Ur. 507 Zweites Blatt
21 te» Stadt und Land.
G i e ß e n, den 30. Tez. 1920.
Mehr Luft, mehr Licht, mehr Sonne!
Ein hiesiger Arzt macht nachstehenden beach- tens werten Vorschlag.
Aut der letzten Versammlung der südwest- deutscknn Kinderärzte in Frankfurt a. M. hielt Herr Dr. Klare aus Sclfeidegg im bayrischen Allgär einen Vortrag über die Somrenstrahlenbeharidlung Der kindlich-n Tuberkulose im deutschen Hochgebirge. Im £id tSilbe zeigte er die Anstalt, die Kinder aus üen öfteren Veranden während der Bestrahlung, Knaben und Mädchen im Luftl»degewand bei Spiel und turnerischen Hebungen. Schließlich zog eine ganze Reibe tuberkulöser Erkrankungen vor und nach der Behandlung an uns vorüber. Es ist erstaunlich, tvelche Erholge dort mit Sonnenbestrahlung, Luftbad und spezifischer Behandlung bei tuberkulö'en Leiden erreicht werden, die sonst oft und lange in chirurgischer Behandlung bleiben mußten.
Lust imb Sonnenbäder werden schon lange angewandt, aber nur zu häufig nxiren sie in den entferntesten, ung-eeiwretesten Mnk:l der Sanatorien verbannt. Erst in den letzten Jahren hat die medizinische Wissenschaft die heilende Wirkung der Sonnenstrahlen im Höhenklima und im Tieflande erwiesen Weiter daraus einzugehen ist hi'r aus äußeren Grünten unmöglich. 9htr erachte ich es an d.'r ^seit, daß wir jetzt dem heilungbringen- den Himmclslichte mehr Interesse entgegmbringen und daß roti uns schon heute die Frage vorlegen: Wie können solche Errungenschaften der Allgemeinheit zu gute kommen?
Gesund. Menschen können vom Licht- und Sonnenbade einen großen Vorteil haben, sie er* lwhen ihre Widerstandsfähigkeit gegen Krankheiten. Taruin wäre in unserer Stadt das Bedürfnis nach einem geräumigen Männerluftbade und einem solchen für Frauen vorhanden. Geeignete Privatgärten mit dem nötigen Baumbestände ließen 'ich in der Peripherie der Stadt sicherlich finden.
Tie Kranken sollte man nach genauer Var- ichrift ihres Arztes am geöffneten Fenster, auf Veranden, ja in jedem Hofe und Garten bestrahlen lassen.
Eine dringende Forderung wäre aber die weitgehendste Anwendung des Sonnenbades in der schule. Man stelle sich nur vor, wie leicht auf einem Sportplätze eine Spiel- oder Turnstunde ub- gehalten roerben kann. Welch eine Wohltat wäre das tägliche Verweilen der körperlich minderwertigen Kinder im Luft- und Sonnenbade an mar* men Tagen. Gerade aus den Reihen dieser blassen, ''chwächlichen, schlecht essenden Kinder mit den verschiedensten Klagen holt sich die Schwindsucht früher ober später ihre Opfer. Sie leiden unter dem stundenlangen Aufenthalte in den Schulstuben. Ihnen allen würde das Herumtummeln unter Aufsicht und Leitung des Lehrers ein gut Teil Gesundung zu bringen vermögen. Ich glaube, daß der günstige Erfolg der Waldschulen, die man schon an vielen Orten eingerichtet hat, so mit weniger Unkosten wertmäßig erreicht werden dürfte. Vollkommeneres als die Vereinigung von Waldschule und Luft- Somienbädern kann es in der Nähe einer Stadt in dieser Hinsicht allerdings nicht geben.
Allerorts, in Stadt und Land, sollten sich grauen und Männer zu einem Lichtluftbade-Vercin -usammenfinden zur Anleitung und Aufklärung des Volkes. $ft doch die sachgemäße Belehrung dringend erforderlich, damit keiner am eigenen Leibe 'rfahre, daß ein Sonnenbad unter Umständen selbst einem Gesunden erheblichen Schaden zufügen kann. Kranke dürfen selbstverständlich nur auf Verordnung ihres Arztes ein Luft- oder gar Sonnenbad nehmen. Ich r erweise auf die vorbildlichen Bestrebungen des l'uftbadevereins in Frankfurt a. M., insbesondere aus die aufklärenden Flugblätter.
Möchte meine Anregung doch einen rechten Erfolg haben. Zum Segen und Gedeihen namentlich ter durch die Ernährungsschwierigkeiten so sehr geschwächten Jugend. Gerade die Heranwachsende Gerneration lxrt Kraft und Ausdauer dringend nötig, damit sie das Ende des Dornenpfades unserer Zeil «reicht.
Alles was man dem verarmten deutschen Volke in seiner Gesamtheit und tfem einzelnen aus besonderen Gründen für die Zukunft wünschen muß, das sagen die beiden Worte: Mehr Sonne!
Dr. Stuhl.
♦
** Das 2.Operngastspiel des Hess. Landestheaters findet Montag, dm 3 Jaguar, 61/2 ihjr, mit Nicolais Oper „Die lustigen Weiber von Windsor" statt. (Für die Mitglieder des Theatervereins Abonnement A.) Ter Verkauf beginnt Freitag, den 31. 12., um 2 Uhr in der Musikalienhandlung von E. Ehallier.
** T i e Lichtspiele, Seltersweg, bitten uns, mitzuteilen, daß den vielen Wünschen der
die Falkner aufLinöenhöhe
Roman fron Re inhv ld Ortmann.
Machdruck verboten.) Fortsetzung 71.
„Nern — dem Himmel sei Dank! Er hat die seelischen Erschütterungen mit erstaunlicher Wü>er- Ivandskvast überwunden. Und der SanttätSoat, der -hn fetzt nach Dr. Germerings Methode behandelt, ist überzeugt, daß er in einigen Wochen oder läng- iens Monaten ganz hergestellt ,em werde. Sett ■eftem ist fein alter Freund, der Justizrat Benne- sitz, bei ihm auf Lindenhöhe. Und daß der so oft f>mausgeschobene Besuch nun endlich erfolgt ist, breitet dem Vater offenbar große Genugtuung."
„Nun also — wenn für fein Leben keine, Gefahr nehr besteht, was könntest du dann noch fürchten?"
„Hast du meinen letzten Brief nicht mehr er- Latten? Weißt du nicht, was sich neuerdings w getragen hat?"
„Ich habe ihn erhalten, und ich weiß alles. Leute früh bin ich gleich vom Bahnhof aus das .Amtsgericht gegangen, und man hat mir bereitwillig Auskunft gegeben. Soweit es sich um den Ltand der gerichtlichen Untersuchung handelt, kannst du mir nichts neues erzählen."
Nun mar es Gerda, deren Züge die höchste Spannung verrieten.
„Tu hast mit dem Amtsrichter Eberty gesprochen? O, du mußt mir alles nnederholen, was er gesagt hat. Er glaubt wirklich an Tr. Germerings Schuld?"
„Er ist ein Muster von einem unparteiischen Untersuchungsrichter. Was er glaubt oder nicht glaubt, bringt man nicht aus ihm heraus. Daß die
Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberhefsen) Donnerstag, 30. Dezember 1920
auswärtigen Besucher nachkommend, die Vorstellungen wochentags um 3>; Uhr beginnen. Am Neuiahrslage und Sonntags beginnen die Vor- stcllungen nachmittags 2 Ahr. Näheres stehe Anzeige.
Landkreis Gießen.
E> Münster b. Li ch, 28. Dcz. Die Weg- lmuLn, ine in unserer Gemarkung infolge der Fel d vereinigung notwendig sind, werden gogenwärttg in beschleunigter Gangart in Angriff genommen. Zur Zeit wird das Weg^ntz zwilchen der Staats,traße Laubach-Lich imb dem Walde „Judeneiche" ausgeführt.
Äreis Alsfeld.
El Vom oberen Ohmt al, 28. Dez Infolge des überaus trockenen Herbstes uni) des frühe eingetretenen starken Frostes war der Wasser >r and unseres Talbachs so gering geworden, daß die Müller ihren Verpflichtungen nicht mehr Nachkommen konnten und daß die Mehlproduktion sehr verringert wurde Die Mühlen der benachbarten Täler mußten aushelsen. Infolge des neuer bin g 5 eingetretenen reichlichen Regens sind unsere Mühlen wieder in vollem Betrieb.
Kreis Schotten.
El Laubach, 28. Tez. In der geftrigen Sitzung des Gemeinderats wurde eine ganze Anzahl von neuen Ortsbürgern aiisgeiiom- men. Tas Einkaussgeld beträgt 518 Mk. Hierfür iverden dem OnÄürger jedoch alljährlich drei Raummeter Buttenscbeitholz geliefert, was bei den gegenwärtigen hohen Holzpreisen einen großen Vorteil bedeutet. — Tie hiesige Tabakrndustrie hat sich im letzten Jahrzehnt verhältnismäßig gut entwickelt. Die drei größeren Fabrikanten, die Firmen Hohmann, Mictel, Repp, beschäfttgen letzt über 40 Zigarrenarbeller. Außerdem fabrizieren noch verschiedeen kleinere Unternehmer Zigarren in ihren Häusern mit ihren Angehörigen — Tie geplante Weberei von Rühl an der edjottener Straße ist nicht zur Ausführung gekommen. Ter Besitzer des Anwesens hat statt besten eine H 0 l z- jch neide maschine mit elektrischem Betrieb eingerichtet, fcirrte eine e I c f t r i I d> e St cT t e r und eine Schrotmühle. — Tie Maul- und Silanen seuche ist nunmehr der uns nahezu erloschen. Sie ist, int Gegensatz zur Umgegend, bei uns nicht gefährlich ausgetreten.
D Laubach, 28. Dez. Der W i l d st a n d unserer Waldgemarkung ist ganz außerordentlich in den letzten Jahren zurüdgcgangen, ebenso mich in den angrenzenden Waldgeinarkungeii. Die fort- gesetzt geübte sog. Aasjägerei, die Wilddieber.'i, das Schlrngenlcgen, das rücksichtslose Abschießen, die Polizeijagden haben den Wildstaud sehr ver mindert. So tonnte man vor zwei Jahrzehnten noch gegen 150 Stück Hochwild in unseren Waürungen zählen und heute sind noch kaum 2—3 Stück „geweihte Hirsche" und 12—15 Stück „Kahlwild" festzustellen. Das gleidje gilt vom Dachse. Dieser ist ebenfalls sehr zurückgegangen. Die übertriebenen Verfolgungen dieses mehr nützlichen als schädlichen Tieres haben es fast ganz verttlgt. Nur noch ganz vereinzelt gegen früher findet man Dachsbäue, die „befahren" sind. Und das alles wegen ein paar hundert Gramm Dachs fett. Wenn es so weiter geht, wird der Dachs in Ober Hessen bald ebenso zti den Raritäten gehören, wie in Thüringen.
II Wctterfeld, 27. Dez. In Nr. 149 wendet sich der „Grünberger Anzeiger" gegen seine Behauptung, das Dorf Birgel bet Wetterield sei im 30jährigen Krieg untergegangeu. Das Blatt vermutet, daß es sich um eine Vettoechselung seines „Gewährsmannes" handelt. Im übrigen fei dies „un roe f en 11 ich". Die Sache liegt denn dock) etwas anders. Der ganze Artikel ist ohne Quellenangabe dem „Gießener Anzeiger" entnommen, und jener „Gewährsmann" hat dann willkürliche jenen Zusatz gemacht. Daß es jedoch so „unroefentlief)" ist, solche Angaben von geschichtlichen Ereignissen ohne jeden Beweis in die Welt zu setzen, möchten wir bezweifeln.
El Vom oberen Wettertal, 30. Tez In unserem Tal macht sich ein starkes Faul e n der Kartoffeln sehr unangenehm bemerfbar, trotzdem im Sommer lange Trockenheit herrschte. Man muß für bas tommenbe Frühjahr einen schweren Mangel an diesem wichtigen Nahrungsmittel befürchten.
Handel.
Frankfurt a. M., 29. Dez. Börsen- ftimmungsbild. Tie auffällige Haussebewegung kur; vor Jahresschluß fano durch die rege Kauflust der Bankkreise und des Publikums eine weitere Stütze. Auf dem Einheitsmarkte machte sich besonders lebhaftes Anlagebedürfnis fühlbar. Zu den bevorzugten Papieren gehörten Chemische Aktten, Zuckerfabrik uno Terrainwerte. Auch im Aberckverkehr konnten diese Aktien weiter anziehen. Weiter lebhaftes Geschäft entwickelte in Holzmann-
763,
1111,35 1113,65 1113,85 1116,95
961,50
Börsenkurse.
179,50 179,75
199,
284.
340,
420,
430,
415,
28.12. 29.12.
7,
2,58
23,
1,35
Züricher Devisenmarkt.
100
100 Fr.
100 Rx.
100
100
100
100
100
256,95
73,42
427,55
257,05
73,58
428,45
Kurs 28.12.
77,50
100 $
100 Kr.
448,
315,
287,
409,- 583,- 344,75 320,- 679,-
257,45
73,92
427,80
16,48
81,65
12,98
460,- 316,50 282,75
7, 907,
195,60 194,- 525,- 409,-
8,95
4,37
9, -
581,
344,
310,
8,95
4,37
9,15
Mk. = Ri. --- Kr. = Fr. = £ — L. =
258,55
74,08
428,20
963,50
1&52 81,85 13,02
283,
723,
332,
Kurs 29.12.
77,50
Zürich . . .
Amsterdam.
Kopenhagen
Prag
Stockholm .
Wien . . . .
London. . .
Pans . . .
New-Pork
Mattnotierungen.
Datum:
Wechsel auf: Holland Deutschland Wien Prag Paris London.
Italien........
Brüssel........
Budapest New-Pork Agram........
Datum: Amsterdam- Rotterd. Drüssel-Anttoerpen . Thristiania Kopenhagen Stockholm Helsingfors
Italien London New-Park......
Paris Schweiz Spanien Wien (altes) Deutsch-Oester*. . . . Prag Budapest Bulgarien Konstantinopel. . . .
8.95
1.50
7.40
38.25
23.15
21 95
40.30
1.15
659.-
4.10
furt Berlin Abeiw- Schluß- Schluß-
29. 12.
Schweizer Fl. = 206.-
Geld Brief Geld Brief
28. Dez 29. Dez.
2285,20 2288,80 2302,70 2307,30
450,50 451,50 450,25 451,25 1138,85 1141,15 1166,30 1168,70 1138,85 1141,15 1153,80 1156,20
1446,05 1448,95 1461,- 1464,-
214,75 215,25 224,75 225,25
243,75 244,25 244,- 244,50
Datum:
5®/e Deut, llriegsanl 4 °/0 Deut. Reichsanl. 36/0 Deut. Reichsanl. 4 •/„ Preuß. Konsuls Darmstädter Dank . Deutsche Lank . . . Disconto Gesellschaft Dresdener Bank . . Nationalbank f. D. . Mitteld. (Kreditbank. H.-Amenk. Pakets. . Norddeutscher Loyd . Boch Gußstahlwerk . D.» Luxemb. Bergw. Gelsenkirch. Dergw. . Harpener Bergbau . Oberschl. Gisenb.-B. . Oberschles. Gisenind. . Phönix-Dergb.Akt. . Bad. Anilin- u. Soda Höchster Farbwerk«. Ll-Ktr. A. L. G. ... Schuckert- Werke . . Felten- Guilleaume . Daimler Bub.» Lisenw.« Skt . Adlerwerke 4 '/.Hess.Staatsanl. . Electron Griesheim .
5pvoz. Tehuamepec 512, je 4 Prvz. höher. Frankfurt a. M., 30. Dez.
Berliner Devisenmarkt.
939,05 940,95
16*98 17*08
82,40 82,60
IMB 12*52
30. 12.
Franken
206.10
8.975
1.55
7.40
38.65
23.17
22.15
40.65
1.15
658 -
4 50
Aktten 369, 372, die eine kräftige Befestigung davon trugen Auch Neckarsulmer konnten tfrrcn Preisstand um einige Prozent erhöben, 353 Rastatter Waggon stiegen aus 468, 472. Heldburg fest, 311, Sodawerke 201, Benz Motoren 264, Deutsche Petroleum, welche begehrt waren, erhöhten den Kursstand aus 2075, 2085, Hamburg Paketfahrt mit 199, gewannen 2 Prozent, Elektr. Bergmann blieben weiter gesucht mit 320, 5 Prvz. gesteigert, aber Reiniger und Gebbert wurden auf ihre letzttägige Steigerung niedriger genannt. Piontanpapiere lagen ruhiger und vorwiegend gut behauptet. Gelsenkirchen 409, plus 4l/t, ferner sttegen Maschf. Karlsruhe 530, plus 25, Eisenwerk Heyer fest, 535, Bingwerke 296, Dannhorn schwächer, 262, Fränkische Schuhfabrik 280 fester. Lähmeyer mit 260 zogen um weitere 2 Proz. an. Lokomottvf. Krauß 40925, fliegen 9 Proz. Reiniger Pebbert kamen mit 445 zur Notiz, minus 15 Proz., 5proz. Goldmexikaner
Skurs Skurs
28.12. 29. 12.
77,50 -,-
66,30 -,-
65,—
62,50 -, -
180,25
325,- -,-
245,- -,-
219,50 -,-
200,-
179,60
195,- -,-
194,- -,-
404^50 -'-
399,75 -,-
577,50 -,-
340,- -,-
313,50 -,-
671,50
570,- -,-
442,-
811,- -,-
279, - -,-
500,- -,-
289,50
729,- —
In einem Teil der Austage wiederhol tI
Die Feier des 18. Januar.
Berlin, 29. Dez. (WTB) Zur Frage der Feier des 18. Januar machte sich die Reichsregierunq dahin schlüssig, von der Bestimmung dieses Tages als staatlich anerkanntem Feiertag int Wege der Gesetzgebung abzusehen. Sic erachtet es aber als roun - schenswert, daß an diesem Tage in den Sch u • len die Einigung der deutschen Stämme durch die Gründung des Reiches und seines 50- jährigen Bestandes in angemessener Weise ge« dacht wird. In einein Rundschreiben an die Landesregierungen bittet der Reiäfsminister des Innern, in dieser Richtung alsbald weitere Schritte veranlassen zu wollen.
Neue Bestimmnngen für die Uniformen der Reichswehr.
Berlin, 27. Tez. Ein vom Rcicl'swehr.' Minister gegengey idmeter Erlaß des Reichs- p r ä | i b c n t e n trifft neue Bestimmungen für die Uniformen der Reictesweln mit Okltiing vom 1. Januar 1921 au. Die Hauptsächliste i'lenberung gegenüber der vorläufigen Reick)Swel,r betrifft die Abzeichen. An Rvck in 10 Mantel werden für Unteroffiziere imb Maunidaften abnelimbirc Schulterklappen, für Offiziere, Obennufikmeister und Musikmeister abnehmbare Schulterstücke, wie bei der vorrevoluttonaren Anuee, eingeiührt. <sie dienen zur Unterfdxibung d.r Wan, iig.ittungeir und Truppenteile. Die Tiuppenteiliiumincr befindet sich wieder auf der Mitte des Sdullterstückes oder der Schulterllappe. Für die Bezeichmmg der Mannschastsgrade iverbcn die Abzeid^n auf dem linken Oberarm beib:halten. Tie Unter- oftizrerdienstgrade erhalten wied'r Tressen am sttock- Iragen und an den Schulterklappen. Tie Rnig- abreichen der Offiziere iverden nach dem Muster des alten Heeres auf den Schulterstücken getragen. Als Landsmannschafts rbzeichen ivtrb an der Dienstmütze über bt-r Reick>stokarde und am Besaßstreifen der Feldmüße eine itoDarbe in den Farben der Lanosmannschafi getragen, der der Truppenteil <mgehört. Die Eirnnerung an ötc frühere beutfdx Armee soll nach dem Erlaß im Reick'sheere wachgehalten loecbcn und durch ein Abzeichen an der Uniform zum Ausdrnfck gebracht werden. (FZ.)
Der neue bolschewistische Feldzug.
Paris, 29. Dez. (WTB.) Nach einer Meldung der Agentur Havas aus Konstaw- tinopel rückt die zweite bolschewistische A r m e e aus G e 0 r g i e n vor. An der Grenze werden starke bolschewistische Streitkräfte zusammengezogen.
Klara Zetkin auf dem Parteitag der fran.^sischen Sozialisten!
Tours, 28. Dez. (WTB.) Der sozia» listischeParteitag setzte heute die Diskussion über die Frage des Amchlusses an die drille Internationale fort. Lebar sieht in Lenins Werk nichts als Zerstörung kund keinen Miederaufbau. Bevor man von einer Diktatur des Proletariats spreche, müsse man das Proletariat erziehen. Am Schlüsse der Dormittagssitzung ttaf ein Telegramm Klara Zcttins ein, das für die dritte Jnternarionalo eintritt. In der Nachmittagssitzung erklärt ein Vertreter des Bezirks Jura, daß er unter Garantien, für die dritte Internationale stimmen werde. Frossard weist bann den Vorwurf zurück, eine Politik zu treiben, die alle sozialistischen lieber- lieferungen über den Haufen werfe. Aber btt Achtung vor der Ueberliefenmg dürfe nicht zu weit geben. Der Redner weist die Argumente der Gegnr zurück. Inzwischen betritt Klara Zetkin, die man an der Grenze zurückgehalten glaubt, den Sitzungssaal. Man läßt sie beim Vorstand Platz nehmen, singt die Internationale. Darauf ergreift Klara Zetkin das Wort zu einer heftigen Rede. Sie betont, daß die fronfischen Sozialisten eine Trennung vornehmen müßten, um die Einheit zu sichern. Sie sprach von einer Revision des Vertrages von Versailles unb empfahl eine geistige Union -wischen den deutschen und den französischen Arbeitern. Die Ausführungen der Rednerin wurden auf der Linken mit großrin Beifall auf genommen. Tann wurde die Tagesordnung« fortgesetzt. Eine halbe Stunde blieb der Kongreß zunächst geschlossen, als Klara Zetkin sich zurückzieht, und niemand durfte das Haus aus Furcht vor einer Denunziation verlassrii.
Dinge für den armen Burschen fehr schlecht stehen, hat er mir freilich nicht verhehlt."
„Mein Gott, du hältst es doch nicht für möglich, daß man ihn verurteilt?"
„So weit sind wir noch nicht. Jndizienbeweife gestatten glücklicherweise kerne Ueberstürzung. Tvß du ihn für schuldlos hältst, hast bu mir ja schon geschrieben. Aber worauf gründet sich denn eigentlich dein felsenfester Glaube?"
Gerda sah vor sich nieder.
,,Jch habe ihn doch kennen gelernt, als er täglich in unserem Hause verkehrte," sagte sie zögernd. „Er ist nicht fähig, etwas so Enttetzliches zu tun. Schon deshalb nicht, weil es so erbärmlich feige gewesen wäre. Und du kennst ihn doch auch. Besser sogar als ich Du am ehesten müßtest für ihn eintreten können."
„Sachte, liebe Gerda! Ich würde mich nicht einmal für mich selbst verbürgm, um wieviel weniger für einen anderen. In einem Puntte allerdings stuckme ich mit dir überein. In allem mag Germering sich verändert haben — ein Feigling aber, einer, der ein Weib aus dem Hinterhalt mordet, kann er schwerlich geworden fern."
„Aber das ist es doch gerate, teilen man ihn verdächtigt."
„Aus den Mitteilungen des Anttsrichers habe ich den Eindruck erhallen, daß Germering bte schlimmsten Verdachtsmomente irfbl't geliefert hat. Er hat in einigen sehr wichtigen Punkten zweifellos gelogen. Und das war selbstverständlich das Uedelste, was er tim konnte. Aber ich bin nicht seinetwegen hergetommen. Denn daß ich ihm nicht helfen tarnt, ist Har. Ich bin gekommen, weil uh von dir einiges aus dem Hause auf ter Lindenhöhe hören möchte. We steht es gri£ Achim?"
Daß er gerate nach dem Bruder fragen würbe, hatte Gerda nicht erwartet. Und noch war sie ungewiß, ob es in freundlicher Absicht geschah.
„Schlecht, sagte sie, so schlecht wie möglich. — Ich fürchte, wenn er sich nicht bald au trofft, geht er an bieiem Schicksalsschlag zu Grunde."
„So ist er krank? Körperlich oder an ter Seele?"
„Vielleicht beides, obwohl er es beharrlich ablehnt, sich von Tr. Barenthin beraten zu lassen. Jedenfalls ist er in einer Gemütsverfassung, wie fein Mensch sie lange ertragen kann. Er arbeitet nicht, er liest nicht, er geht nicht aus dem Hause und spricht kaum noch ein Wort."
„Und das alles aus Stummer über den Tod dieser Frau? Hat er sie berat so sehr geliebt?"
„Ich weiß es nicht, Erich! Es gab sogar eine Zeit, wo ich Achims Ehe nicht für eine glückliche hielt. Aber Signes ttagisches Hin scheuen mutz ihm doch furchtbar zu Herzen gegangen sein. Vielleicht macht er sich Vorwürfe."
„Vorwürfe?" Weswegen?"
„Weil er sie möglicherweise nicht fo recht verstanden hat, als sie noch lebte. Ich bin ihr ja nid# so nahe gekommen, daß ich Genaueres über bte Tinge wüßte, die sich zwischen ihnen jitgetragen. Aber es ist doch wohl nicht alles so gewesen, rote es hätte sein sollen."
„Unb sein Verhältnis zu Erika? Hast du dir auch darüber während eures Zusammenlebens keine Sllarhell verschaffen tarnten ?"
„Sie sind freundlich unb herlich zu einander. Wenn Erika ihm überhaupt jemals gegrollt hat, letzt tut sie es nicht mehr."
„Es handelt sich nidjt um Erika, es handelt sich zmi ihn. Tu sagst, ferne Ehe m nicht glücklich ge
wesen. Vielleicht war er seiner Frau schon überdrüssig geworden. Und nun, da er Erika wieder- stch--bist du ganz sicher, daß er sie rttcht noch
immer hebt?"
„Darauf kann ich nicht antworten. Achim hat mich nicht zu seiner Bertvauten gemacht. Aber ich habe nichts davon bemerkt."
„Es wäre also doch möglich — nicht wahr? Die übereilte Heirat könnte ihm gereut haben. Und diese Frau, die jetzt zwischen ihm und Erika stand, sie war ihm möglicherweise im Wege?"
Gerdas Pupillen hatten sich geweitet.
„Was soll das heißen, Erich? Um Gotteswillen, was für Gedanken sind das? Was für fürchterliche Gedanken?"
Er strich sich mit der Hand über die Stir.1.
„Nichts — gar nichts. Wenn man solche Mordgeschichten in seiner Familie erlebt, geht einem natürlich allerlei durch den Stopf. Vielleicht ist es dummes Zeug. Aber du könntest mir em en Dienst erweisen, Gerda."
„Was soll ich tun? "
„Tu sollst Achim oerantafien, mich hier im „Schwarzen Adler" aufzufuchen. Heute noch, wenn es sein tarnt. Ich habe notwendig mit ihm zu reden."
„In Freundschaft, Erich?"^
Er lachte kur; auf.
„Fürchtest du, daß ich ihn umbringen tannie? Ich denke, es wäre an dem einen Fall in unferm Haufe mehr als genug."
„Das ist nicht die Antwort, die mich beruhigen kann. Ich habe es noch nicht vergessen, was du mir in Berlin über deine Empfindungen für Achim sagtest. Damals wolltest du ihn nie Wiedersehen."
(Fortsetzung folgt.)


