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Br. 120 Zweiter Blatt________Eichener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Dienstag, 25. Mai 1920

Aur Hessen.

Die Verhältnisse in Drr 3rUenftrofanftalt in Butzbach.

t . Dm die von uns fnnrriett roiebet gegebene dringliche 'flnfraflt des Abg. iVte L über imivürbigc BMwnMmtfl und unjureictente (Smäbrunfl vvn (Mangenrn ter Anstall Butzbach ist i«tu eine >Rc- gicningdannDort erfolgt, tn ber « u. a. heißt:

<fe mutz vor ausgeschickt werden, daß cd keinem Zweifel unterliegen kann, daß der 20,ährigc Porte- feuiller Heinrich Pietz, geboren zu Cifeiibacf), Mit­glied bn kommunistische Partei, der eine wegen Aufruhrs und Landttredensbruch von der hiesigen Strafkammer am 18. Oktober t>. Zs. gegen ihn erkannte Gefängnisstrafe von 8 Monaten, abzüg­lich 5 Monate 4 Wochen Untersuchungshaft, in der Zellenstrafonstalt verbüßte, der Gewährsmann des Abgeordneten Kiel ist. Zur Sache selbst wird das Folgende bemerkt:

Die Beschwerde des Pietz datiert vom 23. No­vember, der Auftritt mit dem Anstaltsarzt hatte sich am 12. November, also nur 11 Tage vorher, ereignet. Es darf und muß angenommen iverden, daß in der Beschwerde die Vorgänge, weil noch frisch in Erinnerung, zuverlässiger und mit der objektiven Wahrheit besser übereinstimmend dar- gestellt worden sind, als bei (Mcgenheü der erst nach der Entlassung erfolgten, wohl nur rnündlicten Mübeilungen an den Abgeordneten Kiel. Die Bc- schverde verlautet aber weder etwas vom Aus- spucken, noch von der Aeußerung:Das ist die Schweinebande", und eS ist gewiß nicht zu ver- amitot, daß Pietz, der in der Beschwerde den Rriind reichlich voU 'genommen, etwa damals Zurückhal­tung geübt hätte. Dazu kommt, daß sotoohl Pfui- Stufe und Ausspucken als auch die behauptete Aeußerung sich mit dem Wesen und Benehmen des Anstaltsarztes Dr. Wagner gar nicht vereinbaren ließen. DaS am Schlüsse der dringlichen Anfrage «Lißerte Verlangen des Abgeordneten rtiel, den Arzt aus der Strafanstalt zu entfernen, hat insofern von selbst seine Erledigung gesunden, als Herr Dr. Wagner am 1. April nachsthin als Kreisarzt nach Groß-Gerau üben nebeln wird.

Wie der katholische so pflegt auch der evange- liche Geistliche im Religionsunterricht den Sträf­lingen die Geschehnisse der Außenioelt in kurzen, jeder Parteifärbung entkleideten, Betrachtungen vorzuführen. Ob es unter Berücksichtigung des Bil­dungsstandes der überwiegenden Mehrzahl der Zu­hörer zweckmäßig und angezeigt war, auch die Tätigkeit des Untersuchungsausschusses in den Be­reich der Betrachtungen zu ziehen, mag dahin ge­stellt bleiben. Bon den Führern der linksstellenden Parteien hat er überhaupt nicht gesprochen. Die Art, wie Pietz einzelne Worte und Bemerkungen des Geistlichen, sei es vorsätzlich, sei es infolge einer von Vorurteilen beeinflußten falschen Auffassung deS Gehörten, herausgelesen und zu einer Be­schwerde gegen den Geistlichen verarbeitet hat, gab dem Herrn Generalstaatsanwalt übrigens Veran­lassung, den beiden Geistlicher besondere Vorsicht onzuenipfehlen. 2luch wir werden nach einer mit den Strafanstaltsbeamten demnächst abzubaltenden Konferenz über eine Revision des Strafvollzugs <Megenb.il haben, zu der Frage, ob diese Vorträge der Gristlichen heute noch angemessen sind, Stel­lung zu nehmen.

©3 ist uns genugsam bekannt, wie sehr die Direktion der Zcllcnstrafanstalt bemüht ist, Nah­rungsmittel auf dem freien Markt cmfzutreiben, tun die Kost der Gefangenen, die bei Beschränkung auf die von der Zwangswirtschaft Tu>rmierten Arten und Mengert nicht aus reichen würde, einigermaßen aufzubessern. Ist doch im laufenden Rechnungs­jahre für solche Anschaffungen bis jetzt die statt­liche Summe von rund 200 000 Mark verausgabt worden! Im Laufe der letzten Monate und in diesen Zeitraum fällt gerade die Strafverbüßung des Pietz hat sich denn auch die Ernährung der Gefangenen ersichtlich gehoben, so daß, wie dies der Anstaltsarzt betont, eine kürlich vorgenommene Gewichtskontrolle bei einer großen Anzahl von Gefangenen Gewichtszunahmen ergab. Es entbehrt nun nicht einer gewissen Komik, datz gerade Piey, der Gewährsmann des Abgeordneten Kiel, ausweislich seiner Personalakten unter diejenigen gehörte, bei welchen solche Zunahme festgestrllt nntrbc: er wog am Tage seines Eintritts in die Zellenstrafanstalt (11. November) 60 Kilogramm und hatte am 10. Januar «unmittelbar vor seinem Abgang) ein volles Kilogramm an Kör - pergewichtzu genommen. Die Behaupttmg, er habe während der zweiuwrratigen Strafhaft fünf Pfund (2V» Zlilogramm) abgenommen, ist mithin nicht richtig. Besonders ist endlich hervor zuheben,

Die Gräkin.

Roman vvn G. 28. Appleton. kRachdruck verboten.) Fortsetzung 43.

Neunzehntes Kapitel.

Ein einziger nebenbei bemerkt, verachtungs­voller Blick genügte mir, um ein vollständiges Bild von dem Manne zu bck>mmen, der, tote mir wenigstens schäm, bei meinem Anblick leicht zu- sammenzuckte. Im Vergleich zu mir tan es ern Zwerg, «in krüpPechaftrS Geschöpf, mtt «rnem Lahl- tobt, einem glattrasierten, farblosen Gesicht, dün­nen Lippen und ausdruckslosen Augen von nicht näher bestimmbarer Färbung, die etwas Faljetes, .Heimtückisches und Verschmitztes an sich bitten. Em Mensch, bei niemals offen kämpfen würde, der aber eben aus beetem Grunde nicht zu veracht«, sondern eher zu fürchten war. Im ersten Augen­blick war ich von einem weiteren Umstand über­zeugt: Tas war nicht der Mann, bei am Pcmriser Sgu-are 19 so kühn verlangt hatte, die Gräfin zu

Er blieb, augenscheinlich überrascht, auf der SÄrrlle stehen und sagte:

Ich fürchte. Sie zu stören, Grästn. Ich »mißte nicht, daß Sie Besuch haben.

Ihr Benehmen war eisig, als sie erwiderte:

Ich weiß nicht, was mir die Ehre Ihres Bc- s«hes verschafft. Aber die Anwe entert dieies Herrn da möchte ich eher als einen glücSicheu Zu- sall au Fassen. Sie waren mit feinem Vater in Rvm bekannt. Er hieß Doktor Perigord!

Und sich an mtch. n endend, rügte ist hinzu: Wünschen Sie bmt Erbgrafen Frrngrpnn gestellt zu werden?

Das war fein gedreht. 3d) erwiderte ft*m. indem ich nach meinem Hut langte:

Nein, dan^. Ich habe sehr triftige Gründe, mich für die Ehre zu bedanLn, diesem Herrn oor- flötcHt zu werden. Daher guten Abend, Gräftn. Werde ich morgen van Ihnen hören?

P«V bei Gelegenheit dec recht ausführlichen BNuche, Die ihm bn Direktor in der Zelle adstotrete. nlK blotz niemals eine. Beschwerde wegen der Bet- rojttgung oorvrachte, sondern auf dre Frage des Direktors, ob er, dem von zu Hause Pakete mit Gebensmttrein nicht zugingen, mit der Änstaltskost ausbomme geradezu bt: 'Jüitroort gab, daß er mit der Verpflegung zufrieden sei.

Der Reichspräsident zur Räumung lärm*

_ Ä stadts.

Tarmstadl, 22. Mai <WTB.)Der Reichs- prniident E b e r t richtete an den Staatspräsideitten Ulrich wlgendes Schreiben: Nachdem bi: Entente- kuppen t»s Gebiet des Volksstaates geräumt ha­ben, beeile ich mich. Ihnen, Herr Staatsprösideitt, und dem Miiidten Volke meine herzlichsten Glück­wünsche auszusprcchen Eine schwere Zeit liegt pud^^Wen. In würdiger Haltung hat der hessi­sche Bruderslamm die Bedrückungen der Gegner ertragen und allen Versuchungen, Erleichterungen tzu erkaufen, wider standen. Sie, verehrter Herr Staatspräsident, sind an der Spitze der Landes regierung in der Betätigung vaterländischer Treue dem Volke voran gegangen und haben inaimte't inib entschlossen Heber griffe abgewehrt. Ich weiß mich eins mit dem ganzen deutschen Volke, wenn ich den Hessen für ihre tapfere Haltung in diesen trüben Wochen herzlichen Dank sage. Möge auch diese Zeit dazu beitraget, das Volk mehr und rndhr zusam- menzuschtveitzen!

EincVecorbnungüberdasStaats- wappen : m Volks staate Hessen erläßt das Gesamtministerium. Danack) weiset die auf Bestellung von einzelnen Behörden bisher her- gestellten Dienstsiegel derartige Abweiclwngen von den im Regierungsblatt veröffentlichten Muster und auch untereinander auf, daß es notwendig erscheint, eine einheitliche Herstellung in die Wege zu letten. Ebenso ,ollen die für die Lttaatsgebäude ufw. erforderlichen Schilder mit dem neuen Staatswappen einheitlich hergestellt werden, so daß Einzelbestellungen zur Zeit nicht angebracht sind. Es folgt demnächst Anweisung.

Gießener Strafkammer.

Gießen, 21. Mai 1920.

Die Strafkammer verhandelte in zehn Fällen, von denen nur die mindergewöhnlichöi angeführt seien. Meist waren es die geroohnten schveren Dieb­stähle, die beit Tätern emp inbtiche Freiheitsstrafen ernt rügen; ein Junge, der sachlich überiührt war, wurde freigesprochen, da Zweifel bestanden, ob er bei Begehung der Tat die zur Erkenntnis bet Strafbarkeit erforberliche Einsicht gehabt hatte.

Ein aus bem Durchgangslager entlassener Kaufmann fälschte mit bemerkenswerter Ge­wandtheit einen mitGeeite, Ltn und Adjutmt" unterschriebenen Aufruf d s Durchgangslagers an bie Gießener Bürgerschaft, in bem um Spenoen für die G.'sangenen gebeten wurde, und ging (am* mein Er l-atte auch ganz guten Erfolg, wurde aber vorzeitig entdeckt und feftgenommen. Nach Fest­stellung seiner Personalien entia sen, fälschte er sofort einen zwetren Aufruf und begab sich wieder auf Sammlung, mit bem g eilten Ergebnis w e früher. Wegen zweier Urkandeiifäl,'cl>ungen und Betrugs erhielt er eine Gefängnisstvase von einem Jahr.

Zwei Schiffer aus Bingen hatten ihre Syrmat verlassen, waren beim Panzerzug in Früdberg angelangt und hatten sich unter falschen Namen tn i>'e Stammrolle antragen lassen. Mit großer Ge­wandtheit setzte ter jüngere auseinander, dies s.n nur geschehen, weil fte mit Franzoeti eine Sckzlä- gerci gehabt hätten und ihre Auslieferung zu be­furch! en gernefen sei: men könne sich gar nicht vorsiellen, nxldien Gefahren treue Deutsch: rnitnr den Frmi-os«! ausgesetzt seien. Tos Gericht lictz Milde walten und verurteilte sie wegen intel­lektueller Urkunbenfälschung zu je bra Monaten Ge'ängn s Ter jüngere, der außerdem aus einer Bürgrrmeiüevei einen Stempel mit­genommen hatte, erhielt zw:t Wochen mehr.

Ter wegen Diebstahls und Wilderns bereits bestrafte K. K. aus Gießen erhielt wegen Jagdvergehens, Unterschlagung und Tiebstcchs 1 Jahr 4 Monate Gesängnis. Sttuftnüderno wirkte sein tapferes Verhalten im Feld

Ein weg« Sittlich 7c itsverbrecheu an zwei Kindern angrflagter .Kaufmrnrn aus Butz­bach wurde trotz erheblichen Derdachcs fraget Po­dien, do die Angaben der vernrrhrbosten KEnoer nicht zweifelSfvei erschienen.

O ja, gewiß, rmnbcrte sie. übers ganze Ge­sicht lächelnd, und mit einem Häntetruck, der mir ein angenehmes Prickeln in ollen Nerven verur­sachte, fügte sie bäuu: Gute Nacht, Doktor, ich baute Ihnen, daß «r meinem Briefe persönlich Folge geleistet haben. Es war wirklich sehr nett von Ihnen

Ich verbeugte mich und verließ das Zimmer, indem ich den Erbgrafen nicht weiter beachtete, als wenn er nur ein unbedeutender ErnrichtungS- gegenfbanb gewesen wäre.

In meinem Innern jubelte cs: Jetzt hatte ich doch meinen Feind getroffen, der ein darber Wicht war und vor bem ich nur Verachtung empfinden tornric. Aber jeder aribetr Gedanke verstüchtigte ftch bald vor dem herrlichen Bewußtein, datz ich mir der Gräfin nmtmdjr aur ftrundschosUichem Fuß« stand. Es war keine Selbsttäuschung. Jedes Wort, jeder Mick, jtbc Handlung nm 5zr ver­riet ine Tatsache, daß es ihr ein Vergnügen nur, freundschaftliche Beziehungen mit mir zu unter­halten, und das war es, was mich mit so großer Freud« erfüllte.

Ihr Beweggrund, den Erbgrasien empfangen zu wollen, war nur ihr bekannt, aber zweifellos hatte R« scbr ttug dabei gebandelt Eine rasche Heber- legitng bdebrte mich, daß «s em kühner Schlag von ihrer Seite gewesen, der den Erbgraien schnelvn: und deutlicher als irgend sonst etwas davon über­zeugen formte, daß zwischen der Gräfin und mir ein Bündnis zum Zwecke der Durchkreuzung ferner Absichten bestand Was sein Beweggrund sein mochte, bei ter Gräfin norzusprechen, das nur eine ganz andere Sache, die mich nicht tm ge­ringsten m Erstaunen fettfe. Ich belustigte mich indes über die schlimme Viertel stunde, ine er jeten- falls bei ihr oerbringen würde. Auf jeden Fall war es gut, daß die Sachlage sich jetzt geklart hatte, denn ohne allen Zweifel würden die Er­eignisse jetzt rasch aufeinander tolgen.

Ter Schlichtungsttuöschuß der Provinz Lberßcffen.

Sitzung vom 19. Mai 19*20.

1. Xie Streit fach« irr Gietzener Bmrkni gelull­ten wegen Teuerungszulage fand burrh Verstän­digung ihre Erledigung

_ 2. In ter \!rrl,nangd<genbeit der Gietzencr Schneider rourte auf den (Vmciblrtm von 2 Mt. bzw. 2,10 Mk von Wieberaufwrbmc her Artest ein Zuschlag von 100 Prozent, anschlvtzerrd an den Beschluß vom 1*2. Mai l920, merftrnnt. Nack- träglid) Itibat sich bie Parteien dahin verständigt, dotz ein emhrillicher Wcrffnmden^ Lohn von 4Mk. ab 3. Mai 1920 vereinbart und die Arbeit am 20. Mai wieder ausgenommen worden ist.

3 Ten Holzhauern bet Gemeinde Wallenrvd wurden die dem HolzLruertarff vom 5. Tezember 1919 entsprechenden 'Lohns,ltzc zugcbilligt.

4. Verschiedene Arbeiter der Firma Scheid- bauer u. Gießing Akt.-Ges. in Eifa wurden wegen Wiederanstellung auf den ordemliehen Rechtsweg verwiesen.

5. Zwei von der Firma .^Industrie" in Eob- lenz enrlasi'ene Arbeiter von odiifc sind wieder einzustellen und wird der Stundenlvha mit Wir­kung vom 19. April 1920 für die im Quarzitstein- bruch in Ranzenborf beiajihigten Arbeiter auf 2ch0 Mk. festgesetzt.

6. Tai Arbeitern bei bem Weißdindermeister Siemsen in Lauterbach ist mit Wirkung vom 3. Mai 1920 ein Stunbenliohn von 3,60 Mk. zu bezahlen.

7. Nach Ansichl beo SchlichtungSauSschn > ies unterliegen folgende Betttete: Baug^-fchäfte Bücking, Heinrich und Jalbl; Knierim, Bal. und Phil. Rotlei, Tiefbauunternehmer Karl Görte und Mörle in Alsfeld, Stöppler, Rosenbaum und Metzendorf in Lauterbach, Tiefoauuntcrnehmer Ehristian und Georg Ruhl die Riedcsclsche Ziegelei in A n g e r s b a ch, Kvrl und Wilhelm Georg Metzendorf. H. Lachmann I. und Josef Schmidt in Schlitz, Baugcschäf. Sckimalz II. in lltzhaufcn, Maurermeister Heinrich Schmidt in Hatters-- hausen, Jakob Eiftrnder in Schwa rz und Zuftus Merle in Alsfeld dem L>hw> und Ar­beitstarif für das Baugewerbe vom 9. Sept. 1919 sowie der in Hannover getroffenen Bereurbariuig und ist hiernach von Den genannten Betrieben ab 6. April 1920 neben einem Stunbenlohn von 2,60 Mk. eine Teuerungszulage von 1 Mark zu zahlen.

der Vorlesungen Bewchriglen 2797 Herren inib 410 Damen. Es studieren 242 Heroen und 8 Damen Theologie, 585 Herren und 14 Damen Jura, 937, Herren und 86 Damen M«chizin und 1033 Herren und 302 Damen Philologie x)teu lnnzugckommen sind diesmal 950 Stubieraibc. Das hörige Som wersemester und das Zivisctememefter wies chic höterc Besucherzahl aus.

[ISRarburg, 20. Mai Hier soll nach Psing- stcn «ine stubcntiscbe Sveisca nstalt rr- richtet werden Das Pttilagfssen soll im Alwnn«-- ment 2.75 Mk., das Abendessen 2.50 Mk kosten.

Airche und Sdnik

mc.F r ankfur 1 a. M., 21. Mai. Der Kamps um die Elternbeiratswahlen an den höheren Sckrulen hat mit Macltt «iiigefeßl. An den meisten Schulen liegen zwei Lilien nur, eine ttrrist- Ivdyneutralc und eine so-ialnstisch-politisdrc Zwri Schulen haben es sogar zu einer kommunistischen Liste gehorcht.

. Auttst und Wiffenfcbaft»

nu. Frankfurt a. M., 21. Mai. Das Or­chester des Frankfurter Opernhauses bat an di« Direktion der neuen THeateraktiengesellschaft ein Ultimatum gestellt, bis zum SamStag mittag die im Januar scliriftlich gegebenen Verspremungen aut Gehaltserhöhung zu erfüllen. Im anderen Falle weigert sich das Orchester an den Pfingst­tagen zu spielen. Ter Streikbesckchiß wurde in geheimer Abstimmung einstimmig gefaßt.

Spi^l^lan der Frankfurter Theater.

Opernhaus. Mittwoch den 26. Mai:Der Freischütz ' Donnerstag. 27.:Die Gezeubnetcn", Fr> itaa. 28.:Der Rojenkavalier". Samstew, 29. l THe Rcgimentstochtcr". Sonntag, 30.: ,,«Pötter- dämmcrimg". Montag, 31.: ,/Der Bettelstudent". Dienstag, den 1. Juni:Ter Schatzaräver '. Mitt­woch, 2.:Figaros Hochzeit". Schauspiel­haus: Mittwoch, den 26. Mai:Eni Geschlecht". Donnerstag, 27.:König Nioolo". Freitag, 28. \ ,,9any?lot imb Sandcrein". Samstag. 29.:Dng- malion". Sonntag, 30.:Maß für Maß". Num- tag, 31.:Der lebende Leichnani". Dienstag, bat den 1. Juni:Gespensteril Mittwoch, 2.:Lanze­lot und Sanderein"; hierausDer zerbrochene Krua"

Wanderungen.

c. Büdingen, 21. Mai. Anläßlich der am 29. und 30. Mai lyer stattsiubeiitenH-iuptVersamm­lung des Vogelsberger Höhen-Clubs wird am Sonntag vormittag gleichzeitig ein V. H. C.-Iugendwanderiag unter dem Borfttze des Obmanns, Pros. Gg. Beiider-Frankfurt a M.. abgchalten. Es handelt sich um die Errichtung von Jugeiidheitergen, um bie Gründung hon Jugend- atteilui-geii in den Zweigverernen und um neue Ausgaben für die kommende Zeit.

e. Lauterbach, 21. Mai, Zur Instand­setzung ter Klubhäuser auf bem Hohe- rods tupf muri« von dem Ihc tgen Zweigverein der Betrag vvn 700 Mk. aufgebracht.

L)ochsch«lnnchrichten.

rm. Dar m stadt, 24. Mai. Rektor und Senat der Technischen Hochschule Darm stabt taten auf einfttmmiegn Antrag der Abteilung für Zn- oenieurwesen! dem Geh. £»frat Prof. Wilhelm Tietz in München in Würdigung seiner hervor­ragenden Verdienste um bic C-ntwickrlrnu, des Eisen bahn baues durch zahlreiche schriftstellerische Arbeiten und durch langjährig« etffolgveichc Lehr­tätigkeit an der Technischen Hochschule in Müuch-.-n die Würde eines Doktor-Ingenieurs ehrenk-albcr verliehen. Dem Dr. Irig. Heinr. Hcnckh in Tarmstridt nnirbe bie venia Icoenbi für Statik der Bauwnstrukiivnen und Technik für Bauingenieure an der Technischen Hochschule in Darmstadt erteilt. Der diplomierte Elektroingenieur Guüw H ae- f e l y aus Mümliswil hat sich am 20. ds Mts. an der Technischen Hochschule zu Torrn stobt der mündlichen Toktor-Jngenicur-Prüfung im elektro technischen Fache unterzogen unb dieselbe mit Aus­zeichnung bestanden.

0 Marburg, 20. Mai. Mit dem heutigivi Tage haben bie Immatrikulationen zum <Sommers«mcfttT an der hiesigen Universität ihr Ende erreicht. Die Zahl der Studierenden bewegt sich in demselben Verhältnis tote im letzten Winter­semester. Insgesamt sind es ohne di« zmn Hören

Eingesandt.

(Für Form und Jnl>alt aller unter dieser Rubrik stehenden Arttkel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)

Auf das Eingrsandt vom 19. dS. möchte ich temerfcii, daß mir das anss*zogenc Pfarrhaus unb seine Bewohnec wohl tekamtt sind, unb ich fühle mich batet gedrungen, die Sache richiia zu stellen. Voraussetzen mutz ich, daß das betr. Haus ent ausgesprochenes Einfamilienhaus ist, sämtliche Räume, auch Keller unb Speicher, welch beiden letzteren dem Herrn Einsender zur Mitbenutzung zur Verfügung stehen, sind nur über den Vorplatz des unteren Stockwerks zu erreichen. Auf den Vorplätzen sind Schränke und Kommoden des §xrrn Pfarrers untergdnadjt: alles ist unoer- scAvssen bis auf den Raum, in bem sich bie Akten­schränke unb Kirchengkrate tefinben. ES zeigt hoch große Zuvorkommeuteit unb Vertrauen von feiten der Psarrfamilie. wenn sie einen wildfremd« Mann mit feiner Frau unter solchen Berhältniss« bei sich aufnimmt. Einen Hausschlüssel besitzt brr tetr. Herr auch und kann so zu jeder Tag- unb Nachtzeit das Haus ungehindert betreten. Das Haus selbst steht im Garten, als Hof kann nur em wegebreites Stück an der Rückseite des Hauses genannt werden: dort tefrnbet sich des PsarrerS Holz, der Aschenhausen und du Zufahrt »um Kohlenkeller. Die zwei Räume, die derFlücht' ling" jetzt bewohnt, sind keine Dachstuben, denn fiter ihnen befindet sich noch ein Speicher. Auch fmb sie recht geräumig, eines davon ivar seither Fremdenzimmer, das jetzt in das Mädchenzimmer verlegt wurde. Es ist ich weiß es zufällig 3 zu 4 Meter groß Daß in einem Pfarrhaus von Amtswegen öfter Personen zum Uete«nachten eint reffen und em Fremdenzimmer nötig ist, scheint über das Verständnis des Herrn zu gehen. Auf des Pfarrers Schuldkonto kann er es doch nicht fchrri- ten, daß ferne Dtöbel im Pfarrhaus nicht alle Unterkommen konnten. Er fdxemt aber der Meinung mi sein, daß der Pfarrer für seine eigenen Mechel sich einen Raum im Dorse mieten muß, um Platz für diejenigen des Herrn Einsenders zv schaff«. Justitia.

Mtt der ersten Post am folgenden Morgen er­hielt ich einen Brief von ter Gräfin. Er lautete tolgendermaßen:

Lieber Doktor!

Eben ist der Erbgras toeggegangm. llmere Unterteilrung verlief, tote Sie sich denken kön­nen, sehr hitzig, und ich bin jetzt noch etwas verwirrt bttixm. Ter offen kundige Beweggrund seines Besuches war, mich wenn möglich zu ver­anlassen, 10000 Pftmd in irgend eine große Unternehmivig zu stecken, die er gegentoärtig voichat, und wovon er sich unb mir große Ange verspricht.

Ich drückte in keineswegs ermunternden Worten mein Erstaunen über feine Keckheit aus, zu mir zu Vommen, um (5db zu erlangen: ein Dort gab das andere, imb, ohne Sie oixt mich zu verraten, rückte ich ihm gerrdenwegs wegen seiner grausamen unb feigen Behandlung der alten Gräfin auf den Leib.

Aber zu meinem Erstaunen schienen ihn mein« Worte in Verwunderung zu fetzen. Er besckwor hock unb heilig. Seine Ahnung vvu ihrem gcgenwärtt'gen AustmtteUtSorie haben. Er hatte sricher wohl gedacht, daß fte gewisse Wertpapiere, bec eigentlich zur gräflichen Ber- mögensinasie gehörten, auf bie Sette geschafft texte, unb nach dem Tod Enriros ftUte er sich völlig berechnql, als Haupt der Famikte einen getoif'cn Druck zu dem Zwecke <mf fte auszuüben, um die Papiere wieder m den Besitz der Funil« zurückzubringen. Eine Zeitlang hatte fte tbn auch an der Naic herumgefÄrt, tote er fetz: glaubte, aus btoyr Teufelei, denn eine genaue Aui- natene des sriunilumtesitzes ergab, daß es ganz unmöglich getoefen, daß ie trgatb etwas Wert­volles sich angeeignet habe. Daher ließ er bk Sache fallen. Er ritt le bereils, einen falschen Alarm zuliebe, zuviel Zeit an einen Narreng ing verschwendet. All das fei er bereit, aus seinen Eid zu nehmen.

lleberdtes sagte er. er « eben erst in Lrm-

bem eingetroffen, um mich zu sehen, und das an8 einen doppelter! Owrmde. Ersteis wolle er nur zu einer guten Anlage meines Geldes verhelfen, und zweitens Frieden mit mir schließen. ES stier höchst beteruerliche MitzverstLndnisse zwi- scher uns vorgesolstn uw. Er war icte ge­fällig, sthr demütig, aber ich ging nrchl ans den Stober.

Was Sie anlangt, so betamtc er, er ftkhl« sich durch Ihr Benechmen verletzt und schmerz­lich berührt, da dieaffaire d'honneur Umsehen Ihrem Vater imb ihm, die er stets bedauert hate, ihm aufgenötigt worden fei. Ohne genügend« Ursache verriet er, daß Ihr Vater chn miß- terndelt und persönlich beleibtgr hab«, in etner derart unhrihthger Weist, daß es feinem \9bd- mann möglich gewesen wüve, die Sach« aus ftch beraten zu lassen. Das Ergebnis davon war ein Duell.

Was hallen Si« nmt baoon? Hat er mich angelogen oder nicht? Ist er wirklich der Feind, ober steckt irgend ein geheimnisvoller Fernand dahinter, der den Erbgrafen aussticht imb bie Gräfin in seinem eigenen Interesse ausbeuttt?

Die Geschichte wird immer mteresstmter Ich finde sie, offen gestanden, ein wenig aujregenb. Die Gräfin muß ans alle Fälle gefierten rorrten; erinnern Sie sich daran, daß ich mtt Leib imb Seele dabei bin, Ihre Partnerin trqufdgen, und daher bart ich Ihnen auch ohne Sic zu verletzen meine Börst zur Verfügung stellen.

Ich bin gespannt mit bte weitere Ent- Wickelung.

Mit herzlichem Gruß

Ihre Maria bi Fvangiponi.

Ich las ben Brief immer wieder von neuem durch. ToS Benehmen meines Vaters nötigte mit bie größte Achtung ab. Ich konnte ihn mir sehr Wohl varstellen, wie er dem Knirps eine Tracht Prügel erteilte, unb mußte lächeln, als ich mir die köstüchc Szare vorftellte. (Fvrietzung folgt.)