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m. 225 Zweites Blatt(vietzener Anzeiger (Genera,-Anzeiger für Gberhesien)Freitag, 24. Septemder 1920

Hönisch und Löwenstein.

Äa. Tie radikalen Parteien, bi? nach ber Revolution die Matt/, an sich rissen, wollen unser ganzes Schulw.sm von Grund aut umgefeilten. Ter preußisch? Minister für Volksbildung, Herr Konrad Harnisch, hat bereits mehrere Versuche angestellt und jedesmal Schiffbruch erlitten. So wollte er die ehemalige Hauptkadettenan statt zu einem modernen Institut umgestalten und ver­fiel bei der Wahl des neuen Leiters auf einen Oberlehrer an der Töchterschule in Tempelhof, Herrn Tr. Karsen. Tas freie System, mit dem Herr Karsen seine Schuler beglückte, hat sich ledoch nicht bewährt Taufend Schüler ohne strenge Zucht zulammenzuhatten, ist doch unmög'ich, und io kam es, daß Karsen sich in kurzer Zeit aus freien Stücken veranlaßt sah, sein Amt nieder- nitegrn. Herr Harnisch, der seinen Irrtum nicht öffentlich bekannt werden lassen wollte, berief Karsen in sein Ministerium als Hilfsarbeiter Tort mag er in einem stillen Kämmerlein er- peri men tieren: nur wollen wir hoffen, daß seine Erp-riment«- nicht wieder an einer Schule aus probiert werdm, im Interesse der Schüler und im , nteresse des An'ehens des Herrn Haenisch selbst

Auch die neu'' Gemeinde Groß-Berlin will - ihrer sozialistischen Allwissenheit dazu über- 'en, das Schulwesen aufs neue und gründe l?g-nd zu rer ändern. Ti? Wahl zum neuen Stadt­schulrat fiel auf Tr Kurt Kerlöw-Löw-mstein. Ob° wohl alle bürgerlich"« Parteien in der Ablehnung dieses Schulmannes einig sind, der ferne Eignung bisher nur dadurch er­liefen bat, daß er ein paar Broschüren über Sch flweten h rausgab und an einigen Privat- schulen unterricht te. ist der Machtwille der Sozial­demokraten imb Unabhängigen so stark, daß sie Löwenstein dn: Groß-Berliner Gemeinde als Ober* schulrat auhmingen wollen. 2>r Kampf um Lömmstei-n ist ab?r ttirb* nur ein Kampf um seine Person, sondern vor allem ein Kampf um Prin­zipien.

Zwei Problem" stehen zur Disku'sion. Auf dem Umw^g übt die Sstbstverwattmtg toifl man die Vorschriften d'r R -ichSverfas'ung über den Religionsunterricht in der Schule un­wirksam machen. Mit dem 8~ntnt«i, das in solchm Bestimm>mgen ein° unerhö te V'rgewatti- gung aller christlichen Krise des deutschen Volkes l'Hjt. kämpfen die evange'isch'"i G^anbensAemein- schaften und die jüdischm Gläubigen Wammen gegen bir? Forderungen der Radikalen Di^ Ehriste'i betonen, daß s vornehmlich ihre Religion ge­wesen ist, w?lch" Sitte und Zucht im Volke sörde-te, und daß es nichts gibt, bas wir als Ausgleich an jh- - St Ne feten können. Rach einer R d", die Löw'nstein in Neukölln gehalten hat, müllen die christlichm Kreise um so schärfer an ihrer Forderung s -schalten. als er versuchte, den Nachw-is zu iübrm, daß das Sittenn^eh Lch'rhautst übcrf'ürfia fei. Das Verbot des Dieb- stab's müsse w'r chwind'n, solange es Kapitalisfen aäde. und Diebstahl ans Not fm sogar sittliche Pflicht. Selbst für ein- kommunistische Regierung, in der das Privatng'ntum abgeschafft und rn den Besin des Staates Überlegungen ist, sind solche Anscha uungen unmöglich. Dm? Staat würde gewiß energisch darauf drücken, daß der einzelne sich nicht an einem dm? Allgemeinheit gehörenden > Staatseigentum vergreife.

Löwenstein erstrebt darüber hinaus eine völlige Schulreform Man wird ihm zustimmen müssen, wenn er in einer feiner Broschüren einmal gefugt bat:Das verarmte Deutschland nach dem Welt­krieg wird immer mehr einsehen müs'en, daß fein einziger R ichtum gut ausgebildete Arbeitskräfte sind." Diese Arbeitskräfte bildet man aber nicht dadurch aus, daß man ein derartig verzweigtes System einführt, wie Löwenstein es will. Wenn man den Gedankengängen dieses Schulmannes nachgeht, kommt man zu dem ScAuß, daß es bann bei ihm ebensoviel Lehrer geben müßte wie Schüler Löwenstein ist der Meinung, das Kind müsse möglichst frühzeitig aus dem Eltern- Haufe genommen werden, um seine Bildung in Kindergärten, Grundschulen, Oberschulen, Berufs­schulen und Hochschulen zu erhalten Unter miß brauch! icher Berufung auf Pestalozzis Wort:Ich will die Erziehung des Volkes in die Hände der Mütter legen" empfiehlt er, daß proletarisch? Mütter als Hortnerinnen und Erzieherinnen be­ruflich tätig fein sollen. Wi? wenig er in das innere Wesen der Pädagogik etngebrintgen ist, zeigt die Auffassung, daß er Abfragen und Zensieren abschaffen will, desgleichen Inspektionen, anderen Stelle sollen Vertrmimsversvnen der Gemeinschaft treten. So empfehlenswert ein Hand-in-Hand- Arbeiten von Schuld und Haus ist, so verkehrt wäre es, Laim einen übergeoebneten Einfluß auf das Lehrerkollegium einzuräumen.

Löwenstein ist der Meinung, daß Hand- und Kopfarbeit gleich zu bewerten sei. Er vergißt wohl dabei, daß unsere Hanoarbeiter heule noch als Wilde im Urwald hausen würden, wenn nicht die Intelligenz in steter fortschreitender Arbeit bie Lebensbeblngungen bis zu unterem heutigen Kul- tirrftoat gehoben hätte. Aus feinen Gedan seng än gen heraus will Löwenstein das ganze bisherige Er­ziehungswerk unwerten. Er will unfähige Mittel­schüler entlassen und sie in andere Berufe ver­weisen und nur den Tüchtigsten den Weiteraufstieg in höhere Klasscn^erlauben. Er vergißt aber ganz, daß es manchen Schüler gegeben bat, der sich nur mit Mühe durchs Gymnasium Quälte, bann aber als Mann dennoch eure überragende geistige Be­deutung zeigte, die er allerdings nicht hätte be­tätigen können, wenn ihm nicht das Grundwissen der höhereii Schule auf den Lebensweg mitgegeben worben wäre.

B e rl in, 23 Sept «WTB.) In einer aus-er- ordentlichen Sitzung der neuen Berliner S:adl- cecorhnetetroerfammtung erhell bei der Abstim­mung über den Poften des Oberschulrats von Berlm Tr Löwenstein 107 S immen, Sa t stt-iilral Reimann 81, Köster-Hamburg l Stimme Außerdem wurden sechs weiße Ze iel nbgege en. Somit ist Dr. Löwenstein zum Obenchulutt Ber­lins gewählt.

86. Versammlung deutscher Natursorscher uid Aerzte.

(19.25. September 1920 in Bad-Nauheim.) III.

z£ Bad-Nauheim, 22. Sept.

Im Konzerthause fand am Nachmittag eine gcmerittchait iche Sitzung der Abtei ung für Physiologie, Patho vgie, innere Medizin und KtnderhK.künde statt. Prozessor Dr. Stepp (Gießen) sprach über: Die Bedeutung der akze> so rischen Nährstoffe. Der fRebi er führte aus, daß zum Wach.tum und zur Aufrecht erhaltung des L?b.ms neben den Hauptnährslo.fln (Eiweiß, Jett, Kohl.Hydrate, Wasser und anorga­nisch: Salze) noch andere bisher unbekannte Be­standteile der Nahrung notw.mdig ,'eie.i. Auf. das Fehlen dieser fo genannten ak e so rischen Nährstoffe sei eßne ganze Reife von Ä'ranLjeiten zurück;u- fübien, die Jnsufiicirnzkranihttten, zu denen Beri­beri, der Skorbut, die Möller-Barlow sch: Krank­heit der Kinder (kindlicher 2horb.it', die Pellagra und verschiede!-e Säuglings krankhstlm, wie der sogen. Milchiährschaden, bi Hornl-a tterk ankung unb sehr wahrscheinlich auch di Rach.tis. Es gibt wasser.östich: und fethöHiebe ak .e sorisch.' Nährstoffe. Zu den ersteren gehören das Ant.- neuritrn unb Antiskorbutin. Den fttt.öZlichen Stoffen, zu den-m bas Lipoiden Kühlt. kommt offen­bar eine b.sondere Bedeutung für Wachstum und Erneuern, der Knoch.msuostanz zu, vor al em für Aufnahme des Kalkes in bie Gewebe. Aus das Fehlen g wisser Lipoide m der Nahrung ist auch die Ursach schwerer Augenerkrankungen zurückzu-- fühven. Die akzessorischen Nährstoffe - kommen in der Natur rocitocrbreitet vor. Antineuritin finbet sich besonders in den pflanzlichen Samen intb den Eiern der Biene, da es in den Getreidesamen vor allem in den nach außen zu gelegenen Teilen auf­gestapelt ist, geht es leicht beim Schälen der Getreidekörner verloren, so daß fernes Weizenmehl z. B. fast frei von Antineuritin und daher als alleinrige Nahrung insuffizient ist. Tas Antiskor­butin ist vor allem in den frischen Vegeta bitten Kohl, Rüben, Salat, Wasserkresse usw.), in gewissen Fruchten (Zitronen, Apfelsinen, To­maten) und in geringer Menge auch in frischem Fleisch enthalten. Der lipoide Stoff findet sich hauptsächlich in tierischen Fetten, weniger in pflanzlichen Fetten und Deien. In grünen Blatt­gemüsen ist er auch zu finden, lieber die chemische Natur der akzessorischen Nährstoffe ist wenig be­kannt. Die Bedeutung der akzessorischen Nähr­stoffe muß auch im Hinblick auf die gegenwärtige Ernährungslage unseres Volkes gewürdigt wer­den. Der Mangel an tierischen Fetten ist besonders für unsere Heranwachsende Jugend verhängnisvoll. muß daher versucht werden, die Bersorgung der Wnder mit tierischen Fetten zu gestalten.

Als zweiter Redner referierte Prof. Dr. Prhm (Bonn) vom Standpunkte des pathologi­schen Anatoms über die Oedem kran khei t. Diese zuerst so rätselhafte Kvcmcheft ist benannt nach ihrem ausfälligsten Symtom, dem Oedem, d. h. wassersüchtigen Anschwellungen des Kör­pers. Sie hat während des Krieges viele Opfer gefordert; ihr epidemieartiges Auftreten lieft zuerst an eine neue Form gewisser Jnfektions-

franfbeiten denken. Sie ist aber nichts anderes als bie Folge schwerer Unterernährung, eine rechte Hunger- und Blockadekrankhett (Hunger- ober Kriegsoedern.

lieber die heute schon zahlreich stattgefundenen Einzels.tzunaen wissenschaftlicher Fachgruppen wer­den nm? .zusammenhäng.nb berichten. Wir greisen nur aus der Abteilung Chirurgie ichon heute ein Referat h.raus, das einen der aktuellsten und viclbesproch.msten Gegenstand der Medizin behan­delt, die Steinachsche Berjüngungs- theorie. Referent war Prof. Lichtcnstern (Wien, der als erster die Steinachschen Tierver- suche aus den Mensttntn übertragen hat. Er bat bei Soldaten, die durch Verwundmtg kastriert waren, die Folgen beseitigt, ütdem er ihnen ge­sunde Keimdrüsen eing.'pflanzt hat Am günstigsten sind die Wirkungen, w.nn das Ueberpflanzungs- material nahen Blutsv.'rwandten entnommen wirb. Tie Steinachsch- Verjüngungsoperation hat es bisher 26mal ausgeiührt, mit m ist günstigem Erwlg bei Greis m oder vorzeitig Oka ter len, ohne nx?ibntlidrn Erfolg bei jüngeren Leuten, deren Männlichkeit von Geburt aus minder entwickelt war.

Eine Reihe von Chirurgen nahmen hierzu das Wort. Tie Operation selbst ist aus anbereit Grün­den schon in früherer Ieit in Hunderten von Fällen ausgeführt rcorben, zum Teil ist nachher Geistes­kran kheit eingetreten. Häufler noch ist das Wesentlittie Der Opera von eine Lebenserstt-ernung der überaus häufig ansg.-'ül.rten £<e anHuahme dec stark tKTcr.ijc.tc'i Vori.eherdrüs« bei alten Män- PaiTcr (Leipzig mt> Kümmel (Hamburg' b richteten über ihre za l^itticn Erfahrungen nach solchm Operationen, die in der Tal ost eine größere allgemeine Frischte im Gewlge hatten. Es ist mög­lich, daß bi je im Stei ta ds^hen Sinne zu deuten ist. Näher lag aber die V.'nnutu ig, da» sie b> di.igt nxir durch das B rschvi dm sahrelanger, vi l 1 ästiger, überaus quälen tr Besttüv r.en. Tic Redner betonten auch den großm U itersttsted des Alters der Ber'utt>s ieae und des IlLensttzen. Ter Mensch wir) nur selten a.s Ga.z's alt, meistens alt rl zunächst infolge von K.a if>h?i. eines semer Organe, so daß bei der Frage einer Operatim sarg- iätti g prust werden muß, welcher Grund des ! Alt rns vor iegt. Äschha t (Freibu g betonte m t 1 Niachoruck, das; bie K.nmörüse, deren Aussrischunig Sst-i.iach bei l»er Operation bezweckt, bisher nur als vorhanden angenommen wird, gese.>en aber hat sie noch niemand.

Steinach selbst weilt nicht hier in Bad- 92aubim, wohl aber Einstein, dessen Re'.a- tivilätstl-eorie morgen G ge.istand der D batte tit.

In der mathematischen Abteilung wurde u. a. heute von Pros Riebesell (Hamburg) Die neuen Reichssteuertarife" vom mathemattschm Sla. Rmnfte aus behandelt. Der Red..er führte aus: Wiedcr'livlt ist ron feiten einiger* Mathematiker darauf hl,14«vielen word.m, daß' bei 'der Äusstelluiig von S-euertarisen der Mall^ma- titer gehört iverden nrüst. Leidar ist auch bei der Austs.eüb'.cng der neuen Reichsstauertarife auf diese Ford.rung keine Rücksicht gmommen. Es sino baher dort zahlreiche Feh er begangen, die gvo-e V.rstöße gegen die exalte mathematische Tarii- tb»rie bedeuten Ter Bartragende erläuterte die Fehler der Gesetze na ment ich an dem Gesetz über eine außerordentttche Kriegsabgabe für das Rech­nungsjahr 1919 und an d m Reichsemkommen- steuergesetz. Wenn dec Matl)ematiker auch leoig- lich die forma.e Seite der Tarife begutachten krnn die Grundsätze für die Progression, das Mini­mum und das Maximum muß der Frnanzmann be­stimmen, so hat diese formale Seite doch xtne große Bedeutung, insofern als sie für einen ge­rechten Tarir innerhalb der gesteckten Grenzen zu sorgen hat, und diese Bedeutung wird umfo größer, als heutzutage die Steuern für das»en des ein» seinen eine viel gröftweWichtigkeit haben als früher. Es wurd? gezeigt, daß sich im Anschluß an Die Bernoullisch« Werttheorie unb mit den von den Finanzteamikern gegebenen Taten Formeln auf­stellen lassen, die beispielsweise für jebee; Em- Eommcn die zugehörige Steuer liefern. Daher wer­den Sprünge und Unaercdftigteiten vermieden, bie Progression entwickelt sich streng nach den gegebenen Boraussetzungen. Zum Schluß "wurde dre For­derung ahfgeftellt, daß bei zukünftigen Steuer­gesetzen die Mathematiker gehört werden müssen und daß die bereits erlassenen Gesetze, namentlich das Einkommensteuergesetz, hinsittstttch der Tanf« einer Revision unterzogen werden.

AuS dem Amtsverkündigunflsblatt.

** Tas Amtsverkündrgungsblatt Nr. 137 vom 23. September enthält: Frühdrusch- prämien. Wiesenrundgänge. Ablieferung von Pferden an den Feindbund. Viehseuchen.

Tienstnachrichten CMunben, verloren. Feld- bereungung Räderte-Haus en.

Frubdruschprämien. Vom 14. co tember 1920 Mir Genehmigung ktes RiichömMi­sters für Ernährung und Landwirtt'chaft hvird hier­durch aur Grund das § 1 WM. 2 her ReittiSoenord- nung über Früddrusch vom 30. Juni 1920 (Reichs- Gesetzblatt S. 1353^ bestimmt: Tie in § 1 bet Verordnung über Früddrusch vom 30. Juni 1920 festgesetzten Fristen für Liefetungszusttiage wer­den bis zum 28. August 1920 bzw. 13. Oktober 1920 verlängert.

Ablieferung von Pferden an den F e 1 n d b u n d. Tie im Laufe des Frühjahres jum Zweck der Ablieferung an Frankreich und Belgren auf genommenen Pferde, auch die Reservepferve, werden freigegeben, soweit sie nicht zur Ablieferung gelangt sind.

Nlaul - und Klauenseuche. Tie Müul- und Miauenfeudie ist amtlich feftgcftrflt: 1. nt Reiskircken. Es wird gebildet: a) ein Sperr­bezirk, bestehend aus der Gemarkung Reiskirchen, b) das Beobachtungsgebiet wird nilst geändert; 2. m Treis a. d. Lda. Es wird geblldet: al ein Sperrbezirk, besteheird aus der Gemarkung Treis a. d. Lda, b) das BwbattstungAgebiet besteht .rü­den Gemarkungen Mainzlar, Txnibringen und den Gemarkungen Al.ertsl:ausen, Climbach, Londarf, Mendort a. d. Lda., die bereits Sperrbezirk bzw. Becbochtungsyebiei sind; 3. in Lang-GönS. Es wird gebildet: a) ein Sperrbezirk, bestehend aus der Gemarkung Lang-^aS, b) das Beob- achtungsg^'biet bleibt unverändert: 4. in Stern­bach. Es wird g;bilbet: a) ein Sperrbezirk, be­stehend aus der GemarlUng Steinbach, b) das Be- obattckungsg biet Reick uuveränlvtt. In Da u- brigen, Mainzlar und Staufenberg i|t die Maul- und K.auenseuche amtlich festgeitellt worden. Es nnrD gebildet ein Sprrrbezrrk, be­stehend aus den Gemarkungen TaubiLigen, Mrinz- lar und Staufenberg. Tie Beobachtungsgebiete bleiben unverändert.

In Leihgestern ist die Seuche erloschen. Tie Gemarlüng Lci'^gestern w rd ans dem Stx rr- g'btet ansgeschiele > und dem Beoba.ck.lngsgelß.tt für das Sperrgebiet Lang-Göns, K1ein-Linc«i ein- g gliedert. In Muschenheim ist btc Seuche erloschen. Tie Gema fu ig Mus enh im wird aus dem -Sperrgebiet auSgeschieoen unb dem Bevbach- tungsg biet ei gegl.ed rt.

Unter der 3d>afl)erut au Inheiden ist Schaf­räude festgestellt worden, zie er,ar. erlichen Sperr­maßnahmen sind angeordnel worden. In d r Gemeinde Ehringshausen mit Obern­dorf (Kreis Msseld) ist der Ausbimch der Maul- und Klauenseuttx amt.ich festgestellt worden. Tie Gomeiirde Ehrrngsl.ausen mit Olerndo f *h>urt>e znm Sp rrgebiet und die Gemeinde Rülfenrod zum Beobachtungsgell.ict erklärt In der Ge­meinde Altenburg Kreis A s leid) ist der Aus­bruch der Maul- und ft'.äueufcudte amt ich ^st- geftd.t worden. Tie Gemeinde Mienburg wird zum Sp rrgeviet erflätt. In Drei Hausen (Kreis Marburg) ist die Ntaul- unb Klauenseuche ausgebvochen. Unter der Stt«sherde der Ge­meinde Holzhausen foroie unter de" Rind­vieh beständen der Gemeinde Edingen .ndLeun (Kreis Wetzlar) ist die Mau.- und Klauenseuche amtlich ststgeslellr worden. Dte Schutzmaßrrseln sind an geordnet.

Ticnstnachrichten des Kreisomtes. Heinr. Bauer aus Winnerod wurde als Feld­schütze für die Gemarkung Hosgut Wvrnevad eidlich verpflichtet.

Gefunden und verloren. In der Zeit vom 1. bis 15. Sept, wurden in Gießen ge­funden: 1 Anhänger mit gelber Quaste Don einer Uhrkette, 1 Nictelbrille, 1 stt>warzer Schtaer, 1 Paar alte Stoffhandschuhe, 1 Rufeukranz, ein blauer Gürtel von einem Kinderlleidchen, 1 grü­ner Gummiball, 1 Mäppchen mit Federhalter und Bleifeder und verschiedene Gechsttieine: ver­loren: 1 goldenes Kettenarmband, 1 Perten- banbfcutel mit 100 Mk., 1 goldenes Armband, 1 "braune Geldtasche mit 1600 Mt. Inhalt, z»vei ein reine Fünfzigmarkscheine, 1 Geldtäschchen mir 154 Mk. Inhalt, 1 Fieberthermometer, 1 schwarzes Mäppchen mit etwa 30 Mk. Inhalt und em goldenes Kettenarmband.

Turnen, Spiel und Sport.

* Nordeck, 23. Sept. Bei dem diesjährigen A b t u r n e n spielte die erste Mannschaft des Turn­vereins Treis a. d. Lumda mit der ersten Mann­schaft des Turnvereins Nordeck und fiegte durch besseres techmsches Spiel 33 $u 19. Um sich zu re­vanchieren lud der Turnverem Treis Nordeck ein, zwei Riegen zu stellen. Bei prachwollem Wetter marschierte der Turnverein Nordeck mit seinem Trommler- unb Pfeiferkorps nach Treis. Treis II wurde von Nordeck II 23 $u 27 geschlagen, während

Blinder Hatz.

Roman von Alfred ©affen.

(Nachdruck verboten.) Fortsetzung 38.

Heiser nei Walter Hüttich:Änne Zett ver­lieren! Wir müssen draußen in der Umgebung des Hwses suchen und dann weiter, weiter bis wir sie gefunden haben! Herr Inspektor, ich bitte Sie, rufen Sie die Knechte und die Mägde zu­sammen, sägen Sie ihnen, um was es sich hanktelt, schicken Sie all unb leben aus, nach alten Rich­tungen vorwärts, vorwärts! Warum stehen wir berat noch hier?! Fort, fort!"

Und er stürzte als erster aus dem Haus. Er vermied es, im Vvrübereiten den Lehrer und seine Schwester anzusehen, als fürchte er sich davor, im Ausdruck ihrer Gesichter die schrecllichc Mbmmg bestätigt zu finden, die ihm das Herz zusamnten- kvampste.

Draußen auf der Straße stand er eilten Augen­blick All. Wohin?! Er preßte feine Stern tau­schen beiden Händen in auffteigenber itersuoerr- Inng. Gott im Himmel, wollte ihm fein Gebaute kommen, der auf die Spur desstn führte, nus die arme Blinde beabsichtigte?

Aus einmal glaubte er Car in ihrem In­nern zu lesen.

Sie hatte sich ihren Haß nur scheinbar entwin­den lassen, well sie davor $urü(fgebebt, die Berant- Uvrttmg für den Tod des jungen, blühenden Neffen tragen! Sie war einer Gewalt gewichen, die uärter war als sie, allein, in ihrer Gesinnung batte sie sich Triefet brechen lauen. Und um nicht sthen yu müs,en, wie jene, die sie ihre Femoe

nannte, triumphierten, war sie erttschloffen, zu sterben!

Ja, ja!

Welcher Art konnte dann aber der Tod sein, an den sie gedacht, dem sie zustrebte?!

Und jäh packte es ihn, daß er's wußte. Tas Wasser! Sie hatte sich von Zuhause sortgeschlichm, um in den Fluten der Saale ihr dunkles Los zu vollenden!

In seiner Brust war fein Zweifel mehr, daß es so fei, nur fo!

Also hinab jur Saale!

Aber welche Richtung mochte die Unglückliche eingeschtagen haben?

Er, der jahrzehntelang ein kühler, unfehlbarer Rechner gewesen, suchte krampfhaft feine ganze mkhtern folgernde Urtellskvaft beroar. Durch ba5 Städtchen unb aut der Landstraße nach der Brücke hin war die Aermste wohl kaum gegangen. Sie mußte da allerlei Begegnungen fürchten, mußte erwarten, daß man verwundert hinter ihr Ersehen, ihr wahrscheinlich Tvachspüren wettx. Er burfte darum bestimmt annehmen, daß fte vomUten Schloß" aus einen unbelebten Scitcnpfad ins Freie gewählt habe, um ihr Ziel ungestört zu er­reichen.

Ach, er kannte einen solchen Pfad! Unmittel­bar hinter den Wirtschaftsgebäuden desalten Schlosses" zweigte er ab in die Shelen, bie sich hinunter bis zum Wöllnitzer Weg und darüber hinaus der Saale zu dehnten.

Tie Unselige war diesen Pfad wohl feit vielen, vielen Jahren nicht mehr gegangen. Aber in leb­hafter Erinnerung hatte sie ihn darum doch noch aus ihrer Jugendzeit.' Ta war sie ihn an seiner Seite gar oft genxmMt, und fte hatten damals beide gemeint, sie schritten entern großen, seltenen Glück entgegen--

Und nun! Zu ihrem TodechHad hatte btc Aermste heute den Weg viGleicht ausersehen!

XVI.

Walter Hüttich flog der wo hl bekannt en Rich­tung zu. Er begegnete auf dem Pfad einem Knecht, der gleichfalls nach dieser Seite die verschwunden? Herrin suchte.

Schulter an Schulter drangen fte schweigend vorwärts, waren mit den suchenden, schweitenden Augen immer weit voraus.

Nichts nichts!

Es kam ihnen auch niemand entgegen, den ne hätten befragen können leer, nne ausge- storben lag die Gegend unter dem blaßdvnklen Nachthimmel da.

Sie betraten den Wöllnitzer Weg da zuckte der Teutsckamerikaner empor unb krampfte feine Finger in den Arm des Knechtes.

Tort dort," keuchte er und deutete hinüber zu dem Ufergebüsch der Saale,ist ist das nicht eine menschliche Gestalt ?!"

Er hatte einen Augenblick wie gelähmt gestan­den. Nun stürmte er, ohne eine Antwort abzu­warten, über die SBiefc dahin, und mit jebem Schritt erkannte er baitticfrr: ja, ein Menfch, unten.ntlich vermummt, so daß er gespenstisch m die Höhe unb Breite zu wachsen feferen, nur dort beschäftigt, das Ufergebüsch zu teilen, um

Es durste nicht geftfeeben! Xh? durfte nicht zu spät kommen nein, nein! Der unbarmherzige Gott im Himmel würde ihn nicht zu spät kommen lassen!

Ta--er sah die riesenhaften Umrisse der

geheimnisvollen Erscheinung nickt mehr war es geschehen?! War es ?! Und er hatte wohl noch immer sechzig bis achtzrg Schritte, ehe er das Ufer erreichte!

Er wollte rufen, schreien in Not und Qual rau? ein heiseres Röcheln gab dir Brust her--

Jetzt war er an das Ufergebüsch herangekom- men er wühlte sich mit den zuckenden Armen hindurch, als er plötzlich über dichrverschranttes Würze (werk stolperte unb in bie Knie brach

Und wie er so lag, gewahrte er etwa zwanzig Schritte seitwärts von sich gon- deuLich bie Ge­stalt der Blinden sie schrankte unb taumelte das abschüssige Ufer hinunter, kvanuLhaft, wie gehetzt.

Sie mochte die nahenden Schritte gehört haben unb bot nun bie letzte Kraft ihres Lebens auf, um den Verfolgern zuvorzukommen unb mit dem Sprung ins Allbuntei ihr dunkles Leben zu enden schon hatte ihr Fuß den Spiegel des an dieser Stelle ungestüm quirlenden und rauschenden Wal­sers erreicht--

Da erscholl bie Stimme des Gestürzte, der feine Füße nicht rasch genug aus dem sie um­strickenden Wur-elwerk befreien Sonnte, um au>- jufbringen und die Unselige Mrückreißät zu kön­nen :Magdalene Ma^alene tu's nicht"

Bei den marterschütternben Tonen fuhr bas Gesicht der Winden herum, als könne sie mit den toten Augen den erblicken, bet ba eben ge­rufen

Ein ganz unbeschreiblicher Ausdruck zeigte sich für einen AugenIstick in den starren, weißen Zügen, ein Ausdruck, der troch einmal in einer wilden, fanatischen Anklage ^rsammenfaßte, was ihr das Leben so beispiellos zerbrochen dann eine weitaus holende Bewegung der hrhen Gestalt und den Wassern, die wie in BesitzcSfreude laut auf rauschten, war ihr Opfer geworden .

(Fortsetzung folgt.)