AUS Stadt und Land.
Gießen, den 30. Okt. 1920.
Herbsttage.
Das lichte Geschenk seltenschöner Herbst tage hat die Welt in einen Zauberglanz van Gold und dunkelglühenden Farbtönen getaucht. Die Reife Schönheit, der sich zum Winterschlaf rüstenden Natur wird seit mehr denn zwei Wochen immer neu und immer gleich strahlend acks den brauenden Dunst- wolken der Frühnebel herausgeboren. Kein Wölkchen steht am hellblauen Himmel, tagelang ist die Luft durchflutet und durchwärmt ran ungehemmt sich ergießendem Sonnenlichte. Die Ferne tritt in einer Klarheit hervor, die das Gefühl der Unendlichkeit auslöst und uns das bekannteste Landschaftsbild in neuem ungeahnten Lichte zeigt. Stimmungen klingen auf, die anders sind, wie der Herzensjubel'' vor einer Frühlingswiese oder bas Kraftgesühl inmitten sommerlicher Reife. Der Schauer des Erhabenen rührt uns an wie vor allem, das hinter einem lächelnden Antlitz den Tod birgt.
Wohl haben die Bäume ungewöhnlich lange grünes und bunt gefärbtes Laub an ihren Zweigen festgehalten; in den Anlagen wird man überrascht von dem Anblick fast ungelichteter Baumkronen, die ihre Kuppel klar und farbig vom fernen Blau des Himmels abheben; aber jeder Morgen zeigt die Straßen überdeckt von welken Blättern, die der Nachtfrost mit leisem Finger von ihren Zweigen löste und lautlos zu Boden sinken ließ. Die Natur rüstet sich zum Winterschlafe.
Gibt es eine Gcifterwelt?
„Nicht Theorien von Völkerglück, nicht Vcllks- befrcte, sondern nur ein machtvoll magischer Wille heil! die Zeit, ein Windstoß aus himmlischer Höhe, । der die Wogen der Geister durch methaphysische Kräfte in eine Richtung bannt und vorwärts treibt. Aber toiebergvborcn aus der Volksseele muß er ent- ftehen, aus Mi lionen Flämmchen willenhafter Neu- beseellmg zu einer Fouersänke emporlohen, die unser Volk aus der Dunkelheit der Zeit in ein Neuland der Selle führt."
Diese bombastischen imb dabei so nichtssagenden 1 Worte, die Peryt Shu neben anderen einer sei-; ner Broschüren vorausschickt, sind ck>arak:eristisch' für den ganzen Vortrag, den dieser Herr gestern' Abend im Hotel Einhorn hielt.
Der große Einhorn-Saal war ziemlich gefüllt, j Es mögen viele aus reiner Neugierde gekommen^ sein, ti überzeugt zu werden hoff en, daß eS wirklich eine Geisterwelt gebe. Diese wurden freilich schon bei Beginn enttäuscht. Herr Peryt Shu erklärte nämlick, daß er G ister selbst nicht erscheinen lasten könne, da er befürchten müsse, entlarvt zu werben; beim Spiritismus gebe es ja so wenig Eäflos. Wenn etwas an dem Vorträge zu loben ist, bann diese Offenheit. Merkwürdig überhaupt, wie oft daS Wort „vielleicht" ausgesprochen wurde. Ein seltsamer Heiliger ftivwahr, der an der eigenen Lehre zweifelt!
Herr Peryt Shu verstand es ausgezeichnet, ferne Zuhörer durch einen Wust von hochgelahrti.,n Fachausdrücken und schwulstigen Begriffen aus der Welt des Spirilismus, Occultismus, Hypnotismus usw. förmlich zu betäuben und über die in* neue Hohlheit des Vortrages hinwegzutäuschen. Zunächst sprach er des längeren und breiten von Versuchen, die irgeudweläte alte Gelehrte mti Somnambulen aussührten, zeigte dann, wie der Tod ang blich überivunden werden könne, erklärte das Probtem der Verjüngung durch eine iung- fräuliche Seele, die sich immer rtneber im Fleische erneuere, erzählte davon, wie der Rhythmus des Weltwillens in entern schwänge, wenn man bestimmte Laute von sich gebe, zitierte ab und zu mal Go.the oder Hebbel als Kronz-mgen seiner Thesen — die sich hierfür wohl bestens bedanken würden., meint sie noch lebten —, konstruierte einen Urchristus, den ChriÜus der Mytle, den Dy-or.isos, schwärmte davon, wie herrlich weit man es in England gebracht habe, wo es allein in London ft ben Bureaus für das Jense ts gebe, in denen man ständig Anschluß mit ben verstorbenen Angehörigen bekommen könne usw. usw.
Tie Experimente wa en ähnlich. Einige Herren mußten auf der Bülme in Geßan'et ^v.i Haselruten zu einer bestimm len Figur,einem ma- gisä/en Zeiä-en, zusammenbiegei, einige bestimmte Laute ausspvechen und dazu mit den Armen und dem Körper gewisse Bewegungen aus'ühren. Taraits würden sie den „Rhythmus des Weltwillens" ie nachdem in den Händen oder den Zehen oder den — Beckenknochen verspüren. Aus Besragcn erklärten die Meißen Herren natürlich, bas fte em Sausen, ein Prickeln, etwas Kaltes in den Händen
verspürten, die bei einen Herrn so.'ar trxnnpstnd- lich g-ogen Naoelstiüie ge.u’ixe'f st in füllten. Unter vier Augen gestanden aber zwei dieser Herren bet ixrlegette.n Läcl/e'.n, das; sie nichts „gespürt" hätten. Aehnlich war das „Isis-Mysterium" und d-.e magn-ttisci-eu Uebungen, wo dos Me iunt aus "bem 'L-tuhle Eieben blieb ustv. Am SckLusie wurden durch gcschicNe Handbrwegungett billige optiichr Tüusck>ungvn erzielt.
Wenn man sich wundern muß, so darüber, daß derlei Humbug noch immer gläubige Anhänger findet, daß in Gießen sogar ein Verein existiert — „Die Burg" nennt er sich, Leiter ist Herr Muller, bekannter vielleicht unter dem Namen (Pas- guccl-Bary —, dessen Hauptzweck m dec Abhaltung schritisttster Sstnn grii bei e t. Wundern muß man >ich aber auch, daß Herrn Peryt Shu für seinen übernächsten Vor.rag mit dem firrrfigen Thema: „Goe.hr und Niersche als Pro pl-eten unserer Zeit" die Neue Aula zur Verfügung gestellt wird.
Veranstaltungen.
Samstag: Stwätheater, 7 Utir, „Minna von Banthelm" — Gefalli'chaftshaus, 8 Uhr, S if- lun-7sfest des Kamfinärmiichen Verröts. — Turn-- lxrlle OSwäldssarien, 8 Uhr, Sti^tungissest des Radfahrervereins. — Cccfä Leib, 8 Uhr, „Herbst- Vergnügen" der Vergorbet er Deutschlands. — Licktspielhaus, „Di^ Tarantel" und „Not und Verbrechen". — Licht,Piele, Se.tersweg, „Der Dodes- sattel".
Sonntag: Stadttheater, 3 Uhr, „Meiia- gerie": 7 Uhr, „Ter ersten Li-ebe goldene Zeit". — Felseükeller, 2 Uhr, Besprechung der 115er — Katholickvs Verünsbaus, 4 Uhr, Konzert des Gernhacdtschen Zitk>er- und ManboliiveavchorS. — Lichtspieltheater wie gestern.
Gießener Wrrchenmarkt.
Gießen, 30. Okt. Auf dem heutigen Wock>rnmarkt kostete: Butter, Marg.. Puud 15 Mark, Käse Stück 85 Pst Hühner Stück 14 bis 21 3)1?., Hahnen Stück 14 bis 21 Mk., Gmtse Pfund i 8 bis 10 Mk., Ochsen fleisch Pfund 12 Mk., fiW I und Rindfleisch Pfund 12 Mk., Schver.'^f'e:sch Pfund 16 Mk., Kalbfleisch P imd 12 Mk., Hammelfleisch Pfund 12 Mk., Milch Liter 2 Mk., tKürdoffeln 50 Kilo 30 Mk., Weißkraut Ztr. 20 Mk., Wirsing Ztr. 30 Mk., Rotkraut Ztr. 30 M?., Kohl- rabeit Pfund 20 bis 25 Pf., Sellerie Stück 50 Ps., Lauch Stück 25 Pst Spinal Pfund 80 Ps., gelbe Rüben Pfund 40 Pf., rote Rüben Pfund 30 Ps., Zwv-beln Ztr. 110 Mk, Aepel Ztr. 50 bt-3 70 Mark, Mrnen Ztr. 50 bis 70 Mk., Nüsse 100 Stück 2 bis 2,50 Mk., Tomaten Pfund 1 Mk., Rettich Stück 20 bis 30 M., Merettich Pchnd 1 Mk., Butterkohl Pfund 40 Pf., Endivien Stück 60 bis 80 Ps.
** Oberhessischer Kunstverein. An Stelle der graph. Arbeiten von Steinhaufen, Volkmann, Hohmann und Haberl sind solche von KaUmorgen, Kampmann, K. Biese und L. Dörr der Ausstellung eingerecht worden. Ferner unter anderem noch zwei Tenv- pera-Gemälde von Haberl. Die gesamte Ausstellung verbleibt nur noch 8 Ta<te, ausschließlich zweier Sonntage. Im übrigen verweisen wir auf die Besprechung im heutigen Blatte. Die Ausstellung ist morgen Sonntag von 11 bis 3 Uhr ununterbrochen geöffnet. An Wochentagen nur Dienstags, Mittwochs und Freitags von 11—1 Uhr/ und am Mittwoch nachmittag noch von 3—5 Uhr.
** Anzeigepflicht bei Ausgrabungen. Das Landesamt für daS Vildungs- wesen erläßt neue Bestimmungen über die Anzeigepflicht und behördlichen Anordnungen bei Ausgrabungen und Kunden; danach sind Anzeigen über beabsichtigte Ausgrabungen und Grabungen an den Denkmalpfleaer für die Altertümer, die vorgeschriebenen Fundanzeigen an die Bürgermeisterei oder das Kreisamt des Fundortes zu richten.
** Erwerbslosenfürsorge. Das Hess. Landesarbeils- und Wirtschaftsamt erläßt eine Bekanntmack)ung, ncrck) welcher die Arbeitgeber verpflichtet sind, die Giiin.de, aus denen sie einen Arbeitnehmer entlassen, so weir klar zu stellen, daß die Organe der Erwerbslosenfürsorge in der Lage sind, zu beurteilen, ob die Arbeitslosigkeit sich als Kriegsfolge darstellt oder nicht.
** Heber die Durchführung des Lohnabzugs für ine Eiutomm<nst«Zkr enthält der Anz^geMeil der heutigen Nummer eine wichtige Bekonntmachnwg.
** Sein 25jährigeS Dienstjubiläum begeht am 1. November Hllfasthutzntann Ludwig in Gießen. Ludwig erfreute sich wäh- renb seiner langjährigen pflichttreuen Dienstzeit
stets des Wohlwollens feiner .Vorgefaßten, feiner Kameraden unb auch des Publikums.
** Eine allgemeine Kaninchen- u n b "Geflügel-Ausstellung findet Sonntag, 31. Oktober, bei Gastwirt Ludwig Döpp in AlteN'Buseck statt.
** Die Warenausgabetabelle des Lebensmittelamtes für die Wvck-e vom 1. bis 7. Obvernber ist aus dem Anzeigenteil der heutigen Nummer ersickstlich.
** Holzausgabe. Der Hotzlagerplatz stt der Gabelsberger Straße ist infolge Ma- schinendefektes bis auf weiteres geschlossen. Die Ausgabe erfolgt auf dem Lagerplatz an den Bahnhöfen.
♦* Leipziger Solo -Quartett. Wie aus dem AlMigenteil der Ifautigen Nummer unseres Blattes ersichtlich, i|t es gelungen, das von früher hier gegebenen Kon- z-erten in bester Erinnerung stehende „Leipziger Solo-Quartett für Kirchengesang" für Donnerstag, 4. November, zu einem Konzert zu gewinnen, das in der Johanneskirche, abends 8 Uhr, stattfindet. Der Reinertrag fließt dem Hessischen Diakonissenhaus Elisa- belhenhaus in Darmstadt zu.
** Der Natur Heilverein veranstaltet am Montag, 1. November, abends 8 Uhr, int Saale des Hotel Schütz einen öffentlichen Vortrag für die erwachsene weibliche Jugend. Frl. Emmy Spies wird über das Thema „W as unsere Töchter wissen müssen!" sprechen. Wissen in Reinheit ist eine Notwendigkeit. Das junge Mädchen darf Klarheit fordern über die Vorgänge int eigenen Organismus, weil es nur mit diesem Wissen bewehrt eine rechte Hüterin seiner Gesundheit und Schönheit zu sein und zu bleiben vermag. Der Vortrag soll jungen Mädchen zeigen, wie sie ihr körperliches unb seelisches W-ohl leiten müssen, um später ben i Ei neu von ber Natur zugedachten Beruf als Hausfrau und Mutter ganz ausfüllen zu können. Den eigenen Körper als etwas Geschenktes betrachten, seine gute Entwicklung fördern, dein Seelenleben reine Nahrnng geben! DaS sind Anforderungen, die wir heute, doppelt wichtig nach den schweren Kriegsjahren, von jedem jungen Menschen- kin.de erfüllt sehen möchten. Dazu gehört Aufklärung in Wort und'Schrift. — Jede Mutter muß es als ihre größte und heiligste Pflicht betrachten, selbst ihre Tochter auf den Lebensweg zu leiten, den sie gehen muß. Sie muß sie über alle Gesundheits- und sexuellen Fragen aufklären; guter Wille und ein mütterliches Herz lehren sie di'e richtige Antwort auf alle Fragen finden. Ihr hierbei behilflich zu sein und sie zu unterstützen, ist eine weitere Aufgabe des Bortrags.
Landkreis Gießen.
u. Heuchel heim, 30. Okt. Ter Kriegsgefangene Richord Sack, Sohn des hiesigen Ze- mcntwarensabrikanten Heinr. Sack II., keyrte gestern morgen wvhLbechallen nach fast vierjähriger russischer Gefangensäast in die Heimat zimckick. Die Freude des Wiedersehens war umso größer, als ot£ Eltern int letzten Jahre überhaupt keine Nachricht mehr von ihrem Sohne e hüten hatten. Zur Begrüßung hatte sich am {freitag abeno der hiesige Gemischte Chor vor der Wohnung des Zu- rücfgeteerten eingefunven unb gab durch ztvei stimmungsvoll vor getragene Chöre feiner Mitfrcuve sich flicken Ausdruck. In der zwischen beiden Chören liegenden Pause widmete der Vorsitzende des Vereins dem Heimgckehrten warme Worte der Begrüßung unb beglückwünschte ihn zu seiner Heimkehr. Erwartet wirb von seinen Angehörigen für die nächste Zeit noch ber ebenfalls in russische Gefangenschaft geratene Erfatzveservist Phil. Winter. In einem Briefe an seine Frau stellt er seine 9Cnfunft für den EommJeuben Monat in Aussicht. — Als letzter Heuchelheimer Ktev gsgesangeuer fal?ft dann noch ber ledige Otto Sack, ber zwar auch in russische Hände fiel, über ben aber st ine Angehörigen bis jetzt leider ohne Nachricht blieben.
-m. Hungen, 30. Okt. Eine verw gene Ein- breeberbanbe sch int unser Städtchen systematisch zu bearbeiten, denn schon wieder würbe ein dreister Einbruch Dcrfucfr. Ein hiesiger Gendarm beobachtete in der Nach! gegen 2 Uhr einen Schmieve stehenden Mann, unb als er auf ihn zugiug, gab dieser ein Zeichm, woraus die Einbrecher die Flucht ergriffen. Leider versagte nach Anruf der Revolver des Gendarmen, so daß die Männer unerkannt entkommen tonnten. Sie batten
Siebener Stadttheater.
Pygmalion.
Komödie von Bernhatt> Shaw. Gießen, 29. Oktober 1920.
lieber Shaw als Dramatiker und über ferne Weltanschauung zu sprechen, gab zu Ende der letzten Spielzeit „Der Arzt am Scheidewege" Anlaß. Was damals gesagt wurde, trifft auch auf die sieben Jahre später (1913' entstandene Pygmalion- Komödie zu. Wie alle Shaws wurde dieses Stück -ehr schnell in Deutschland gegeben und ging bereits vor dem Kriege über die Bühnen der Großstädte. ES jetzt auch in Gießen auf den Spielplan zu fetzen, ist an sich begrüßenswert, doch dürfte nicht gleich zu Anfang der Spielzeit der Eindruck erweckt werden, als ob bi; Ausländer eine bevorzugte Rolle spielen fallen. Leider folgt man ja hier nicht der guten Gepflogen^it anderer Bühnen, bei Spie!zei'b'ginn das künfllerische Programm zu entwickeln. Vielleicht wäre dadurch diefer Anschein vermieden worden.
Ter Komöbie liegt die Sage von dem griechischen Biidhauer Pygmalion zugrunde, der sich in eine von ihm geschaffene weibliche Statue bösst nungÄo-s verliebte, bis sich AphroL'-ir; fröter erbarmte und die Statue zum 2/bea erweckte, was er nachher — bi'ter bemii haben soll.
Bei Shaw ist der Künstler ein Professor der Phonelik und die Statue ein Blumenmädel, daS er aus eine Wet^ mit einem Oberstjei hin in drei Monaten soweit bringen will, daß es als Herzogin auftTeten kann. Die Mutter des neuen Pygmalion crfcmr zwar ba5 seelische Problem, das iich die beiden eingefleischten Jimggesell>-n beraufbeschwo-- ren haben, aber Shckv selbst gibt stch nichl st geringste Mühe, ' ie'eS Problem zu iea Ihm bient die Verwandlung br5 Blumenmädchens als willtontmener Voxwano ber «mglischerr Gest 'l'chaft und der gebildeten Gesellschaft überhaupt for'afti <e Boshröen sagen.
Witz, Laune und Bosheit stecken vor allem in dem Dialog, der fast in idxr Replik eine über- raschmde Weirdmig bringt. Dann abr in der Wahl der Personen, nicht zuletzt ber Nüröenpersonen.
Da ist Eliza, daS Blumenmädchen, berat Mutterwitz ber Gesellschaft, für die sie heran- gezüchtet werden fall, beinahe neue Umgangs- 1 ormen beibringt und bas ben streiten härteren Sieg über den Junggesellen davrmträgt. Das ihvem Erzielter so köstlich klar mach', daß es nur geiellschastssähig wurde, w'il es sich an seinen Umgangswrmeu Bein Beispi l nahm. (Cläre Türk, deren ursprüngliches Spi Patent wir schon ltervvr gehoben haben, gab die Eliza in allen Eniwick- lungsstadien gleich geschickt, obwohl Shaw seelisckte Zwischenglieder vermissen läßt. Ihr Auftreten als Sprechautomat im dritten Austzug war überwältigend.)
Da ist .Liggins, der zeitgemäß gesprochen, .Knegsgclvinnlern einen eiitwandsreieu Umgangs- ton beibringt, d-r aber selbst die übelsten Manieren hat und ber sich von seinem Geschöps imponieren laßen muß, um endlich bas in ihr zu selten, waS er aus ihr machen wollte, eine Dame, lOskar 'Fe igel zeigte sich auch in dieser Rolle inieder als ein gereifter Künstler, ber s ine Mittel kennt und mit feinem Talente nunmehr wuchern kann. Im dritten Aufzug übertrieb er die von ihm geforderten schlechten Manieren ettua5 zu stark? ., der köstlichsten Figuren ist der Müllküt- sckter Ali red D o o l 111 (e, ber „unwü^-ige Arme" der sich feine Moral leisten fanv., bis tr sich unv-r- seltenS tu beit Genuß einer Rente ersetzt sieht und zu schivach, t-arani zu oer-ichten, ter '•’lloml be5 Mittelstandes" ausgelsts-nt ist. Zhi mnwcht bei allem Humor eine gewiss" Tragik, die Rudolf Goll nicht umging, so launisch er auch den Philo- faphen des vierten Standes zeich-.nrc.
Klug güvählt ist auch bi. Aomilie Eynskorb ) Hill, bie verarmten Vornehmet!, die ihre g^'seÜ-
schaftliche Stellung mit allen Mitteln batten zu müssen glauben uno jröe Albernheit mitmachen, um ja den Verdacht zu vermeiden, nicht auf der Höhe zu sein. (Hier bewährte sich besonders Margarethe Wernicke, während ihre Tochter Karla Keller, gedrückt und auf dem Sprung nach ber Witterung des dernier cri zugleich hätte sein müssen. Richard Hellborn, der Sol-n, fügte sich sehr gut ein.)
Die Gestalt des Obersten Pickering ist nächst der Flügen Mutter Pygmalions am wenigsten saty- risch behandelt. Beide Figuren wirten daher etwas kühl und fonuten auch von Auguste M a r ck s unb Karl Volck trotz redlichem Bemühen nicht zu vollem Leben enveckt werden.
Die Spielleitung Adolf Telekys hatte ben Stil auf eine zahme Posse richtig eingestellt. Vermutlich sind auch ihr vorteilhafte Verbesserungen ber schlechten Uebersetzimg von Tvebitsch zu bauten, die aus ben geschliffenen englischen Dialogen un- geschlifsenes Deutsch macht. Tie nochmalige Rückkehr' Elizas am Schlüsse ist zuxrr bem Original gegenüber bülmenwirksamer, setzt aber einen Effekt anstelle bes psycholvgisä, feineren AnSganges. Im ersten Bild störte bie Architektur des neuen Portal- vorbaus vor gothischen Domfassade. zz.
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Gberhessischer ttunftvereirr.
Gießen, 30 Oft. 1920.
Die erfre Ausstellung dieses Win ers erfreut durch die Bekanntschaft mit einigen neuen Künstlern und daS Wieder-sehen mit bereits öfter hier gewesenen. Die Ausstellung wird k inen Kunst- '(reiino en täuschen, -aber tiefe küm'lerische Eirünücke wird sie kaum vermitteln. Es sind durchweg gute Arbeiten anerkannt guter Hncknnft ausge eilt, aber uiflftS waS wahrhaft erfcfniHert ober begeistert. 9iid;.lS was zu bogri terter Arrerkennung ober be- ftinunter Ablehnung hevaussor erte. Es sind Arbeiten, an betten mau. seine stille Freude hat, von
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Ziemlich reichhal'ig ist die g-aps'i'cl'e Aus^i lang. Als nrehrfach „Dagewe'eue" sind G. I ad«» Losäftvitz unb H. Haberl- Manche.i zu erwähoft- Sehr sein sind kleine Rabierungen von M N iib- l a u § - Stuttgart, E Heymauu - Münck^u inc F. Dörr Karlsruhe. Die tu' ige Satire eimd zcichenfreudigeu Zei'gc-nosseu beliini-e- F. L ükl> n e r - Wvlfenbüttel in teils stotorürteu Zeichatun>o, von heuen cinzelne Exemplare aus luidgeu tem befannt sind.
Bib'ischen Themen verleiht W. Sie: n» hausen tiefempfundene religiöse Weihe, wähisv Aloys Wach-München das Thema vom laifenen Sohne in tonstruk.iv lüwarer ArckziteUtn' aufbout.
Von Gießenern zeigt C. Leichum Kv)>le zeickmungeu aus Frankfurt, H. Hekroth Taü.r- piobeu, die sehr beachtenswert sind, mit Ausuair^ efttes mißglückten Temper ablldes zl. i
bereits eine große Scheibe eines Fensters by unteren Stockes eines außerhalb fteI)eiLben H<mi<> eingedrückt.
x Wieseck, 28. Okt. Unser btonnte? Storchnest hat Karl Sch.fter von l.ier in crunn wohlgeluivgrueu Lichbild aufg.-ninumru. Erne orr> grö f;crte Wiedergabe, hüb ich banbß toriert, befiubd sich zur Zeit in einem ©dxrufen er Der Mebizino I, Sörixterö „Zum KretHplatz" in Gioß.n und berH-nt Beachtung.
d. Steinberg, 30. Okt. Nachdem in dem benachbarten Oberlais die Arbeiten für die elektrische Lichtanlage in bei Hauptsache beendet wurden, nftrd jetzt auch in unserer Gemeinde an der Fertigstellung d^ Lichtes eifrig gearbeitet. Wie man hört, soll das Licht noch in diesem Jahr zugleich mit Lern Gemeinden Oberlais und Glashütten einzel schaltet weroen.
Kreis Schotten.
0. Oberlais, 30. D?t. Nach Beend,« gung «der diesjährigen Jugendfestspiele unter nahmen die Mirwirkenden in „G l a u b e u n „H eima t" unter Führung von Pjartei Weidner vor einigen Tagen einen Ausfluß nach Darmstadt und dem Rhein. Den Höhe« punkt «der Reise, von ber die Teilnehmer inil größter Befriedigung zurückkehrten, bildete!, der Besuch der Lohengrin-Aussübrung im Darmstädter Landes:hea'er, die Rlieindamp ferfahrt uird die Besichtigung des Nalional- denkmals auf dem Niederwald.
fd. Schotten, 29. Okt. Für unsere Armen hat der Hessen-Darmstädter Volk).. verein in Neuyork 5000 Mk. überwiesen.
fd. Ulrichstein, 29. Okt. Einbrechc: stahlen aus der Molkerei Dörr 130 Pfund Butter. — Aus der Güterhalle des Hofes Ortenberg wurden drei Kisten Mar. garine gestohlen.
Hessen-Nassau.
Das Grtfnt) der öeut'chfn Bevölkerung.
mc. Frankfurta M.. 29. Okt. Der Ncichzl tierbanb ber privaten gemeinnützigen Krau ken«' unb Pflegeaustalten Teut'ch'avbs, dem i a auch fämtiidje evangelischen Diakonie' e eine uni bie katholischen Orben, soweit sich bieselben mt Krankenpflege beschäftigen, angeboren, hielt heul, in ber Sendenberglichen Bib iotlutk seine Mitgl't- derversarnrnlung ab, in der auf bie grosze Not b: privaten deutsckten Krankenhäuser hingewieted würbe. Hier müsse unbedingt ein1 Hilfsak ion eh setzen, ba man bie Pftegesätze nicht mehr erhöbe könne. Prof ssor Langsleiu (Be-eliu-Cbarlo e.ibunq beleuchtete mit geradezu fürchterliätztn Zahlen bail körperliche Elenb ber deutschen Bevölseruug ar. Haub einer ganz neuen S a istik. VerhäitnismrW am besten sei ber Gesundheitszustand ber 'Säu,- linge. Alle ande <n Bevölkerung^ l assen leiden a <: in nie gekanntem Maße. Die allgemeine Sterb lichLuit ist von 9,5 Proz'nt im Jahre 1915 nuj 37 Prozent rm Jahre 1918 gefti g n An Kindtell fieber starben im Jnhoe 1919 50 Prozent Tvraur. mehr wie 1913. Die Kinbersterb'ichkeit stieg in Altor von 1—5 Jabreu gegen 1913 um 49,3 Dozent, im 5—15. Lebensjahre gar um 55 Prozer sie hat sich verboppe t. Dio Erkrauknngsziffer jät tuberkulös infizierte Kinder im Aller vou 2 Iatt: stieg um 134 Prozent des Fmtedeu'standes, litl 5 Lebensiähr b rügt t ge auß9J P oz, nt To dieser grauenhaften Zainen läßt b.u Ji-.id> eint Privat krau ken au sta lt nach ber mibe^en eingehr j 32 Prozent ber privaten Säug ingsHeime, 2U| Prozent der Mütter Heime, 12 Prozent ber Sen - liuaskrankeuhäuser unb 7 Prozent der Dtt'I bindmtgsaustalten mußten schon i'r e Pforten Wifi ßeu. Die Versammlung gab der Hosin nig A: ebrud. baß sich hie Kommunen int Jule e e der priori:' Anstalten zur Hilfe bereit finoen bi,en, soweit b in ihren Kräften steht.
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( ) Marburg, 20. Okt. Der S t r o preis für Elektrizität beträgt vom l. No vember ab für Licht 2.25 Mk., für Kraft 1.5D Mark pro Kilowattstunde. Die Zählermieii wird monatlich auf 3 Mk. erhöht.
mc. Westerburg, 29. Okt. Weit Met fünfzig Familien im Stcnrdesatntsb^n! Rennerod haben die Mitteilung crfaiftcn, Vas ihre in den letzten drei Jahren geborene Kinde r amtlich eigentlich gar ni«lhl am Leben sind, da die von bem bett. Slm> desbeamten ausgestellten Urkunden ungMij sind. Die Familien werden jetzt aufgefarber:, ihre Kinder noch einmal zu melden, roabu rgj sie zu vollberechtigten Staatsbürgern avav eieren.
bentm man sich aber trennt, ohne daß eine tiie'r I Nachwirkung haften bliebe.
Mit ber größten Anzahl von OelbillteN, üfl Mexander Be r tranb vertreten, rin Tü fibDcftti Künsller, ber sich« seine Motive mit rlleb’ oiß I klösterlickier Be chccullclB it wählt. Damit erfti t\ sich seine gebärnpf e Fateg, bnng und seine nilni b Verhaltenheit. Die religiö en StimmungAv vi ' kommen sehr f in zum Au^ -ruck. Dret cf« ak'N'ft * säten LMiosckM en des geschätzten R. K a i t' nähert sich R., S ch m i tz-Münckien so stark, >0 man ihn für einen btreffen Sckp'iler halten mut'. Von starkem Cinbruck sind die Lanbs<has:en E Carl K ü st u e r - S utt-art (Märzsimmung.-. fieulich fiub Lanbsck^fteu vou Pa?il Sc gisst t' . München, Jos. R« ft Knobloch- D.'üncl»en M:.d Stuttgart sowie ein klares A fuarcü tim K. D > flP1"1 Stuttgart. Mit Freude sieht man immer roiiic bie farbig reizvollen Entenbilder von A. Ko e stL? München.


