Die ffaikner auf Linüenhöhe
Roman von Reinhold Ortmann.
^Nachdruck verboten.) Fortsetzung 72.
„Man ändert zuweilen seine Entschlüße. Zu- ntal, wenn sich |o außergewvhrüiche Drstge ereignen. Aber du darfst unbesorgt jein. Wsnar er, rote du sagst, krank ist, werde ich ihn mit aller Schonung behandeln, aus die ein Kranker Anspruch hat/'
„Und ich soll ihm nicht .nitteilen, über was du mit ihm sprechen möchtest?"
,^Jch weiß das selbst noch nicht ganz genau. Sage ihm, es 'handle sich um eine brüderlül)? Ans- pi-ache. Oder sage ihm, was du für gut hälft. 1/e Hauptsache ist, daß er kommt."
,,Er wird kommen, dessen bin ich gewiß. Tenn er rsl dir nicht feindlich gesinnt. Nie bat er tn Groll oder Haß von dir gesprochen."
„Nun also--! Ich werde ihn von sechs
Uhr ab erwarten. Sollte er es ablehnen z-u kommen, so wirst du mich benachrichtigen — nicht wahr?"
Gerda versprach es, und sie begehrte zu imfttn, rote lange der Bruder in Tresenbrunn zu bleiben gckenke.
„Tas hängt von den Umständen ab. vorläufig habe ich mir von meinem Blatte Urlaub aus unbestimmte Zeit geben lassen."
„So sehe ich dich also jedenfalls wieder. Tenn anri} wir haben noch über *n art dürfet r-ben
»>t in der ersten Stunde oiÄleicht kesser noch un- «Vorteil bleibt. Eines n;ur sage ich >chon jcs
ich wecke nicht zugeben, daß du fortgchst, ohne dich mit dem Bater ausgesöhnt zu haben."
Er fuhr nicht aus, nrie sie es insgeheim gefürchtet 'haben mochte. Er machte imr eine Hcmd- bewegung, als schöbe er etwas von sich fort.
„Darüber unterhalten wir uns später. Es ist jetzt nicht das Wichtigste. — Ueb-rigens höre ich von dem Amtsrichter, daß Germering noch keinen Anwalt hat. Er hoffe, keines Verteidigers zu bedürfen, sagte er. Ich meine aber, daß ent tüchtiger Rechtsbeistand ihm fdyxn jetzt von ^Nutzen sein könnte. Hältst du es für denkbar, daß Bennewitz seine Verteidigung übernimmt? Er hat rn Stvas- sachen und besonders als forscher Redner einen großen Ruf."
Traurig schüttelte. Gerda den Kops.
„Ich fürchte, daß er ablehnen würde. Auch der Vater gehört ja zu denen, die an Germerings- Schuld glauben. Wäre es auch nur, sveil er Signes Tod durchaus gesühnt sehen will. Es empört ihn, daß sie in den vier Wänden seines Hauses nicht sicher loar vor dem Anschlag eines Verbrechers. Und er klammert sich au diesen gräßlichen Verdacht, nur um einen Schuldigen zu haben."
„Wie es scheint, hast du mit einem Mal eine recht geringe Meinung von dem Gerechtigkeitssinn des Vaters. Zu den Leuten, die blindlings urteilen, gehörte er sonst eigenllich nicht."
„Diesmal aber ist er nicht nur blind, sondern iauch intbanfbar," erwiderte sie mir überrafctenbcr l Heftigkeit. „Tenn Germerings Scharfblick und
Dtr Ptifyn-.
AnJtOfr Kodier broiuetit.
O* w atf>cn lanyr naebf
ober 6>'s(anynoi6 tue ( qwun*n Aaf C,
1L
Ur. 308 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) ßreitag, 3j. Dezember |92
Arr- Ktadt und Land.
Gießen, den 31. Tez. 1920.
St. Sylvester.
Jedermann feiert zwar Sylvester, aber warum der 31 Dezember diesen Namen trägt, das wissen wohl die wenigsten. Ter Papst Sylvester, der erst; feinet Namens, der vom Jahre 314—33a aut dem Stuhl St. Peters saß, stack am 31. Dezember, und deshalb wird der i^hresschluß nadi ihm ,Syloester" genannt. Diese Bezeichnung bat sich übrigens im Volk erst verhältnismäßig spät eingebürgert, und noch heute wird int norddeutschen Bolksbrauch der letzte Tag deS Jahres mit der schönen Bezeichnung „Llltjahrsabend" charakterisiert. Man hat dem heiligen Sylvester, von dessen gchchichtlickier Bedeutung nur sehr wenig bekannt ist, allerlei rührende Eigenschaften beigelegt und ihn rn der Zeit, da der Name Sylvester noch nicht so allgemein eingebürgert war, phantasievoll dar- geftellt. Ein hübsches Beispiel dafür findet sich in dem „Tamen-Konservations-Lexikon" ans dem Jahre 1840, in dem St. Sylvester in echt bieder- meierischer, aber dem Lexikon-Stil wenig ange- voßter Weise besungen wird. „St. Sylvester," so heißt es hier, „ist der letzte Leidtragende an der Bahre des scheidenden Jahres, das, als Greis zum liebenden Kinde geworden, noch vor kurzem die fröhlichen Weihnachtsspiele gespielt hat und nun zur ewigen .Heimat wieder eingeben will, wo nur ein reiner Kindessinn waltet. Mit ernstem Antlitz steht St. Sylvester als letzter und getreuester Hof- fchranze vor dem sterbenden König und löscht die letzte Fackel. Unter tausendstimmigem Jauchzen — man vernimmt es von fern — naht sich der neue Herrsche mit lächelnder Jugendkraft mit seinen neuen .Hoffnungen, mit seinen neuen Wünschen unb den — alten Tränen. St. Sylvester aber hört nock einmal genau und andächtig auf das fromme Singen der Witwen und Waisen und das ,,Nu?i danket alle Gott" der christlichen Gemeinde, lauscht den frommen Wünschen, den schmerzens- neichen Gebeten so mancher Vereinsamtm, bei denen das Herz hinter dem Brustgrtter erstarren will, windet sich bann unaufhaltsam durch die "Menge der heiratslustigen Jungfrauen, die ihn sehnsüchtig umstehen und aus seinen Augen das künftige Glück ober Unglück ihres liebeskranken Herzens lesen wollen, und schließt bann leise bi: Tür zur Grabeskapelle. Vom Turme aber erklingt die zwölfte Stitnde, Und alle Erinnerung wandelt sich nun in Hoffnung." B.
** Reicksheer, nicht mehr Reichswehr; seine Bekleidung und Ausrüstung. Tas Reichsheer tritt am 1. Januar nack der Verkleinerung an Stelle dec vorläufigen Reichswehr. Bekleidung ’imb Ausrüstung sind soeben durch eine besonder Verordnung des Reichspräsidenten und des Reichswehrministers dafür bestimmt worden. Die Uniform bleibt im allgemeinen die gleiche, aber so einfach als möglich und für alle Berwendunssarten einheitlich. Die Dienstmütze, ähnlich der früheren Einheitsfeldmütze für Offiziere, erhalt auf dem Besatzstreifen einen weißmetallenen Eichenlaubkranz mit der Reichs-Ädler-Kvkarde, darüber die Kokarde in den Landes färben des Truppenteils. Die Lcmdes- angehörigkeit des einzelnen Soldaten ist nicht maß- gebQid. Das Schuhzeug wick im Gebrauch geschwärzt. Die Waffengattung Und die Beainten- schaft wird durch die Waffenfarben gekennzeichnet, der Truppniterl durch seine Nummer auf dem Schulterstück oder der Schulterklappe. Die Mann- schaftsdienstgrade werden durch Dressenwinkel unterschieden, die der Unteroffiziere durch ein; mattfilberne Tresse. Offizierdienstgrade tragen Schulterstücke. Jriedensorden werben im Dienst nicht getragen, wohl aber im .Kriege erworbene Orden und Ehrenzeichen, Rettungsmedaillen, Ber- wundetenäk^eichen, Dienstehrenzeichen, Dienstaus- Zeichnungen uni) Fliegerabzeichen.
** Militär-Streich-Konzert. Am Sonntag, den 2. Januar, abends von 8 Uhr ab, konzertiert die Kapelle des Reichswehr-Jnfailririe- Regiments Nr. 15 mit einem sehr abwechslungsreichen Programm int „Einhorn" Ein Besuch kann nur empfohlen werben. — Die Musik: „Ein Weihnachtsmärchen" Charatterstück für Streich- gumtett mit obligaten Quartetten in ber Entfernung, welches am heiligen Abenb in ber Johannes kirche von ber Regimentskapelle gespickt würbe, war eine Komposition von Obermusikmeister Löber (Opus 92b). — Die beiben Männercküre würben bei bei gleichen Veranstaltung nicht von Solbaten gesungen, sondern von Angehörigen der Regimentskapelle unter Lcktung von Obermusitmeister Löber.
•• Tie kinderrei chste Familie in Hessen dürfte in einem Landorte des Kreises Oppenheim ein Paar werden, das bereits auf- gckoten ist und demnächst getraut werden wird. Der Marrn ist Witwer und bringt 13 Kinder aus seiner ersten Ehe, während die Braut ebenfalls eine Witw: und 16 Kinder als Morgengabe mitbringt, fo daß
die Familie bann 31 Seelen zählt. — Vivant seguentes!
Kreis Alsfeld.
Np. N i eb e r-O hm en, 29. Dez. Bei ber hiesigen Kaufmanns-Witwe Fröhlich ivucke em frecher Einbruch ausgeführt. Tie beiden Ein- bred’er, zwei Taugenichtse von 16 bzw. 21 Juhcen, hatten sich tagsül>er aus dem Heuboden verborgen gehalten. Bon hier aus drangen sie mehrmals, trenn niemand im angrenzenden Laden auwefeno war, in dielen, 'plünderten die Ladenkasse uno stab len Würste, Hosenträger und andere Lvachen. Bald merfte die Familie die Abgänge in ihrem Laden und schlug Lärm. Nun suchte man nach beii Spitzbuben und fand sie im Heu veclteckt. Ter ältere gab Fersengeld, der jüngere wurde festgehatten und von der hiesigen Gendarmerie gefesselt. Dessenungeachtet ging er durch. Zuverlässigen Nachrichten zufolge soll er in Gießen festgenommen worden sein.
np. Ober-Ohmen, 29. Dez. Dem hie- figelt Fisckvreipächter Krebs gelang es tm Verein mit dem Flurschützen einen starken Fischreiher zu erlegen, der 1,55—1,60 Meter klafterte. Ter Fischräuber hatte iwch eine y2 Pfund fchwere Forelle tm Schnabel.
np. Ruppertenrod, 29. Dez. Für die charitativen Anstalten unseres Heisenlanbes, besonders die armen Binder, ließ Lchrer Stvack durch seine Schüler eine Sammlung milder Gaben vornehmen, die einen Betrag von 322 Mk. ergab. Die Hauswllekte, die ihr folgte und dte dem gleichen Zweck dient, ergab 327,90 Mk.
Kreis Büdingen.
Wiederverpüchtunq des Kurhauses Bad-Salzhausen.
Salzhausen, 29. Dez. Das Kurhaus Bad-Salzhausen mit Hotel- und Wittschaftsbetneb konnte in den lebten Jahren nicht verpachtet werden, weil die vorhandeneti Bewerber nicht tm Besitz des erforderlichen Inventars waren nnb solches in der Kriegszeit nicht zu beschaffen war. ES hat sich nunmehr Gelegenheit geboten, ein vollständiges Hotelinventar zum Preise von 170 000 Mk. zuzüglich 2 Prozent Vermittlungsgebühr zu erwerben, bestehend aus der vollständigen Einrichtung für 28 Zimmer, darunter 7 Doopel- zimmer, für Speisesaal uitb Küche, ferner die er- socderlick)« Bett- und Tischwäsche, Küchen und Tafelgeschirr. Ter Wert wurde von zwei verschiedenen sachverständigen Seiten nnb sogar zu etwas 'höherem Preise abgeschätzt, als zu dem schließlich der Erwerb möglich 'war. — Das Kurhaus Baa- Salzhausen wick zum Teil für Zwecke des Landes- siedlungsamts verwendet (Bureauräume und Be- amtenwohmlngen), fo das; es für den Augenblick nur in beschränktem Umfang für Hotel- und Wirt- schaftsbetrieb verpachtet werben !ann. Tie Benutzung für diese Zwecke wick jedoch später wieder in vollem Umsange möglich sein. Eine Verpachtung wick nach den bisherigen Ersahrungen ernstlich nur in Frage koinmen können, wenn ber Staat das Inventar besitzt und es bem Päckster gegen angemessene Gegenleistung (Vet^rnfung, Abnutzung usw.) iiberbassen kann. — Es ist im Interesse des Bades unbedingt erforberiich, das Kür- Haus, wenn zunächst auch nur teilweise, wteber seiner eigentlichen Bestimmung zurück^ugeben. Es schien baber ongezeigt, die Gelegenheit zum Erweck des ersockeÄick)Qi Inventars zu benutzen. Es beabsichtigt, den Betrag von 170 000 Mk. + 3400 Mk. Vermittlungsgebühr, zusanimen 173 400 Mk. im Vernrögenstelle des StaatSvor- anschlags 1921 einzustellen. Eine entsprechende Regierungsvorlage liegt vor.
Hessen-Nassau.
X Hanau, 29. Tez. In Kopenhagen ist im Oktober d. I. ein Schmuckgegenstände enthaltendes Paket int Werte von etwa 120 000 Mark nach Hanau aufgegeben worden, jedoch nicht angekommen. Tas Paket war nicht als Wertpaket, sondern als einfaches Paket aufgegeben worden.
Landwirtschaft.
Etwas Hoffnung auf Hebung unserer Milch- verso rgung.
Es wird uns geschrieben:
Im Laufe des Tezembers konnten bereits einige landwirtschaftliche Brennereien in Gang gesetzt werden, und zwar verarbeitet man nicht wie früher Kartoffeln, sondern jugoslawischen und südamerikanischen Mais. Hierbei fällt als wertvolles Nebenprodukt Die Maisschlempe an, welche an das Milchvieh verfüttert wird und die Mllch-- ergiebigteit außerordentlich günstig beeinflußt. Es liegen bereits die ersten Nachrichten vor, daß die gute Wirkmig der Schlempefütterung schon deutlich im Aussehen des BiehstandeS und in den täglichen Milchmengen zum Ausdruck kommt. Wie äußerordentlich wichtig diese Besserung der Futterverhältnisse ist, zeigt das Beispiel eines oberhessischen Gutshofes. Zu Anfang Dezember, d. h. vor 2(ufnaErnte des Brennereibetriebes, stand eine tägliche Milchmenge von 120 Liter zum Vergleich.
Jetzt dagegen erbringt der gleiche Viehstand 390 Liter täglich also eine Steigerung von über 200 Prozent! Leider hat die überwiegende Mehrzahl der landwirtschaftlichen Brennereien den Betrieb wegen Kohlenmatigels noch nicht aus- nehmen können, und es ist infolge des abnormen Nieder Wassers unserer Ströme und des chronischen Wcumvitmangels auch überaus )d>wer, vor Ablauf vieler Wochen Kohle zu beschaffeii. Auf Veranlassung des Reichsministers für Ernährung und Landwirtschaft haben zwar die Kohlenwittfck>afts- stellen und die Landes kohlensrillen versprochen, ihr Äiöglichstes zu tun; aber etwaige günstige Folgen sind, wie die Dinge heute liegen, vor Februar kaum zu erhoffen. Ganz besonders int Hinblick auf die Leiden der Kranken und der KinDcr in den Großstädten muß aber gefordert werden, daß alles geschehe, um eine Besserung unserer erbärmlichen Milchpersorgung nicht an ber Feuerungsfrage zuschanden werden zu lassen.
<5crid?tsfaal.
rin. Darmstad t, 29. Dez. In recht bedenklicher Weise haben im Laufe des letzten Jahres zwei bet der hiesigen Sicherheitspolizei eingestellte Wachleute das in sie gesetzte Vertrauen gebrochen. Man kanr eines Tages dahinter, daß der 25 Jahre alte August S chö n e m e i e r von Minden in Hannover wichtige Tagesbefehle feiner Trujipe den Franzosen gegen Entgelt zur Verfü- gung gestellt hatte. Er war gestänoig, sowohl vor verschiedenen Beämten der Sickerheitspolizri, wie vor dem Untersuchungsrichter und dem Aimtsgericht, daß er hierfür 1500 Mark erhalten hatte, will aber in eigennütziger Weife gehandelt haben. Trotzdeni wurde von ber Anklage bes Lmidesverrats abgesehen, ba Sch. sein Anstellungsbekret noch nicht erhalten hatte. Später wiberruft er biefe Angaben uitb will nur in bcutschem Interesse zur Beseiti- gung bes unberechtigten Verdachtes gehandelt baben. Durch bett Verrat einer früheren Geliebten bes iiiitcmgeklagten 27jährigen Ober Wach! meisters Nikolaus Stoll von Eiweller bei Saarbrücken stellte sich heraus, das- auch biejer an ber Sache beteiligt war. Trotz weiteren Leugnens würbe gegen beibe Angeklagte auf je 1 Jahr Gefäiignis abzüglich je 3 Monaten Untersuchungshaft erkannt.
2lns dem ArttLsvcrküudrKUttqsfilatt.
** Das Amtsverkündigungsblatt Nr. 191 vom 30. Dezember eittyält: Kartoffelversorgung. — Beschaffungsbeihilfe für die Angehörigen von in Gefangenschaft befindlichen Kriegsteilnehmern, verschleppten und internierten Zivil- gefangenen und vermißten Mannschaften. -- Vergütung für den Unterricht an der Fortbilbungs-> fchule. — Ausweise polnischer Arbeiter. — Viehseuchen. — Dienstnachrichteti.
Kartvffelversorgung. Die von ben Kceisämiern auf Grmib unserer borgen art nteir Bekanntmachung vom 26. Oktober 1920 erlassenen Anordnungen treten mit dem 31. Dezember 1920 außer Kraft.
DieAusweise polnischer Arbeiter. Die polnische Regierung beabsichtigt die Ausstellung besonderer Passierscheine für polnische Arbeiter, die ohne Polnische Ausweispapiere nach Deutschland gekommen sind, und die jetzt in ihre Heimat zurückkehren wollen. Hierfür ist zwischen dem Auswärtigen Amt und dem polnischen Generalkonsulat in Berlin folgendes Verfahren vereinbart worden: Die juftänbipen Ortspolizeibehörden fordern von den sich bei ihnen abmeldeiiden Ar- beiteni die mit Lichtbild versehene Arbeiterlegitimationskarte, etwa vorhandene Heimatpapiere sowie Gebühr für den polnischen Pasfierschelli in Höhe von 5 Mk. für den Arbeiter ein, und übersenden diese Papiere sowie die Gebühr je nach Zuständigkeit an das polnische Generalü>nsulat in Berlin oder in Breslau. Die Konsulate stellen daraufhlli Passierscheine aus und übersenden sie den deutsäicit Behörden zur Aushändigung an die Arbeiter. Die Passierscheine haben nur in Ver- bntbuitg mit der mit Lichtbild versehenen Arbeiterlegitimationskarte Gültigkeit. Zugleich ist bestimmt worden, gemäß den §5 3 iuwb 6 Ms. 1 der Paß- verorbnung vom 10. Juni 1919 (ReichZ-Gesetzbl. S. 516), daß die in ihre Heimat zurückkehrenden polnischen Arbeiter für bas Verlasleu bes Reichsgebiets als befreit voin Pa^- und Sichtsvermerkszwang (§ 1 ber genannten Paßverockmung) gelten, sofern sie sich durch die mit Lichtbild versehene Arbeiterlegitimationskarte ausweisen können.
Die Maul- und Klauenseuche ist in Staufenberg amtlich festgestellt worden. Es wird ein Sperrbezirk gebildet, bestehend aus der Gemarkung Staufenberg.
Mvche uitö Schule
— Die Unerschwinglichen" Schnl- bücherpretse. Man schreibt uns: Vieltzrck gehen neneckings durch die Presse Notizen, welche sich über die angeblich unerhört ^hohen Preise der SchuLbücher entrüsten, ja von einem „Bücher
wucher" nick anbereit schönen Dingen spreche demgegenüber muß doch daraus hingetviesen nx Den, daß gerade die SchuLbüchTrpreise bei weite nicht so gestiegen sind, wie es byrety das Sink des Geldwertes eigentlich bedingt wäre. Tie Scku buchverleger sind ohnehin scksvn bemüht gewefe ihre Ladenpreise so niedrig Zn galten, wie • angesichts Der imgeljeuer gestiegenen Herstellung Kisten möglich war. Tatsächlich sind die Schu büchev im großen Durchschnitt auf "das Vier- b Fünffactr?, nur in Ausnahmefällen aus 'oas Fün fache und mehr gestiegen. Man wird aus d-: Vergleich mit den Preisen für andere Gebrauch, gegenstände erkennen, daß sich die Steigerung b. Schnlbuchpreise in verhältnismäßig beschetdete Grenzen gehalten hat. Das Publilmn wird V also damit abfinden müssen, d.tß auch bic Sd u (TÜdjerpreijc allmählich der durch das intnufbörlid Sinken des Geldwertes bedingten Teuernr.g folger Es möge auch überzeugt jein, daß'bee>Slls»iibr.ä Verlag alles tut, rvas in seiner Kraft steht, ui diese auch für ihn höchst unerfreuliche Erscheimm in ben erreichbar engsten Grenzen zu fctften.
Vermischtes.
* Neuj ah rsg r atula t io n. Bo einem vornehmen Herrn wirb erzählt, da ihm sein Diener am" Neujahrsmorgen wie gk Wöhr lick, zwei Wachskerzen vor das Bel brachte uitb bazu sagte: „Ich bringe Jhner hier das icbische Licht, aber ich wünsche vw Herzen, daß der Himntel Eurer Exzellenz sei ewiges geben möge." Erfreut über diese fein Gratulation schenkt der Herr dem Diene einen Dukaten. Darauf hin will aufi der Ofen Heizer sein Glück machen und gratuliert fol genbermaßen: „Ich mache Eurer Exzellen hier das irbische Feuer an, aber ich wünsch von Herzen, daß Ihnen der Himmel das ewig anfteden möge!" Dieser Gratulant soll fei neu Dukaten bekommen haben. . .
Zweibrücken, 30. Dez. (WDB.) Eine schrecklichen Fund inachtc gestern ein von leint Frau getrennt lebender Arbeiter. Bet ber Duck suckmtg eines Koffers fand er das Skelett eine Kindes. Bei der Fesluahme der Frm gab diese <v daß sie das Skelett bereits 9 Jahre bewahr Es flamme von einer Totgeburt, die sie tm Jahr 1911 gehabt "haben will.
Spielplan der Frankfurter Theater
Opernhaus. Somitag, 2. Januar, nach» 3 Uhr: Prinzeß Tausendhäirdcher abends 61 .> Uhr CarMen. Montag, 3.: Lohettg^-.. Dienstag, 4. Der Waffenschmied. Mlltwoch, .: Fidelio. Ton nerstag, 6.: Der Prophet. Frc: ag, 7j Ailligow Samstag, 8.: Iphigenie auf Tauris. Sonntag, 9 mrcfjnt. 31/2 Uhr. Prinzeß Taufendhän'cchen, abend 7 Uhr: Der fliegende Hollnäder. Montag, 10. Der Bettelstudent. Dienstag, 11.: Hoffmatms Ei Zählungen. Mittwoch, 12.: Die Boheme. - Schauspielhaus. Sonntag, 2. Jan., mvckn 31/; Uhr: Im weißen Rößl, abends 7 Uhr: Dk König ber dunklen Kammer. Montag, 3.: Mari Sküatt. Dienstag, 4.: Maß für Maß. Mittwck 5.: Die Räuber. Tomtersiag, 6.: Robert wt Bertram. Freitag 7.: Pygmation. Im Operr- hcms: Llntigone. Samstag, 8.: Peer Gynt. Som tag, 9., nadjint. 31/2 Uhr: Nemtzehn-hundert-nemi zehn!, abends 7 Uhr: Robert und Berttam. Mon tag, 10.: Maria Stuart. Dienstag, 11.: Hamlci Mittwoch, 10.: Der lebende Leichnam.
Vrieskasten -er Aedaktron.
Auskunft Ub 1. Jagdauffeher, die an ein Jagd innerhalb ihres Dien st bezirk teilnchmen, sind berechtigt, aber nicht vei pflick-tet, die Jagdpässe der übrigen Teilnehmer z prüfen. Außerhalb ihres Dieirstbczirks find i dagegen zur Prüfung der Passe nickst berechtig Ebeniowenig können Jagdaufseher ohne Paß o der Jagd teilnchmen. 2. Nach innerer Aiisiä können Sie Befrritmg von ber Pflichtfeuerwel beantcagen.
„Tailkbarkelt ist ein Faktor, mit dessen Einstellung man sich von vornherein jede Richtung verdickt. Auf so unsichere Bmidesgenoffen wick Germering sich hoffenllich nicht veckrsjen."
Gerda, die bisher wacker standgehalten hatte, weil sie sich vor dem Bruder nicht schtxlch zeigen wollte, war plötzlich am Ende ihrer Kraft. Schon zum Gehen bereit, brach sie mit einem Mal m Tränen aus.
„Ach, er !hat hier ja überhaupt keinen, ber sich auf feine Seite stellt," schluchzte sie. „Ihm, der so vielen geholfen hat, will jetzt niemand helfen."
Sie fuhr zusammen, beim sie fühlte unvermutet bes Bruders schwere Hand auf ihrer Schulter.
,,Steht es so um dich. Schwesterchen? Das ist freilich eine böse, eine sehr böse Geschichte."
Sie machte eine ungestüm verneinende Bewegung; aber sie ließ das Taschentuch nicht von den Augen.
„Ich weiß schon, was du vermutest. Aber es ist nicht so. Ich habe npr Mitleid mit ihm — weiter gar nichts."
„Um so besser. Obwohl es bereits eine recht gefährliche Art vo.n Mitleid ist, aur der ich dich da ertappt habe. Wer ich mische mich nicht ein. Du bist alt genug, um dein Herz selber in Acht zu nehmen. Nur in einem Punkte möchte ich dich noch berichtigen. Ich habe allerdings vorhin gesagt, daß ich (Permering nicht helfen kann. Davon aber, daß ich ihm nicht helfen will, ist keine Rede. Er hat mehr als einmal neben mir als mein Sekundant auf ber Mensur peftaiibeit und hat mancher unkommentmäßigen Hieb aufgefangen, Der ; "'n zu gedacht war Wenn sich mir jetzt eine Ge- l lefKutieit bieten sollte, ihm Gleiches mit Gleichem
(Kovtstzung folgt)
zu vergelten, an meiner Bereitschaft soll es nid fehlen."
Nun erst sich sie aus tränennasfen Augen ihm auf.'
„Das ist gut von dir, Erich," sagte sie leti „Ich glaube es ja selbst nicht, daß du etwas n ihn tim kannst. Aber wenn er wenigstens erfüdr daß es noch einen Menschen gibt, der an tfr glaubt--"
„Was hält dich berat ab, es ihm zu schreiben Einen unverfänglichen Brief würde man ihm g< miß nicht vorenthalten." t
„Ich?" wehrte sie erichrocken ab. „O, daran il nicht M denken. Daß ick mich um ihn sorge, dar er niemals erfahren — nie — nie ?"
„Wunderliche GeschWe — chr Weiber! /.Ibe davon verstehe ich eben nichts. Einstweilen gckr e für den armen Germerng ja auch manckies Wiä tigere als das. Wirst tm morgen wieder zu nu kommen, kleine Schwester?"
„Jeden Tag, wenn du willst. Ich fren^ mu ja, daß ich dich l)abe."
Es war ihr, als sei sie dem Bruder plöbltck ' nahe gekommen roie nie zuvor, und ohne, bah/ ihr etwas eigentlich Ttöstliches gesagt hätte, tiah> sie doch einen schwacheii Hoffnungsschimmer nti sich fort.
Erich 'hatte khr seine Begleitung nicht ang boten; aber bald nach ihr verließ auch er ben Ga>> Hof, um einen Spaziergang längs des Bahndämme mrd burd? die Felber zu machen, bis er van W anderen Seite her Die letzten Häuser von Tuicn brmtn wiedererreichte. Da lag auch ber Frievtoi und da das Gittertor ifferi stand, trat er ent.


