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Donnerstag, 30. September]920

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Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

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Roman von AlfredSassen.

(Nachdruck verboten.)

(Schluß.)

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wachsen ist, mit ihm besprechen"

Hermann hielt sie, lächelnd über ihren Eifer, zurück.Freund Reinsdorf ging eben mit einem Stvaufz ins Haus," sagrc er. ,.iHahrscheinlick will er den Kaffeetisch damit schmücken. Warten mir, bis mir uns nachher alle um den geliebten beut-

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Ter Bruder sah völlig verstärckmislos darein.

Sie fuhr voller Galgenhumor fort:Ich freue mich, daß unseren Freunden nach fo bitterlclpvMN Prüfungen endlich der Sonnenschein des Glücks aufgcgangen ist, und ich möchte heulen, mell mir selber im Seb en so gar nichts dergleichen beschio- den mar, weder ein ganz großer 'Schmerz, nxh eine ganz grobe iiuft."

Sie schloß mit dem tragikomffchen Seufzer: Herrgott, ich kann nicht dafür aber es muß doch über alles schön sein, so einen richtigen Ro­man zu erleben!" M

Teine alte Siebe," nickte der Lehrer ihr mit schelmischem Lächeln zu.Du lieber, großer Kinds lvps!"

Sie. entfernte sich mit einer fast kriegerischen Bewegung ein paar Schritte von dem Bruder. Saß mich," ritt sie.Und menn ich zehnmal graue Haare habe ich schäme mich nicht, es aus­zusprechen: es ist doch jammerschade, daß ich in meinem ganzen Leben nicht ein einziges mal so recht von Herzen abgeküßt worden bin!"

Tas kann sa noch geschehen," ließ sich da eine halle, lustige Stimme vernehmen.

Im nächsten Augenblick fühlte sich Anna Reinsdori beim Kapt gepackt und so gründlich ab- geküßr, daß sie nach Atsn ringen mußte.

Max Bodenbach war soeben von Jena 'her­ausgekommen.

Unbemerkt von den Gesck-oistern, hatte er die Tür geöffnet und die lebten Worte des alten Fräuleins vernommen. In der übermütigen Stim­mung, die ihn beherrschte, seit imalten Schloß" durch sein opfermutiges Tazuttor sich alles

gleich hinübergehen unb die Einzelheiten schönen Planes, der auch mir tier ins Herz go-

so wunderbar zum Guten gewendet hatte, war er zum Küßwüterich geworden.

Er hob seine bunte Schülerinütze aut, die ihm bei dem Attentat entfallen war, und fragte nun doch etwas zaghaft:Sind Sie mir böse?"

Das alte Fräulein konnte rod? immer nicht sprechen, aber sie schüttelte energisch den Kopt.

Ter Lehrer begrüßte den frischen Burschen und teilte ihm mit, daß Walter Hüttich heule znm ersten Male das Krankenzimmer verlassen habe er ergehe sich mit der Tonte und den jungen Leuten draußen im Garten im wannen Sonnen­schein.

Hurra!" rief Max und stürmte, seine Müße schwenkend, hinaus.

Lehrer Reinsdorf sah die Schwester von bet Seite an und fragte nach einem kurzen Schwei­gen scheinbar ganz ernsthaft:9hm?"

Tas alte Fräulein hob beide Hände zum Himmel und emnberte in komischer Feierlichteil: Ich bin erlöst! Jetzt hab' ich meinen Roman ge­habt . . . Uebrigens soll dieser Raman noch lange nicht zu Ende sein. Ten Jungen geb ich nicht wieder los. An dem will ich mich freien, solange ich das Leben habe!"

So ist's recht," stimmte der Bruder zu, und ein weiches Lächeln ging über seine Züge.Wenn wir auch niemals in eigenen heißen Kämpfen ge­standen haben, liebe Schweller, um (Aücf oder Un­glück, eines ward uns und soll uns unver­kümmert bleiben, etwas, das wahrhaftig nicht zu den schtimmsen Schicksa.'sspcnden gehört: die Gabe des Mitleids und der Mtsveude an oetr Geschicken anderer!"

,Lch fühle mich nur für mein Beginnen tzu sehr als Schüler, fuhr der junge Mann Ein Werk, wie ich mrr's beite, Kraucht an sedier Spitze jemand, der nicht erst Schulmeister Verden will, sondern deüs schon ist! Da hab ich nun an unseren Freund Reinsdorf ge­dacht Er soll mir nicht nur mit seinem Rat zur Seite stehen, sondern über mir mit seinem großen, aus einem reichen und großen Herzen geborenen Können! Seine Arbeit hier im Städtchen mag ja ttesgehend sein aber an der veraniwvrttmg^ vollen Stelle, die ich für ihn ausgedacht habe, ivftd er noch unendlich segensreicher schaffen und Wirten können! Und ich meine, es wrrd gdm* gen, ihn zu uns herüberzu ziehen. Tenn ein echter Schulmeister greift doch da zu, wo er tun not­wendigsten gebraucht wird? Glaubst bu nicht auch, Sena?"

In schweigendem Stolz, der ihr hell aus den Äugen blitzte, hatte das junge MÄx^.r dem Ge­liebten zugehiri. 9hm rief sie:Ich iah Lehrer Berlin drüben bei den Rosen. Laß

** Literarische Gefells chaft Für den ersten Autoren-Abend ist der Dichter Armin T- Wegner gewonnen worden, der ein wohl nicht zu übertreffender Interpret seiner eigenen Tichtung, deren großen Klang er mächtig hevcrus- arbeitet, fein dürste Beim Äorttag seiner Werke steht er in seinem eigenen Bann, ist er selbst aufs neue von seinen eigenen Versen ergriffen. Armin T. Wegner »veiß den Zuhörer vÄlig in seinen Bann zu zwingen, weiß ihn im Innersten aufzu- wühlen und zu erschüttern. Ter Dichter wird wie auch in anderen Städten dem Besucher seines Vortragsabends ein tiefes künstlerisches Er­lebnis schenken. Ms Höhepunkt seines Programmes wird Wegner seinenTriumph der Mutter" lesen, worin eine Messt in der katholischen Kirche zu Bagdad geschildert wird, lieber einen früheren Vortrag dieses Tichtwerks schreibt man aus Bres­lau :Nach dieser wahrhaft priesterlichen Dichtung verließen die Zuhörer aufs tiefste ergriffen bat Saal." Wir raten allen hiesigen Literaturfreundcn zum Besuch des Borttags, der sicherlich ein Abend stärksten Erlebens sein wird, (Näheres siehe An­zeige.)

** Ernannt wurde Gütervorsteher Karl Tobten hier in Gießen zum Eisend ahn-Ober- fefretär.

** T ievstjubiläum. Am 1. Oktober d. I. sind es 25 Jahve, daß der Kanzleiassistent Konrad Lauer in Gießen als Kanzleigehilfe bei dem Landgericht der Provinz Oberhessen ein trat und verpflichtet wurde. Der damals 18jährige Jubllar erhielt bei Vergebung der Stelle unter zahlreichen Bewerbern den Vorzug.

** Briefmarke nausstellung. Eine Ausstellung von Briefmarken, 92otgelb und An­sichtskarten veranstaltet vom 2. bis einschließlich 4. Oktober d. I. der .Hessenbund der intern. Sammlervereinigung Weltkorvespondenz hier m allen Räumen der Handelsschule Hermes. Die Preise und Ehrenpreise sind im Schaufenster der P apierwarenhandlung Hermes, Bahnhofstr. 45, ausgestellt. Siehe heutige Anzeige.

Landkreis Gießen.

X Holzheim, 30 Sept. Der Kaninchen- und Geflügelzuchtverein Holzheim hält am 2. und 3. Oktober d. I. seine eiche Lokalausstellung bei Gastwirt Georg Sarnes ab, verbunden mit Preis­schießen, Preiskegeln, Verlosung, Konzert und Ball.

Starkenburg und Nheinhessen.

Darmstadt, 28. Sept. lWTB.f In einer von den vereinigten Verbänden freimattreuec Obers chlesier und von allen politischen Par­teien mit Ausnahme der USP. heute abend veran­stalteten Protest Versammlung gegen die

Aur Statt unö Land.

Gießen, den 30. SepL 1920.

Flugpoftvcrbiuduugcu zur Frankfurter Hcrbstmcffc.

Während der Frankfurter He.bstmesie vom 3 bis 9. Oktober euifcbJ. erhält Frankfurt .Diain mit Berlin, Leipzig, München, Gelsenkirchen und Br:- men mit Anscliluß nach- Amsterdam F.ugponverbin- düng. Die fflugpott Berlln Leipzig-Fvankfart (Main vcttchtt täglich zweimal in icier Richtung ab Berlin 7.00 und 12.30, ab Leipzig 8 15 uttb 1.45, an Frankiutt (Main) 12.00 und 5.30, zurück ab Frankfurt Main) 7.00 und 12.00, ab Leipzig 11.00 und 4.00, an Berlin 12.00 und 5XX) Dte Flüge werden ic zur Hälfte von der Deutschen Lu ft-Reederei, Berlin und den Rumpler-Werten, Berlin, ausgeführt. Tie fBoitflüge München Frankfurt (Main) werden täglich einmal in 1 ebner Richtung, ab Münchm 8 30, ab Frankfurt (Utam) ebenfalls 8.30, von den Bäuerischen Rumpler- Werken, Augsburg, ausgefübrt ^lugbauer Drei Stunden. Ter Flugdienst aut der Strecke Bremen GelsenkirchenFrankfurt 'Main) w.rd in ledec Richtung täglich einmal non der Sablattng-Flug. ztugbau-G. m b. H , Berlin betrieben. Fmgplan ab Boemen 12.00 (AnsMutz aus Amsterdam 11.30), ab Gelsenkirchen 2.10, an Frmikfutt (Main) 4.00, zurück ab Frankfurt (Main) 9.00, ab Gelsenlirchen 11.00, an Bvcmen 1.00 (Anschluß nach Amsterdam 1.30). Außerdem finbet am 2 Oktober ein Flug von Bremen nach Frankfurt (Main) und am 10. Oktober ein Flug von Frankfurt Main» nach Bremen statt. Zur Flugbefördernllg sugeLatten sind im Jnlandsverkehr gewölnilicke und emge- ichriebene Postkarten, Brie le und Trucksachen toroie Päckchen, drillgende Paketc und Zeitungen, im Ausiaild-'verkehr gewolmliche und eingerbricbene Postkarten, Briefe und Drucksachen. Die Züschlag- gebühren für die Flugpostbqforderung sind durch Ausfang, der auch die Flugpläne und die wiä-- tigften Bes! immun gen im Flugpostverkehr enthält, bei den Postämtern veröfstnllicht Auskunft wird auch an den auf dem Aushang bezeichneten Schal­tern erteilt.

Litauische Zährten.

Bo 11 Drof. Dr. L. Bergsträßer.

Wilna in der Bolschewisten zeit.

Wir hatte man uns geschreckt mit Plünde- rung und Mord und Totschlag, daß man schon feinen Kopf üb?r das bucklige Pflaster der Stadt rollen sah, von der großen Poluhanka oben hinab m die inner? Stadt. Und der erste Eindruck vom Kalo mobil aus war nicht erfreulich: die meisten Laden ae schlossen, wenig Menschen auf den Stra­fen, fast nur Leu« der unteren Stände. Also doch? Dirk?" der Terror so?

Ta» Auto hielt an der litauische Kvmman- bantur. irrundlichc litauisch? Soldaten halsen uns fprau:-. mir gingen ins Bureau der litauischen 5degrat>b.magentur Sita, bekamen Tee, ruhten uns ein wenig ^aus und fragten nach den Zu­ständen in der Stadt. Ter Setter war zwei Tage oor ura gekommen, hatte einen wüsten Hau'en eiliger Arbit und von der Stadt darum noch nimts grsthm. Auch ihm schien die Geschickte ;.üdj einigermaßen mihnrnlich zu lein, er ri: zur Vorsicht und ersuchte, sich von den, Bolschewisten möglichst fern zu halten

Man ging beim doch auf die Straße, sah überall bolschewistische Soldaten, Posten. Autos der Kommissare, die Aufrufe und Zeitungen in russischer. Iranischer und jiddischer Sprache allent­halben angeschlagen, dazu kleine und große Pla­kate in Mengen, auf denen der Kampf des russi­schen Volkes gegen die polnischen Schlachzizen an­schaulich. wirkungsvoll und nicht ohne fünstlerischen Geschmack dar gestellt war. Ein großes Plakat be­sonders, die Brandlegung in Kiew durch diePolen schildernd, eine in Feuersbrunst versinkendeStadt, mit expressionisttschm Augen gesehen, war ein­drucksvoll und ungemein schon.

So tarn ich allmählich von der Georgsstraßc durch die Stadt bis in die Deutsche Straße und bog in den vertrauten Hof, in dem die deutsche Kirche liegt

Was man hier von den töertretern der deut­schen Gemeinde hörte, klang nicht ungünstig für die Bolschewiki: sie plünderten nicht, seien manier­lich, die Sicherheit in der Stadt vollkommen.

Gegen den Abend dann in den Schloßgatten. Wo früher deutsches Militär sich drängte, da standen, saßen und wandelten nun die Bolschewiki, vielfach in einträchtiglicher Unterhaltung mit den Einwohnern der Stadt, manchmal auch in erregten Gruppen, da wo einer von ihnen in langer und wild bewegter Rede die Ziele des Bolschewismus ausemanderietzte, gegen das Kapital, gegen die Großgrundbesitzer und gegen die kapitalistische En- teirte sprach Meist wurde ihnen geantwortet, und der Stern d r Entgegnung, der sich besonders bei den litauischen Soldaten immer wiederholte, war der Vergleich zwischen der eigenen sauberen und guten Uniform und den abgetragenen Lappen des <iitberen Ein wirkungsvoller, aber doch gar äußer­licher Vergleich.

Ich habe 'Hunderte und Hunderte bollchewisti- scher Soldaten gesehen und feftgefttflt, daß außer der abgetragenen und verbrauchten Uniform nichts Schmutziges an ihnen war. Sie gingen sauber geroafd/cn, und des Nachmittag konnte man sie in Hellen Scharen, Handtuch unter dem Arm, in die Badeanstal, wandern sehen, die die Militärbehörde torsorglich für sie eingerichtet hat.

Auch die Straßendisziplin tadellos, Vein schroffes Auftreten, fein Heraus kehren des Er­oberers gegen die Bevölkerung. In den Behörden eine große Freundlichkeit' und angenehme Ruhe.

Änes Tages stand an der Kasimirkirche ein dickes Knäul Menschen, diesmal nicht eine strei­tende Gruppe, sondern bolschewistische Soldaten mit zwei Kamelen, allerlei Volks darum, Schill- jugtnb, und alte Leute, die seltenen Tiere be­wundernd und fütternd. Sie waren wohlgepflegt wie auch die Pferde.

An dem Tage, da die falsche Nachricht vom Fall Warschaus einlief, gab es eine große Parade, ein Reiterregiment, viel Infanterie, sehr gutes Marschieren, strammes Auftreten, viel junge Kerle. Tie Passivität früherer Tage ist gebrochen, es ist nicht mehr der alte Muschik und man kann sich wohl denken, daß aus diesem neu aufgerissenen Acker des Geistes auch neue Frucht sprießen .vird Wir gingen an diesem Tage auf den Kreuzberg hinaus, .lagerten uns oben nahe bei einer Kanone, die die Bolschewiki da aufgebaut hatten, der Posten wandelte an uns vorbei, Ablösung kam uni> ging; unter uns breitete sich die vieltürmige Stadt im Tunst des Abends aus und immer wieder drang das Hurra, drangen Fetzen der Musik zu uns her­auf, von den Truppen, die ihren Sieg feierten.

Am selben Abend gabs vor der litauischen Kommandantur einen Auflauf der zeitweise be- dwhlich aussah: die Litauer haben nicht hundett Mann in der Stadt, sie stellten ihre Mafchinen-

«oehre auf, blieben aber ganz ruhig und so ver- ud sich der Schwarm toiebet; bolschewistische Ele-

Bergewaliigung Obenchlesrens wurde mich einer Rede des llniversitälspro'esforS Tr Swian- Gicßen und Ansprachen des Leiters der beund'tn Grcn»spende für Lderschlefien und des -eitert des Verbandes hei mal treuer Cberftbleittrür Franksurt-Süddessen eine Entschließung angenom­men in der gegen die Versuche der Polen, in Ober- fcblcfien mit Waffengewalt fertige Tatsachen zu schaffen, Einspruch erhoben und die dem FriedenS-

schen 9hichmftwgstrunk versammeln. Ta ist, meine ich, die beste Gelegenheit zur rechten Aussprache. . Inzwischen komm her, mein Schatz, schau noch einmal zur Leuchtenburg hinüber und versprich ihr feierlich-, daß wir am morgigen Sonntag genau zu derselben Stunde wie damals, du weißt auf dem Turm stehen und toeit in die blühenden Lande schauen werden"

Aus Augen, in denen das Glück leuchtet"

Tas Wück, das du mir geschenkt mein Weib, mein alles!"--

Lehrer Reinsdorf war in der Tat mit einem Strauß, den sein reger Fachensinn ir&hfg zu­sammen gestellt hatte, in das Haus gegangen. Es stimmte auch, daß die Blumen aus "dem ft'affce» tisch prangen sollten.

In der großen Wohnstube war Anna Reins- don damit bcschäfttgt, das feinste Lebien, das sich in den Schränken desalten Schlosses" vottand, über den ü,isch KU breiten er sollte heute ein festliches Aussehen haben, dem Teutsck-ameriraner zu (rfyrvn, der jum ersten Male das stpankenzimmer verlassen hatte.

Tie arme Mamsell befand sich, zum Trott ihrer schwerbetroffenen Eltern, noch in Neuitadt, und fo hatte es Anna Reinsdorf übernommen, die Vorbereitungen zu der festlichen 9hrchmittags- stunde zu treffen.

Erstaunt schaute der Lehrer, als er mit fehlen Blumen ein trat, die Schwester an. die doch mög­lichst vergnügt hätte breinfdxtuen sollen, was aber keineswegs der Fall war. Sie zeigte im Gegen­teil ein recht trübseliges Gesicht.

Was gibt's beim?" fragte er verwundert.

Ta brach das alte Fräulein aus:Ich freue mich und möchte heulen zu gleicher Zeft."

mente der Wilnuer Bevölkerung, die der litauischen Regstrung ein Pereat brachten, viele radikale Ju­den darunter Tie OrganisationDer Bund" ist ganz bolschewistisch. Russische Truppen nahmen an dem Auflauf keinen Anteil

Wi'nas Reiz liegt barm, daß es imm r schon eine Stadt war mit einem hoppelten Gesicht: es , schaut nach dem Westen, der polnische Einfluß, die : Denkmäler der Gegenreformation sprechen laut. . Aber es ist auch die erste Stadt, in der der rus- : fische Einschlag mchr ist als Tünche, bi: erste Stadt auch mit einer beträchtlichen tartatar isch-moham - 't medänischen Gemeinde

Diesmal war der Eindruck der Kompliziertheit, , war dieser seltsame Reiz wie ihn ähnlich Vene­dig im Dogcnpa ast PeiEörier:, noch um vieles ver­stärkt. Es gab zu dieser Zeit in Wilna drei Rech- mmgen der Zeit und drei Rechnungen des Geldes. Die polnisch.' Zeit ist eine Stunde früher als die mitteleuropäische und die b^lschnv st sche ist wieder­um zwei Stunden voraus Die vo nische Mark war , das eigrntftche Zahlgeld: d e dtmsche Mark und der Ostrubel, noch freute d e D > br^ng Litauens, haben allmählich das feste 9?eTf. nis eingenommen, daß man 6 polnische Ma f m 1 ens, manchmal etwas mehr für eine deutsche bet imt. Und man tut gut zu wechseln um nicht gmepitt zu werden. Dazu nun der russsische 9tube in seinen verschiedenen Formen, alte Zarenrubel stehen höher als die polnische Mark, Kerenskis und Dumambel schon ti- fer. und die der Sowjetregierung gelten rund einen Pfennig der Rubel. Bo-n ihnen sah man Ja ft nur große Schrine, darunter die gam neuen 1000-stdubel, mit der auf* gehenden Sonne als Emblem und dem Wahlspruch: Proletarier«aller Länier vereinigt Euch!" in rus­sischer, deutsckier, englischer, ftanzösischer, türkischer und chinesischer Svrack«, so wird praktisch der In­ternationalismus betont

' Die Bolschewiki hatten für den Sowjet rubel einen Zwangskurs eingefüfrrt, der weit über seinen Wert liegt, sie verlangten, daß er in den Ländern pa(t. Die Folge war. daß sofort alle Waren in russi- ichcn Rubeln ausgezeichnet wurden, also märchen­hafte Preise: und ängstliche Verkäufer wagten es nicht, die Preise in anderer Währung zu nennen; man erzählte, daß in einem Falle ein Verkäufer erschossen wurde, da er die Rubel nicht batte zum Zwangskurs nehmen wollen. Sicher ist, daß gegen die Art Spekulation unglaublich scharf durchge- eriffen wurde. Bei der Rückfahrt untersucht der bolschewistische Soldat imser Gepäck peinlich genau; er nahm es heilig ernst mit seiner Pflicht.

Von dem Zwangskurs tarn es zu einem TeU, daß man so viele Geschäfte geschlossen sah,; andere waren von der a^iefrenben polnischen «oldaleska geplündert worchen, der sich denMvbdann anschboß: der polnische Kvimnondan! mußte gcfirf^n, daß er seine Leute nicht nnchr in der Hand tjatte

Was in Kvwno von Plündernugen durch Dol- schiwiki erzähll wurde, bericht auf Entstellung

Kaum eine Stabt mag in den letzten fünf Jahren so oft ihren Herren gewechselt haben wie Wilna; erst die Deutschen, dann die Polen, dann die Bvlschrwfti, denn wieder die Polen, dann wie­der die Bolschiwilr, und schließlich die Litauer, die die Stadt wohl bald $u ihrer Hauptstadt machen werden. Sie bereitete sich schon darauf vor; mit jedem Tag wuchs die Zähl der litauischen Auf­schriften, nicht nur ani einzelnen städttschen und staatlichen Anstalten, die den Vertretern des litau- ischen Staates schon Übergeben worden) fmb, sondern diese Bevölkerung, die so viele Herren iah und unter ihnen chr schveres Leben der Wechselfälle, manchmal auch das glückliche Leben der erfreulichen Zufälle geführt hat, sie rüstete sich, den neuen Herren zu empfangen, von dem sie hofft, daß er Ordnung halten und die Stadt verpflegen würde; keine leichte Aufgabe, berat sie hat durch den neuer­lichen Kriegszug natüttich gditten; aus den öst­lichen Gebieten, früher tzhrem eigewlichen Hinter­land für die Ernährung, kommt nichts und man hofft nun auf die lleberschüsse Litauens. 9Us wir zurückfuhren, reiften zwei Wilna er Stadtväter mit uns, oie diese schwere Frage mit der litauischen Regierung in Kownv besprechen wollten.

Es wird schon gehen, wie es auch in den schwe­ren Jahren der Besetzung ging. Und dann, wenn erst wirkliche Ruhe und politrsche Klarheit gewonnen ist, wird der alte Stamm dieser Stadl neue Jahres­ringe ansetzen, wird aus neuen Schoßen frisches Leben sprießen; die litauischA Landeshauptstadt wird ihren eigenen Charakter ausprägen und doch wird das alle Wilna bestehen, diese Stadt so vieler Reize, so unendlicher malettfcher Stimmungen zugleich auch die Stadt, in der man wie kaum in einer anderen, sicher in keiner weitum, ein Bild des menschlichen Lebens sehen kann, feiner Reichhaltig­keit, seiner Kraft und auch seines Elends; ein Ab-

verttag rotbeqprcdk-itbe Hauung der französischen Truppen verurteilt wird Keine Mittel sollen un­versucht gelassen werden, um in Oberschlesien eine ruhige und geordnete Abstimmung zu sichern Tie Reichsregierung wurde auigeforbert. den verwerf­lichen Planen der Polen entge genauer beiten die im Reiche wohnhaften Abstimmungsberechtigten von der Abstimmung auszuschließen

Hessen-Nassau.

Stillegung einer Lokomotivenfadrik.

fd. Betzdorf, 29. Sept. Die Maschinen­fabrik und Lokomotivenbauanstalt Ar­nold Jung schloß wegen Streitigkeiten mit den Arbeitern um Akkordsätze den Betrieb

Der Zoologische Garten geht nicht ein. , . Frankfurt a. M., 29. Sept. Die Mel­dung eines hiesigen Blattes, daß der Zoo wegen Mangels an Mitteln in absehbarer Zeit seinen ^Betrieb einstellen müsse, trifft, wie wir an zu- fccjib;ger Stelle erfahren, erfreulichenveiie nicht zu. Wenn auch der Gatten wit dem Kriege am Desizit häuft, das für dieses Jahr eine städtische Deckung von 486 000 Mark erfordert, so soll lediglich eine Verringerung weniger wichtiger und weniger be­achteter Tiersammlungen vor genommen werden, $. B die Fasanerie, die Bergziegen- und Berg- ichasabteilung, vielleicht auch der Hrrschpark. May- gebend für die Erhaltung des Gartens ist auch, daß er der einzige Süddeutschlands ist die beiden nächsten befinden sich in München und Leipzig. Allerdings müffen die Pläne des DirÄ- tors Tr. Priemel, die eine Verlegung drt Jn- strtu^ts in den Stadtwald und zugleich die Schaf­fung eines Zentralparkes für Natur und Völker­kunde, Anthropologie, EthnDgraphie, Geologie, Paläontologie und vieles mehr vorsahen, für lange Zeit zurückgestellt werden. MS erste Sendung nach Kriegsende treffen demnächst ein paar indische Resusaffen im Frankfutter Gatten ein freilich kostet das Stück nicht cihr 15 bis 18 Mk., wie zu Friedenszeften, sondern 400 Mk.

Franksur t a. M., 29. Sept. (Priv.-Tel.) Die Arbeiter der Schuhfabriken hoben laut einer Meldung der Schuhfabri- klruten-Zeitu.ng durch den Zentralverband der Schuhmacher Deutschlands neue Lohn­forderungen gegenüber dem Verbände der Deutschen Schuh- und Schäftefabrikanten erhoben. Sie fordern eine Teuerungszulage von 20 Prozent und außerdem eine geftnffelte Wirtschaftsdeshilfe, die für verheiratet- Ar­beiter auf 600 Mk. bemessen ist. Der Schuh­fabrikanten-Verband hat sich zu Verhand­lungen bereit erklärt, die am 16. Oktober in Frankfurt a. M. stattfinden sollen. Da für die deutsche Schuhindustrie ein anerkannter Tarifvertrag besteht, werden an diesen Ver­handlungen alle beteiligten Arbeitgeber- und Arbeitnehmerverbände teilnehmen.

mc. Frankfurt a. M 29. Sept. $n Hanau, Höchst, Bad-Homburg und Offenbach wird unbehelligt von der Polizei Weißgebäck von den Bäckern hergestellt, das natürlich seinen Weg nach Frankfurt finbet. Hierdurch füfrfcn sich die Frankfurter Bäcker mit Recht benachteiligt, zumal die Franffutter Polizei sofort den Laden schließt, wenn sie einmal einen Bäckermeister beim ver­botenen Backen erwischt. Nunmehr wollen die Frmckfutter Bäckermeister einen generellen Be­schluß fassen, in dem sie erklären, daß sie aller Verbote zum Trotz Weißgebäck hiwstellen SBenn ihnen txnm die Polizei das Geschäft schließe, solle sie auch für die Herstellung des Brotes Sorge tragen.

Frankfurt a. 9)1., 29. Sept. (Wolff.) Die Eisenbahndirektion teilt mit: Am ^rei- tag und Samstag dieser Woche wird bet der Güterabfertigung Frankfurt a.M.- Haupt wegen Ueverfüllung kein Frachtstück- gut angenommen.

mc. Wiesbaden, 29. Sept An der Eisenbahn nach Frankfurt werden im Laufe des Jahres umfcmgveiche 9tau und Umbau­ten vorgenommen, da der Unterbau durch den Krieg gewaltig gelitten hat. Schnellzüge können augen­blicklich nur mit sehr oermmberter Geschwindigkeit fahren.

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