren, die bei offenstehenden Fenstern frisch getünchte Stube, die liebevoll und hausfrauenstolz gelüfteten Betten, die blankgeputzten spiegelnden Scheiben, die dem Osterfest entgegenfunkeln.
Auf den Aeckern ist es ft eil ich anders als andere Jahre. Dort gehen nicht wie sonst Männer hinter dem Pflug, sondern Frauen. Und in den Straßen der Stadt ist es auch anders. Dort spazieren nicht wie in anderen Jahren Frauen und führen Frühlingstoiletten aus; dort gehen höchstens Hausfrauen mit Einkaufstaschen. Rach Schluß der Betriebe aber strömt man heraus und füllt die autoleeren Straßen und Plätze, wenn auch nicht gerade funkelnagelneu angetan, vielleicht auch nicht mehr so ganz frisch onduliert und von neuem Kunstblond, aber nett immer, und heiter und lebensfroh auch.
Aber was man zahlreicher sieht als je, was scharen- und rudelweise auf der Sonnenseite der Straße, unter den knospenden Bäumen der Anlagen spazieren fährt, dos sind Kinderwagen. Gewiß, sie hat es immer gegeben, aber in dieser Fülle, dünkt mich, noch nie. Und sie machen den Chor aus grünenden Saaten, sprossenden Gärten, drängendem Blühen erst vollstimmig: „Die Erde bleibt noch lange jung ..."
Kapitän a. O. Schmehl gestorben.
Im 74. Lebensjahr ist vor einigen Tagen der Kapitän a. D. und frühere Oberregierungsrat im ehemaligen Reichswehrministerium Karl Schmehl, ein geborener Gießener, in seinem Wohnort Klein- Machnow bei Berlin gestorben. Kapitän Schmehl war nicht nur in der deutschen Handelsschiffahrt durch seine wackeren Taten und seinen vorbildlichen Schneid, sondern auch durch feinen Dienst in unserer früheren Kriegsmarine weithin bekannt geworden, lieber seine Kriegsfahrten auf dem Hilfskreuzer „Wolf", auf dem er von 1916 bis 1918 Erster Offizier war, hat er zahlreiche Vorträge in vielen deutschen Städten gehalten. Auch in Gießen hat der alte Seeoffizier wiederholt gesprochen. Rach dem ersten Weltkrieg nahm Kapitän Schmehl als einer der ältesten Freiwilligen an den Kämpfen gegen die Spartakisten im Jahre 1919 in Berlin teil. Dafür wurde ihm im Jahre 1937 von dem Reichskriegerfuhrer General d. Inf., ^-Obergruppenführer Rein- Hard eine Ehrenurkunde übermittelt. Der Gauführer des RS.-Deutschen Marinebundes, Admiral von Trotha, ernannte den alten Seemann 1937 zum Ehrenmitglied der Berliner Marinekameradschaft. Schon seit Jahren vorher zählte die Gießener Marinekameradschaft Kapitän Schmehl zu ihren Ehrenmitgliedern. Die Stabt Gießen zeichnete den verdienten, in Frieden und Krieg vielfach bewährten Sohn ihrer Stadt im Januar 1936 anläßlich der 50. Wiederkehr des Tages, an dem Schmehl in den Seemannsdienst eingetreten u;ar, durch die Verl-Übung der Ehrenplakette der Stadt Gießen aus. In Gießen, insbesondere bei den Männern der alten Kriegsmarine, befaß Kapitän S ch m e h l Diele Freunde und Verehrer, die ihm für alle Zeiten ean gutes Gedenken bewahren werden.
Gießener wockienmarktpreise.
* Gießen, 3. April. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Markenbutter, kg 1,80 RM., Matte 30 Rpf., Käse, das Stück 8, Kartoffeln 5 kg 56, gelbe Rüben, V- kg 15, rote Rüben 12 Spinat 27 bis 30,Unterkohlrabi 8, Meerrettich 80, Feldsalat, Vio 10, Salat 25, Oberkohlrabi, das Stuck 15 Rps.
Verdunkelungszeit:
3. April von 20.58 bis 6.22 Uhr.
4. April von 21.00 bis 6.19 Uhr.
** Das Wirtschaf tsamt für den Landkreis Gießen befindet sich non jetzt ab tm Lano= gerichtsgebäude, Hitterwall 15, wie heute nom Lano» rat bekanntgegeben wird.
Für den morgigen Sonntag, 4. April, an dem unsere Soldaten in vielfältiger Weise für das Kriegs-Winterhilfswerk wirken werden, hat der Fliegerhorst ein umfangreiches und vielseitiges Programm zur Unterhaltung seiner Besucher aufgestellt. Vom Vormittag bis gegen Abend wird man dort vielerlei zu sehen bekommen, das nicht alle Tage in Augenschein genommen werden farm. Dazwischen werden die Besucher Gelegenheit haben, um die Mittagszeit Erbsen mit Fleisch- und Speckeinlage zu essen, damit für den Nachmittag eine genügende körperliche Grundlage vorhanden ist. Wer seinen Schlag Erbsensuppe bei unseren Fliegern „verdrücken" will, darf aber nicht vergessen, feinen Löffel mitzubringen.
In den Vormittagsstunden schon werden die Besucher Gelegenheit finden, sich im Horst umzusehen. Dabei werden sie nicht nur in die Unterkünfte gehen und die Lehrsäle und Unterhaltungsräume sehen können, sie werden auch Gelegenheit haben, eine Ausstellung zu sehen, in der die Ostausrüstung eines Luftwaffen-Frontsoldaten gezeigt wird, außerdem können sie an einer Verlosung von Bildern teil» nehmen. Flugzeughallen mit verschiedenen Frontflugzeugen, Fallschirm- und Sicherheitsgeräten werden die Gäste ebenfalls besichtigen können, dort wird ihnen auch Gelegenheit geboten, an einer Verlosung von Flugzeugmodellen teilzunehmen, zu der die Lose am Eingang des Horstes verkauft werden. Sogar eine Ausstellung „Soldaten als Künstler!" und ein Kindergarten werden zu sehen sein. Freunde des Schießsports werden Gelegenheit haben, sich auf dem Kleinkaliber-Schießstand eifrig betätigen zu können.
Mit besonderem Interesse werden die Besucher einen Blick auf die Anlagen eines Flugplatzes tun, auf dem der ganze Betrieb frontmäßig vor sich geht. Hier kann man am Nachmittag auch Zeuge einer militärischen Hebung sein, die eine Vorstellung von der augenblicklichen Kampfbereitschaft unserer Männer draußen an der Front geben wird. Mil besonderem Interesse werden die Besucher sicherlich auch den Flugbetrieb in der Nähe betrachten, wie er sich bei Uebungsflügen und bei Segel- flug-Schleppflügen vor ihren Augen entwickeln
Das Blut im £td
physiologisch wichtige Obe
Der langjährige frühere Inhaber des Lehrstuhls für Physiologie und Direktor des Physiologischen Instituts der Universität Gießen Professor Dr. K. B ü r t e r ist durch seine Forschungen über das Blut weithin in der wissenschaftlichen Welt bekannt geworden. Durch seine populärwissenschaftlichen Vorträge ist es ihm außerdem gelungen, auch die Laienwelt für das fesselnde Problem der Blutforschung zu interessieren. Der Gelehrte, der seine Forschungsarbeiten auch nach feiner Emeritierung fortsetzt, stellte uns auf unsere Bitte den nachstehenden Beittag zur Verfügung.
Bei der quantitatioen Untersuchung der Stoffwechsel Vorgänge in unferm Körper spielt die Körst e,r obersläche eine bedeutsame Rolle. Ist sie es doch, die die Verbindung mit der Umwelt herstellt, und findet durch sie doch der zum Leben nötige Stoffaustausch statt, sei es, daß dieser durch die Hautfläche selbst oder ckn besonderen Ein- und Aus- trittsfteüen für Nahrung und Abfallstoffe erfolgt Man bezieht daher auch in der Physiologie den Stoffwechsel und die sich aus ihm ergebende Wärmebildung im Körper nicht auf die Einheit des Körpergewichts, das Kilogramm, sondern auf die Einheitder Körperoberfläche, den Quadratmeter, wodurch sich klarere Verhältnisse ergeben.
So weist z. B. das Kind pro Kilogramm Körpergewicht einen 2—3 mal größeren Stoffwechsel auf als der Erwachsene und braucht daher auch 2—3 mal mehr Nahrung pro Kilogramm Körpergewicht, aber nur deshalb, weil das Kind pro Kilogramm eine 2—3 mal größere Oberfläche darbietet. Auf die Einheit der Körperoberfläche bezogen ist aber der Stoffwechsel und die Wärmebildung für Kind und Erwachsenen gleich, ist doch auch die Körpertemperatur die gleiche.
Die für 24 Stunden zuzuführende Nahrung muß einen solchen Brennwert besitzen, daß pro Quadratmeter 1400 große Kalorien frei werden, für den ganzen Körper mit etwa 1,8 Quadratmeter Oberfläche sind es, knapp gerechnet, 2400 Kalorien, in 1 Stunde also 100 Kalorien, das ist aber so viel Wärme, daß damit 1 Liter Wasser von 0 Grad bis zum Kochen gebracht werden könnte.
Für die Wärmebildung im Körper ist Sauerstoff nötig, in 1 Minute rund 300 Kubikzentimeter, und ferner ein Stoff, der diesen Sauerstoff in den Lungen aufnimmt und den Körperzellen zur Oxydation zuführt, und das ist der rote Blutfarbsto ff, das Hämoglobin, in den roten Blutkörperchen. Diese winzigen, nur 0,008 Millimeter großen, aber zu etwa 25 Billionen im Gesamtblut von 4—5 Litern enthaltenen Gebilde bieten dem Sauerstoff insgesamt eine Oberfläche von etwa 3200 Quadratmeter dar. Die innere Oberfläche der Lungen, durch welche die Aufnahme des Sauerstoffs bei der Atmung erfolgt, ist auch schon etwa 90 Quadratmeter groß, wodurch die.Ausnahme dieses lebenswichtigen Gases ins Blut und zugleich die Abgabe des Derdrennungsproduktes des Kohlenstoffs der lebenden Substanz, der Kohlensäure, aus dem Blut erleichtert wird. Es werden so täglich rund 500 Liter Sauerstoff aufgenrinmen und 400 Liter Kohlensäure ausgeschieden.
Bei diesem Gaswechsel spielt also der rote Blutfarbstoff eine bedeutsame Rolle. Seine Menge beträgt in 100 ccm Blut beim Mann im Mittel 16 g, bei der Frau 14; im höheren Alter nähern sich aber die Frauenwerte den Männer- merten. Neugeborene sind in dieser Beziehung neutral, männliche und weibliche weisen durchschnittlich gleich viel Hämoglobin in ihrem Blut auf, aber der Gehalt ist um 50 v. H. größer als beim erwachsenen Mann und beträgt bis zu 24 g. Einen so hohen Gehalt erreicht der Mann niemals später im Leben, es müßte denn fein, er bestiege den höchsten Berg der Erde, den Mount Everest im Himalaja mit 8840 m Höhe, was auch ohne künstliche Zufuhr von Sauerstoff nicht ausgeschlossen ist. Der Körper paßt sich nämlich, wenn man ihm Zeit läßt und allmählich höher steigt,- an große Höhen durch Vermehrung der roten Blutkörperchen
wird. Die Freunde des Sports können am Sonntag von 14.30 bis 16 Uhr einem Fußball-Wettspiel des DsB.-Reichsbahn Gießen gegen den Luft- waffen-Sportverein Gießen auf dem Fußballplatz der Flieger beiwohnen. Namentlich unsere Fußballer werden sich diese Gelegenheit nicht entgehen lassen.
Die frohgestimmte Unterhaltung wird am Nachmittag von 15 bis 17 Uhr in einem Variete der „Trumpf der Stunde" sein. Hier werden Soldaten und Nachrichtenhelferinnen mit Musik und Gesang, Tanz, Akrobatik, Florettfechten usw. die Besucher unterhalten. Daß man in diesem Variete allerlei „Schlager" erleben kann, dürfte anzunehmen sein. Freunde des Gesanges werden außerdem am Vormittag um 10 Uhr und nachmittags um 17.30 Uhr einem Soldotenchor vor dem Kommandanturgebäude lauschen können.
Die Kantinev sind für alle Besucher geöffnet, so daß durstige Kehlen auch gehörig erfrischt werden können. Für die Kinder ist noch besondere Unterhaltung vorgesehen, nämlich ein Ochsen- Vierergespann und Leiterwagen mit Ziehharmonikamusik, Rundfahrten inx Horst und zum Flugplatz usw. Eine Großlautsprecheranlage wird den Besuchern durch schnelle Üebermittlung wichtiger Mitteilungen dienen. Radfahrer seien auf den Abstellplatz der Fahrräder besonders hingewiesen.
Im übrigen ist jedermann dringend anzuraten, den Personalausweis (Kennkarte oder dergleichen) einzustecken. Wenn auch unsere Flieger ihre Besucher mit aller Herzlichkeit und Höflichkeit empfangen werden, so konnte es doch unter Umständen einmal notwendig fein, daß man sich über seine Person in einwandfreier Weise ausweisen muß.
Wie man sieht, haben unsere Flieger eine Fülle von Veranstaltungen vorgesehen, die jedem Besucher des Fliegerhorstes die Stunden angenehm machen werden. Zahlreiche Kräfte und Talente sind aufgeboten worden, um die besten Vorbedingungen für die erfolgreichste Durchführung des Programms zu schaffen. Nunmehr liegt es an den Volksgenossen in Stobt und Land, unsere Flieger recht zahlreich zu besuchen und damit ihre mühevollen Vorbereitungen zu belohnen.
flächen in unserem Körper.
und des roten Blutfarbstoffes an, hat doch auch Verfasser auf dem nur 3450 m hohen Jungfraujoch in der Schweiz schon einen Hämoglobingehalt von 20,4 g in 100 ccm erreicht. Auffallenderweise beginnt diese Anpassung des Blutes an die Höhe schon im Mittelgebirge bei wenigen hundert Metern Höhe und erzielt in den Alpen schon beachtliche Werte, beim Mann höhere als bei der Frau. Was aber besonders bemerkenswert ist, der erhöhte Gehalt geht nach der Rückkehr ins Tiefland nicht wieder sofort zurück, sondern bleibt wochenlang unter nur allmählichem, und zwar rhythmischem Abklingen mit vorübergehenden Zunahmen bestehen.
Aus dem Hämoglobingehalt des Blutes ergibt sich leicht die Menge Sauerstoff, die das Blut aufzunehmen vermag, denn pro Gramm Farbstoff werden unter mittleren Bedingungen 1,34 ccm aufgenommen, fo daß es zu etwa 20 Volumenprozent Sauerstoff im Blut bei der Einatmung kommt.
Es wurde nun im hiesigen Physiologischen Institut versucht, die Menge des im Blut zirkulierenden Hämoglobins zu bestimmen und sie in Beziehung zur Körperoberfläche zu bringen. Das wurde dadurch möglich, daß 47 Flieger eines Jagdgeschwaders, die recht einheitliche 23er- suchsperfonen darstellten, auf den Hämoglobingehalt ihres Blutes genau untersucht werden konnten. Nach Ermittlung des Alters, der Körpergröße und des Körpergewichts konnte aus Normen tafeln die Körperoberfläche und unter der begründeten Annahme, daß auf das Kilogramm Körpergewicht im Mittel 74 ccm Blut fallen, die ©efamtblutmenge und das Hämoglobin darin berechnet und auf den Quadratmeter Körperoberfläche bezogen werden. Das Resulat der Berechnung war, bafj die auf diese Oberfläche fallende Blutmenge mit 2,91 Liter nur wenig um diesen Mittelwert bei den Fliegern, bei jungen und alten Männern und Frauen schwankt. Die Hämoglobinmenge pro Quadratmeter ergab sich bei den Fliegern zu 0,48 kg, bei anderen jungen Männern, Studenten und Soldaten, zu 0,46, bei jungen Frauen zu 0,37, bei alten Männern zu 0,50 und bei alten Frauen zu 0,45 kg.
Die Deutung dieserWerte ergibt sich aus folgendem: Die Flieger waren vor der Untersuchung zur Erholung im Hochgebirge und hatten daher wohl einen etwas höheren absoluten und relativen Hämoglobingehalt. Die niedereren Werte der jungen Frauen erklären sich daraus, daß das weibliche Geschlecht durch physiologisch stärkeres Fettpolster besser wärmegeschützt ist, daher einen pro Quadratmeter geringeren Stoffwechsel hat und deshalb auch weniger Sauerstoff zu den Oxydationen bedarf. Die höheren 2S3erte bei den älteren Leuten hängen wohl mit dem schwindenden Fettpolster und der daher nötigen stärkeren Wärmebildung zusammen.
Berechnet man schließlich noch die Hämoglo- b i n m e n g e, die durch Uebertragung von Sauerstoff zur Erzeugung von 1000 Kalorien bei Grundumsatz, d. h. bei Derdauungs- und Muskelruhe, zur Verfügung steht, so wären dies 0,50 Kilogramm für die Flieger, 0,48 für junge Männer, 0,43 für junge Frauen, 0,60 für alte Männer und 0,59 für alte Frauen. Also nicht nur die absoluten Hämoglobingehalte des Blutes, sondern auch die Hämoglobinwerte für 1000 Kalorien haben sich im Alter bei beiden Geschlechtern genähert.
Erinnert man sich daran, daß der Hämoglobingehalt bei Neugeborenen beiderlei Geschlechts im Mittel gleich groß, also nicht geschlechtsgebunden ist, und daß im höheren Alter die Unterschiede, die im mittleren Alter bei Mann und Frau in bezug auf den Hämoglobingehalt bestehen, schwinden, so legt das die Annahme nahe, daß die Geschlechtshormone es sind, welche im mittleren Alter neben der Ausprägung der sekundären Geschlechtscharaktere auch die Unterschiede im Hämoglobin g e h a 11 bedingen.
Jedenfalls verdient der Umstand Beachtung, daß nicht nur die Beziehung des Stoffwechsels auf den Quadratmeter Körperoberfläche eine einheitlichere Beurteilung desselben ermöglicht, sondern daß dieser
Oberfläche auch offenbar eine beftimmte Blut- menge und damit auch eine b e ft i m m t e Hämoglobinmenge zur Vermittlung der Oxydationsvorgänge im Körper zugeordnet ist.
Vorbereitung von Kriegsversehrten für die Reifeprüfung.
Anfang Mai beginnt ein neuer sechsmonatiger Sammel lehr gang für Kriegsversehrte aus dem ganzen Reichsgebiet zur Vorbereitung auf die Reifeprüfung in Berlin. Meldungen sind bis Mitte April an den Stadtpräsidenten der Reichshauptstadt Berlin, Abteilung für höheres Schulwesen, in Berlin zu richten. Zugelassen werden kriegsversehrte ehemalige Schüler, die das Versetzungszeugnis nach Klasse 7, mindestens die Reife für die frühere Obersekunda einer höheren Schule oder das Abgangszeugnis einer anerkannten Mittelschule mit zwei Fremdsprachen besitzen. Bedingung ist ferner, daß der Teilnehmer nicht vor dem 22. Februar 1916 geboren ist und den Nachweis erbringt, daß er von seiner militärischen Dienststelle einen Urlaub von 6 Monaten erhält. Beihilfen für Unterkunft und Verpflegung können gewährt werden. Anträge sind zugleich mit dem Zulassungsgesuch zu stellen.
Rort mit unnützen Fressern.
Verbesserung der Milchleistungen und laufende Fleischversorgung.
NSG. In den vergangenen Monaten wurde bereits darauf hingewiesen, daß jetzt die Zeit zum Aussortieren der Viehbestände gekommen ist. Es gibt immer noch zahlreiche Betriebe, in deren Viehbeständen unnütze Fresser stehen. Diese bringen nicht die dem verabreichten Futter gleichwertige Milch- und Fettleistung, weil sie mangelhaft veranlagt oder irgendwie nicht mehr auf der Höhe sind. Diese überschüssigen Tiere sind vielfach schuld an einer Uebersetzung des Diehstalles. Die Praxis hat unzählige Beispiele dafür oufzuweisen, daß viel mehr an Milch- und Fettleistung erreicht wird, wenn diese unnützen Fresser der Fleischversorgung der Bevölkerung zugeführt werden und die verbleibenden leistungsfähigen Milchtiere dafür reichlicher gefüttert werden können. Das alte Rechen- bcispiel, daß eine kleinere Zahl wertvoller Kühe mehr Milch gibt als ein zahlenmäßig größerer Bestand, in dem sich mehrere Nieten befinden, ist häufig genug betont worden. Wegen der Wichtigkeit des Problems muß dies aber doch immer wieder geschehen. Notwendig ist dann noch die eigene Nachzucht aus den besten Leistungstieren. Wird in dieser Richtung vorgegangen, so treten zwei wichtige Erfolge ein: die Erhöhung der Milch- und Fettleistung und die Sicherstellung der laufenden Versorgung mit Fleisch.
Staatliche Hauptkörungen im Land- und Stadtkreis Gießen.
Vorn 29. Marz bis 1. April fanden im Land- und Stadtkreis Gießen durch die zuständige Körkom- rnission die staatlichen Hauptkörungen statt. Auch in diesem Jahre wurden diese staattichen Haupttörun- gen wiederum in Form von örtlichen Sammel- körungen durchgeführt. Trotz der durch den Krieg bedingten Verhältnisse konnte ein erfreulicher Stand der Datertierhaltung feftgeftellt werden, ein Beweis, daß sich die Gemeinden darüber im klaren sind, daß die Vatertierhaltung einen der wesentlichsten Grundpfeiler in der Erzeugung darstellt. Vorbildliche Datertterhaltungen wurden in folgenden Gemeinden festgestellt: Geilshausen, Großen-Linden, Heuchelheim, Lang-Göns, Lich, Reiskirchen, Rödgen und Watzenborn-Steinberg. Der Landrat des Landkreises Gießen, Dr. Lotz, konnte es ermöglichen, an einem Tage ebenfalls verfönlich an den Haupt- förungen teilzunehmen. Auch Regierungsrat Weber vom Landratsamt Gießen war an einem Kör- tage anwesend. In Verbindung mit Regierungsoberveterinärrat Dr. Monnard, Gießen, Regierungs. oeterinärrat Dr. Gilbert, Gießen, und Len Kör« kommifsionsmitgliedern Heinrich Harbach VIII., Großen-Buseck, Balthasar Philipp III., Watzenborn-Steinberg, Heinrich Görlach, Ober-Hörgern, Verwaltungsangestellter Seipp, wurden die Körungen unter der Leitung von Landwirtschaftsrat Dr. Wagner, Tierzuchtamt Gießen, reibungslos durchgeführt. Durch das Köramt der Landesbauernschaft Hessen-Nassau und den Landrat des Landkreises Gießen wurden für besonders gute Vater« iierhalter Auszeichnungsprämien bereitgestellt, worüber wir im einzelnen später noch berichten werden.
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* • Erfolgreiche Gastspie 1 e. Valeska Lange vom Stadttheater Gießen gafeierte mehrere Male mit schönem Erfolg am Opernhaus Frank« furt a. M. als Margarethe im „Opernball", sowie als Gretchen im „Wildschütz" am Stadttheater Hanau und Kurtheater Bad Homburg.
* * Verteilung von Süßwaren. Dom 5. April ab werden an sämtliche Versorgungsberech- tigte Süßwaren verteilt. 3e'be Person wird mit 200 Gramm beliefert.
* * An alle Kraftfahrzeughalter und Garagenbesitzer wendet sich eine Bekanntmachung im heutigen Anzeigenteil, die besonders zu beachten ist.
** Joachim von der Goltz liest in Gießen. Auf Einladung der im Gießener Dortragsring zusammengeschlossenen Kulturverbände, Goethe- Bund, Kulturelle Bereinigung und Volksbildungsstätte Gießen der NSG. „Kraft durch Freude" wird, wie man uns schreibt, in Ergänzung des diesjährigen Vortragsprogramms der Dichter Joachim Frhr. von der Goltz am Mittwoch, 7. April, aus eigenen Werken lesen. Joachim von der Goltz gehört zu den Vertretern unserer zeitgenössischen Dichtung. Das Erlebnis des Reiches ist Grundthema feines dichterischen Wirkens. In Dramen und Erzählungen gestaltet von der Goltz deutsches Schicksal. Sein Kriegsbuch „Der Baum von Clsry" ist zu den eindrucksvollsten Kriegsbüchern des ersten Weltkrieges zu rechnen.
** Der Gießener Frühjahrsmarkt. Vom Samstag, 3., bis einfchl. Sonntag, 11. April, findet in Gießen auf Oswaldsgarten wieder der Frühjahrsmarkt (Schaumesse) statt. Schau-, Verkaufs- und Belustigungsgeschäfte verschiedener Art sind eingetroffen. Mit Rücksicht auf die Derdunke- lungspflicht endet der Frühjahrsmarkt jeweils bei Eintritt der vorgeschriebenen Derdunkelungszeit.
Canbfreis Gießen
* Großen-Buseck, 3. April. Am heutigen Tage feiern die Eheleute Wilhelm Pfeiffer V L und Frau Katharine, geb. Pfeiffer, Anger 19, das Fest der goldenen Hochzeit. Der Jubilar steht im 81., seine Ehefrau im 75. Lebensjahre. Beide blicken auf ein arbeitsreiches Leben zurück. Dem Jubelpaar die herzlichsten Glückwünsche, auch für gesegneten Lebensabend


