Donnerstag, 24. Juni 1920
KO. Jahrgang
Erstes Blatt
■
Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohne jede Derbindlichkeit, Preis für 1 mm höhe für Anzeigen v. 34mm Breite örtlich 35 Pf-, auswärts 45 Pf.; für Reklame- Anzeigen von 70 mm Breite 150 Pf Bei Platz- vorfchrift 20°/, Aufschlag. Hauptfchriftieiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz', für den übrigen Teil: Dr. Reinhold Zenz; für den Anzeigenteil: H. Beck, sämtlich in Gießen.
Nr. HO
Der Giehener Anzeiger erscheint täglich, außer Sonn- und Feiertags.
Bezugspreis:
Monatlich Mark 3.60, oierteljährlichMark 10 80 ■ einschließlich des Bestellgelds ; durch die Post vierteljährlich Mark 9.75 ausschließlich Bestellgeld. Fernsprech-Anschlüsse: für die Schriftleitung 112; Verlag,Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen.
Postscheckkonto:
Frankfurt a. M. U686
General-Anzeiger für Oberhefsen
Druck und Verlag: vrühl'sche Univ.-Vuch- und Ltelndruckerel R. Lange. Schristleitung, Seschastrftelle und Druckerei: Schulstrahe 1.
die militär
Mitentscheidungsrecht.
Die großen.Gruppen von Gewerbe, Industrie und Handel sind im großen und ganzen mit der Zusammensetzung zufrieden. Auch das Antragsrecht ist ausreichend, um ein gedeihliches Zusammenarbeiten möglich zu machen. Es sind alle Berufe und auch die Ver- braucherschaft und die Städte vertreten, uno es ist auch dafür gesorgt, daß die örtlichen Verschiedenheiten im wirtschaftlichen und gesell- schaftlicyen Leben von Nord und Süd, Ost uno West zur Geltung kommen können. Ern schwaches Gegengewicht gegen unfern allzu einseitigen demokratischen Zeitgeist bildet die Befugnis der Negierung, je zwölf Personen zu ernennen, die mit dem Wirtschaftsleben der einzelnen Landesteile besonders vertraut sind, oder nach freiem Ermessen solche Personen, die durch besondere Leistungen die Wirtschaft des deutschen Volkes in hervorragendem Maße gefördert haben. Die Hauptarbeit wird' wohl auch hier wie im Reichstag in den Ausschüssen zu leisten sein. Bis jetzt ist ein sozialpolitischer und ein wirtschaftspolitischer Ausschuß vor- gesehcn. ' m
Nach der eigenen Begründung der Regierung zur Reichsverfassung ist der Regierung ein ernster Vorwurf daraus zu machen, daß« sie die Errichtung des Reichswirtschafts- rats solange hinausgeschoben hat zu einer
Der Reichswirtfchastrrat und feine Aufgaben.
Die Errichtung eines Reichswirtschaftsrats ist durch Artikel 165 der Reichsverfassung vorgesehen. Dieser Artikel wurde zur Verwirklichung des Rätegedankens nachträglich in die Reichsverfassung eingefügt. Danach ist der Reichswirtschaftsrat so zu gestalten, daß alle wichtigen Berufsgruppen entsprechend ihrer wirtschaftlichen und sozialen Bedeutung darin vertreten sind. Sozialpolitische und wirtschaftliche Gesetzentwürfe von grundlegender Bedeutung sollen von der Reichsregierung vor ihrer Anbringung dem Reichswirtschaftsrat zur Begutachtung vorgr- legt werden. Der Reichswirtschaftsrat hat das Recht, selbst solche Gesetzentwürfe zu beantragen. Stimmt ihnen die Reichsregierung nicht zu, so hat sie trotzdem die Vorlage unter Darj-f legung ihres Standpunkts beim Reichstag chn^ zubringen. Der Reichswirtfchaftsrat kann die Vorlage durch eines seiner Mitglieder vor dem Reichstage vertreten lassen.
In der Begründung der Reichsverfassung mird auf die Gefahr hingewiesen, die dadurch entstehe, daß von einem politischen Parlament oft gerade diejenigen Fragen zurückgestellt und nicht beachtet werden, die die dringendsten seien. Die so entstehenden gefährlichen Spam-, nungen ließen sich dadurch am besten lösen, daß sich die gesellschaftlichen Kräfte unmittelbar in den Volksvertretungen zur Geltung bringen können.
An anderer Stelle der Begründung wird ausgeführt, die Gesetzgebung und die staatlichen Einrichtungen seien nicht schmiegsam genug, um sich allen Wandlungen der Wirtschaft anzupassen. Deshalb solle der Wirtschaft weitgehende Selbstverwaltung eingeräumt werden. Damit schalte sich der Staat nicht selber aus, sondern stelle nur, statt Vorschriften im einzelnen zu geben, soziale Rechte und Verfaß sungsformen zur Verfügung, in denen sich darm das Leben selbsttätig und unmittelbar
Die Konferenz in volllogne.
Boulogne, 23. Juni. (WTB.) Der Sonderberichterstatter der Agence Havas meldet nach Schluß der Verhandlungen der Konferenz: Das deutliche Ergebnis der Konferenz in Bouwgn- Ut die vollkommene Uebeveinstimmung der Alliierten in der Frage der Herabminderung des deutschen Heeres auf 100 000 Mann. Die Stärke der Polizeitruppm darf nicht über die im Friedensvrrtrag vorgesehene Anzahl hinausgehen. We-üglich des letzteren Punktes erhält Frankreich vollkommene Genugtuung.
Hchrenbcich verhci"delt weiter.
Berlin, 23. Juni. (WTB.) Tie Vertan d- lungen des Reichskanzlers über die Bildung des Kabine.ts nahm.n heut: ihren Fortgami, ohne daß irgendeine Stockung ein getreten ist. Es darf mit Sicherheit angenommen werden, daß in kürzester Zeitdas K a b i n e 11 zum mindesten in den entscheiden den Ministerien besetzt sein wird. Ueber die wesentlichen Fragen ist. zwisch n den an den Vorverhandlungen beteiligten Parteien Ueberemslim- mung erzielt, besonders auch insofern, als die bisherigen demokratischen und Zentrunlsmimstec in ihren Aemtern verbleib.n. Die Be.etzimg des A u s w ä r t i g e n A m t e s mit dem früheren Ministerialdirektor Dc. Simons sand allgemeine Zustimmung. Infolge dec endgültigen Absage des Geheimrats W ied fel d wird b reits mit einer anderen bedeut.nden Persönlichkeit des Wirtschaftslebens versande t. Der Abgeordnete B e d e c- 5) esse n hat aus per önlichen Gründen die Ueeere nähme des Amtes ablehnen müssen. Minister S t e g e r w a l d, der lür das Arbeitsmin'stc- rium in Frage kam, hat gewünscht, sein preußl'ches Portefeuille zu betkllen. Ter für daselbe Mmi- rium vorgeschl r en- Abg ordn t1 Becker-Arnsberg hat gleichalls aue> persönlicl>en Gründen gebeten, von ihm absehm zu wollen.
Berlin, 23. Juni. (Wold-) Laut Abendblätter herrscht in parlamentarischen Kreisen die Meinung vor, daß die ireiteren Verhandlungen Fe hrenbachs Erfolg haben werden und daß doch noch eine Regierung der bürgerlichen Mitte zustande kommt.
Berlin, 23. Juni. (Wolfs.) Wie der „Vor- wärts^ mitteilt, besck>loß die sozialdemokratische Reichstagsfraktion einstimmig, ihren.Anspruch auf den P r ä s i deir t e n p o st e n des Reichstags dringend zu erheb n, und dafür den ehemaligen Vizepräsidenten Löbe vorzuschla- gen. — Der „Vorwärts" dementiert das Gerüä-t, daß Fehrenbach seinen Auftrag in die Hände des Reickispräsidenten zurückgelegt hat. Fehrenbach sei durch dessen Ernennung Reichskanzler geworden, er könne also nur demissionieren, das habe er aber nicht getan, er sei vielmehr bestrebt, eine Regierung zu schassen und verhandle weiter. Das allgemeine Bewußtsein, daß sch.ießlich, und zwar sehr bald eine Regierung zustande gebracht werden müsse, sei den Aussichten für die Verhandlungen förderlich.
Berlin, 24. Juni. Ta tkstrch das Veftljalien der LinksunablKngigen eine Sltontbtna iom, in der die sozialißiische Arbeiterschaft den stiäcckßeck Einfluß g^l^tabt lKtte, >wie der „V o r w ä r t s" schreibt, aus dem Bereich der Möglichkeit ausgesckMxn ist, da ferner die Wiedepl-erstellung der alten Koalition gegenwärtig als unmöglich betrachtet wird und da schließt ick) eine Regierung, weder wüni ch.mÄvert noch möglich ist, in der die äußerste Reaktion ausschlaggebenden Einfluß besitzt, ist tatsächlick) nur noch eine Re gierung der bürgerlichen Mitte möglich. Sie auf die Beine zu sdelleii ist die Ausgabe der an ihr beteilig, en PartEi, nicht der Sozialdemol'raten. Diese wer.en es nicht unterlassen, den Prozeß der neuen Regierun.g M fördern, sie werden es unterlassen, der neuen Regierung ein Mißtrauensvotum ausMstellen, fiaf-em ihre Zusammen setznmg und ihr Pregtraimu dem entspricht, was bisher darüber bekannt geworden ist.
Berlin, 23. Juni. (Wolff.) Infolge der jüngsten Wendung in der K a b i n e t t s b i l d u n g sind sämtliche Fraktionen des Reick)stags heute vormittag zusammengetreten, um zur Lage Stellung zu nehmen. Nach der „B. Z." wird die Lage für außerordentlich schwierig gel>alten. Die Schwierigkeiten sind darauf zurückzuführen, daß die M e h r h e i t s s o z i a l d e m v k r a t e n der in der Bildung begriffenen Negierung das Vertrauen versagen, wenn auch mit einer Formulierung,
in Sachkunde auswirken könne.
Damit wird dem grundsätzlichen Vorwurf begegnet, der bereits in der Presse erhoben worden ist, der Reichswirtschaftsrat hebe die Demokratie wieder auf, wenn er sich zu einer „Kammer der Arbeit" mit gleichen Rechten wie die Volksvertretung entwickle. Der' frühere Staatssekretär Dr. Delbrück ist allerdings der Ansicht, daß die Entwicklung notwendig dahin führe, daß der Reichswirtschafts- rat neben Reichsrat und Reichstag eine dritte Volksvertretung werde. Und Georg Bernhard meint im „Plutus", der Reichswirtschaftsrat werde wie der Bismarcksche Volkswirtschaftsrat rasch wieder verschwinden, wenn er sich nicht zu einem selbständigen Parlament werter entwickle. Dagegen wird nun das grundsätzliche Bedenken.erhoben, daß der Reichswirt- schastsrat bei seiner Zusammensetzung aus - einer gleich großen Zahl von Arbeitgeber-und Arbeitnehmervertrelecn den Arbeitgebern ein stärkeres Wahlrecht gewähre als den Arbeitnehmern und so den Grundsatz des gleichen und allgemeinen Wahlrechts durchbreche. Es hat aber in der gegenwärtigen Zeit, wo die wirtschaftlichen Fragen mehr denn je auf eine sachkundige Behandlung drängen, wenig Sinn, sich um solche grundsätzliche Bedenken herumzustreiten, zumal sie auf die Form, rn der der vorläufige Reichswirtschaftsrat durch die Verordnung vom 4. Mai 1920 ins Leben gerufen worden ist, nicht zutreffen. Danach hat er.itur das Recht der Begutachtung und Beantragung von.Gesetzentwürfen, aber kein
Die Konferenz billigte die Vorschläge der fr an» zösischen und engliftfjen Sachverständigen für die Ausarbeitung der finanziellen Klauseln des Ver- t.ages. Die Alliierten, die die deutschen Delegierten am 5. Juli in Spaa ernpfaiisen, werden deren ,Vorschläge über die Art, in der Deutschland seinen Verpflichtungen nachkommen soll, ent» gegennehmen. Unter diesen Umständen wurde bie Konferenz veranlaßt, die vorläufig gehetnt» gehaltene Summe festzustellen, die als W:e- deigutmachung verlangt werde. Die veröffentlichten Schätzungen schwankeii zwischen 9 0 und 120 MilliardenGoldmark. Diese wird Deutsch- lw.id in 37 Jahresraten zu zahlen haben, von denen die ersten 5 nicht unter 3 Milliarden betragen, die anderen meroen sich automatisch je nach der Wiederanfrichtung der wirtschaftlichen Ber- hältiüsse Deutschlands erhöhen. Um die Forderungen flüssig zu machen, werden die Allüerten dec Internationalen Finanzkonfevenz in Brussel intern ationaleAnleihen Vorschlägen, ine England zu erleichtern sich verpflichtet.
Vollkommene Uebeveinstimmung wurde bei den Alliierten festgestellt bei der Frage der Matz- n ahmen, ine getroffen werden sollen, falls Deutschland seine Verpflichtungen mcht erfülle. Diese Maßnahmen werden wirtschaftlicher und militärischer Natur sein.
In der Orient frage erlaubte die Konferenz Veuiselos, die griechischen Truppen nach Smyrna zu entsenden, um den Vormarsch Kemal Paschas auftuhalleu. In der russischen Frage erklärte sich Millerand bereit, die Sowjetregierung anzuerkennen, solange es sich um eine wirllichc Regierung handele. Schließlich siegte der Tran» Se Standpunkt, mit Krassin über die Wre- rckhme t*r wirtschaftlichen Be^Mig «u Rußland zu diskutieren.
Lntente-Noten.
Friedens Vertrages, die eine aus die Zerstörung des Kriegsmaterials, die zweite auf die Luftschis fve st imrnungen. Der letzteren zufolge soll Deutschland erst drei Monate nack) Zer- störimg oder Ablieferung des vorl^ndenen Ma- terials zum Bau von Zivilfhugzeugen ermächtigt
wählen.
Berlin, 24. Juni. Der „Berl. Lokalanz." will aus Kreisen der Deutschen Volkspartei erfahren haben, daß die endgültign Verhandlungen über die Entpolitisierung der Wirtschaft durchaus zufriedenstellend trauten feien. Es werde bestimmt damit gerechnet, daß das bürgerliche Kabinett der Mitte zustande kommt.
Ter Zusammentritt des Reichstag.
Berlin, 21. Juni. Der Ael testen aus- schuß des Reichstages tritt laut „Berl Tagebl heute vormittag 11 Uhr zusammen. Es sei angeblich geplant, angesic^s der ungelösten Kaometts- krise den Zusammentritt des Reichstages noch um einige Tage zu verschieben.
Paris, 24. Juni. (WTB.) Dem Präsidenten der deutschen Delegation wurde am Mitttvoch n mittag vom Sekretariat der Fiiedenswnfarenz z'wei Noten überreicht. Beide Nvtim beziehen sich aus ischeu Klauseln des Versailler tge§, die eine auf die Zerstörung
Aus öem Ueiche.
Der Sdemrabzug vom Lohn.
Berlin, 24. Juni. Laut „Berl. Lokalanz." aus Halle wurde in einer von mehreren Tausend Arbeitern, Angestellten und Beamten besuchten Versammlung, in der energisch gegen den zehn- prozentigen Steuerabzug protestiert wurde, eine Entschließung gefaßt, in der zum Ausdruck gebracht wird, daß das Proletariat geroiUt ist, von allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln Gebrauch zu machen, wenn die brutale Maßnahme, wie sie der Steuerabzug darstelle, nicht beseitigt toirb. .
rm. Friedberg, 23. Juni. Gegen uen Steuerbazug vom Lohn hat auf Anregung des Vorsta"s ^Mitgliedes Hensel die Landwirtschaftskammer beim Reichsfinanz- amt Protest erhoben. Der Hess. Bauernbund hat einen ähnlich lautenden Antrag eingo reicht.
Koblenz, 23. Juni. (WTB.) Der Rerchs- kommissar für die besetzten rheinischen Gebiete teilt mit: Das Reichseiiikommensteuergefttz ist der interalliierten Rheinlandkommission zur Prüfung eingereicht und von ihr innerhalb der Prüfungsfrist nicht beanstant«t worden. Die Verordnung über den zehnprozentigen Lohnabzug vom 25. Juni ab ist der Rheinlandkommission gleichfalls vovgelegt und am 17. 6. von ihr registriert worden. Eine Beanstandung ist bis jetzt nid) terfolgt. Die Prüfungsfrist läuft bis 27. Juni. Eine Beschleunigung der Entscheidung ist bei der Kommission beantragt.
Köln, 23. Juni. (Wolff.) Die interalliierte Kommission hat, wie die britisch Behörde mitteilt, den Steuerabzug vom Lohn im besetzten Gebiet verboten.
Köln, 23. Juni. (WTB.) Das Verbot des Steuerabzuges innerhalb des besetzten Gebietes gilt nur vorläufig.
Anrechnung der Naturalbezüge beim Steuerabzug.
Ab 1. August Hat nach § 45 des EinAommen- steuergesetzes der Arbeitgeber bei jeder Lckft'.zal/lung 10 Prozent des Arbeitslohnes zu Lasten des Arbeit- nckhrners eiiMibeihalten. Als Arbeitslohn gelten nach 8 5 des Gesetzes außer dem Lohn auch Natu ral-und svn sti ge Sachbez ü g-e. Ter Wert dieser Bezüge ist -Mernftß 8 37 des Gesetzes nach den ortsüblichen Mittelpreisen anzusetzen. Um diesen Vorschriften gerecht zu werden, schreiben die Ausftkhrungsbestim mimgen vor, daß, soweit nicht in Löhutarifen Vereinbarungen ^troffen werden, die von den jeweils zuständigen Ver- sicherungsämtern auf Grund der Rrichsversick>e- rungsoiÄ-nung festgesetzten Orts preise matz, gebend sein sollen. Nun 'hdt es sich aber 'hevausge- stellt, daß die Versichrrungssämter den außeuordent- lich schwankenden Preisen der Lebenshaltung nicht überall und nicht gleichrnMgi gefolgt sind, so daß die augenblicklichen Fest'setzEigen die.er Acmter große, sachlich nicht gerechtfertigte Unterschiede auf- weisen. Tie GleickmÄßigleit der Bestmierung er- slordert es, daß für die Bewertung der Natural- und sonstigen Sachbezüge erstheilliche Grund ätze aufge- gefteUt werden. Ter Reichsftnau^miuister entschloß sich dckher zu der Anordnung, datz bet dem Steuerabzug von dem Arbeitslohn, der bekanntlich am 25. Juni in Kraft tritt, die Natural- und sonstigen Sachbezüge nicht in An re chn u ng kommensollen. Tie Abrechnung dieser Bezü ge soll vielmehr erst am 1. August und j'irar mit Wirkung von diesem Tage ab in Kraft treten. Wo also der Gesamtldhn des Arbeiters gleick-zeiftg aus Barbshn und Naturalbezügen besteht, wird der Ab- zug bis zum 1. August lediglich vom B a r l o 'ij n itrti> erst von diesem Tage ab vom Na- turallMi vor genommen. (WB.)
i Proteste gegen die Lebensmittelteuerung.
Berlin, 23. Juni. (WTB.) Wie der : Vorstellungen gegen bie unerträg- I „A b e n d" mitteilt • erhob der Berliner Magistrat bei deut Ernälpungsminister dringende licke Höbe und weitere ©teiec'-n •* »
Der englische Vertreter in Be/lin.
Paris, 24. Juni. (WTB.) Di'/ englische Regierung soll als Vertreter Großbritannreno nt Berlin Lord d ' Abernon bezeick-net h.iven. d'Abernvn war früherer Direktor der ottomani- schen Schuld.
Frankreichs Vertretung in Berlin.
Berlin, 24. Juni. Laut „Boss. Ztg." will die franz ösi'che Regierung auf die Entsenduw'! eine! Bevufsdiplomaten nach Berlin verzichten. Sie z^el)e es vor, eine mit den wirtschaftlichen und ftnanzrelleu: Fragen vertraute Persönlichkeit zu ernennen.
Der Friedensvertrag der Türkei.
Paris, 24. Juni. (WTB.) Das, Sekretariat der Friedenskonferenz hat dem Großvezier eme Note zugestellt, in der ihm eröffnet wird, daß die der Türkei zugestandene Frist zur Einreichung ihrer Bemerkungen auf den Friedensvertrag am 26. Juni abläuft und dag keine Fristverlängerung zugestanden werden kann.
Bildung einer Koalitionsregierung in Rußland?
Paris, 24. Juni iWTB.) Havas meldet aus London, daß der „Evening ©tantart" aus ^ivUmo- tischer Quelle vernehme, daß sich verschien-ene wl- schswisti'ch/ Führer, unter ihnen auch Lenm, um die BiWung einer Koa liliousre gier ung oe- müllen. Man erwartet für die uä,a>ste Zuiunft einen Umschwung in der Regierung SvwietrußlandL
werden.
Die Cntwastnnng Deutschland».
A m st e r d a m , 24. Juni. (WTB.) Laut „Times" soll die in der Entwaffnungsfrage an Deutschland gerichtete Note den deutsck^en Emwen- brntgen insofern Rechnung tragen, als sie die Erhöhung der Polizeittuppen von 80000 Mann auf 150000 Mann gestattet.
Utllll je Ulty ULLL UU| UlL V «V- . -
brannt haben. Doch nachdem er einmal be- ^,cJuLrfMtP steht, ist es gerade vom Standpunkt der Wirtschaft das zweckmäßigste, ihn einmal arbeiten und sich ins Wirtschaftsleben und Zusammenarbeiten mit dem Reichsrat hineinleben zu lassen und vorläufig alle Machterweiterungsbestrebungen zurück'ustellen. Dringendste Aufgaben findet er die Hülle und Fülle. Wir nennen nur beispielsweise die Abschaffung der 20- irozentigen Kohlensteuer, die das Wirtschaftseben nicht ertragen kann. Sie bildet die Voraussetzung des Wiederaufbaus des Verkehrs, des Bauwesens, der Kaliindustrie usw. Die Kaliindustrie muß billiger und mehr erzeugen, damit die Lebensmittel billiger werden, d. h. in größeren Mengen erzeugt werden können. Die Frachtsätze müssen ermäßigt werden, damit die Städte und Jndustriebezirke billige Lebrnsmittelzufuhr erhalten. Das Verhältnis zwischen Stadt und Land ist von dem für das ganze Volk verderblichen feindlichen Gegensatz zu befreien. Das lebendige Leben wird schon die Entwicklung bringen, die notwendig ist, und es wird sie in die richtigen Bahnen lenken. Mirkt der Wirtschaftsrat erfolgreich für die Hebung und Verbilligung der Erzeugung und für den sozialen Frieoen, so wird er der deutschen Volkswirtschaft zum Segen gereichen. Er wird dann mit oder ohne Erweiterung seiner Befugnisse stets das Ansehen beim Reichsrat und Iieichstag genießen, das seinen sachkundigen Wünschen die gebührende Berücksichtigung sichert.
Zeit, in her di: wirtschaftlichen Fragen mehr d-° nach »nsnA dn
dann je uns alle aut b« Sin8en,ä3el ( ge. tm ütataL She Heg.
nnrf'hprn pr pl1imnf bk'-' ^geworfenen Frage der Besetzung gewisser Mini- ’terien Letztere Schwierigkeit fei die geringere imb würde fick voraussichtlich überwinden las,en. Zur Haltung der Demokraten sagt die „B. Z.", nach 'her Stellungnahme der Sozialdemokraten werde in führenden demokratischen Kreisen ür unmöglich gehalten, daß noch eine Regierung aus dem Zentrum, den Demokraten uw> der Teut- 'chen Volkspartei zustande komme. Man glaube, daß nunmehr nur übrig bleibe, eme Regierung aus dem Zentrum und der Deutschen Volkspartei zu bilden, die die Demokraten in den parlamentsüblichen Formen unterstützen würden. Neuere amtliche Informationen über die Lage liegen nicht vor.
Berlin, 21. Juni. Der optimistische T o n in den Mitttillmgen über Fehrenbachs Fortschritte ist nach den Informationen des „Vorwärts nicht berechtigt. Allerdings wird es, rote die „Boss.' Ztg." meint, nicht möglich lein, bis zur heutigen Eröffnungssitzung des R"chs- tages die Kabinettsbildung zu bemixn. So sehr die Verlängerung der Krise zu bedauern sei, )o gering fei die praktische Bedeutung der Tat ache, datz der Reichstag sich beute und vielleicht auch morgen noch ohne die neue R gierung behelfen müjfe. Zunächst habe er mit sich selbst zu tun. Er mülle ftch konstituieren und in der zweit.n Sitzung das Präsidium


