Tas jimge Mädchen brachte fein Wort hervor, eine seltsame Ahnung steigerte ihre Verwirrung noch, die sie beim Eintritt in das Zimmer überkommen hatte. Sie neigte nur bestätigend ein wenig das Sxnrpt.
Ter alte Herr fuhr in seiner gewinnenden Weise fort: „Ich will Sie jedoch nicht veranlassen, Ihrerseits mein Fräulein, zu errai^i, wer vor Ihnen steht. Ich bin Walter Lüttich. Meinen Sohn Hermann keimen Sie bereits, wie ich von Ihren Freunden weiß. Was mich anbelangt, so bin ich gleich einem Tieb in der Nacht in oie Heimat eingefallen. Meine Geschäfte in Amerika konnte ich einige Wachen früher abwickeln, als ich zuerst awwcrhm. Da Run der sonst so nüchterne 5k>oufmann cruf den phantastischen öebpnftm, die Heimat uni) seinen bereits dahin vovausgereisten Jungen Ku überraschen. Bor allem die Heimat — mein kleines Lobeda, an das mich fo erinno- rungsschweve Fäden binden! Ich habe heute nachmittag in Wff'chwitz den Zug verlassen, zu Faß bin ich über die Burgauer Wiesen herüber^wmr- dert, über die uralte Brücke geschritten, hinein in das von der UbenddLmmernng umfangene Städtchen —"
Der alte Herr mußte einen Moment innehalten, so sehr' überwältigte ihn die Erregung.
Dann sprach er in immer siegreicher hervov- brechender Wärme weiter: Ich habe an den Gräbern meiner Eltern gestanden, an der Schnelle des Hauses, das mich geboren, und bann hab ich meinen alten Jugendfreund ausgesucht —" er streckte dem Lehrer bre Hand hin.
„Kurz vor meiner Abreise aus Amerika er reichte mich-ein Brief meines Sohnes mit Hermat
nachrichten, die mich tief erschütterten. Nun hab' ich ans Freundesmund noch einmal all das gehört, was über Magdalene Schumann, die ich einst mit allen Kräften meines Seins geliebt, heremgo- braxfrcn! O dieses Lebensschicksal. — wie unsagbar grausam hat es sich gestaltet! Mein Innerstes ist aufgewuhtt! Nach der Auffassung der Minden will es sich wie das Bewußtsein einer großen Verschuldung in mir regen — aber was ist Ihnen, mein Fräulein?" brach er besorgt ab.
Rena hatte plötzlich nach einer Stuhllehne gegriffen, um sich daran aufrecht zu halten. Mit zusammengebissenen Zähnen stand sie da, blaß bis an die Lippen:
Das Herz krampste sich ihr zusammen in bitterem Schmerz bei der Vorstellung, wie sie den stattlichen, ahnungslosen Mann da vor ihr treffen mußte mit der Mitteilung dessen, was seinem Sohn geschehen war. Der Vater glaubte ihn vielleicht heute abend noch oder doch bestimmt morgen in die Arme schließen zu können, und indessen lag der Unglückliche in weiter Ferne auf fernem einsamen Schmerzenslager und —
„Was ist Ihnen?" fragte Walter Hüttich noch einmal und griff in wachsender Besorgnis nach der Hand des jungen ML-chens.
Zugleich trat Anna Reinsdorf zu Rena, faßte sie um die Schultern und fragte: „Kommen Sie erst mal mit in mein Stübchen, Stirb. Sie haben sichtlich etwas auf dem Herzen, was Sie wohl am besten zuerst mir allein fragen."
Rena nickte in 'mrrussprechlicker Erleichterung. Ja, ja, das war ein Ausweg! Es spielte in den. Bericht, den sie zu machen hatte, so vielerlei
rm. Tarm stabt, 27. Ang Die Beratungen n-er?cu heute mit der Mitteilung des Direktors K i f fr i n g e r fortgesetzt, taß bi? Zentrale für Volksbildung den Betrag von zehntausend Mark gefrvendcl habe. Er hält bann einen sehr belehren' den 280mag über die Vorderes:ungen zu einer mehrtägigen Wanderfahrt. Es schließt sich eine rege Aussprache an und es wird ein Antrag K. Schäfer angenommen, durch tvelchen das Reich verkehrsministerium ersucht werten soll, den Teil- uehmern an Schüler und Danderfahrtcn eine Preisermäßigung auch in ter vierten Wa- geullaffc und bei Fernfahrten auch den älteren Wanderern die Benutzung von v-Zügen 3. >tlasse zum Preise von 5 Pf. pro Kilometer zu gewähren. Der Vorstand wird bevollmächtigt, die näheren Verencharungen zu treffen. Auf eine ?lnfrage teilt der Vorsitzende weiter mit, daß der Odemoalbtlub gerne Reisbücher und Karlen leihweise zur Verfügung s.eilt. Heber Wandern und Feld Polizei sprack' i.icrauf in seiner betannten hunwrdurch- würz len Art Oberstaatsanwalt Wünzer. Nach einer Pause, in der wieder die Maggi-Ofresellschaff durch ihren Vertreter bn zahlreick^en Teilnehmern i-er Tagung eine g.würzig? Suppe und Bouillon reichen ließ, gab Stuoenl Schäfer, Hess. Pfabfinder- iührer, sästitzeitswer.e Winke und Mchtlinien über Karlenlesm, Slizzmanftrliguug usw.
Mit großem Interesse wurde hierauf der Vortrag eines echten Wandervogels, Student Langer, über die Bewegung und die Grundsätze der Wandervögel entgegengenommen. Er nahm zunächst Stellung gegen die meist zu unrecht den wahren Wandervögeln gemach en Vorwürfe über Auswüchse aller Art und begründete die von den Wandervögeln ausgeh nte „Revolution gegenüber Elternhaus und Schule", die vielfach falsch beurteilt lvert-e. Tie übergroße Strenge der Eltern solle durch Liebe überwunden und die llnehriichllit und Mogelei in der Schule solle durch reine Walp> haftigkeil und Ehrlichkeit bekämpft und beseitigt nerben. Turch Verspotten und Kvastmittel werde man zu stärkerem Kampf heransgefvrdert, werde aber nicht nachgeben, sondern unentwegt weiterschreiten.
In der sich anschließenden Aussprache bestreitet der Vorsitzende nicht, daß auch ernste Gedanken in ten Bestrebungen der Wandervögel liegen, daß aber seine Angehörigen sich nicht über Bekämpfung, die freilich meist die unechten Wandervögel verschuldet haben, munbern dürfen. Er empffehlt den echten Wandervögeln, sich, um loeitcre Verwechselungen zu vermeiden, einen anderen Namen beizulegen. In der weiteren Aussprache kamen nod) Freunde und Gegner bar Bewegung zum Wort und nurde auch der innere Kamps des Wandervogels berührt. In seinem Schlußwort betont der Vorsitzende, daß er hoffe, durch entsprechendes Worgckhen ein friedliches Zusammengehen herbeiführen zu können.
Endlich spricht noch der Musikhistoriker Tr. Fr. Noack in lehrreichen Ausführungen über „Volksund Wanderlied", wofür er vielen Beifall erntet. Mil einem Tank- und Schlußwort nahmen die Beratungen ein Ende. Am Nachmittag folgte in der Technischen Hochschule ein sehr lehrreicher Vortrag über: Das Landßhaffsbild und sein geologischer Aufbau. Mm Sams.ag finden verschiedcme Wanderungen nach dem Breuberge statt.
me. Frankfurt 11. M., 27. August. Tie Jubelfeier des städtischen Ghmna- siums, das am heutigen Tage 400 .Jähre besteht, wurde in der Paulskirckie festlich begingen. Direktor Dr. Neubauer vom Lessing-Gyntnisium schilderte den Werdegang der Anstalt, während Staatssekretär Tr. Becker die Wünsche des Ministeriums für Kunst und Wissenschaft überbrachte.» Dberbürgermeifrter Voigt erklärte in seiner Fest-- rede, daß bas Gymnasium für die Bildung der Stadl, überhaupt für die gesamte Kultur des Mttn- gaues von entscheidender Spaltung gewesen lei. Tausende früherer und jetziger Schüler waren aus Nah und Fern zu der Feier nach Frankfurt gekommen und die gewaltige Kirche, in der 1848 das Bundesparlament tagte, war bis auf den letzten Platz gefüllt.
Mrche ttnfc Schule.
Schule und Kolonien.
0 Da rmstabt, 27. Aug. Dem Beispiele von Preußen und Oldenburg folgend Hal nun auch bas hessische Landesamt für das Bildungs- wesen an Kreisschulkornmiffionen des unbesetzten Gebietes die folgende begrüßenswerte Verfügung erlassen: Wenn auch durch den Frickens- vertrag die deutschen Kolonien haben abgetreten werden müssen, fo erscheint es doch im vaterländischen Interesse geboten, den kolonialen Gedanken im deutschen Volke und vornehmlich tn der Heranwachsenden Jugend weiter zu pflegen und zu f ö rdern. Ten Direktionen der höheren Lehranstalten, den Leitern der höheren Bürger-
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Nr. 202
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
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Erster hejsijcher Zugcndwandertag.
rm. Tarrnstadt, 23. Aug. Der erste Hessische Jugend Wandertag zur Ausbildung von Führern und Führerinnen sand honte i.i der festlich gefchmük:en Turnhalle ter Elronorenschule dahier bei guter Beteiligung aus allen den Provinzen, wie auch ans den Nachbarländern satt. Zur Eröfffrung fangen die Schülerinnen einen hübschen Dant-erchor, woraus Direktor Kissinger die Versammlung begrübe und vor allem den Präsiden'en des Landsbillungsarntes Tr. Strecker» die Vertreter d.s Ministeriums Staatsrat Block und Lberschulrat Ritsert, den Vertreter der Ministerialabte hing für ölKnllidye Eesundheits- pslege Cbermev^htalrnt Balser und .irgcr- meister Tr. Eläs ing als Bee re.-er 1er Statt Da.m Habt bewillkommnete. Er führt u. a. aus, daß die von Schirrmann in SchlcSivig ausgegangene dankenswer.e Anregung in manck-en Ländern mehr Unterstützung der Behörden, wie bei uns gefunden habe, und dankt der Stobt Darmstadt und dem Odenwaldllub für ihre Hilfe. Tie Jugendherbergen seien den Wanderern aller Stände geweiht.
Präsident Tr. Strecker dankt für die Begrüßung und erklärt, daß man die Wander bcstte- bungen mit großem Interesse verfolge, die Regierung werde tun, was in ihren Kräften ste'he. Geheimrat Tr. Balser lueift u -a. auch auf die ideale und die gesunbh.ilfördernde Bedeutung der Jugendnxinderungen hin und bankt Direktor Äis- singer für leine verdienstvolle Tätigkeit auf diesem Gebiete.
Für die Stadtverwaltung und den Obcnivald- Ilub dankte Oberbürgermeister Tr. Glässing. Im Namen der Ortsgruppe des Odenwakoklubs sprach noch Prof. Tr. K ö s e r. Nach Tankesworten des Vorsitzenden sprack) Lehrer Salomon über die Wanderungen mit her Schulllasse, wobei er besonders auf die Ferienwanderungen eingeht und die Verbilligung der Bahntarife anregt. Lehrer Steuerwald bespricht die Wirkung des Wanderns auf das Gemüt und legt großen Werl aus die Art des Rastens. Seine mit Humor gewürzten Ausführungen ffnden lebhaften Beifall. Oberarzt Tr. Friedrich geht auf die gesundheitlickten Vorteile der Wanderungen näher ein und bespricht die Einwirkungen und eventuellen Nachteile bei Ueberanflrengungen und die erste Hilfe bei Erkrankungen, Unglücksfällen. Tr. Wolf-Arhcilgen gibt Vorschriften über die Fragen: Wann? Wie und was? soll man beim Wandern trinken. Kand. Korwan, Vertreter des Wandervogel, regt an, daß man regelmäßige Kurse über die „erste Hilfe" abhalte. Forstmeister Gun t rum spricht über Wald und Wanderer und die durch unvernünftiges Verhalten entftolienben Nachteile, Brandschäden usw., insbesondere wendet er sich gegen das unnötige Abkochen. Er nimmt hierbei die „richtigen WandervöMl" gegen die vielfachen unberechtigten Anwürfe in Schutz. Er forbert aber scharfe Kontrolle und größte Vorsicht. In der Aussprache tritt Rektor K. Schä fer für das Abkochen ein ohne das man vielfach größere Wanderungen! nicht unternehmen könne. Lehrer Haas-Langen empfiehlt mehr wie bibber die SchutzhchH'er tn der Nähe der Baumpflanzungen zu benützen und das Einverständnis des Forstpersonals zu suchen. Ueber die Wanderungen der hauswittschtstlichen Fortbildungsschule hält Rektor Hch. Schäfer einen sehr beachtenswerten Vortrag und schildert hierbei seine sehr reichen Erfahrungen, die er mit den Mädchen der gering bemittelten Klassen gemacht hat, die dank der Unterstützung des Odenwaldklubs sich auch an größeren Wanderungen beteiligen konnten. Endlich spricht noch Rektor Kckrl Schäfer über das Wandern mit der schulentlassenen Jugend. Rapp-Mannheim tritt für Verbilligung der Bahnfahrten im Interesse der Gwßilodtjugend ohne Wald ein. Rektor K. Schäfer fordert die Freigabe der v-Jüge. Direktor Kissinger schließt dann nach weiteren Aufklärungen die erste Vormfftagssitzung. 1
Am Nachmittag schloß sich die Hauptversammlung des Zweigausschusses für Jugendherbergen rm Odenwald an. Direktor Kissinger machte eingehende Mitteilung über die bisherige Tätig knt und die in Aussicht stehenden Erweiterungen. Tie Rechnung wurde genehmigt. Ter Vorstand wurde wiedergewahll und durch Bingel vom Wanderllub- Falke und Tr. Ammann-Heidelberg ergänzt. Am Nachmittag schlossen sich turnerische Borsührungen der Schülerinnen der Eleonorenschule an und abends fand ein Lichtblldevvvrtrag des vorzüglichen Ooenwaldkenners Tr. Maurer an. Mit der Tagung ist eine Ausstellung hübscher Bilder und einer Anzahl Ausrüstungsgegenstände verbunden.
Blinder Hah.
Roman von AlfredSassen.
.Nachdruck verboten.) Fortsetzung 18
r alte Herr wohnte darin mit seiner gleich- unverl-eiixtteten und auch nicht mehr jugend-
, 4 chtt^oster Anna. Seine stille, selbüverständ- >!che Gute und die prächtige, humorvolle Art der -ckten Jungfer hatten es Rena schon seit ihrer -anderzeit angetan.
Sie hatte sich angewöhnt, mit mancher Frage, e'c l,e der Tante nicht vorlegen mochte, dotthin gehen, und die alten Geschwister trieben ihver- eine Art Kultus mit dem schönen Mädck;en
31 ö lebensprühenden jüngeren Bruder Max. Als Rena, nachdem sie vor der Tür ihr Köffer- ■ <wgestellt, in das gemütliche Wohnzimmer des Lehrerhauses trat, bebte sie erschrocken
® J^/ber und Schivester waren nicht allein. Mit Tisch, auf dem neben den Resten
. Vf bescheidenen Wendbrotrs eine Flasche Wem em älterer, vornehm ausfebender Herr.
, tt/hvb sich und machte dem jungen Mädchen -tne lerdüe Verbeugung.
e4_ ich raten, wer Sie sind, mein Fräu- Tra9^: mit fremdländisch klingender Aus- ^-bs^ud in seinem ernsten Gesicht ein ^jging. „Ich meine, Sie können nur «raujein Renata Bodenbach sein. Ihre Fieunde ' er deutete mit einer verbindlichen Hand- a”T "den Lehrer und seine Schwester ".TT . ».haben mir „Fräulein Rena" soeben i A eingehender Weise geschildert, daß
memer Sache vollkommen sicher zu sein glaube."
dr. Anget.• 11 «iti- Ai>;
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Der amerituuische hanüe! mit Veukschland.
Obwohl '.wischen ben Bcreinigtrn S aaten uno Teutscha i> ;orme l rmd technisch noch immer der Kriegszustand Herrscht, und trotz des Tiefs,a ches der beutfrdxm Valuja hat sich der Handel zwitch.ii Deutschland uird ten Vereinigten Staaten in der Zeit vom 1. Jutt 1919 dis 1. Juli 192'J ganz le cut.nd geloben. Ein vom Handelsdeparwm.ml in Washington am 30. Juli ds. Js. lecausgc- gebcn.'r Lettstn beleuchtet di-ft Tanttclv deut.ich iss ist im Hinblick aut die Entwicklung der Valu:?- verhälttiiffe ; arürttch, daß di.' dcutsck.en Export!: nach Amerika sehr erl>eblich° umfangreicher imb, als die ameritanifchm Exporte nach Teutschlano. Zmmer ergibt fick, wenn man die einschlägigm Zahlen vom 3uni 1920 mit denen vom Juni 191V vergleicht, ine Verdoppelung der air.eri» Manischen' Ausfuhr nach dem t chnisch noch immer „feindlicl:.'.," D utschland, und Deutschland hat ieaie Aur ul r nach ten Vereinigten Staaten tm gleichest Z-itrnum mehr als v e r d r ei ß r g t a ch t. 3m Juni 1920 beziffert: sich bet Wert de: aus Tcutschland in Amerika cingeführten Waren aur 8 540073 Tvllars gegen nur 266 996 Dollars im Juni 1919. In den zwöls Monateir vom I. Juli 1919 bis 1 Juli 1920 belief süh die Einfuhr aus Teut chland 45 085 975 Dollar gegen 944 981 Tollar in den vorausgegangenen gwilf Monaten. Aus Amerika nach T> utschland ausge- fuhrl wurden im Juni 1920 Waren im Werte ton 19 700 154 Dollars gegen 8'758 013 im 3uni
1919
Lis 1. Juli 1920 betrug der amerikanische Export rad) Deutschland 202176 079 Tollars gegen 8818 882 Tollars in den zwölf Monaten vom 1. Juli 1918 bis 1 Juli 1919. Beachtenswert ist der starte Import von deutschen Fa r b - waren und künstlichen 'Düngemitteln, wenngleich diese Jmportziffern natürlich auch noch feinen Vergleich mit der gewaltigen Kali und Faibwarenemfuhr in der Vorkriegszeit aus halben. Im Juni 1920 hat die amerikanisch? Lgndimrt- Mlst für (100 000 Dollars künstliche Düngemittel aus Teutschlmd bezogen. Daß auch die deutschen ftiibferbergiivri'e wieder in der Lag? sind, das Ausfuhrgeschäft wieder aufzunehmen, geht -aus der Tatsache benror, daß Amerika im Juni 1920 deutsches llupser im Betvage von 182 954 Dollars bezogen hat.
In Amerika wird die Frage erörtert, ob bi? Rainen amerikanischer Jmpotteure, die Färb- waren aus Teutschland beziehen, veröffentlicht werden sollen. Zwischen dem Senator James Reed und dem Staatssekretär Colby hat über diese Frage ein Meinungsaustausch stattgcfunoen: ?sticed erklärte, daß die amerikanische Handelswclt reanspruck/en dürfe, genaue Mit.eilungen über die Einfuhr deutscher Farbstoffe zu verlangen; das Staatsdepartement anttcortetc, daß es diese Ansicht nickst teile. Amerikanische Farbenfabrikantni I 'Uten geforbert, daß ihnen eine Ausstellung zu- .fänglid) gemacht werde, aus welcher ersichtlich finb: ttas Gesamtguantum der deutschen Farbwaren, bereit Einfuhr behördlich gestattet ist: die Namen frer diese Waren exportierenden d?utschen Farben- f-abrikanten; die Namen und Adressen der ameri- ßanischen Importeure und Verboau-cher. Diese For- xrimg wurde nicht bewilligt; nur die Höhe des eingeff'ihri.n Farbwarenguantums wurde veröfsent- icht. Ter amerikanische Importeur deutscher Farb- roaren ist gesetzlich gehalten, feinen Bedarf an speziellen Farbwaren und den Verbrauch an solchen iiizugeben. Das Staatsdepartement er Härt, daß ttese Mitteilungen vertraulicher Natur und nicht für die Beröffentlickstrng bestimmt sind.
In der amerikanischen Jndustriewelt ist darauf iiingewiesen worden, daß es angesichts der herr- 1 den ben Valutav-tthältnisfe für amerikanische Ja- i»rikanten einträglich wäre, Rohstoffe nach Deutschland zu verschicken, wo sie zu 3ertigfabri6aten verarbeitet und dann mit entsprechendem Prosit in den Vereinigten Staaten i’crfauft werden können. Dieses Verfahren wäre laotz Zoll und Frachtspesen für die amerikanischen Fabrikanten gewinnbringend. Tiefe sind der An- iW, daß sie dadurch die Vorteile deutscher Arbeit iutten und daß andererseits hie jetzt stilttegenden Fabrikbetrieb.' Beschäfttgung erhallen würden. Ter »rutsche Fabrikant soll das amerikanifche Roh- iraterial als Darlehen beziehen, also nichts da- sir bezahlen: denn ivenn er es bezahlen müßte, r> würde er gegen das deutsche Goldausfuhrverbot verstoßen. Nachdem der deutsche Fabrikant das xiolrniaterial zu Fertigfabrikaten verarbeitet hat, ßhickt er dem amerikanischen Besteller seine Rech- mi'-a. tu ’be-- seine Ausgaben und der Verein- Karle Prozen satz rom Profit verzeichnet sind. Tre ^meaVmiid^n Industriellen, die sich mit diesem 6ton tragen, wollen nur einen Keinen Teil der mf diese Weise her gestellten Waren in den Ber-
TTIÄt J ' St>itz 11 S
M, auf M 1 torle" barer M n.Sßorlnfc: • nnt Aiedr
Samstag, 28. August V)20
schulen und den Kr issckn'.kommifi neu empfehlen wir destxilb, das Vorttändnis hlr bi? Wichttgkeit und Notn'endigleir eines über ei scheu Besitzes bet der Scknlmgend auch weiterhin >u wecken und zu verliefen.
ft) G e d e r n , 28. Ang. Zu dem Artikel über die K irchenglocken in Nr. 99 des Gießener Anzeigers wird von zuständiger Stelle folgende Berichtigung nutgeteilt. Tie Bestellung der beiden neuen Bronzeglocken erfolgte nicht durch eine aus den Gliedern der Kirchengemeinde gewählte >kvm- mission, sondern durch den .stirckienvorstand; die .stommifsion Halle lediglich die Aufgabe, die Sammlung vorzubereiten und durch-,ufüliren Mit dein Guß wurde nicht die Firma Schilling in Apolda beauftragt, sondern die Glockengießerei von F. W. Rincker in Sinn (Dillkreis). Die beiben neuen Glocken sollen einschließlich der Lieferung von zwei neuen Armaturen 50 000 Mk. kosten.
0 Ober-Seemen, 28. Aug. Tas Tlif# fi 0 nsfcst für das Dekanat Schotten wird am fommenben Sonntag hier gefeiert werden. Als Festredner ist gewonnen worben Missionar W c l - l e r von Ober-Mörlen, der im Vor und Nachmittagsgottesdienst predigen wird.
ßod>fcbuliiacbrid>fen.
— Fortbildungskursus für Beamte von Rechtsauskunftsstellen. In ben Tagen vom 20. September bis 2. Oktober findet in Frankfurt a. M. im Hörsaal C der Universität der 10. Fortbildungsknrsns für Leiter und Mitarbeiter von Rechtsaltskunstsstellen und verwandten gemeinnützigen Einrichtungen statt. Ter Kursus wirb folgende Gebiete umfassen: gerichtliches Verfahren, bürgerliches Recht, Verwaltungsbehörden, Sozialversicherungsrecht, Arbeits- Vertrag, Fürsorgewesen. Tie Einschieibegebühr beträgt 60 Mk. Anmeldungen sind bis 10. September zu richten an das Soziale Museum in Frankfurt am Main, Universität.
mc. Frankfurt a. M., 27. Aug. An der Frankfurter Universität werten in der naturwissenschaftlichen Fakultät fünf neue Ordinarien errichtet. Für ihre Besetzung sind in Aussicht genommen die außerordentlichen Professoren Linke (Meteorologie), H e l l i n g e r (angewandte Mathematik), Mann ich ^pharma-en- tische Chemie), Ebler (analytische Chemie) und Brandt (Botanik). Ferner wird in der so.Jal- wissenschaftlichen Fakultät eine neue ordentliche Professur ins Leben gerufen mit Dr. I. K l u m - ker für Armenwesen und soziale Fürsorge.
Aunst unö Wissenschaft
sw. Tarmstadt, 27. Aug. Das hessische Landestheater beginnt seine diesjährige Spielzeit Sonntag, 5. September, mit einer New« einftubierung von Schillers „Jungfrau lwn Orleans" unter der Spielleitung des Intendanten! Gustav Hartung. Tie erste Opern Vorstellung ist für Dienstag, 7. September, angesetzt und zwar eine NeueinstulÄerung von „Lohengrin" unter der Spielleitung Jean Heythekkers und der musikalischen Leitung Generalmusikbirektors Michael Ball ing. ---
Gerichtssaal.
mc. Frankfurt a. M, 27. Aug. Fürst Golizin hat sich mit feiner Strafe einverstanden erflärt und sie angetreten, ba ihm ja die bürgerlichen Ehrenrechte nicht aberkannt seien.
Aus dem Tlmtsverkündigunqsblatt.
** Das Am tsver kündigungsblatt Nr. 122 vom 27. August enthält: Maul- und Klauenseuche im Kreise Gießen für den Sperv- berirt und das Beobachtungsgebiet geltende Anordnungen. — Benutzung der Gemeindefuhrwerks- wage zu Londorf.----
vermischtes.
** Wer ist Kriegsteilnehmer? Für die Eingruppierung und FMetzung des Vergü- tungsbienstalters der Beamten nach dem neuen Reichstarif ist bie Auslegung des Begriffs „Kriegsteilnehmer" von besonderer Bedeutung. Der Reichsarbeitsminister hat deshalb jetzt dazu be- stimmt, daß der Segrifl für bie Behördenaugcstell- ten im weitesten Sinne anszulegen ist, wie bies in dem Kommentar von Syrup uno Billerbeck zur Verordnung vom 3. September 1919 und für die Durchführung der Tarife der Reichs- und Staatsarbeiter durch den Erlaß vom 24. Februar 1920 geschehen ist. Danach sind unter „Kriegsteilnehmer" alle Personen zu verstehen, bie vermöge ihres Dienstverhältnisses, Amtes oder Berufes zur Land- und Seemacht gehören, auch Personen, die sich aus Arckaß der Kriegsführung im Ausland aufhielten und sich als Kriegsgefangene und Geiseln in der Gewalt des Feindes befanden.
hinein, was sich unter vier Augen mit der klugen älteren Freundin zwangloser fragte. Fräulein Anna würde ihr dann helfen. Den Vater vorzubeceiten.
Die beiden Frauen gingen in das „Raritätcn- fabinett", wie die alte Jungfer ihr Zimmer selbst bezeichnete — neben all den Andenken und kleinen Schätzen, die sie darin aufgestapelt, wollte sie sich übrigens in humorvoller Selostverspotmug als größte Rarität des Raumes betrachtet wiffen.
Sie zündete rasch eine grünrerschleierte Lampe an, dann zog sie Rena neben sich auf ein kleines Sofa, streichelte ihr die Wangen und sagte m ihrer resoluten, aufmunternden Att: „Also los, Kind! Sie machen ein verzweifelt ernsthaftes Gesicht, und da ich Sie übrigens in Reisekleidern sehe, so lassen sich die ungemütlichsten Dinge vermuten. Es ist doch in dem Befinden Oskar Aorowsky kerne Wendung zum Schlimmen cingetreten — ?"
„Mein Vetter ist beute ganz Mötzlich nach Hause zurückgekehrt."
„Ah —! Aus welchem Grund 1—?"
Nun begann Rena $u erzählen.
Es war so viel, was sie sich vom Herzen Herunterveden mußte. Das rasche Auff^rmmen einer tiefen, großen Neigung galt es tn erster Linie zu schildrim, den Glanz jenes unvergeßlichen Sonntags, die inhaltreiche Stunde auf den stillen Wöllnitzer Wiesen heranszubeschwör« 1, damit der traurigen Wendung gegenüber, zu der es in der Angelegenheit gekommen war, ihr je^gcr überraschender Schritt verständlich wecke.
(Fortsetzung folgt.)


