Die Gräfin.
Roman von G. W. App le ton.
(Nachdruck verboten.) Fortsetzung 11-
Nein. Ich schlafe immer irä ein Stillt Holz. Meine Albe aber glaubt, sie habe nxt§ gchört.
Ich denk mir's nur, bemerkte Frau Mimms, und kann vielleicht auch nur geträumt haben, afvr | es kam mir so vor, als ob jemand aus dem £xui5 ausziehe. Aber ich glaube eyec, Dais ich gzUauint habe, denn mit dem Schlafen ge'ht mir's wie mttnem Wilhelm: ich schlafe fest und geiund bis sechs Uhr: mit dem Glockenschlag erwache ich und springe dann frisch anc ein junges Mädchm aus dem Bett.
Ganz merkwürdig, sagte ich. Wollen wir mchck hinaus gehen und mis die Bescherung anehm?
Gewiß, Derr Doktor. Frau Mtmms eilte voran, bann folgten wir zwei Männer, während Anna mit vor Aufregung roett auigerissenen Augen das Züglein beiästoß.
Wir begaben uns gevadeirwegs in das Schlafzimmer der Gräfin, wo eine imgeioühnlich unordentliche Szene sich meinen ernannte Aug n tarbot Das Bettzeug war ga-'z curchmüll. Tic Schublade:» am kleinen Wand ch anl Itcn en ' r- aus Zwei Koffer gähnten mis nut aufgesch'ogenen Tackeln leer an. Und auf dem Ful^-oden w f?n (Dir buchstäblich knöch.'llief in weck uUn Kteio mgL-
Augenscheinlich war nichts erner pemlichm
Untersuchung entgangen. Und doch- war, wie mrr sofort klar wurde, nichts Wertvolles entwendet wärcken. Das Brokatkleid, das ine Gräfin während unserer Unterredung am vorhergehenden Abend getragen, hing an einem eiserw'n $>atcn hinter der Türe. Darunter bemerkte ich -nn irartvolles Pelzjadett. Auf dem tannenen Ankleidftttch fbmb ein Iuwelenkästck>en, dessen Inhalt nicht berührt worden war. Daneben lag eine goldene Uhr nut Kette und ein Ledertäschä-en, drs, w. ich rasch feststellte, achtzig Sovereigns enthi-rlt. Am Fube des Bettes bemerkte ich ein Paar niedliche Schuhe, die mit altertümlichen Siiberschnailen gc chmückt waren. Diese Schuhe hatte die Gräfin, wie mir plötzlich wieder einftel, ebenfalls bn unserer Zusammenkunft getragen.
All diese Umstände waren eberttv bmnruhrgend als unvcr'räich.ich. Die Sadckogc war mit einem Worte völlig mtverftanbllch, und nur zw.n Dinge schienen h-ilbwegs klar zu sein: diß das Zimmer zu irgendeinem Zwecke durchfuxlut worden war, der ganz außerhalb jeder Absicht gewöhnlichen Tiebstalsts lag, und daß bte Gräfin selber in ihrem Nachtgewai de aus irgendeine zaub-n'haste W-else n> ggcsch fft worden war, tte -cker an die Erzählu g.n aus , T-mend ir.ib eine Nacht" als | an irgend sonst etw-s erinnerte.
Einer deser z>wi Umstäide war mir unerklärlich Die Annahme, d'ch ber G gen stand. Dem l diese rücksichtslos Haussuchung gegolten, der mit
dem gelben Lack versiegelt; Umschlag gewesen, der mnundyr bei rneftvun Bankier und in Stcherh'it war — diese Annahme war die nächstliegend'. Aber das merkwüiidige BttTschwinten der Gräfin selber war ein Rattel, dessen Lösung, wi>' es schien, zu schmier'g für den menschliä-en ^Verstand war. Ich sdMst'llre schließlich den Kopf in vollständiger Ratlosigkeit.
Evi toller Spuk, nich wahr, »Herr Doktor? sagte Mimms.
Allerdings — wirft mich völlig aus dem Geleise. Habe me ettvs Derartig^ gehört. Sehen wir uns doch einmal das.Wdlprzimmer an.
Ganz recht, Herr Doktor. Ich bin bereits drin genesen, meine Alte und ich; aber wir konnten nichts Ungewöhnliches en.decken, nach wahr, Mathilde?
Jawohl, erwiderte seine Frau, aber s.chen Sie doch lieber mal se.ber nach, Herr Do'ckor!
Wie ich bereits mitgeteilt habe, war es etn ganz kleines Zimmerchen. Ein Bick umfaßte es und genügte. Die Latte Asche des Fmers vom vorher geh mben Abend lag noch im Kamin. Die rot'n Vorhänge waren, wie gestern, sorgfältig heral- gelasseii. Der Ti'ch mit drr erlosdren-m Larnste hmib wie qew'chnlich mitten im Zimmer. Auch b:*r Lehnsessel unb de drei einfachen Stühle waren nicht von ihrem Pl fee .veggerückt ivorten. Ein kleines Berti>o stand an der Kaminwand, ein Zitt- tifch, mit wächsernen Früchten unter einer (Äas-
7 U hr.
Landkreis Gießen.
** Oberammergauer Passions -- spiele. Wir verweisen nochmals auf die heutige letzte Wiederholung der Original Oberammergauer Passionsspiele im Stccktth.atcr, die gestern abend sichtlich starken Eindruck hervorriefen. Beginn
mittag in der Sommerschen Wirtschaft, Fron- hofftraße 9, zwischen Kriminalbeamten und einer 15köpfigenSpielerbande. Erst als Sicherheitspolizisten mit Waffengewalt eingrifsen, konnte die Gesellschaft überwältigt und abgeführt werden. Die Leute waren fast ausnahmslos Erwerbslose, die hier Tag um Tag dem Glücksspiel um nicht unerhebliche Summen oblagen.
---Höchst a. M., 29. März. Von der hiesigen Station konnte am Freitag ein Guterz ug nicht abgelassen werden, weil von «teer Anzahl Wagen die Pufferscheiben ge- stöhlen waren.
Arriist und Wissenschaft.
— Wilhelm Holzamer. Am 28. Märr- waren 50 Jahre vergangen seit d:r CeouK i)t? hessischen Heimatdichters Wiklxlm Hotzam:c. (Sr stammte aus Nieder-Olrn bei Mainz. Gr war mr sprünglich Volks,'chulletner und war in bdnangfrn Lebensverhä ltttil'en, bis Grolcherzog Ernst LudMS ihn zum Leiter der Kabinettsbibliothck brrwl & empfing in Darmstadt mancherlei Anregungen, tnn Gesichtskreis erweitert: sich durch einen längtttn Aufenthalt in Paris; schließlich liebelte ter XudjUt nach Berlin über. Sein literarisches Schasfm W für die Entwicklung d r modernen oeutschm A- teiatur nicht ohne Einstich gewesen, wmn üjm mich eine Wirkung in die Breite vnsagl wn Holzarner schrieb Gedichte („Zum Licht", 189J), Skizzen („Bon staubigen Strafen" 1898) und ifto- mane („Peter Weller" 1902; „Jng:" 1903; ,M lida Solsttatten" 1904; „Am Fenster" 1906). Dir dichterische Schaffen Holzamers liefe noch mW* Schöne erhoffen, als er am 28. August 190/ u Berlin starb.
Kreis Büdmgen.
Raubmord.
Selters, 30. März. Die infolge verspäteter Anzeige erst gestern nachmittag erfolgte gerichtliche Untersuchung im Beisein des Kreisarztes Dr. Fresenius ergab mit Bestimmtheit, daß der am Sonntag abend zwischen Selters und Ramstadt tot aufgefundene Photograph Völxen tatsächlich einem Raubmord zum Opfer gefallen ift. Der Mörder erschoß jedenfalls sein Opfer aus dem Hinterhalt einer Fichtenschonung durch einen Bauchschuß, nahm ihm dann Geld, Uhr, Fahrrad und photographischen Apparat ab, schwang sich auf das Rad des Ermordeten und fuhr kurz darauf durch das benachbarte Effolderbach, wo er gesehen wurde. Der Schuß muß aus allernächster Nähe abgegeben worden sein, da keine Blutlache vorhanden war und nur so der Schuß tätlich wirken konnte. Die Mordtat geschah noch am hellen Spätnachmittag. Infolge der verspäteten Anzeige sind die Nachforschungen äußerst schwierig.
-hampelte, das aber vollständig mit Siegel, Etikttten nsw. der Firma, die täuschend nachgemacht waren, versehen war.
Kreis Wetzlar.
----- Wetzlar, 29. März. Zur Bekämp- ung der Wohnungsnot beschloß die Stodtverordnetenversammlung die Aufnahme einer (Anleihe von 6V2 Millionen Mark.
Hessen-Nassau.
--- Frankfurt a. M., 29. März. Einer ganz raffinierten Fälscherin hat endlich die Kriminalpolizei das Handwerk gelegt. Am 1. Oktober 1919 trat die 26jährige Schfessersftau. Sibylle Tu körn als Buchhalterin in ein Geschäft ein und fälschte schon am ersten Tag? einen Scheck über 6500 Mck.; nach drei Tagen hatte sie bereits 15 000 Mk. unterschlagen, jetzt nach fünf Monaten belief sich die Summe.auf 187000 Mark. Die Unterschäagungm bemäntelte die Frau durch verschleierte Buchführung. Mit dem (Selbe taufte sich die TuDrn eine lvchherrfchastliche Wohnungseinrichtung ; auch sanft war sie Freunden gegenüber sehr freigiebig. Einem Freunde z. B. schenkte sie ein Paar Schuhe, einem anderen gab sic 34 000 Mk. zu einer Geschäftsgründung. Ter Ehemann will von dem Treiben seiner — besseren Hälfte nichts gewußt haben. Er und der Freund mit den 34 000 Mk. wurden heute nadymittag ebenfalls verhaftet. n, .
--- Frankfurt a. M., 29. Marz. An der Emser Straße wurde haute mittag eine große mit Farben und Gipsstvsfen gefüllte Lagerhalle durch Großseuer vernichtet. Ter Schaden ist sehr
Vereine und Veranstaltungen.
O Gedern, 29. März. Bei einem W der hiesigen Ortsgruppe des Deutschen Set1 Vereins, frül-cven Flottenvereins, veranstL- teten Borttagsabend sprach Hauptmwm a. V 0 llmar aus Darmstadt in I Vsstündigen mir elf(mten Aus'Ülirungen über die Ziele des Tett scheu See-Bereins, sowie über die Küsten- M Hochseefischerei.
** Ru pper tenrod, 27. März. In glänzend besuchten öfsentlicl-en Brrsammlunq sprv am Freitag abend auf Einladung der M** s ch en Bo l ks pa r tei Partei.ckretär Tr.Lutt^ aus Gießen über das Thema: „Ein Jahr aac der Revolution". Der Redner zeigte ivatttM was die Partei auf den einzelnen rvirtschast'M Gebieten und insbesondere für die deutsche uw wirtschaft geleistet hat und in welch scharfer W - sie den Puttch vom 13. März verurteilt. Vorsitzende der Versammlung, Bürgermei! er »0^ zing dankte dem Rodiwr für fein: ansführtlV>1 und sachlichen Darlegungen.
Burg-Gräfenrode (Kr. Friedberg' ** März. Auf Einladung der Deutschen Boi Partei sprach Donnerstag atend in auherorwr-■ lick zahlreich besuchter öffentlicher Versammlu^
Kreis Fritdberg.
Q. Bad-Nauheim, 29. März. In der 'heutigen Stadtverordneten-B-'rtamm- lung wurde folgends perhcmdelt: Es würd' beschlossen, die Straßenrem-igungsgebuhrm für das 3<rtjr 1920 noch von den HMisbentzern zu erhebm, später soll die Gebühr auf die Wgemnnlteit aus- geschlagen werden. Tastelb-' Verfahren soll bet der Müllabfuhr eintreten. Für dieses Ja-Hc ntufe die Gebühr auf das Dreifache des frühen Satzes erhöht werden. — Die Erweitn:ung des Turnsaales der Balksschu'e mit einem Zbo.tenaufwanO von 54 000 Mk. wird genehmigt. — Die Errichtung eines Gewerbe- und Kaufmanns- gerichts mrb beich.osten. Entjteiend' Kosten, son7?it fte nicht durch das Gericht «deckt w'iDen können, hat die Stadt zu tragen. — Den städtischen Arbeitern, formt sie nicht in lebrnswichtigen Betrieben beschästtgt waven, wird für 2 General- st r e i k t a g e der Lohn ausdezählt. — Einem G> suck der Schutzleute entsprech:nd, übernimmt die Steckt die Beschasfimg der TiLnstkieickung für di»; Schutzmann schäft. Das Kleider geld von 250 Ml., das früher gezahlt wurde, fällt für die Folge fort.
Starkenburg und Rheinhessen.
Ein raffin ierter Kokainschwindel.
rm. Darmstadt, 28. März. Einem umfangreichen Kokainschwindel ist man hier out die Spur gekommen und die Schwindler mrd Betrüger konnten durch Darmstädter Kriminalbeamte in Frankurt bzw. Berlin ftstgenomm-rn werden. Eine Mailänder Firma fragte auf Grund einer Anzllge im Beclin-t Börsenkaricr, in der Kokain empfohlen war, telegraphisch -in und erhielt die Auskunft, daß Kokain in jeder Meng' ab» oegeben werde, brr Käuher müsse aber selbst kommen. Dieser reifte nach ötrlim, erhielt die verpackten Proben von echtein Kokain, das te>n der bekannten Firma Merck in Darmstadt stamme. Er zahlte ben Betrag von etwa 470 000 Mk. bar und reifte ab, das Kokain wurde nachgeschickt. Sofort bei der Ankunft in Mailand konnte m m feststellen, b fe es sich nur um ein Salzpräpivat
bedeutend. _ rii
mc. Frankfurt a. M., 29. Marz. Auf die unverbürgte Nachricht eines Preissturzes für auie* r ikan i sches Sckmalz wurde am hauch« Tage soviel dieses nützlichen Fettes cm geboten, daß der Preis innerhalb Stunden um 2—3 M. pro Pfund gefallen ist. Einige Kaufleute haben sick zu kwhen Preisen in enormen Mengen eingebaä und fürchten nun mit Recht große Verluste.
---- Frankfurt a. M., 28. März. Zu einem ■erbitteiten Kampfe kam es Samstag
glocke, auf der anderen Seite des Kamms. Df- war nirgend ein Anz ichen von Unocknung, Andeutung zur Austtärung des Gehumntt.es V bemerken. .
Nun, was meinen Sie, Herr Doktor ( W” Mimms, mit gierigen Augen, b« immer noch einer Erklärung suchten. ____
Offen gestanden, sagte ich, ick w.'ih «w- Ich bin pass — ratlos — mit meinem Witz " Ende. Jemand muß hier gewesen sein, bat dem Eigentum der Gräfin sein Sptel getrr^ und ist dann mit der Gräfin selber durch dte-^, pete hindurch weggeflogen. Das hätte nicht die Katze serttggebracht. Apropos, wa ist ttenn^' Katze? Sie lag gestern abend, als ich das Hunff» verließ, schnurrend auf dem Kannnteppick. ,,
Ei ei! bemerkte Frau Mimms. Wo is siccknc 1 Hast du sie gesehen, Witl^elm, od:r du, Ann^
Beide schüttelten als Antwort kräftig drn W und Frau Mimms fuhr fort:
Na, und ich auch nich. Ich war heick nunM so aufgeregt, daß ich es gar nicht bemerkte, die gute Popsie — so beißt sie, Herr T^ttor hat die Gräftn so schrecklich gern und schlaft u”®"1 hier. Wenn ich jedoch morgens mit «in i; herein komme, folgt sie mir alle Tage dce SE iyinunter, um ihr Tröpflein Milch zu knE Heute morgen fy.it sie's nich getan. Ick ganz bestimmt, daß sie nich km. Was sagst»» dazu, Wilhelm? (Forsefeung Plgt,.
gegangen sei. _ , r , t
Äbg Has (Dem.): Herr Hemze hat sich persönlich große Verdienste um die Wahrung d'r Verfassung erworben. Aber den Aufruf i nner Partei hätte er pveisgeben sollen (Lärm rechts). Sie hat die Regierung Lapp in dem Aufrufe anerkannt. (Lärm und Widerspruch recifts.) Tie Ereignisse im November 1918 wiven Deine R^voluttrn, sondern ein Zusammenbruch. (Lärm veäits.) Geg'nüber den Hochverrätern ist rücksichtslo.est^ Strenge am Platze, auch wegen des Auslandes, a-mttch» land muß aus dem Boden der Republik lebrn und es ift ferne Regierung mcksr möglich ohne dtc Sozialdemokratie. In der Reichswehr müss-m endlich die Hoh-eitszciciten der dtmokrattschen Repuvlik -und ihre Farven crngefüfyrt werdm. Die Farben fchwarz-weiß-vot sinv von den Verbveckern >mt- ehrt worden. Die ReichÄvehr und di' Emwvhner- wchren müssen gesäubert werden.
Reichskanzler Müller teilt mit, daß das Exekutivkomitee in Duisburg der dortigen Rerchs- bantt'telle mit bewaffneter Hand 1 Million Mark ab genommen hat.
Hierauf vertagt sich das Haus. Nächste Sitzung Dienstag 10 Uhr. Fortsetzung, ferner Wahlgesetz, Gesetz roegen Hochverrats und anderes. Schluß 7V<> Uhr.
Berlin, 29.Marz. (WTB.) Die Führer ,ber drei M e h r h e i t s p a r t e i en haben am Schluß der heutigen Sitzung der Nationalversamm- lung für das neue Kabinett ein Vertr auens- votum eingebracht. Der Anttag, der von 315 .Mitgliedern der Nationalversammlung unterzeichnet ist, lautet: Die verfassunggebende deutsche Nationalversammlung billigt die Erllärung der Reichsregierung und verurteilt den gegen Staatsordnung, Staatswohl, Verfassung und Nationalversammlung gerichteten rarbred)erifd)cn Aufruhr und die Anstifter des Staatsstreichs. Die Nationalversammlung spricht allen Teilen des Volkes, die in gemeinsamem Widerstand die Verfassung schützten, den Darck des Vaterlandes aus.
Berlin, 29. März. (Wolff.) Nach den bisherigen Dispositionen geht die Nationalversammlung morgen nach Abschluß der politischen Aussprack^ in die Osterferien, die bis zum 14. April dauern. Die Ausschüsse nehmen voraussichtlich einige Tage vorher ihre Arbeiten auf. Man rechnet in parlamentarischen Kreisen damit, daß die Arbeiten der Nationalversammlung bis zum 25. April abgeschlossen sind, so daß Ende Mai die Neuwahlen stattfinden könnten.
♦♦ Von der Universität. Unsere Universität rechnet mit einer hohen B e - 'ucherzahl für das Sommerseme- j 'ter. Damit die Studenten nicht vergebens ; von Haus zu Haus laufen müssen, wenn sie : Wohnung suchen, sollten möglichst viele Bürger bald Zimmer bereitstetlen und auf dem Sekretariat der Universität, Bis- ' marckstraße 22, anmelden. Gießen darf nicht ' hinter anderen Universitäten zurückbleiben. Auch diesmal wird die Bürgerschaft, wie im : vorigen Jahr, alles tun, um den Studenten geeignete Zimmer in ausreichender Zahl zur Verfügung zu stellen.
** Eine Flugzeugverfolgung des v-Zuges? Aus Berlin wird gemeldet: DreBerliner Krimanalpolizei hatte in Erfahrung gebracht, daß drei Geldhändler in Berlin einen große n P0 sten russischen Silbergeldes aufge- f au ft haben, um es nach dem Ausland zu verschte- ben. Sie spürte den Aufkäufern nach, kam jedoch «erst in dem Augenblick auf ihre Spur, als sie gerade mit dem Frankfurter V-Zug davvn- gefahren waren. Zwei Kriminalbeamte bcsttegen darauf ein Fl u g zeug und als die Reisenden in Fran kfurt a.M. den Bahn-Hof verließen, waren die Berliner Beamten ihnen schon auf den Fersen. Sie stießen in dem Augenblick auf sie, als die Händler mit einem Frankfurter Aufkäufer in einem Hotel bereits in Geschäftsverhandlungen getreten waren. Alle an dem Geldgeschäft Beteiligten wurden verst a f t c t und der ganze Geldbetrag, 1 100 000 russische Zaren rubel, beschlagnahmt. — Soweit die Berliner Nachricht. Der ,,Franks „Gen.-Anz.", der diese Nachricht nnebergibt, schreibt dazu, daß von der Polizei nichts über die Sache in Erfahrung zu bringen war. Ein Flugzeug, daß mit her Verfolgung beauftragt gewesen sein könnte, überquerte am Samstag mittag Gießen.
** Wie lange Postsendungen unterwegs sind! Ein charakteristisches Bild für unsere Tage geben folgende Feststellungen: Ein Brief von Berlin nach Gießen war unterwegs vom 19. März bis 27. März 1920 = 7 Tage. Ein Brief von Dresden vom 16. März bis 26. März = 10 Tage. Ein Brief von Port Saio dagegen vom 10. März bis 26. März = 16 Tage.
** Reisverteilung. Bom Millwvch, 31. März, bis einschl. Samstag, 10. April, gelangen gegen Abgabe des Bezugsabschnitts Nr. 2 200 Gramm Reis zu 2,45 Mk. zur Ausgabe.
* * Wegen ungenügender Milch- zufuhr können für Diens.ag form 30. tne auf 1/4 Liter und Mittwoch den 31. d. M. Oie auf ’/4 Liter lautenden Mlchmarven nicht beliefert werden.
* * Die Auszahlung der Familien- unter ft Übungen findet für die Zeit 00m 1. bis 15. April Mittwoch, den 31. März statt.
* * Braunkohlen-Ausgabe. Die noch in Händen der Bezugsberechtigten besindlichen Scheine zum Bezug von Braunftrhlen werden am : Donnerstag, den 1. April, nachmittags von 1 bis 4 Uhr, beliefert.
X Wieseck, 29. März. Bei der letzten Verpachtung fiel unsere G e m e i n b e i a g b mit einem Höchstgebot von 8400 Mk. ben bisherigen Pachtern, Gietzener Offizieren, zu. Der frühere Pachtpreis betrug 1800 Mk.
X Wieseck, 29.März. In ber letzten Gerne i n b e r a t s s i tz u n g gelangte ein neues Wasser st atut zur Annahme. Haushaltungen zahlen jetzt im Jahr 15 Mk.; bei gemeinsamer Haushaltsührung von Familien zahlt jebe btefen Betrag. Die Taxe für Einzelpersonen betragt 4Mk, für Großvieh jebes Stück 3Mk., für Kleinvieh: Schweine 1 Mk., Ziegen 50 Pf. usw. Gewerbebetriebe erfahren eine Erhöhung ber seitherigen Pauschalsumme mit 65 Proz. Die Teuerungszulagen ber Gemeinbebeamten werten vorläufig ab 1. April beibehalten. Das Gelänbc an ber Gießener Straße soll auf 10 Jahre öffentlich verpacktet werden, die Pachtzett aber bei etwaigen Veräußerungen zu Bauzwecken verkürzt w^den. Für die H 0 l z v e r t e i l u n g wurde euie Kommission bestimmt mit Karl Schäfer III., Wilhelm Vogelhöfer und Hch. Laudon. Auch die Kleie- verte i l u n g soll von der Gemeinde in Zukunft erfolgen; hierfür wird eine Kommifiion ans Wilhelm Vogelhöfer, Karl Scherer und Polizei- biener Weller ernannt Der Gehalt ber Hanb- arbeitslehr erin wirb als Vervielfachung mit 100 auf bie Wochensttrnben festgesetzt. Der Turnplatz bei ber Bürgermeisterei soll in zwei Teilen verpachtet werben. Die Abgabe von Sanb soll nur Mittwochs erfolgen, unb Mar für Einspänner zu 5, für Dvppelsvänner ju 8 ™t.; für Auswärtige erhöhen sich bie Sätze auf 10 und 16 Mk.
Atts Stadt und Land.
Gießen, den 30. März 1920.
Meldeordnung für die Stadt Gießen.
Zur Meldung bei dem Potzeiamt ist verpflichtet, wer in die Gemeinde Gießen ein» zieht (unter Vorlage der Abmeldebeschem iglkng seines bisherigen Wohnortes; diese Meldung hat innerhalb acht Tagen zu geschehen), wer aus ber Gemeinde Gießen wegzieht, um feinen ge wölmlichen Aufenthaltsort aufzugeben, netter bie Personell, bie ben oben genannten Melbepflichticten Wohnung unb Unterkommen gewährt ha dm, mfern bie An- bzw. Mmelbung von biesen nicht selbst geschehen ist. Bei Wohnungswechsel )inb zur Melbuug verpflichtet, Hauseigentümer über ben in ihren Häusern vor gehen ben Wechsel, entertet ob bas Lokal zum persönlichen Aufenthalt oder nur zum Geschäftsbetrieb verwendet wird. Diese Meldung ist unter Angabe ber früheren, bzw. künftigen Wohnung des Ein- ober Ausziehenben innerhalb acht Tagen nach dem Ein- ober Auszug 301 criuatiat. Zu glctcher Meldung iinb £aiqxtnncter Kurzer Daufer oder einz?lner Teile verpflichtet, irarai M die W>ltt Hungen wieder an Untermieter abgeben. W itec ilt zur Anzeige verpflichtet, wer innerhalb der Gemeinde Gießen seine eigene ober gemietete Wofy nung oeränbert, sovie bie Personen, bie andere bei sich m Schlafstellen aufnehmen. Die letzte Meldung bat innerhalb 24 Stunden äu erfolgen (M- und Herbergswirte haben täglich bis um 8 Uhr vormittags über alle in den letzten 24 Stunden erfolgten Aufnahmen von Fremden Meldung zu erstatten. Wer ein ortsfremdes Kind in Pflege auf- irimmt, hat dies binnen 24 Stunden anzuzeigen.
Veranstaltungen.
Dienstag, 30. März: Stadttheater, 7 Uhr, Oberammergauer Passionsspiele. — Aquarium, 8 Uhr, Mitgliederversammlung der demokratischen Bartei. — Lichtspielhaus, „Das Leben Christoph olumbus und die Entdeckung Amerikas". — Lichtspiele Seltersweg, „Johannisttaum".
weder deutsch «mch national.. Alle verdächtigen Ele- «venle müssen aus der Reichstrahr entfernt und durch Bürger und Arbeiter ersetzt werden. Das politische Gesindel aus dem Osten muife aus dem Reiche entfernt werden.
M>q. Henke (USP.): Noske ist gegangen als ö Mann, der alles verloren hat. Wir werden dafür sorgen, daß die Politisierung, der Gewerkschaften ihren Fortgang nimmt. Wir haben fein Vertrauen zur neuen Regierung, vor allem nicht rum Reichswehrmtti i stcr
Abg. Legien (Soz.) spricht namens ferner Partei der neuen Regierung das Vertrauen aus. Der Redner hofft, daß die unabhängige Sozial- demokralie einfcfym werde, wo das wahre JNlerettc der Arbeiter liegt. Die Hochverräter müßten gefaßt und ihr Vermögen konfisziert werden, um die Lrckensmittelnot der minderbemittelten Klaften zu beheben. Die Reichswehr müsse um gestaltet werden, ebenso die Einivohm-r- und Ottswehran. Es wäre verhängnisvoll für Deutschland, wenn die gettoffenen Vereinbarungen nicht schnellstens und energisch durchgefühtt würden.
Reichswehr Minister Dr. Ge feier teilt mit, bafe ei e Unteriuchmigskommis ion eingci’Bt nnnbe Die Vorlage bett, die Aburt>'ilimg durch Zivilgerichte fei dem Hause bereits zugegmgen. Es bleibe Noskes Verdienst, daß wir in dm schweren auf einen Dnl unbedingt verläßlicher Truppen redre.i konnten. Di' R ichsweltt muß nach der <5äubenmg auf breitester demokratischer Grundl-age aufgebaut nrr:en.
Reichsmstizminister Stund le lt Mit, bah gegen Kavv, Lüttwitz, Jagvw, Boiler, Schvlle- tznderak, Fal^nfyaulen, Lemtzow und anbere das Verfahren w gen Hochverrat -eingeleitet ist So- -wett sie nicht in Haft srnd, ist Steckbrief erlaifm unb bas Vermögen beschtegnckhmt Wörtern Wegm ber Verfolgung Traubs ist btt der National- verfammlung Antrag erngeflangeir
Abg Dr. H cinze (D. Vp): Als ich die Nach^ richt von bei' unverantwortlichm Tat Kapps er- fyelt, war ich aufs Höchste entrüstet. Wir müssen -unbedingt aus dem Boden des Rechtes stehen. Tic gegenwärtige Verfassung muß geschützt werben. Wir tonnen eine Regierung nur anerfeimm, die auf ber gegenroär ig-en Verfassung bericht- rnnb Lüttwitz nraren nur möglich, weck wer die R<do- lution und den Frieden von Versailles gMbt haben. Tie Repolutton war ber erste Benasjungs- bruch Es wäre besser gewesen, wenn Sie auf unsere Forderung eines früberat Wahltermins ein- geqangen wären, (ßürm und Sadjen.) Es ist nicht möglich, daß erst der Kavpstreich vom 13. Marz die die rote Armee in Wests al en aufgebracht hat Diese Armee mit ihrer Bewaffnung, Führung und ihren Plnen war seit langem vorbereitet.
Ter Vertreter Bayerns im Reichsrate von Präger teilt gegenüber einer Bemerkung des Vorredners mit, daß die Neubildung des Kabmttts in Bayern auf verfassungsmäßigem Wege twr sich


