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Nr. 200 Zweites Blatt

Hegel. 1

3mn 150. Geburtslag, 27. Süiguft

(ibcnfe crfbmndid) wie ernst Sfegrfe' Ansehen I txrrmadfl.'er der Undank t»er Nation: sie Hatte lid) cn r<r ^iitertrenfc dieses Idealismus termafttt i vermischt, laß sie dann ermüd) ert auf lange l-in- cud einen tiefen Ekel gegen alle Stt-Iulalfent faft'c. Ter ernst vergötterte Meister verfiel ter Mi stocke jung; noch hen^utuge wird er unter allen icv seren großen Philvsopl,en am loeaigöen gelesen iuj n". grödlick)slen verkannt." So sckrneb Trettsck | 1885 im dritten Bande seiner SeuUcfcn Geschieh c i Jetti aber, an seinem 150. Geburtstag, bat sich ' das Blatt völlig gwenM: der Strom d.'rtEnl- I jtnrflimfl, in den fein anderer Tcnfcr so her ge ­schont wie er, hat seine Periönlickifett wieder em- I jörgetragen in das Lickt bes Tages. Mit ixm Kcgimt des 20. Jahrhunverts begann man sich , I tiefemMeister derer, welche wissen", wieder mehr > i_it) mehr frir&ulvenben; die Stimmen mehrten sich, die in der Wiederbelebung der Hegrischen Phil, jovfrie eine Grmtdbedingung für unicr itgenes Philosophieren fcrljeit; feine Werke erlebten Li ge | ternigter tind erweiterter Geldalt eine neue Aus- erüebnng, und auch fremde lxrvorragiw.de Geister, wie der jetzig? ilali/mtschc Unterrick) snrinister, der ! grafte Kulturphllosivph Benedetto Croce, wählten Vas Stubhrm Hegels zum dlusgongspunkt ihrer eigenen Systeme. Es zeugt für die wicderlvgin- nenbe Bedeutttng Hegrsts, wenn z B. feine gründ- a legendeEtnsuhrung in die Phllwmewck.g'e des y Geistes ' soeben in der Insel-Bücherei erscheint, j öit deren slchchwvrt Friedrich Blaschle sagt:Schon (tzxben sich woherum wie zu Hegels Zeiten die gleichen Typen in der methodischm Beard.ritung heraus, so das; für die Beurteilung der wissen- .cyvftlickten Brauchbarkeit der verschiedenen Pie­tz r>ten die klassische .Krnrk der Grundtypen, Philo- E fephie zu treiben, wie sie !öegei gibt, von gröfttem ; Nutztet sein kann."

Hegels System steht, wie das des Aristoteles am Ende der griechischen Phibosophe, als Schlüß­en unb letzte ft'rönung am Ausgang der großen Rassischen deutschen Philosophie, ein ungel/ourer, ? ivahrlwst weltumspannender Okbantenbau, dessen Einfluß in der ertten Hälfte des 19. Iah. Hunderts die Gestaltung des gesamten Lebens so beemslußle, wie sonst nur noch die Lehme der Sophisten :/ic 5 Kultur Alchens. Um eine solche schier unermeßlich 1 scheinende Aufgabe zu bewältigen, bedurfte es der g-.üdlid.fl en Bereinigung seltener Eigenschaften unb Hethältnisse. Hegel vollendete systematisch, was ' >ie idealistische Pftlosophie mit Kani begonnen. I Bereits Fickte mto Sckxlling halten versucht, di- | Mutt zu überbrücken, die in der Lehre des Konigs- I Lxrger Weisen zwisckie'.r der reinen Vernunft und H txr Fülle der Er sch. inungsivel t llaftte. Aus der smlickten Tat des selbstbewußten Ich lütte Fichte das Pia: erial gewonnen, um die absolute und die Crsahrungswell zu versöhnen. Aber ihm fehlte roch die Statur, und in ihr erkannte Schelling bon Weg, der yur Innerlichkeit des Geistes führe. ES war dloethes Natur, lebendige Wirklichkeit, be- nvegtes Leben, an der sich dieser Mystiker berauschte, - aber er fand den Weg aus ihr nicht herauf zu in | Geist. Hier setzte Hegel ein. Flhrn fiel der große Dürf zu, die Entwicklung des Geistes durch die I Gestalt en des geschichilichen Lebens zu verfolgen. « Wo Schelling das Problem verfassen 'batte, da itmtmt er es auf. Aus dem Anders-iSein der Natur ternnit der absolute Geist in seiner Philosophie zu sich selbst in der menscktlichen Gattung, und in allen Dirklickkeiten des geschicyllichen Lebens wird nun teste Entwicklung aufgezeigt. Hegels Philosophie ruirb das l-o-he Lied des menschlichen Schaffens im Laufe der ftachrteusende. Turch ihn schien mit emem Schlage das Rätsel des Tafelns gelöst, die Ein'lrit von Sein und Teufen nachgewiesen. Alle ' d/ie Elemente und Gegensätze, die in den bish.wigen Systemen getrennt und verfeindet gdvefen waren, iTurben von ihm zu einer Einchnt geformt, in der sich Metaphysik und Mystik, Ratvonalismus und Historismus zusammenfanden.

Für triefe1 Enzyklopädie der gesamten Ersah rmgswissenschaften, die Hegels Lebenswer? dar- stellt, waren gerade damals die Wege bereitet Turch dach Wirken unserer Klassiker und der Ro- niantik ivar eine universelle Empfänglichkeit ge­lassen für die ganze unendliche Sßielgeflnltigtcit &r Geschichte. Tas Griechentum, die Urmutter der .Kulturen, von Goekhie neu im deutschen Geiste ge- 1 «haften, war durch den Jugendfreund Hölderlin euch in Hegels Seele erweckt. Tas Mittelalter hatte Eer Romantik sein Inneres anfgeschloften. Tie graften Dichter der Renaissance und Gegenrefor­mation, ein Shakeftvare und Caldevon, waren Lurch wundervolle Uebersetzungen zu Autoren der tegenttKirt geworden. Tie ganze gewaltige Ge- wrkenleinnng des 18. Jahrhunderts und der Auf- lärimg mar noch lebendig, und als der Erbe all dieser Geistesschatze trat nun Hegel sein Reich an, ^es Reich des Wellgeistes, dessen Universum von

Blinder Hah.

Roman von Alfred Sassen.

Nachdruck verboten.) Forftetzung 16.

Dem Arzr hotte der Verwundete gesagt, er ''aöe das Unglück selbst herbeigeführt durch unvorsichtiges HMrdhaben der Waffe. In einem lugenblick des Alleinseins mit ihm beschwor er seinen Worten zuzustimmen aus Rücksicht 'ir dich. Tamit dein Name nickst in die Affäre chneingezogen würde. So schwieg ich"

Gut. Das magst du mit deinem Gewissen ^machen," rief das junge Mädchen.Aber noch «mnal warum bist du fortgegangen? Teine vskcht wäre gewesen, den Verwundeten zu pflegen."

Ein solches Verlangen kannst du im Ernst 01 2Nch stellen?" brauste er auf.

Aut ihre Stirn senkte sich ein Schimmer, der uq rasch über das ganze Gesicht verbreitete und <ntrt. auch an der schlanken Gefüllt niederfloß Dl w Hoheit getaucht, stand sie da.

.Ta du deine Pflicht versäumt hast," sprach m edlem, tapferen Entschluß,so ist es m /tttt die meine ganz und voll zu erfüllen. Ich t01 dte Veranlassung, daß Hermann Hüttich nach i^^.Sing und nun dort schwerverwundet dar--

rrlR9t f° muß auch ich es fein, die ihm I Jjacnejlt und ihn auf 'feinem einfamen Schmer zens- "ger pflegt!"

Oskir Borowsky prallte zurück, als habe er tm3£ betäubenden Schlag aut das Haupt erhalten. >,~sa£ war das?" lallte er.Was hast du da «klagt ? Du willst ?"

- -'Ach gehe nach Davos, um dort Hermann cutttet', zu pflegen. Und sofort werde ich meine Vorbereitungen zur Mreise treffen."

Gießener Anzeiger sGeneral-Anzeiger für Gberhessen)

Donnerstag, 26. August 1920

IBBI! !!! !!»MSW**-SnSIM

ihm in gL-anklickx?r Schöpfung nachgeschaffen rourtc.

Auch die Persönlichkeit des Mannes war für diese Aufgabe die denkbar glücklichste und geeig­netste. Hegel hat zu allen Zetten, auch als er von tem Berliner Katheder aus die üZeltanschaurrng seiner ganzen Generation beherrsche, nie in der SDcifentlid^eit gestanden, wie enva sftchte und Schel­ling. Er blich stets der zurückgezogene Tenter, deften Welt 'eine Stubieniubc, denen ^chlachttrid sein Sdtrcibtiid? war. Aus dem sch.väbisckxmGo- nie-Winkel" stammend, zeigte er tun '.'Errang an t-le Bedächllgfeit, die Nawitüt und Scklrcknheit des schwäbisckett fstaairells, daneben eine sachlickre Nüch lernheit, die schon denr jungen Studenten den Spitz namen desalten Mairnes" eintrug. Unauffällig, alltäglich verfließ' seine Ew.wi.llung. Hauslehrer- leben, ter mißglückte Benuch einer Tozentur an der Philvsophnt-Universität Zena, tri? Rückkehr in stille.d?utsche Or.e, in denen er ccks steckmtgs rct-atteur, als Rekor eines Gymnasiums Well uno Meusckpen Temtcn kitt. Endlich 1806, in seinem 37. Jahre, das Ersckoeinen seines ersten Haupt- nerkes, der ,,Phän)N'.'k'0gie des Geistes", die er in der Nacht vor dem Dag? vollendete, an dem der Wcltgeist zu Pser-e" Napol.o'.i das aLc Preußen tum vemich'.ete. Nun steht er mit einem Schlage fertig vor uns, der große Tenker, der in der Stille den Grundriß seines Oxdcmfenbaues vollende.' unb nun nur noch in zäher unbcirr.er Arbeit die MMtern aufzuführen brauchte bis zum krönenden Dach. Selten war in einem Charakter seine aus­geprägte Wesenheit schon früh so beut(id) vorge- zeicknet wie bei ihm. Von Anfang an derselbe, hat er fast instinktmäßig geschaffen, so daß uns heute fein Lebenswerk so organisch und harmionisch er­scheint wie der Zelfenbau einer Biene.

Dieser Mann erlag nicht den Verführungen eines leidenschaftlichen Wellanschaunugökamp'es wie Fichte, nicht dem Taumel romantischen Rau­sches wie Sdxlling. Er war ein aufmerksamer Zu­schauer all der romantischen Leidenschaftstragö- dien, die sich um ihn in Heidelberg und Jena ab­spielten.Ter Ueberschwana der Pl>antasie, der diePhänomenologie des Geistes" erfüllt, blieb feinem Leben selber fern," hat Tilthey schon von ihm gesagt.Schwerfällig, von nüchternem Welt- verstand, in zuverlässigen Freundschaftcn lebend, hat er in ruhiger Lebensführung langsam die Kreise seines Wirkens erweitert. Unberührt von der Problemattk der sittlichen Welt, die er so mächtig darzustcllen wußte, erhält er sich das eigene Leben. Nairi ät, Schalkhaftigkeit, ein Sich- gebentaffen und Ausspannen auch in unbedeu­tendem Umgang, süddeutsche Abnckgung gegen jede Betonung bedeutender Individualität, gegen jeden Kultus der Persönlichkeit, bürgerliche Lebenshal­tung bis hinab zur Zimmereinrichtung, zu dem berühmten einfachen «L-chreibtisch mit der male rischen Unordnung feiner Hefte, Briese und Tabattöre, auf erlogene Cetonomie ge­gründete Unabhängigkeit solch? Züge entsprechen der Abstrakliron seines Geistes von der eigenen Per­son, der gegenstärllllichen Vertiefung in die Sache, in welche er alle Gemütskräfte hineingibt. So Der bleibt er selber im ungestörtesten Gleick-ge,nicht, ein Tickter-Tenker, dessen Gestalten nicht Helden und Frauen sind, sondern die Mächte der Geschickte selbst.^ Kein Klassifer war er und fein Roman­tiker, kein Griechenschwärmer und kein Anbeter des Mittelalters, sondern mit der gerechten Unnahbar­feit, dem alles ertermenben Scharfsinn eines an­tiken Totenrichters urteilt er über Werden und Sein, über die Tinge der fernsten Jahrtausende wie der nächsten Vergangenheit. So rundete sich um ihn fern Werk zu einem ungeheuren allumfassenden Weltbild, und als ihn die Cholera l/ntroegraffte, schied er von der Hohe feines Wirkens, an fer­tiger, ein in sick vollendeter Geist.

Die unvo rein genommene Objektivität seines Systems wird wckhl durch nichts besser bezeichnet als durch die Tatsache, daß an 'ihn sowahl die konservativsten wie die revolutionärsten Geistes- ftröm ungen an knüpften. Die Tiadockien, die srch nach dem Tode des Weltherrschers in die einzelnen Gebiete seines Reiches teilten, m die Geschichts- philosophie und in die Rechtsphilosophie, in Aesthv- tit und Religion usw., sie spannen seine Ideal m der trockensten und rückständigsten Weise aus. Die ,,Jung-Hegelinge" aber, die des Meisters Weis­heit besser zu verstehen glaubten, liefen Sturm gegen Religion und Glauben, gegen Staat und Gesellschaft. Strauß'Leben Jesu" und Feuer- backsWesen des Christentums" sind ebenso Früchte vom Baum der Hcgelschen Erfenntnis wie Marx'Kapital". Ter Weltweife, der in dem SatzDas Vernünfttge ist wirklich" die preußische Rionarchie gleichsam offiziell einsegnete, schleuderte zugleich in dem Gedanken der geschichtlichen Enl- wicllung den Feuerbvond in die Geister, und so stcht der stille Schwabe noch heute als einer der führenden Fackelträger in dem Feuerschein, der die Weltanschauung des Abendlandes mit Unter» gangsftimmung umleuchtet.

Stadt und Land.

Gießen, den 26. August 1920.

Tic Einführung des Wintcrfahrpland verschoben.

Der Winterfahrplan sollte nach den bis herigcn Bestimmungen in gewohnter Weise am 1. Oktober eingeführt werden. Auch die bis jetzt erschienenen Entwürfe tragen den Ver­merkgültig vom 1. Oktober". Der Fahrplan dürfte aber etwas Mehr als drei Wochen später eingcftihrt werden. Das Reichsverkchrsminc- sterium hat die Eisenbahndirektionen und Ge­neraldirektionen in einer besonderen 93cr- fügung soeben angewiesen, auf den deutschen Reichseisenbahnen die Einführung des Wim terfahrplans für den 25. Oktober in Aussicht su nehmen. Maßgebend für diese Verschiebung ist die Rücksicht auf die besetzten Gebiete im Westen. In Frankreich ist jetzt westeuropäische Sommerzeit, die unserer mitteleuropäischen Zeit entspricht, so daß ein Zeitunterschied jetzt nicht besteht. Es verlautet, daß Frankreich am Montag, 25. Oktober, zur westeuropäischen Zeit zurückkehrt. Es ist noch nicht ganz sicher, ob das besetzte Gebiet die mitteleuropäische Zeit beibehallen und die Zeitgrenze mit der politischen zusammenfallen wird. Aber auch dann macht der durchgehende Verkehr bei ver­schiedener Zeit gewisse Schwierigkeiten. Unter Umständen müßte ein zweimaliger Fahrplan- wechscl eintreten. Um diesen auf alle Fälle zu vermeiden, wird der spätere Tag gewählt. Eine endgültige Bestimmung ist dabei nock) nicht getroffen. *

** Amtli che Personalnachrichten. Am 20. August 1920 wurde der Vorstand des .Hessischen Hochbauamts Darmstadt, Baurat Wil­helm T i e h l zu Darmstadt, auf sein Nachfuchen unter Anerkennung feiner dem Staate geleisteten Dienste wegen geschwächter Gesundhett vom 1. Oktober d. I. ab in den Ruhestand versetzt. Erledigt ist eine mit einem evang. Lehrer zu be­setzende Schulstelle zu $) a i n g r ün bau, Kreis föÜbungen! sowie zu Södel, Kreis Friedberg, berg.

** D i e Freigabescheine für d i e hauptsächlichsten Baustoffe sind jetzt bekanntlich vom Reichsarbeitsminister bis auf weiteres abgeschafft. Der Baustoffbedarf wird von den unteren Verwaltungsbehörden nicht mehr geprüft. Ebensowenig prüfen die Bau- stoffbeschaffungsstetten den Bedarf nach. Zie- Zgel, Zement und Kalk können von den Lie­ferern ohne Freigabeschein abgegeben werden. Dagegen bleibt die Beschlagnahme von ge­brannten und anderen künstlichen Mauer­steinen, Dachziegeln aller Art und Drainage­röhren aus Ton grundsätzlich ausrechterhal­ten, wenn sie auch in der Praxis durch die vorübergehende Aufhebung der Freigabe- scheine bis auf weiteres nicht in die Erschei­nung tritt. Bedarfslisten müssen aber weiter eingereicht werden, wenn sie für statistische Zwecke und zur Kohlenbereitstellung notwen­dig sind.

** Un zure ichend frankierte Brief- fenbungen. Bei den Postanstalten werden täg­lich sehr viele Brieffendungen nach dem Aus­land eingeliefert, die unzureichend freigemacht sind. Ties läßt daraus schließen, daß die Ver­sender mit den hierfür geltenden neuen Ge­bührensätzen wenig vertraut sind. Es wird daher darauf aufmerksam gemacht, daß für Briefe nach dem Freistaat Danzig, Luxemburg, dem Memelgebiet, Oe st erreich, Ungarn und Westpolen (den an Polen abgetretenen deut­schen Gebieten) die neuen Gebührensätze des inneren deutschen Verkehrs gelten. Nach dem übrigen Ausland sind die, Gebühren für Briefe bis 20 Gramm auf 80 Pf. und für jede weiteren 20 Gramm auf 60 Pf. und die Gebühr für Postkarten auf 40 Pf. festgesetzt worden. Druck­sachen, Warenproben und Geschäftspapiere nach anderen als den vorgenannten Ländern unter« liegen einer Gebühr von 20 Pf. für je 50Gramm; die Mindestgebühr beträgt für Warenproben 40Pf. unb für Geschäftspapiere 80 Pf. Die Einschreib­gebühr beträgt bei Briefsendungen nach den im Dorftebenben bezeichneten Ländern 50 Ps., nach dem übrigen Ausland 80 Pf. Eine Uebersicht der neuen Gebühren tarn durch die Postanstalten zum Preise von 10 Pf. bezogen werden.

** Vorsicht beim Verzehren von neuen Kartoffeln! Tie ersten Frühkartoffeln

werben jetzt geerntet. Sie schmecken zwar erheblich besser al? die letz len alten der vorjährigen Entte, smd aber dafür um so schwerer verdaulich '.Kament- licd das TrMlen fallen Wassers nach dem Genuß neuer Kartoffeln führt unweigerlich immer zu Leib­schmerzen und Durchfällen Zurückzu'ülwen ist dies auf die Besckxffsellheil der Stärkekörner in den neuen Kartoffeln, die weniger leicht durch bi? Magen säure ausichließbar sind, wodurch mehr w'.verdauie Teile in den Darm g-langen Aus diesem Grunde macht ein Zusatz von Kümmel oder anderem scharfen würz zu neuen Kartoffeln diese verdaulicher, well cS den Magen zu stärkerer Absonderung reizt. Sind neue Kartoffeln noch zu unreif,seifig" tni Volke- munde genannt, was nicht allzu selten vorkommt, io läßt sich dem abhelfen, inbem man br M'artoffeln etn»a ztvei Finger l»dj mit trorfcin-m Sand bedeckt und in die Sonne stellt. Sie sind bann nach drei dis vier Tag-rn richftg reis und mehlhaltig ncivorben und halten sich auch bei nickst sofortigem Verbrauch niCTiigifenö einige Zeit, was sonst bei Frühtartosseln meistens nicht der Fall ist.

** 3 u r Kanrnchen- Ausstellung am 28.29. August auf bcc schönen Aussicht sind 360 Tiere aller Rassen angemdt was noch nie in Gießen gezeigt warben ist, eine reichhaltige Pelzwareitausstellung, Pelzsack>en aus .Kastincheitfeilen hergcrickstet, Schuhoberleder, sehr viele Shnbcrgamituren usw Siehe Anzeige.

Landkreis Gießen.

-m. Hungen, 25. Aug. Ein zugereister junger Mann, der bei einer hiesigen Firma be- sck-äftigt, war entfernte sich letzter Tage au5 seiner Arbellsstelle unter Mllnahme von oeffchiedeneir lllcidungsstücken feiner Arbe-itskollegen. Einem eirtweirdete er feine Papiere, da er selbst offenbar leine besaß. Auch zwei wertvolle Hunde seines Arbeitgebers lockte er an sich und bat sie gewiß unterwegs verkauft- Trotz eifriger Nachsorschungerr konnte bis jetzt iwch keine Spttr vom Dieb und den Hunden gefunden werden. Anzeige gegen den Flüchtling ist erstattet.

Starfenburg und Rheinhessen.

sw. T a r m st a d t, 25. Aug. Der Früh­kartoffel preis ist nach Mitteilung der des Kartvftelsvellc auf Süwrbraing der Reichstaiot felftetk tind mit Zustimmung des Reicks Ministe­riums für Ernährirng unb Landwirtschast für den Erzeuger mit Wirkung vom 23. Auguji bis 31. August auf 25 Mark für den Zentner festgesetzt. Tie weiteren Bestimmungen über Zufuhr usw. bleiben bestehen.

sw. Darmstadt, 24. Aug. Ein schwerer Unfall ereignete sich heute vormittag in einer hiesigen Maschinenfabrik. Durch einen Kvahnen sollte eine Eisenplatte transportiert werden. Die Platte siel zur Erde und quetschte einen Arbeiter den rechten Fuß ab. Der Verunglückte erlitt außerdem Verletzungen am Arm.

sw. Langen, 25. Aug. Zn der hiesigen Gc- n-arkung steht einApfelbaum teiütx.rife m voller Blüte, der übrige Dell iüi dicht mit Aepfel! behangen.

rm. Neu-Isenburg, 25. Aug. Ter hie­sige Gemeinderat hat den hiesigen Beamten ein- hcillich eine Teuerungszulage von 4500 Mk. pro Zahr bewilligt, was für die Gemeindekasse jähr­lich eine Million Mark ausmacht. Aus der Rricys- eintommenfteuer werden dafür nur 600 000 Mark vergütet.

Hessen-Nassau.

mc. Frankfurt a. M., 24. Aug. Den Frankfurter Ban'.ckngefüllten wurde für die Mo­nate Juli und August eine Teuerungszulage von 1100 bis 550 Mk., nicht wie irrtümlich berichtet wurde, von 100550 Mk., je nach Alter und Geschlecht vom Schlichtungsausschuß zuerkannt.

mc. Frankfurt a. M., 25. August. Tie Herbstmesrs am Rein und und der anberen dir Herbstmesse am Main und auf dem Römer' berg nahm am heutigen Mittwoch ihren Anfang. Auch die zwei graften Jux-Plätze sind in vollem Betrieb, ein Zeichen, daß noch immer Gell) unter den Leuten ist.

mc. F r a n f f u r t a. M., 25. Aug. Zum ersten Male nad) dem Kriege wird die 5rani,irrtet Le­de r m e s l e wieder am 6. September stattfinden. Tie Messe war auf das Ledergeschäft Mittel-- und Süt-deutschlands in früheren Jahren von entschei­dendem Ernfluß.

mc. Frankfurt a. M., 25. Aug. Der 39- jährige Kaufmann Johann Treckur wurde heute vormittag von seinem Neffen Franz Treckur in seiner Wohnung, Schweizerstraße 66,ler s cho s >' e n. Treckur kam schwerverletzt ins Kranfenhaus. Der Täter wurde verhaftet. Ter Grund der Tat ist Eifersucht.

me. Fulda, 25. Aug. Die Gesamtschu l d der Stadt erreicht den Betrag von 17 655 535 Mark. Am 1. April 1914 betrug die Gesamtschuld Fuldas 9.8 Millionen Mark.

Sie wandte sich der Tür zu.

Da aber flam er ihr mit einem Sprung zuvor und deckte den Ausgang.Du bist wahnsinnig," rief er, ,,jawohl, wahnsinnig! Sonst hätte ein solcher Gedanke in dir nicht entstehen können."

Sie vermochte jetzt sogar ein klein wenig zu lächeln es war ein Lächeln voll stiller Vor­nehmheit.

Teine Schmähreden," sagte sie,sollen mich nicht abhalten, das zu tun, was ich für das Recht halte . . . Ich weiß, es ist etwas Austergewöhn- licktes, was ich vvrhabe die urteilslose Welt wird baburd) Gelegenheit bekomme.!, den Stab über mich zu bredrn. Allein diese Erwägung kann meinen Entschluß nicht umstimmen Ich meine, in solch aufterarbentlidfen Fällen muß m<.n in sein innerstes Herz hinein horcken und sich van dort die Entscheidung holen. Nun wohl, eben mein Herz treibt mich an, diesen Weg zu gehen"

Rdit aschfarbenem, entsetzlich au'gewühltem Ge­sicht stand er vor ihr.Tu vergißt, daß du meine Braut bijt! Ich, als dein Verlobter, verbiete brr, triefen wahnsinnigen Schritt auszuführen!"

Ich räume ein, daß du das Recklt halt, eben weil ich dir mein Wort gegeben, bestimmend tn meine Entschlüsse einzugreisen. Aber nickt in die­ser Sache. Da ist um meinetvillen Blut geftoste... unb ich gehe, dieses Mut zu 1 ritten. Niemand in fier Wdlt wird mir einreden »onn§il, das sei 'em falsch^ und schlechtes Tun."

Wirt nicht mit so Hofen Worten um dich! Gesteh' es lieber ein, daß dich die Sehnsucht an­treibt, bei dem Geliebten deiner Seele zu weilen! Treulosigkeit, abscheulick)er Verrat ist dein Be­ginnen nichts sonst!"

Laß uns zu Ende kommen. Ich werde dir nicht mehr antworten. Darum gib die Tür frei."

Wirklich riß er jetzt die Tür auf, aber er trat zuerst über die Schwelle und eilte die Stein» treppe hinan.

Ich werde der Mutter alles berichten," riet er über die Schulter zurück.Sie wird es wohl verstehen, dich mit dem Gewicht ihres Einflusses von der Schamlosigfeft abzuhalten, der du dich in die Arme werfen willst!" . . .

Rena war regungslos stehen geblieben und hatte dem Davonhastenben durch die offen ge­bliebene Tür nachgesehen. Sie Vergab ihm fern rohes Schelten. Schließlich hatte er sich doch nur ba$u hin reißen lassen, weil er sie liebte über alles liebte, wie er ihr versichert damals und heute! Und sie mußte ihm ja weh tun, sehr weh!

Taß sie auch seiner Mutter, der armen Min­den, sehr weh tun mußte, schuf ihr ein unsäglich bitteres Schmerzgefühl. So groß war es, daß sie einen Augenblick schwankte, ehe sie sich der Treppe zuwandte, um oben in ihrem Stübchen das Notwendige zur Reise zusammenzupacken. Aber das Zögern währte in der Tat nur einen Augen­blick dann schritt sie hinaus §md die Treppe empor.

Ihr war plötzlich, als sei aus weiter, weiter Ferne ein Schmerzensruf zu ihr hergedrungen er gab ihr die RichLung an, die sie zu gehen hatte!

Als Rena nach einer Viertelstunde etwa im dunklen Reisemantel, ein Köfferchen in der Hand, aus ihrem Zimmer wieder heraus aut den Flur trat, der bei ihrem öeraufEommen noch im Dun­keln gelegen, fand sie ihn jetzt hell erleuchtet.

Augenscheinlich auf fte wartend, stand Vetter Oskar unter der Lampe. Er öffnete nun eine

Tür. Seine Stimme und sein Aussehen waren viel ruhiger, als drunten in der Aol-nstube.

Er fragte:Du wirst doch nicht das Haus verlassen wollen, bevor du meine Mutter noch einmal gesehen?"

Ohne ihr Köfferchen aus der Hand zu geben, schritt Rena schweigend an dem jungen Mann vorbei über die Schwelle der geöffneten Tür.

Die Blinde war wieder ausgestanden. In ihrem weißen, schleppenden Nacktgewande, ii: Binde noch über der Stirn, die Rena ihr selbst zur Milderung des Kopffchmerzes angelegt, stand sie aufrecht neben dem Bett, gleich ihrem Sor.i harrend auf diejenige, die zur nächttichen Stund: aus dem Hause fort geben wollte, um an bad Krankenbett eines Mannes zu eilen) der ihr ovc kurzem noch ein völlig Fremder gewesen.

Das junge Mädchen durchrieselte ein Schauer bei dem Anblick der Blinden. Nie zuvor hatte brr machtvolle Eindruck der ehrfurchtgebietenden E.- scheinung so tier auf sie gewirkt.

Tante," begann Rena zaghaft,ich"

Tie Blinde unterbrach sie:Ich weiß alles. Es scheint, die mir bestimmten Prüfungen sind noch lange nicht erschöpft. Aber ich wlll nicht klagen, sondern versuchen, dem neunbrängenbm Strom des Unglücks einen Damm zu bauen . . . Mein Sohn hat tn vielem, was er in der Ange­legenheit getan und dir gesagt, mein Kind, un­recht. Aber das soll und darf dick nicht bestimmen, gleichfalls unrecht zu Händeln. Tein Platzest hier im Hause trotz alledem an der Seite Ostac, der heimgekehrt ist zu uns. Du tarnit nid:: tm Ernst daran denken, die abenteuerliche Reu. an- zutteten."

(Fortsetzung ffügt.)