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Nützlichen verbunden. Aber er nterb gleich da fcin. Es ist dir wohl lieber, wenn ich jetzt Dütschke hole?"'

Falkner nickte. Und natfyhnn sie ihn, ihrer Ge- wohicheit gemäß zum Abschied auf das Haar geküßt hatte, eilte sie hmaus.

Dr. Germering bekam sie diesmal nicht zu Ge­sicht. Und er war dessen von Herzen froh. Auch Gerda ließ sich während seiner Anwesmheit im Hause nickt mehr blicken. Aber als er, schon im Sattel sitzend, noch einmal rückwärts schaute, stand sie am offenen Fenster ihres Zimmrrs und er­widerte mit freundlichem Winken seiwur Gruß.

Signe!"

Als ein Ausruf der lieber raidjung war es von Gerdas Lippen gekommen Denn auf nichts war sie, da sie den Kopf ins Zimmer zurückwanbte, so wenig vorbereitet gewesen als daraus, ihre Schwä­gerin vor sich zu sehen. Sie mußte ohne w'iteres eingetreten sein, ober G.wba mußte ihr Klopfen überhört haben, toäbrenb sie dem in raschem (sa­lopp Tatxmiv.rngenDei nacki'chaute. Nun wollte sie iwch ein Wort ftcund.icker Beg üßung hinzukügen; aber die junge Frau ließ sie nicht dazu kommen. Mit einem Laut, der wie em Schluchzen klang, eilte sie auf sie zu und umschlang sie mit beiden Armen.

Gerda! Meine arme, arme Gerda! C mein Gott, warum habe ich es nicht verhindert/"

Sie legte das Gesicht an ihre Schulter und das Zittern ihres Körpers gab Kunde von der Er­regung, in der sie sich befand. Destützt und Der- sländnisios stand Gerda dem unbegreiflichen AuS- bruch gegenüber.

Was ist geschehen, Signe? Ein Unglück? Der Vater3

Nein nein. Um dich handelt es sich, du armes, betrogenes Kind, nur um dich."'

Aber beruhige dich doch. Liebste'. Was sollte mir denn Widersähren sei»? Wer hätte mich be­trogen ?""

Signe erhob den Stopf und ließ die Arme sinken.

Komm!"" sagte sie leise.Setz dich zn mir. Jetzt muß ich dir altes, alles sagen.'"

Und als sie Seite an Seite auf dem kleinen Sofa saßen, sprach sie mit derselben fast tonlosen Stimme weiter:

Du liebü diesen Doktor ich weiß es. Es ist ihm glücklich gelungen, mm auch dich zu betören."

Gerda war bleich geworben, aber sie saß straff und aufrecht, als hielte sie sich bereit zu einem Kampf.

Du irrst, Signe! Ich begreife nicht, wie du auf solche Vermutungen tommst."

O, ich lasse mich nicht täuschen. Seit Tagen schon habe ich gesehen, wie es mit dir steht. Und ich habe euch vorhin bei eurer Heimkehr vom Fen­ster aus beobachtet. Du verdienst ja keinen Bor­wurf du nicht. Aber daß er die SchMiüosig- keit so weit treiben würde, hätte ich doch nicht für möglich gehalten. Trotz allem, was ich von ihm weiß."

Er ist nicht schamlos. Dn tonnst nichts von ihm wissen, das dich berechtigte, ihn zu be­schimpfe».""

Es ist nur natürlich, daß du ihn verteidigst. Wie solltest da auch ahnen, was sich hinter dieser sckölle» Außenseite verbirgt. ES gab eine Zeit, wo ich genau so gesprochen häLe wöt tob'1

Aber das ist doch etwas anderes. Tu hast ihn nur als deinen Arzt kennen gelernt. Tenn sonst sonst hattet ihr doch nichts mit einander zu schaffen""

Tie Schwedin ließ den Kopf sinken, und nach einer kleinen Weile erst erwiderte sie kaum ver­nehmlich:

Ich wollte, daß es so wäre."

,-Signe!!" schrie die andere auf, mit einem halb unwillkürlichen Griff ihr Handgelenk um­klammernd.Nimm das zurück! Sage, daß es nicht wahr ist!""

Ich kann nicht. Und du darfst mich nicht Dee am men. Denn ich bin nicht schwächer ge­wesen als dn."

rotnn ich schwach gewesen wäre, wie dürftest du das vergleichen! Du bist meines Bru­ders Frau.""

Jfcr hätte keinen Anlaß, mich zn verdammen. Tie Treue, die das Gesetz verlangt, habe ich ihm gehalten. Wer das Verdienst des Tr. Germering war es gewiß nicht, daß ich's getan.''

Willst du damit sagen, daß er versucht hätte""

Stumm bejahte Signe die halb anLgesprvcheue Frage. Ta ließ Gerda ihren Arm lo< und ftonb auf.

Ich glaube dir nicht. Es kann nicht wahr fein, weil es unmöglich ist."

Verlangst du. daß ick es beschwöre? Ich könnte eS ohne Zaudern. Aber wenn du mich ffa eine Lügnerin hältst, so frage ihn doch selbst."

(Fortsetzung Mat1

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsen)

Samstag, 27. November 1920

M. 280 Drittes Blatt

wir steht es mit öem Preisabbau?

DieSb aden, 25. Nov. 1920.

Zur Erörterung der bramentvn Frage des VreisabbaneS fand auf Veranlassung des Regie- rungSpräsidenten Dr. Momm im Wiesbadener FatbauS heute eine Tagung statt, ju welcher Ein­ladungen an alle Magistrat? und Landrät?, sowie an alle Preisprüiungsitellen bei Regierungsbezirks Wiesbaden, ferner an die PreisprüiirnMorgane des -Regierungsbezirks Sa sel und des Freistaates Heis.-n sowie an bte nut der Bekämvsirng des Wuchers befaßten Mürben, an die Staatsanwaltschaften, LmideSvolizeiämter und Wuckrerämler, an die Landwirtscha'ts-, Handwerks- itnb Handelskam rnern, Gewerkschaften, Verbraucher kreiß? uho er gang-n waren.

Die Dettiligung war aus allen behörbltdxn and wirtschaftlichm Kreis n außerordentlich stark.

RegierungSprä ident Momm führte au-\ baij die Tagung denn dienen solle, Verständnis für die Urfatfrn der Preisbildung zu gewinnen, und die Mittel und We^ zu erörtern, auf denen den Aus­wüchsen der Trumm q, dem Wucher und Schleiche handel zu begegnen sei.

Der Geschä tSsübrende Vorsitzende der Preis- yrüfungs stelle für den Regierungsbezirk Wics- bdm, Dr Busch, Direftor des Statistischen Amtes der Stadt Frankurt a. M., ging dann in längerem Vortrag auf die Frage des Preisabbaues em. Der Rus nach Preisabbau, so führte er aus, wird Überall laut erhoben. Der Verbraucher bringt damit zum Ausdruck, daß die Kosten des Sebent tedaicks in feinm Einnahmen in traf e n Mißver ­hältnis stehen unb ihm eine auskömmlich? Lebens­haltung nicht ermöglichen. Es kann nicht ein- dringlich genug betont werden, daß »veder Gewalt maßregeln der Behörden, noch etwa Gewalt maß- regeln der Verbraucher eine Gesundung des Witt schaftslebens erzwingen können. Höchste u'd Richt­preise habm erfahrungsgemäß meist die Ware vom Markt vertrieben und sie dem SBudrr und Schleich­handel erst recht zugeführt. Der Uebergang von der Zwangswirtschaft zur freien Wirtschaft btt>ars einer gettriffen Frist, in ter Qualitäten und Preise der Baren sich ausgleichn. Eine gewisse Gesundung beginnt sich anzubahnen. Es wäre verkehrt, sie bureb Zwangseinariffe zu stören. Die zwangs­weise Herabsetzung der Preise etwa unter gleichzeitiger Herabsetzung der Löhne zu einem bestimmten Zeitpunkt würde sich zwar gegen die Entwertung des Geldes richten, auf die Herbei- 'ühnmg eines anymeffenen Verhältnisses zwischen st reis und Lohn aber ohne Einfluß fein. Eine Lösung der Frage, ob mit dem Ablxru der Löhne »bet der Preise begonn-m werden muß, ist nur mit beiderseitigem guten Willen möglich. Bei der Be- fämpfung des Wuchers, die allgemein als Voraus- ietzm« des Preisabbaues angesehen wird, schm trm die Behörden vielfach <m der Unmöglichkeit, ten Duchercharatter von Geschäften zweifelsfrei estzustellen. Auf der Suche nach Schuldigen beklagt 'ich das Gttverte über den Handel, der Handel Ker den Zwischenhandel, den Erzeuger, und her Erzeuger begreift nicht, warum seine Ware sich auf dem Wege bis zum Verbraucher oft so erheblich verteuert. Hier kann nur praktische Aufllärungs- erbit ht der Dessen tlichüeit und in den beteiligten DirtschaftSkreisen selbst helfen. Das gegenseitige Mißtrauen muß verschwiud'N, die allgemeine Eeschästsmoral muß gehoben werden. 0? ist die einsichtige Mitwirkung der Erzeuger, des Wandels und der Verbraucher, überbauet bet gute Bitte der Gesamtheit nötig. Nicht behördliche Stgtementation farm Preisabbau erzwingen, son- »rn Selbstzucht der Verbraucher. Stärkung des Lolidarftätsoesühls der Gesamtheit und Hebung tvr l^'escha'tsmoral wrden zur Gesundimg unseres Dirtschastslebens auch hinsichtlich der Preisbildung ^ihren.

Der SSorhrag wurde mit lebhaftem Beifall auf» mronmren Es sckitoß sich daran eine Aussprache. Jimätf R führte Regienmgsprasr'tent Momm noch As: Es liege aber zu einem wesentlichen Teil an Ettern einzelnen selbst, mifyuficffen, Über die miß­lichen Verhol-nisse Innwegsutonrnten. Präsident Äa r t rna nn- di cke von der Landwirtscbafts- Tmtmtr mrhrte, der franke Bolckskörver verlange Swiffermasvn nach entern Naturarzt, m dem turne, daß man aus ter Zwangswirtt'chast bald- nöglichst in die freie Wirtschaft wieder hinein» Irnnroe. "^tn lebhaftes Augenmerk müsse auf gc misse Pg-iofiten des Handels gerichtet werden. An her thtf-vfnma der hohen Kartoffelpreise seien bis M einem gewissen Grade auch die Preisüberbie- ! mgen der Verbraucher schuld. Herr Heimann Mm der Handelskammer Wiesbaden führte aus: Qnfere Valuta ist ein Spielball der Spekulation ter ganacn Welt. Solange es nicht gelingt, hier- »gen etn Mittel zu finden, ist es nicht mögl'ch, tot Preisabbau in dem wünschenswertem Maße terch^uführen. Regimingsrat Weber vorn Hess öotdespreisamt verlangte Aufklärung, aber sie könne nur unter genauer Kenntnis der Verhält» mffe erfolgen Die Berufsstände müllen einsehen.

daß es io nicht wei evg?ben tonn. Es handelt sich Nicht nur um Wucher, sondern darum, daß einzelne Bermsstänoe zu viel verdienen, atbetn sie noch ä® Fr,ed en sverdienstfätze berechnen, -öütgerm rittet scheuern Die,) nxtd daraus hin, baj flcgenroär.tge Pvisbildung zur Brrrfmbung teö logenarmten Mittelstandes geführt habe Dr 'Va l k vum Preußischen Landespol izeiamt redet c^as Wort dem Ausbau der PreisprüfungSfteNen, v\e berufen leien, durch Kleinarbeit am Preisabbau mitzuw:rken. Harr Löwenstein von Seite der tKeM-rNck'atten führte aus, daß der gute Wille der £ "brauch -rorgamia iton oft an tem mangelnden Verständnis der Landwirtschaft gcsch.itert sei.

3" der tociteten Diskusston sprachen sich alle Redner für die Mitarbeit im Sinne her Ausfüh­rungen des Referenten aus, so daß die Hoffnung belicht, dag gegmfciage wertvolle Aufkläruugs- arteit gekniet und damit dem praktischen Preis­abbau der Wag geebnet wird.

Aus unö Land.

Gießen, den 27. Nov. 1920.

Äunftfpcikfett.

Der Ueberwachungs-'Ausschu ß für Fleische in fuhr teilt mit:

3n letzter Zeit geht der Handel angesichts der ha-hen ^chmalzprise vielfach dazu über, neben reinem -L-chwineschmalz auch wieder sagen. Com- vmmd einzuführen. Es ist dies ein Kunstspeistllett, welches mit Schweineschmalz wohl das Aussehen gemein hat, im übrigen aber ausschließlich aus einer Mischung von Oelen und Rindertalg be­steht und sich um zirka 25 Prozent, z< tttweisc sogar noch mehr, billiger stellt als Schmalz.

Gegen die ordnungsmäßige Einsuhr Dieses bil­ligeren Fettes ist an und für sich nichts ein­zuwenden, vorausglletzt, daß dec Vertrieb unter strenger Beachtung der hierfür bestehenden gt- letzlichcn Vorschriften erfolgt. Es hat sich aber herausgestcllt, daß dem Publikum diese Ware nicht unter der allein zulässigen BezeichnungKunst speisefett"", sondern alsSchmalzsett" oder gar Amerikanisches Schweineschmalz Marke Com­pound" und ähnlichen Unflaten Bezeichnimgen an- geboten wird, und zwar dazu noch in einer Ver­packung, die sich von den üblichen Schmalzpackun- gen durch nichts unterscheidet. .Hierdurch tvird eine Irreführung Der Konsumenten bewirkt, welcher die angebotene Ware für ein besonders billiges und preiswertes Schmalzprodukt Mit

Es muß daher nachdrücklichst Darauf hinge- wiesen rtvtöen, daß nach dem Gesetz, betreffend den Verkehr mit Butter, Käse, Schmalz unnb deren Ersatzmitteln vom 15. Juni 1897 (RGB. 1897, Seite 475) die Gesäße und äußeren Umhüllungen, hi welchen Kunstspeisefett verkauft oder fcälgehal- ten wird, mit einem stets sichtbaren, bandförmi­gen roten Streifen und der deutlichen Inschrift Kirnst speisefett" versehen sein müssen.

Ferner darf nach §5 be5 gleichen Gesetzes auch hi ösfentlichen Angeboten, sowie Schluß-Schein, Rechnungen und Frachtbriefen ebenfalls nur diese Warenbezeichnung <mgewendet werden.

Dem Publikum muß d°shalb empfohlen wer­den, Vorsicht beim Einkmii zu üben und im eigensten Interesse ein besonderes Augenmerk auf die strenge Beachtung dieser Lorschriften durch die Verkäufer $u richten, damit übertretende Fir­men zur Anzeige gebracht werden.

Der Ueberwachungsausschuß seinerseits wird Firmen, die gegen diese Verordnung verstotzen, Heitere Einfuhrgenehmigungen nicht mehr er­teilen ^W. T. B.)

Versicherte Postpakete.

In letzter Zeit haben private Bersicherungs- gesettschaften die Versender von Postpaketen öffentlich aufgefotbert, die Pakete bet ihnen vor der Hebergabe an die Poft gegen Verlust oder Wert­verminderung zu versichern. Zum Zeichen der vollzogenen Versicherung sollen dmi brr Ver- siö-erungsgesettschast geHefcrte Weittversidientngs- murken auf den Abschnitt der Paketkarte gefleht nerben. Für eine private Bersicherung dieser- ober ähnlickier Art liegt aber bet dem heutt'gen Stand des Wertpaketdienstes irr Post keine Nvtwendigkeil vor. Ter Absender kann jetzt bei der Post em P.iket mit Wertangabe bis 500 Mk. aufltefem, ohne es in besonderer Weise zu verpacken und« überhaupt zu versiegeln. Er hat lediglich den Wert ans der Paketkarte anzugeben. Tic Poft stellt für ein solches Paket we Für andere Wertsendungen eine Einlteferungsbefchcinigmig tr.i8. Bet Paketen mit Wertangabe von mehr als 500 Mk. ist eme dem wertvolleren Inhalt ent'precheude Verpackung und die Versiegelung nöttg. Für beSr Arten von Wertpaketen hafttt die Post bis zur Höhe der Wert- augabe nach dem Poftgeatz, und zwar werden nack' den nunmehrigen Grundsätzen der Poftver- walttmg in Verlustfällen die Hersiettunsslosten des Paketinhalts mit Einschluß eines angemessenen

Unternehmergewrnns oeogütet Tie Boftoemxxl* tung erleichtert allo bet Auslie,'erern bte Ver- knDung unter Wertangabe in ne tcftg,chendem yiafx und kommt auch hiusichvich ter Haftung billigen flnfoctenmgen nach Da-- Pulstttttni kann sich tei der Benutzung ter al(ge.n<tnen stk>f;eir.» ridrtungcn die Ausgaben für cu.e p.iiate Ver­sicherung ersparen. Tieie bietet Dem Pa ewer,en­ter in keiner Weise eine erhöhte Sicherheit für Die richtige Be'örte ung dec Sendung, beim die Post hat mit der privaten Derwe^icl-erung üter- haupt nichts zu tun.

** Die Liga zum Schutz deutscher Kultur hat gestern ab.md die Reihe der Vorträge dieses Winters eröffnet. Zum Redner war Tr. B ierrath-Berlin gcwonnen worden. Sein Thema lautet: Der Kampf gegen das Chaos. Der Saal wac sehr schlxht befetzt, so daß man glauben konnte, das Chaos sei für viele recht erträglich, oder aber, der Kampf dagegen als aussichtslos aufgegeb.n worden. Beite's fand feine Begründung in Tr. Vierrat Worten. Er führte ungefähr folgendes aus: Finanzelenb und Wirt- schaftsbankrott lasten aus bem Staat. Roheit. Un­wissenheit und Verhetzung herrichm int össent lieben Leben Wehrlos durch die i2oldaten-Revolte vom 9. November, die ja keine von Idealismus getragene Revolution genannt werden darf, stehen wir heute vor Dem wirtschaftlichen und morali­schen Defizit mit 300 Milliarden Schulden gegen 57$ bei Ausbruch des Krieges. Demgegenüber ;ft bas aus den Steuern und dem Reichsnolopfer Erwartete armselig genug, zumal es auch saft nur die trifft, die während des Krieges keine Zeit batten finden können, zu schieben oder Kriegs­gewinne einzusacken. Wenn wenigstens eine Regie­rung den Staat lenkte, die deutsch dächte und handelte! Aber die Regierung bält es für richtiger, 5- B. aus England für Gold Textilwaren zu fauini inü) der deutschen Textilindustrie trotz viel billi­geren Angebots den Auftrag nicht zu geben. Von ben 100 000 Milchkühen Amerikas habe St. Büro kratius erst 2000 die Einfuhr gestattet, »veil man ihn am 9. November 1918 totzuschlagen vergessen batte. Daneben wird das Schieber- und Gannec-' htm immer noch mit Papier statt mit bem Hanfstrick bekämpft. Es reich' eben ;u hoc» hinauf ht die Aemler. Aber die Finanznot datiere nicht erst feit der Revolution. Schon der Krieg fei zn teuer geführt worden. Die Heimat habe sich auf Kosten Der Front an den Kriegsgewinuen gemästet. Zudem habe niemand daran denken dürfen, daß der Krieg vielleicht unentschieden ouö- gehen könne, ober gar verloren würde. Schon im .Krieg sei das deutsche Gold ins neutrale Aus­land abgewandert und die heutige Entwertung des Papiergeldes habe da feinen Anfang ge nommen. Bei der augenblicklicheu Valuta bringt ein Regierrmgssturz den Bankerott und die Pa- pierchen feien endgültig Makulatur. Ausbesserung der Löhne und Gehälter nütze da nichts, wir können nie fovid bezahlen als wir brauchen. Der Staat könne dagegen auch nichts tun. Wenn er etwas besitzt, jo ist es Poft, Eisenbahn, Boden­schätze und Wasserkräfte. Was habe Deutschland nach dem Frieden von Versailles nodj davon? Im Jahre 1920 Eisenbahnodizit von 20 Mil liarden, Postdefizit von 10 Milliarden. Keine Kohle, kein Kali, nur noch einen deutschen Strom, die Weser. Die Regierung, d. h. der Leiter der tzrUeressengememschaft Staat, empfehle den Bürgern zu sparen, beschäftigt aber z. B. für 36 traurige Kriegsschifschen, die ihr geblieben seien, eine Be­amtenschaft von 8000 Mann, geht der Privat- wirtschaft, die gangbare Artikel liefert: hochschäs- tige Damen stiefel usw, nicht an den Kragen Die Regierung denkt nicht deutsch. Berufene Männer wie Tamafchke blieben ungerufen, weil sie keine Parteimänner seien. Schlimmer als dieses alles aber sei der moralische Bankerott Daß Freiheit Unterortmung und Treue, Gleichheit auch die der Pflichten, Brüderlichkeit Kameradschaft sei, ivisse kaum einer mehr. Parteigenosse entweder ober Vaterlandsverräter, das sei die heutige Gei'iii nungstüchtigkeit. Der Fridiensvertrag, Der Mord der jetzigen und kommenden deutschen Generatio­nen, droht und immer noch nnirftdt alles weiter in dem Schlamm: die Revolution sei noch nickst zu Ende, der Staatsbantecott eine Frage von Tagen, Entvölkerung durch Verhungern fei unser Loos. Dies Sdridtal werde kommen, wenn wir rächt die soziale Verständigung erreichen. An der Arbeiterschaft liege alles. Sie könne entweder der Einsicht Raum geben, daß die deutsche Kultur bürgerlich fei, 1 bau der Arbeiter selbst im Augenblick der Stolturlnfhmg ein Bürger wurde. Dann werd' er zu packen Helsen, das Kulturprogramm der So- zialisienmg durchzuführen: nur notwendige Ware terzuftellen. Dann werde die Bvdmreform durch­dringen: dann würden Düngemittel für eine rationelle Hebung dec Lantevirtschaft billiger fabriziert. Nebenher aber müsse tni Beffevung bet Finanzen erzielt und die Papiergeldfabrikm ge^

schlossen werden. Atewben des berftts lausenden Ge'tes würden an die Opfer kraft Anforderungen stcllcn. die sich loln.en, ba iangfam die A.beil das Gell» decken und den Vorsprung des Pav.ergckdeS embolat könne Die Regieamg müss' neue Mono­pole schassen und den Beanttenstad vermind'rn. Dienstpf.ichl für Männer und Frauen fei dazu not­wendig. Aber die .Heimzelle für das g'sunde neue Tcutfdilanb fei die Ehe. m der auch das soziale Problem gelöst würde. Denn die kommende (tene- ration erst werde wieder freit werden. Um ibr aber eine größere Freih'ik ei crmög'.ichen, müsse ihr eine Gei'ftcung imb Erzichmrg zu Teil roerbm, die nur ein ehrenhaftes Elternhaus o-rmitteln könne. Genügsam an Körper und unersättlich am C'jciftt, so werde der Sozialismus !eb:nssähig ge­macht.

LondkreiS Gießen.

kt. Treis a. L., 26. Nov. Im Auftrage her Liga zum Schutze der deutichen Kuitur sprach griff ni ab mb Herr Wendel- GÜThcn in Der Wirt- ifhait Will dahier in 17-stündigem, klaren Vortrag über ben Fr^evensoertrag und feine s^hwerwlegen­den Wirtschaft!ichm Folgen Der hiesiaen Orts­gruppe traten 19 neue Mitglieder bei, so daß sich der Mitglieberstmid auf 58 beläuft. Die nächste Versammlung soll m der ersten Hälfte des Mvnattk Januar 1921 statt finden.

Kreis Büdingen

, X O rt enberg, 25. Nvv. Nachtem der Dto- Imfolist Otto aus Mainz in das väterliche Ge­schäft ehtgetnrtai ist, übernahm die von ihm mit bestem Ervlg a-gründe e und bciri-bcne Musik- schule dec Musillelner und Chorkapellmeiftek Aböls Ackermann aus Mchiz. Er führt sich burd) ein Konzert ein, dos am nächsten Mowag abend im MauergaNen hier fic tfinbet: er wirb untcrftiibl durch die Pianistin JVrl. Minna Acker­mann, den Vivlinist August Äckermann und bett Cellisten SCclf Ackermann jun.

D Usenborn, 25 Nov Auch unsere Ge­meinde erhält jetzt endlich elektrischen An­schluß an die Ueberlandzentrale. Tic Transfer-; matorenftation gebt der Vollendung critncgm, die Hausanschlüsst find fast alle fertig gelegt, auch die übrigen Arbeiten scheiten rüstig fort.

KreiS Friedberg.

4 Steinfurth, 23. Nov Tic Rosen- Z u ch t, die sckwn gar lang: Zeit ein wichtiger Er- werbszwcig unserer Bevölkerung ist, hall' bei Aus­bruch des ÄTiegeS einen empfind ichm Sckstog be­kommen. Ta die Vecbiudimg mit dem Auslände, das in erster Linie immer Abnehmer b-r oeretelten Ro'enstöcke war, mit tnrnal abwschnitten wat, mußten im Herbst 1914 die Stecklinge zu Spott­preisen abgefetzt werten; >?§ wurden damals 1 bi« 5 Mk. für 100 Stück bezahlt. Da während des Krieges die Ackerflächen auch mehr in dm Dienst der Volksernäbvung gestellt 10erten mußbm, ging der Anbau bet Rosen immer mehr zurück Die b'i- den Jahre nach dem .Kriege haben bi? Roienzuchi aber wieder fchnell aufbluhen lassen, und h-utr mögen e-5 wieder runb 300 Morgen sein, bi» mi- Rosenkulturen angelegt sind. Die wilden Rosar ((Eaninai werden von den Nosenbmiern ver-delt, auf welcküs Geschäft sich oft die ganze Familie tr-ff. lich versteht. Die vielen edlm Sorten kommen dam, im Herbst zum Versand nicht nur nach a'lcu Teilen Deutschlands, sondern auch noch bem AuSlande, wo die Stemrurfbet stächen trotz des Welrttteyes ihren alten Weltruf bewahrt haben. In diesem Hnbfte war dieser Versand wieder ganz besondts rege, -und man kann sagen, daß die Rosenpächter recht gute Geschäfte gemacht haben, zumal viel: Dauern dazu P a ch t l a n d des Löw'scheu Gute-s benutzen, das bisher für geringen Zins abgegeben war. Es wurden dieses Jahr für einen Steckling 35 Mk. bezahlt, eine Summe, für die man 1914 100 Ge> wüchse erhielt. Zu dem Verkauf der Rofmftöcke kam im Lause des Sommers rwch der tägliche Vertous von Rosen, für die in BctteNouhrim «cht an­sehnliche Preise bezahlt nurben. Auch :in auswär­tiger Aufkäufer, der die Rosen in Massen auskauft^ Itnb nach den verschiebensten Großstädten täglich Uerianbte, zahlte Preise, mit benm man zufrieden fein konnte. Ob im nächsten Jahre die Rosenzucht wieder diese (Erträge abroerfm wird, ist noch in Frage gestellt, denn unter den Wilblmg.m werden jetzt schon verschiedene Krankheitm, rote Rost, Schimmel und Engerlingftaß, beobachtet. Hoch­stämmige Rosenstöcke werden mit 15 Mark das Stück bezahlt.

Hefsen-Nassau.

Fd. Kirchheim, 24. Nov. Hier sollte ein jlunger Mensch ber 6af tet werden. b»r Tieft> stähle in der Umyegend verübt hat. Da fein Dat»r die Verhaftung nicht »ulassen wvllle und das Haus verbarrikadierte, muhre die Feuerwehr zu Hilf, gerufen werden. Erst bann war bte Verhaftung möglich. Unterwegs entfloh »war der Dieb, er würd' jedoch erneut festgenommen.

die Falkner auf Linöenhöhe

Roman von Reinhold Ortmann.

Nachdruck verboten.) Fortsetzung 45.

Möchten Sie nichr gtctd) letzt nach meinem later sehen, Herr Tottor?" sagte sie rasch.Wir l id hi schon sozusagen an der Schwelle des Hause«, rinb der Pförtner tonn recht gut Ihr P.erd halten, tohvend Sie drinnen srntr"

Es war viel zu freundlich gesprochen, als daß er es hätte für eine Zurückweisung N'hmen können, lüid überdies brmrdxle er sie nur anzniehm, um -le derartigen Befürchtungen nt den Wind zu- Klagen. Darum stimmte er freubtgju, unb fic Stinten sogar auf ber letzten kurzen ^ceck: ihres Veges wieder von etwas ganz Unverfänglich'm d» rüdem.

Am Fenster des tfrantatttmmer« aber saß *hic 'Töne, rothaarige Frau, die mit glitzernden .lugen Jäter Bewegung der beid'n folgte, r.ttbem sie aus to scknrmenden Undurchdrin^lichkett des Waldes terborgetreten waren.

Was hast du denn, Kind," fragte Bernhard Seltner.Wancm lieft du nicht weiter? Gibt es teaußen etwas so Besonderes zu sehm?"

Nein nichts. Ich glaubte, e? sei em rvuch«: 6ter ich habe mich wohl getäuscht. Uebri^ens kommt ton Arzt gestiefelt und gespornt, und mit 1 ei wem täceirroB am Zügel. Daß ehi £anDboftor beritten gf (Eroberungen aus»ieht, ist jedenfalls ein: neue Mscheimma."" z,

"Auf Krankenbesuche willst du sagen.

Vielleicht hat er bad Angenehme mit tem