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Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gbethefsen)

M. 229 Zweites Blot*

Das Ende der englischen vorniacht- stellung zur See.

Hat (htglanb fein vornehmste Äticy^gid er­reicht: di Ausschaltung jeder Weben (Wer ftlxift für feine Vormach stellung zur See? Soiorit Dentsck>- ümo m Frag«? kommt gvnnu: denn die stolze deutsche Kriegs- tmd Handelsflotte gehört her Ver- gvngenheit an. Aber statt dieses einen Nebenbuhlers fmb ihm zwei andere und viel gefährlichere er­wachsen die Vereinigten Staaten und Japan. Jedenfalls ist die meerbeherrschende Stellung Bri- tanniens nach dem siegreich geführten Kriege viel bedrohter als vorher An der Hand eines einwand­freien Zahlenmaterials weift dies der Professor an der Düffe'dorfer Verkehrsdochslbule Richard Hen - n r g in einem soeben erschienenen BuchDer nette Weltv-rkehr" nach, das einen Band der bei Karl Siegismund in Berlin erscheinenden Sammlung Die n ue Welt" bildet. Hennig nennt das Alis- treten Amerikas als eines Wettbewerbers um die Seeberrschastbas bedeutendste verkcbrsvolitische Ereignis, das als (folge be5 Krieges überhaupt zu verzeichnen ist".Zwei Tatsachen," sagt er,be­leuchte schlaglicbtartig die Verschiebnng der Ver- bältnisse zu Englands Ungunsten. Tie Nieder­schlagung der deutschen Handelsmarine ist gelun­gen : aber am Schluss des Krieges stand eine an­dere, nicht-eng!i che Flotte, die amerikanische, doppelt so stark, als es die deutsche in ihren besten Zeiten war, zum Handels- kampt gerüstet, einer stark reduzierten englischen Äauffahrteiflotte gegenüber. Außerdem ist aber der englische Schiffbau, der seit Menschenge- denk'N tmerreichbar an der Spitze aller Nationen marschierte, vom amerikanischen über­troffen worden und schon 1918 hinter diesem fast um die Hälfte, 1919 um rund 3 zurückge­blieben, trotz lebhafter eigener Anstrengungen. Diese Umwandlungen unb so gewaltig, daß man sagen kann, nie zuvor habe sich oas Bild des Handelswett- henxrbes auf den Meeren in so kurzer Zeit gleich stark gewandelt?"

Diese Veränderung der Lage ergibt sich am deutlichsten, wenn man sich den prozentualen Anteil vor Augen hält, den die führenden Nationen im letzten Jahrzehnt an der Zusammensetzung der Welthandelsflotte gehabt haben. England verfügte 1910 über 15,4 Proz.. Deutsch'and über 10,3 Proz., die Ver.!i: g ?n Staaten über 6,6 Proz., Norwegen über 4,8 Proz und an fünfter Stelle stand Frank­reich mi 4,5 Proz. 1919 hat sich diese Reihenfolge so verändert, daß Deutschland ausscheidet England steht mit 32,1 Proz. noch immer an der Spitze: aber die Vereinigten Staaten sind ihm mit 23,5 Prozent bereits ziemlich naheqerückt: bann folgt Japan mit 5,3 Proz, Norwegen mit 3,1 und Frankreich mit 2,9 Proz. Nun ist aber die Han­delsflotte Amerikas in einem beständigen, das An­wachsen Englands weit überflügelnden Zunehmen begriffen. Es kam ja den Briten vollkommen über­raschend, als die Pankoes im Sommer 1918 ganz U'-p ötzlich f:eberf,at'e Anstve''girügen unternahmen, England im Schiffbau zu schlagen und damit die eigene Handels- und Kriegsflotte der britischen überlegen au machen. Eine unglaubliche Menge von neu gegründeten Werften blühte empor. Die ameri­kanische Ozeanflotte, die 1910 nur 800000 T. umfaßte, war am 30. Juni 1915 fr*reit$ auf 2794 Schiffe mit 1 871 643 T. gestiegen. Ein Jahr später schwammen 2191725 T. amerikanischer Fahr­zeuge auf dem Ozean. Beim Eintritt in den Krieg im April 1917 verfügten die Bereinigten Staaten Über 2 750 000 T. an Schiffen über 1500 T. Am 1 Juli 1918 hatte das amerikanische Schiffsfahrts­amt 7 OOO 000 T., am 1. September 9 500 000 T. unter Kontrolle, unb man konnte bis Ende 1920 mit 14 715 000 T. Neubauten rechnen. In kaum sechs Jahren war die Flotte der Ver­einigten Staaten um fast 300 Pro z. gewachsen. Das ge'amte amerikanische Bau- vrogramm umfaßt 17 807 071 T. In absehbarer Zeit werden allo 22 OOO 000 T. Schiffsraum unter dem Sternenbanner fahren, d. h. etwa 3/6 des Welt­schiffsraumes unb mehr, als die britische Handels­flotte je besehen.Wir werden nicht nur die größ­ten Schiffbauer, sondern auch die größten Reeder bet Welt fein," hat der amerikanische Schiffbau- stmtrolleur Edward Hurley gesagt.

Es ist begreiflich, daß diese Anstrengungen England mit tiefer Besorgnis erfüllen. Gegen­wärtig liegen bereit- die Verhältnisse so, daß Bn- tamrim, das vor dem Kriege eine Ueberlegenheit über alle wichtigen Konkurrenten um 4 OOO OOO Do. besaß, jetzt den anderen wichtigsten Handelsflotten Infam men um 3 700000 To. unterlegen ist.Wenn sich das Bauprogramm Amerikas auch nur zum Teil verwirklicht," schrieb der ,/Statift",mag die Todesgl<ocke un f e ter O zean vor- macht ftc llu n g erklingen."

Aber auch Japan ist ein sehr gefährlicher Sfcnifunxnt Englands geworden, und im gar^n z-eigt sich, tag ganz Europa wirtschaftlich ten Krieg verloren fxtt. WLrrend der euvopaiiOx- Schi fbau ten auücreuropäifdjen bis -um Zahle 1914 übertraf, ist er ihm jetzt bedeutend unter­legen. E. g and, Deut ä land und Fg:antteici: bau­ten 1912 1887 030 To. und 1914 1 51 000 To. mehr als die Vereins-tau Staaten un.> J<win; dagegen warst dis beu-ea nichd.-uropäi'che^i Star­ten im Jahve 191b t*n drei eurooä.fchn um 117 000 To und 1918 um 2 190 00J T). im Schisfsbau überlegen.Angrsicksts Liefer Za!) - n," schließt Hennig,hämmere am Horizom bte Mög- lichDcit auf, baß Europa die Stelle als kulturelle Vorniack.t der Welt, die es 2' s Fahrt u'end unb.'* stritten inne hatte, infolge h?r futdX->ar n Vor­gänge ter Jahre 1914 19 nerlo.e.i Ta:, als ob die Führervolle seit 1918 an Amerika über gegan­gen ist"

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 29. Sept. 1920.

Gewerbebetrieb der Tienstmänner in der Stadt Gießen.

Personen, welche auf öffentlichen Straßen unb Plätzen ihre Dienste anbieten, bedürfen zum Be­triebe ihres Gewerbes der polizeilichen Erlaubnis. Tie Erlaubnis wird nur solchen Personen im Alter von mindestens 21 Jahren erteilt, die un­bescholten zuverlässig und tauglich sind Jeder Dienstmann hat eine Sicherheit im Bettage von 50 Mark bei dem Polizeiamt zu hinterlegen!. Tie Sicherl-eit haftet für Geldstrafen wegen lieber» tretungen dieser Vorschrift und für zivilrechtliche Ansprüche der Auftraggeber welche' aus dem Dienstverträge hervorgelien ober bei Gelegenheit der Tienstleistung (insbesondere durch unerlaubte Handlungen des Tienstmanns) entstanden sind. Tie Zurückgabe der Sicherheit erfolgt, wenn der Tienstmann das Gewerbe aufgegeben bat. Bei Er­teilung der Erlaubnis erhält jeder Tienstmann einen auf seinen Namen lautenden Tienstschein, welcher mit einer Nummer versehen ist, sowie einen Abdruck dieser Polizei-Verordnung nebst Gebüh­renordnung gegen Entrichtung eines Bettages von 60 Pf. Tie Tienstmätrner müssen stets, sobald sie an öffentlichen Orten ihre Tienste anbieten, eine rote Mütze tragen, an deren Vorderseite ein Me­tallstreifen mit der AufschriftTienstmann" und darüber die Tienstnumrner sichtbar befestigt ist. Anderen Personen ist das Tragen der vorgenann­ten, von dem Polizeiamt erteilten Abzeichen unter­sagt. Jeder Dienstmann muß seinen Tienstschein und einen Abdruck dieser PolizeiverotLnung nebst Gebührenordnung bei sich führen und den Auf­traggebern sowie den Polizcibeamten auf Ver­langen vorzeigen. Tie Tienstmänner müssen bei Ausübung ihres Gewerbes in anständiger, rein­licher Klechung erscheinen, stets nüchtern sein und sich gegen das Publikum ruhig und höflich betra­gen. Sie haben sich jeder Zudringlichkeit zu ent­halten insbesondere das unaufgeforderte An­bieten ihrer Dienste zu unterlassen. Karren und Gerätschaften dürfen nur auf den von dem Poli- zeiamt bestimmten Plätzen ausgestellt werden. Den Tienftmännern ist der Aufenthalt und das Anbie- ten ihrer Dienste auf den Balmsteigen und in den Wartesälen wie überhaupt in dem Empfangsge­bäude des Bahnhofs untersagt. Tie Tienstmän­ner dürfen sofern sie nicht bereits anderweit bestellt sind, die Annahme von Aufträgen nicht verweigern, ebensowenig letztere eigenmächtig an­deren übertragen. Tre Bezahlung der Dienst­leistungen erfolgt auf Grund der bestehenden Ge­bührenordnung. Für Tienstleistung-en, welche nicht in der Gebührenordnung aufgeführt sind, bleibt den Beteiligten überlassen, sich über den Preis zu einigen. Tie Tienstmänner sind verpflichtet, vor Annahme des Auftrages den Auftraggeber dar­auf aufmerksam zu machen, daß die verlangte Tienstleistung in der Gebührenordnung nicht vor­gesehen fei und die Vergütung hierfür der freien Vereinbarung unterliege Jeder Mehrforderung, sowie das Verlangen von Trinkgeldern ist bei Strafe verboten unb kann zur Entziehung der Erlaubnis führen. Tie Beaufsichtigung der Tienst­männer, die Schlichtung von Streitigkeiten zwi­schen ihnen und ihren DufttaggÄem, sowie die Eirtscheidung von Beschwerden liegt dem Polizei­amt ob.

Die Dienstmärmer und bfe Unternehmer von Dienstmanns-Anstalten haben für ihre Dienst­leistungen, soweit nicht eine besondere Vereinbarung stattgefunden hat, folgende Gebühren zu bean­spruchen:

1. Bestimmte ®änje:

a) in der inneren unb äußeren stabt mit Aus­nahme der unter b bezeichneten Punkte: 1 ohne Gepäck oder mit Gepäck bis zu 10 Kilogr. 1 Mk : 2. mit Gepäck von 1020 Äi ogr. 1,5 ) Mk b) nach sagenden Punk.eu: 92eue Kaserne. Provinzial- Süchmanstalt Landec-Heil» und Pflege-Anstalt, Germania, Schützenbaus, Liebigsböle Pluto- foplxmralb, 'Jkuer Friedhof, Textors Hard: unb Hardthof: 1. ohne Gpäck ober mit Gepäck bis zu 10 Krlogr 2 Mk.: 2 mit G.prck von 1 > bis 20 Kilogr. 2,50 Mk. Für Rückaufträge ist in allen Fällen die Hälfte der vorstehenden >sätze zu zahlen.

2. Zeitarbeit:

a) ohne Gerätschaften: 1. für de erste Stunde 2 Mk . 2 für jede weitere Stunde 1,50 Mk b) mit ( e rät schäft en: 1. für die erste Stunde 3 Mk.; 2. für jede n*ciK're Stunde 2,50 Mk. Die angefangene S tun le wird als voll gerechnet.

3. Führung von Geschäftsreisenden:

a) mit Muster: 1. für bi' erste Stunde 2Mk ; 2. für jede iveitcre Stunde 1,50 Mk b) mit Mn ster- ko f fern aut Handwagen: 1. für die erste Stunde 3 Mk: 2. für jede weitere Stunde 2,50 Mk Die angef.rngene Stunde wird als voll gerechnet.

In her Zeit zwischen 10 Uhr abends und im Sommer 6 Uhr, im W ntcr 7 Uhr morgen» kommt der anderthalbfack)e Betrag der obigen Preissätze in Ansatz.

Dienstleistungen, welche in vorstehender Ge­bührenordnung nicht anfjeführt sind, insee'ondere alle Titnstteistungen nach außerhalb der Stadt, so- w.e Transporte von Möbeln, Klavieren, Kassen­schränken und berg(eichen unterliegen besonderer vorheriger Vereinbarung.

Jede Gcbührenüb rsorderuna, insbesondere das Verlangen von Trink eldern. ist den Dienstmän- taent untersagt und wird mit Geldstrafe bis zu 150 Mk, im Unverrnogensfalle mit Haft bis zu 4 Wochen bestraft.

** Amtliche P e r f on a lna chri ch t en. Ernannt wurde am 21. Sep'ember der außer­ordentliche Professor Dr. Emil Wimmer an der Universität Freiburg i. Br mit Wirkung vom 1. Cf ober 1920 ab zum ordentliche i Profes'or für Forstwissrnichaft an der Lande Universität Gießen. Ernannt wurde am 17. Scp ember dec Heinrich Müller zu Gießrm mit Wirkung vom 1. April 1920 an zum Amtsg'hi fen am Zoologischen Insti­tut der Landrsun ver ität Gietzen. Ernannt wurde am 21. Scptemlxn: der provisorische Diener Kaspar Herdt aus Heimertshausen mit Wirliung vom 1. April 1920 an zum Amts^hilfen bei der chirurgischen Veterinärklinik in Gießen.

** Zur Durchführung des Tumult- s ch ä d e n g e s e tz e s sind zu Mitgliedern der Fest- stellungsauöschüsse für die Provinz Ober Hessen er­nannt : Regierungsrat Tr. Heß-Gießen als Vor­sitzender, Regierungsrat Hemmerde-Gicßen als ftellDextTctenber Vorsitzender. Als Mitglieder: 1. Fabrikant Georg Allmendinger-Grünberg, 2. Schlosser Wlll>elm Teusina-Lollar, 3. Bürger­meister Fendt-Hmigen, 4. Oekonomierat Hoff­mann, Hof-Güll, 5. Fabrikant Langsdorf-Fried­berg, 6. Bauunternehmer Dh. Morschel^Friedberg. Als stellverttetende MitÄieder: 1. Gutspächter Karl Hesse-Otterbach, 2. Bürgermeister Jost-Ber- mutshain, 3. Kreisfeuerwehrinspektor Müller- iFriedberg, 4. Zigarrenarbeiter Friedrich Neu­mann-Schotten, 5. Drogist Augult Noll-Gießen, 6. Möbelsabrikant Gust. Ramspeck-AlSseld.

Kreis Alsfeld.

** Oler-Ohmen, 28. Sept. Der Einbau ettves Elektrizitätswerkes in die Mühle, das den Ort mit elektrischen Licht versorgen soll, sowie die An'age des Ortsnetzes wurde der Gieß-mer El:k- trizitätsgeselljchast Münnich u. Althoft übertrageit. MU dem Arbckten wird sofort begonnen. Man hofft, bis Weihnachten schon Licht geben zu können.

Kreis Schotten.

O. Gedern, 26. Sept. Unter dem Vorsitz von Regie-ui-gsrat Schafer-Schten hielt dr Kreis-Obst- und G a r ten b a u d e r e x n feine diesjährige Hauptversammlung heute hier ab. Nach Erstattung des Vereins- und Rechenschafts­berichtes für 1919 und nach Genehmigung des Voranschlags für 1920 wurde der neue Vereins­direktor Geh. Regierungsrat B ö ck m a n n zum Verein-Vorsitzenden gewagt. Oetonomreait Spieß-Friedcherg hielt sodann einen lelrreichen Vortrag überTie .Handelsdüngemittel für den Obstbau".

Hessen-Nassau.

Städtt^chcr Millionenetat.

fd. Frankfurt a. M., 28. Sept. Der neue Etat oeäangt bte größten Zuschüsse für: Schul- verwalmng 43 Millionen Mark, HaupwerTvaltung einschli ßlich der Gehäl'er für bte Festangestellten 35, Gestuidherts-, Wohlfahrts- unb Jugendpflege

Blinder Hatz.

Roman von Alfred Sassen.

ftiachdruck verboten.) Fortsetzung 42.

Magdalene, verstehen wir uns nicht ganz unb voll r' fragte der Genesene abwehrend mir einem müden, aber glücklichen Lächeln.

,^Ich mutz mir eine letzte Sühne au ter legen."

Tas eben sollst bu nicht."

,Lch mutz und will eS."

Die Blinde war stehen geblieben, beide Hmwe am die Brust gepreht, die an tiefer, tiefer Atem- Zug hob.

Es ist nicht viel, was bu hören nnrft," sagte ste leise unb feierlich,Nur vettuchen rnächt tdr, dir verständlich zu machen, wie jener ingrimmige blinde Haß in mir entstehen konnte . . . Als du damals das Unglück hattest, meinen Bruder im Tuell zu erschießen, wollte ich nicht einteben, daß bu ein armer gehetzter Mensch feiest, und Menschlich begreifliche Erwägungen dem Handeln bestimmen mußten. Ich hatte immer das Größte tob Höchste von dir erwartet, das Außervrdntt- liche so nehm ich auch jetzt an, nichts in der Dell könne unb dürfe in deinen Augen stark ge* trug fein, um trennend zwischen uns zu treten! Er muß kommen muß einen Weg zu dir finden so ober so! Kein anderer Gedanke hatte Raum in meinem brennenden Hirn!"

Magdalene, laß dir sagen"

Lprich nickst nein! Du hast dich nicht Su entschuldigen. Heute weiß ich, daß du gewiß nur unter laufend Schmerzen und unter einem unerbittlichen Druck entsagt haft. Damals aber tollte ich keine Entschuldigung für dich finden, Jin« gelten lassen.' Meine ungiückfelige hemge Warur ließ es nicht zu. Und so matz ich Da

auch die Schuld bei an all dem Unglück, das später auf mich ein stürmte"

Und das war so unsäglich Jammervolles," unterbrach sie der Deutschamerikaner mühsam.Zu allerletzt kam auch noch mein Sohn unb rang mit deinem um bte Liebe des Mädchens, dessen Besitz für beide bas Lebensziel bebeutete, und dein L-oyn erlag, mußte sterben"

Tie alte Frau ergriff mit bebenden Fingern die Hand des Jugendgeliebten.

Ihr Ton nahm in dieser gedämpften Feierlich­keit etwas erschütternd Geheimnisvolles an:

Nicht allein um meines gestorbenen Sohnes willen stand ich dir am dem Frisdlwt P uner­bittlich gegenüber es war noch etwas anderes das vor allem! Tu sollst es wisien. Als ich jo plötzlich deine Sttmme vernahm, hätte ich mit all/r Gewalt den furchtbaren Schleier vor meinen toten Augen zerreißen mögen, um dich in deiner jetzigen Gestalt sehen zu können. Ter Schleier ritz nicht, mir blieb verborgen, wie dich das Leben m deinem Aeußeven gewandelt. Tu tratst vor mich hin, als seist dn noch der gleiche, der vor fünfe imbbrcifng Jahren von mir sortgegangen blühend in Schönheit, strotzend in jugeni>Iich?r Straft! Meine Seele rang unb sträubte sich gegen diese törichte Vorstellung allein sie blieb unb marterte mich bis zum Wahnsimngwerden! Ich erblindet, vom UnMck oerfolgt, wehrlos ge­macht in all meinem starken Wollen unb Können du drüben in Amerika reich unb glücklich ge­worden und jung und schön geblieben.' Dies auätenbe Bild vor allem rüttelte alles Schlimme unb Schlimmste in mir out, so daß ich sinnlos mit wilden Anklagen über dich herfrel".

Ter Deutschamerikaner faßte mit beiden Hän- I den das weiße Haupt Magdalenens unb bettete j es sanft an feiner Brust.Nichts, nichts mehr,"

bat er.Jetzt erst, nachdem du mir dies ge­sagt, verstehe ich, wie unfagbar bu gelitten hoben mußt, was es war, 'das dich in den> treiben wollte"

Er küßte ihre Stirn.Wer die Zeit des Leidens ist nun vorüber"

Ja, vorüber," fegte die alle Frau Zwei große, heiße Tränen rannen ihr aus den tuten Augen unb rollten langsam über die bleichen Wan­gen. Allein, kein Sck>luchsen en'djütterte ihre Brust. Ihre sonst fe dumpfe, hoUe stimme erklang viel­mehr klar und rein unb gesättigt von einer hei­ligen Freude.

Und weißt bu, Walter Hüttich," rühr sie fort, ,Fielch ein Wunder der armen Blinden wider­fahren ist? Sie ist sehend geworden sehend durch dich! Nicht allein sehend in Glauben, Liebe und Hoffnung sondern sehend in der Wirklich­keit!"

Mit (inan unbeschreiblichen Lächeln, das ste lugenblich verschönte, leg» sie ihm beide HLide aus die Schulter.Ich erkenne dich nun in diener wirklichen Gestalt.' So, wie du jetzt bist, stehst ou vor mir! Ich sehe, daß sich ein grauer Schern über dein dunkles, starres Gelock gelegt hat"

Ja, Magdalene."

Und gar manche Falle sehe ich in deinen lieben, stolzen Zügen."

Gar manche ist da, Magdalene."

Sie strich ihm mit behutsamer Hand über Haar und Antlitz, als wollte sie diese Spunen des Alters liebkosen.

Er ließ es still geschehen und sagte bann: Wenn das Wetter gut bleibt, werd' ich morgen meinen zweiten Ausgang machen. Du bist na­türlich bei mir, Magdalene. Unb weißt du, wohm ich dich da führen werde? Zum Grabe deines Sohnes."

Mittwoch, 29. September 1920

je 21, Leistungen für stoa liche Zwecke LI8/*, Hoch- und Tiefbau 11, Wissenschaft, Kunst unb Volks­bildung 8, gemeinnützige Bestrebungen 1,4, Be­sät tun gswescn 1 Million Mark Di.' Crnnahmen an Steuern unb Abgaben erbringen IGO Millionen Mark, gegen 70 Millionen Mir.ck im Fahre 1919; ine Einnahmen aus bet Grundstücksverwaltung find 5,9 Millionen Mark

Stiftung.

sd. FrankNtrt a M., 28. S'pt Sh>mmtrr* zfenra: Beit von Speyer hat der ndn ihm im Jabre 1915, zum Andenken an seinen ans dem Felde der Eh-r gefallenen Sohne, errichteten Stiftung von 30 GO-J Mk für das Goe'.begvmnasium, die im "aufe des Krieges um 10 004 Mk. erhöht worden war.^jetzt weiteve 30 003 Mk zuaenxndet, so daß ffes <ot>ftung-Zkapila: aus 70 003 Mk angemaebien ist Aus den Zinzen des S:ifNing5kaptta c« soll all* jährlich ein würdiger und bedürftiger Abiturient die Mittel zu einer Stubienrnie erhalten. Der Magistrat bat die Erhöhung der Stiftung mit Dank angenommen.

Doppelsklbftmvrv.

sd. Frankfurt a. M., 27. Sept. In einem Hotel am Hauptbahnhof hat sich ein in der Mitte der vierziger Jahre stehendes Ehepaar aus Renischetd mit Cyankali unb Strychnin vergiftet.

Die Wahlen im Kommunallundtsty.

fd- Wiesbaden, 27. Sept. Der Kommunak- landtag wählte heute mit 46 von 76 abgegebenen Stimmen Stadtrat W 0 e 1 l - Frankfutt zum Lan­deshauptmann. Die Sozialdemvttaten batten als Protest gegen dir Nichtberücksichtigung tbrrr Wünsche weiße Zettel abgegeben Tie bürgerlichen Abgeordneten stimmten geschlossen für Stadt rat Woell, dessen Gehalt auf 59 400 Mk festgesetzt wurde. Zu Landräten wurden gewählt: Bürger­meister Kranzbühler-Biebe ich, Assessor Schlüter- Wiesbaden und Landesassessor Johler-Wicsbaüen.

Schwurgericht.

Gießen, 27. September.

Der 28jährige Weisch'ndevgeselle Adolf Sch. von Ober-Mörlen war angellagt, im Oktober 1919 einen Pfluggestohlen und am J8. Aplil 1920 eine Frau beraubt zu haben. Sch., der nach der Angabe Der 3eugen als ein Simpel gilt, der an Dummkoller leidet, vib bte erste Tat zu: be­züglich des Raubs wollte er sich an nicht­mehr erinnern. Nach dem Gutachten der Sachver­ständigen ist er ein erblich belasteter, schwachsin­niger Mertsch, der wohl strafrech'lich verantwort­lich ist, dem aber mildernde Umstände in weitesten Sinne iugcbi lifft werden müssen. Die Geschwore­nen bejahen die an sie gestellten Fragen t>mtfinten aber, das Sch. dtt Frau das Geld mit Gewalt weg- genommen habe. Der Angeklagte erhielt wegen 2 Diebstähle 6 Monate Gefängnis abzüglich 5 Mo­nate Untersuchungshaft und wurde aus der Hast entlassen.

Aus dem AmtSverkündigungSblatt.

** T a- Amt-Verkündigung-blatt Nr. 140 vom 28. September enthält: Die Preise für ab gelieferten Raps und Rübsen. Einkauf von Flachs aller Arten. Fvldbeveinigung Ra­bertshausen. Polizeioerordnung über den Ge­werbebetrieb der Tienstmänner. Aufhebung der Straßensperre.

Preise für abgelieferten Raps und Rübsen. Tfe Preise für die auf'Grund der Ber- orbmmg über Oelsrüchte und davaus gewonnenen Erzeugnisse vom 16. August 1919 (Reichs-Gesetzbk. S. 1439) abgelieferten j>lfrüchte der Ernte 1920, die vom Reichsausschusse für pslanzliche und tie­rische jDele und Fette nicht überschritten werden dürfen, werden festgesetzt bet Raps auf 4500 Mk., bei Rübsen auf 4400 Mk.

Einkauf von Flachs aller Arten. Außer den bereits bekanntgegebenen Personen ist noch Herr Karl Seifart, Grünberg, zum Aus­kauf zugelassen.

Nachdem die Wal^arbeiten in der Frankfurter Sttaße bombet sind, ist die Straßen­sperre wieder aufgehoben.

Turnen, Spiel und Sport.

Die ge meins ame Geschäftsstelle für Turnen und Sport. Den Bemühunprn des Deutschen Reichsausschusse- für Leibesübung« ist es gelungen, entsprechrnd den an ihn berangt- trct<wn Wünschen eine Bereinigung aller G» schäftsstellcn zu erzielen. Tas Generalsekretariat des T. R. A. f. L , das Sekretariat der Deutschen Hoch­schule für Leibesübungen, die Geschäftsstellen der Deutsch:« Turrrerichast unb des Deutschen Schwimm-Verbandes werden am 1. Oktober nach

Wie dank' ich dir für dieses Wort," flü­sterte Frau Magdalene.Du hast in meiner armen Seele gelesen. Za, tritt mit mir an meines Jun­gen Grab. Ich denk', es wird ihm Freude machen, wenn wir uns Über seinem Hügel die Hände reichen." ,

Sie schob ihren Arm in bet fernen, und sie nahmen ihren schweigenden Spaziergong nneber aut durch den sommerlich blühenden Gatten.

Seitlich am Zaun standen zur gleichen Zeck Rena und Hermann Hütnch. Ihre Augen gin­gen in die Ferne, der Richtung zu, wo aur ihrem Bergkegel die stolze Leuchtenburg ihr Wahrzeichen in den Himmel hob.

Die jungen Leute sprachen nicht, aber in ihrem Herzen erklang's in wundersamer Jnnigkrit: Weißt du noch? Weißt du noch?"

O, sie wußten'- beide--und nunjixa

das, was ihnen da oben traumhaft durch die Seele gegangen, Wirklichkeit geworden, berauschende Wirk­lichkeit!

,Lch will nur mein Glück verdienen," sprach der junge Mann plötzlich laut und krLfttg. Er feh sehr gut aus, friich unb blühend seine Wunde war vüllig geheill.

3a verdienen," wiederholte er.Mein P^an, ein Haus zu bauen, in dem arme unb oerlailene Kinder eine Heimat haben werden, soll bald schnr zur Ausführung kommen. In Davos bereits habe ich mit dem Vater darüber gesprochen_ feine Taschm stehen offen fürben deutschen Träumer aus AmeriLa", wie er mir gefegt har."

(Schluß folgt)