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Tal.

(Fortsetzung folgt.)

Der soll nur kommen! Ich werd ihm schon das nötige lagen, oder meint Ihr vielleicht, ich laß mich von Eurem Geschwätz einschüchtern? Da seü> Ihr sästes gewickelt " _____

Kopfschüttelnd gingen dre Heiden Manner wieder. . .

Ms der 9)cüfler am Abend wieder nach lernen Wiesen ging, na^n er seinen Durch mit. Mrar konnte nit wissen, ob sich rrii so ein paar Kerle aus die Lauer gelegt hatten, um ihn an seinem Vorhaben zu hindern.

Ab und zu hielt er den Schritt an und horchte in die Nacht. Graue Wolken huschten vor dem Mond und warfen hastige Schatten auf das Feld, aus denen die Hellen Blütensriäuße der Obstbäume gespenstig aufgucften. Dem Müller war's manchmal, als ob die ganze Flur rings um ihn von lautlos eilenden Männern wimmelte, so unheimlich wogten die Schatten. Aber furchtlos ging er weiter.

Sollte sich nur einer unterstehen und ihn auf fernem eigenen Grund und Boden anfallen!

Krankend imb prasselnd brachen Stangen und Pflocke unter seinen Flitzen.

Ta schlug sein Hund an. Im unsicheren Mondlicht sah er einen ungewissen Schatten, der auf ihn zusprang.

Halt oder ich schieß! llang's gebirterrsch.

Was, auf meinem Land und schießen. Schuft?" knirscht« der Müller. Hoch über seinem

Kopf blitzte die Axt: schwer schlug sie nieder Ter Schatten verschwand: aus dem Grase scholl winselndes Stöhnen. Ter Müller kümmerte sich nicht darum: zu groß war der jahrelang angv- sammelte Haß, zu genau bedacht sein ganzes Han­deln. Und weiter brach er die PsäLe und Satten auf seinen Wiesen.

Am andern Morgen ließ er in aller Frühe anspannen und hieß die Sette mit umständlichen Aufträgen nach Mainz fahren. ,L8enn Ihr an einem Tag nit fertig werdet, bleibt ruhig über Nacht. Ich behelf mich schon, und das das ich dir in da« Täschchen getan habe, wird schon langen. Settchcn!"

Werdet Ihr berat auch allein fertig werden, wo beute doch alles hinaus soll?" fragte die Sette besorgt zurück.

Der Adam ist ja bei mir!" antwortete er und gab den Gäulen einen leichten Klapps Vang sab er ihnen nach, er hatte die beiden Tiere selbst aufgezogen und hing an ihnen. Ms er sich umwendete unb in das Haus schritt, hatte er Tränen in den Augen.

Stunde verrann um Stunde. Fern überrn Rhein graute der Tag. Unruhig wanderte Wetzrum vorn Keller zum Speicher, durch Wohnung, ötall und Scheuern. Dcte Müblrad stand, das Wehr war auf gezogen. Rauschend schoß das Was 1 er gax

Sreitag, 30. Juli 1920

Zweiter Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderhessen)

llr. \II

Geh. Hosral Dr .Richard Schmidt, ein ge*

sidenten unterbrochen, als er von pöbelhaften Bo-

höher

Tagesordnung: Anfragen,

mittag 11 Uhr

(Nachdruck verboten.)

15.

Fortsetzung

ich's wreder

nar's! Ich selbst! Und wenn nieder ausgestellt wird, bann ß

vählt. An der Wahl nahmen Grund der neuen Uni*

borener Leipzi, zum erstenmal

Interpellationen und kleine Vorlagen. Schluß 7*/2 Uhr nachnttttags.

Der Klostermüller.

Eine Erzählung von Karl Neurath.

Tas Haus tritt sofort in ine zweite Lesung x wird er ton dem Präsidenten unterbrochen und als er den Ausdruck nochmals gebraucht, zur Ordnung

In bet nächsten Nacht schlich er wieder hinab. Silbern schimmerte der Rhein im matten Licht des halben Mondes und die Wiesen dufteten lind. Heiter fangen die Grillen.

Tem Müller fiel ein Weh auf das Herz.

. . So eine Nacht war es gewesen, als er mit inner Lisbeth zum ersten Male einen heimlichen Weg gegangen war. Wie glücklich war er damals gewesen und wie glücklich war er mit ihr ge- ivvrden. Wer weiß, wenn der Krieg nit gekommen vöre dann wär er's vielleicht heute roch und alles, alles wär anders geworden. Jetzt schlich er da auf seinem Eigentum nit anders wie ein Dieb, um sich gegen das Unrecht zu wehren, das man ihm antat. Ja, gegen das Unrecht!

Sem Herz wurde wieder hart: fest spannte sich die Hand um die Axt.

Er fdxritt weiter und bald knackten und split- terteic wieder Satten imb Pflöcke unter seinen Füßen.

Befriedigt kehrte er heim

Am andern Tage tarn der Bürgermeister mit einem der Landmesser zu ihm.

Breitbeinig und trotzig empfing er sic.

Sie erzählten ihm, was in den letzten beiden

vcrsitätsordnung nicht nur die ordent­lichen und die etatsmäßigen anßerordeiullchen Pro­fessoren, sondern auch 24 Vertreter der nicht etatS» mäßigen außerordentlichen Professoren und Pri­vatdozenten, em Vertreter der Lektoren, drei Ver­treter bet etatsmäßigen Assistenten und 15 Ver­treter der Studentenschaft teil.

ss Marburg, 27. Juli. Dem Rektor der Universität, Eteh. Rat Prof. Dr. Busch, nmrbe von einer BÄrgera boronung eine, zahlreiche Unterschriften tragende, Adresse überreicht, in der Protest gegen die ui letzter Zeit vielfach be­triebene Hetze gegen die Stuben ten* Schaft eingelegt wird. Privat do zent Pros Dr. mcb. Bessau aus Breslau, der vertretungs­weise das neue Extraordinarien für XLiiibctbab* künde führt, wurde zum a. o Professor der medi- zinifchen Fakultät der hiesigen Universität ernannt.

Bubenstreich!" brauste der Müller auf. Einen Bubenstreich nennt Ihr es, wenn id) mir mein Eigentum nit verschandelieven latz? Ich ~ ' ----- '* ' ' ' bas Zeug

schimpftmgen eines Staatsanwaltes spricht. Redner fordert die sofortige Revision aller in dem letzten Halbjahr verhängten Urteile des Naumburger Land­gerichtes gegen die Arbeiter.

Vizeoräi. u Reickx. ustizminister Dr. H e i n z e: Alle angeblichen Verfehlungen der Reick-Swehr haben nichts mit der Reichsjustiz zu tun. Tie ")ln- tlagen feien sämtlich derart, daß er nicht int Stande fei, sie hier alle im einzelnen.durchzugehen. Er habe nicht die Absicht, sich der Verantwortung zu ent­ziehen, die ihn treffen könne Er zollt sodann der Otewissenhaftigteit und Pflichttteue der deutschen Richter eingehendes Sab. Zur Ruhrgelnetsfragc er­klärt er, daß bislang 1279 Begnadigimgsgesuche eingegangen seien, von denen bereits 567 bewilligt Warden sind. Ans allen hier vorgebrachten >(lagen spreckre nur der große Has gegen die bcutfdjc Justiz.

Tas Haus genehmigte bann bas Kapitel Reichsjustizministerrum

Während einer Geschäftsordnungsdebatte er klärte Reichswehrminister Dr. (Keßler: Ter Frie­densvertrag, der die Beseitigung der allgemeinen* deutschen Wehrpflicht verlangt, wird eine große Vorlage über diesen "Punkt notroenbig machen, die aber erst im Herbste kommen wird. Morgen imru eine, den Wünschen der Entente entsprechende Notverordnung zur Verhandlimg kommen.

Tarauf vertagt sich das Haus auf morgen vor-

e-d-ra

Arbeiter' M Imtafeteib Ölungen, WlMW. lungen nicht auf ^nzueWnen,

Arbettu!

1 cmderer Itaat- den.

Verbaute.

8166D

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'eintot I begraben zn | Episoden ans W ou Dr. AUrii Ä

6 Akte. H JgerTleti. W i Kugel Lkten. 8181c I Damroenn. 1

:hf.

weg 18.

das Unglück der Revolution gestürzt haben, ver­fluchen. Redner wendet sich dann gegen einige Einzelheiten des Entwurfes und hält die ?lnf- hebung der Militärgerichtsbarkeit für einen schwo ren Fehler. Redner schließt mit dem Appell cm das Haus, alle möchten nur dafür sorgen, daß die 100 000 Mann zu entlassenden Reichs­wehrangehörigen nicht mit zur Arm« der Er- werlslosen zählen und daß sie ein anständiges Unterkommen finden werden.

Abg. Haas (Dem.) sieht in der Rede des Vorredners eine der bekannten Extratouren der Deutschen Volkspartei, warnt aber vor Wieder- bolimg einer solchen, da solches Verhalten der Koalitionsregierung doch nichts nützen könne. Auch er verkenne nicht die Verdienste bet Militärge­richtsbarkeit, aber es seien auch sehr schwere Fehler gemacht worden, übertriebene Milbe nach oben und übcrtricb-me Strenge nach unten.

Reichswehrminister Dr. Geßler steht in bem Entwurf die Einlösung eines in Weimar gegebe­nen Verspkechens unb erklärt die Annahme des Gesetzes durch bie Regierung. Er erhoffe bavon «ine Beruhigung bet politischen Atmosphäre und "t-erlangt eine Reform der bürgerlichen Strafrechts- vflege in dem Sinne, daß der Tat schneller die sühne folgen solle.

M. Launspach, Vorsitzender des Hausbesitzervererns.

Anmerkung der Redaktion- Außer der vorstehmden Erklärung, die schon mehrere Tage bei uns im Satz stand, liegt noch eine ganze Reihe von Einsendungen vor, bie sich sämtlich mit dem Verlauf bet letzten Versammlung des hiesigen Mieterveretns befassen. Aus Raumgründen müssen wir die Debatte schließen unb bie Einsenber dar­auf verweisen, daß es ersprießlicher ist, weitere polemische Ausführungen bei geeigneten Gelegen­heiten mündlich votzubringen.

Im Hauplausschuß

des Reichstags teilte bei dem TitelVermö­gensverwaltung für die besetzten rhei­nischen Gebiete" Stück len (S.) als Referent mit, daß dort 150000 Mann fremde Truppen sich befinden, dazu etwa 94 Dele­gierte dec Rheinlandskommission mit ihrem Troß, deren Kosten das Reich bezahlen müsse. Dazu kämen die für den Hohen Ausschuß ein­gesetzten Kosten von 20 Millionen Mark. Bis Ende April 1920 seien von uns bezahlt wor­den: 1783 Millionen Mark in bar, außerdem an unmittelbaren Leistungen 1565 Millio­nen, insgesamt 3348 Millionen. Die An­sprüche der fremden Offiziere auf Wohnungen und deren Ausstattungen waren außerordentlich hoch Der Delegierte der Rheinlandskommisfion habe eine Zehn- zimmer-Wohnung und für deren Ausstattung 28 000 Mk verlangt, während dessen Gemah­lin dann noch weitere Forderungen stellte. So müsse das Reich an den finanziellen Ruin ge­bracht werden Reichsminister v Raumer betonte gegenüber diesen Ausführungen, daß in der Tat die Frage aufgeworfen werden müsse, wie Deutschland die Reparationskosten tragen solle, wenn für die Besatzung der be­setzten Gebiete eine so unberechenbar hohe Summe ausgegeben werden müßte. Eine Ver­ringerung der Truppen würde unsere Lasten abzumildern geeignet sein. Ko rell (Dem.) besprach die Verhältnisse im besetzten Gebiet. Infolge des rücksichtslosen Vorgehens der französischen Militaristen sei die Abneigung in allen Kreisen des rheinischen Volkes stark im Wachsen Von Separationsbestrebungen könne dort nicht die Rede sein.

üOimlSn,bP'

Gingesandt.

(Für Form unb Inhalt aller unter dieser Rubrik tehenden Artikel übernimmt bie Redaktion bem

Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Gießen, 27. Juli.

Der Mieterverein hat trotz bei öffent­lichen Erklärung bes Hausbesitzern ereinsl im Gießener Anzeiger in seiner Versammlung am 19 b M. behauptet, es sei doch eine allgemeine Mieterhöhung geplant mtb bat eine dementspre­chende Resolution gefaßt, die einen (Gegendruck ausüben sott. Wenn bet Hausbesitzervctein ein solches Vorhaben geplant hätte, bann würde er ich vor bem Artetet verein nicht scheuen, dieses öffentlich zu bekennen, selbst wenn ber Mi et et verein alle ihm zu Gebote stehenden Machtmittel dagegen ennvenben würde. Aber der Hausbefitzervetein denkt loyaler, er will feine einheitlichen '.Viadjtmittd anwenden, aber das, was er erstrebt, ift, einen gerechten Ausgleich zu schaffen, der beide Teile be» riebigen soll Wer mir als Vorsitzenden des Haus- resitzervereins Gewalcholitik nortmrft, ber vei> kennt bie Talfalle Diejenigen Herren vom Miet- einigungsamt, bie mich während meiner lang­jährigen Tätigkeit daselbst kennen gelernt haben, werben jedenfalls ein anderes Urteil über mich abgeben. Eine Miete von 1914 als Norm zur Mretssteigerung anjimebmm, halte ich für Unsinn. Wie war die Sage 1914 v**k auch die vorhergehende Zeit? Hunderte von Wohnungen standen teer mtb, um nicht alles zu verlieren, wurden diese Woh­nungen zu jedem Preis vermietet. Wer darüber ehrlick, nach denkt unb ein bi geben C-terechrigkeits- gesühl in sich trägt, kamt ein folcbeS Ansinnen nicht, billigen Eine wirkliche Grundlage für den all­gemeinen Mietprris muß bet ortsgerichtlich tarierte Wert des Hauses barftellen. Bon hier aus­gehend muß bet Wert ber Wohnung und die Rentabttität des Hauses feftgritellt werben. Bei solcher Berechnung, bie bie einzig richtige und ge* rechte ist, kommt es vor, wo erwähnte abnorme Mieten bestanden haben, daß ber Aufschlag in Prozenten ausgebrückt als zu hoch erscheint, in Wirklichkeit aber, nur eine normale Miete her ge­stellt wirb Was sind aber heute all die erhöhten Mieten gegenüber den anderen Verteuerungen?, Wer früher eine ganze Woche für seine Monats­miete arbeiten mußte, vollbringt dieses jetzt in einem Tag, früher wurden bis zu 20 Proz. beS Einkommens für Miete berechnet, unb heute sind es nur 45 Proz., bie bafür auf gewendet i verbat

Weiter stellt ber Mietetverein bas sonder­bare Verlangen, die Studentenheime für Woh­nungen freizumachen: solchm Ideen kann wohl kein rechtdenkender Mensch zustimmen. Diese Häuser sind Eigentum der fraglichen Verbindungen und dienen als denen Heim. Mit demselben Recht könnte man ja einen jeden Beliebigen aus seiner Wohnung herailswersen und einen anderen hinein­setzen, auch könnte man dann mit den Gewerk­schaftshäusern wie mit den Studentenheimen ver­fahren, denn was dem einen recht ift, muß dem anderen billig erschnnen. Ich für mein Teil verwerfe in diesem Falle das eine wie das andere.

Ferner wird an den Neubauten in ber Mühl­straße eine Kritik geübt, bie nicht am Platze ist Wissen berat die Alles besserwissen den nicht, daß die jetzige ungeheuere teure Bauweise einen jeden Wohnluxus verbietet und bah die Stadt bei den allzu geringen Mietpreisen Ku jeher Wohnung einen jährlichen Zuschuß leistet, der die zu zahlende Miete weit übertrifft und daß letzten Endes roie» ber bie Allgemeinheit damit belastet wirb? Nickt verhetzend und an allem Bestehenden kritisierend.

ürften. Er bedauert es, daß der Präsident auch in i solchen Fällen das Todesurteil benötigt habe, wo ! es sich darum gehandelt habe, Verfehlungen, bie in < der Hitze des politischen .Kampfes uno des Kampfes um die Freiheit geschehen seien, zu sühnen Auch die Landesfürsten hätten das Begnadigungsrecht zu- 1 weilen geübt, nur Wilhelm der Letzte nicht in sei­nem idiotisckteir Größenwaljn. (Präsident jdxllt, un terbricht ten Redner unb erklärt diesen Ausdruck für unzulässig. Minutenlang ist das Haus van einem tosenden Lärmen und Rufen erfüllt, bie es dem Redner nicht möglich machen, zu Worte zu kommen.) Ter Reichspräsident sei überhaupt eines ber überflüssigsten Institutionen.

Abg. Mülle r-Fvanten (S.) erwidert, baß der Vorredner keinerlei Beweise barür erbracht habe, baß ber Reichspräsideni die ihm zukommenben Rechte überschätzt habe. In der 23egnabigun gefragt habe ber Präsident vielfach von feinem Rechte Ge­brauch gemacht, allerdings nicht bei Todesurteilen, berat die gegebenen Fälle seien so schwerwiegend gewesen, daß kein Arbeitervertreter hier hätte ein­greifen können.

Abg. Tr. Bell erklärte, ber ehemalige deut­sche Kaiser sei in die Debatte hineingezogen wor­den und er müsse sich auch eine Kritik gefallen lassen, aber er betrachte es als eine Pflicht, den ehemaligen deutschen Kaiser genau wie jeden an­deren Deutschen gegen persönliche gehässige und beschimpfende Angriffe zu verteidigen.

Abg. Vogtherr (USP.l beharrte daraus, daß der Präsident Ebert als Sozialist bie Pflicht habe, kein Tobesurteil zu unterzeichnen unb führt mehrere Fälle im Ruhrrevier an, deren Begua- digungsgeiuche überhaupt nicht beantwortet wor­den seien ober aber glatt abgelehnt worben sind Er wundere sich, daß die Rechte eine historische Strohpuppe, die in der Gefahr flüchtig gegangen sei, als ihren Kaiser vorftcllte.

Reichsjustizminister Dr. Hein z e stellt Akten- materiac zur Verfügung, wodurch die Begnadi- guttgsgesuche aus dem Ruhrrevier und deren Er­ledigung in einem anderen Lichte erscheinen, als die Angelegenheit voit bem Vorredner hingestellt worden ist.

Bei bem KapitelReichstag, wünscht ber

Abg. Haußmann (Dem.), daß angesichts der großen Aufgaben, die dem Hause noch bevor­stehen, und angesichts des Umstandes, daß ber Reichswirtschaftsrat die gtetche Frage noch be­handele, Wittel gefunden werden, um die Ver­handlungsfähigkeit des Hauses ju stärken, etwa durch eine Einschränkung der Redezeit.

Beim Kapitel Reichswrrtschastsministerium for­dert der

?lbg. Dr. Hertz (USP.) die Sozialisierung des Bergbaues und der Papierindllftrie.

Beim Kapitel Reichsmilitärgerichte bringt der Abg. Rosen beid (USP.) seine bekannten Klagen wieder vor. Jedes jetzt noch gefällte Urteil müßte in einer Statistik ausgenommen werden und sofort müßte eine allgemeine Amnestie er­folgen. Speziell die Anordnungen der Reichsmili­tärgerichte in Schutzhaftsachen forderten zur schärf­sten Kritik heraus. Redner verlangt bie Zu­lassung ber Oefsentlichkeit zu den Verhandlungen der Reick)smilüärgerichte.

Beim Kapitel ReichSjustitzminister erhebt b*r

Die §§ 18 werden angenommen. Zu § 9 beantragen bie unabhängigen Sozialdemokraten bas Verbot bes Waffengebrauchs bei Verhaftungen.

Abg. H e r z f e 1 b (USP.) begrün bet den An­trag imb verweist auf zahlreiche Fälle, wo bei Fluchtversuchen Verhafteter biese erschossen Wut* ten, speziell sei dies der Fall gewesen bet ber Verhaftung Paasches unb bet Erschießung der fünf­zehn Thal er Bürger.

Abg. Haas (Dem.) mehrt, unter gewissen Bn-flänbcn müßten bie Soldaten von ber Was ^brauch machen können, so einfach wäre die dache doch nicht. Der Antrag betreffs bes Schieß - Verbotes für Soldaten wird im Wege des Hammel­sprungs mit 192 gegen 142 Stimmen abgefeimt

-ter Rest des Gesetzes wird ohne weitere De­batte angenommen.

©egai bie sofortige Vornahme ber 3. Lesung erfrrfrt Abg. Brüllnghaus (D. Bp.) Einspruch.

Nächten vorgegangen war und baten ihn, aut ferne Knechte zu achten, da sonst ber Verdacht auf bie Mühle fallen könne und auch auf ihn Man könnte es ja für einen dummen Bubenstreich an­sehen, aber . . .

Abg. Ludwig (U.S.P.) Klage gegen die Reichsjustiz, deren untere Organe den Anordnun­gen oes Herrn Ministers nicht Folge leisten. Hier­hin gehöre auch der Fall Dorten, ebenso Idt? bie noch immer nicht erfolgte Freilassung oer Ver- fiaiteten von der Roten Armee. In Kasstt sei ber Kommunist Mi-nster vert-astet worden und bis heute sei es dem Rechtsanwalt des Verhafteten noch nicht gestattet worden, Einsicht in die Akten zu nehmen. In 6000 Füllen seien Verhaftung:n in Mseinland-Westfaten vorgenommen worden. Dn Redner warf sodann ber Regierung Bruch des BielefeLer Abkommens vor und verurteilte das Wüten ber ReichÄve'hr bet ber Säuberung des Ruhrgebietes. Wann werde der erste Prozeß gegen diejenigen Offiziere irr Reichswehr ftattiutben, die Arbeiter n«bergeschossen, haben?

Abg. König (So;.): Tie unschuldig leiden, müssen aus den Gefängnissen befreit werden Tie Zeit bringe, aber trotzdem müsse auch in den wertigen dem Hanse noch verbleibenden Tagen ein Amnestiegesetz erlassen werden

Abg. Düwet (U.S.P.) stimmt einer Amnestie zu, aber nicht als einer Gnade, sondern als einer Sribstverftändlichkrit. Die Verurteilung der im Ruhrgebiet geübten Rechtssprechung fei allgemein und die Zivilrechtssprechung leiste noch viel Schlim­meres als bie Militärjustiz. Redner führt bann au3 Mitteldeutschland eine Reihe von Beispielen an, in denen die Justiz ebenfalls mit ungleichem Maße gemessen habe und bedauert, daß bie Kommandan­ten der Reichswehr in Thüringen, bie sich offen auf die Seite der Kappisten gestellt batten, noch immer unbehelligt ihre Tätigkeit fortsetzen können. (Ms der Redner im Laufe seiner Ausführungen von der Unverschämtheit eines Landgerichtsbtrellors spricht.

zusammen!" t

Sein Atem keuchte und rente Augen glühten.

Der Bürgermeister warf bem L-andmester emen Blick zu.

,Lch hab mtr gedacht, daß es so war! mur­melte er.

Der Geometer wollte bem ftloftermüllö gut zureden, aber er ließ ihn gar nicht zu Worte kommen. .

Spart Eure Rede, Herr! Ich teck's rat, und damit bästa!" ...

Tann habt Ihr bie Folgen zu tragen!

Das werd ich!"

Wehrum, seid doch gescheit endlich etranal. mischte fick ter Bürgermeister ein.Der Prozeß kostet Euch doch schon genug Geld. letzt mutzt Ihr zum wenigsten auch noch das Meßgesch^r bezahlen. Und es nutzt ja doch alles mx. Ihr treibt's so lang, bis Eilch noch ber Gendarm ins Haus kommt'"

Dc-tscher Neich»tag.

13. Sitzung.

Berlin, 29. Juli 1920.

Haus unb Tribünen schwach besucht

Am Ministertisch Reichswehrminister Tr.

Gefeter

Iluf ber 2ageäod>uung steh />ie zweite Sei und ton bem Abgeordneten Müller-Frarcken ein ge­brachten Gesetzentwurfs über die Aufhebung der <lilUärgeruüt5bartcil.

Abg. Rabbruch (Svz.) spricht über den Zu­la- zu bem Ent-vurf, der einzelne Paragraphen tes (Rsetzes abändern soll. Tas Gesetz soll dazu baten, rarer so furchtbaren Jrtstizschmack) endlich em Ende zu bereiten.

Abg von Ga llwi tz <T--Ntl - inmmt die Militärgerichtsbarkeit in Schutz. Es handele sich hier nur um eine pol irische Maßnahme. Seim denn die Bluturtelle ber Sowjetg nnchte, die von Zwilgerichten gefällt würden, schlimmer als die gerechten Urteile ber Militärgerichte? Tie Militär­gerichte seien besser als rhr Ruf. Er förni: das als altgedienter Soldat besser bcurt'ücn als die Gegner Er hoffe, baß dieser Baum, rocrat auch d« Wespen an ihm nagen, noch manches Jahr schöne Früchte tragen.

Abg. Rosenfeld iU.S.P.): Man rollte es wirklich nickst für möglich halten, daß em Führer chs :lu5>belabenen Krieges sich so hinstette Stür­mische Pvotestrufe, allgemeines Turchcinander, Glocke des Präsidenten.-, dessen Worte doch llar beweisen, daß er gar feine Ahnung von den furcht­baren Strafen des Militirslrafreglemeirts hab?. (Schallende Heiterkeit rechts.) Ti? weiteren Worte des Redners geljcn in dem Sirnt und bat fort währenden Unierbred)ungen im Zusammenhang verloren Ter Redner schließt mit dm Wüsten: Die Militärgerichtsbarkeit hat das Vertrauen des Polles verloren

Abg. Dr. Bell (Zentr.,: Angesichts der ver­änderten militärischm Gerichtsverhältnisse ist meine Partei der Ansicht, daß jetzt bürgerliche Gerichte anstelle ber Militärgerichte notwendig sind. Wir erkennen die Zuverlässigkeit und Pflicksttreue der militärifrfjen Gerichte an, aber meines Erachtens nach sind sic nicht mehr angebracht.

Abg. B l i n g h a u s (D. Bpt.): Man sollte es nicht für möglich halten (großer Lärm), daß Herr Rosenfeld einen so hochverdienten General wie Herrn von Gollwitz mit Schmutz bewirft (Präsident unterbricht den Redner und erklärt den Ausdruck für unzulässig). Abg. Rosenfeld hat hier angeblich im Namen des deutschen Volkes gesprochm Herr von Gallwitz sei zweifellos besser tegitimiert, um im Namen deS deutschen Volkes zu sprechen (Tosender Lärm). Herr Dr. Rosen­feld gibt der Kaste der Offiziere alle Schuld an dem Unglück unseres Volkes. Im Namen der 10 000 Offiziere, die der grüne Rasen deckt, er­hebe ich hiermit Einspruch gegen diese Beschimp­fung. Es werden nicht viele Jahre vergehen, bann wird das Volk die Elemente, die uns in

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des Reichsnotettrts ein. . . ..

Abg Bog therr (U.S.P.) hält es racht für gerufen. Gleichfalls wirb der Redner von bem Prä- zeitgemäß, daß ber Präsident ber Republik Herr -1 t.x _<a--

über Leben und Tob sei, wie seinerzeit die Landes-

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Turnen, Spiel und Sport.

** Fußball. Für nächsten Samstag, Sonn­tag unb Montag hat ber Verein für Rasenspiele 1900 e. V anläKich seines 20jährigen Sttf- tungsfeftes eine Reihe auswärtiger^ Mann­schaften hierher verpflichtet. Bor allem dürfte das Spiel am Sonntag nachmittag gegen den über Deutschland hinaus bekannten Duisburger SportklubPreußen" genannt werden. Die Marrnschast hat von 14 Spielen der vergangenen Spielzeit keines verloren. Am Samstag nachmittag spielt die 2. Mannschaft gegen die gleiche von V. f. B. Marburg. Am Mondag nachlmittag spieli die akademische Mannschaft gegen die akademische Mannschaft von Marburg.

* Hokey. Am Sonntag, norm. VjlO Uhr, findet auf bem Sportplätze an der Hardt ein Hokey-Wettspiel gegen Sportverein

Nauheim statt. Die gelösten Eintrittskarten haben auch ju den Spielen am Nachmittag Gül­tigkeit. .

* Jugendspiele. Sonntag nachmittag spiell die Jugendmannschaft V. f. R. 1900 gegen bie gleiche Mannschaft von V. f. B. Friedberg.

Hochschnlnachrichten.

** Rektorwahl an der Universität Leipzig. Zum Rektor der Universität Leipzig für das Studienjahr 1920/21 wurde der orbentl. Professor für allgemeines Recht und Strafrecht,

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