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170. Jahrgang
Donnerstag, 2b. Zebruar 1920
Gietzener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberheffen
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Nr. 48
Ter Gietzener Anzeiger erfchemi laglich, aufeet Sonn- und Feiertags.
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weitere Feststellungen im Erzderger-prozeß.
Am Montag hat Dr. Helfferich in dem Prozeß, der gegen ihn angestrengt morden ist, abermals seine Anklage gegen Erzberger durch eidlich bekräftigte Feststellungen zu stützen vermocht. .Von durchschlagender Beweiskraft ist der Tatbestand, der sich aus den Geschäften des Herrn Erzberger in Hapag-Aktien ergibt. Der Reichsfinanzminister hat ausgesagt, daß er damals zur Zeit der Waffenstillstandsverbandlungen Aktien der Hamburg-Amerika- Linie gekauft habe, um seinen Glauben an die Erhaltung der deutschen Handelsflotte in deutschem Besitz vor aller Welt zu dokumentieren. Diese Behauptung ist schon an sich mit Vorsicht aufzunehmen. Denn es gehörte eine außerordentlich . starke Dosis Illusion und Vertrauensseligkeit dazu, um die Auslieferung der deutschen Flotte an die Feinde für eine vorübergehende Maßnahme zu halten. Der Aktienkauf des Herrn Erzberger gewann denn auch durch die nähere Beweisaufnahme eine ganz andere Beleuchtung. Danach steht fest, daß Herr Erzberger das Vertrauen seiner Mitmenschen in die sichere Zukunft der deutschen Schiffahrt erst zu wecken versuchte, als er selbst die Hapag-Aktien bereits in der Tasche hatte, geschäftlich also an einer regen Nachfrage nach Schiffahrtswerten interessiert war. Ein anderes Moment aber ist noch viel wichtiger und bedeutungsvoller. Herr Erzberger hat, nachdem ec im Besitz von Hapag-Aktien war, den deutschen Reedern eine Entschädv- gungssumme von ll/s Milliarden ausgewirkt and die Auszahlung dieser Summe veranlaßt, trotzdem für eine sofortige praktische Venoertung des Geldes jede Voraussetzung fehlte. Bei seiner früheren Aussage hat Herr Erzberger jede Verantwortung für diese finanzielle Maßnahme weit von sich gewiesen. Am Montag.mußte er indessen, in die Enge getrieben, zugeben, daß sie sein allerpersönlichstes .Werk war, und daß der Vertrag zwischen der.Regierung und den Reedern seine Unter- jchrift trägt. Sein Versuch, auch am Montag noch die Maßnahmen aus ein benachbartes Amt, als das „federführende Ressort", abzuschieben, .mißglückte vollLommen.
Der Tatbestand ist also folgender: Herr Erzberger erwirbt als Privatmann Hcchag- Äktien in einem Augenblick, in dem sie ziemlich tief unter Pariwert zu haben waren. Als Minister trifft er alsdann durch die Auszahlung einer Milliardenentschädigung an dre Neeoer eine Maßnahme, dre den Kurswert der Aktien sehr stark in die Höhe treiben mußte und auch in die Höhe getrieben hat. Alsdann stößt er als Privatmann ein paar Monate später die Hapag-Aktien mit erheblichem Gewinn wieder ab. Vielleicht wird uns Herr Erzberger zumuten zu glauben, daß sein Aktien-Ankauf inzwisck)en die ihm zugedachte öffentliche Vertrauensmission erfüllt hatte, und daß er als Lohn dafür den Gewinn ein- zustecken berechtigt war. Bei unbefangenem urteil aber wird man in diesem Aktiengesckäft lichts anderes sehen können, als daß ein Mr- tifter in Deutschlands schwerster Zeit mit der linken Hand Privatgeschäfte erledigte, denen er mit der rechten Hand durch amtliche Maßrahmen gewinnbringende Chancen eröffnete. Denn nur dieser eine Fall vorläge, so wäre damit bewiesen, daß Herr Erzberger sogar als Minister die klare Linie zwischen politischem Bertrauensamt unb persönlichen Geschäftszwecken ganz erheblich verwischt hat.
Berlin, 25. Febr. (Wolff.) In der heutigen Sitzung führte Erzberger aus: Meine Frau erkürte, daß sie Dr. Thalberg absolut nicht kenne. Zch sah Thakberg nur, toie ich jetzt feststene, ein» nat in Berlin. Ich stelle fest, daß ich am 17. Aug. 1919 an die Reichsbank eine Devesche geschickt habe, wx)rin ich bat, daß ich 4000 Franken nach der Schweiz mitnehmeu dürfte, was die Reichsbank gc- n-.efomigte. Im Oktober 1918 wurde mir mitgeteilt, laß mein einziger Sofort so schwer krank sei, daß ich schott abreilen müsse, wollte ich ihn noch am Läden j nden. Ich reiste sofort ab und fand meinen emsigen Sohn in sterbendem Zustand. Dkeine Frau >.nL meine ältere Tochter waren ebenfalls schwer lrank. Der Hausarzt erllärte, wenn Frau und Stinb vicht sofort Höhenluft auffuchen würden, lehne er ßde Verantnwrtlmg ab. Ich schickte meine Familie ?i einem befreundeten Bankier in der Schweiz, der tiir erklärte, daß ich bei ihm so viel Kredit erhalten könne, wie ich wolle.
Ich nahm aber den Kredit nur in gewissen L’ccnjen in Anspruch, in der Weise, daß mir von hrdeL Auszahlung sofort Mitteilung gemacht wurde. 2ck veranlaßte, daß der entsprechende Wert an öm Bankier von hier aus geschickt wurde. Meine «'^wilie blieb von Anfang Februar bis August 1919 in St. Moritz. Wegen dieser Reise in die Schweiz werde ick seit einem halben Jahr in der areitenen Oeffentlichkeit immer wieder angegriffen ®t dem Sinne, daß ich eine unerhörte Verfchweu- uung triebe. Ich möchte den Faimuenvater sehen, uer in einer ähnlichen Lage nicht ebenso gehandelt uatte wie ich
Vorsitzender: Sie schafften also für die Reise Ihrer Familie nach der Schnxiz kein Kapital dorthin?
Erzberger: Nein. Es kommen dafür ledig lich die 4000 Franken für meine Reise in Frage. Ich schaffte jedenfalls, so fährt Erzberger fort, für private Zwecke kein Geld auf Ule galem Wege weder in die Schweiz noch ins übrige Ausland. Als Leiter des Propagandadienstes ließ ich allerdings für politische Zwecke Geld nach der Schweiz, und zwar stets offen durch die Deutsche Bank überweisen. In der Schweiz setzte nun eine unerhörte Nachschnüffelei und Spio naae gegen mich ein. Zwei Personen, die ich namhaft machen tont, erklärten mir, es würde in der Schweiz für Helfferich Material gegen mich gesammelt. In einer Bank in Bern lägen für triejen Zweck eine Million Franken zur Berfugwig. Es müsse vor allen Tineen festgestellt werden, wieviel Geld ich von Frankreich erhalten hätte. Tie Industrie gab für diese Materialsammlung Gelder her.
Helfferich: Es handelt sich hier ganz 'offenbar um Klatsch und Tratsch. Ich möchte aber weiter fragen: Beton Erzberger nicht in amtlichem Gepäck des Auswärtigen Amtes Gelder nach der Schweiz? Erzberger: ^ch traf mit dem Auswärtigen Amt in dieser Hinsicht eine Vereinbarung, daß mir durch Kuriere des Auswärtigen Amts Gelder für ganz bestimmte politische Zwecke nach der Schweiz übersandt wurden. Tie Herren des Ausioärtigen Amts waren durchaus bamtt einverstanden. Tiefe Gelder wurden dann für politische bzw lirckstiche Zwecke, die aber'letzten Endes auch einen polrtisckien Zweck verfolgten, nämlich die Stärkung Deutschlands, verwendet.
Iw weiter en Verlauf betunbet Bankier Au- dreae zum Falle der Firma Wollf f, das Reich habe seinerzeit in Holland Waren bestellt. Es war schwierig, für den Kaufbetrag Deckung zu beschossen: deshalb wurde ein Abkommen mit Wolff getroffen, der zur Deckung eines längsäftrigen Kredits 30 Milliorren Mark Jrvdustrieak:ien lieh. Ms Gegenleistung erfolgte ein Darlehen von 40 Millionen, das Wolff zu 4 Pvo-ent verzinste. Nach der Ansicht des Zorgen handelte es sich um ein glänzendes Geschäft. Helfferich widerspricht dieser Auffassung unb weist auf große Käufe der Firma Wolff in allerhand Jnduskriewerten bin. Andveae erklärt auf Eibergers Frage, das Geschäft habe zweifellos im ReichSintrresse gelegen.
Erzbevgers Steuerdeklaration.
Berlin, 25. Febr. (Wolff.) Amllich wird mitgeteilt» Der „Berl. Lokalanzeiger" und die „Deutsche Zeitung' behaupten in eigenartiger lieber ein stimm ung, daß die Broschüre, in der die intter schwerstem Vertrauensbruch aus dienstlichen Akten entwendeten Steuerdeklarationen Erzbergers photographisch wiedergegeben waren, auf direkte Anordnung des Staatskommissars für öffentliche Sicherheit beschlagnahmt worden sei.
Es rtnrb hiermit festgestellt, daß der Staatskommissar lediglich die ihm vom Reichsftnanzmini- [tierium zugegangene Mitteilung über die bevorstehende Verbreitung dieser Broschüre pflichtgemäß an die in dieser Angelegenheit allein zuständigv Staatsanwaltschaft weitergeleitet hat. Auf diesen Akt befdjräntte sich die Mitwirkung des Staatskommissars. Alle weiteren Schritte sind lediglich von der Staatsanwaltschaft ausgegangen.
Der $all Laillanr.
Paris, 25. Febr. (WB.) Die heutige Sitzung des Staatsgerichts^>fes begann mit der V e r n ? fo * mung Cail laus' über seine verschiedenm Reisen nach Italien, insbesondere über fnne Beziehungen zu Cavallini und Scarvoglio, bem Direktor des „Martino" in Neapel. Eaillaux gibt zu, daß er drei Reisen nach Italien unternommen habe, und zwar in der Hauptsache, um dre Gesundheit seiner Frau wiederherzustcklen. Die Behauptung, die Rede Bethnrann-Hollwegs im Oktober 1916 sei durch seine Politik tn Italien beeinflußt gewesen, könne nicht stimmen, denn bie Unterhaltungen, die man rhm vor werfe, hätten int Dezember stattgefanden. Er habe, da s.'in: Frau längere Zeit in Italien habe zubringen mühm, gewissermaßen in Italien feinen Wohn itz gnrvm- men unb deshalb einen Teil feinrr Papiwe und seines Vermögens nach Italien gebracht. D:r Senatspräsident ging dann dazu über, über die Beziehungen Caillaux' zu dem „Riartino" zu spvecheir. Aus seinen Aufzeichnungen ergcke sich, daß Caillaux erklärt habe, Frankreich fei am Ende seiner Kraft, und cs könne nicht wünschen, auf seinem Gebiet eine stärkere englische Armee zu sehen als die (einige. Man müsse deshalb einen Sonderfrieden vorterciten. Caillaux >r kl arte, daß er niemals von einem Sonderfrieden gesprochen habe, daß es aber seiner Ansicht nach gut gewesen fei, den Frieden vorzubueiten. Früher hätten die 9iatwnen sich fclb'l genügen können, jetzt aber sei jede out die anbn-? ang:wieien: ihn hätten ivefentlich die ftnanztelleu Fragen b^ schäftigt. Caillaux schilderte sodann die nnanztelle Lage Frankreick)s und Italiens. Caillaux ging schließlich dazu über, von dem in Floren; ausge- tauchten politischen Programm zu fpredjen, das man den Rubikon genannt habe. Er erllärte, es handele sich hier nur um Notizen, die er niedergeschrieben habe, wie ihm die nnzellten Gedanken gekommen seien. Tic Arbeit fei nicht vollendet gewesen, er könne deshalb auch kein' Verantwortung hierfür übernehmen.
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Die Antwort an Frankreich in der Kohlenfraoe.
Berlin,.25. Febr. (Wolff.) Wie wir hören, beantwortete die d e u t s ch e Regierung
die Note der französischen Regierung in der.Kohlenfrage dahin, dost die sachlichen Voraussetzungen, von denen die döole ausgebt, nicht tzutreffen und die materiellen Fragen, die in der Note erörtert lverden, würden der W i e- dergutmachungskommis-sion. vorgelegt werden.
Paris, 25. Febr. (WTB.) Ju der heutigen Sitzung der französischen Kammer wurde über die Einberufung der Jahresklasse 19 20 verhandelt. Nachdem der Berichterstatter den Antrag begründet hatte, erklärte der Abgeordnete O s s o l a, Deutschland habe ehren solchen Aderlaß erlitten, daß es nicht an Krieg denken könne. Der Sozialist B o u c u r verlangte eine vollständige Entwaffnung Deutschlands. So lange das ftanzö- sische Heer am Rhein stehe, sei keine Gefahr vorhanden. Tie deutsche Armee aber müsse baldigst auf die im Friedensvertrag vorgesehene Stärke zurückgefLhrt werden. Frankreich habe verschiedene Gelegenheiten zur Entwaffnuttg Deutschlands verpaßt, nmnenlltch die Stunde von Kurt EisncrsTod.
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Frankreichs Wünsche an England.
Paris, 25. Febr. (WB.) Nach dem „Ma- tin" verlangt Frankreich von England eine M i - litäralltanz, unabhängig von der Ratift- zierung des FrieÄensvertrages durch Amerika, zweitens die Besetzung der Rheinlande solansc, als notwendig erscheine und ifore Er- weiterung au f das Ruhrgebiet, ferner eine dauernde finanzielle und wirtschaftlich.' Unterstützung zum Wiederaufbau. Dte räumliche und zeitliche Ausdehnung der Besetzung dw Rhein lande sei aber England unangenehm, da dies Europa in einem Zustand erhalten werde, brr wcher ftneg noch Frieden märe.
Ein franzöfischer Nationalökonom gegen den Versailler Vertrag.
Bern, 25. Febr. (WTB.) Der Nationalökonom Prof. Gino hält, der „Neuen Züricher Ztg." zuftlge, die wirtschaftlichen Bestimmungen desVersaillerVertrages für undurchführbar. Man könne nicht Deutschland ruinieren mtb ihm gleichzeitig eine kolossale Kriegsentschädigung aufenegen. Er hält es für einen Fehler, daß Deutschland seines bescheidenen Kolonialbesitzes beraubt wurde, namentlich Dartsch^Osl-
Bom elsaß-lothringischen Schuldienst.
Berlin, 25. Febr. (WTB.) Nach dem ,Lok.-Anz." sind 400 altdeutsche und 600 altelsässische Lehrer und Lehrerinnen aus dem elsast-lothringischen Schuldienst ausgeschieden. Dagegen wanderten 1000 Lehrper- sonenausFrankreichein.
Lisenbahnftreik ht $ranireid).
Paris, 25. Febr. (WTB.) Gemäß dem gestern gefaßten Beschluß haben die Werkstättenarbeiter der Paris — Lyon — Mediter- ran6e-Eisenbahn heute morgen in Paris die Arbeit nicht aufgenommen. Desgleichen ruht die Arbeit in Dychon, Marseille und Lyon. Bis jetzt umfaßt die Bewegung nur die Werkstätten- arbeiter. Eine Mitteilung der Direktion der obengenannten Gesellschaft besagt, daß der Personen- und Güterverkehr auf allen größeren Linien ruht.
Eine spätere Pressemeldung besagt, daß das Bauvomitee der Eisenbahner von heute vormittag UVi Uhr ab die Einstellung der Arbeit in sämtlichen Betrieben in Paris und auf allen Netzen verlangt habe. Auf dem Lyoner Bahnhof war der Streik heute mittag noch nicht allgemein, jedoch ruhte der Vorortverkehr fast vollkommen.
Hoover und Wilson.
Amsterdam, 25. Febr. (WTB.) Hoover wandte sich in Baltimore energisch gegen das Bestreben des Präsidenten Wilson, den Friedensvertrag einem Votum durch das amerikanische Voll zu unterwerfen. Europa könne nicht genefen, bevor der Friedensvertrag ratifiziert und die amerikanische Millvirkung bei der Wiederherstellung des Kredits gesichert sei.
Washington, 25. Febr. (WTB.) Der Senat beschloß, qm Donnerstag den Friedensvertrag nneber au behandeln und alle andern Fragen zurückzustellen, bis der Friedensvertrag endgültig erledigt ist.
?lsquith inS Unterhaus gewählt.
London, 25. Februar. (WTB.) Asquith wurde ins Unterhaus gen-ähll. Bet der Wahl in Paiskey erhielt Asquith 14 694, der Arbeiterkandidat Bigger 11840, der Unionist McLean 3778 Stimmen.
Churchill über Deutschlands guten Willen.
London, 25. Febr. (WTB.) Churchill erfiärte im Unterhause zur Herabsetzung der deutschen Heeres stärke, bisher hätte man nicht den Eindruck mangelnden^ guten Willens der deutschen Regierung, die tatsäc^ich eine große Zahl Bestimmungen des Friedensvertrages ausführte.
Die Bolschewisten in Estland.
Bern, .25. Febr. (WTB.) Es verlautet, daß die B o l s ch e w i st e n sich der Herrschaft .in Estland bemächtigt haben.
Ta» FricdenSbedürsui» Sowjet-Rußland»
Haag, 25. Febr. (WTB.) Nach bem „Nieu- roe Eotlvrnt" richtete die Sowjetcegi-'rung Friedensnvten an Amerika, Japan unb Rumänien.
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Konstantinopel der Türkei.
Rotterdam, 25. Febr. (WTB.) Die „Times" wendet sich scharf gegen den Beschluß, Konstantinopel der Türkei zu belassen. Dieser Beschluß sei unter dem Einfluß von Finanzinteressen gefaßt worden.
Ter Aufenthaltsort de» ehemalige» Kaiser».
Amsterdam, 25. Febr (WTB.) Nach dem „Allgemeen Handelsblad" sieht es die Entente > nicht gern, daß der vormalige Kaiser .auf eine westi ndische Iitsel verbannt.wird, und zwar wegen der Näh<' der südamerikanischcn Staaten, mit denen einige der Ententemächte nicht in den besten B<^ zrehungen stehen. Die Entente irerbe sich schließlich jnit einer strengen Bewachung des Kaisers tn den Niederlanden begnügen.
Bus dem besetzten Gebiet.
mc. Main z , 25. Febr. Ter Floß verkehr auf dem Rhein ist augenblicklich sehr .stark. Meist srnd es Schwarzwaldhölzer, die zum Bauen gegen enorme Preise nach Holland gchm.
Aus dem Aeicve«
Au» dem Memelcr Abstimmungsgebiet.
Paris, 25. Febr. (WTB.) Tie Botschafter» konferenz tiertraute den Schutz der ftemden Staatsangehörigen im Memeler Abstimmungsgebiet Frankreich an und beschloß die Errichtung einer internationalen Verbindung nach Polen über Nürnberg und Prag. Tas Schiffs material, das von deutschen Schiffen stammt und nicht den Ententestaaten zugesprochen wurde, soll zerstött werden.
Die Stadt Hindenburg.
Breslau, 25. Febr. (WTB.) Die Be- satzungskommission ordnete an, daß die Stadt Hindenburg.wieder Zabr-e zu nennen ist.
Aus Danzig.
Berlin, 26. Febr. Wie dem ,^ofalamev* ger" aus Danzig gemeldet wird, hat der englische OberDmmissar für Danzig eine scharfe Verordnung gegen den Streik in ben lebenswichtigen Betrieben erlassen. Ter Streik der städtischen Angestellten dürfte bitrd) diese Verordnung sein Ende erreichen.
Aus T an zig tvird weiter gemeldet, daß Sir Reginald Tower beim Empfang der Behörden- Vertreter erklärte, daß er die Danziger Regie- rungsgeschäfte aus die Tauer nicht unter alleiniger Verantwortung führen wolle.. Er halte es für förderlich für die Tanziger Interessen, wenn er zu seiner Mitberallmg eine Körperschaft hatte, die aus eingesessenen Bürgern bestände. Dabei dächte er an die Bildung eines Staatsrates, der bei der Ausarbeitung der Tanziger Verfassung zur Mitwirkung herangezogen werden könne.
Verschlechterung der Eisenbahnverkehrslage im Rrchrgebiet.
Essen, 25. Febr. (WTB.) Die Eisenbahnverkehrslage hat sich in der abgelaufenen Woche wieder verschlechtert. Die Fehlziffer in der Wagengestelmng erhöhte sich auf durchschnittlich 1800 Wagen täglich. Hauptgrund ast immer noch der Lo ko mo- tivmangel und der infolge des Eisen- bahnerftreiks vorhandene Rückstand an beladenen Wagen. Auch die Kalmraumknapp- heit in den Zechenhäfen besteht unvermindert fort.
Die Kündigungen in den Zigarettenfabriken.
Berlin, 26. Febr. Tie gesamten Berliner 3 i garet tenfabrrf en haben jetzt ihrem Personal ebenfalls zum 31. März gekündigt In Berlin werden dadurch laut ,^L)k -An)/' 10000 Arbeiter und Angestellte erwerbslos, m den anderen deutschen Fabriken 50000. Aus F-abrik- kreisen wird den Blättern mitgeteilt, daß nur bei Zurückstellung der Tabaksteuer es möglich sein dürfte, trotz der jetzigen hohen Tabaftneise zu fabrizieren.
Die Arbeitszeit in Bayern. •
München, 25. Febr. (Wolff.) Das bayerische Staatsministerium erläßt im Einvernehmen mit dem Bayerischen Beamlen- bund eine Bekanntmachung, nach der die Dienstzeit bei allen Staatsbehörden auf 48 Stunden wöchentlich ausgedehnt wird. Der freie Samstag Nachmittag bleibt erhalten.
Aur Hessen.
— Zur Zwangsbewirt s «Haftung der Eier in Hessen vertritt heute auch die Landes- Eierstelle für Hessen in einer längeren Zuschrift den gestern von uns nnebergegebenen Standpunkt des Landesemährungsamtes. Tie Landeseierstelle weist sodann besonders daraus hin, daß die Eier nur rür Kranke, Kran kenan st alten und Kinder sichergesteltt werden sollen, während


